Tagesarchiv für den 13. Oktober 2012

Diekmeier und Tesche trafen doppelt – 8:1

13. Oktober 2012

Der HSV gewinnt auch ohne Stürmer. Zum Beispiel 8:1 gegen die Landesliga-Mannschaft von Eintracht Elbmarsch. Das heißt, einen Stürmer gab es schon, aber der kam nicht von den Profis. Georg Kelbel war die einzige Spitze, er kommt aus der Regionalliga-Mannschaft von Rodolfo Cardoso. Kelbel spielte aber nur in den ersten 45 Minuten, traf aber immerhin einmal – zum zwischenzeitlichen 2:1 für den HSV. Vor 2000 Zuschauer und bei herrlichem Sonnen-Wetter war die Eintracht durch einen „alten Bekannten“ der Hamburger Amateurszene, nämlich Christian Spill, mit 1:0 in Führung gegangen, und zwar schon in der siebten Minute. Nach dem 1:1 von Gojko Kacar und Kelbels 2:1 geriet der HSV aber nie in Gefahr, sich an der Elbe eine Blamage abzuholen. Zum „Man of the match“ wurde Dennis Aogo gewählt, der 90 Minuten durchspielte, auffälligster Hamburger war und auch ein Treffer zu diesem Kantersieg beisteuerte.

Robert Tesche und Dennis Diekmeier trafen je zweimal, Tolgay Arslan trug sich einmal in die Schützenliste ein. Und so spielte der HSV: Tom Mickel (ab 46. Sven Neuhaus); Dennis Diekmeier, Michael Mancienne (61. Manuel Farrona-Pulido), Paul Scharner, Marcell Jansen (61. Dominik Jordan aus der U 19); Tomas Rincon, Gojko Kacar (61. Baxter Bahn); Tolgay Arslan, Robert Tesche, Dennis Aogo (61. Felix Brügmann); Georg Kelbel (ab 46. Janek Sternberg).

Auffällig bei dieser Formation: Jansen spielte hinten links. Und Aogo davor. Es bleibt also für das VfB –Stuttgart-Spiel am Sonntag dabei, dass Jansen hinten verteidigt. Aogo muss sich erst einmal wieder in die Startformation kämpfen – mit Leistungen wie heute aber dürfte das nicht mehr so lange dauern. Gut stellte sich auch Rincon vor, der 90 Minuten durchhielt und dabei überzeugte.

Thorsten Fink sagte nach der bestens organisierten Veranstaltung in Drennhausen, wo die Eintracht Elbmarsch beheimatet ist: „Ich war mit der Laufleistung und der Einstellung der Mannschaft zufrieden, aber ich wünsche mir immer noch das eine oder andere Tor mehr.“ Wer nicht?

Nicht mit an der Elbe war bekanntlich der Kapitän. Damit ist nicht Michael Ballack gemeint (der natürlich auch nicht da war!), sondern vielmehr Heiko Westermann. Der so oft (zu Unrecht) gescholtene HSV-Profi bekam ja überraschend eine Einladung von Bundestrainer „Jogi“ Löw zu den WM-Qualifikationsspielen gegen Irland und Schweden. Leider hat Westermann in Dublin nicht gespielt, ich hätte mich sehr über (s)einen Einsatz gefreut, aber dass er überhaupt dabei ist, das zeigt sehr wohl, dass Löw die vielfach überragenden und immer vorbildlichen Leistungen von Westermann beim HSV nicht nur zur Kenntnis genommen hat, sondern auch honoriert. Wer hätte das noch vor einem – sagen wir mal – halben Jahr gedacht?

Thorsten Fink lobte seinen Spielführer: „Die Einladung ist optimal für Heiko, ich glaube, dass ihm diese Nominierung noch einmal einen zusätzlichen Schub geben wird. Davon bin ich sogar fest überzeugt. Er hat ja in der Vergangenheit viel auf den Kopf bekommen, dass er schlecht sei, dass er das nicht kann oder jenes – aber ich habe jetzt gelesen, dass ‚Jogi’ Löw den Heiko sehr gelobt hat – und ein bisschen Ahnung hat der junge Mann ja auch. Der Bundestrainer war nicht nur zufrieden mit Heiko, er war sogar begeistert von ihm. Das bin ich auch. Auch ein Heiko Westermann braucht solche Erfolgserlebnisse, aber insgesamt muss ich sagen, dass er bei uns sehr konstant gespielt hat, er war oft der Fels in der Brandung. Und er ist vom Charakter her ohnehin ein vorbildlicher Profi.“

Auf das Thema Charakter ging Thorsten Fink dann noch einmal extra ein: „Wenn man mir heute einen Zettel hinlegen würde, mit der Frage, was das Wichtigste an einem Fußballer ist, dann würde ich – außer das Wort Talent – an erster Stelle den Charakter nennen. Wenn man keinen Charakter hat, dann kann man kein Fußballer werden . . .“
Ja, genau deswegen ist Heiko Westermann nicht nur eine große Stütze des HSV, sondern auch der Kapitän der Mannschaft. Und jetzt auch sogar schon wieder bei der Nationalmannschaft. Wobei, das fügte Fink noch ergänzend an, auch die gesamte Mannschaft Charakter haben muss: „Das gesamte Team muss vom Charakter her und vom Zusammenspiel funktionieren. Wie in einem Orchester. Ich brauche ja verschiedene Komponenten in einem Orchester, ich kann ja nicht mit zehn Geigen spielen, ich brauche verschiedene Künstler, und die müssen dann miteinander harmonieren – und so ist auch in einer Mannschaft. Vom Alter her, vom Charakter her muss es alles passen.“ Dann erklärte Thorsten Fink die einzelnen Mannschaftsteile: „Ein Stürmer ist nun mal egoistisch vom Charakter her. Das ist nun einmal so. Ein Stürmer, der nicht egoistisch ist vom Charakter, der wird nie ein guter Stürmer sein. Ein defensiver Mittelfeldspieler ist meistens, zu 80 Prozent auf jeden Fall, ein bodenständiger Mensch. Das wird man immer wieder sehen. Und ein Zehner ist natürlich der kreative Mann, auch privat, der liebt das Leben – ein Stürmer liebt die Frauen; so ist das. Auch wenn es natürlich nicht auf alle zutrifft.“

Einige Stunden vor dem A-Länderspiel in Irland tat sich die deutsche U-21-Nationalmannschaft in Leverkusen ja gegen die Schweiz recht schwer. Nur 1:1, die Qualifikation für die EM dürfte sich noch sehr, sehr schwierig gestalten. Mit von der Hinspiel-Partie war HSV-Profi Maximilian Beister, der kräftig schimpfend, ja meckernd vom Rasen der BayArena stampfte. Wie ein Kesselflicker hat der HSV-Stürmer geflucht. Den Grund dafür sah ich in diesem Unentschieden, aber vielleicht steckte ja auch noch etwas anderes dahinter. Auf jeden Fall gab es wieder einmal (wie zuletzt beim HSV) kein Erfolgserlebnis für „Maxi“ Beister, der sich in Hamburg ja immer noch zwischen Baum und Borke befindet. Kein Stammplatz. Und der Weg dorthin dürfte noch dornenreich sein. Heung Min Son hat sich durch seine Treffer und durch seine Torgefährlichkeit einen kleinen aber sicheren Vorsprung auf der rechten Seite erspielt.

Maximilian Beister werden ja vor allem Defizite in der Defensivarbeit nachgesagt. Aber das ist es nicht nur. Thorsten Fink generell: „Ich glaube, dass Maxi sicher auch in der Defensivarbeit lernen kann, das ist ganz klar, aber es gibt verschiedene Dinge. Wann gehe ich in den Raum? Wann gehe ich steil? Wann bleibe ich zwischen den Linien? Und auch in Sachen Torabschluss läuft es ja noch nicht so rund, weil er in der Ersten Liga nicht so viel Platz hat. Maxi hat ja schon einige Spiele gemacht, gegen einen Drittligisten hat er auch ein Tor gemacht, aber in der Bundesliga, da hat er ja auch schon öfter gespielt, da hat er eben nicht so viel Raum, um zum Abschluss zu kommen. Das ist sicher auch etwas anderes als in der U-21-Nationalmannschaft.“ In der Beister ja schon mehrfach als Torschütze glänzen konnte. Fink abschließend zu diesem Thema: „Kommt Maxi Beister, von dem ich sehr viel halte, auf den wir für die Zukunft bauen, kommt dieser Maxi Beister über die Bank ins Spiel, und das ist er ja schon häufig, und schießt er dann Tore, dann muss ich als Trainer auch schauen, was ich mit ihm mache . . .“ In der Zukunft. Weiter Bank oder doch von Beginn an? Vor diese Wahl aber muss Beister den Coach erst einmal stellen – am besten mit vielen Toren und Top-Leistungen.

In der Ersten Liga konnte zuletzt ja auch Artjoms Rudnevs als Torschütze jubeln – zweimal. Aber der Lette ließ auch einige Groß-Chancen einfach liegen. Und wenn ich das kritisiere, dann gibt es auf die Ohren. Natürlich in „netter“ Form – das ist keine Beschwerde. Wenn ich allerdings lese, dass ich mit „einem Piotr Trochowski immer weitaus nachsichtiger umgegangen bin, wenn der mal solche Chancen vergeben hat“, dann muss ich ehr schmunzeln. Das ist der berühmt-berüchtigte „Apfel-Birnen-Vergleich.“ Ich kann mich nämlich nicht erinnern, dass der „kleine Dribbelkünstler“ einst solche Chancen – für den HSV spielend – auf dem Fuß hatte. Wann stand denn Trochowski schon mal frei vor einem Torwart? Ich kann mich an keine einzige Szene dieser Art erinnern. „Troche“ hat doch meistens – wenn er denn mal schoss – aus der größeren Entfernung das gegnerische Tor anvisiert – weil er doch ganz andere Vorzüge hatte, als zum Beispiel Artjoms Rudnevs.

Über den Thorsten Fink quasi in einem Nebensatz folgende Beurteilung losließ: „Marcus Berg ist sicher vor dem gegnerischen Tor viel besser als Rudnevs, aber Rudnevs ackert wie ein Tier. Die Laufwege von Rudnevs sind hervorragend. Das fehlt vielleicht einem Marcus Berg zurzeit. Der eine hat das, der andere hat jenes. Ich muss aber sehen, wie wir als Mannschaft funktionieren, und da passt es mit Rudnevs eben ein wenig besser.“ Um das noch einmal abschließend zu sagen: Nachdem ich für meine Rudnevs-Kritik zuletzt wieder einmal Ärger bekam, habe ich mich schlau gemacht. Was haben die anderen HSV-Journalisten dem Letten denn für Noten (im Spiel gegen Fürth) gegeben? Bild: Note fünf. Mopo: Note fünf. Welt: Note fünf.
Und mehr als eine Fünf war auch meine Kritik nicht wert, denn ich habe Artjoms Rudnevs nämlich noch ob seiner „anderen Verdienste“ (Laufarbeit, Kampfbereitschaft) gelobt. Jawoll, gelobt. Auch wenn ich ihn wegen seiner zwei vergebenen Hundertprozentigen „Chancentod“ genannt habe. Aber gut, das ist vorbei – und vielleicht ja auch bald wieder vergessen (nicht wahr, Mädels?).

PS: An diesem Sonntag ist kein Training im Volkspark.

17.08 Uhr