Tagesarchiv für den 10. Oktober 2012

6:0 beim VfL – Berg zur Nationalelf

10. Oktober 2012

Da standen sie nun. Und sie bekamen ordentlich was ab. Besser gesagt: Und JU bekam von mir ’nen Lütten mit. Was genau er reißerisch an der Überschrift gefunden hatte, war meine Frage. Anlass war die hier von einigen Bloggern vorgetragene Kritik an der Darstellung und auch der Art der Darstellung von Dennis Aogos Rückkehr. Und nur, damit das hier niemand falsch versteht: ich schätze JU. Ich halte ihn wie alle anderen hier für einen ganz wesentlichen Bestandteil des Blogs und nehme seine Anregung und Kritik sehr ernst. Aber die gestern geäußerte Kritik an einer Geschichte, die von mir sehr positiv und korrekt beschrieben empfunden wurde ging in die falsche Richtung. Zumal das der von Euch immer wieder als „unter Druck gesetzte“ Akteur selbst ganz anders sieht. Der hat mir nämlich – und das ist alles andere als normal – für die korrekte Berichterstattung gedankt. Aber egal wie, mir geht es hier nicht um’s Recht haben oder nicht – dennoch glaube ich, dass wir uns alle beruhigt darauf verständigen können, dass der Artikel okay ist, weil er dem Spieler selbst gefällt.

Noch wichtiger als das ist aber das Comeback des Linksfußes. Anstatt diese Woche noch individuell zu trainieren, mischte Aogo gegen den VfL 93 vor rund 1250 Zuschauern beim 6:0 schon fleißig mit. Und das sogar gleich als Kapitän der verbesserten B-Elf. Als Linksverteidiger wirkte Aogo, als sei er in einen Jungbrunnen gefallen. Zwar merkte man ihm fußballerisch in der einen oder anderen Szene noch seine lange Spielpause an – allerdings wirkte Aogo körperlich wie von ihm selbst angekündigt, topfit. In der zehnten Spielminute eröffnete Aogo nach feiner Kombination über Arslan und Kacar den Torreigen. Und man merkte ihm die Freude über sein Comeback deutlich an. Das 2:0 von Pulida bereitete er mustergültig vor. Ein gelungenes Comeback!

Bester Mann auf dem Platz in der ersten Hälfte war neben Aogo Tolgay Arslan. Auf der Zehn bestätigte der quirlige Rechtsfuß seine zuletzt gezeigten starken Leistungen. Immer anspielbar trug er sich in der 31. Minute als Torschütze ein und erhielt ein Extralob vom ebenfalls (wie Kacar, Rincon, Aogo) debütierenden Paul Scharner.

Kurzer Abstecher: Scharner wurde mit einer Rede auf youtube veröffentlichten Parodie zum Thema Streit mit dem ÖFB auf humoristische Weise auf den Arm genommen (www.youtube.com/watch?v=jQGwMZ7vbYA).

Im Spiel agierte der Österreicher agierte von Beginn an für den bei der Nationalelf weilenden Heiko Westermann in der Innenverteidigung. Und er machte eine gute Figur, versuchte die „Mannschaft ohne elf“ (fehlende Nationalspieler) zu führen. Auch Gojko Kacar debütierte nach seinem Fußbruch und Innenbandriss. Der Serbe wirkte nachvollziehbar noch ein wenig Hüftsteif – anders als sein Kollege im defensiven Mittelfeld, Tomas Rincon. Der Venezolaner ackerte wie gewohnt und trug sich in der 38. Minute sogar mit einem gekonnten Distanzschuss zum 4:0 als Torschütze ein und wurde ebenso wie Kacar und Aogo in der Halbzeit ausgewechselt. Die zweite Hälfte vollendete die gute Trainingseinheit der ersten Hälfte. Felix Brügmann erhöhte auf 5:0 und 6:0 (54. und 68.). Und, wenn es was bemerkenswert schönes an diesem Spiel gab, dann die Tatsache, dass sich die Konkurrenzsituation durch die Rückkehrer noch mal verschärft hat.

Wirklich unglücklich wirkte einzig Berg. Dem Schweden ist anzumerken, dass er unglücklich ist mit seiner Situation. Unmittelbar vor Saisonbeginn war ihm noch mal gesagt worden, dass er den Verein wechseln kann. Und dieses Angebot gilt noch immer. Allerdings muss sich der Schwede jetzt bis Winter gedulden. Und so die Folgen seiner Entscheidung tragen, wie beispielsweise die Nichtnominierung für die anstehenden Länderspiele. „Dass ich nicht nominiert wurde, ist verständlich, weil der Trainer nur die Leute nominiert, die auch in ihren Vereinen spielen.“ Und das gilt für ihn nunmal nicht. Dennoch macht Berg keinen Hehl daraus, dass ihn die Situation stört. Zumal es am 16. Oktober gegen die DFB-Auswahl mit seinem Mannschaftskollegen Heiko Westermann. „Natürlich bin ich enttäuscht, nicht gegen Deutschland dabei zu sein.“ Allerdings vermittelt Berg auch nicht den optimistischsten Eindruck. „Drei Punkte für Schweden werden sehr schwer“, so seine Prognose, „aber ein Punkt ist möglich – wenn Deutschland einen schlechten Tag hat.“

Das alles sagte er heute Vormittag, als er noch davon ausging, am Abend gegen den VfL 93 in der Startelf zu sein. Und auch daraus wurde nichts. Diesmal allerdings aus gutem Grund: er wurde nachnominiert. Glückwunsch, Herr Berg! Vielleicht klappt es ja wie zuletzt, als Du gegen Kasachstan zum 2:0 getroffen hast…

Gratulieren möchte ich aus gegebenem Anlass auch Per Skjelbred, der am Sonnabend in der norwegischen Seekirche (Portugiesen-Viertel) seine Freundin Christina heiraten wird. Seit 16 Jahren kennen sich die beiden jetzt, gingen früher sogar auf dieselbe Schule. Von daher: Glückwunsch, lieber Per!

Ebenfalls positive Schlagzeilen macht der HSV derzeit auf anderer Ebene. Wie die meisten wahrscheinlich schon gelesen haben, hat sich die Anleihe bislang als echter Glücksgriff erwiesen. Seit dem 29. September werden die Anleihen in verschiedenen Stückelungen verkauft. Bislang wurden mehr als 50 % der 125-, 404- und 1887- so genannten „Schmuckurkunden sowie das 500 Euro teure Global-Wertpapier gezeichnet. Zusammen ergibt das den sehr stolzen Betrag von bereits 6,5 Millionen Euro für das Projekt Campus. „Die Menge der Zeichnungen übersteigt unsere Erwartungen um ein Vielfaches“, freut sich Carl Jarchow. Bislang wurden zudem rund 65 Prozent der teuren Anleihen gezeichnet. Wider aller Erwartungen wurden weniger kleine Schmuckanleihen gekauft als Große. Geplant ist die Umsetzung des „Campus“ für den Sommer 2013, Fertigstellung soll im Sommer/Herbst 2014 sein. Sollte die volle Anleihe in Höhe von 12,5 Millionen Euro noch vor dem Ablaufdatum 31. Dezember gezeichnet sein, ist zudem eine Aufstockung denkbar. „Wir haben genügend Projekte, die es zu finanzieren gilt“, sagt Jarchow und spricht damit eine Ausgestaltung der Trainingsmöglichkeiten ein. Im Rahmen des „Campus“ kommt bereits ein Kunstrasenplatz dazu. Zudem soll noch ein weiterer Naturrasen (dann wären es insgesamt vier Naturrasen und 1,5 Kunstrasenplätze) gebaut werden, sofern sich die räumlichen und finanziellen Möglichkeiten ergeben. „Denkbar wäre eine Erhöhung der Anleihe um drei bis vier Millionen Euro“, so Jarchow, der zudem noch Gelder benötigt, um die für den Campus wegfallenden Parkplätze zu ersetzen. Gedacht wird dabei an eine „Paletten“-Lösung, also Parkhäuser wie bei Kinos (UCI Othmarschen beispielsweise).

Auch insgesamt ist der HSV bei der Akquise von neuen Einnahmequellen sehr findig. Manchmal, wenn es nach einigen Fans geht, auch etwas zu findig. Wie bei dem Sponsoring der Firma Viagogo, die sich via Internetauktion von HSV-Tickets refinanziert. „Klar ist, dass wir das nicht machen würden, wenn es für uns wirtschaftlich nicht attraktiv wäre“, gibt Jarchow zu. Immerhin hatte sich der Klub bis zuletzt und noch immer mit anderen Internetanbietern über die Rechtmäßigkeit des dortigen Ticketverkaufs gestritten. Sogar gerichtlich. „Wir haben uns mit einigen Anbietern bis heute angelegt“, so Jarchow, „hoffen aber, mit diesem Engagement eines seriösen und bei sieben Bundesligavereinen vertretenen Anbieters den unseriösen Verkauf eindämmen zu können.“ Das sich einige Fans darüber aufregen, kann Jarchow grundsätzlich nachvollziehen: „Aber“, verteidigt er, „es kommen pro Spiel nur 1500 Tickets über Viagogo in den Verkauf. Darunter sind keine Stehplätze, keine Gästetickets und keine Business-Seats. Die Tickets dürfen nicht über einer Wertsteigerung von 100 Prozent verkauft werden. Und wir hoffen damit, den Schwarzmarkt ein wenig eindämmen zu können.“

Abwarten. So seltsam der Sinneswandel anmutet – vielleicht funktioniert’s ja. Dennoch haben sich für die Mitgliederversammlung am 15. Oktober einige Fans angekündigt, die den Vorstand um Erklärungen zu dem Sinneswandel in Sachen Online-Ticket-Versteigerungen befragen wollen.

Sportlich hielt sich Jarchow heute größtenteils zurück. Wohin die Reise gehen wird? „Wir wollen uns auf dem jetzigen Level stabilisieren. Wir sind auf dem achten rang, wissen aber auch, dass es nach unten noch ganz eng ist. Erst wollen wir uns davon lösen, dann den nächsten Schritt machen.“ Klingt alles so, wie es zuvor Sportchef, Trainer und Spieler formuliert haben: vernünftig. Auch das: „Wir wissen auch, dass wir die Spiele gegen Dortmund und Hannover mit etwas Glück gewonnen haben und unsere Gegner nicht an die Wand gespielt haben. Aber auch diesbezüglich bin ich sehr zuversichtlich.“

Wir auch. Zumindest Dieter und ich. In diesem Sinne, bis morgen. Da wird um 15 Uhr an der Arena trainiert und wir haben die Möglichkeit, anschließend mit dem Scharner Paul zu sprechen. Ein Termin, den ich schon seit einigen Tagen bei Jörn Wolf versucht hatte, den dieser aber mit der nachvollziehbaren Begründung ablehnte, dass der Scharner Paul erst spielen wolle, ehe er redet. Und das leider noch ohne Marcell Jansen, der heute nur im Wald laufen ging und ebenso fehlt wie Zhi Gin Lam, dessen Faserriss hartnäckiger als erwartet ist. „Er wird noch circa zehn Tage brauchen“, so Finks überraschende Prognose heute. Nur gut, dass mit Aogo wieder eine weitere Alternative für die Außenverteidigerposition bereitsteht.

Scholle

HSV beim VfL: Neuhaus – Diekmeier, Mancienne (62. Dettmann), Scharner, Aogo (46. Sowah) – Rincon (46. Brown), Kacar (46. Brügmann) – Skjelbred, Arslan, Tesche – Pulido