Tagesarchiv für den 6. Oktober 2012

1:0-Sieg – es geht weiter aufwärts!

6. Oktober 2012

Der HSV setzt seinen Aufwärtstrend fort. Beim Aufsteiger Greuther Fürth gab es einen hauchdünnen 1:0-Erfolg, den Heung Min Son mit seinem Tor in der 17. Minuten herausgeschossen hat. Anhand der Großchancen, die der HSV hatte, ist dieser Sieg verdient, aber souverän war die Vorstellung der „jungen Finken“ nicht immer. Aber gut Ding will auch beim HSV Weile haben. Seien wir zufrieden mit diesem Zwischenspurt des „neuen HSV“, mit dem Abstieg, ja mit der Abstiegszone, wird dieser Hamburger Sport-Verein nichts mehr zu tun haben. Die erfreuliche Entwicklung hält weiter an, und in naher Zukunft werden sich auch jene Siege einstellen, die dann als souverän zu bezeichnen sind.

Bevor ich jetzt zum Spiel komme, möchte ich auf die nun gleich beginnende „Matz-ab-live“-Sendung hinweisen, die wie immer aus dem „Champs“ in Hamburg-Schnelsen kommt. Unsere Gäste sind heute zwei ehemalige HSV-Profis, und zwar sind diesmal dabei der ehemalige Torhüter Jürgen „Starski“ Stars sowie der Stürmer Lothar Dittmer. „Uns Scholle“ ist leider erkrankt und fällt aus, wir wünschen ihm gute und schnelle Besserung. Und ich würde mich freuen, wenn ihr wieder zahlreich einschalten würdet. Bis gleich!

Zum Spiel:

Der Aufsteiger legte mächtig los. Aggressiv, temporeich, druckvoll. So hatte ich die Fürther auch erwartet. Und der HSV offenbar auch, denn der hielt sehr gut dagegen. Ich kann mich nur wiederholen, ihr wisst es alle – dieser HSV ist ein ganz anderer als noch zu Saisonbeginn. Heiko Westermann hatte es vor einer Woche gesagt: „Die Verantwortung ist nun auf fünf, sechs Schultern verteilt.“ Genau so ist es. Jetzt reißt sich jeder zusammen, spielt konzentriert und vermeidet Fehler. So gut es geht. Aber es geht eben gut. Oder viel, viel besser als noch zu Saisonbeginn. Der HSV war natürlich klug beraten, gegen Fürth so aufmerksam zur Sache zu gehen, denn noch spielt ein Aufsteiger mit Euphorie, auch wenn der Start in diese Spielzeit nicht unbedingt geglückt ist. Dennoch wollen die Jungs von Mike Büskens natürlich nicht gleich wieder runter, und deswegen gehen sie (auch immer noch) zur Sache. Was sich im Winter, dann mit weit mehr Misserfolgen im Rücken, eigentlich nachlassen wird – jedenfalls war das in der Vergangenheit oft so.

Der HSV hatte auch den Vorteil, zu einem idealen Zeitpunkt in Führung gehen zu können. Bereits in der 17. Minute lag der Ball im Fürther Netz. Tolgay Arslan hatte sich aus der eigenen Hälfte mit Ball nach vorne gedribbelt und auch getankt, dann kam zur rechten Zeit das Abspiel auf Heung Min Son, und der Südkoreaner zeigte auf, dass er in den letzten Wochen viel Selbstvertrauen getankt hat. Son dribbelte sich über rechts zur Mitte und schoss aus halbrechter Position scharf und flach auf das Tor, und dieser Ball war kaum zu halten (17.). Ein tolles Tor von einem Spieler, dem ich, das gebe ich zu, vor Wochen, als es noch den „alten HSV“ gab, eine solche Steigerung nicht zugetraut habe. Aber Son hat sich gut entwickelt, was auch daran liegt, dass ihm von Trainer Thorsten Fink immer Vertrauen entgegen gebracht wurde. Seien wir doch ehrlich (jedenfalls die meisten Matz-abber): Als wir uns Maximilian Beister auf rechts wünschten, stellte Fink immer wieder Son auf. Weil der offensichtlich besser mit nach hinten denkt.

Nach 25 Minuten kamen die Fürther wieder besser ins Spiel, auch deshalb, weil sich beim HSV die unsauberen Aktionen häuften. Es gab zu viele Freistöße in Tor-Nähe des HSV, und auch wenn es keinen Treffer daraus gab – das baut dennoch auf. So gesehen machte sich der HSV das Leben auch selbst schwer. Dass es kein Gegentor gab, lag auch an der erneuten Aufmerksamkeit der HSV-Defensive, in der ich Heiko Westermann einmal mehr als überragend bezeichnen möchte. Vor einer Woche noch spielte er gegen Hannover 96 volle 90 Minuten mit einem Muskelfaserriss nicht nur durch, sondern ebenfalls ganz stark, und diesmal war der Kapitän überall dort, wo Gefahr drohte. Das war mal in der Luft, mal am Boden – Westermann bügelte alles glatt und aus.

Genau so habe ich ihn immer erwartet (und auch gesehen), aber eine dicke Überraschung in diesem Hamburger Team ist für mich Tolgay Arslan. Der „Daddelbruder“, der früher lieber einmal zu viel als zu wenig dribbelte, der nach zwei, drei gelungenen Aktionen leicht auch mal „durchdrehte“ und den Ball wieder verlor (mit Hacke, Spitze, eins, zwei, drei), dieser „Daddelbruder“ entwickelt nun plötzlich eine ungeahnte Effizienz und auch eine gewisse „Giftigkeit“, die man haben muss, wenn man auf der „Sechs“ spielen will. Man sollte Arslan jetzt auch „Stachel“ nennen, denn er absolviert auch sein Defensivspiel, von dem ich geglaubt habe, dass es gar nicht vorhanden ist, unglaublich gekonnt und konzentriert. Kompliment, Tolgay Arslan, das ist wirklich klasse!

Um an dieses (letzte) Wort anzuschließen: Michael Mancienne ist irgendwie auch unglaublich. Wir erinnern uns: In Frankfurt bereits nach 37, 38 Minuten ausgewechselt, weil er ohne Ende „schwamm“, kam er nur deshalb wieder in die Start-Elf (für Mönchengladbach), weil Jeffrey Bruma verletzt war. Und diese (unverhoffte) Chance hat der Engländer genutzt. Mit zwei bärenstarken Auftritten – und mit dieser Leistung in Fürth. Er passt sich seinem Nebenmann Westermann bestens an, so wie es jetzt den Anschein hat, hat der HSV sein Innenverteidiger-Pärchen gefunden. Bin mal gespannt, was Thorsten Fink mit dem Österreicher Paul Scharner (der jetzt voll dabei ist) machen wird und will. Auf jeden Fall ja allerbeste Perspektiven personeller Art für den HSV.

Der HSV brachte seine dünne Führung souverän in die Halbzeitpause, Fürth mit dem oftmals zu heißen und unfairen HSV-„Killer“ Asamoah hatte bis auf die viele Freistöße, die in schönster Regelmäßigkeit zu nichts führten, keine nennenswerte Tormöglichkeit. Das blieb auch in Durchgang zwei zunächst so. Der HSV war am Drücker: In der 55. Minute wurde Son geschickt, doch Torwart Max Grün war schneller und vor allen Dingen entschlossener und klärte. In solchen Szenen wünschte ich mir schon, dass Son einmal „durchziehen“ würde.

Kurz darauf begann der HSV dann, um den Ausgleich zu betteln. Fürth kam, in der Fink-Truppe ging mitunter ein wenig die Ordnung verloren. Aber alle Angriffe des Aufsteigers scheiterten an Westermann und Mancienne, und als letzte Instanz Rene Adler, der immer mehr in den Blickpunkt rückte.

Dabei hätte sich der HSV das Leben vereinfachen können. Wenn die „Hundertprozentigen“ genutzt worden wären. Milan Badelj schickte Artjoms Rudnevs, der Lette stand frei vor Torwart Grün – und schoss den Keeper mit links an (66.). „Chancentod“ Rudnevs, mein Gott, wenn er die Nerven hätte – was für einen Stürmer hätte der HSV dann gefangen? In der 69. Minute hatte Son dann seine zweite Szene, doch Grün parierte seinen 20-Meter-Schuss. Und auf der Gegenseite hielt Adler dann einen Sieben-Meter-Schuss von Stieber sensationell! Ja, gegen Ende wurde es noch einmal turbulenter. Auch deshalb, weil Rudnevs noch einmal im Mittelpunkt stand. Der Stürmer hatte Grün bereits umkurvt, hätte den Ball nur zur Mitte passen müssen, wo Rafael van der Vaart mit der Kugel bis ins Netzt hätte laufen können – doch Rudnevs zog es vor, selbst aus spitzem Winkel zu schießen – daneben. Unprofessionell. Und das gab dem „guten Rudi“ auch van der Vaart mächtig zu verstehen. Das war ganz schlecht.

Der Rest war bibbern und zittern. Aber mit einem guten Ende für die Hamburger. Glückwunsch!

Die Einzelkritik:

Rene Adler auf ihn ist Verlass, selbst wenn er einmal nicht unter „Dauerbefeuerung“ steht – ganz stark.

Dennis Diekmeier erhielt relativ früh die Gelbe Karte, spielte aber seinen Part solide und ohne Gefahr von Gelb-Rot herunter. Note drei.

Michael Mancienne war wieder einmal ganz hervorragend, Note zwei.

Heiko Westermann ist und bleibt für mich ein Phänomen, wie er sich reinhängt, wie er aufräumt – wie er auch alle mitreißt. Vorbildlich.

Marcell Jansen bis auf kleinere anfängliche Schwierigkeiten ganz souverän und solide.

Milan Badelj bewies einmal sein feines Auge und sein Organisationstalent, denn er sorgte auch für Ordnung im Spiel des HSV. Note drei.

Tolgay Arslan knüpfte nahtlos an seine letzten guten Spiele an, so kann ihn Thorsten Fink nicht von der „Sechs“ nehmen – großartig! Wenn er jetzt noch den finalen Pass lernen würde, dann hätte der HSV mit Arslan eine „echte Granate“.

Heung Min Son schoss das 1:0, tauchte lange ab, tauchte aber wieder auf – auch wenn er dabei mitunter beherzter zur Sache gehen könnte – müsste.

Rafael van der Vaart blieb diesmal unauffällig – aber trotz allem eine gute Vorstellung, Wenn er den Ball hat, dann haben alle anderen Ruhe.

Petr Jiracek kam auf der ungewohnten Position nicht so zurecht, wie sonst (wohl). Aber seine Erfahrung (vor allem in Zweikämpfen) ist schon sehr wichtig.

Artjoms Rudnevs lief viel, kämpfte großartig, war körperlich stark wie ein Büffel – nun muss er noch lernen, die „Hundertprozentigen“ zu machen.

In der Schlussphase kamen im Minutentakt noch Jeffrey Bruma (für van der Vaart), Jacopo Sala (für Son) und Marcus Berg (für Rudnevs). Es half, die Zeit herum zu kriegen. Der HSV geht mit zuletzt zehn Punkten in vier Spielen mit Selbstbewusstsein in die Länderspielpause, und dann kommt der VfB Stuttgart. Könnte etwas werden. Auch mit dem Ziel, ins oberer Mittelfeld zu gelangen. Dauerhaft.

Und nun Matz-ab-live!

17.37 Uhr