Tagesarchiv für den 2. Oktober 2012

Heiko Westermann: “Die Verantwortung liegt nun auf fünf, sechs Schultern”

2. Oktober 2012

Fix was los im Volkspark – es sind ja wieder Ferien. Da strömen die Kiebitze in Massen zum HSV. Der Klub ist ja wieder in aller Munde, nicht nur wegen des 125. Geburtstages, sondern wegen der sieben Punkte. Diese sieben Punkte haben – so hat es den Anschein – die Welt eines jeden HSV-Fans verändert, haben die Fußball-Welt eines HSV-Anhängers wieder ins Lot gebracht. Es macht nach dieser sportlichen Wiederauferstehung endlich wieder Spaß, zum HSV zu gehen, mit dem Klub zu zittern, sich zu freuen, mit zu fiebern. Und zu diskutieren. Das wird am Rande des Trainings ja auch immer reichlich gemacht. Wenn die Spieler und Trainer wüssten, wie heiß und wie hoch es dabei gelegentlich zugeht, dann würden sie ganz sicher den Ball Ball sein lassen und schnell mal an den Rand kommen, um zuzuhören. In diesen Tagen allerdings wird lange nicht mehr so aggressiv miteinander gesprochen, wie noch zu jenen Zeiten, als beim HSV noch die Null eisern dort stand, wo sonst die Punkte erscheinen. Platz zehn sieht doch schon wieder mal viel freundlicher aus.

An diesem Mittwoch spielt der HSV ja bei Lech Posen (Posnan), dem ehemaligen Klub von Artjoms Rudnves. Nicht alle Spieler werden allerdings mit von der Partie sein können, denn die englische Woche hat Kraft gekostet. Marcell Jansen hat Rücken, Ivo Ilicevic hat einen Muskelfaserriss erlitten und fällt nicht nur morgen, sondern auch am Sonnabend beim Auftritt in Fürth aus. Fehlen wird auch Heiko Westermann, der bekanntlich mit einem Muskelfaserriss gegen Hannover 96 gespielt hat. Heute lief der HSV-Kapitän mit Reha-Coach Markus Günther durch den Volkspark, es dürfte als für das Spiel gegen den Aufsteiger ganz gut aussehen. Nicht mit nach Polen fliegen morgen auch Rafael van der Vaart und Milan Badelj, die beide leichte muskuläre Schwierigkeiten haben. Nichts Großes, aber der HSV will kein Risiko eingehen, denn am Wochenende soll (und muss) ja der Aufwärtstrend fortgesetzt werden. Möglichst mit einem Auswärtssieg, den dann die beste Mannschaft einfahren soll. Wie gesagt, die englische Woche war hart und kräftezehrend genug, wir alle konnten einen gewissen Verschleiß ja auch schon im zweiten Durchgang bei van der Vaart ausmachen . . .

Wieder mit im Training waren heute zwei „Spätheimkehrer“. Tomas Rincon und Gojko Kacar mischten wieder mit, und das uneingeschränkt. Wie schön, dass diese beiden Spieler bald auch wieder Alternativen sein werden – für das Posen-Spiel allerdings spielen sie natürlich noch keine Rolle. Ebenfalls mit dem Team trainiert hat Jeffrey Bruma, der zuletzt ja zweimal hatte passen müssen. Und am Montag soll dann ja auch wieder Dennis Aogo ins Mannschaftstraining einsteigen – personell geht es also auch weiter bergauf, wenn man mal von der Verletzung, die sich Ilicevic zugezogen hat, absieht.

Für Artjoms Rudnevs, der heute am Vormittag einige Tore erzielen konnte (noch mehr schoss allerdings Marcus Berg, der auch besonders schöne und wuchtige Treffer für sich verbuchen konnte – sieh an, sieh an!), ist der Trip nach Posen eine Reise in die Vergangenheit. Und darauf freut sich der Lette ganz besonders: „Es ist toll, dass es dieses Spiel gibt, denn so kann ich mich noch einmal richtig von den Lech-Fans verabschieden. Das ist mir eine Herzensangelegenheit.“ Und auch das spricht für „Rudi“, der, ich habe es schon vor Tagen erwähnt, bei allen seinen Teamkollegen sehr beliebt ist. Und er sagt über den (und seinen) „neuen“ HSV: „Die beiden Tore, die ich zuletzt geschossen habe, die taten dem Team sehr gut – und auch mir. Sie waren enorm wichtig. Ich bin sehr glücklich darüber, dass der Trainer und der Sportchef immer an mich geglaubt haben. Und mit Rafael van der Vaart sowie mit Milan Badelj sind wir nun noch viel stärker geworden als zuvor.“

Hoffentlich setzt sich dieser Trend auch am Sonnabend fort. Einige Kiebitze waren an diesem Vormittag ja schon wieder recht skeptisch, denn sie glauben, dass der HSV nach sieben Punkten nun schon wieder gedanklich zum Höhenflug ansetzt – und die Aufsteiger von Greuther Fürth unterschätzen wird. Wäre dem so, könnte es in der Tat ein böses Erwachen geben, aber ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft durch die Zugänge von van der Vaart, Badelj und Jiracek einen Crashkurs in Sachen Reife hinter sich gebracht hat. Diese Leute bürgen in meinen Augen dafür, dass kein Schlendrian aufkommen wird. Jedenfalls nicht so schnell, wie einige nun schon befürchten. Und ich hoffe sehr, dass ich mit dieser Einschätzung auch richtig liege.

Über die neue Stärke des HSV sprach auch heute ganz kurz der Kapitän. Heiko Westermann befand: „Es ist auf jeden Fall sehr gut für uns, dass die Verantwortung innerhalb der Mannschaft nun auf fünf, sechs Schultern verteilt ist. Wir sind zwar noch ganz am Anfang des Weges, aber man merkt, dass wir gestärkt sind.“

Daran hat auch zum Beispiel Milan Badelj einen großen Anteil, denn der Kroate brilliert nicht nur bei den Spielen mit seinem technischen Können, seiner Ballfertigkeit und seinem Überblick, sondern auch im Training. So richtig spektakulär ist sein Spiel zwar nicht, aber es ist von einer ganz besonderen Effizienz geprägt. Alles, fast alles, was Badelj macht, gelingt ihm und ist von Vorteil für diese HSV-Mannschaft. Und ich bin mir sicher, dass ich das auch schon sehr bald über Petr Jiracek werde schreiben können. Mit ihm sprach Trainer Thorsten Fink übrigens nach dem Training noch lange unter sechs Augen (Co-Trainer Nikola Vidovic war dabei), es ging dabei offensichtlich um gewisse Szenen im Spiel, zu denen der Coach nun seine Tipps gab.

So, kurz noch zu einem besonderen Jubilar.

Hermann Rieger wird heute 71 Jahre alt. Gestern noch zu Gast beim Fernsehsender „HH1“, heute war der Kult-Masseur ebenfalls hart auf Achse. 100 Jahre Budnikowsky, dieses Jubiläum musste gefeiert werden – uns „Hermann the german“ immer mittenmang. Und abends ging es dann in seine neue Heimat und zu seinen Freunden nach Alfstedt. Herzlichen Glückwunsch, mein Hermann, Deine Popularität ist ungebrochen, im Gegenteil, es scheint immer mehr damit zu werden – Du wirst überall dort, wo Du auftauchst, gefeiert, umjubelt und geliebt. Und alle freuen sich mit Dir, dass es Dir wieder so gut geht wie in Deinen besten Tagen. Du hast gekämpft und gewonnen, lebe und liebe jeden Tag Deines großartigen Lebens. Du bist der HSV auf zwei Beinen.

Und wo ich gerade bei „HH1“ war. Die gestrige Sendung (ein Link steht am Ende des Berichtes) war auch für mich ein echtes Highlight, denn es waren ja viele große und großartige HSVer dabei. So wohl gefühlt habe ich mich schon lange nicht mehr beim Fernsehen, und wenn mir heute einige Kiebitze (und zum Beispiel auch Thomas Doll, Horst Schnoor oder auch Richard Golz) Lob dafür aussprachen, was ich noch alles vom HSV (und den Spielern) weiß, so muss ich klar sagen: Ich bin da wie jeder anderer Fußballfan. Wer mit Herz und Leidenschaft dabei ist, der vergisst doch gewisse Szenen nie. Das geht euch doch genau so. Wäre Fußball (und der HSV) nur ein Job für mich, bei dem ich um 17.30 Uhr bis morgens um 10 Uhr strikt abschalten würde, dann könnte ich tatsächlich niemals so viele Dinge im Kopf behalten haben. Aber wer das alles zu 100 Prozent lebt, der vergisst so etwas eben nicht.

Bei der Gelegenheit – vielen Dank für die Fotos, die uns (und mir) „Fotolehrling“ und auch „Franky“ schickten. Sind ganz toll geworden – eine schöne Erinnerung an eine wirklich großartige Sendung („Diese Veranstaltung war hervorragend und sehr gelungen – sagte der Veranstalter“ – aber so ist das nicht gemeint).
Ihr könnt euch diese rasante Sendung hier ansehen (vielen Dank an „HH“ und an Tim Niemeyer – ich hoffe, dass es funktioniert):

Ich wünsche euch und euren Lieben einen wunderschönen Einheits-Tag (morgen). Genießt es (so wie ich), dass Deutschland wieder ein Land geworden ist, denn ich habe nie daran gedacht, dass ich das noch erleben werde. Dass es nun so ist, wie es ist, finde ich fantastisch, großartig, sensationell – weil ich so schon viele, viele schöne Ecken und auch besonders nette Menschen im Osten der Republik kennenlernen durfte.

18.15 Uhr