Monatsarchiv für Oktober 2012

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

Rene Adler: “So fit war ich noch nie”

30. Oktober 2012

Einer fehlt beim Kurkonzert. War in meiner Jugend (also vor dem Krieg) mal ein Titel eines Krimis. Oder auch eines Buches. Heute am Vormittag herrschte zunächst ein wenig Aufregung, weil nicht nur einer beim Training fehlte, sondern gleich mehrere Spieler. Nach einem aber wurde ganz besonders gefahndet: Robert Tesche. Unser „el Presidente“ hatte es ja schon im Blog geschrieben, dass es einen kurzen Zwischenfall im Training gegeben hatte – Tesche und Marcell Jansen waren aneinander geraten. Ist Tesche nun suspendiert worden? Das war die Frage, die viele bewegte. Aber, um es mal auf den Punkt zu bringen, er ist es nicht. Robert Tesche hat „Nacken“, deswegen war er nicht auf dem Rasen zu sehen. Wie auch Michael Mancienne, der Migräne hat, oder Paul Scharner, der für das Abendspiel gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen „geschont“ wurde. Weil der Österreicher zuletzt am Sonntag volle 90 Minuten gegen den VfB Lübeck gespielt hatte.

Das Ergebnis vom Test gegen HR am Ende des Berichts.

Um aber noch kurz auch den „Fall Tesche/Jansen“ zurück zu kommen: Es war ein harter Zweikampf, der da von beiden geführt worden war, und am Ende dieses Duells gab es wohl ein kurzes Nachtreten von Jansen (oder nur der Versuch eines Nachtretens, auf jeden Fall nichts Brutales). Die beiden Spieler gerieten dann aber doch aneinander. „Es war eine kleine Rangelei, so etwas sollte natürlich nicht passieren, ist aber passiert. Es sind eben Emotionen drin, da knallt es dann schon mal im Training. Da brennen dann manchmal die Sicherungen durch. Wir haben geschubst und gezerrt – es war also eher ein Ringkampf. In diesem Falle sage ich: lieber ein bisschen zu viel Aggressivität, als zu wenig. In der Kabine haben wir uns dann wieder die Hand gegeben.“ So schildert Marcell Jansen den Vorfall. Es war ein Zwischenfall, der nicht sonderlich hochgespielt werden muss, denn so etwas passiert eben immer mal – nicht nur beim HSV.

Trainer Thorsten Fink zu diesem brisanten Duell: „Die Mannschaft ist aggressiv, die Jungs wollen weiterkommen, sie kämpfen um ihre Plätze, da passiert so etwas eben mal. Wir haben mit Marcell darüber gesprochen, so etwas geht nicht – aber das interessiert mich jetzt nicht mehr.“ Abgehakt dieser etwas andere Zweikampf. Und das ist auch gut so, denn Bayern steht vor der Tür, jetzt müssen alle Kräfte, auch jene, die in den Armen der Spieler stecken, gebündelt werden, damit das Unmögliche möglich gemacht wird. Nämlich keine Niederlage gegen den Rekordmeister zu kassieren. Auf jeden Fall aber keinen Nackenschlag gegen München. Einmal Nacken genügt.

Gefehlt hat beim Vormittags-Training auch Rene Adler (es war nur Jaroslav Drobny dabei), der mit den Kollegen Tom Mickel und Sven Neuhaus im UKE trainiert hat. Am Nachmittag war Adler dann dabei, obwohl er über einen kleinen Muskelkater klagte. Der wird bis zum Anpfiff am Sonnabend um 18.30 Uhr Geschichte sein, denn der HSV setzt und baut im Nord-Süd-Gipfel (der es früher einmal war) vor allen Dingen auf seinen Keeper, der bislang maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der HSV zu diesem Zeitpunkt schon 13 Punkte auf dem Konto hat. Und nun kommt es zu einem direkten Vergleich mit Deutschlands Nummer eins, Manuel Neuer. Ein Bundesliga-Spiel also, das reichlich Brisanz bietet.

„Die Bayern haben gegen Leverkusen gezeigt, dass sie auch schlagbar sind, aber das soll nichts heißen. Sie haben nun noch ein Pokalspiel vor der Brust, und in dem können sie dann die ganze Wut über die Niederlage ablassen, um dann gegen uns wieder befreit aufzuspielen. Aber grundsätzlich denke ich, dass im Fußball keine Mannschaft unschlagbar ist. Es ist ja das Schöne am Sport ist ja, dass da Menschen zu Werke gehen, und Menschen machen ja auch mal den einen oder anderen Fehler. Wir hoffen natürlich, dass wir am Wochenende den einen oder anderen Fehler der Bayern erzwingen können. Wir stehen relativ gut da und haben nichts zu verlieren“, sagt Rene Adler im Hinblick auf den kommenden Sonnabend. Der HSV steht gut da – und auf Platz sieben. Wer hätte das nach dem verkorksten Saisonstart schon gedacht? Adler zu dieser Momentaufnahme: „Es läuft gut, aber es läuft noch nicht so gut, dass man darüber sprechen könnte. Wir müssen uns unsere Top-Leistungen während des Spiels immer noch zusammenbasteln. Es ist nämlich noch nicht alles gut, wir haben noch sehr viel Luft nach oben. Wir sind weit davon entfernt, eine Spitzen-Mannschaft in Deutschland zu sein.“

Ab jetzt erhalten die HSV-Spieler per Videos Anschauungs-Unterricht über den FC Bayern, über Stärken und Schwächen der Mannschaft, auch wie sie die Standards ausführen. Und, und, und. Alles wird akribisch beäugt und hinterleuchtet, nichts wird dem Zufall überlassen. Rene Adler zur jetzigen Situation: „Es ist schön zu sehen, dass wir schon einen gewissen Platz zu den Abstiegsrängen hergestellt haben, wir können am Sonnabend unbeschwert aufspielen – und es macht ja auch viel mehr Spaß für jeden, oben mitzuspielen, als immer im Abstiegskampf zu sein. Sich mit den Besten zu messen ist wesentlich besser, als um Existenzen zu spielen.“

Das Duell zwischen ihm und Manuel Neuer tangiert ihn nicht: „Das juckt mich überhaupt nicht. Das ist wichtig für die Medien, nicht für mich. Für mich ist wichtig, dass ich am Sonnabend keinen Fehler begehe, nur das zählt für mich.“ Über Neuer sagt Adler: „Er hat sich top entwickelt, das muss man sportlich anerkennen.“ Am 14. November spielt die deutsche Nationalmannschaft in Amsterdam gegen die Niederlande. Ob Adler dann schon wieder dabei ist, steht in den Sternen. Für mich wäre es ein Witz, wenn es der Gladbacher ter Stegen wäre (Hannovers Zieler ist gesperrt), aber das ist natürlich ganz allein eine Sache des Bundestrainers. Adler sagt: „Ich würde mich riesig freuen. Und damit will ich mich gar nicht über die Medien in die Mannschaft hineinreden, denn es ist ja normal, dass ein Sportler für sein Land spielen will. Aber wenn es nichts wird, dann geht für mich die Welt nicht unter, dann versuche ich, noch härter zu trainieren, um es dem Bundestrainer so schwer wie nur möglich zu machen.“

Dabei halten viele Experten Rene Adler schon jetzt für die deutsche Nummer eins – weil der HSV-Torhüter der Beste ist. Dennoch gibt es ja in der Nationalmannschaft eine Torhüter-Hierarchie, die von „Jogi“ Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke zu beachten ist. Meine Meinung aber ist: Wenn es nur nach Leistungen geht, dann muss Adler ganz einfach am 14. November 2012 im Kreise der Nationalmannschaft weilen. Da gibt es gar nichts. Käme es anders, könnte man mir das nicht erklären.

Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. Es auf jeden Fall aber so, dass Hamburg am Sonnabend die beiden besten deutschen Torhüter sehen wird. Rene Adler sagt über seine derzeitige Verfassung: „Ich fühle mich sehr gut, und das spiegelt sich auch in meinen Leistungen wider. Ich habe meinen Weg gefunden, mit allen Nebenerscheinungen wie Wechsel, Verletzungen, Fitnesszustand und familiärer Situation – ich fühle mich einfach wohl. Aber ich weiß auch genau, wie schnelllebig dieses Geschäft ist. Man macht mal zwei, drei schlechtere Spiele, dann ist das schon wieder ganz anders, aber auch das versetzt mich nicht in Panik, denn ich weiß ja, was ich leisten kann, wenn ich fit bin. Ich habe keinen Druck, ich bin ganz entspannt – ich freue mich auf dieses Spiel.“

Ganz Hamburg, nein, ganz Deutschland hat das in den zurückliegenden Wochen gesehen. Adler sagt weiter: „Ich bin aktuell in einem Fitnesszustand, den ich so noch nie hatte. So gut war es noch nie. Ich habe acht Monate Vorbereitungszeit gehabt, in denen ich schon auf den Sommer 2012 hin trainieren konnte, ohne dabei auch nur eine Sekunde Bayer Leverkusen vernachlässigt zu haben. Das nehme ich für mich in Anspruch, das ist wichtig für mich.“

Dieser Adler ist einfach nur super. Das, was er denkt, wie er denkt, was er sagt, was er tut – das ist spitze, das ist hervorragend und auch überragend. Nicht nur ein erstklassiger Torwart, sondern auch ein tadelloser und großartiger Mensch. Für ihn war der Wechsel nach Hamburg auch wichtig: „Wenn man weiß, weil man es jahrelang hatte, wie die Vorbereitung abläuft, dann tut es auch gut, wenn man aus diesem Trott, das soll nun auf keine Fall negativ sein, herauskommt. Mir hat dieser Wechsel zum HSV den letzten Kick gegeben, mich neu zu beweisen. Neue Mannschaft, neue Spieler, neue Umgebung – ich habe ja bemerkt, welche Skepsis hier herrschte. Da kommt einer, der lange verletzt war, der wurde auch noch in einem Alleingang von Frank Arnesen geholt – aber das hat mich auch nur in Prozentteilchen unter Druck gesetzt. Aber dann lief es gut für mich, und die Fans haben mich akzeptiert – und wenn die Fans auf deiner Seite sind, dann kommt man eben auch schneller in einen Verein hinein. Das hat alles gepasst, aber ich habe auch sehr, sehr viel gegeben und sehr viel investiert.“

Dass er beim HSV gelandet ist, das erklärte Adler heute so: „Das ist leider so im Profi-Fußball, dass man kann sich nicht viel dafür kaufen kann, wo man mal war, ob man mal die Nummer eins war, ob man mal mit großen Klubs in Verbindung gebracht worden ist, ob man mal eine Super-Saison gespielt hat. Es kling hart, aber ein verletzter Spieler ist ein toter Spieler. Es kommen andere Spieler, die ziehen dann den Fokus auf sich, und dann ist man als verletzter Spieler ganz schnell weg vom Fenster. Und sich dann wieder ganz nach oben zu kämpfen, das kostet Kraft, Energie und erfordert viel Motivation. Deswegen freue ich mich, dass ich jetzt bei einem Klub wie dem HSV spielen darf – ich bereue es, wie ja auch schon gefragt wurde, überhaupt nicht, hierher gekommen zu sein. Ich verstehe eine solche Frage nicht, kann diese Gedankengänge nicht nachvollziehen.“

Und dann schwärmt Rene Adler von seiner neuen Heimat: „Es ist macht unheimlich viel Spaß, in einer Stadt zu spielen, wo der Verein omnipräsent ist, wo der HSV wie die Reeperbahn zur Stadt gehört. Jeder Hamburger ist doch verwurzelt mit dem Klub, bis auf die paar St.-Pauli-Fans, sonst ist doch alles nur HSV. Und das ist für mich das bislang phänomenalste Erlebnis in meiner Fußball-Laufbahn. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein subjektives Empfinden ist, aber ich habe das Gefühl, dass wenn wir verlieren, das dann so etwas wie ein Schleier über der Stadt liegt. Dass dann die Leute hier etwas weniger gut drauf sind. Und dass sie bei einem HSV-Sieg einfach viel besser drauf sind. Und das ist dann obergeil, ein Teil dieses Vereins zu sein. Und auch ein Teil mit meiner Leistung dazu beitragen kann, dass die Leute Spaß haben. Spaß am Fußball, einfach gut drauf sind – das bereitet mir viel Freude. Das ist eine meiner prägendsten Erfahrungen in meinem Fußballerleben. Was ein Traditions-Verein wie der HSV an Kräften in der Stadt frei setzt, das zu erleben, das macht mir ganz einfach riesigen Spaß.“

Man merkt es ihm an. An jeder Geste, an jedem Wort – an jedem Lächeln. Das sind keine Phrasen. Und in Bezug auf den kommenden Sonnabend und den dann anstehenden 90 Minuten gegen den FC Bayern sagt Rene Adler: „Ich bin heiß. Ich freue mich auf jedes Heimspiel in dieser schönen Arena und diesen tollen Fans – und wenn dann noch die Bayern kommen, dann umso besser.“ Und sein Erfolgs-Rezept für das Spiel? Er sagt: „Die Basis ist, dass wir hinten gut stehen, kompakt stehen. Und dann haben wir im Spiel nach vorne ja auch noch die individuelle Klasse eines Rafael van der Vaart zu bieten, oder auch die Klasse eines Heung Min Son. Wir müssen, und daran arbeiten wir täglich, weniger Torchancen gegen uns zulassen. Das klappt einmal gut und einmal weniger gut, aber wir sind auf einem guten Wege.“ Und dann skizziert der 27-jährige Nationaltorwart auch schnell noch die Zukunft des HSV: „Unser Anspruch muss sein, bis zum Winter Platz sieben, Platz acht zu halten, Anschluss an die internationalen Plätze zu halten, dann wieder anzugreifen, Vollgas geben, voll anzugreifen.“

Ein kluger, ein genialer Plan. Hoffentlich geht er auf. Schon zu zwei Drittel wäre das schön.
Aber ist euch mal aufgefallen, was 13 Punkte aus sechs Spielen alles bewirken können? In Hamburg und beim HSV spricht niemand mehr von Abstieg. Das sollte dann auch nach dem Bayern-Spiel so bleiben, falls es denn tatsächlich nicht zu einem Punkt oder gar zu drei Punkten für den HSV gelangt haben sollte.

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr für das Bayern-Spiel geübt. Und gleich (18 Uhr) findet das Testspiel der B-Vertretung gegen HR statt. Ich melde mich nach dem Schlusspfiff wieder.

18.07 Uhr

Ergänzt um 19.20 Uhr:

Das Spiel gegen Halstenbek-Rellingen endete mit einem 6:0-Sieg des HSV, der antrat mit Neuhaus, Sala, Bruma, Scharner, Aogo; Rincon, Kacar; Nafiu, Skjelbred,Ilicevic; Berg. In der zweiten Halbzeit kamen Strietzel (im Tor), Dennis Bergmann und Dominik Masek. Vor 250 Zaungästen trafen Berg (zweimal 15,, 35.), zum 2:0 Skjelbred (19.), Sala (63.) und der in der 69. Minute eingewechselte Masek zweimal (73. und 79.). Der HSV spielte engagiert, und ein Lob gebührt auch dem Oberliga-Klub (erste Halbzeit mit Claus Reitmaier im Tor), der sich sehr gut verkaufte. Ein Test, der sich für beide gelohnt haben dürfte.

Fink: „Man kann ja auch Größe zeigen.“

29. Oktober 2012

Dass der Trainer nun eine ganz besonders gute Geburtstagslaune hatte, das kann ich nicht bestätigen. Thorsten Fink wurde heute 45 Jahre alt, aber irgendwie hatte er etwas ausgemacht, was ihm ansonsten kaum einmal etwas ausgemacht hatte: Kritik. Der Coach haderte mit seiner Aussage, dass er mit dem HSV in dieser Saison „unter die Top ten“ kommen will: „Das wurde mir dann so ausgelegt, dass wir Platz zehn haben wollen. So ist das doch nicht. Ergäbe sich am Saisonende Platz acht oder neun, so könnte ich mich damit natürlich auch anfreunden.“ Um das einmal klarzustellen. Aber auch um die Laufleistung und die Kondition ging es Fink, dessen Mannschaft beim 2:0-Sieg in Augsburg starke 124 Kilometer gelaufen war. Thorsten Fink sagte in die Runde: „Wenn schon oft geschrieben wird, dass wir zu wenig laufen, dann können Sie jetzt auch mal schreiben, dass die Mannschaft in Top-Kondition ist.“

Dass der HSV-Trainer aber dennoch nicht nur durchgehend schlecht drauf war an diesem Montag, davon zeugt diese Meldung: Der Trainer denkt über eine Begnadigung von Slobodan Rajkovic nach. Tolle Meldung. Nicht dass ich Rajkovic unbedingt wieder zurück in der Bundesliga-Mannschaft sehen will, aber ich finde, dass sich Sportler irgendwann auch einmal wieder die Hand geben sollten und sich versöhnlich zeigen sollte. So groß der Mist auch gewesen ist. Den Rajkovic gebaut hat.

Die Frage habe ich nicht dem Trainer gestellt, sondern der Kollege Sebastian Wolff vom Kicker. Anlass muss wohl die Regionalliga-Premiere von Rajkovic bei der Zweiten des HSV im Spiel gegen den VfB Lübeck gewesen sein. Thorsten Fink hatte diese Partie nicht gesehen, aber seine Assistenten Patrick Rahmen und Ronny Teuber. „Ist Rajkovic für das morgige Testspiel des HSV gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen eine Option, oder nicht“, fragte Wolff. Fink: „Ich möchte da nicht nur an mich denken, deswegen werde ich die Situation noch einmal mit dem Verein analysieren, ich persönlich bin niemand, der nachtragend ist. Das habe ich auch schon vorher gesagt. Es ist okay, dass er sich bei mir entschuldigt hat, und nun werde ich, werden wir sehen, was für den Verein das Beste ist. Und dann werden wir zusammen entscheiden. Ich werde ich noch mal mit dem Frank darüber reden, vielleicht sogar heute noch.“

Mit Frank war natürlich Sportchef Arnesen gemeint. Es kommt Bewegung in die Sache, wobei ich nicht glaube, dass das nur etwas mit dem Lübeck-Spiel zu tun hat. Der HSV muss ja auch sehen, dass ein Spieler wie Slobodan Rajkovic nicht in der Versenkung (sprich Regionalliga) verschwindet, denn dazu hat ein Mann wie der Innenverteidiger doch schon einen zu großen Wert. Ist Rajkovic wieder bei der Mannschaft (den Profis), dann ist er mit Sicherheit auch viel, viel besser zu verkaufen. Entweder im Winter – oder zur neuen Saison. Und – natürlich – wenn es Rajkovic selbst will. Im vergangenen Sommer wollte er (noch) nicht.

Ganz klar ist, und das muss ich hier noch einmal unmissverständlich zum Ausdruck bringe: Rajkovic hat nicht nur Mist gebaut, sondern Bockmist. Es ist mit das Härteste, was sich ein HSV-Spieler in den vergangenen 30 Jahren herausgenommen hat. Das musste hart bestraft werden, und es wurde hart bestraft. Aber nun, so denke ich, ist auch die Zeit gekommen, wo der Klub und der Trainer, der ja der Leidtragende war (mit dem Rajkovic-Abendblatt-Interview), über eine Begnadigung nachdenken könnten. Und es wird ja auch getan. „Wir schauen mal, wir werden reden“, sagt Thorsten Fink und ergänzt: „Wie gesagt, es kann nicht jeder irgendwelche Dinge machen, sich dann entschuldigen und meinen, dass alles wieder gut ist. Er hat sich entschuldigt, er hat mir einen Brief geschrieben und die Bitte geäußert, dass er sich mal mit mir unterhalten wolle – ich habe ihm aber noch nicht geantwortet. Ich werde sicherlich noch mal mit ihm reden – und dann schauen wir mal.“ Fink unmissverständlich: „Ich will das Beste für den Klub. Und ich will natürlich auch Ruhe in der Mannschaft haben, das ist ja auch wichtig. Und: Ich glaube, dass es schwieriger ist, jemanden zurückzuholen, wenn es schlechter läuft, als jetzt. Wenn man ihn zurückholt, wenn es sportlich nicht läuft, dann heißt es von außen: ‚Jetzt wird er weich, weil es so schlecht läuft.’ Deswegen blieb mir bislang auch nichts anderes möglich.“ Fink auch noch weiter: „Ich habe mich ja auch zum Anfang zu dieser Aussage hinreißen lassen, dass er nie wieder unter meiner Leitung spielen wird. Das weiß ja jeder – aber man kann ja auch Größe zeigen, ich überlege mir das.“

Slobodan Rajkovic, der gegen den Viertliga-Vertreter Lübeck ein überragendes Spiel gemacht hat (in meinen Augen), wird ganz genau und immer noch wissen, was er da angestellt hat. Und er wird sich sicherlich schon viele, viele Male selbst verflucht haben, dass es so gekommen ist, wie es nun ist. Das hat natürlich ganz allein er zu verantworten. Ich hoffe nun aber trotz allem, dass Fink diese Größe zeigen wird. Obwohl ich über einen Zusatz des Trainers immer noch grübele: „Und ich will natürlich auch Ruhe in der Mannschaft haben, das ist ja auch wichtig.“ Heißt das vielleicht, dass es Unruhe gäbe, wenn Rajkovic wieder zurück käme? Dass Rajkovic vielleicht zu viele Spieler gegen sich hat? Mal sehen, wie sich dieses Thema weiterhin entwickeln wird. Zumal der HSV ja auch genügend Innenverteidiger hat: Heiko Westermann, Michael Mancienne, Jeffrey Bruma und Paul Scharner. Deswegen müsste der HSV in Sachen Rajkovic ganz sicher nicht „einknicken“. Aber eben aus humanitären Gründen . . .

Um schnell noch einmal auf das morgige Spiel zu kommen: Um 18 Uhr soll gegen HR gespielt werden, und zwar werden die Spieler zum Zuge kommen, die gegen Augsburg nicht gespielt haben. Damit sie Spielpraxis bekommen – und somit fit sind, wenn sie bei den Profis benötigt werden. Thorsten Fink: „Ich möchte nicht nur immer gegen die eigene U-23 spielen, ich möchte aber auch nicht groß reisen. Deswegen nun dieses Testspiel hier bei uns.“

Zum 45. Trainer-Geburtstag hatte der Kollege Matthias Linnenbrügger („Welt“) dem Coach einen kleinen „Kasten“ Bier mitgebracht. Thorsten Fink bedankte sich und sagte: „Die Mannschaft hatte mir ja mit den drei Punkten von Augsburg schon ein schönes Geschenk gemacht. Und vielleicht kommen am Wochenende ja noch einmal drei oder ein Punkt dazu, wenn wir gegen die Bayern spielen. Man hat ja gesehen, dass das nicht unmöglich ist, warum sollen wir das nicht schaffen? Wir sind natürlich klarer Außenseiter, aber Leverkusen hat es am Sonntag vorgemacht – warum sollte uns so etwas nicht auch gelingen können?“

Ja, warum eigentlich nicht? Thorsten Fink, der ehemalige Bayern-Profi: „Es ging zuletzt bei uns in die richtige Richtung, 13 Punkte aus den letzten sechs Partien, das ist ja – aber wir haben auch gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Wir haben im Defensivverhalten große Probleme, es gab einige Schwächen im Abwehrverhalten, das hat Augsburg wieder gezeigt. Wir haben ordentlich gespielt, aber nicht gut. Wir haben zwar auch gute Phasen in diesem Spiel gehabt, 15 Minuten in der ersten Halbzeit, zehn Minuten in der zweiten Halbzeit, aber es gab auch große Mängel in unserem Spiel. So standen wir immer noch zu weit von unseren Gegenspieler weg. Wir müssen mutiger werden, mehr noch von hinten heraus spielen, nicht zu viele lange Bälle spielen – da haben wir noch viel Arbeit vor uns.“

In der Tat. Auswärts in Fürth gewonnen, daheim gegen Stuttgart verloren. Auswärts in Augsburg gewonnen, und dann daheim gegen den Rekordmeister? Setzt der HSV die Achterbahnfahrt fort? In der vergangenen Saison spielte der HSV in Hamburg gegen die Bayern großartig (unter der Regie von Fink) und schaffte ein 1:1. Das war zu jener Zeit auch schon ein kleines Wunder, auf jeden Fall eine große Überraschung. Aber noch immer spielt der HSV nicht konstant genug. Selbst in einem Spiel gibt es so manches Wellental – wie in Augsburg. Gute Phase, schlechte Phasen. Fink: „Deswegen stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz und nicht auf dem ersten oder zweiten. Das ist normal, das ist die Qualität, die wir im Moment haben. Wir sehen daraus, dass wir noch Arbeit vor uns haben, dass nicht alles schon perfekt ist – das dauert halt. Ich trete deshalb immer auf die Bremse.“

Es geht um die Zielsetzung in dieser Saison. Nur ein Mittelfeldplatz für den HSV, oder doch mehr? „Alle möglichen Leute möchten, dass wir von der Europa League als Saisonziel sprechen, aber ich werde nicht darüber sprechen“, sagt Thorsten Fink und fügt an: „Ich kann jeden nur warnen, gleich wieder von höheren Zielen zu sprechen. Wir habe in Fürth gewonnen, wir haben in Augsburg gewonnen, aber wir haben dabei immer gezeigt, dass wir einiges noch viel besser machen können.“ Und müssen. Wenn es wieder in Richtung Spitze gehen soll. Und zwar dauerhaft. Nicht nur eine Nacht (wie diesmal Platz vier). Fink: „Es fehlen noch Automatismen, aber wir sind auf einem guten Weg. Es braucht seine Zeit, und dazu muss man mit einem Team auch mal länger arbeiten. Wir sind in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen, das haben wir gegen Dortmund und Hannover bewiesen, und wir haben gegen Mannschaften, die von unten kommen, Charakter gezeigt und das Richtige gemacht.“ Thorsten Fink sagt dann aber auch: „Dass wir zwischendurch aber auch mal wieder verlieren werden, dass ist doch aber auch klar. Trotz allem sollte man das dann nicht alles so negativ sehen. Und ich sage auch, dass man nun nicht alles nur positiv schreiben sollte – es gibt noch viel Arbeit. Auch wenn die Entwicklung in den letzten sechs Wochen schon gut war. Wir müssen aber unser Defensivverhalten verbessern, daran müssen wir arbeiten – und damit ist nicht nur die Viererkette gemeint, sondern das gesamte Defensivverhalten der Mannschaft.“

Vor Wochen hatte Fink dem HSV schon prophezeit, dass es trotz des mageren Saisonstarts schon bald wieder bergauf gehen würde. Das ist eingetreten. „Wir waren damals nicht euphorisch, wir waren auch nicht unrealistisch – das sind unsere Ziele. Wir wollten als HSV ja nicht auf Platz 15 oder 16 bleiben, auf denen wir damals waren, sondern wir wollen ins gesicherte Mittelfeld“, so Thorsten Fink. Was für einige (oder viele?) HSV-Fans offenbar nicht ganz nachvollziehbar ist. Auf der Fahrt heute in den Volkspark telefonierte ich (mit Freisprechanlage) mit einem Edel-Fan und Dauerkarten-Inhaber, und der befand: „Der HSV ist großes Risiko gegangen, hat noch tolle Leute gekauft – damit muss es um Platz fünf gehen, ganz klar. Nichts anders.“

Damit habe ich Thorsten Fink konfrontiert, und er antwortete: „Natürlich, ganz klar. Letzte Woche, beim Fan-Talk in der Arena, da haben mir diese Leute noch vorgehalten, was alles noch nicht in Ordnung ist, wo unsere Mängel liegen, und nun muss es schon Platz fünf sein, natürlich. Es könnte selbstverständlich passieren, es ist ja nichts ausgeschlossen – wenn wir einen sensationellen Lauf bekommen, auch noch mehr Glück als im Moment. Aber ich meine, dass das nicht passieren muss. Es war doch zu oft schon unser Fehler: Wenn es mal bei uns nach einem Aufwärtstrend aussah, dann wurde gleich wieder von der Europa League gesprochen. Das möchte ich jetzt vermeiden. Und deshalb sollte im Moment – jedenfalls in dieser Beziehung – jeder auch ganz ruhig bleiben.“ Fink hält den Ball flach – und er tut gut daran.

Zumal es nun gegen die übermächtigen Bayern geht. Vor einer solchen Partie täte (zu viel) Übermut sicherlich überhaupt nicht gut. Denn die Münchner haben eine großartige Offensive – und der HSV, wie eben gelesen, eine nicht so gute Defensive. Obwohl der HSV natürlich den besseren Torwart in seinen Reihen hat, das muss mal gesagt werden (dürfen). Rene Adler für Deutschland. Er wird es am Sonnabend zeigen. Ganz sicher.

PS: Morgen geht es im Volkspark rund. Um 10 Uhr wird trainiert, und um 15 Uhr oder um 15.30 Uhr (das wusste Thorsten Fink noch nicht so genau) auch noch einmal. Mit Ausnahme jener Spieler, die dann um 18 Uhr gegen HR spielen werden. Übrigens: Bei HR gibt es einige Ex-HSVer: Trainer Thomas Bliemeister (Vater des Son-Beraters), Co-Trainer Vahid Hashemian und Torwart Claus Reitmaier.

18.46 Uhr

Rajkovic stoppt den VfB Lübeck!

28. Oktober 2012

Das war höchst interessant. Da die Profis heute Ruhetag hatten, fand ich mich bei der Zweiten im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ein. Deswegen hoch interessant, weil die HSV-Mannschaft mit Profis und solchen Spielern antrat, die mal Profis werden wollen. Um es gleich am Anfang zu schreiben: Beim HSV bildeten Paul Scharner und Slobodan Rajkovic die Innenverteidigung, für die beiden Nationalspieler war es die Premiere in der „Nachwuchs-Truppe“, und beide spielten gut. Wobei ich noch etwas weitergehen möchte, mit einer kleinen Nuance: Rajkovic war beim 3:1-Sieg des HSV der überragende Mann auf dem Rasen. An ihm bissen sich die Gäste immer wieder die Zähne aus, ich gehe sogar so weit: Rajkovic stoppte den VfB Lübeck. Das war eine fabelhafte Leistung, so gut habe und hatte ich den verbannten Innenverteidiger noch nie gesehen. Kurios: Scharner und Rajkovic schossen jeweils ein Tor.

Der HSV trat in Norderstedt mit folgender Mannschaft an: Tom Mickel, Henrik Dettmann (Kapitän), Paul Scharner, Slobodan Rajkovic, Janek Sternberg, Zhi Gin Lam (65. Jordan Brown), Matti Steinmann, Bentley Bexter Bahn, Farrona Pulido (65. Kevin Ingreso) , Dennis Bergmann (63. Fabian Graudenz), George Kelbel. Wie ihr sehen könnt, neben den Profis einige ambitionierte Talente dabei. Wobei einige davon auch keinen besonders guten Tag erwischt hatten. Sternberg kann wesentlich mehr, Steinmann auch, Lam ebenfalls. Auch 1:0-Torschütze Pulido (22. Min.) habe ich persönlich schon besser gesehen. Dettmann spielte hinten rechts solide, Bergmann zeigte einige (aber wenige) gute Ansätze. Bahn ebenfalls, er wurde zweite Halbzeit besser. Keinen besonders guten Tag hatte auch Kelbel, der aber auch sicher darunter litt, dass er nie so angespielt wurde, wie es nötig gewesen wäre.

Besonders auffällig: Nach dem 1:0 kamen bis auf Mickel, der in seinem Tor blieb, alle Spieler, um den Torschützen Pulido zu herzen. Auch die Profis Scharner und Rajkovic reihten sich in die Schar der Gratulanten ein. Ein sehr schönes Bild. Das für die Profis spricht. Überhaupt, beide Spieler ließen nie eine Überheblichkeit erkennen, sie gaben sich so, als würden sie schon immer in dieser Mannschaft spielen. Das 2:0 erzielte Scharner nach einem Eckstoß, als die Lübecker den Ball in Form einer Kerze Richtung Sonne klären wollte. Als die Kugel wieder zu Boden fiel, stand der Österreicher goldrichtig und drosch sie humorlos und trocken aus fünf Metern in die kurze Ecke (41.). Mit diesem Stand ging es in die Halbzeitpause.

Mit dem 3:0 von Rajkovic, der aus 32 Metern wuchtig abzog und das Glück hatte, dass VfB-Torwart Toboll den haltbaren Ball schon in den Händen hatte, ihn dann aber doch noch über die Linie rutschen ließ, war die Partie entschieden (63.). Nach diesem Treffer stürmten alle Kollegen auf Rajkovic ein, sogar Mickel war aus seinem Gehäuse bis in die gegnerische Hälfte gerast, um zu gratulieren. Etwas Spannung kam nach diesem dritten Tor des HSV noch einmal auf, weil Scharner mit einem Rückpass ein wenig arg daneben lag. Der Lübecker Hauck erlief den Ball und „tunnelte“ den ansonsten beschäftigungslosen Mickel (77.). Was mir auffiel beim HSV: Bis auf Dettmann, Scharner, Rajkovic und Kelbel, vielleicht auch noch Steinmann, müssen alle anderen Spieler körperlich noch deutlich zulegen. Der VfB Lübeck stellte da doch die wesentlich robustere Mannschaft. Ein Manko, was ich schon oft bei den „HSV-Amateuren“ erkannt habe, die Talente sind durchweg alle ein wenig zu schmal auf der Brust. Ob darauf beim HSV kein so großer Wert gelegt wird?

Dass Scharner und Rajkovic bei der „Zweiten“ spielten, das lag an den Spielern selbst. Beim HSV wird nämlich, so hörte ich heute, kein Profi mehr von „oben“ nach unten geschickt, weil das in der Vergangenheit nicht so viel gebracht hat (Paradebeispiel Muhamed Besic). Wer als Profi am Wochenende nicht zum Einsatz kam, der darf sich gerne freiwillig bei der Regionalliga-Mannschaft melden und anbieten, er wird dann auch genommen – weil er mit dieser (seiner) Meldung ja ganz offen bekundet, dass er spielen will (und damit auch Leistung bringen will). Eine in meinen Augen gute und sinnvolle Regelung.

Um noch einmal kurz auf Paul Scharner zu kommen: Der Österreicher spielte gut, keine Frage, aber die Regionalliga sollte auch für ihn kein Maßstab sein. Wenn ich Profi-Maßstäbe ansetze, dann würde ich sagen, dass da doch noch einiges für die Erste Liga fehlt. Vor allen Dingen Spielpraxis, denn viele Aktionen des Innenverteidigers sahen doch noch etwas hölzern und steif aus, ganz sicher war das noch nicht alles so souverän, dass ich sagen würde: „Das ist ein Mann für Fink.“ Noch ist er das in meinen Augen nicht, obwohl ich es ihm wünschen würde, denn er geht hart in jeden Zweikampf, schont weder sich noch den Gegner. Und einen solchen Abwehrmann, der ein wenig für Angst und Schrecken beim gegnerischen Sturm sorgen kann, täte der HSV-Defensive mal ganz gut.

So gesehen war Scharners Nebenmann Rajkovic schon unübersehbar auf einem erstklassigen Weg – und bei 90 Prozent. Ob allerdings Torwarttrainer Ronny Teuber, der dieses Spiel für die Profi-Abteilung beobachtete, das auch seinem Chef Thorsten Fink berichten wird? Ich glaube eher nicht, den Rajkovic ist und bleibt eine Persona non grata. Nach dieser Leistung muss ich es deutlich sagen: schade eigentlich.

Aber der HSV-Chef-Trainer kann ja ohnehin aus dem Vollen schöpfen, braucht einen Slobodan Rajkovic ja gar nicht – der HSV hat ja genügend Leute für die Profi-Mannschaft. Und so sehr ich mich gefreut hätte, wenn ich heute einen HSV-Spieler entdeckt hätte, der unbedingt zu Thorsten Fink und den Profis müsste – es gab diesen einen Spieler nicht. Weder hinten noch vorne, auch Mittelfeld nicht. Auch das eigentlich sehr schade. Denn ich hoffe ja immer noch, dass sich auch diese HSV-Abteilung demnächst oder auch bald oder zeitnah entwickelt. Aber wie lange hoffen wir das nicht schon? Und wie oft haben wir in den vergangenen Jahren nicht folgende Aussage von den Ochsenzoll-Verantwortlichen gehört: „Das muss sich erst entwickeln, das braucht seine Zeit . . .“ Ist schon klar.
Ich sage aber auch ganz deutlich, dass ich diesbezüglich schon seit geraumer Zeit total ungeduldig bin. Total!

Geduld wird der HSV noch mit Petr Jiracek beweisen müssen, denn der Tscheche, so viel steht schon fest, wird auch für das nächste Spiel (am Sonnabend kommen die Bayern nach Hamburg) ausfallen. Kurzzeitig war sogar zu befürchten, dass der Mittelfeldspieler wegen eines Leistenbruchs operiert werden müsse, aber zum Glück gab es in diesem Punkt die Entwarnung. Dennoch wird der Nationalspieler erst einmal ausfallen. Thorsten Fink spielt deshalb mit dem Gedanken einer Umstellung seiner Mannschaft, um dem Rekordmeister entsprechend Paroli bieten zu können. Die Überlegungen des Trainers könnten sein (oder sind so): Tomas Rincon neben Milan Badelj auf die Sechser-Positionen, und Tolgay Arslan statt Maximilian Beister ins linke offensivere Mittelfeld. Das ist, wie geschrieben, ein Gedankengang, es muss nicht so kommen – denn es wird ja noch einige Trainingstage geben, in denen sich auch der eine oder andere Spieler noch anbieten darf und kann – und vielleicht ja auch anbieten wird.

Fest „im Sattel“ dagegen sitzen zurzeit die treffsicheren Offensivkräfte. Heung Min Son und Artjoms Rudnevs haben mit ihren Treffern in Augsburg nicht nur den Sieg perfekt gemacht, sie haben auch ihre Positionen deutlich gefestigt. Und nach seinem fünften Saisontor redet ja nun ganz Hamburg davon, dass der HSV den Vertrag mit Son (läuft noch bis Sommer 2014) sofort und so schnell wie möglich verlängern sollte. Aber der Südkoreaner hat andere Pläne: „Ich weiß noch nicht, ob ich den Vertrag in diesem Winter schon verlängern werde. Ich fühle mich aber, das kann ich in jedem Fall sagen, sehr wohl in Hamburg.“ Schön zu hören.

Nicht ganz so schön war für mich dagegen die Aussage von Sportchef Frank Arnesen, der zum Thema Son sagte: „Er kann noch drei, vier Jahre bei uns spielen. Wichtig wird sein, dass für ihn die Perspektive stimmt. Spieler wie Son, Badelj oder van der Vaart wollen da mitspielen, wo es lustig ist, also international.“
Ja, das ist wohl so, aber daran können doch alle mitwirken, dass es noch so lustig wird beim HSV. Und warum sollte Son nur drei, vier Jahre hier spielen? Der junge Mann ist 20 Jahre alt. Warum kann er nicht auch noch zehn Jahre beim HSV sein? Oder sogar noch länger? Muss man immer davon ausgehen, dass die Etappen der Spieler immer kürzer und kürzer werden – Hamburg nur als Durchgangsstation anzusehen ist? Aber wahrscheinlich bin ich in diesem Punkt ein hoffnungsloser Träumer, es ist wohl so, dass die meisten Spieler ex und hopp bevorzugen – und schnellstens wieder weg vom HSV (der natürlich wichtige Aufbauhilfe geleistet hat). Der HSV als Ausbildungsverein.

Vielleicht geht es ja auch im „Fall“ Rudnevs so. Der Lette kommt allmählich, schoss in Augsburg sein drittes Bundesliga-Tor. „Ich habe mir vor der Saison einen Plan aufgestellt, wie viele Treffer ich in dieser Saison machen möchte. Ich sage aber nicht, wie viele Tore ich mir vorgenommen habe. Nur so viel verrate ich: noch bin ich im Plan.“ Rudnevs also mit der Tor-Planwirtschaft zufrieden, und der Trainer mit Rudnevs ebenfalls. Fink sagt: „Artjoms erarbeitet sich in jedem Spiel seine Chancen, und wenn er alle genutzt hätte, dann stünde er wahrscheinlich schon bei sechs Toren – aber er kommt, er macht seine Sache gut.“ Und das Tor zum 2:0 war sehenswert, keine Frage. Erst die herrliche Vorarbeit von Rafael van der Vaart (mit dem Tunnel-Pass), dann die blitzschnelle Drehung des Letten und der wuchtig Abschluss – hervorragend. So kann und darf es weitergehen. Auch wenn Rudnevs sagt: „Der Unterschied zwischen der polnischen Liga und der Bundesliga ist riesig. Hier wird viel schneller gespielt – und die Torhüter sind auch viel besser.“ Klar doch, Deutschland steht doch europaweit auf Rang drei – bei den Vereinsmannschaften.

Nur noch die Nummer zwei bei der Nummer drei, wenn ich das einmal so salopp umschreiben darf, ist zurzeit ja Dennis Aogo. Durch die lange Pause wegen der schlechten Blutwerte hat der Nationalspieler seinen Linksverteidiger-Posten an Marcell Jansen vorerst verloren. In Augsburg wurde Aogo nun erstmalig wieder eingewechselt, aber erst in der 90. Minute (für „Maxi“ Beister). Dennoch befand Aogo: „Ich war zumindest mal wieder dabei, und es war auch ein schöner Moment, mal wieder auf dem Platz zu stehen, aber ich würde schon gerne auch mal wieder länger spielen. Mal wieder von Anfang an. Aber das ist eine schwierige Situation, ich muss hart arbeiten und mich im Training anbieten. Ich bin fit und überzeugt, dass ich der Mannschaft helfen kann.“

Das denke ich auch. Zumal Dennis Aogo für mich der Spieler war, der im Zusammenspiel mit Kapitän Heiko Westermann in schweren und schwerste Bundesliga-Zeiten versucht hat, die stark angeschlagene HSV-Mannschaft wieder aufzurichten. Jeden Tag. Aogo hat sich für das gesamte Team eingesetzt, damit es wieder bergauf geht – und nun ist er im Pech. Auch deshalb, weil Jansen seine Sache hinten links sehr gut macht. Aogo sagt über diesen Konkurrenzkampf: „Ich muss mich hinten anstellen und auf meine Chance warten, aber ich möchte auch nicht auf eine andere Position ausweichen. Ich bin linker Verteidiger, das habe ich viereinhalb Jahre hier gemacht, das ist meine Position.“ Über sein Verhältnis zu Jansen sagt er: „Ich habe mit Marcell ein offenes Verhältnis – wir wollen nur beide auf dieser einen Position spielen.“

Das wird noch ein hartes und vereinsinternes Duell. Wobei mich erstaunt, dass Jansen jetzt offenbar hinten links spielen will, obwohl es jahrelang so aussah, dass sich der ehemalige Bayern-Spieler weiter nach vorne orientiert hat. Aber nun ist sein Motto wohl: „Vorwärts Marcell, es geht zurück.“ Ich bin gespannt, wie lange Dennis Aogo geduldig wartet und still bleibt. Ganz gespannt. Wobei Thorsten Fink zu diesem brisanten „Zweikampf“ sagt: „Kein Trainer der Welt würde die Mannschaft jetzt ändern. Dennis ist ein guter Junge, er muss nun Geduld aufbringen und auf seine Chance warten.“

PS: Heute wird Mittelfeldspieler Tolgay Arslan Gast beim „Sportclub“ im Dritten sein, die Sendung beginnt um 22.50 Uhr. Und an diesem Montag wird um 15 Uhr im Volkspark trainiert.

PSPS: Noch steht es in München bei der Partie Bayern gegen Leverkusen nur 1:1. Ein Zeichen, dass auch die übermächtigen Bayern, denen ich ja Unbesiegbarkeit bescheinigt habe, doch verletzbar sind? Wie schön wäre das denn? Am nächsten Sonnabend . . .

19.09 Uhr

Traumtore – Son übt sie mit dem Papa

27. Oktober 2012

In der 60. Minute wiederholte Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp seine Meinung, die er schon mehrfach vor und in der Halbzeitpause geäußert hatte: „Dieses Spiel kann der HSV gar nicht mehr verlieren. Augsburg ist zu schwach, und der HSV steht gut und spielt clever.“ Auf den Punkt gebracht, diese Analyse. So souverän sah das aus – und da gilt es, das Wort souverän zu unterscheiden von gut. Gut hat der HSV nämlich nicht so oft während dieser 90 Minuten gespielt, aber dennoch war dieser Dreier doch nur höchst selten in Gefahr. Für mich eigentlich nur beim Stande von 0:1, als der Augsburger Werner mit Beginn der zweiten Halbzeit gleich „zwei Elfmeter“ ausließ, als er aus fünf Metern neben das HSV-Tor köpfte. Ein kleines Wunder, einen solchen Ball nicht mal auf das Tor zu bekommen – aber natürlich gut für den HSV. Und als Werner dieses „dicke Ding“ liegen ließ, der HSV auf 2:0 erhöhte, da war das Spiel gelaufen. Auch deshalb, weil der durchaus engagierte und sehr wohl bemühte FC Augsburg eben viel schlechter spielte als der HSV.

Wer nicht weiß, wer „Ditschi“ Ripp ist: Er war der Libero der Europapokal-Gewinner-Mannschaft von 1977, und er saß gestern gemeinsam mit dem Linksverteidiger der HSV-Sieger-Elf, Peter Hidien, bei „Matz ab live“. Vielen Dank auch noch einmal an dieser Stelle an die beiden Hamburger EC-Helden, sie waren prima Gäste, es hat mir viel Spaß gemacht. Und wer die Sendung nicht gesehen hat, der sollte dieses kalte und vielleicht sogar auch noch verschneite Wochenende dazu nutzen. Ist ja auch ein wenig HSV-Geschichte, die dort ver- und bearbeitet wurde.

Aber zurück zum Augsburg-Spiel.
Einer der großen Gewinner im HSV-Team war der 1:0-Torschütze. Heung Min Son wird immer stärker zu einem Hoffnungsträger des HSV. Der Südkoreaner, nun fünf Saisontore (insgesamt 13 in der Bundesliga für den HSV), hat vor allen Dingen seinen linken Fuß ganz erstaunlich entwickelt. Ich schrieb es bereits: Wie gegen Dortmund ließ er einen herrlich präzisen und dennoch auch harten Schlenzer mit links von der Strafraumgrenze los. Solche „Dinger“ hat er früher noch nicht so drauf gehabt, aber mit 20 Jahren ist man eben im besten Alter, um (schnell) zu lernen. Das hat er in den vergangenen Monaten offensichtlich getan. Auch wenn er gelegentlich noch ein wenig weich erscheint (in Augsburg, das sage ich ausdrücklich, war das aber diesmal nicht der Fall), wenn es um die Zweikampfführung geht. Aber er kann ja auch nicht alles auf einmal erledigen, er muss ja noch Ziele haben . . .

„Und er ist ja auch noch jung, er weiß, dass er noch ein bisschen konstanter werden muss. Aber wenn man das Tor sieht, das war einfach nur überragend“, lobte Nebenmann Rafael van der Vaart.
Der Niederländer hätte es nicht besser machen können, hat schon viele solcher Klasse-Treffer erzielen können, aber es ehrt ihn, dass er so über Son spricht. Aber so ist sie, die „ewige 23“, ein Teamplayer. Son war nach diesem Sieg und seinem Treffer natürlich bestens gelaunt: „Solche Tore machen Spaß. Und solche Treffer kommen vom Üben, aber jetzt muss man so weiter üben.“ Heung Min Son übt aber nicht nur beim HSV-Training, sondern auch mit seinem Vater (der fast bei jedem Training am Rande steht und alles ganz genau beobachtet). Wong-Jung hat sicherlich ganz entscheidenden Anteil am Höhenflug seines Sohnes, auch wenn der sagt: „Mein Vater ist schon sehr anstrengend, sehr kritisch. Er wird jetzt sagen: ‚Schnell vergessen, nächste Woche spielen wir wieder.’ So ist er immer.“

Sons Traumtor war ansonsten aber einer der wenigen Höhepunkte in dieser Partie. Offensiv trat der HSV höchst selten mal in Erscheinung, vornehmlich in Halbzeit eins war da Harmlosigkeit Trumpf. Allerdings war Augsburg ja noch harmloser, und im zweiten Durchgang konnte der HSV dann ja auch noch einen (kleinen) Zahn zulegen. Mit dem 2:0 von Artjoms Rudnevs (63.) war die Partie quasi entschieden. Auch deshalb, weil der HSV ist trotz der vielen Abspielfehler meistens gut verstand, den Ball in den eigenen Reihen zu halten. So nahmen die Hamburger den unternehmungslustigen Schwaben doch erheblich an Motivation. Dennoch befand HSV-Sportdirektor Frank Arnesen: „Wir müssen noch mehr bringen.“ Ganz sicher. Denn so schwach wie Augsburg sind nicht viele Mannschaften. Aber der Däne fügte auch noch an: „Wir wollen uns ja auch noch nicht ganz oben ansiedeln, sondern unter die Top ten kommen.“ Im Moment rangiert der HSV auf Platz sechs – international! Welch eine schöne Momentaufnahme.

Aber der HSV ist eben nicht nur „runderneuert“ worden, sondern auch auf Vordermann gebracht. Dank van der Vaart („Kein überragender Fußball von uns, aber trotzdem gewonnen.“), der in meinen Augen dafür gesorgt hat, dass alle jetzt viel konzentrierter und auch engagierter zu Werke gehen. Im Training. Und in den Spielen. Seit sieben Bundesliga-Begegnungen ist der „kleine Engel“ nun wieder beim HSV, in dieser Zeit führte der 29-Jährige den Abstiegskandidaten mit 13 Punkten aus dem Keller. Auch wenn van der Vaart nicht immer glänzt, schon gar nicht immer in Bestform spielt – er hat die Sinne seiner Nebenleute geschärft. Eindeutig. Alle haben eine Schippe drauf gelegt, jeder reißt sich nun mehr zusammen – auch wenn es immer noch die gelegentlichen Aussetzer wie die gegen den VfB Stuttgart gibt. Dennoch ist unübersehbar, dass sich der HSV stabilisiert hat. Linksverteidiger Marcell Jansen scheint das indirekt zu bestätigen: „Wir haben in Augsburg nach schwachem Beginn eine Reaktion gezeigt. Da war ich selber verwundert, denn wenn man mal die vergangenen Jahre zurückblickt, sind wir meistens untergegangen oder haben den Faden komplett verloren.“

Trainer Thorsten Fink, der während der Partie beim FCA nicht sonderlich aufgeregt wirkte (aber das war wahrscheinlich nur von außen betrachtet so), befand nach dem verdienten Dreier: „Wir haben den Sieg nicht gestohlen, heute hat die Effektivität gesiegt.“ So ist es. Und Augsburgs Torwart Simon Jentzsch gab dann auch zu: „Am Ende konnte man das Gefühl haben, wir hätten noch drei Stunden länger spielen können und es wäre kein Tor gefallen.“

Nun wird sich am Sonnabend im Volkspark (Anstoß um 18.30 Uhr) zeigen, in wie weit dieser HSV schon wieder den ganz Großen der Liga schon wieder nahe gekommen ist. Die Bayern geben ihre Visitenkarte ab. Eigentlich noch immer mindestens eine Nummer zu groß für den um Anschluss bemühten HSV, aber Wunder soll es ja vor allen Dingen im Fußball immer wieder einmal geben. Und der erfahrene Rafael van der Vaart blickte wohl auch deshalb ein wenig optimistisch in Richtung nächstes Wochenende: „Wir können jedes Spiel gewinnen – auch gegen die Bayern.“

Naja, wir werden es ja ohnehin abwarten müssen.

Dann gab es auch noch diese – für mich sehr betrübliche – SID-Meldung:

Das Verletzungspech bei Ex-Nationalspieler Piotr Trochowski (früher HSV) reißt nicht ab. Nachdem der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler vom spanischen Fußball-Erstligisten FC Sevilla vor wenigen Tagen wegen eines Knorpelschadens im Knie operiert werden musste und acht Monate ausfällt, wurde bei einer weiteren Röntgenuntersuchung beim Ex-Hamburger ein Schienbeinbruch festgestellt. Trochowski muss sich erneut einem Eingriff unterziehen, bei dem eine Metallplatte eingesetzt wird. Trochowski befindet sich zurzeit noch in Denver/US-Bundesstaat Colorado. Er hatte sich bei der 2:3-Niederlage Ende September gegen den FC Barcelona verletzt. Wegen seiner starken Auftritte in Sevilla hatte sich Trochowski zuletzt Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) gemacht.

PS: Morgen (Sonntag) wird im Volkspark nicht trainiert. Sie haben es sich verdient.
Aber: Wer dennoch nicht ganz auf den HSV verzichten will, der sollte sich um 14 Uhr in Norderstedt die Zweite im Regionalliga-Spiel gegen den VfB Lübeck ansehen. Wahrscheinlich mit Paul Scharner – allein der “Ösi” ist ein Erlebnis.

18.11 Uhr

2:0 – der HSV siegt souverän in Augsburg

26. Oktober 2012

Und wieder drei Punkte! Sogar bis zu diesem Sonnabend um 17.20 Uhr Tabellenvierter! Der HSV ist dank des 2:0-Erfolges über den FC Augsburg eine Nacht vor Borussia Dortmund – und hatte nicht der BVB gerade Real Madrid besiegt? Es geht bergauf. Mit dem HSV. Allerdings wurde dieser Sieg nicht gerade glanzvoll herausgespielt, sondern eher mit einer durchwachsenen Leistung erarbeitet. Verdient aber, das muss festgehalten werden, ist dieser Dreier auf jeden Fall, denn die Augsburger waren zwar ständig bemüht, blieben aber harmlos und im Abschluss total daneben. So spielt ein Absteiger. Glückwunsch, HSV, zum ersten Bundesliga-Erfolg über den FCA. Nun kann der FC Bayern am nächsten Sonnabend in den Volkspark kommen, zu verlieren gibt es in dieser Partei nicht viel.

Der Außenseiter begann druckvoll, der HSV stand hinten drin und ließ Augsburg kommen. In den erste zehn Minuten sah das ganz gewiss nicht nach einem Hamburger Sieg aus. Ich sehe noch Torwart Rene Adler mit seinen Armen durch die Luft rudern, um so seine Vorderleute ein wenig aufzumischen. Oftmals schienen die Abwehrspieler allzu sorglos. Zudem schlichen sich im Aufbauspiel doch viele, viele Fehlpässe ein, mit denen sich der HSV das Leben zusätzlich erschwerte. Immerhin aber war erkennbar, dass die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink den Ausrutscher gegen den VfB Stuttgart (0:1) vergessen machen wollte.

Da traf es sich prächtig, dass die erste richtig gute Möglichkeit gleich genutzt wurde. Artjoms Rudnevs bediente in der 13. Minute den halbrechts nach vorne preschenden Heung Min Son, und der traf wie gegen Dortmund: Mit einem herrlichen Linksschlenzer von der Strafraumgrenze war er erneut erfolgreich, und das gegen einen Riesen wie FCA-Torwart Jentzsch. Super gemacht!

Dabei blieb es zunächst. Der HSV war in den nächsten zehn Minuten die bessere Mannschaft, aber Chancen gab es keine mehr. Und dann kämpfte sich Augsburg wieder zurück in die Partie – ohne allerdings auch zu guten Möglichkeiten zu kommen. Glück hatte Rafael van der Vaart, der kämpfte und grätschte, dabei aber einmal überzog, als er Werner zu Boden beförderte. Schiedsrichter Michael Weiner aber beließ es bei einer Ermahnung. Der Unparteiische zeigte dann aber erst Tolgay Arslan Gelb (nach einem Foul) – und dann Son. Wegen einer Schwalbe. Der Südkoreaner nahm sie lächelnd hin, obwohl eine Schwalbe auch eine sehr harte Entscheidung war. Vielleicht sollte Son mehr protestieren, dann hätte es diesen Karton unter Umständen nicht gegeben. Vielleicht.
Halbzeit.

Der zweite Durchgang begann mit Druck der Hausherren – und mit Glück für den HSV. Wie Werner einen Kopfball aus fünf Metern noch neben das Hamburger Tor befördern konnte, wird ewig sein Geheimnis bleiben. Da hätte es 1:1 stehen müssen, so aber setzte sich mit den folgenden Minuten der HSV immer besser in Szene – und verdiente sich so den Sieg. Der von Rudnevs herausgeschossen wurde. Son bediente von rechts van der Vaart, er bediente den in die Gasse gehenden Letten, ein wuchtiger Schuss aus der Drehung – Tor. Herrlich gemacht (63.).

Bis zum Schlusspfiff passierte dann kaum noch etwas, der HSV hatte die Kontrolle über dieses Spiel gewonnen, die Augsburger ließen mehr und mehr die Köpfe hängen und glaubten nicht mehr an ihre Chance. Völlig berechtigt, nebenbei.

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt den Weitschuss von Vogt bravourös (4.), ansonsten immer da, wenn er benötigt wurde, er spielt stets und ständig ganz hervorragend mit. Seine Abschläge allerdings waren diesmal doch sehr durchwachsen. Note drei.

Dennis Diekmeier benötigte einige Minuten, um im Spiel zu sein, dann knüpfte er an die Leistungen an, die ihm erst einmal den Stammplatz in der rechten Verteidigung eingebracht haben. Hatte in der 50. Minute das 2:0 auf dem Fuß, traf aber nur das Außennetz. Note drei.

Michael Mancienne hatte diesmal nicht seinen besten Tag (Abend), baute einige Male „Mist“ und hatte Glück, dass es ohne Schaden blieb. Note vier – aber so gerade noch. Und weil er sich im zweiten Durchgang stabiler zeigte.

Heiko Westermann begann sehr fahrig (was war da los?), fing sich aber in der 27. Minute, als er wieder einmal in höchster Not rettete. Von diesem Zeitpunkt an lief es besser für ihn. Und dass er in Sachen Kopfball eine Bank ist, das hat er wieder einmal eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Note drei.

Marcell Jansen hatte mit Anfangsschwierigkeiten zu kämpfen, fing sich aber zeitig. Was auffiel: er schlug oft „lang Hafer“. Auch dann, wenn ein ruhiger Pass angebracht gewesen wäre. Note vier.

Milan Badelj erinnert mich immer ein wenig an Joris Mathijsen – vom Laufstil her. Und auch vom Tempo her. Fußballerisch aber ist er eine Augenweide, auch wenn er einige Minuten benötigte, um voll da zu sein. Note vier.

Tolgay Arslan wirkte einige Male ein wenig unkonzentriert, fiel dadurch aber nicht groß ab. Aber er ist immer dann ganz stark, wenn er sich konzentriert und in sein Spiel und seine Aufgabe hineinbeißen kann. Verursachte aber einige überflüssige Freistöße in Strafraum-Nähe (des HSV), das kann auch mal schiefgehen. Note vier.
Ging in der 68. Minute, weil er gelb-rot-gefährdet war.

Heung Min Son schoss sein fünftes Saisontor – großartig. Und er machte sich damit noch ein wenig teurer – für den FC Liverpool. Viel und gut in Bewegung, Note zwei.

Rafael van der Vaart fand diesmal mehr Beachtung in der eigenen Mannschaft, er wurde einbezogen, und er machte auch in den meisten Fälle etwas Gutes aus und mit der Kugel. Besonders gut: er war auch kämpferisch voll da, oft sogar ein Giftnickel! Note drei. In der 88. Minute ging vdV, für ihn kam Per Ciljan Skjelbred.

Maximilian Beister begann übervorsichtig. Sicherheit zuerst , so hatte es den Anschein, er spielte den Ball ohne jedes Risiko ab, um nur keinen Fehler zu machen. Wenn das Selbstvertrauen erst voll da ist, dann werden wir auch den Beister erleben, der die Welt aus den Angeln heben will – mit seinen unwiderstehlichen Alleingängen. In etwas so wie in der 58. Minute, als er loslegte und aus spitzem Winkel wuchtig abzog – Jentzsch hielt mit Mühe. Note drei – weil er zweite Halbzeit deutlich zulegen konnte. Für Beister kam in der 90. Minute noch Dennis Aogo für ein paar Sekunden.

Artjoms Rudnevs hatte viele ganz starke Szenen – in Halbzeit eins die besten davon im eigenen Strafraum, denn dort rettete er einige Male in höchster Not. Vorne gab er läuferisch wieder alles, blieb im Abschluss zunächst glücklos – aber dann „ballerte“ er das 2:0 heraus. Große Szene, sein dritte Saisontor. Na bitte, er kommt. Und zudem hatte er den Ball auf den 1:0-Torschütze Son. Note zwei.

Tomas Rincon kam in der 68. Minute für Arslan – herzlichen Glückwunsch! Zu seinem Comeback – und dem HSV Glückwunsch, weil es nun wieder eine Alternative mehr gibt. Rosige Zeiten für den Klub und den Trainer.

So, dann zwei Dinge noch am Rande:

Es war heute der „Chef“ und sein bester Freund im Champs in Schnelsen, plötzlich und unerwartet standen sie vor mir. Aber ohne Anmeldung. Deswegen waren sie so schnell, wie sie gekommen waren, auch wieder weg. Das tat mir Leid, aber es waren ja alle Tische vergeben. Deswegen möchte ich allen, die bei „Matz ab live“ als Zuschauer dabei sein wollen, den Tipp geben, dass man sich bitte vorher im „Champs“ in Schnelsen anmelden möge. Dann klappt’s auch mit dem Tisch.

Apropos Tisch. An einem solchen sitzen nun Hans-Jürgen „Ditschi“ Ripp und Peter Hidien, zwei der Europapokal-Helden von 1977. Wir werden nun gleich mit „Matz ab live“ auf Sendung gehen, über dieses Spiel reden – und über alten, glorreiche Zeiten des HSV. Ich hoffe sehr, dass ihr dabei sein werdet.

PS: Morgen (Sonnabend) soll gegen 13 Uhr im Volkspark trainiert werden.

22.25 Uhr

Rincon und Skjelbred sind dabei

25. Oktober 2012

Kurz zur Erinnerung: Am vergangenen Sonnabend gab es beim HSV-Abschlusstraining das berühmt-berüchtigte Spielchen A gegen B. Die Reservisten, die am Tag zuvor noch ganz hoch (im Bereich zwischen 0:6 und 0:8) verloren hatten, siegten 3:0 – die Stamm-Formation war chancenlos. Später, und zwar nach der 0:1-Pleite gegen den VfB Stuttgart, sagte Marcell Jansen dann: „Diese Niederlage hatte sich gestern beim Abschlusstraining schon angedeutet . . .“ Wenn das den zutreffend ist, dann könnte der HSV an diesem Freitag auf ein Unentschieden beim FC Augsburg hoffen, denn: Im heutigen Abschlussspielchen gab es zwischen A und B ein leistungsgerechtes 2:2. In einem Spiel, das sehr intensiv geführt wurde – also mit dem nötigen Ernst und mit dem entsprechenden Einsatz.

Das B-Team ging durch ein Tor von Gojko Kacar in Führung: Nach einer Flanke, die Dennis Aogo mit seinem rechten Fuß zur Mitte brachte, setzte sich Paul Scharner in einem wuchtigen Luftkampf mit Heiko Westermann durch und köpfte die Kugel zur Mitte, wo Kacar knallhart einschoss. Für das 1:1 sorgte Heung Min Son: Nach einem Van-der-Vaart-Eckstoß und der Kopfballverlängerung am ersten Pfosten von Marcell Jansen stand der Südkoreaner am langen Pfosten goldrichtig und ließ Jaroslav Drobny keine Abwehrmöglichkeit. Die Reservisten gingen dann durch ein Tor von Marcus Berg erneut in Führung, doch Maximilian Beister glich mit einem strammen Schuss aus 14 Metern noch aus – Schlusspfiff. Damit nicht noch (und wieder) mit einer Niederlage für das A-Team aufgehört werden muss . . .

Vor dem Abschlussspiel hatte es noch ein längeres und heftigeres „Geballere“ gegeben. Es wurde aus allen Lagen geschossen, die Torhüter Rene Adler, Jaroslav Drobny und Tom Mickel flogen, hechteten, fausteten und fingen nach allen Regeln der Kunst. So gut und vor allen ´Dingen so ausdauernd hat der HSV schon lange keinen Torabschluss mehr geübt – herrlich. Hoffentlich trägt es für diesen Freitag auch Früchte. Ganz nebenbei noch zweierlei: Das schönste Tor erzielte Rafael van der Vaart, der den Ball zentimetergenau in den rechten oberen Torwinkel „zimmerte“. Ein „Tor des Monats“ – da capo. Und Artjoms Rudnevs legte heute nach dem Training keine (eigentlich vom Trainer versprochene) Sonderschicht ein. Auch in diesem Fall ein hoffentlich: Hoffentlich klappt es in Augsburg auch ohne diese Sonderschicht. Und wenn es nur dazu langen sollte, den Ball in die Mitte und auf den einschussbereiten linken Fuß von van der Vaart zu spielen . . . Aber wird schon. Ich bin jedenfalls guter Hoffnung.

Nach dem Training wurde dann noch ein großer Kreis gebildet, und Trainer Thorsten Fink tat vor versammelter Mannschaft dem einen oder anderen Spieler dann auch noch weh. Nicht körperlich. Der Coach erklärte aber noch auf dem Platz seinen Augsburg-Kader, zu dem es einige Härten zu verarbeiten gab (und gibt). Paul Scharner, Jacopo Sala und Petr Jiracek (verletzt) sind diesmal nicht im Kader, und Fink erklärt ihnen, dass diese Maßnahmen nichts mit ihren Trainingsleistungen zu tun hätten. Da der HSV nun einmal einen sehr großen Kader hat, müssen zwangsläufig einige Spieler immer zu Hause bleiben. Neu dabei sind Per Ciljan Skjelbred, Tomas Rincon und Ivo Ilicevic.

Drei kleinere oder auch größere Überraschungen, denn Skjelbred schien zuletzt chancenlos, muss sich aber durch gute Leistungen im Training aufgedrängt haben. Wobei ich gestern im Kreise der Kollegen festgestellt hatte, dass der Norweger im Training eigentlich fast immer eine gute Figur abgibt. Überraschend kommt auch die Rückkehr von Ivo Ilicevic, der erst am Mittwoch wieder mit Reha-Trainer Markus Günther auf „dem Acker“ zu sehen gewesen ist. Aber das ist wohl eine Maßnahme, falls es mit „Maxi“ Beister auf links nicht über 90 Minuten gehen sollte. Nicht ganz so überraschend kam die Nominierung von „Kampfmaschine“ Tomas Rincon. Der Venezolaner zeigt eigentlich in jeder Einheit, dass er wieder zurück in die Mannschaft will. Deswegen ist sein Mitwirken auch nur zu begrüßen, „Popeye“ haut rein und will sich immer beweisen. Kann nur zum Wohle der Mannschaft sein.

“Wir haben nun einmal einen großen Kader, da wird es sich nicht vermeiden lassen, dass es solche Härtefälle gibt – es können ja nicht alle mit. Aber dieser Kader bedeutet auch nicht, dass er automatisch auch für das Bayern-Spiel gilt. Dann kommen wahrscheinlich wieder einmal andere dran, denn im Moment trainieren alle Spieler richtig gut”, sagte Thorsten Fink zu seiner Bank-Rotation.

Was ich beim heutigen Training so still bei mir dachte: Jaroslav Drobny zeigt sich eigentlich an jedem Tag von seiner besten Seite – sein Einsatz ist bewundernswert. Das muss ganz einfach einmal gelobt werden, denn es ist für ihn gewiss nicht leicht. Erst ist er Ersatz hinter Frank Rost, dann kommt er als Nummer eins schwer in Fahrt, hält dann aber überragend – und wird doch wieder Ersatzmann. Und das als aktuelle Nummer zwei des tschechischen Nationalteams. Das alles muss man erst einmal verkraften, aber Drobny scheint es geschafft zu haben. Kompliment! Wie der Tscheche trainiert, wie gut er hält, und wie er mit den Kollegen lacht und scherzt – das hätte eigentlich einen Sonderpreis verdient. Ich ziehe den Hut vor Jaroslav Drobny!

Aber natürlich auch vor Rene Adler, der völlig berechtigt nun zwischen den HSV-Pfosten steht, weil er für mich die Nummer eins in Deutschland ist. Und nun dürfte es interessant werden: Am 14. November findet das letzte Länderspiel des Jahres statt, Niederland gegen Deutschland in Amsterdam. In der neuen „Sport Bild“ erteilt (angeblich) DFB-Torwarttrainer Andreas Köpke einem Comeback von Adler eine Absage. Weil sich das Trainerteam für die entsprechenden drei Keeper entschieden hat: Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler. Letzterer aber ist nach seiner Roten Karte aus dem Freundschafts-Länderspiel gegen Argentinien. Und ter Stegen bekommt die Bälle zurzeit nicht nur um die Ohren, sondern auch in seinen Kasten. Da wäre es ja wohl nur gerecht, wenn der aktuell beste Torwart dann auch zum Kader gehören würde: Adler. Ich bin mal gespannt, wie das der DFB („Jogi“ Löw und Köpke) entscheiden wird (werden).

Apropos Trainer: Thorsten Fink zeigte sich im Entlassungs-Fall Magath etwas betroffen. Der HSV-Coach wollte die Nachricht zunächst gar nicht glauben (war während des Trainings passiert), fragte nach und sagte dann: „Das kommt überraschend für mich, damit hätte ich nicht gerechnet. Weil Felix doch immer nach gewissen Anfangsschwierigkeiten immer noch in die richtige Spur mit seinen Mannschaften gekommen ist. Das hätte wohl auch mit Wolfsburg noch geklappt . . .“

So, zum Abschluss noch drei Namen. Wenn auch der erste mit etwas Verspätung kommt – und dann auch erst zwei Minuten vor Schluss. David Rozehnal, oft und ausgiebig belächelt und als Fehleinkauf des HSV abgestempelt, spielte am Dienstag Champions League. Rozenahl! Ja, unser aller David Rozehnal. Von der Champions League kann doch der HSV noch in Jahren nur träumen, aber der „Fehleinkauf“ läuft noch kurz vor Schluss für Lille gegen die Bayern auf. Das ist schon ein dickes Ding. Kann man sich so irren. Oder: So kann man sich irren? Egal, wie auch immer, der David spielt Champions League, und das ist doch auf jeden fall für ihn recht erfreulich. Und für mich wieder ein Beispiel, dass man nie nie sagen sollte. Ich hätte es ihm niemals zugetraut, aber da bin ich wahrscheinlich nicht so ganz allein.

Und dann möchte ich euch noch einmal an den Freitagabend erinnern. Aus dem „Champs“ in Schnelsen wird wieder „Matz ab libe“ übertragen, und zwar mit zwei Europapokal-Siegern des HSV: Peter Hidien und Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp. Ich gebe zu, dass ich mich auf diese beiden „Altmeister“ der Verteidigung schon sehr freue. Wir wollen gleich nach dem Schlusspfiff in Augsburg auf Sendung sein – ich hoffe, dass ihr wieder dabei sein werdet.

18.59 Uhr

Pressekonferenz HSV vor dem Spiel gegen Augsburg

25. Oktober 2012

Van der Vaart: “Ich bleibe positiv”

24. Oktober 2012

So richtig gut drauf war Thorsten Fink heute nicht. Ob das an den quälenden Fragen der „Matz-abber“ vom Vorabend lag? Durchaus möglich, sagten mir die Kollegen, die bei dem Fan-Aussprache-Abend mit dem Trainer dabei waren. Endlich mal die wirklich wichtigen und harten Fragen stellen, nicht so wie die „Weicheier“ von den Zeitungen – so muss das Motto in etwa gewesen sein. Obwohl mir jene „Matz-abber“, die heute beim Training waren und am Vorabend beim Fink-Treffen, bestätigt haben: „Das war ein ganz harmonischer Abend mit dem Trainer.“ Mit „Toffi“ – denn es wurde im Laufe des Treffens alles und jeder geduzt. Mit Erlaubnis von „Toffi“. Weil wir doch alle eine Familie sind. Und um das abschließend zu sagen: Auch die größten Fink-Kritiker waren am Ende zufrieden und bescheinigten „Toffi“ (also dem Coach) einen sehr guten Auftritt.

Hoffentlich kann Thorsten Fink (also „Toffi“) diesen sehr gut Auftritt bis zum kommenden Freitag konservieren. Und dann kann man nur hoffen, dass dieser gute Auftritt auch auf die Mannschaft abfärbt. Sozusagen von einem guten Auftritt zum nächsten. Gut wäre es, und dem Klub würde das auch sehr gut tun, denn ein Wochenende weiter kommt der FC Bayern nach Hamburg, und das bedeutet für mich, dass es da nichts für den HSV zu erben gibt, denn: Die Münchner, so habe ich den Verdacht, werden in dieser Saison nicht ein Spiel verlieren. Der HSV sollte nur bis Weihnachten keine Partie mehr verlieren, aber die Bayern werden es bis zum Sommer 2013 durchziehen. Weil Uli Hoeneß und Co zu dieser Spielzeit ernst gemacht haben. Eine bessere Bayern-Mannschaft hat es seit Maier, Beckenbauer, Müller und Co nie gegeben.

Aber gut, das ist erstens meine Meinung, und zweitens geht es jetzt gegen Augburg. Und das ist ja erst einmal viel, viel wichtiger. Falls es dem einen oder anderen User entfallen sein sollte: Der HSV ist in der Bundesliga gegen Augsburg noch ohne Sieg. In Hamburg gab es in der vergangenen Spielzeit ein mageres 1:1, als nach dem FCA-Führungstor noch Paolo Guerrero mit einem Schulter-Kopfball-Tor noch den Ausgleich herstellen konnte. Der HSV war zwar feldüberlegen, scheiterte aber immer wieder am starken Augsburger Keeper Amsif. Dazu passt aber eine Meldung, die heute über die Deutsche Presse-Agentur kam:

Torwart Simon Jentzsch steht zum Gastspiel des HSV vor der Rückkehr ins Tor des FC Augsburg. Der Routinier werde am Freitag gegen den HSV wieder spielen, sagte Coach Markus Weinzierl der „Bild“. Zuletzt hatte der 36-Jährige wegen einer Fingerverletzung sechsmal aussetzen müssen. Beim 0:0 in Nürnberg saß Jentzsch zwar wieder auf der Bank, musste aber Mohamed Amsif noch den Vortritt lassen.

Der eigentliche Ersatzkeeper Amsif machte zuletzt mit starken Leistungen auf sich aufmerksam, spielte dreimal zu Null und war an allen sechs Augsburger Punkten beteiligt. Schon in der vorigen Saison hatte er Jentzsch während einer Verletzungspause vertreten. Ein Konkurrenzkampf im Tor der Schwaben soll trotzdem nicht entstehen. „Wir haben eine klare Hierarchie“, sagte Manager Jürgen Rollmann der „Augsburger Allgemeinen“. „Jentzsch ist die klare Nummer eins.“

Ob diese Entscheidung gut oder schlecht für den HSV war, wird sich am Freitag um 22.20 Uhr gezeigt haben. Und wo ich gerade bei Personalien bin: FCA-Kapitän Paul Verhaegh fällt wegen eines Innenbandanrisses aus. Beim HSV wird definitiv Petr Jiracek fehlen, denn der Tscheche trainierte heute nicht. Dagegen mischte der zuletzt verletzt und krank fehlende Ivo Ilicevic wieder voll mit. Und eine Entscheidung hat Thorsten Fink bereits getroffen: Maximilian Beister wird die Position von Jiracek einnehmen. Fink: „Beister hat gut trainiert zuletzt, hat auch gut gespielt in den letzten Wochen, er hat sich diese Chance verdient.“ Der Coach hat sich zudem festgelegt: „An der Anfangs-Mannschaft wird sich ansonsten nichts verändert, das bleibt so – der Rest kann sich bis morgen im Training aufdrängen, sodass sie mit nach Augsburg fahren könnten.“

Pech für Dennis Aogo, der nun wieder völlig fit ist, aber zunächst einmal das Nachsehen hat – ab auf die Bank. „Er ist fit, hat wieder Spaß am Fußball. Er macht einen guten Eindruck – von daher ist er wieder dabei, er kann Druck machen. Wir haben einen guten Konkurrenzkampf in der Mannschaft, weil wir einen ausgeglichenen Kader haben, da fällt es mir schwer, den einen oder anderen zu Hause zu lassen“, sagt Fink. Gut möglich, dass dank einer Ersatzbank-Rotation auch wieder einmal Tomas Rincon die Reise zu einem Auswärtsspiel wird antreten können. Weil der Südamerikaner sich im Training durch gute Leistungen gezeigt hat. Fink: „Tomas hat Woche für Woche zugelegt, er macht einen guten Eindruck, er ist schon sehr weit.“

Über den Gegner Augsburg weiß Thorsten Fink: „Der FCA hat sich ganz gut gefangen, spielt zu Hause, steht sehr kompakt – auch auswärts. Zuletzt gab es beim 1. FC Nürnberg ein 0:0, da spielet Augsburg gut und hätte auch gewinnen können – on daher sind wir gewarnt. Wir haben etwas gut zu machen, dürfen die Augsburger nicht ins Spiel kommen lassen.“

Apropos nicht ins Spiel kommen lassen. Das hatte zuletzt der VfB Stuttgart (recht erfolgreich) mit Rafael van der Vaart gemacht. Das Zauberwort hieß „Manndeckung“. Ein „schreckliches Erlebnis“ in der heutigen Zeit des Raumdeckens, aber der Niederländer muss damit klar kommen. Aber er ist am Sonntag nicht nur wegen dieser Manndeckung gar nicht erst ins Spiel gekommen, sondern auch deswegen, weil die Mannschaftskollegen viele weite und hohe Bälle nach vorne gedroschen hatten, die alle über van der Vaart hinweg flogen. Auf meine Frage, ob er das bemerkt hätte, sagte er lachend: „Natürlich habe ich das bemerkt.“ Und erntete bei dieser Antwort viele Lacher.

Ich konnte damit leben, denn die Antwort bewies mir, dass dieses Manko bei der „ewigen 23“ sehr wohl registriert worden ist – und damit dann auch beim HSV (und dem Trainer-Team). Also wird über diese Sache zu sprechen sein. Um Abhilfe zu schaffen. Um zu erreichen, dass van der Vaart von den Mitspielern gesucht wird – damit er Ideen in das Spiel der Mannschaft bringen kann. Er sagte zu seinem Spiel: „Ich war in Manndeckung, und da muss man sich die Bälle oft von hinten holen, das habe ich in der zweiten Halbzeit mehr gemacht, und dann kommt man auch besser ins Spiel. Aber wenn die Mannschaft nicht so gut drauf ist, und ich dann auch nicht, dann wird das schnell ein Spiel zum Vergessen.“ Auf meine Frage, ob ihn die Manndeckung stören würde, antwortete Rafael van der Vaart: „Nein, das ist ja oft passiert. Aber wenn die Mannschaftskollegen damit dann mehr Platz haben, dann kann ich damit leben, ich muss nicht in jedem Spiel glänzen – oder so.“

Auf die Frage, was gegenüber dem Stuttgart-Spiel nun in Augsburg beim HSV besser werden muss, sagte der „kleine Engel“: „Viel.“ Und weiter: „Wir sind gegen den VfB nicht gut ins Spiel gekommen, standen oft zu weit weg von unseren Gegenspielern. In den Heimspielen zuvor haben wir immer viel Druck gemacht, haben Pressing gespielt, so haben wir unsere Spiele gewonnen. Das haben wir gegen Stuttgart nicht gemacht, das muss nun in Augsburg auf jeden Fall besser gemacht werden. Ich hoffe, dass Stuttgart nur ein schlechtes Spiel von uns war, das kann ja immer mal passieren, deshalb sollten wir nun die Köpfe nicht hängen lassen. Es wird in Augsburg wieder besser für uns laufen, ich bleibe positiv.“

Hoffentlich geht er in dieser Beziehung mit gutem Beispiel voran, denn Augsburg dürfte erneut nicht leicht für vdV werden. Sein „Manndecker“ ist Kevin Vogt, und der misst stolze 1,94 Meter, und ein solches Gardemaß könnte im Zusammenspiel mit einer gewissen Härte schon lästig werden – für „Rafa“. Der von sich sagt: „Ich habe gut trainiert und fühle mich auch fit.“ Dann kann es ja losgehen.

Aber um noch einmal auf Augsburg zu kommen: Dort gab es zuletzt im Sommer, im letzten Auswärtsspiel der Saison, eine 0:1-Niederlage für den HSV. Zu diesem Spiel las ich kürzlich in der „Sport-Bild“ eine mich doch irgendwie erschütternde Aussage von Thorsten Fink: „Vor dem bedeutungslosen Spiel in Augsburg am letzten Spieltag habe ich den Jungs gesagt: ‚Heute könnt ihr frei aufspielen, zeigt, was ihr könnt.’ Doch dann kam einfach nichts. Bei dem einen oder anderen Spieler hat mir diese Niederlage die Augen geöffnet. Ich wusste, dass wir Spieler brauchen, die richtige Säulen sind, starke Charaktere. Es braucht einfach zwei, drei Spieler, die den Weg vorgeben.“

Zeigt was ihr könnt. Und dann kam nichts. Hatten wir in der vergangenen Saison oft, zu oft. Jetzt aber hat Thorsten Fink diese zwei, drei Säulen – und er sagt selbst: „Die heutige Mannschaft ist mit der vom Sommer nicht mehr vergleichbar.“
Hoffentlich.

Womit ich zum Stürmer des HSV komme. Artjoms Rudnevs sollte ja (seit dem Fürth-Spiel beschlossen) nach jedem Trainings-Tag noch eine zehnminütige Sonderschicht einlegen – Motto: „Was mache ich wenn ich allein auf das gegnerisch Tor zulaufe.“ Ich muss zugeben, dass ich diese Schichten nicht gesehen habe, was nicht daran liegen muss, dass sie nicht stattgefunden haben. Ich war eben nicht immer zur Stelle. Heute zum Beispiel spielte der gute „Rudi“ Fußballtennis mit Co-Trainer Nikola Vidovic. Was mich zu dem Schluss brachte, dass Rudnevs nicht nur den Torabschluss üben muss, sondern auch die (und seine) Technik. Vielleicht aber kam das Zulaufen auf das Tor ja auch noch – ich musste dann in den Presseraum in der Arena, um bei Rafael van der Vaart und der anschließenden PK zu sein. Aber ich bin gespannt, ob sich diese Sonderschichten schon beim Spiel in Augsburg bemerkbar machen werden – ich drücke dem Letten und auch dem HSV kräftig die Daumen.

PS: An diesem Donnerstag findet im Volkspark das Abschlusstraining statt, aber das ist (wie immer) nicht öffentlich.

18.25 Uhr

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