Monatsarchiv für Oktober 2012

Bayern hat Klasse, der HSV den Heimvorteil

31. Oktober 2012

HSV gegen Bayern München, da werden wohl bei jedem HSV-Fan Erinnerungen wach. Und zwar nicht immer nur gute. Denn, so grausam kann Statistik sein, die Bilanz be3ider Klubs ist nicht gerade positiv für die Hamburger Farben. 21 Siege, 19 Unentschieden und 54 Niederlagen stehen zu Buche. Mit einem niederschmetternden Torverhältnis von 96:197. Und die Heimbilanz des HSV gegen den Rekordmeister spricht auch nicht unbedingt für die Macht von der Elbe: 13 Siege, 14 Unentschieden, 20 Niederlagen. Und in Toren drückt sich diese negative HSV-Statistik wie folgt aus: 54:74. Viele Spiele dieser beiden großen Klubs habe ich live gesehen, eines ist mir ganz besonders hängen geblieben. Ein 0:5 im Volkspark, und zwar am 4. Mai 1974. Es waren 55 000 Zuschauer in die Betonschüssel gekommen, viele, viele gingen nach den Toren von Schwarzenbek, Breitner (zwei), Zobel und Hoeneß vorzeitig. Auch ich, muss ich gestehen. Aus der Westkurve raus und nur weg. Ging aber nicht. Weil viele, viele Autos vor den Stadiontoren standen, die nicht vom Fleck kamen. Weil noch nicht sämtliche Ausfahrten geöffnet waren. Und was machten die frustrierten HSV-Fans? Sie kletterten auf die Autos, sprangen von Dach zu Dach und von Haube zu Haube. Es war schrecklich. Vor allen Dingen für die, die in ihren Autos saßen und die Köpfe einzogen.

Die Bayern traten damals mit Maier, Schwarzenbek, Beckenbauer, Roth, Zobel, Breitner, Hoeneß und Müller an, Trainer war Udo Lattek. Und beim HSV, dessen Trainer Kuno Klötzer war, spielten: Kargus, Kaltz, Winkler, Krobbach, Hidien; Björnmose, Zaczyk, Ripp, Sperlich, Heese und Volkert. Aber es gab auch Siege und große Erfolg des HSV gegen die Bayern. Am 1. April 1977 gewann der HSV 5:0 gegen Maier, Beckenbauer, Schwarzenbek, Rummenigge und Co. Wie konnte das passieren? Weil Zaczyk, Reimann, Memering, Vollert und Steffenhagen traf und beim HSV an diesem Tag alles klappte. Wie auch am 31. Oktober 1981, also heute vor 31 Jahren. Da gewann der HSV 4:1 gegen die Bayern (Junghans, Augenthaler, Dremmler, Breiter, Rummenigge, D. Hoeneß). Die Tore für die Sieger schossen Hrubesch (zwei), Jakobs und Bastrup.

Den wohl größten Sieg über die Münchner gab es am 24. April 1982. 4:3 hieß es nach einem 1:3-Rückstand, bei dem das Spiel eigentlich schon entschieden schien. Hartwig, von Heesen und zweimal Hrubesch sorgten für einen der schönsten HSV-Siege der Vereinsgeschichte. In der Bundesliga ist das meine absolute Nummer eins.

In der „Neuzeit“ wurden HSV-Siege dann zwar rarer, aber es gab sie. Am 14. September 1991 schoss Armin Eck ein wunderschönes 1:0 heraus – und 1:0-Siege sind bekanntlich die schönsten (besagt ein altes Fußball-Sprichwort). Damals spielten für den HSV Golz, Kober, Beiersdorfer, Rohde, Matysik, Hartmann, Spörl, Eck, von Heesen, Nando und Furtok. Das sind doch Namen! Beim FC Bayern waren neben anderen Effenberg, Ziege, Pflügler, Berthold, Kreuzer und Labbadia an Bord. Und ein ganz besonderer HSV-Sieg wurde noch am 11. Februar 1996 gefeiert, auf Schnee, Eis und „Betonboden“. Uwe Jähnig (wer erinnert sich noch an ihn?) wurde in der 66. Minute für Valdas Ivanauskas eingewechselt und traf 60 Sekunden vor Schluss zum 2:1-Sieg. Zuvor hatten Scholl und für den HSV Andre Breitenreiter (heute Trainer TSV Havelse) getroffen. Für den HSV waren Golz, Fischer, Henchoz, Hartmann, Hollerbach, Breitenreiter, Spörl, Kmetsch, Albertz, Ivanauskas und Bäron am Start. Die Bayern waren damals stocksauer, dass diese Partie überhaupt angepfiffen worden war, denn man hätte an diesem bitterkalten Abend im Volkspark auch „Holiday and Ice“ präsentieren können . . . Das war, wie gesagt, 1996, mir kommt es so vor, als wäre das vorgestern gewesen. So schnell rennt die Zeit – auch im Fußball. Oder dort ganz besonders schnell?

Diese eben aufgezählten Namen sind schon lange Geschichte. Teilweise große, teilweise schon leicht abhanden gekommene Tradition. Und wer weiß es schon, wie die heutige HSV-Mannschaft in zehn oder 20 Jahren angesehen sein wird? Wie denkt ein HSV-Fan über Rene Adler, der vielleicht seine Karriere in Hamburg ausklingen lässt (nach sechs, sieben Jahren?), wie denken die Fans über Dennis Aogo, Heiko Westermann und Rafael van der Vaart?

Oder auch Artjoms Rudnevs? Der HSV-Stürmer lief heute zwar nach dem Training nicht allein auf ein Tor zu, aber er trainierte erneut für sich. Das heißt, er wurde von Nikola Vidovic zum Privat-Unterricht gebeten, beide Herren spielten wieder einmal Fußball-Tennis. Der Lette soll offenbar Ballgefühl (mehr Ballgefühl) vermittelt bekommen, obwohl ich sagen muss (und das ist absolut ernst gemeint), dass Rudnevs zuletzt in Augsburg zwei Szenen hatte, die hatten es in sich. Zweimal pflückte er Abschläge von Adler aus der Luft, als wäre er Lionel Messi, als hätte er Pattex an den Buffern. Das sah richtig gut aus. Und sein Tor ja ohnehin. Wobei „Tante Käthe“ ja wohl gefragt hatte, ob Rudnevs denn Schuss-Training erhalten hatte? Das hatten sie beim Abschlusstraining ja alle, das hatte ich auch geschrieben. Aber bei Artjoms Rudnevs hatte es gleich durchschlagende Wirkung. Davon weiß nun auch Augsburgs Keeper Jentzsch zu berichten . . .

Inzwischen, und das ist erfreulich, steht beim HSV die Null immer öfter hinten – und vorne nur noch selten. Ein Trend, der sich auch am Sonnabend gegen die Bayern möglichst fortsetzen soll. Und einer der Garanten für eine erfolgreiche Abwehrarbeit ist der Kapitän. Heiko Westermann auf die Frage, warum der HSV zuletzt kaum Gegentore kassiert hat: „Weil wir zuletzt und über einen längeren Zeitraum mit derselben Mannschaft gespielt haben. Mit derselben Viererkette und mit Rene Adler im Tor.“ Kurios aber ist auch, dass Trainer Thorsten Fink gerade noch zu Beginn dieser Woche über die schlechte Defensivarbeit seiner (gesamten) Mannschaft gesprochen hatte, und dabei angekündigt hatte, daran hart und verstärkt zu arbeiten. Und nicht nur Fink hat ja gesehen, dass die Gegner zuletzt zwar kaum gegen den HSV getroffen haben, aber dennoch einige Chancen zuviel auf den Stiefeln und den Köpfen hatten.

Das weiß auch Westermann: „Keine Frage, wir haben zuletzt einfach zu viel zugelassen. Das waren keine herausgespielten Möglichkeiten des Gegners, sondern Fehler von uns, die dazu geführt hatten, dass der Gegner zu Chancen gekommen ist. Das waren Ballverluste in der Vorwärtsbewegung, und da müssen wir schon noch besser werden.“ Aus diesem Grund wurden zuletzt auch verstärkt Videoanalysen gemacht, der Trainer zeigt der Mannschaft die Fehler deutlich auf. Und obwohl Fink ja noch zu Beginn der Saison davon überzeugt war, dass die Defensive nun deutlich besser geworden sei (im Vergleich zur Vorsaison), ist es nun die Abwehrarbeit, die sich zur Achillesferse entwickelt hat. Ich behaupte ja auch: Wenn der HSV nicht einen Rene Adler zwischen den Pfosten gehabt hätte, dann wäre so manches Spiel nicht so erfolgreich ausgegangen, wie es letztlich ausgegangen ist.

Belegt wird die starke Form des HSV-Schlussmannes mit diesen Zahlen: Im Vergleich aller Liga-Keeper liegt Rene Adler mit zehn vereitelten Großchancen (47,62 Prozent) an der Spitze und mit 78,85 Prozent gehaltener Torschüsse nur knapp hinter Bayern-Keeper Manuel Neuer (82,61).

Auch Heiko Westermann lobt seinen Keeper: „Dass Rene zurzeit überragend hält, das ist ja kein Geheimnis, er hat uns schon einige Punkte in dieser Saison geholt. Er hat viel Selbstvertrauen, und das ist auch gut so, so soll es bleiben.“

Beim letzten Aufeinandertreffen zwischen dem HSV und dem FC Bayern im Volkspark hieß es nach spannenden 90 Minuten 1:1. Der HSV hatte unter der Regie seines (noch) neuen Trainers eines seiner besten Spiele der Saison 2011/12 gemacht. Allen voran Heiko Westermann, der bei diesem Spiel zur Top-Form auflief. Der HSV hätte auch gewinnen können. „Das wollen wir an diesem Wochenende wiederholen, wir wollen die Bayern wieder ärgern, wir werden ihnen nicht die Punkte schenken. Und gegen die Bayern spielt man immer besonders gerne, und meistens auch ganz gut. Wir freuen uns auf dieses Spiel, wir wollen das noch einmal schaffen, was uns gegen Borussia Dortmund gelungen ist, wir wollen den Bayern ein Bein stellen.“ Dann fügt Westermann noch etwas für mich ganz Erstaunliches an, was vor Wochen noch unvorstellbar schien: „Zurzeit könnte man fast jeden Spieler von uns spielen lassen, alle sind einfach gut drauf, das muss man sich einfach nur mal im Training anschauen.“

Aber es dürfte wohl bei jenem HSV-Team bleiben, das zuletzt mit Kontinuität die Punkte eingefahren hat. Einzig die Frage, ob Tomas Rincon ins Mittelfeld kommt, und dafür Maximilian Beister auf der Bank wird Platz nehmen müssen, ist ungeklärt. Aber trotz der Tatsache, dass der HSV zuletzt erfolgreich gepunktet hat – die Bayern-Partie dürfte nicht ganz so leicht werden. Nach dem 1:2 gegen Leverkusen werden die Münchner schön „geladen“ nach Hamburg kommen. Und ob das eine Chance für den HSV ist, oder eher ein Nachteil, das werden wir alle am Sonnabend um spätestens 20.25 Uhr wissen.

Heiko Westermann ist aber optimistisch: „Wir wissen, dass wir Fußball spielen können, wir sind fußballerisch deutlich stärker geworden gegenüber dem Saisonstart. Und wir sind sehr effektiv zurzeit, wir brauchen sehr wenige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Das wissen wir, und das wissen auch die Gegner – das ist eine Stärke von uns.“

Bei den Münchner wird nach wie vor Nationalstürmer Gomez fehlen, aber das schätze ich im Moment nicht als Verlust für die Bayern ein. Weil sich Mandzukic in München zu einem Top-Torjäger entwickelt hat, und weil dahinter noch ein Mann namens Pizarro sitzt. Über den HSV-„Killer“ muss man keine großen Worte mehr verlieren, der ehemalige Bremer hat gegen den HSV immer getroffen. Fast nach Belieben. Westermann: „Mandzukic ist im Moment wohl der beste Stürmer der Liga.“ Weil er kopfballstark ist, zudem einen ausgeprägten Torriecher. Ich frage mich immer noch, warum der VfL Wolfsburg einen solchen Mann einfach so hat gehen (und ziehen) lassen.

Aber gut, das müssen nur und lediglich die VW-Männer klären, der HSV muss sich jetzt mit Mandzukic und dem FC Bayern auseinandersetzen. Westermann: „Die Bayern haben die Klasse, wir den Heimvorteil.“ Ich könnte, das gebe ich zu, mit einem erneuten 1:1 wunderbar leben.

Beim HSV waren heute fast alle Spieler im Training dabei, lediglich Ivo Ilicevic hat gefehlt (muskuläre Probleme). Und natürlich der weiterhin verletzt fehlende Petr Jiracek.

Und nun gleich die (rotierenden) Bayern gegen Kaiserslautern ansehen . . .

PS: Training morgen im Volkspark um 15 Uhr.

19.35 Uhr

Rene Adler: “So fit war ich noch nie”

30. Oktober 2012

Einer fehlt beim Kurkonzert. War in meiner Jugend (also vor dem Krieg) mal ein Titel eines Krimis. Oder auch eines Buches. Heute am Vormittag herrschte zunächst ein wenig Aufregung, weil nicht nur einer beim Training fehlte, sondern gleich mehrere Spieler. Nach einem aber wurde ganz besonders gefahndet: Robert Tesche. Unser „el Presidente“ hatte es ja schon im Blog geschrieben, dass es einen kurzen Zwischenfall im Training gegeben hatte – Tesche und Marcell Jansen waren aneinander geraten. Ist Tesche nun suspendiert worden? Das war die Frage, die viele bewegte. Aber, um es mal auf den Punkt zu bringen, er ist es nicht. Robert Tesche hat „Nacken“, deswegen war er nicht auf dem Rasen zu sehen. Wie auch Michael Mancienne, der Migräne hat, oder Paul Scharner, der für das Abendspiel gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen „geschont“ wurde. Weil der Österreicher zuletzt am Sonntag volle 90 Minuten gegen den VfB Lübeck gespielt hatte.

Das Ergebnis vom Test gegen HR am Ende des Berichts.

Um aber noch kurz auch den „Fall Tesche/Jansen“ zurück zu kommen: Es war ein harter Zweikampf, der da von beiden geführt worden war, und am Ende dieses Duells gab es wohl ein kurzes Nachtreten von Jansen (oder nur der Versuch eines Nachtretens, auf jeden Fall nichts Brutales). Die beiden Spieler gerieten dann aber doch aneinander. „Es war eine kleine Rangelei, so etwas sollte natürlich nicht passieren, ist aber passiert. Es sind eben Emotionen drin, da knallt es dann schon mal im Training. Da brennen dann manchmal die Sicherungen durch. Wir haben geschubst und gezerrt – es war also eher ein Ringkampf. In diesem Falle sage ich: lieber ein bisschen zu viel Aggressivität, als zu wenig. In der Kabine haben wir uns dann wieder die Hand gegeben.“ So schildert Marcell Jansen den Vorfall. Es war ein Zwischenfall, der nicht sonderlich hochgespielt werden muss, denn so etwas passiert eben immer mal – nicht nur beim HSV.

Trainer Thorsten Fink zu diesem brisanten Duell: „Die Mannschaft ist aggressiv, die Jungs wollen weiterkommen, sie kämpfen um ihre Plätze, da passiert so etwas eben mal. Wir haben mit Marcell darüber gesprochen, so etwas geht nicht – aber das interessiert mich jetzt nicht mehr.“ Abgehakt dieser etwas andere Zweikampf. Und das ist auch gut so, denn Bayern steht vor der Tür, jetzt müssen alle Kräfte, auch jene, die in den Armen der Spieler stecken, gebündelt werden, damit das Unmögliche möglich gemacht wird. Nämlich keine Niederlage gegen den Rekordmeister zu kassieren. Auf jeden Fall aber keinen Nackenschlag gegen München. Einmal Nacken genügt.

Gefehlt hat beim Vormittags-Training auch Rene Adler (es war nur Jaroslav Drobny dabei), der mit den Kollegen Tom Mickel und Sven Neuhaus im UKE trainiert hat. Am Nachmittag war Adler dann dabei, obwohl er über einen kleinen Muskelkater klagte. Der wird bis zum Anpfiff am Sonnabend um 18.30 Uhr Geschichte sein, denn der HSV setzt und baut im Nord-Süd-Gipfel (der es früher einmal war) vor allen Dingen auf seinen Keeper, der bislang maßgeblichen Anteil daran hatte, dass der HSV zu diesem Zeitpunkt schon 13 Punkte auf dem Konto hat. Und nun kommt es zu einem direkten Vergleich mit Deutschlands Nummer eins, Manuel Neuer. Ein Bundesliga-Spiel also, das reichlich Brisanz bietet.

„Die Bayern haben gegen Leverkusen gezeigt, dass sie auch schlagbar sind, aber das soll nichts heißen. Sie haben nun noch ein Pokalspiel vor der Brust, und in dem können sie dann die ganze Wut über die Niederlage ablassen, um dann gegen uns wieder befreit aufzuspielen. Aber grundsätzlich denke ich, dass im Fußball keine Mannschaft unschlagbar ist. Es ist ja das Schöne am Sport ist ja, dass da Menschen zu Werke gehen, und Menschen machen ja auch mal den einen oder anderen Fehler. Wir hoffen natürlich, dass wir am Wochenende den einen oder anderen Fehler der Bayern erzwingen können. Wir stehen relativ gut da und haben nichts zu verlieren“, sagt Rene Adler im Hinblick auf den kommenden Sonnabend. Der HSV steht gut da – und auf Platz sieben. Wer hätte das nach dem verkorksten Saisonstart schon gedacht? Adler zu dieser Momentaufnahme: „Es läuft gut, aber es läuft noch nicht so gut, dass man darüber sprechen könnte. Wir müssen uns unsere Top-Leistungen während des Spiels immer noch zusammenbasteln. Es ist nämlich noch nicht alles gut, wir haben noch sehr viel Luft nach oben. Wir sind weit davon entfernt, eine Spitzen-Mannschaft in Deutschland zu sein.“

Ab jetzt erhalten die HSV-Spieler per Videos Anschauungs-Unterricht über den FC Bayern, über Stärken und Schwächen der Mannschaft, auch wie sie die Standards ausführen. Und, und, und. Alles wird akribisch beäugt und hinterleuchtet, nichts wird dem Zufall überlassen. Rene Adler zur jetzigen Situation: „Es ist schön zu sehen, dass wir schon einen gewissen Platz zu den Abstiegsrängen hergestellt haben, wir können am Sonnabend unbeschwert aufspielen – und es macht ja auch viel mehr Spaß für jeden, oben mitzuspielen, als immer im Abstiegskampf zu sein. Sich mit den Besten zu messen ist wesentlich besser, als um Existenzen zu spielen.“

Das Duell zwischen ihm und Manuel Neuer tangiert ihn nicht: „Das juckt mich überhaupt nicht. Das ist wichtig für die Medien, nicht für mich. Für mich ist wichtig, dass ich am Sonnabend keinen Fehler begehe, nur das zählt für mich.“ Über Neuer sagt Adler: „Er hat sich top entwickelt, das muss man sportlich anerkennen.“ Am 14. November spielt die deutsche Nationalmannschaft in Amsterdam gegen die Niederlande. Ob Adler dann schon wieder dabei ist, steht in den Sternen. Für mich wäre es ein Witz, wenn es der Gladbacher ter Stegen wäre (Hannovers Zieler ist gesperrt), aber das ist natürlich ganz allein eine Sache des Bundestrainers. Adler sagt: „Ich würde mich riesig freuen. Und damit will ich mich gar nicht über die Medien in die Mannschaft hineinreden, denn es ist ja normal, dass ein Sportler für sein Land spielen will. Aber wenn es nichts wird, dann geht für mich die Welt nicht unter, dann versuche ich, noch härter zu trainieren, um es dem Bundestrainer so schwer wie nur möglich zu machen.“

Dabei halten viele Experten Rene Adler schon jetzt für die deutsche Nummer eins – weil der HSV-Torhüter der Beste ist. Dennoch gibt es ja in der Nationalmannschaft eine Torhüter-Hierarchie, die von „Jogi“ Löw und Torwarttrainer Andreas Köpke zu beachten ist. Meine Meinung aber ist: Wenn es nur nach Leistungen geht, dann muss Adler ganz einfach am 14. November 2012 im Kreise der Nationalmannschaft weilen. Da gibt es gar nichts. Käme es anders, könnte man mir das nicht erklären.

Aber das steht auf einem ganz anderen Blatt. Es auf jeden Fall aber so, dass Hamburg am Sonnabend die beiden besten deutschen Torhüter sehen wird. Rene Adler sagt über seine derzeitige Verfassung: „Ich fühle mich sehr gut, und das spiegelt sich auch in meinen Leistungen wider. Ich habe meinen Weg gefunden, mit allen Nebenerscheinungen wie Wechsel, Verletzungen, Fitnesszustand und familiärer Situation – ich fühle mich einfach wohl. Aber ich weiß auch genau, wie schnelllebig dieses Geschäft ist. Man macht mal zwei, drei schlechtere Spiele, dann ist das schon wieder ganz anders, aber auch das versetzt mich nicht in Panik, denn ich weiß ja, was ich leisten kann, wenn ich fit bin. Ich habe keinen Druck, ich bin ganz entspannt – ich freue mich auf dieses Spiel.“

Ganz Hamburg, nein, ganz Deutschland hat das in den zurückliegenden Wochen gesehen. Adler sagt weiter: „Ich bin aktuell in einem Fitnesszustand, den ich so noch nie hatte. So gut war es noch nie. Ich habe acht Monate Vorbereitungszeit gehabt, in denen ich schon auf den Sommer 2012 hin trainieren konnte, ohne dabei auch nur eine Sekunde Bayer Leverkusen vernachlässigt zu haben. Das nehme ich für mich in Anspruch, das ist wichtig für mich.“

Dieser Adler ist einfach nur super. Das, was er denkt, wie er denkt, was er sagt, was er tut – das ist spitze, das ist hervorragend und auch überragend. Nicht nur ein erstklassiger Torwart, sondern auch ein tadelloser und großartiger Mensch. Für ihn war der Wechsel nach Hamburg auch wichtig: „Wenn man weiß, weil man es jahrelang hatte, wie die Vorbereitung abläuft, dann tut es auch gut, wenn man aus diesem Trott, das soll nun auf keine Fall negativ sein, herauskommt. Mir hat dieser Wechsel zum HSV den letzten Kick gegeben, mich neu zu beweisen. Neue Mannschaft, neue Spieler, neue Umgebung – ich habe ja bemerkt, welche Skepsis hier herrschte. Da kommt einer, der lange verletzt war, der wurde auch noch in einem Alleingang von Frank Arnesen geholt – aber das hat mich auch nur in Prozentteilchen unter Druck gesetzt. Aber dann lief es gut für mich, und die Fans haben mich akzeptiert – und wenn die Fans auf deiner Seite sind, dann kommt man eben auch schneller in einen Verein hinein. Das hat alles gepasst, aber ich habe auch sehr, sehr viel gegeben und sehr viel investiert.“

Dass er beim HSV gelandet ist, das erklärte Adler heute so: „Das ist leider so im Profi-Fußball, dass man kann sich nicht viel dafür kaufen kann, wo man mal war, ob man mal die Nummer eins war, ob man mal mit großen Klubs in Verbindung gebracht worden ist, ob man mal eine Super-Saison gespielt hat. Es kling hart, aber ein verletzter Spieler ist ein toter Spieler. Es kommen andere Spieler, die ziehen dann den Fokus auf sich, und dann ist man als verletzter Spieler ganz schnell weg vom Fenster. Und sich dann wieder ganz nach oben zu kämpfen, das kostet Kraft, Energie und erfordert viel Motivation. Deswegen freue ich mich, dass ich jetzt bei einem Klub wie dem HSV spielen darf – ich bereue es, wie ja auch schon gefragt wurde, überhaupt nicht, hierher gekommen zu sein. Ich verstehe eine solche Frage nicht, kann diese Gedankengänge nicht nachvollziehen.“

Und dann schwärmt Rene Adler von seiner neuen Heimat: „Es ist macht unheimlich viel Spaß, in einer Stadt zu spielen, wo der Verein omnipräsent ist, wo der HSV wie die Reeperbahn zur Stadt gehört. Jeder Hamburger ist doch verwurzelt mit dem Klub, bis auf die paar St.-Pauli-Fans, sonst ist doch alles nur HSV. Und das ist für mich das bislang phänomenalste Erlebnis in meiner Fußball-Laufbahn. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein subjektives Empfinden ist, aber ich habe das Gefühl, dass wenn wir verlieren, das dann so etwas wie ein Schleier über der Stadt liegt. Dass dann die Leute hier etwas weniger gut drauf sind. Und dass sie bei einem HSV-Sieg einfach viel besser drauf sind. Und das ist dann obergeil, ein Teil dieses Vereins zu sein. Und auch ein Teil mit meiner Leistung dazu beitragen kann, dass die Leute Spaß haben. Spaß am Fußball, einfach gut drauf sind – das bereitet mir viel Freude. Das ist eine meiner prägendsten Erfahrungen in meinem Fußballerleben. Was ein Traditions-Verein wie der HSV an Kräften in der Stadt frei setzt, das zu erleben, das macht mir ganz einfach riesigen Spaß.“

Man merkt es ihm an. An jeder Geste, an jedem Wort – an jedem Lächeln. Das sind keine Phrasen. Und in Bezug auf den kommenden Sonnabend und den dann anstehenden 90 Minuten gegen den FC Bayern sagt Rene Adler: „Ich bin heiß. Ich freue mich auf jedes Heimspiel in dieser schönen Arena und diesen tollen Fans – und wenn dann noch die Bayern kommen, dann umso besser.“ Und sein Erfolgs-Rezept für das Spiel? Er sagt: „Die Basis ist, dass wir hinten gut stehen, kompakt stehen. Und dann haben wir im Spiel nach vorne ja auch noch die individuelle Klasse eines Rafael van der Vaart zu bieten, oder auch die Klasse eines Heung Min Son. Wir müssen, und daran arbeiten wir täglich, weniger Torchancen gegen uns zulassen. Das klappt einmal gut und einmal weniger gut, aber wir sind auf einem guten Wege.“ Und dann skizziert der 27-jährige Nationaltorwart auch schnell noch die Zukunft des HSV: „Unser Anspruch muss sein, bis zum Winter Platz sieben, Platz acht zu halten, Anschluss an die internationalen Plätze zu halten, dann wieder anzugreifen, Vollgas geben, voll anzugreifen.“

Ein kluger, ein genialer Plan. Hoffentlich geht er auf. Schon zu zwei Drittel wäre das schön.
Aber ist euch mal aufgefallen, was 13 Punkte aus sechs Spielen alles bewirken können? In Hamburg und beim HSV spricht niemand mehr von Abstieg. Das sollte dann auch nach dem Bayern-Spiel so bleiben, falls es denn tatsächlich nicht zu einem Punkt oder gar zu drei Punkten für den HSV gelangt haben sollte.

PS: Morgen wird im Volkspark um 10 Uhr für das Bayern-Spiel geübt. Und gleich (18 Uhr) findet das Testspiel der B-Vertretung gegen HR statt. Ich melde mich nach dem Schlusspfiff wieder.

18.07 Uhr

Ergänzt um 19.20 Uhr:

Das Spiel gegen Halstenbek-Rellingen endete mit einem 6:0-Sieg des HSV, der antrat mit Neuhaus, Sala, Bruma, Scharner, Aogo; Rincon, Kacar; Nafiu, Skjelbred,Ilicevic; Berg. In der zweiten Halbzeit kamen Strietzel (im Tor), Dennis Bergmann und Dominik Masek. Vor 250 Zaungästen trafen Berg (zweimal 15,, 35.), zum 2:0 Skjelbred (19.), Sala (63.) und der in der 69. Minute eingewechselte Masek zweimal (73. und 79.). Der HSV spielte engagiert, und ein Lob gebührt auch dem Oberliga-Klub (erste Halbzeit mit Claus Reitmaier im Tor), der sich sehr gut verkaufte. Ein Test, der sich für beide gelohnt haben dürfte.

Fink: „Man kann ja auch Größe zeigen.“

29. Oktober 2012

Dass der Trainer nun eine ganz besonders gute Geburtstagslaune hatte, das kann ich nicht bestätigen. Thorsten Fink wurde heute 45 Jahre alt, aber irgendwie hatte er etwas ausgemacht, was ihm ansonsten kaum einmal etwas ausgemacht hatte: Kritik. Der Coach haderte mit seiner Aussage, dass er mit dem HSV in dieser Saison „unter die Top ten“ kommen will: „Das wurde mir dann so ausgelegt, dass wir Platz zehn haben wollen. So ist das doch nicht. Ergäbe sich am Saisonende Platz acht oder neun, so könnte ich mich damit natürlich auch anfreunden.“ Um das einmal klarzustellen. Aber auch um die Laufleistung und die Kondition ging es Fink, dessen Mannschaft beim 2:0-Sieg in Augsburg starke 124 Kilometer gelaufen war. Thorsten Fink sagte in die Runde: „Wenn schon oft geschrieben wird, dass wir zu wenig laufen, dann können Sie jetzt auch mal schreiben, dass die Mannschaft in Top-Kondition ist.“

Dass der HSV-Trainer aber dennoch nicht nur durchgehend schlecht drauf war an diesem Montag, davon zeugt diese Meldung: Der Trainer denkt über eine Begnadigung von Slobodan Rajkovic nach. Tolle Meldung. Nicht dass ich Rajkovic unbedingt wieder zurück in der Bundesliga-Mannschaft sehen will, aber ich finde, dass sich Sportler irgendwann auch einmal wieder die Hand geben sollten und sich versöhnlich zeigen sollte. So groß der Mist auch gewesen ist. Den Rajkovic gebaut hat.

Die Frage habe ich nicht dem Trainer gestellt, sondern der Kollege Sebastian Wolff vom Kicker. Anlass muss wohl die Regionalliga-Premiere von Rajkovic bei der Zweiten des HSV im Spiel gegen den VfB Lübeck gewesen sein. Thorsten Fink hatte diese Partie nicht gesehen, aber seine Assistenten Patrick Rahmen und Ronny Teuber. „Ist Rajkovic für das morgige Testspiel des HSV gegen den Oberliga-Klub Halstenbek-Rellingen eine Option, oder nicht“, fragte Wolff. Fink: „Ich möchte da nicht nur an mich denken, deswegen werde ich die Situation noch einmal mit dem Verein analysieren, ich persönlich bin niemand, der nachtragend ist. Das habe ich auch schon vorher gesagt. Es ist okay, dass er sich bei mir entschuldigt hat, und nun werde ich, werden wir sehen, was für den Verein das Beste ist. Und dann werden wir zusammen entscheiden. Ich werde ich noch mal mit dem Frank darüber reden, vielleicht sogar heute noch.“

Mit Frank war natürlich Sportchef Arnesen gemeint. Es kommt Bewegung in die Sache, wobei ich nicht glaube, dass das nur etwas mit dem Lübeck-Spiel zu tun hat. Der HSV muss ja auch sehen, dass ein Spieler wie Slobodan Rajkovic nicht in der Versenkung (sprich Regionalliga) verschwindet, denn dazu hat ein Mann wie der Innenverteidiger doch schon einen zu großen Wert. Ist Rajkovic wieder bei der Mannschaft (den Profis), dann ist er mit Sicherheit auch viel, viel besser zu verkaufen. Entweder im Winter – oder zur neuen Saison. Und – natürlich – wenn es Rajkovic selbst will. Im vergangenen Sommer wollte er (noch) nicht.

Ganz klar ist, und das muss ich hier noch einmal unmissverständlich zum Ausdruck bringe: Rajkovic hat nicht nur Mist gebaut, sondern Bockmist. Es ist mit das Härteste, was sich ein HSV-Spieler in den vergangenen 30 Jahren herausgenommen hat. Das musste hart bestraft werden, und es wurde hart bestraft. Aber nun, so denke ich, ist auch die Zeit gekommen, wo der Klub und der Trainer, der ja der Leidtragende war (mit dem Rajkovic-Abendblatt-Interview), über eine Begnadigung nachdenken könnten. Und es wird ja auch getan. „Wir schauen mal, wir werden reden“, sagt Thorsten Fink und ergänzt: „Wie gesagt, es kann nicht jeder irgendwelche Dinge machen, sich dann entschuldigen und meinen, dass alles wieder gut ist. Er hat sich entschuldigt, er hat mir einen Brief geschrieben und die Bitte geäußert, dass er sich mal mit mir unterhalten wolle – ich habe ihm aber noch nicht geantwortet. Ich werde sicherlich noch mal mit ihm reden – und dann schauen wir mal.“ Fink unmissverständlich: „Ich will das Beste für den Klub. Und ich will natürlich auch Ruhe in der Mannschaft haben, das ist ja auch wichtig. Und: Ich glaube, dass es schwieriger ist, jemanden zurückzuholen, wenn es schlechter läuft, als jetzt. Wenn man ihn zurückholt, wenn es sportlich nicht läuft, dann heißt es von außen: ‚Jetzt wird er weich, weil es so schlecht läuft.’ Deswegen blieb mir bislang auch nichts anderes möglich.“ Fink auch noch weiter: „Ich habe mich ja auch zum Anfang zu dieser Aussage hinreißen lassen, dass er nie wieder unter meiner Leitung spielen wird. Das weiß ja jeder – aber man kann ja auch Größe zeigen, ich überlege mir das.“

Slobodan Rajkovic, der gegen den Viertliga-Vertreter Lübeck ein überragendes Spiel gemacht hat (in meinen Augen), wird ganz genau und immer noch wissen, was er da angestellt hat. Und er wird sich sicherlich schon viele, viele Male selbst verflucht haben, dass es so gekommen ist, wie es nun ist. Das hat natürlich ganz allein er zu verantworten. Ich hoffe nun aber trotz allem, dass Fink diese Größe zeigen wird. Obwohl ich über einen Zusatz des Trainers immer noch grübele: „Und ich will natürlich auch Ruhe in der Mannschaft haben, das ist ja auch wichtig.“ Heißt das vielleicht, dass es Unruhe gäbe, wenn Rajkovic wieder zurück käme? Dass Rajkovic vielleicht zu viele Spieler gegen sich hat? Mal sehen, wie sich dieses Thema weiterhin entwickeln wird. Zumal der HSV ja auch genügend Innenverteidiger hat: Heiko Westermann, Michael Mancienne, Jeffrey Bruma und Paul Scharner. Deswegen müsste der HSV in Sachen Rajkovic ganz sicher nicht „einknicken“. Aber eben aus humanitären Gründen . . .

Um schnell noch einmal auf das morgige Spiel zu kommen: Um 18 Uhr soll gegen HR gespielt werden, und zwar werden die Spieler zum Zuge kommen, die gegen Augsburg nicht gespielt haben. Damit sie Spielpraxis bekommen – und somit fit sind, wenn sie bei den Profis benötigt werden. Thorsten Fink: „Ich möchte nicht nur immer gegen die eigene U-23 spielen, ich möchte aber auch nicht groß reisen. Deswegen nun dieses Testspiel hier bei uns.“

Zum 45. Trainer-Geburtstag hatte der Kollege Matthias Linnenbrügger („Welt“) dem Coach einen kleinen „Kasten“ Bier mitgebracht. Thorsten Fink bedankte sich und sagte: „Die Mannschaft hatte mir ja mit den drei Punkten von Augsburg schon ein schönes Geschenk gemacht. Und vielleicht kommen am Wochenende ja noch einmal drei oder ein Punkt dazu, wenn wir gegen die Bayern spielen. Man hat ja gesehen, dass das nicht unmöglich ist, warum sollen wir das nicht schaffen? Wir sind natürlich klarer Außenseiter, aber Leverkusen hat es am Sonntag vorgemacht – warum sollte uns so etwas nicht auch gelingen können?“

Ja, warum eigentlich nicht? Thorsten Fink, der ehemalige Bayern-Profi: „Es ging zuletzt bei uns in die richtige Richtung, 13 Punkte aus den letzten sechs Partien, das ist ja – aber wir haben auch gesehen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben. Wir haben im Defensivverhalten große Probleme, es gab einige Schwächen im Abwehrverhalten, das hat Augsburg wieder gezeigt. Wir haben ordentlich gespielt, aber nicht gut. Wir haben zwar auch gute Phasen in diesem Spiel gehabt, 15 Minuten in der ersten Halbzeit, zehn Minuten in der zweiten Halbzeit, aber es gab auch große Mängel in unserem Spiel. So standen wir immer noch zu weit von unseren Gegenspieler weg. Wir müssen mutiger werden, mehr noch von hinten heraus spielen, nicht zu viele lange Bälle spielen – da haben wir noch viel Arbeit vor uns.“

In der Tat. Auswärts in Fürth gewonnen, daheim gegen Stuttgart verloren. Auswärts in Augsburg gewonnen, und dann daheim gegen den Rekordmeister? Setzt der HSV die Achterbahnfahrt fort? In der vergangenen Saison spielte der HSV in Hamburg gegen die Bayern großartig (unter der Regie von Fink) und schaffte ein 1:1. Das war zu jener Zeit auch schon ein kleines Wunder, auf jeden Fall eine große Überraschung. Aber noch immer spielt der HSV nicht konstant genug. Selbst in einem Spiel gibt es so manches Wellental – wie in Augsburg. Gute Phase, schlechte Phasen. Fink: „Deswegen stehen wir auf dem siebten Tabellenplatz und nicht auf dem ersten oder zweiten. Das ist normal, das ist die Qualität, die wir im Moment haben. Wir sehen daraus, dass wir noch Arbeit vor uns haben, dass nicht alles schon perfekt ist – das dauert halt. Ich trete deshalb immer auf die Bremse.“

Es geht um die Zielsetzung in dieser Saison. Nur ein Mittelfeldplatz für den HSV, oder doch mehr? „Alle möglichen Leute möchten, dass wir von der Europa League als Saisonziel sprechen, aber ich werde nicht darüber sprechen“, sagt Thorsten Fink und fügt an: „Ich kann jeden nur warnen, gleich wieder von höheren Zielen zu sprechen. Wir habe in Fürth gewonnen, wir haben in Augsburg gewonnen, aber wir haben dabei immer gezeigt, dass wir einiges noch viel besser machen können.“ Und müssen. Wenn es wieder in Richtung Spitze gehen soll. Und zwar dauerhaft. Nicht nur eine Nacht (wie diesmal Platz vier). Fink: „Es fehlen noch Automatismen, aber wir sind auf einem guten Weg. Es braucht seine Zeit, und dazu muss man mit einem Team auch mal länger arbeiten. Wir sind in der Lage, jede Mannschaft zu schlagen, das haben wir gegen Dortmund und Hannover bewiesen, und wir haben gegen Mannschaften, die von unten kommen, Charakter gezeigt und das Richtige gemacht.“ Thorsten Fink sagt dann aber auch: „Dass wir zwischendurch aber auch mal wieder verlieren werden, dass ist doch aber auch klar. Trotz allem sollte man das dann nicht alles so negativ sehen. Und ich sage auch, dass man nun nicht alles nur positiv schreiben sollte – es gibt noch viel Arbeit. Auch wenn die Entwicklung in den letzten sechs Wochen schon gut war. Wir müssen aber unser Defensivverhalten verbessern, daran müssen wir arbeiten – und damit ist nicht nur die Viererkette gemeint, sondern das gesamte Defensivverhalten der Mannschaft.“

Vor Wochen hatte Fink dem HSV schon prophezeit, dass es trotz des mageren Saisonstarts schon bald wieder bergauf gehen würde. Das ist eingetreten. „Wir waren damals nicht euphorisch, wir waren auch nicht unrealistisch – das sind unsere Ziele. Wir wollten als HSV ja nicht auf Platz 15 oder 16 bleiben, auf denen wir damals waren, sondern wir wollen ins gesicherte Mittelfeld“, so Thorsten Fink. Was für einige (oder viele?) HSV-Fans offenbar nicht ganz nachvollziehbar ist. Auf der Fahrt heute in den Volkspark telefonierte ich (mit Freisprechanlage) mit einem Edel-Fan und Dauerkarten-Inhaber, und der befand: „Der HSV ist großes Risiko gegangen, hat noch tolle Leute gekauft – damit muss es um Platz fünf gehen, ganz klar. Nichts anders.“

Damit habe ich Thorsten Fink konfrontiert, und er antwortete: „Natürlich, ganz klar. Letzte Woche, beim Fan-Talk in der Arena, da haben mir diese Leute noch vorgehalten, was alles noch nicht in Ordnung ist, wo unsere Mängel liegen, und nun muss es schon Platz fünf sein, natürlich. Es könnte selbstverständlich passieren, es ist ja nichts ausgeschlossen – wenn wir einen sensationellen Lauf bekommen, auch noch mehr Glück als im Moment. Aber ich meine, dass das nicht passieren muss. Es war doch zu oft schon unser Fehler: Wenn es mal bei uns nach einem Aufwärtstrend aussah, dann wurde gleich wieder von der Europa League gesprochen. Das möchte ich jetzt vermeiden. Und deshalb sollte im Moment – jedenfalls in dieser Beziehung – jeder auch ganz ruhig bleiben.“ Fink hält den Ball flach – und er tut gut daran.

Zumal es nun gegen die übermächtigen Bayern geht. Vor einer solchen Partie täte (zu viel) Übermut sicherlich überhaupt nicht gut. Denn die Münchner haben eine großartige Offensive – und der HSV, wie eben gelesen, eine nicht so gute Defensive. Obwohl der HSV natürlich den besseren Torwart in seinen Reihen hat, das muss mal gesagt werden (dürfen). Rene Adler für Deutschland. Er wird es am Sonnabend zeigen. Ganz sicher.

PS: Morgen geht es im Volkspark rund. Um 10 Uhr wird trainiert, und um 15 Uhr oder um 15.30 Uhr (das wusste Thorsten Fink noch nicht so genau) auch noch einmal. Mit Ausnahme jener Spieler, die dann um 18 Uhr gegen HR spielen werden. Übrigens: Bei HR gibt es einige Ex-HSVer: Trainer Thomas Bliemeister (Vater des Son-Beraters), Co-Trainer Vahid Hashemian und Torwart Claus Reitmaier.

18.46 Uhr

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