Monatsarchiv für September 2012

3:2 – das war ein gigantisches HSV-Spiel!

22. September 2012

Der HSV ist wieder da! Mit einem grandiosen Auftritt wurde Doublegewinner Borussia Dortmund mit 3:2 besiegt – ein traumhaftes Spiel, ein großer Erfolg, der erste und wo wichtige Saisonsieg, der endlich einmal mit Herz und Leidenschaft eingefahren wurde, ein sensationeller Nachmittag im Volkspark. Damit hatte doch kaum einer gerechnet, aber jetzt kann der 125. Geburtstag kommen, jetzt ist die Super-Serie von 36 ungeschlagenen Spielen nicht mehr gefährdet (vom BVB) – jetzt geht es aufwärts. Das erste Heimspiel des „verlorenen Sohnes“ Rafael van der Vaart wurde ein Triumphzug für den HSV, der endlich einmal wieder so spielte, wie es sein großer Ruhm immer gefordert hat. Das ist der „alte HSV“, den die Fans jahrelang vermisst haben, das war ein Auftritt, von dem die Anhänger noch lange Jahre sprechen werden. Vielen Dank für dieses sensationelles Spiel, das war wie einst beim 4:4 gegen Juventus – das war klasse, phänomenal, einfach nur traumhaft.

Jetzt feiert schön! Der HSV ist wieder da!

Vor dem Anstoß ging es schon optimistisch-freundschaftlich zu. Das begann schon mit Ersatztorwart Jaroslav Drobny, der sich mit allen abklatschte, die ihm in den Weg kamen. Dann lagen sich Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen in den Armen und klopften sich gegenseitig auf die Schultern – und aus dem Norden ertönte es stimmgewaltig: „Hier regiert der HSV!“ Und das wurde nach einer Minute und 50 Sekunden noch viel, viel lauter: „Hier regiert der HSV! Hier regiert der HSV!“ Weil der Ball zu diesem Zeitpunkt schon führte. Linksflanke von Rafael van der Vaart, Kopfball Heung Min Son aus vier Metern – Tor. Welch ein Raketenstart! Davon träumt jeder Trainer, jede Mannschaft, jeder Anhang. Gegen den Meister so früh zu führen – 1:0.

Der HSV war heiß wie Frittenfett. Kompliment! Dickes Kompliment sogar! Alle Spieler hellwach, von Beginn an, und jeder auf seine Art aggressiv. Nie unfair, aber immer wurde dem Dortmunder Gegenspieler gezeigt, dass man nicht gewillt ist, Terrain zu verschenken. Und am Rande brannten auch alle. Thorsten Fink dirigierte wie Karajan zu dessen besten Zeiten, Co-Trainer Patrick Rahmen legte sich mit BVB-Coach Jürgen Klopp an – da kam Freude auf. Es ging zur Sache, in allen Ebenen, auf allen Etagen. So hatte man den HSV wirklich seit Monaten nicht mehr gesehen. Oder war was im Tee – vor dem Spiel?

Dem HSV, und das soll ganz sicher keine Erklärung für diese neue HSV-Stärke sein, also dem HSV kam entgegen, dass der BVB rotieren ließ. Ganz Hamburg hatte vor dem Spiel Angst vor HSV-„Killer“ „Kuba“ Blasczcykowski, aber Klopp ließ den Polen auf der Bank. Ohnehin, die BVB-Bank: Da saßen Sven Bender, Großkreutz, Schieber, Löwe, Santana und eben „Kuba“. Spieler, die beim HSV in der Anfangsformation stehen würden. Das offenbar haben auch einige Dortmunder, die auf dem Rasen standen, gedacht. Sie ließen es hier in Halbzeit eins ganz locker und leger angehen, komme ich heute nicht, komme ich morgen. Oder der HSV hatte den Kicker in Gelb den Schneid abgekauft.

Und dabei gab es auf Hamburger Seite durchaus die eine oder andere positive Überraschung dabei. Michael Mancienne, nur dadurch im Team, weil Jeffrey Bruma verletzt ausgefallen war, klebte an Torjäger Lewandowski, der in den ersten 45 Minuten schon leicht zu resignieren schien. Oder Tolgay Arslan – auf der Sechs! Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: auf der Sechs! Aber er machte seine Sache sehr gut. Und auch er aggressiv wie noch nie. Gegen seinen alten Kumpel Reus fuhr er die Schulter aus, gegen Leitner trat er kräftig zu, ohne dass gepfiffen wurde. Auf der rechten Seite Dennis Diekmeier giftig wie selten einmal zuvor – und alle überaus konzentriert.

Auch vorne. Son wirbelte gewaltig auf rechts und auch (sogar mehr) in der Mitte, Artjoms „Rudi“ Rudnevs ging jedem Ball hinterher, war sich für keinen und noch so aussichtslosen Weg zu schade – das sah unheimlich gut aus. Und einmal erinnerte der Lette sogar an Uwe Seeler: In der 35. Minute flankte Diekmeier von rechts, Rudnevs lag waagerecht in der Luft: Fallrückzieher Marke „uns Uwe“. Zwar weit, sogar meilenweit vorbei, aber es passte zu diesem Tag, denn der HSV tobte vor Begeisterung! Erst in der 45. Minute hatte Dortmund die erste „richtige“ Chance, als ein Kopfball von Piszczek (aus vier Metern) knapp neben das HSV-Tor flog. Glück gehört dazu! Zur Halbzeit erhoben sich die meisten Zuschauer von ihren Plätzen und applaudierten voller Begeisterung. So gut hatten sie ihren HSV schon lange nicht mehr gesehen. Die beste erste Halbzeit seit Monaten.

Und dennoch gleich eine Ernüchterung nach der Pause. Ganz bitter, dieser Auftakt. Und Dortmund war dabei viel schneller als der HSV in Halbzeit eins. Nach nur 29 Sekunden lag die Kugel im zweiten Durchgang im HSV-Netz: Perisic wollte mehr flanken als schießen, aber der Ball flog ins lange Eck. Ein echtes Glückstor für den Meister, viel Pech für Rene Adler und den HSV.

Vor einer Woche vielleicht wäre der HSV in sich zusammengefallen, diesmal passierte das Gegenteil. Der HSV spielte weiter munter mit. „Und ihr wollt deutscher Meister sein?“ hätte der HSV-Anhang singen können, denn ein Unterschied zwischen Dortmund und dem HSV war nie auszumachen. Zu keiner Phase. Und der HSV kam. Aber wie! Ganz gewaltig. Wie entfesselt. So wie seit Jahren nicht mehr. Welch eine fantastische Stimmung im Volkspark. Das war Fußball! Endlich, endlich einmal toller Fußball. Die, die diesmal im Stadion waren, die kommen wieder – garantiert.

Weil sie auch Tore bejubeln konnten. Es ging hin und her. Diesmal erst hin: Der HSV ging durch einen Treffer von Ivo Ilicevic in Führung – nach Pass von van der Vaart. Ein Ball aber, den Torwart Weidenfeller hätte halten dürfen. Aber der Keeper hatte gegen Ende der Woche ja noch eine Grippe, die muss ihn behindert haben. Ansonsten hätte er mindestens eine Hand zur Hilfe nehmen dürfen . . . Egal, der HSV lag 2:1 vorn (55.). Und es kam noch viel besser. Son aus der halbrechten Position mit einem herrlichen Schlenzer („Tor des Monats“) zum 3:1 ins lange Eck – der Volkspark explodierte. Und von der Bank waren alle auf das Spielfeld gestürmt, um dieses Tor zu feiern. Ein traumhaftes Bild. Und Son raste auf Thorsten Fink zu, fiel dem Trainer um den Hals. HSV-Freude pur, endlich auch einmal wieder.

Während Rafael van der Vaart noch Sekunden nach diesem Treffer versuchte, verbal für Ordnung zu sorgen (er wollte den immer noch feiernden Son auf dessen Position sehen!), lief der Konter: Pisczcek legte vor Ader quer zur Mitte, Perisic ohne Mühe zum 2:3. Ein Schönheitsfehler, aber mehr nicht. Der HSV, dem so langsam die Kräfte ausgingen, fightete zurück, fightete mit. Grandios. Dortmund hatte große und beste Chancen, Adler, hielt wie ein Gigant, und die Dortmunder versagten bei zwei Hundertprozentigen. Erst der freistehende Blasczcykowski, dann Schieber, der nur ein harmloses Schüsschen zustande brachte. Viel Glück für den HSV, aber wer hat Glück? Genau, nur der Tüchtige! „Super Hamburg – ole“ – der Volkspark kochte, besonders im Norden. Und der HSV hatte einen Rene Adler zwischen den Pfosten, und einen Heiko Westermann, der der Turm in der Schlacht war – an diesen beiden Helden konnten sich alle anderen HSV-Spieler aufrichten. Das Bollwerk hielt bis zum Schluss! Hervorragend!

Die Einzelkritik:

Rene Adler spielte und hielt souverän, überragend, weltmeisterlich, gigantisch! Ein Super-Torwart, ein hervorragender Rückhalt. Note eins.

Dennis Diekmeier spielte eine starke erste Halbzeit, eventuell seine beste im HSV-Trikot. So kann es weitergehen.

Michael Mancienne konzentriert und fast fehlerlos – das war eine glatte Drei. Großartiges „Comeback“.

Heiko Westermann war ein hervorragender, ein sensationeller Kapitän. Hoffentlich sehen alle Westermann-„Fans“ sich dieses Spiel noch einmal an, damit sie endlich, endlich mal erkennen, wie wichtig dieser Mann für den HSV ist. Westermann war bester Mann.

Marcell Jansen war gut. Selbst auf einer Position, die er eigentlich gar nicht (so richtig) kann. Note zwei.

Tolgay Arslan mischte super mit, ich hätte ihm die „Sechs“ nicht zugetraut, aber er kann sie auch, toll. Es geht weiter aufwärts mit ihm.

Milan Badelj war großartig. Nie so absolut spektakulär, aber souverän in jeder Lage. Ein deutlicher Gewinn für diese HSV-Mannschaft.

Heung Min Son schoss zwei herrliche Tore, war auch sonst quirlig und viel unterwegs. Das war sein bestes Spiel seit langer, langer Zeit.

Rafael van der Vaart lief unheimlich viel, ging auch die weitesten Wege, legte zweimal auf – erstklassig. Gegen Ende musste er dem großen Pensum Tribut zollen, für ihn kam Jacopo Sala (87.).

Ivo Ilicevic blühte endlich einmal auf, ließ sich von diesem „heißen“ HSV mitreißen – so war er endlich so wertvoll, wie er einst in Hamburg angekündigt worden ist.

Artjoms Rudnevs rackerte, blieb aber ohne Glück.

Maximilian Beister (kam in der 69. Minute für Ilicevic) kämpfte mit, meistens nach hinten, das war in dieser Phase so, und er musste gelegentlich animiert werden, den einen oder anderen Gang mehr nach hinten zu tun – alles wird gut.

Marcus Berg (kam in der 77. Minute für Rudnevs) machte noch mit, aber er konnte im Prinzip nur den Ball halten, mehr war nicht mehr drin. Das tat er aber gelegentlich recht effektiv.

Endlich, der erste Sieg seit Monaten, der HSV ist wieder da. Und wie. So darf es ruhig weitergehen. Am Mittwoch in Mönchengladbach. Da verliert dieser HSV niemals . . .

17.37 Uhr

Lam verletzt sich – hoffen auf die Überraschung

21. September 2012

Vorneweg etwas in eigener Sache: Heute heiratet unser Moderator Dennis in Reinbek seine Freundin Bianca. Im Namen aller Blog-Verantwortlichen möchte ich ihm und seiner Lieben auf diesem Wege alles Gute und eine lange, gesunde, gemeinsame Zukunft wünschen. Zudem ist es eine tolle Gelegenheit, ihm sowie seinem Kompagnon Andre für die tolle Moderation dieses Blogs zu danken. Was die beiden leisten können tatsächlich nur die beurteilen, die es täglich miterleben. Und daher: Chapeau, meine Herren! Das ist ganz großer Sport.

Womit ich wieder zum HSV überleiten will. Da war für den heutigen Freitag ein geheimes Training angesetzt. Und das war auch gut so. Es klingt aus dem Mund (der Feder) eines Journalisten vielleicht etwas komisch, zumal der von den persönlichen Eindrücken lebt – allerdings kann ich mich in der aktuellen Situation diesbezüglich auch mal gut zurücknehmen. Zumal in Sachen Beurteilung der Einheiten nicht immer Einigkeit herrscht. Aber okay, das ist ein anderes Thema.

Und zwar ganz sicher nicht für heute. Denn die ersten Punkte sollen her – egal wie. Und wenn ein Geheimtraining dabei hilft, ist es die Mühen und den Verzicht unsererseits allemal wert. Dass es am Ende doch ein offenes Training wurde, war dann eher der Schonung des Stadionrasens geschuldet. Zudem wollte Trainer Thorsten Fink beim Abschlusstraining nicht nur seine erste Elf zusammenspielen lassen, sondern noch den einen oder anderen Spezialeffekt trainieren. Wobei sich die Spezialeffekte auf die Abwehrarbeit konzentriert haben dürften. Denn noch immer ist die Defensive die Achillesferse, obgleich der Sturm an sich noch nicht zu bestechen wusste. Gegen den BVB sollte Heung Min Son eigentlich als Spitze agieren. Im Abschlusstraining beorderte ihn Fink dann allerdings doch wieder auf die rechte Außenbahn und ließ dafür Artjoms Rudnevs vorne spielen. Nur gut, dass der Südkoreaner positionell nach eigenen Angaben keine Präferenzen hat. „Ob links, rechts, hinter den Spitzen oder ganz vorn ist mir egal. Hauptsache, ich spiele.“

Und das wird er gegen Dortmund. Das tut er schon seit einigen Spielen. Unter Fink ist Son zum Stammspieler mutiert, obgleich positionell abweichend. „Ich bin natürlich ganz zufrieden mit der Entwicklung“, sagt Son und meint damit seine persönlich, aber nicht die Entwicklung der gesamten Mannschaft. Das wiederum verwundert mich ein wenig, da ich noch immer fest davon überzeigt bin, dass Son nicht annähernd das abruft, was in ihm steckt. Noch immer hat der beidfüßige Offensivspieler zu viele Ballverluste, zu viele unnötig verlorene Zweikämpfe. Und noch immer kommt der schussgewaltige Südkoreaner zu selten zum Abschluss. Dass er mehr Potenzial hat, als bislang gezeigt, sieht Son ähnlich. „Ich muss im Training noch eine Menge Gas geben und mich noch weiter entwickeln.“

Dabei helfen soll auch Rafael van der Vaart, den Son „eine Bombe“ nennt. Von dem Niederländer will Son profitieren. In Form von gekonnten Zuspielen – aber vor allem auch von dessen Erfahrung. „Rafael ist ein Riesenspieler. Er hat ein gutes Auge, das Passspiel. Ich bin sehr, sehr froh, dass er zurückgekommen ist. Von ihm kann ich noch sehr viel lernen.“

Vor allem aber soll van der Vaart, und darauf hofft auch Son, für den sportlichen Aufschwung sorgen. „Wir haben vier Pflichtspiele verloren – das ist nicht gut. Die Tabelle sieht schon scheiße aus.“ Stimmt. Und etwas überraschend fügte Son hinterher: „Aber die Stimmung in der Mannschaft ist super.“ Einen kurzen Augenblick habe ich gestockt – dann aber wurde klar, dass Son nur sagen wollte, dass sich die Mannschaft nicht aufgegeben hat, dass sie trotz der Niederlagen nach vorn blickt. Gerade auch, weil mit van der Vaart, Badelj und dem leider noch zwei Spiel gesperrten Jiracek viel Qualität hinzugekommen ist. Son: „Wir haben Qualität. Wir dürfen uns einfach nicht zu viele Gedanken machen.“

Wohin das führen kann, war in den letzten Spielen zu erkennen. Auch bei ihm selbst. „Ich habe bei meiner ersten großen Chance zu viel nachgedacht. Das war mein Fehler.“ Anschließend habe zu lange seiner der Chance nachgetrauert. „Ich habe immer wieder gedacht, dass wir mit meiner Chance geführt hätten, dass das ganze Spiel anders gelaufen wäre.“ Bis zu seinem eigenen Treffer. Dort habe er instinktiv gehandelt. Ob er gegen Dortmund wieder versuchen würde, bei einer derart klaren 1:1-Situation den Torwart zu umspielen? „Das mache ich vom Dortmunder Keeper abhängig.“

Klar aber ist, dass Son der Torschütze ist, der den letzten Heimsieg herbeigeführt hat. Am 14. April sorgte er für den 1:0-Erfolg, der den Weg zum Klassenerhalt ebnete. „Das war vielleicht der schönste Moment in meiner HSV-Zeit bisher“, sagt Son, „das war damals sehr wichtig für die Mannschaft und für mich.“

Im Moment von großer Bedeutung für den HSV sind die ersten Minuten der Spiele. Immer wieder wirkt die Mannschaft schläfrig, kritisiert anschließend die ersten Minuten der jeweiligen Partien. „Auch in Frankfurt haben wir uns noch vor dem Spiel deutlich gesagt, wie wichtig gerade die ersten Minuten des Spiels sind“, sagt Son, „und wir konnten uns anschließend nicht erklären, weshalb es wieder schiefgegangen ist.“ Auch Son selbst hat keine Ahnung, woran es liegt. „Ich bin mir sicher, dass alle zugehört haben. Daran kann es nicht liegen. Aber vielleicht war es auch Pech…“

Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Klar ist, dass der HSV gegen Dortmunds bärenstarke Offensive insbesondere defensiv geschlossener auftreten muss. Und dabei ist der Ausfall von Jeffrey Bruma, der heute beim Abschlusstraining gar nicht mitmachen konnte, kein Vorteil. Der Niederländer klagt noch immer über Schmerzen im Knie und wird nahezu sicher ausfallen. Für Bruma rückt der eigentlich schon auf die Bank degradierte Michael Mancienne wieder in die erste Elf. Der Engländer wird nach seinen durchwachsenen Spielen zuletzt neben Heiko Westermann eine neue Chance erhalten, während Dennis Diekmeier rechts verteidigt. Zudem spielte Zhi Gin Lam beim Abschlussspiel in der A-Elf Linksverteidiger, womit klar schien, dass Marcell Jansen vorne links bleibt. Stand 16.55 Uhr: Gegenüber Frankfurt gibt es nur die zwangsweisen personellen Veränderungen Bruma und Jiracek, den Tolgay Arslan ersetzen wird.

Das allerdings änderte sich schnell, als sich Lam plötzlich an den Oberschenkel fasste. Nur wenige Minuten vor Trainingsende musste der kleine umfunktionierte Linksverteidiger vom Platz getragen werden. Eine noch nicht näher definerte Muskelverletzung zwang Lam zum Abbruch und Fink somit um schnellen Umbau. „Ich war mir klar, jetzt muss ich alles umwerfen“, so Fink wenig begeistert. Allerdings dürfte der Umbau schnell gehen: Jansen rückt auf die linke Abwehrseite, während Ivo Ilicevic, bei dem noch immer alle auf den Durchbruch hoffen, auf die linke Offensivseite. Sollte der Kroate, von dem ich mir bei dessen Verpflichtung so viel erhofft hatte, endlich das zeigen, was ihn in Kaiserslautern stark gemacht hat, wäre der Tausch Lam/Ilicevic nicht zwingend eine Verschlechterung.

Abwarten und Daumen drücken.

Wobei die Partie gegen Dortmund natürlich ungleich schwerer werden dürfte, trotz des Ausfalles von Ilkay Gündogan, den Sven Bender ersetzen wird. Ansonsten kann BVB-Trainer Jürgen Klopp auf seine beste Elf zurückgreifen. Auch auf den zuletzt lange fraglichen Keeper Roman Weidenfeller. „Die spielen schon richtig guten Fußball“, lobt Son. Und er hat Recht.

Ebenso wie viele hier im Blog, die genervt sind vom Thema Vereinspolitik. Schon der teilweise abstrusen Diskussionen wegen lasse ich heute selbige komplett außen vor. Und ganz ehrlich: das interessiert mich unmittelbar vor einem solchen Spiel auch nicht die Bohne. Dass die ganzen Themen bestehen bleiben, ist klar. Darauf sollten hier alle gefasst sein. Da kommen noch viele kleine, mal dunkle, mal weniger dunkle, mal heikle, mal weniger heikle Geheimnisse ans Tageslicht. Die Grabenkämpfe sind nunmal da. Ob wir es gut finden oder nicht. Und um dem/der einen oder anderen Blogger/-in zu antworten: Die Gerüchte um Arnesen kommen nicht von mir, sie stehen seit Monaten im Raum und wurden auch nicht von mir öffentlich gemacht, sondern von der SportBild. Intern gibt es einige Leute, die sich in diesem Thema um eine lückenlose Aufklärung bemühen. Einige von ihnen sind damit zufrieden, dass bislang nichts Illegales nachzuweisen war, andere suchen weiter. Dafür kann ich nichts. Aber ich werde Euch zu gegebener Zeit davon berichten. Allerdings werde ich hier einen Teufel tun und mich zwischen die Fronten setzen. Warum auch? Ich bin Berichterstatter und komme dieser Pflicht nach bestem Wissen und Gewissen nach. Ich lasse mich nicht von der einen oder der anderen Seite einspannen. Auch nicht von denen hier im Blog, die mich immer wieder irgendwelchen Fraktionen zurechnen wollen und die teilweise ebenso kreative wie abstruse Presse-vs-HSV-Verschwörungstheorien enttarnt haben wollen.

Wobei: Ich frage mich eigentlich immer wieder beim Lesen dieser Kommentare, was für Berichterstatter diese Blogger wären, die völlig unbelegt und nachweislich substanzlose Gerüchte über andre Blogger, Dieter oder auch mich hier in die Welt setzen, während sie sich genau darüber bei mir und meinen Kollegen so massiv beschweren….

Egal! Schon gar nicht werde ich hier Namen derer nennen, mit denen ich beim HSV spreche, solange die es nicht ausdrücklich autorisiert haben. Ich werde aber gern in den nächsten Blogs immer darauf hinweisen, wenn ich noch einen Teil zum Thema Vereinspolitik/Arnesen etc. schreibe. Dann können die, die nicht an einer umfänglichen Berichterstattung interessiert sind, den Teil meiden, ohne sich zu ärgern. Das ist auch völlig okay und stört tatsächlich niemanden.

In diesem Sinne, hoffen wir endlich mal wieder auf einen Festtag in der Imtech-Arena. Am besten mit einem Überraschungserfolg (schon ein Remis wäre sowas) gegen Dortmund. Zumal ich mich noch sehr gut an einen Sieg vor sieben Jahren am 24. September 2005 gegen den FC Bayern erinnere. Damals war ein gewisser Rafael van der Vaart neu beim HSV und erzielte im Duell mit dem damaligen Titelträger Bayern München das wichtige 1:0. Am Ende siegte der HSV dank eines Traumtores von Piotr Trochowski am Ende mit 2:0 und sorgte für die so oft herbeigesehnte Initialzündung, die den HSV letztlich sogar bis in die Champions League führte. Dass wir das heute nicht erwarten können, ist klar. Erwarten können wir aber, dass sich dieser HSV zerreißt und dem spielerisch übermächtig wirkenden BVB alles abverlangt.

Bis morgen!
Scholle

So könnte der HSV spielen: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Badelj, Arslan – Son, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs.

“Wir wollen Dortmund die Serie kaputtmachen”

20. September 2012

Wer suchet, der findet. So zumindest beim HSV. Allerdings gilt dieses Motto nicht im Bezug auf den Trainer und die richtige Abwehrformation, sondern vielmehr für die Kritiker. Dieser HSV steht mit null Punkten nach drei Spieltagen nämlich an sich schon ziemlich hilflos da und muss sich die Kritik gefallen lassen. Und das leider noch zu oft berechtigt – und noch leiderer (ich weiß, dass es dieses Wort nicht gibt – aber es verstehen hoffentlich trotzdem alle, was gemeint ist…) das ist oft komplett unnötig. Wie auch heute.

Hintergrund: Am Dienstag ließ sich Vorstandsboss Carl Jarchow bei der Vorstellung der Fan-Anleihe dazu hinreißen, Trainer Thorsten Fink das uneingeschränkte Vertrauen mit folgender Aussage auszusprechen: „Es gibt keine Trainerdiskussion intern. Wir sind von ihm überzeugt, es gibt auch kein Zeitfenster für eine derartige Entscheidung.“ Was gut gemeint war, wurde heute von Sportchef Frank Arnesen konterkariert. Der Däne sagte, angesprochen auf eine erste Beurteilung der Fink’schen Arbeit in dieser Saison: „Thorsten hat jetzt die Ruhe, zu arbeiten. Das ist sein Kader. Nach der Transferperiode haben wir gesagt, dass wir sehr zufrieden sind mit unserem Kader. Und daran messen wir uns. Auch Thorsten. Aber das wird nicht am Sonnabend oder an dem kommenden Mittwoch passieren. Bis zum 16. Dezember haben wir noch 14 Spiele, danach ziehen wir ein Fazit.“ Also doch… Die Frage ist nur, warum Arnesen sich nicht einfach seinem Vorstandsvorsitzenden anschließt und das Zeitfenster seines Trainers komplett offenlässt. Stattdessen stellt er (diese Formulierung habe ich mir bei meinem geschätzten Kollegen Kai Schiller geklaut) das Zeitfenster zumindest schon einmal „auf Kipp“.

Das wiederum wird beim Thema Arnesen und seine Transfers nicht so einfach. Auch heute musste sich der Däne kritische Fragen gefallen lassen, konterte die aber mit einem Lächeln. Weshalb er einen Berater ohne Lizenz bezahlt habe? „Ich verstehe das nicht, das ist doch keine Story“, so Arnesen wissend, dass der DFB eine von der Deutschen Fußballspieler-Vermittler Vereinigung (DFVV) erstattete Anzeige an den Weltverband Fifa weitergeleitet hat. „Es ist doch alles transparent. Ich glaube, die müssen dem nachgehen, wenn jemand auch nur den leisesten Verdacht äußert. So simpel ist das. Es waren drei Agenten, die einer Firma angehören. Nur der Chef der Firma hat keine Lizenz, die anderen schon.“ Insofern sei es mal wieder viel Gebrüll um nichts. Sagt Arnesen. „Ich muss schon ein bisschen lachen, wenn ich das Theater sehe.“

Das wiederum kann ich nicht. Ich finde es nicht zum Lachen, was sich gerade innerhalb des HSV abspielt. Neben den sportlichen Problemen gibt es offensichtlich eine mal wieder wachsende Zerrissenheit unter den Entscheidungsträgern. Im Aufsichtsrat haben sich längst drei Blöcke gebildet. Während der Großteil dem offiziellen AR-Statement folgt („Es gibt keinen Anlass, an der Integrität Frank Arnesens zu zweifeln“) und immer dabei stur auf fehlende Beweise verweisen, stehen dem Vernehmen nach nur noch wenige der zwölf Kontrolleure auch wirklich bedingungslos hinter Arnesen. Zudem gibt es eine wachsende Zahl Kontrolleure, die den Dänen per sofort loswerden wollen. Klar ist aber, dass dieses Thema nicht abgearbeitet werden kann, solange sich nicht eine Fraktion der Hardliner zum Rückzug entschließt. Und danach sieht es derzeit nicht aus. Im Gegenteil.

Dabei hat der HSV derzeit sportlich genug Probleme. Der Fußball kommt bei der ganzen Vereinsmeierei mal wieder zu kurz. Und das, wo am Sonnabend Größeres auf dem Plan steht: Der Deutsche Meister kommt! Mit dem derzeit besten Stürmer der Liga, wie ich finde. Oder hat jemand Besseres gesehen als das 1:0 am Dienstag in der Champions League gegen Ajax? Mehr noch: wann haben wir so eine Szene das letzte Mal beim HSV gesehen? Ich erinnere mich tatsächlich nicht mehr…

Und das gegen die desolate HSV-Abwehr derzeit. Nur Hoffenheim (11) und Stuttgart (7) kassierten mehr Gegentreffer als der HSV (6). „Wir haben in Frankfurt besseren Fußball gespielt“, lobte Kapitän Heiko Westermann heute, um auch ehrlich zuzugeben: „Nur hinten machen wir einfach noch zu viele Fehler.“ Welche? Viele. Zu viele eben, um Spiele zu gewinnen. Dennoch hat Westermann ein Beispiel parat: „Wir müssen eben in einigen Szenen auch einfach mal den Ball rausschlagen, anstatt ihn immer rausspielen zu wollen.“ So zumindest hätte der HSV in Frankfurt alle drei Gegentore vermeiden können. Zudem ist die HSV-Abwehr alles andere als eingespielt. Bislang spielte noch keine Viererkette in zwei Pflichtspielen nacheinander von beginn an. „Von eingespielt sein kann hier wirklich keine Rede sein“, sagt Westermann, „bislang haben wir sehr viel getauscht.“ Vier Pflichtspiele mit vier Formationen – eine Serie, die am Sonnabend mit höchster Wahrscheinlichkeit auf fünf erweitert wird. So soll Jeffrey Bruma (Fink: „Er hat eine Reizung im Knie. Ich hoffe, dass er am Donnerstag trainieren und dann gegen Dortmund auflaufen kann“) neben Westermann ins Abwehrzentrum rücken, Dennis Diekmeier den Niederländer rechts ersetzen. Auf der linken Seite muss sich Fink wieder dem Ausschlussverfahren bedienen: wer ist weniger ungeeignet? Soll er doch Marcell Jansen nach hinten ziehen, obwohl er vor zehn Tagen das noch kategorisch („Ich wäre ja schön blöd, unseren bislang Offensivstärksten genau da einzusetzen, wo er seine Schwächen hat“) ausgeschlossen hatte? Oder doch wieder Zhi Gin Lam, der alles andere als zu überzeugen wusste? Janek Sternberg jedenfalls scheint keine große Rolle zu spielen, obgleich der Youngster seit ewiger Zeit im Training hinten links spielt. „Ich habe eine Formation im Kopf, die Dortmund schlagen kann“, orakelte Fink heute, ohne preisgeben zu wollen, wer denn nun hinten links beginnen wird. Wie man den BVB schlagen kann? Finks großspurige Antwort: „Das werden sie am Sonnabend sehen. Ich habe da meine Strategie.“

Klingt interessant. Nur zu gern würde ich auch daran glauben. Schon allein, um endlich die von allen Seiten immer wieder als Allheilmittel angeführte „Initialzündung“ zu haben. Und natürlich, um die Uraltserie von 36 unbesiegten Spielen in Folge nicht zu riskieren und schon gar nicht an den BVB (es wäre das 32. Unbesiegte Spiel für die Dortmunder) abzugeben. „Die Wahrscheinlichkeit steigt ja, dass die Dortmunder irgendwann verlieren. Es wäre toll, diese Serie zu unterbrechen. Es spornt ein wenig an.“

Aha. Klingt ja total danach, dass alle megaheiß auf das Spiel sind…

Im Training war davon heute jedenfalls nicht viel zu sehen. Im Gegenteil. Das heute war eine der Einheiten, in der die Probleme besonders offenkundig wurden. Kein Kampf, wenig Tempo – wobei Fink das offenbar so wollte. Zumindest wies er seine Stürmer anfänglich an, den Gegner nicht unter Druck zu setzen und Zweikämpfe zu vermeiden. Allerdings dürfte auch Fink nicht gewollt haben, dass sich diese Körperlosigkeit durch die gesamte Einheit zieht. Vom Kampf um die raren Stammplätze war nichts zu spüren. Im Gegenteil. Bis auf Adler, der immer wieder seine Vorderleute antrieb („Was ist hier los?“), und den gesperrten Petr Jiracek sowie Sternberg, knallte niemand dazwischen. Und das, obwohl fast durchgehend gespielt wurde. Das war wirklich nichts heute. Dachte ich. Allerdings sieht das HSV-Kapitän Heiko Westermann anders: „Die Stimmung bei uns ist wirklich gut“, widerspricht der HSV-Vorarbeiter meinen dunklen Vorahnungen, „die nächsten Spiele werden sicher ganz schwer. Gegen Dortmund sind wir ganz klar Außenseiter. Aber wir haben jetzt die Qualität, um alle Gegner schlagen zu können.“

Und während Westermann angespannt und etwas genervt wirkte, mal wieder zu erklären, weshalb etwas nicht läuft beim HSV, versuchte sich Fink wieder in dem, was er am besten kann: im Optimismus verbreiten. „Wenn der Deutsche Meister kommt, ist das doch was Tolles“, so der HSV-Trainer, „dazu ein ausverkauftes Haus und einige Spieler, die ihr erstes Heimspiel spielen. Und: Wir haben nichts zu verlieren.“ Nichts? Außer drei Punkte…

Aber okay, Fink wollte die Außenseiterrolle seiner Mannschaft offenbar nur symbolisieren. Ob er sich und seine Mannschaft damit nicht zu klein redet? „Nein. Wir werden versuchen, nach vorne zu spielen. Das können wir auch. Wir wollen Dortmund ärgern und dabei die Fans von beginn an mitnehmen. Wir wollen Spaß haben.“

So, wie die geballte Prominenz am Nachmittag bei der Ehrung von Willi Reimann, Thomas von Heesen, Udo Bandow und Günter Netzer sowie postum Fritz Laband und Branko Zebec. Da wurde gelacht, gescherzt und sich in den Arm genommen. Allerdings machten sich auch die alten HSV-Granden Sorgen um den HSV. „Es ist nicht schön, was beim HSV passiert“, fasste es der ehemalige Weltklassespieler und HSV-Manager Günter Netzer zusammen, „aber natürlich ist das alles noch zu reparieren. Es kann doch aber nicht sein, dass der HSV noch einmal etwas mit dem Abstieg zu tun haben wird.“ Netzer schien keine Erklärung für die Sorgen des HSV zu haben. „Es ist eine Leidensgeschichte in diesen Wochen. Aber der Verein wird nicht mit dem Abstieg zu tun haben, wenn alle mitziehen.“ Zumal Netzer als alter Mittelfeldstratege einen Lichtblick ausgemacht hatte: „Rafael van der Vaart ist eine wundervolle Verpflichtung die dem HSV sehr gut tun wird. Aber er wäre mit der Aufgabe überfordert, es alleine schaffen zu müssen.“ Von Heesen ging im Spaß sogar noch einen Schritt weiter: „Man wundert sich eigentlich nur, dass van der Vaarts Fuß hier noch nicht verewigt wurde“

Kommt noch. Da bin ich mir absolut sicher. Zumal dann, wenn van der Vaart am Wochenende den ersten Saisonsieg einläutet…

In diesem Sinne, bis morgen. Dann mit leider nicht öffentlichen Training.

Scholle

P.S.: Bei der 125-Jahr-Gala am 29. September komplettiert Sylvia van der Vaart das Moderatoren-Team um Alexander Bommes, Judith Rakers und Reinhold Beckmann. Otto Waalkes führt ein 15-Minuten-HSV-Special auf und ehemalige HSV-Größen wie Barbarez, Töfting und Meijer treten gegen ein Team aus Olympioniken an. Für die Veranstaltung sind noch 2000 Tickets zu erwerben, 10000 sind bereits verkauft.

Adler küsst die Schienbeinschoner

19. September 2012

Der große Harald Schmidt dribbelt sich auf Sky ins Abseits – immerhin in HD-Qualität, Profi Thomas „Tommy“ Gottschalk stürzt ab bis zu den Amateuren des Fernsehens – warum soll da der HSV eigentlich alles richtig machen? Auch ein „Dino“ hat verdammt noch einmal das gute Recht, einiges, vieles oder alles falsch zu machen. Und das hat seit einigen Jahren wahrlich bestens geklappt. Nun lasst ihn doch mal . . .

Nee, lasst ihn besser nicht. Gegen den Meister und Pokalsieger kann man zwar mal verlieren, aber da steht doch noch viel mehr auf dem Spiel – als nur noch ein weiterer Misserfolg mehr. Mit einem Sieg käme Dortmund dem HSV sehr nahe! Wie das? In Sachen Erfolgsserie. Der HSV ist immer noch die Nummer eins – bei den ungeschlagenen Bundesliga-Spielen. 36 Partien sind es, in denen der „Dino“ nicht verlor, das lief saisonübergreifend vom 30. Januar 1982 bis 22. Januar 1983. Der BVB ist nun aber dran am HSV. Mit einem weiteren Sieg (oder Unentschieden) könnte es eng werden für den HSV, denn dann müsste Dortmund nur noch vier Spiele ungeschlagen überstehen, um die Nummer eins zu werden. In dieser Statistik . . .

Deswegen wäre ein HSV-Sieg am Sonnabend schon elementar wichtig. Zumal damit dann eine lange Sieglos-Serie beendet werden könnte, denn den letzten „Dreier“ in der Bundesliga gab es für die „Finken“ am 14. April. In diesem Jahr, aber wer kann sich daran noch erinnern? Erschütternd, dieser Anti-Lauf. Zumal den Fans und Mitgliedern ja schon seit Wochen und Monaten stets versprochen wird, dass es ab nun nur noch bergauf gehen könne – nur noch bergauf gehen wird. Fromme Sprüche. Die dann ja immer noch kräftig garniert wurden: „Die Substanz der Mannschaft ist sehr gut.“ Oder: „Spielerisch sind wir besser als der kommende Gegner.“ Und, und, und. Wobei der HSV natürlich spielerisch nicht besser ist als der Meister, das ist wohl jedem ganz klar. Dafür würden dann aber nach einer weiteren Niederlage hören (und ertragen) müssen: „Trotz allem glaube ich an diese Mannschaft, wir sind stark genug, die Klasse zu halten, wir werden ganz sicher nicht absteigen.“
Stimmt.

Zum heutigen Training (am Nachmittag) hatten sich wiederum viele Kiebitze eingefunden, aber alle machten sie lange Nasen. Bis auf die Torhüter war auf dem Trainingsplatz niemand zu sehen. Der Trainer hatte sich wohl kurzfristig umentschlossen – es wurde in den Katakomben trainiert. Ob das so blieb, weiß ich allerdings nicht, denn ich fuhr nach Hause, um zu schreiben. Dieses Nach-Hause-Fahren allerdings ist bei Hamburg im Regen ungefähr so schön wie eine 0:1-Heimniederlage des HSV gegen Energie Cottbus . . . Da kommt Freude auf, wenn man stundenlang im Stau steht. So vor dem Krohnstiegtunnel, der halbseitig gesperrt ist. Wenn man es nach 20, 25 Minuten geschafft hat, darf man mit 30 durch den Tunnel „düsen“. Vor der Tunneleinfahrt steht dann auch noch extra ein besonders Verkehrsschild: „Radarkontrolle“. Da kommt dann zusätzlich Freude auf . . . Aber das eben nur am Rande.

Das ist aber schon etwas ganz Besonderes – Hamburg im Regen. Etwas ganz Ausgefallenes gab es dagegen bereits am Mittag in der Arena: Der Hamburger Weg und die Deutsche Telekom haben die Hamburger SportXperten gefunden. Die Schulklasse 5c der Gemeinschaftsschule Achter de Weiden (Schenefeld), die als Sieger der
Ausschreibung des Hamburger Wegs und der Telekom hervorgegangen ist, erlebte heute einen ganz besonderen Schultag beim HSV: Medientraining. Unterteilt in drei Gruppen bereitete die Siegerklasse Interviews vor, lernte Grundlagen der Kameraführung kennen und erhielt Einblicke in Moderationstechniken und Videoschnitt. Als Highlight führten eine Schülerin und ein Schüler vor der versammelten Klasse (und Medien-Vertretern) dann ein Interview mit René Adler durch. Dabei stellten die
Nachwuchsreporter nicht nur alltägliche Fragen zum sportlichen Geschehen, sondern fragten auch private Dinge aus der Jugend des HSV-Torhüters und testeten beispielsweise sein Schulwissen.

Adler sagte beispielsweise: „Fußball ist immer mein Traum-Beruf gewesen, darauf habe ich immer hingearbeitet. Ich wollte immer nur Fußball spielen, schon als Kind, alles andere habe ich ausgeblendet, habe nicht nach rechts und nicht nach links geschaut.“ Adler weiter: „Das hat sich zwar bezahlt gemacht, aber dennoch denke ich heute, dass es wichtig ist, dass man sich auch mit anderen Dingen beschäftigt. Deswegen kann ich euch nur raten, sehr wohl nach links und rechts zu schauen, sucht euch andere Hobbys, beschäftigt euch mit anderen Dingen, um nicht nur auf eine Sache fixiert zu sein.“

Besser ist. Denn bis nach ganz oben, bis in die Nationalmannschaft, schafft es eben nicht jeder, im Gegenteil, der Prozentsatz ist erschreckend gering – die sich bis dahin durchboxen (können).

Was war Adlers Lieblingsfach? „Ich war immer gut in Mathematik, deshalb habe ich das auch als LK gewählt, aber das war im Nachhinein keine gute Idee, denn ich war mit dem Fußball sehr viel und oft unterwegs. Bei der Jugend-Nationalmannschaft erhielt ich zwar Schulunterricht, aber ich war zum Vergleich zu meinen Klassenkameraden immer zwei Schritte zurück.“ Deutsch hat Rene Adler übrigens auch sehr gerne gehabt.

„Meine Eltern haben mir damals immer gesagt: ‚Genieße die Schule, das ist die schönste Zeit deines Lebens.’ Das habe ich damals nicht geglaubt, aber im Rückblick muss ich sage, dass da viel Wahres dran ist – es war wirklich eine sehr schöne Zeit für mich.“

Und, wurde er gefragt, wie stand es um den schulischen Ehrgeiz? Rene Adler: „Ich war immer ein sehr und extrem ehrgeiziger Mensch. Meine schlimmste Note war die Drei, denn bei einer Drei wusste ich nicht, ob es gut oder schlecht war. Ich bin einer, der wissen muss, wo er steht. Bei einer Eins oder Zwei habe ich gewusst, dass ich gut bin, bei einer Vier oder einer Fünf wusste ich dann, dass ich mehr machen muss. Deswegen war die Drei immer eine schlechte Note für mich.“

Rene Adler will in Zukunft – nebenbei – studieren, und er will mit anderen Dingen als den Fußball beschäftigen. Ohne natürlich den HSV zu vernachlässigen, denn er will mit diesem Klub Erfolg haben: „Wir müssen langfristig denken, wir wollen zurück nach Europa, das lassen wir uns auch nicht ausreden, weil wir jetzt drei oder vier Spiele verloren haben. Wir denken darüber nach, was wir besser machen können, aber ich sehe uns schon auf einem guten Weg.“

Gegen Ende des „Verhörs“ wurde der Keeper gefragt, welchen „Tick“ er denn beim Fußball habe? Adler: „Ich küsse vor jedem Spiel meine Schienbeinschoner. Und immer den linken zuerst anziehen.“ Bei einem abschließenden Quiz blieb Rene Adler keine Antwort schuldig, er wusste nahezu alles. Das hat die Schüler total beeindruckt. Ohnehin legte der Nationaltorhüter großartiges Doppel-Interview hin – das war super, dickes Kompliment.

Ganz zum Schluss sprach Rene Adler auch noch über die aktuelle, wenig berauschende Lage des HSV: „Die Tore, die wir kassieren, die fallen ja meistens nicht aus dem Spiel heraus, sondern entstehen nach Standardsituationen. Oder es unterlaufen uns grobe Fehler. Da brauchen wir eine genaue und gute Aufarbeitung. Und wenn man bedenkt, wie wir die Gegentore fangen, dann ist das eigentlich positiv, denn diese Dinge kann man schnell abstellen. Man muss einfach konzentrierter sein, man muss sich auch an die Aufteilung halten, die ganz klar vorgegeben werden, das ist keine Frage der Qualität. Das ist eine Frage des Selbstvertrauens, und das bekommt man nur durch positive Erlebnisse – wir werden jetzt noch enger zusammenrücken und noch härter arbeiten.“ Dann sagte Adler abschließend: „Es bringt uns aber nichts, immer über einen Aufwärtstrend zu reden, wir müssen ihn auch leben, und diesen dann mit Siegen unterfüttern.“

Abschließend sei noch zu den SportXperten gesagt: Das ist ein Förderprojekt des Hamburger Wegs, für das René Adler Spielerpate ist. Christof Rupprecht, ehemaliger Liga-Spieler des TuS Holstein Quickborns (zu besten Zeiten!) ist der Projektleiter und stellt fest: „Für die Kinder ist das Projekt SportXperten ein unvergessliches Erlebnis, weil sie selbst daran teilhaben, Medien zu gestalten. Wir freuen uns sehr, jetzt Förderprojekt der Initiative ‚Der Hamburger Weg’ zu sein”. Die Förderziele des Projekts sind Medienkompetenz, Sprache, kulturelle und interkulturelle Bildung sowie Sport und Gesundheit.

So, die Schüler aus Schenefeld hatten heute ihren großen Tag, die Stars von gestern haben es an diesem Donnerstag. Dann werden nachmittags am „Uwe-Seeler-Fuß“ die Mitglieder Nr. 27 bis 32 in den „Maske Walk of Fame des HSV” aufgenommen. Im Jubiläumsjahr gibt es ein besonders großes Aufgebot an Geehrten und prominenten Laudatoren:

Willi Reimann (Laudator: Dr. Peter Krohn), Fritz Laband (Franz Klepacz), Branko Zebec (Holger Hieronymus), Thomas von Heesen (Wolfgang Rolff), Udo Bandow (Oliver Bierhoff) und Günter Netzer (Gerhard Delling).

Nach der Ansprachen von Stifter und Sponsor Andreas Maske und dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow folgen die Ehrungen und die traditionelle Übergabe der Schals „Für Menschen, die Spuren hinterlassen haben”.

Das ist einmal wieder ein großer Tag für den HSV – und der könnte bestens abgerundet werden, wenn dazu ein Heimsieg am Sonnabend eingefahren werden könnte. Aber, ich weiß, ich weiß, Fußball ist kein Wunschkonzert. Aber manchmal geschehen eben doch noch Zeichen und Wunder.

Einen ganz großen Tag hatten sieben Herren bereits am Dienstag. Abends hatten sie zur Vorstellung ihres Buches “Kinder der Westkurve” in die Raute eingeladen. Das ehemalige Aufsichtsratsmitglied Axel Formeseyn führte locker und gekonnt durch das Programm, Museums-Chef Dirk Mansen hielt die Eingangsrede – und dann stellten sich die Autoren Jörn von Ahn, Malte Laband, Thorsten Ewert, Jan Möller, Thorsten Eikmeier, Thomas Reifschläger und Philipp Markhardt launig und mit vielen Anekdoten vor. Es geht global um die Geschichte der HSV-Fans, das “Werk” wurde in vier Jahren erbracht (geschrieben) und es wiegt 3,1 Kilogramm. Es hat 660 Seiten (!), es kostet 39.90 Euro und ist erschienen im eigens dafür gegründeten Verlag “Hamburger Schriftmanufaktur”. Der Vorstellungsabend machte Lust auf mehr – also lesen dieses dicke Ding! Und für alle, die jemals in der Westkurve standen um den HSV anzufeuern, ist dieses Buch auf jeden Fall DIE Pflichtlektüre. Auch wenn es mitunter recht hart zu lesen und anzusehen ist – wie im richtigen Leben eines hammerharten HSV-Fans eben.

PS: Morgen wird im Volkspark (voraussichtlich) um 10 Uhr trainiert.

19.17 Uhr

Jarchow: “Es gibt keine Trainer-Diskussion!”

18. September 2012

Das ist doch typisch! Kaum verliert der HSV einige Spiele, schon schießt sich die Presse auf den Trainer ein. Solche oder ähnliche Kommentare kenne ich aus den vergangenen drei Jahrzehnten zur Genüge. Immer ist es die Presse, die die Trainer an- und dann auch noch abschießen. Was ich stark bezweifle, aber ist der Ruf erst ruiniert, schießt es sich ganz ungeniert . . . Beim Training werde ich immer häufiger auf einen Trainerwechsel beim HSV angesprochen, und bei „Matz ab“ wird ja auch schon fleißig, emsig und häufig über einen neune HSV-Coach gesprochen. Hier einmal nur zwei Beispiele:

Von „schaengel” kam folgender Beitrag:

Was mich besonders wundert…warum schreibt denn die (lokale) Presse nichts über unseren Trainer? Ist denn nur hier im Blog die Stimmung so Anti oder gibt es ein Agreement zwischen der Presse und dem Verein?
Wenn man mal bei Google News nach „Fink” sucht, erscheint keinerlei „offizielle” Presseschelte, nur die Berichte von uns Uwe oder die herausragenden Aussagen von ThoFi wie „HSV hat Potenzial für TopTen”.
Warum ist es da (noch) so still? Was sagen den die Blogväter?

Und von „Peter Panther” gibt es das hier zu lesen:

Thorsten Fink vergisst bei seinem ganzen Gelaber und der Bitte nach mehr Zeit, dass er die längste Vorbereitungszeit hatte, die es je in der Bundesliga-Historie gab. Dazu mag er wohl nicht einsehen, dass er lediglich drei neue Spieler einbauen musste, die allesamt im Mittelfeld beheimatet sind, ergo jetzt die schlechte Defensiv-Leistung zu kritisieren, für die er letztlich Schuld trägt, denn die Abwehrreihe ist unverändert.

Mich stört auch, dass mangelnde Erfahrung herhalten soll, denn ein Jansen, Aogo (wenn auch jetzt verletzt), ein Westermann, dahinter ein Adler im Tor, sind erfahrene Profis, die schon durch Stahlbäder gingen. Da muss es möglich sein, die schwächeren Leistungen von Mancienne, Bruma oder Diekmeier zu kompensieren. Ging ja früher bei Boateng auch, wenn der sich mal wieder ’nen Klops leistete. Und alle drei haben auch schon in der vergangenen Saison ihre Spiele gemacht, ergo hätte Fink ihre Fehler in der Vorbereitung erkennen und ggf. abstellen müssen, bzw. sie ggf. nicht mehr aufstellen dürfen. Sich dann wegen einer Lappalie mit Raikovic zu überwerfen ist dann natürlich besonders clever, zumal wegen einer Sache, die bei jedem zweiten Bayern-Training Standard ist…

Alles in allem, ich schrieb es gestern bereits, ist Fink ein Maulheld, der mit vermeintlich großen Visionen angetreten ist und kläglich zu scheitern droht, eigentlich schon gescheitert ist. Das die Einkäufe von Arnesen dazu beitragen mag ich nicht wirklich glauben, denn mit Beister, Jiracek, Adler, Badelj und van der Vaart hat man gute Leute am Start, die zudem mit Jansen und Westermann eine solide Startelf aufbieten können. Das es im Sturm noch hakt gebe ich zu, allerdings kommen wir ja meist nicht mal vor das gegnerische Tor…

Man sollte sich langsam mal nach ’nem neuen Trainer umsehen… Das Fink noch seine Chance nutzt, halte ich für sehr unwahrscheinlich!

Wohl gemerkt, und auch richtig bemerkt: Die Presse hält sich in diesem Punkt hanseatisch-vornehm zurück. Weil die Zeit im Moment und in meinen Augen auch noch lange nicht reif ist für einen neuen HSV-Trainer. Jeder weiß, dass sich der HSV seit einem Jahr im Umbruch befindet – und so etwas kostet eben seine Zeit. Und jeder zweite (User) weiß, dass der HSV kein geld mehr in der Kasse hatte, immer noch hat. Das Geld, was nun noch in letzter Sekunde für Petr Jiracek und Rafael van der Vaart floss, hatte der Verein gar nicht, wird der Verein auch in den nächsten fünf Jahren und mehr immer noch nicht haben. Der HSV hat viel riskiert – ich schrieb es bereits, finanziell ist es ein ganz heißer Tanz auf der Rasierklinge.

Und wenn der HSV kein Geld für neue Spieler mehr hat(te), dann gibt es erst recht kein Geld mehr für eine Trainerentlassung. Die zudem auch viel zu früh käme. Thorsten Fink hat doch völlig recht: Diese neue HSV-Mannschaft, die jetzt erstmalig in Frankfurt auf dem Rasen stand, die benötigt noch einige Zeit, um sich stetig besser einzuspielen. Und alle sollten ihr auch diese Zeit einräumen. So schwer es auch jedem Fan fällt. Zudem sollten die Ungeduldigen einmal kurz nach Hannover blicken. Dort startete Trainer Mirko Slomka vor zwei Jahren auch unglaublich schlecht, er stand auf der Liste der Trainer-Entlassungen auf Platz eins – und dann startete 96 bis heute unglaublich gut durch. Deswegen wird es von mir auch keine Forderungen nach einer Trainer-Entlassung beim HSV geben. Alles wird sich von allein ergeben. Gewinnt Thorsten Fink, dann geht es auch aufwärts mit dem HSV, bleibt er in den nächsten Wochen sieglos, dann wird der HSV – wohl oder übel – handeln müssen. Ich sage ganz klar: handeln müssen. So ist das Geschäft. Das weiß auch Fink. Aber noch besteht keinerlei Anlass zu einer solchen Handlung, auch kein Anlass zur Hektik oder gar Panik.
Immer schön flach halten, den Ball. Das Ding wird doch noch. Da bin ich mir absolut sicher.

Wobei ich gerne noch einmal im Matz-ab-Archiv gekramt habe. Denn das schrieb ich einst an dieser Stelle:

Tagesarchiv für den 14. August 2012

Die Zeile lautete:

Defensive okay – die Offensive muss nachlegen

14. August 2012

Und da stand zu lesen:

Zur Lage seiner Mannschaft befand Thorsten Fink im Anschluss daran: „Wir haben vor Saisonbeginn gesagt, dass wir an der Defensive arbeiten wollen, das haben wir getan, unsere Defensive ist jetzt verstärkt, wir habe da gut gearbeitet. Und nun müssen wir natürlich wieder versuchen, beides zu können: Abwehr und Offensive. Wir müssen nicht nur gut verteidigen können, wir müssen auch gut angreifen können, wir müssen auch im Ballbesitz bleiben, und wir müssen auch gut kontern können. Das alles gehört zum guten Fußball. Jetzt müssen wir daran arbeiten, dass wir besser und schneller nach vorne spielen können.“

Grundsätzlich befindet Fink: „Wir haben auch schon in der vergangenen Saison gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können, das haben wir auch jetzt gegen große Gegner gezeigt, da hat meine Mannschaft bezeigt, dass sie nichts von ihrem Können verloren hat. Wenn wir in jedem Spiel gut stehen und wir gewinnen 1:0, dann muss man auch zufrieden sein. Dass wir dann mit der Zeit wieder etwas erarbeiten können, ist ja auch klar. Man muss nicht alles von der Mannschaft erwarten, dass wir schon alles perfekt können – wichtig ist, dass wir die Spiele gewinnen.“ Und Fink sagte auch: „Wir haben jetzt in 13 Spielen neun Gegentore bekommen, das ist nicht viel in der Vorbereitung, von daher bin ich damit schon mal zufrieden. Dass wir im Moment noch nicht so spielen können wie was weiß ich wer, das sollte keiner erwarten – und das hat ja auch keiner erwartet. Denn wenn wir schon alles so gut könnten, dann müssten wir auch schon wieder Ansprüche haben – und die haben wir im Moment nicht. Wir haben den Anspruch, dass wir uns im Spiel nach vorne verbessern wollen, und dass das eine oder andere auch gegenüber der vergangenen Saison besser klappt – und auch das haben wir schon bewiesen. Standardsituationen sind zum Beispiel schon verbessert worden, defensiv ist das okay – und offensiv war auch schon einiges ganz gut. Ich sehe schon einige Entwicklungen.“

Das ist eigentlich der Punkt, den ich zu kritisieren habe. In aller Ruhe, sachlich, und ohne (s)eine Entlassung und ohne seinen Kopf zu fordern! Kritik ist und muss erlaubt sein, wenn sie oberhalb der Gürtellinie angesiedelt ist, und diese hier ist oberhalb der Gürtellinie angesiedelt:
Thorsten Fink sieht mir zu schnell und zu viel zu rosig – bei seiner Mannschaft. Die Spiele nach diesen Aussagen haben ihm das Gegenteil gezeigt. Zur Erinnerung: Das, was da am 14. August gesagt wurde, war vor dem KSC-Pokalspiel. Und dann noch einmal zur Erinnerung: Nach dem Liga-Total-Cup in Hamburg, also einige Tage vorher, hatte Thorsten Fink in einem Interview mit der Bild versprochen: „Wir werden am ersten Spieltag zu 100 Prozent da sein.“

In kurzen Hosen? Auf dem Rasen? Pünktlich?

Das meine ich: Fink setzt sich mit diesen Aussagen auch selbst gewaltig unter Druck. Wie oft sollte schon „die Post nach oben abgehen“? Statt tiefer zu stapeln greift der HSV-Trainer stets in die Vollen. Und wenn es dann schief geht, wenn der HSV dann wieder nur verloren hat, dann ist die Enttäuschung von mal zu mal größer. Weil der Trainer doch versprochen hat, das es endlich und schon bald aufwärts geht – mit dem HSV.

Deswegen begrüße ich es auch ausdrücklich, dass Thorsten Fink nun um Zeit und Geduld bittet. Jetzt, nach vier Niederlagen. Die Zeit des HSV wird kommen, da bin ich mir absolut sicher, aber es wird auch sicherlich noch dauern. Gegen Dortmund erwarte ich nichts, gegen Mönchengladbach kann es eventuell den ersten Punkt geben, gegen Hannover gibt es zum 125. Geburtstag noch eine Pleite, aber danach wird dann die Zeit des HSV kommen.
Mal sehen, ob ich zum Propheten tauge . . .

Aber gebt dem HSV und damit auch dem Trainer noch Zeit. Ihr alle habt doch beklagt, dass es in den letzten acht Jahren acht Trainer-Entlassungen beim HSV gegeben hat. Ihr habt beklagt, dass niemals Kontinuität in den Laden kommt, wenn stets und ständig (und bei der kleinsten Krise) sofort der Trainer vor die Tür gesetzt wird. Okay, jetzt ist es schon keine kleine Krise mehr, aber es sind in der Liga doch auch erst drei Spieltage absolviert. Nun haltet einmal tapfer durch, so schwer es auch fallen mag. Ich leide doch wie ihr unter dieser Misserfolgs-Serie. Aber mit den letzten (sehr guten) Verstärkungen, mit Milan Badelj, Petr Jiracek und Rafael van der Vaart, muss und wird sich der Erfolg doch auch bald einstellen. Und sollte der Trainer nun zum Dortmund-Spiel seine Mannschaft erfolgreich umkrempeln, dann geht es vielleicht auch schon (oder noch) etwas schneller.

Obwohl die Ungeduld eines jeden Fans, das sei absolut noch einmal bestätigt, auch völlig normal ist – bei dieser Tabellensituation. Und auch eine gewisse Unruhe im Klub. Carl-Edgar Jarchow, der Vorstandsvorsitzende, gab zu: „Die ganze Situation erfreut mich natürlich nicht, das ist ja klar, aber die Unruhe im Verein hält sich noch in Grenzen. Wir wissen natürlich, dass der Saisonstart schlecht war, die Fans sind enttäuscht – wir sind es auch. Aber wir haben ja auch noch Maßnahmen getroffen, die uns hoffen lassen, das es ist der Zukunft anders wird.“ Auf die Frage eines TV-Kollegen, ob der Trainer noch fest im Sattel sitzt, sagte Jarchow: „Ich werde hier mit Ihnen keine Trainer-Diskussion führen.“

Carl-Edgar Jarchow weiter: „Es gibt auch intern bei uns keine Diskussion über den Trainer. Weil dafür die Grundlage fehlt. Wir sind von dem Trainer überzeugt, dass er mit dieser Mannschaft vorankommt, deswegen gibt es da auch keine Diskussionen.“

Und wenn der HSV am 29. September, wenn der 125. Geburtstag gefeiert wird, immer noch so trostlos durch die Bundesliga bummelt? Was ist dann? Jarchow: „Wir werden auch dann das Jubiläum feiern, wenn wir bis dahin nicht so erfolgreich waren. Aber ich wünsche mir das natürlich anders, keine Frage.“

Einen nicht ganz unwichtigen Punkt möchte ich – im Zusammenhang mit dem Trainer – auch noch kurz ansprechen: Stichwort Kondition. Auch heute wurde ich wieder während des Trainings darauf angesprochen (wie fast jeden zweiten Tag!): „Wann trainiert diese Mannschaft eigentlich mal Ausdauer? Und wann schleichen die Spieler mal vor Erschöpfung vom Platz, sodass sie kein fröhliches Lied mehr auf den Lippen pfeifen können?“ Ich sage dann immer und immer wieder: „In der Bundesliga wird wissenschaftlich trainiert, da gibt es kaum noch einen Schleifer als Trainer . . .“ Ausnahmen bestätigen die Regel, aber in Hamburg gab es schon seit vielen, vielen Jahren keinen mehr. Eigentlich seit der Ära Felix Magath. Und alle anderen Trainer nach dem Felix haben so trainiert, wie jetzt Thorsten Fink. Also alles völlig normal. Hätte der HSV keine Kondition, keine Kraft, keine Ausdauer, dann hätte er in Frankfurt nicht mit zehn Spielern bis zum Schluss um den Ausgleich kämpfen können. Konnte der aber. Der HSV war in den letzten 20 Spielminuten das deutlich konditionsstärkere Team. Wohl gemerkt, mit zehn Mann. Es liegt also nicht daran, dass die Mannschaft im Training zu wenig gequält wird.

Nur die Ruhe also, obwohl, das gebe ich zu, ich ganz gerne auch mal den einen oder anderen Tag erleben möchte, an dem die HSV-Profis „vom Platz kriechen“, weil sie fix und foxi sind. Das müssen wohl meine masochistische Züge sein . . . Früher war eben alles wie früher, auch die Schinderei. Obwohl, wenn ich mich nicht irre hat Thorsten Fink auch zu Beginn der Vorbereitungszeit gesagt: „Qualität kommt von Qual.“ Wie er das wohl gemeint hat?

Noch kurz zu einem Wechsel, der gegen Dortmund anstehen könnte: Der ehemalige Dortmunder Thorsten Fink könnte den ehemaligen Dortmunder Tolgay Arslan aufstellen (weil Petr Jiracek gesperrt fehlen wird). Und Arslan befindet: „Das wäre super, ich freue mich drauf. Weil es gegen den Meister geht, und weil ich ja noch einige Dortmunder kenne, mit ihnen spielte ich einst in der Jugend zusammen für den BVB.“ Mit Reus, mit Götze und in der U-Nationalmannschaft mit Gündogan. Über Arslan hatte Thorsten Fink ja gesagt, dass der sich bestens mit Rafael van der Vaart versteht. Dazu der Deutsch-Türke voller Selbstbewusstsein: „es ist vielleicht zuviel gesagt, aber es stimmt schon. In den Testspielen stimmte es zwischen uns. Er spielt auch Fußball, ich denke, wir beide denken das Gleiche, und dann ist es vielleicht einfacher, mit einem Fußball zu spielen, der vielleicht auch auf der Straße groß geworden ist.“
Es war von Rafael van der Vaart die Rede.

Dass Tolgay Arslan nun auf der Sechs zum Einsatz kommen könnte, also sein Spiel defensiver angelegt sein müsste, das stört ihn nicht. Der Trainer hatte gesagt, dass er Arslan deswegen in dieser Woche noch intensiv im Training beobachten werde, ob er auch defensiv kann? Tolgay Arslan noch einmal voller Selbstvertrauen: „Ich kann defensiv. Das wird man sehen. Ich werde giftig sein. Natürlich werde ich dem Trainer beweisen, dass ich das kann. Man sagt immer, dass ich ein offensiver Spieler bin, aber ich werde das Gegenteil das beweisen. Jetzt spiele ich eine Position hinter der, die ich sonst spiele, aber ich werde es allen zeigen, dass ich es auch da kann.“
Auf geht’s, Tolgay, lass es krachen!

Kurz noch ein Satz zur Jubiläums-Anleihe. Ihr werdet es in allen Zeitungen und im Fernsehen sehen können, am 29. September so es so weit sein. Die Dinger sehen gut aus es gibt sechs Prozent pro Jahr (über sieben Jahre), und es gibt drei verschiedene Schmuck-Urkunden, auf denen jeweils die HSV-Vergangenheit (die gute!) abgebildet ist. Ich werde mir diese Schmucksachen ins Haus holen, klarer Fall! Es gibt sie für 125 Euro, für 404 Euro (weil Uwe Seeler einst in seiner großen Laufbahn 404 Tore für den HSV in Pflichtspielen erzielt hat) und für 1887 Euro, die Global-Urkunde gibt es für 500 Euro und für jeden Betrag mehr, der durch 500 teilbar ist.

Ein ganz anderes Thema:

Er hat die Raute immer noch ganz tief im Herzen – und Hamburg auch. Logisch, selbstverständlich, natürlich – klar. Als ich heute mit David Jarolim sprach, war seine erste Frage: „Was war da los in Frankfurt?“ Und dann: „Wieso hat der HSV 2:3 verloren?“ „Jaro“ wollte es genau wissen, woran es lag, dass es wieder nur eine Niederlage gab. Er selbst hatte 3:0 gewonnen. Der erste Saisonerfolg von seinem neuen Arbeitgeber FC Evian Thonon Gaillard, der Aufsteiger Bastia bezwang. Jarolim war 80 Minuten mit von der Partie und sagte: „Das war ganz schön hart, denn es war mein erster Einsatz seit vier Monaten. Dafür aber ging es ganz gut.“

Seine Mannschaft muss bei der „Jaro-Premiere“ wohl auch ganz gut gespielt haben, denn solche klaren Siege sind in Frankreich eigentlich nicht an der Tagesordnung. „In Frankreich wird etwas anders Fußball gespielt. Es ist irgendwie schneller und auch hektischer“, sagt „Jaro“, der aber dafür sorgte, dass immer dann Ruhe ins Spiel kam, wenn es nötig war. Er hielt den Ball klug und verteilte ihn auch geschickt. Sehr zur Freude seines neuen Trainers, der nun auch die Doppelrolle als Sportdirektor innehat. „Als ein solcher hat er mich vor Wochen nach Evian geholt. Er ist schon über 20 Jahre im Verein und legt großen Wert auf Disziplin, das finde ich sehr gut“, sagt „Jaro“, der gleich nach seiner Ankunft eine Trainerentlassung beim FC Evian miterleben durfte. Aber da hatte der tschechische Dauerläufer ja durch seine HSV-Zeiten gewisse oder auch beste Erfahrungswerte einzubringen . . . Das macht nur noch härter.

„Es ist landschaftlich wunderschön hier“, berichtet David Jarolim über seine neue „Wahl-Heimat“, hoch in den Bergen des Genfer Sees. Endlich einmal hat ein HSV-Spieler seinem neuen Klub im ersten Spiel gleich ein Erfolgserlebnis beschert. Es geht doch. Übrigens: Von dem Siegtor, das Piotr Trochowski am Wochenende für den FC Sevilla gegen Real Madrid schoss, hatte Jarolim auch in Frankreich schon gehört. Er sagte: „Das freut mich für Troche, ein solches Erfolgserlebnis wird ihm sicher viel Selbstvertrauen geben – und ein Siegtor gegen Real Madrid schießt man ja auch nicht alle Tage.“ Wie wahr.
Evian TG hat nun vier Punkte und liegt auf Tabellenplatz 15 (von 20 Vereinen).
Weiterhin alles Gute in Frankreich und mit dem FC Evian, „Jaro“.

Und für euch natürlich einen wunderschönen Feierabend.

PS: Am Mittwoch wird um 16 Uhr im Volkspark geübt.

18.11 Uhr

Der Meister kommt gerade recht

17. September 2012

„Wenn wir einfach mal gewinnen, dann würden wir so was von an Selbstvertrauen gewinnen und werden so was von stark – warum sollte das denn Sonnabend nicht so sein? Ein Heimspiel gewinnen, dann ist die Initialzündung da, dann geht es ab im Kopf.“

Sagt HSV-Coach Thorsten Fink vor dem nächsten Spiel seiner Mannschaft, dem Heimspiel am Sonnabend gegen Double-Sieger Borussia Dortmund. Fromme Wünsche. Des Trainers. Wie soll das gegen Dortmund gehen? Mit dieser Abwehr. Mit dieser Defensive, die Fink noch vor Bundesliga-Beginn so gelobt hatte. Wunschdenken?

Nein, der HSV hat noch so viele Baustellen, ich glaube, das wissen die Verantwortlichen noch immer nicht. Wie soll eine Abwehr funktionieren, in der die jungen Leute immer wieder Aussetzer haben und die größten Böcke produzieren? Das, was Jeffrey Bruma und vor allen Michael Mancienne in Frankfurt gespielt haben, ist nicht erstligareif. Ganz sicher nicht. Und diese beiden Talente haben auch nicht jene Schritte nach vorne gemacht, wie nach der verkorksten Saison 2011/12 von Sportchef Frank Arnesen prognostiziert. Immer wieder sogar. Nur werden es dadurch auch keine Schritte mehr – hin zur Verbesserung. Ich behaupte, dass beide Spieler total auf ihrem Level stehen geblieben sind. Und so wird der HSV auf Dauer nicht einmal eine „Goldene Ananas“ gewinnen.

Amateurhafte Fehler ohne Ende. Und das nicht nur in Frankfurt. Und dazu keine Manndeckung, sondern nur ein viel zu lascher Begleitservice. Da freut sich jede Sturm-Reihe, gegen diese gepuderte und mit Watte eingewickelte HSV-Abwehr spielen zu dürfen. Was heißt gegen? Mit! Mit dieser Abwehr zu spielen. Man, man, da kann keine Mannschaft gegen anspielen, mit dieser schweren Patzern der „Wiederholungstäter“. Es fehlen diesem HSV die Kanten in der Viererkette. Eine hätte er, nämlich Slobodan Rajkovic, aber der hat sich durch das Abendblatt-Interview selbst ins Abseits manövriert. Und von dort gibt es auch kein Zurück. Der Innenverteidiger hat den Trainer nun einmal schwer beleidigt, und das langt – für immer. Jedenfalls so lange, wie Thorsten Fink HSV-Coach ist. Aber dadurch hat der HSV natürlich einen Spieler, der ein absoluter „Kanten-Typ“ ist, weniger. Solche Leute wie zum Beispiel Dante, van Buyten, Badstuber, Boateng (alle Bayern), Noveski (Mainz), Haggui (Hannover), Niedermeier (Stuttgart), Pogatetz (Wolfsburg), Zambrano (Frankfurt), Papadopoulos (Schalke) – die gibt es beim HSV eben nicht. Abwehrrecken, die ihren Gegenspielern schon beim Einlaufen Angst und Schrecken einflößen. Wer aber soll vor Bruma und Mancienne schon Angst haben? Eher scheint es mir umgekehrt zu sein.

Vielleicht wird der Österreicher Paul Scharner diese Lücken schließen, aber der benötigt nach seinem Innenbandriss noch weitere zwei Wochen Pause, bevor er wieder ins Training einsteigen kann. Und dann wird es mit Sicherheit noch einmal zwei bis drei Wochen dauern, eher er fit für einen Einsatz ist. Bis dahin muss sich der HSV so durch die Saison mogeln. Und darauf hoffen, dass diese Bubi-Abwehr so weit wie möglich nicht auf- und erst recht nicht weiter abfällt. Aber Erstliga-Reife, die wird man dieser HSV-Defensive wohl auf Wochen oder gar Monate hinaus nicht bescheinigen können – so gerne es die Verantwortlichen auch möchten.

Und wenn, das ist ja die Ironie dabei, dann schon mal einer zur Sache geht, dann gibt es auch gleich Rot. So wie Petr Jiracek gegen den Frankfurter Anderson. Der hat sich lange vor Schmerzen am Boden herumgewälzt, als es dann Rot gegeben hatte, da erhob sich der Eintracht-Spieler und lächelte. HSV-Profis berichten sogar davon, dass er gelacht habe. Egal, es ist vorbei, Jiracek wird gegen Dortmund und gegen Mönchengladbach fehlen, damit muss der HSV nun leben.

Trotz allem ist dieses Rot für mich ein Skandal. Und wird es, egal welche Einwände auch immer von links, rechts, oben oder hinten kommen, immer bleiben. Ich bin da bei unserer Fußball-Legende. Franz Beckenbauer hat bei „Sky“ gesagt: „Er kann Foul geben, war vielleicht berechtigt, nach den neuen Regelerkenntnissen ist es vielleicht in Ordnung, wenn er pfeift. Und wenn er es schlecht meint mit dem HSV, dann kann er ihm vielleicht die Gelbe Karte geben, aber es war niemals eine Rote Karte! Früher, als man da mit der Ferse auf dem Boden war und du gehst mit gestrecktem Bein rein, dann war das nicht mal ein Foul. Heute hast du da einen Platzverweis. Da siehst du mal, wie verweichlicht diese Generationen werden.“

Ich bin ja oft (oder meistens) auf der Seite der Schiedsrichter, die haben wirklich den schwersten Job in der Liga, aber diese Entscheidung von Wolfgang Stark geht nicht. Und es ist für mich auch ein Unding, dass der Verband so etwas nicht sehen will. Die Herren Unparteiische haben Narrenfreiheit. Sie entscheiden nach Bauch. Erst will Stark Gelb geben, dann zieht er Rot. Das ist wirklich nur noch lächerlich. Ich verstehe mich eigentlich ganz gut mit „Deutschlands bestem Schiedsrichter“, aber diesmal lag er ganz kräftig daneben. Gewaltig daneben. Aber vielleicht muss auch er erst einmal in Form kommen – nach dem EM-Aus im Sommer . . . Ein Skandal bleibt es trotz allem für mich.

Trotz allem muss festgehalten werden: Die anfängerhaften Fehler hat nicht Stark begangen, sondern die HSV-Defensive – das ist auch klar.

„Wir haben jetzt ein paar Gegentore bekommen, da kann man dann nicht behaupten dass wir super standen. Wir arbeiten daran, das ist klar, und wir reden mit den Spielern, um zu erfahren, woran es lag“, sagt Thorsten Fink und fügt an: „Wir können diese Fehler dadurch wieder gut machen, indem wir nun ein paar Spiele zu null spielen.“ Hinten natürlich. Vorne stand die Null bis zum Frankfurt-Spiel schon zu lange.

Dass Thorsten Fink zur zweiten Halbzeit von Wolfgang Stark auf die Tribüne geschickt wurde, weil der Coach ihm wegen der Roten Karte einen Vorwurf gemacht hatte („Wir haben unter Ihrer Leitung noch nie gewonnen“), machte dann das Maß noch voll. Fink: „Ich glaube, dass ich ihn damit nicht beleidigt habe. Über solche Dinge muss man auch mal reden können. Und zum Fußball gehören nun einmal Emotionen. Wir hatten eine schwierige Situation, hätten in Frankfurt aber gewinnen können – und dann das. Ich denke, dass man so etwas ganz einfach einmal sagen darf.“

Dann sagte Fink aber auch: „Ich möchte mich jetzt aber nicht über die Leistung des Schiedsrichters beschweren, das galt nur für die Rote Karte, die hat mich sauer gemacht. Wir hätten aber in den ersten 20 Minuten besser spielen können, dann hätten wir nicht gleich zwei Gegentore kassiert, dann hätten wir mit unseren Chancen auch die Möglichkeit zur Führung gehabt. Wenn es 0:0 steht, dann verwertet man diese Chancen, wenn man mit 0:1 oder 0:2 zurück liegt, dann musst man diese Chance machen und verkrampft – daran müssen wir arbeiten.“ Dann ergänzt Thorsten Fink noch: „Wir müssen gewisse Dinge einfach besser machen, wir müssen energischer spielen, gerade in der Anfangsphase, wir müssen, wenn wir nicht gut spielen, den Ball einfach mal über die Tribüne hauen oder nach vorne dreschen – und dann so langsam ins Spiel kommen. Das haben wir später gezeigt, aber da lagen wir bereits mit 0:2 hinten . . .“

Trotz allem wäre ja auch mit dezimierter Mannschaft noch mindestens ein 3:3 möglich gewesen. Thorsten Fink: „Wenn Dennis Diekmeier das 3:3 macht, dann sagt jeder hinterher, dass er hier in Frankfurt einen ganz anderen HSV als vorher gesehen hat. So bleibt immer ein negativer Beigeschmack, denn wir haben dieses Spiel verloren.“

Positiv aber war der Einstand des „kleinen Engels“. Der HSV-Trainer über das Comeback von Rafael van der Vaart: „Er hat ein sehr gutes Spiel gemacht, er war an allen unserer gefährlichen Situationen beteiligt. Das ist das, was wir uns von ihm natürlich erhofft haben. Er ging mit dem Druck, der auf ihm lastete, sehr gut um, er hat auch auf dem Platz etwas gesagt, er hat die Leute eingeteilt, er hat defensiv gut gearbeitet. Und das war nach dem Platzverweis sehr schwierig für ihn, als Spielmacher vor der Abwehr noch zuzumachen. All das hat er aber sehr gut gemacht, er hat gezeigt, dass er mit dem Druck umgehen kann – von daher war ich mit seinem Einstand sehr zufrieden.“

Und nun gegen Kloppos Meister-Elf. Kann das gut gehen? Fink sagt voller Optimismus: „Ich glaube, so ein Meister kommt gerade recht. Besser als eine Mannschaft, die mit uns da unten drin steht, da verkrampft man dann leicht. Es ist immer schön, gegen den Meister zu spielen, da haben wir nichts zu verlieren, da sind wir für mich krasser Außenseiter – und im letzten Jahr haben wir das hier gegen Bayern München ja auch ganz gut gemacht. Mit den Fans zusammen könnte das auch gegen Dortmund etwas werden.“ Und: „Nürnberg hat es doch vorgemacht, dass man Minimum ein Unentschieden gegen Dortmund holen kann, in Nürnberg stand er Meister doch sogar am Rande einer Niederlage. Dortmund ist doch eine Mannschaft, die man schlagen kann. Dortmund ist zu Haus eine Macht, aber hier bei uns haben wir die Möglichkeit, den Meister zu ärgern, und wenn uns das gelingen sollte, dann täte uns das sicher auch sehr gut.“

Wer aber wird den gesperrten Petr Jiracek ersetzen? Fink tendiert wohl zu Jacopo Sala. Wobei der Coach noch einige Umstellungen mehr überlegt. Gegen Dortmunds rechte Seite mit „Kuba“ Blaszczykowski und Piszczek müsste der unerfahrene Zhi Gin Lam spielen – ginge das gut? Das wäre auf jeden Fall kein geringes Risiko, obwohl Lam in Frankfurt ganz passabel gespielt hat. Trotz allem gibt es die Idee, Marcell Jansen zurückzuziehen, um davor dann den erfahrenen Ivo Ilicevic (der am Sonntag einen Schlag auf die Wade bekommen und heute pausiert hat) zu bringen. Keine schlechte Idee. Fink spielt auch mit dem Gedanken, Tolgay Arslan auf die Sechs (neben Milan Badelj) zu stellen. Fink: „Tolgay hat sich in den Testspielen super mit Rafael van der Vaart verstanden.“ Sala könnte dann rechts vor Dennis Diekmeier (Fink: „Er hat seine Chance in Frankfurt genutzt“) zum Einsatz kommen, und für Artjoms Rudnevs könnte in der Spitze dann Heung Min Son eine erste Chance (als Spitze) bekommen. Fink abschließend: „Wir schauen mal.“

So könnte die Mannschaft für Sonnabend aussehen: Adler; Diekmeier, Bruma, Westermann, Jansen; Arslan, Badelj; Sala, van der Vaart, Ilicevic; Son.

Thorsten Fink sagt aber zur Situation des HSV auch generell: „Es ist klar, dass alle nun noch eine Schippe mehr drauflegen müssen.“ Und: „Überall kann man mal schauen, was wir verändern könne, wir gucken von Spiel zu Spiel, wir müssen auch schauen, wer sich im Training anbietet, wir müssen sehen wie es passt, um Spiele zu gewinnen; denn wir haben nicht den Luxus sagen zu können, jetzt lassen das mal ein paar Spiele so laufen. Die Mannschaft muss sich jetzt ganz schnell sicher fühlen und kann nicht noch den einen oder anderen Spieler, der nicht in Form ist, mit durchziehen.“ Das gilt in erster Linie für Mancienne, aber sicher auch für den einen oder anderen Spieler mehr. Fink nimmt sie dennoch in Schutz: „Es sind Menschen, die machen auch mal Fehler, die unterliegen auch mal gewissen Schwankungen.“ Natürlich. Aber irgendwann sollte dann doch mal eine HSV-Mannschaft stehen – und viel weniger Fehler machen.

Thorsten Fink aber bittet um Nachsicht – und um Geduld: „Wir haben vorher ja gesagt, dass wir Zeit brauchen. Dagegen kann auch keiner etwas sagen. Das dauert eben ein paar Tage. Ich werde meine Linie beibehalten, werde versuchen, dass wir besser nach vorne spielen, dass da noch mehr Spielwitz reinkommt, aber das braucht seine Zeit. Und dass wir von unseren Schwächen, die wir haben, ein wenig ablenken können, indem wir mehr Ballbesitz haben.“

Weiter sagt Fink: „Ehe sich das alles automatisiert hat, dauert das ein paar Wochen. Was nicht heißen soll, dass wir nun ein paar Wochen auf den ersten Sieg warten sollen. Man muss jetzt aber nicht denken, dass wenn man mit ein paar Leuten drei Tage trainiert, dass man dann Zauberfußball spielt. Das muss sich alles einspielen. Wenn man uns die Zeit gibt, dann bin ich davon überzeugt, dass diese Mannschaft das Potenzial hat, unter die Top ten zu kommen – da lasse ich mich einfach nicht von abbringen.“ Dann fügte der Trainer noch ergänzend an: „Ich bin von dieser Mannschaft überzeugt, man hat auch spielerisch gesehen, dass sie es kann. Wir müssen jetzt noch ein paar Dinge abstellen, dann stellt sich der Erfolg auch ein. Ich sehe die positiven Dinge, die wir gemacht haben, und darauf kann man aufbauen.“

Übrigens: Am Rande des Vormittags-Trainings gab es das Gerücht, dass der 22-jährige Japaner Hiroshi Kiyotake, der nun beim 1. FC Nürnberg wirbelt und für Furore in der Liga sorgt, auch dem HSV vor Saisonbeginn angeboten worden ist. Schade, schade, wenn dem so ist, denn einen solchen Vollblutfußballer hätte der HSV sehr wohl sehr gut gebrauchen können.

PS: Am Dienstag wird im Volkspark um 10 Uhr geübt.

18.34 Uhr

Ein kurzes Zwischenspiel

17. September 2012

Keine Angst, das ist ein kurzes Zwischenspiel. Ich schreibe gerade (oder fange sofort damit an) den heutigen Beitrag, aber um schon mal jetzt etwas zur Lage des Klubs zu bringen – hier sind einige auserwählte Mails von „Matz-abbern“. Eine Auswahl die dokumentiert, wie es im Moment um die Stimmung innerhalb der Fan-Gemeinde (?) bestellt ist. Oder ist das nur hier so negativ?

Von „hansel”:

In Bremen war für die meisten Badelj bis zur seiner Verletzung gut, jetzt nachdem er ein weniger gutes Spiel gemacht hat (wobei er fast 2 Wochen verletzt war und kaum mit trainiert hat), wird er schon mit Skjelbred verglichen. :roll:
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Sag mal habt ihr alle an der Marmel? Was soll jedes Mal dieser Mist über die neuen Spieler? Das gibt es nur bei den HSV Fans in dieser derben Form.
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Man wir haben mit 10 Mann fast noch das 3:3 erzielt (die Chancen hätten einfach drin sein müssen) und hier wird sich überwiegend nur an den ersten 20 Minuten festgebissen.
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Wir sind dreimal alleine auf den Torwart zugelaufen, haben Chance gehabt, davon habt ihr vor 2 Wochen geträumt, und hier geschrieben, wenn wir wenigsten sehen, dass sie wollen usw.”, das wäre ja schon gut, und sie haben eine Super-Moral gezeigt und was ist? Es wird genau da weitergemacht wo es bis vor 2 Wochen noch war. Was interessiert mich das Geschwätz von gestern?
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Jeder hätte sich einen Sieg oder eine Punkteteilung gewünscht und mit ein bisschen Glück oder Kaltschnäuzigkeit wäre das auch durchaus drin gewesen. Aber hier wird über das Spiel geschrieben als wenn wir wie gegen Karlsruhe gespielt hätten.
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Man kann seiner Enttäuschung nach dem Spiel sicherlich mal Luft machen, aber soll der Dauerbeschuss auf die Mannschaft immer bis zum nächsten Spiel so bleiben.
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Geht es euch dann eigentlich besser, oder seid ihr noch genervter, dieser Blog hat seine Funktion verloren, und mutiert immer weiter zum besserwisserblog, habeichschonimmergesagt-blog, esist sowiesoallesscheissewasFAmacht-blog usw usw.
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Und ich werde meine 100 € gewinnen, die ich gewettet habe, dass wir dafür sorgen, dass sich der BVB nicht unsere Serie der meisten Spiele ohne Niederlage holt. 😉

In diese Kerbe schlägt auch ein anderer Beitrag:

Sehr geehrter Herr Matz,

ich bin in Namibia geboren und aufgewachsen und seit Kindheit ein riesen HSV Fan (auch in der letzten Saison als es nicht so gut ging).

Es kotzt mich regelrecht an wenn ich die Medien und vor allem Kommentare der sogenannten HSV Fans lese! Was für miese Fans unser alter Verein mit toller Tradition doch nur hat! Die sollen doch bitte so schnell wie möglich zum FC Hoeness oder St Pauli wechseln.
Ja, der HSV hat am Wochenende gegen einen Aufsteiger verloren! Na und? Frankfurt hat einen Lauf! Aber der HSV hat erstmals diese Saison ein Tor geschossen oder gar zwei und eins davon in Unterzahl! Die Jungs haben gezeigt, dass sie bereit sind zu laufen und kämpfen auch wenn der eine oder andere einen Bock geschossen hat! Diese Deppen von Fans sollten doch endlich mal einfach die Pluspunkte bewerten (zugegeben momentan nicht sehr viel), aber mit dem Niedermachen demontieren sie doch den Verein und verhindern jegliches positives Denken der jungen Spieler.

Ich bin der Meinung das der HSV mit dieser Mannschaft nicht absteigt (ja, es wird wahrscheinlich wieder etwas eng), aber auch wenn, dann nehmen wir doch ein Beispiel an Kaiserslautern, da stehen die Fans auch beim Abstieg zu ihrer Mannschaft.
Nur so nebenbei, ich bin auch ein Fan von Eintracht Braunschweig seit irgendwo Anfang 1970, und bin ihnen auch treu geblieben von 1. Liga bis ins Dunkle und fast wieder zurück!
Herzlichen Gruß aus der Ferne, Hardy K.

Mit der Roten Karte für Petr Jiracek beschäftigt sich der folgende Beitrag:

von „papa@home”:

Man merkt manchen Schiedsrichtern finde ich sehr genau an, ob sie einem Verein gegenüber wirklich neutral gegenüber stehen oder eben (vielleicht z.T. unterbewusst, oftmals sicherlich auch total bewusst) nicht.
Bei Hr. Stark wird dieses absolut unneutrale Verhalten überdeutlich in vielen entscheidenden, aber auch kleineren, unbedeutenden Situation. Bei der roten Karte fiel auf, dass er zunächst an der oberen Brusttasche nestelte, sich dann aber rasch dafür entschied, an die Gesäßtasche zu greifen, um die rote Karte zu ziehen. Er begleitet das Zücken der Karte mit den Worten “Rot”. In seinem Gesicht ist deutlich seine Genugtuung zu erkennen als er das Wort ausspricht. Er wirkte so, als ob er nur darauf gewartet hatte, das Spiel möglichst rasch wieder in seine gewünschten Bahnen zu lenken – und da kam die Situation wie gerufen.
Auch z.B. bei dem Freistoß für den HSV durch vdV 3 min vor Schluss lässt Stark die Mauer auf gefühlten 7 m Abstand positionieren – warum tut er das wohl?
Und wer behauptet, dass diese rote Karte vertretbar war – sorry – aber der hat nun wirklich keine Ahnung vom Fußball – tut mir leid. Der Angriff war NICHT von hinten, sondern deutlich von der Seite. Der Angriff war NICHT mit gestrecktem Bein (das Kennzeichen eines gestreckten Beines ist, dass es gestreckt ist – hier war das Bein deutlich angewinkelt).
Der Spieler trifft zudem eindeutig den Ball.
Der Gegenspieler sieht Jiracek kommen und geht gleichermaßen in den Zweikampf.
Dass hier überhaupt “foul” gepfiffen wird, ist schon fragwürdig. So einen Zweikampf erleben wir in jedem Spiel zwanzig mal. Die nächste Diskussion wird garantiert über die Länge der Sperre kommen. Während Ibisevic für einen Kopfstoß lächerliche 2 Spiele Sperre erhält, wird es Jiracek für dieses harmlose Allerweltsfoul richtig treffen – da bin ich mir sicher!

von „Randnotiz“ kam zu dem brisanten Thema, ob Slobodan Rajkovic wieder in den Mannschaftskreis aufgenommen werden sollte, folgender Beitrag:

So ein Quatsch. Ihr legt euch eure Argumente so zurecht, wie es euch passt.
Was hat Magath alles mit Helmes und Diego gemacht? Und? Hat Magath sein Gesicht verloren?
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Es würde auch Größe zeigen, wenn man wieder aufeinander zugeht. Aber das können wir alle von Außen überhaupt nicht beurteilen, weil wir Null Ahnung haben, was intern tatsächlich alles gelaufen ist und wer welche Aussagen gemacht hat und welche Gespräche geführt worden.
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Fink fehlt da auch sicher die Erfahrung von Magath. Selbst Heynckes und Hitzfeld haben mal zugegeben, dass sie viele Dinge die sie damals gemacht haben, heute anders machen würden, weil einfach eine andere Erfahrung und eine Gelassenheit dazugekommen sind, die einen auch mit den Spielern besonnener umgehen lässt.
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Als das fehlt Fink noch und wenn er das nicht hinbekommt, dann muss man seine Station beim HSV sicher als Lehrjahre Bundesliga ablegen und er wird woanders reifen müssen. Aber deswegen muss dieser Trainer doch nicht demontiert werden. Die meisten Trainer starten in ihrer Karriere nicht voll durch und brauchen ein paar Anläufe.
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Ich hatte mir gewünscht, dass Fink es bei uns auf Anhieb schafft. Bisher ist er zu viele Antworten schuldig geblieben und die Zeit läuft sicher gegen ihn.

Und auf Sport 1 war heute zu lesen:

„. . . doch die Einschätzungen der Hamburger nach der 2:3-Pleite in Frankfurt gingen weit auseinander.
Sportdirektor Frank Arnesen war der Meinung: „Wir sind drei Schritte weiter.” Rückkehrer Rafael van der Vaart gestand ein: „Wir haben noch einen weiten Weg.” Und Torhüter Rene Adler sah – was die Abwehrleistung angeht – überhaupt keine Fortschritte.“

Wie eingangs geschrieben, das ist nur ein kurzes Zwischenspiel, ich werde jetzt mit dem eigentlichen Beitrag von heute beginnen. Bis dann.

15.26 Uhr

Mit zehn Mann gefightet, aber 2:3 verloren!

16. September 2012

Schlecht begonnen, sich wieder ins Spiel gekämpft, mit Petr Jiracek einen Spieler durch eine unberechtigte Rote Karte verloren, ohne den auf die Tribüne verbannten Trainer Thorsten Fink gefightet bis zum Umfallen – aber 2:3 verloren. Der HSV steht weiter auf dem vorletzten Platz der Bundesliga-Tabelle, aber die zweite Hakbzeit im Spiel bei Eintracht Frankfurt sollte Mut machen. Zehn Mann hielten das Spiel offen, zehn Mann waren von der 70. Minute an sogar besser als der Aufsteiger, aber was hilft es? Die Punkte bleiben in Hessen, der HSV kann nur darauf hoffen, dass sich eine solche Leistung in Sachen Selbstvertrauen auswirkt. Jetzt müssen die Punkte eben in den nächsten Spielen geholt werden – aber schwarz sehen muss nach diesem Spiel nun wirklich kein Hamburger. Das wird schon. da bin ich mir völlig sicher. Schon allein deswegen, weil der HSV auswärts zwei Tore erzielt hat. Da kommt doch Hoffnung auf. Und jetzt gleich “Matz-ab-Live” sehen, mit Carsten Kober und “Eiche”. Es geht nun ganz schnell los.

Zum Spiel:

Ich hatte noch das optimistisch-zuversichtliche Strahlen von Thorsten Fink im Hinterkopf, als das Spiel um 17.30 Uhr von Schiedsrichter Wolfgang Stark angepfiffen wurde. Man, wie war Fink gut drauf. Für mich hatte der HSV in Frankfurt schon am Sonnabend gegen 12.30 Uhr, beim Trainingsende, schon gewonnen. Und dann dieser Start. Nach 13. Minuten durfte der Japaner der Eintracht (ja, jeder hat heute einen, nur der HSV nicht!), Inui, ungehindert auf das HSV-Tor schießen – drin, 1:0. Michael Mancienne und Jeffrey Bruma hatten sich bemüht, Spalier zu stehen, es ist ihnen ganz gut gelungen . . .

In der 18. Minute hieß es bereits 2:0. Eine schlechte Inui-Ecke, die eigentlich harmlos und in Mehdi-Mahdavikia-Manier (flach, auf Maulwurfshügel-Höhe) zur Mitte plätscherte, flog an Bruma vorbei, Billard, Tor, der Frankfurter Occean nimmt diese Schwimmversuche der HSV-Defensive dankbar an und trifft aus fünf Metern. Armer Adler! Armer HSV!

Das sah nach Klatsche aus. Aber Heung Min Son hätte schon in der 22. Minute verkürzten können, als er frei vor Keeper Trapp auftauchte, aber scheiterte. Und Artjoms Rudnevs hatte in der 28. Minute die noch größere Chance, als er nach Marcell Jansens Eingabe frei vor dem Eintracht-Tor aufkreuzte, aber Trapp anschoss. Da hätte es sogar schon 2:2 stehen können. Da ging doch noch etwas . . .

Aber es hieß weiter 0:2. Und der HSV wirkte in der Defensive weiterhin unsicher und amateurhaft. Thorsten Fink reagierte diesmal schnell: Mancienne raus, Dennis Diekmeier auf rechts rein, Bruma zur Mitte. Besser wurde es nicht (in der Abwehr), aber das wäre wahrscheinlich auch zu viel des Guten. Immerhin gab es in der 45. Minute das Anschlusstor. Das erste HSV-Tor der Saison! Eckstoß Rafael van der Vaart, Kopfball am langen Pfosten von Rudnevs, Tor von Heiko Westermann. Da keimte doch wieder Hoffnung auf.

Die Sekunden danach schon wieder starb. Am Eintracht-Strafraum grätschte der HSV-Tscheche Petr Jiracek gegen Anderson, der Frankfurter ging auch mit langem Bein zur Sache, aber der Hamburger traf – Foul. Und dafür zog Wolfgang Stark dann Rot. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich verstehe sie wirklich nicht mehr. Das war ein Foul, aber doch nicht Rot! Niemals Rot. Ich kann verstehen, wenn man sich auf Hamburger Seite total erregte. Fink flog von der Bank (auf die Tribüne), aber es hätten viele mit ihm fliegen können – auch ich (im „Champs“ in Schnelsen sitzend) hätte eigentlich vom Platz gestellt werden müssen, so sauer war ich auf diese Fehlentscheidung. Das kann man nicht machen. So entscheidet ein Mann ein Spiel. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Wäre Anderson schneller gewesen und hätte mit seinem langen Bein Petr Jiracek getroffen, was dann? Ganz sicher nur Gelb! Man, das ist einfach unfassbar.

Allerdings lag es weniger am Schiedsrichter, wie der HSV bis zur Pause gespielt hatte, vornehmlich bis zum 0:2. Das lag einzig und allein am HSV. Zu brav, zu bieder, zu ideenlos (trotz eines Rafael van der Vaart), zu harmlos, zu körperlos. Die Eintracht ging gelegentlich hart und teilweise überhart zur Sache (Zambrano), aber so etwas hat dieser HSV nicht drauf. Zu fair, zu lasch, zu weich. Da muss auch mal, wie es Rudi Völler formulieren würde (hat er an diesem Sonnabend), auch „mal hingelangt“ werden. Regelkonform, aber damit der Gegner merkt, dass da noch einer steht, der etwas dagegen hat, dass du mit dem Ball zum und ins Tor willst . . .

Mit nur zehn Mann und ohne Trainer (Fink ja auf der Tribüne) startete der HSV in Halbzeit zwei. Und in der 52. Minute hieß es 3:1. Dennis Diekmeier leistete sich rechts draußen einen fatalen Fehlpass, in der Mitte waren sie alle ein wenig unsortiert – Meier bediente Aigner, der hob den Ball über Rene Adler ins HSV-Tor. Die Entscheidung?

Der HSV in Unterzahl nicht auf. Es wurde gekämpft, gelaufen, gefightet nach allen Regeln der Kunst. Das war, ganz klar, schön zu sehen. Darauf, auf diese schwierige Phase, wird der HSV aufbauen können. Plötzlich zogen alle an einem Strang, keiner gab einen Ball verloren, sie wehrten sich, wie wollten noch etwas zeigen, sie hatten Biss. Warum nicht von Anfang an, das muss man schon mal fragen dürfen?

Nach einer Balleroberung von van der Vaart, der den Ball eigentlich auf Rudnevs spielen wollte, dann aber Son bediente, stand es nur noch 2:3. Son kann es ja doch noch. Der umkurvte Trapp und schob die Kugel ein. Da ging doch noch etwas! Oder?

Diekmeier hatte das 3:3 frei vor Trapp stehend auf dem rechten Fuß, aber er scheiterte an Trapp. Das war fast ein Elfmeter. Und irgendwie auch ein wenig Pech (nicht nur Unvermögen), der Keeper hielt riesig. Aber das hätte der Ausgleich sein müssen, ganz klar.

Adler tut mir nur noch Leid. Ganz ehrlich. Wo ist er mit seinem Wechsel zum HSV nur hineingeraten?

Bruma war schwach, rechts und später in der Mitte. Weil er wieder einige Aussetzer hatte, die man in der Bundesliga eigentlich nicht haben darf.

Mancienne war leider von Beginn an überfordert. Das war C-Jugend-Fußball, oder eine Art Begleitschutz ohne Körperkontakt. Mal ehrlich, welcher Stürmer blüht bei einer solch nett-niedlichen Betreuung nicht auf? Wer so zart besaitet zur Sache geht, der darf sich nicht wundern, wenn man am Nasenring durch den Strafraum geführt wird.

Diekmeier kam in der 33. Minute für Mancienne und hätte der HSV-Held werden können. Wenn er nicht den Fehlpass vor dem 1:3 gespielt hätte, und wenn er seine Hundertprozentige in der 73. Minute genutzt hätte. So wurde es wieder nur ein bitterer Abend für ihn.

Westermann hinten und vorne, gab wieder einmal alles – ein Vorbild und diesmal auch Torschütze.

Lam fiel nicht ab. Er war in Karlsruhe, bei seinem Debüt als Verteidiger schwach, diesmal machte er seine Sache wesentlich besser. Obwohl es da noch Luft nach oben gibt. Aber es könnte noch werden.

Badelj lief viel, ohne aber die spektakulären Dinge zu produzieren. Das aber wäre wohl auch ein wenig zu viel verlangt, für sein zweites Bundesliga-Spiel. Aber der Kroate kommt noch.

Jiracek kämpfte, riss sich den Hintern auf, machte sicherlich auch Fehler, aber insgesamt eine Verstärkung. Bis zu seiner Roten Karte, die keine war.

Son war eine Halbzeit lang so gut wie nicht zu sehen, dann ließ er sich von allen mitreißen – und schoss endlich mal ein Tor.

Van der Vaart brauchte eine lange Zeit, um sich wieder einzubringen, dann hatte er endlich jene Szenen, auf die ganz Hamburg für die Zukunft setzt. Für das erste Mal war das wirklich ganz okay, der Niederländer gehörte ganz sicher zu den auffalligen Spielern auf Hamburger Seite.

Jansen war von Beginn an eine Stütze, fiel aber einige Male zu lange nicht auf. Legte er da Kunstpausen ein? Ansonsten aber ganz sicher einer der besseren Hamburger.

Rudnevs bewegte sich gut, war ständig um Gefahr für die Hessen bemüht, und wenn er denn mal treffen sollte, dann könnte es auch noch etwas werden mit ihm. Er braucht nur mal ein Tor – die Chancen dazu hat er meistens. In der 66. Kam Beister für ihn.

Beister blieb von dieser 66. Minuten an total unauffällig.

Jetzt muss der HSV eben am Sonnabend versuchen, dem Meister ein Bein zu stellen. Dann wohl wieder mit elf Mann.

Nicht verzagen. Da geht noch etwas.

So, wer immer noch nicht genug hat von der Soap-Opera Kühne, Geld und van der Vaart. Hier der neueste Erguss medialer Art, über den die „dpa“ berichtet:

Der Hamburger SV beginnt nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erst 2016 mit der Rückzahlung
des Darlehens für Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart. Milliardär
Klaus-Michael Kühne hat dem Fußball-Bundesligisten bekanntlich den
Großteil der Kaufsumme als Darlehen zur Verfügung gestellt. Die Zeitung
beziffert die Transfersumme auf 12,5 Millionen Euro. Davon soll Kühne
acht Millionen Euro übernommen haben, heißt es. Der Zinssatz soll unter fünf Prozent liegen.

Ob Kühne sich auch am Gehalt für den Niederländer beteiligt, dass bis
zu 3,5 Millionen Euro im Jahr betragen soll, blieb offen. Das Vermögen des in der Schweiz lebenden 75 Jahre alten Logistik-Unternehmers wird auf 7,8 Milliarden Euro geschätzt. Bereits vor zwei Jahren hatte Kühne dem HSV 12,5 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung gestellt. Dafür hatte er sich Transferrechte an sechs Profis gutschreiben lassen. Das Geschäft bezeichnete er in der „Welt am Sonntag“ als Flop (dpa).

Dann gab es noch diese Agentur-Meldung über den „kleinen Dribbelkünstler“. Ich will euch nicht „hochbringen“, ich möchte eigentlich nur ganz neutral berichten:

„Das Ramon Sanchez Pizjuan hat vor Freude gequietscht“, schrieb die
Zeitung Diario de Sevilla über die Stimmung im Stadion nach jener 69.
Sekunde, in der Piotr Trochowski all das widerlegen wollte, was ihm in seiner Karriere vorgeworfen worden war: Phlegma, mangelnde Torgefahr, Versagen gegen große Gegner. Nach dem ersten Eckball der Partie nahm er Anlauf, zimmerte den Ball in den Winkel, und während Reals Torwart-Ikone Iker Casillas fassungslos wie selten drein schaute, war Trochowski schon per Flickflack auf dem Weg in Richtung Eckfahne. „Das Wichtigste ist der Sieg gewesen“, gab Trochowski bescheiden zu Protokoll, „ich will nie verlieren, vor allem nicht vor unseren fantastischen Fans.“ Die hatten bislang nicht wirklich viel vom ehemaligen
Hamburger gehalten. Spielzeit hatte Trochowski seit seinem Wechsel im
Sommer 2011 reichlich bekommen, das Real-Match war sein 39. Liga-Einsatz
von 42 möglichen, die meisten in der Startelf. Der Treffer am Samstag
indes war erst sein zweiter, zu oft gab Trochowski den Mitläufer. Doch
seit er sich zumindest öffentlich nicht mehr mit dem Thema
Nationalmannschaft beschäftigt, blüht er im Klub auf.“

So, um noch einmal das Thema auf Ruhe total zu bringen. Es gab auch noch diese Mail an mich, die ich gerne mal veröffentliche:

Sehr geehrter Herr Matz,

ich bin mir bei der Mail-Adresse unsicher, da ich mich erinnere, dass
sie erst letztens die Adresse für Fragen/Kritiken/Anmerkungen
angehängt haben, aber ich hoffe trotzdem, dass ich in ihrem Computer
lande.

In ihrem heutigen Blog beschrieben sie den FCA als „Abstiegskandidat
Nummer eins”. Ich bin kein Augsburg-Fan oder -Sympathisant, aber ich
empfinde dies sehr unfair von ihnen, da wir als HSV-Anhänger gemerkt
haben, wie ungerecht dieses Abstempeln ist. Neben den moralischen Aspekt finde ich auch, dass der FC Augsburg durchaus in der Lage ist, die Klasse zu halten, dies haben sie ja auch letztes Jahr schon
bewiesen.

Dann haben sie auch noch geschrieben, dass sich der HSV”[…] einen solchen kleinen Japaner […] doch auch einmal einfangen [könnte].”
Ich meine: Nein, das schafft er nicht. Kiyotake wurde vom FCN gründlich gescoutet und günstig gekauft. Der „Glubb” hat ein weiteres mal Auge
bewiesen und einen sehr guten Transfer getätigt. Warum? Weil er es
muss, weil sie sich nicht erlauben können, einen Flop zu landen, und
genau da liegt der Unterschied. Während dies beim HSV noch verschmerzbar ist, und ich denke da an Skjelbred, wenn ein Spieler
nicht einschlägt, ist dies bei den kleineren Vereinen nicht möglich.

Außerdem hat Nürnberg mit Martin Bader einen ausgezeichneten
Sportdirektor, den eines von Arnesen (und dies ist keine negative
Kritik an Arnesen, sondern positive an Bader) unterscheidet: Er hat
Ahnung vom Verein, er kennt sich aus, weiß was er machen muss, kennt
die finanziellen Mittel genau und denkt (deshalb) in kleineren
Dimensionen. Das ganze kann man darin begründen, dass der ganze Verein kleiner ist und man sich deswegen einfach besser kennt.

Zum Schluss habe ich noch eine Frage zum Training des HSV. Sie haben
schon des öfteren die Übung „Fünf gegen zwei” („Eggla”gennant)
beschrieben. Ist der Raum dabei begrenzt? Wenn ja, wie? Wie viele
Ballberührungen sind erlaubt? Und wann wird die Übung durchgeführt?

Ich spiele seit vielen Jahren Fußball und kenne diese schöne Übung als Aufwärmübung, allerdings mit vier Spielern außen und einem in der
Mitte. Der Raum ist mit Hütchen auf ca 5x5m begrenzt, wobei jeder
Spieler eine Seite des Quadrats bearbeitet. Der Spieler in der Mitte
muss eine „Doppelrunde” absolvieren, wenn er getunnelt wird oder der
es mehr als 20 Ballkontakte gab, ohne dass der Spieler in der Mitte
ihn berührt hat. Es muss direkt gespielt werden. Eine lustige Beigabe ist die Sonderregel „ammal döffa” (fränkisch – hochdeutsch „einmal darf er”) was soviel bedeutet, dass der Ball einmal außerhalb des abgesteckten Spielfelds aufkommen darf, was meist zur Folge hat, dass er wieder hoch in das Feld reingedroschen wird, bevor 4 Leute zum Kopfball hochgehen. Deswegen meine Neugier um diese Übung.
Viele Grüße aus Nürnberg, Maximilian G.

So, die letzte Passage habe ich extra drin gelassen, um mal die schöne Seite des Fußballs zu Wort kommen zu lassen. Und damit sich der eine oder andere doch ein wenig abreagieren kann.

Einen schönen Abend noch für euch! Macht was draus!

19.31 Uhr

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