Monatsarchiv für September 2012

Fink: “Marcell redet manchmal etwas schnell – und etwas viel”

27. September 2012

Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht, dass es nur zu einem Punkt in Mönchengladbach gereicht hat. Ich habe selten so überlegen geführte Partien des HSV gesehen. Und ich habe selten so viele potenzielle Großchancen. Denn neben den beiden Toren und dem Elfmeter hatte der HSV gefühlte 100 Konterchancen gegen überfordert wirkenden Gladbacher. Es fehlte leider immer der finale Pass. Arslan versuchte sein ansonsten sehr gutes Spiel mit einem Traumpass in die Tiefe zu vergolden und scheiterte mehrfach. Am schlimmsten erwischte es letztlich Ivo Ilicevic, der offensiv viele gute Szenen hatte und auch bei den Kontern bis zum letzten Pass alles richtig machte. „Wir haben gekontert wie die Amateure“, schimpfte Marcell Jansen direkt nach der Partie. Wobei Jansen einfach nur anprangern wollte, wie fahrlässig der HSV mit potenziell guten Chancen gerade bei Kontern umgegangen war. Und damit hatte er Recht, wie ich finde, auch wenn Fink alles ein wenig relativierte: „Wir haben unsere Konter nicht zum Abschluss gebracht. Aber ich teile nicht, dass das amateurhaft war. Auch wenn wir die Möglichkeiten noch mehr nutzen müssen – ich glaube, nach dem Spiel rutscht es einem Spieler schon mal raus.“ Vor allem Marcell Jansen, der sogar von einer gefühlten 0:6-Niederlage sprach. Fink über die Äußerungen seines wortstarken Linksverteidigers mit einem Schmunzeln: „Marcell redet manchmal etwas viel – und etwas schnell…“

Dass es nicht zum Tor reichte, wäre allerdings auch nicht so schlimm gewesen, hätte der HSV das 2:1 über die Zeit gerettet. So aber fingen sich Rafael van der Vaart und Co. trotz eines fast durchgehend souverän geführten Spiels nach einem völlig überflüssigen Foul von Ilicevic noch das 2:2 und verschenkten damit zwei sicher geglaubte und eigentlich auch verdiente Punkte. Wobei dieses Tor leicht zu verhindern gewesen wäre, ohne Ilicevic-Foul – und von Marcus Berg. Der Schwede, der für mich unverständlicherweise für den gestern guten Rudnevs (dazu später mehr) gekommen war, ließ seinem Gegenspieler im Sechzehner mehr Raum als mir in meiner eigenen Wohnung zur Verfügung steht. „Ich verstehe nicht, wie man seinen Mann so laufen lassen kann“, schimpfte Kapitän Heiko Westermann nach dem Spiel eindeutig in Richtung Berg, der sich schon unmittelbar nach der kritisierten Szene einige sehr harte Worte von Torhüter Rene Adler gefallen lassen musste. „Beim zweiten Standard muss jemand dabei sein. Es gab eine klare Einteilung und derjenige muss eigentlich beim Mann bleiben“, bemängelte Fink das fehlende Stören Bergs, ohne dessen Namen auszusprechen. „Ich mache hier keine Einzelkritik, sondern werde mit ihm sprechen.”

Berg ist vielleicht der einzige – zumindest aber der größte Verlierer. Und ganz ehrlich, ich will Berg hier auch nicht in Schutz nehmen. Dafür hatte er einfach schon zu viele Chancen. Allerdings halte ich dem sensiblen Angreifer zugute, dass er unmittelbar vor Saisonbeginn noch mal gesagt bekommen hatte, dass er gehen könne bei einem passenden Angebot. Das ist für jeden Profi hart. Zumal auch Berg mitbekommen haben dürfte, dass der HSV gern noch einen Angreifer holen wollte und weiterhin holen will. Alles das dürfte an ihm nagen, ihn ablenken und seine unmotiviert wirkende Körpersprache erklären – allerdings nicht entschuldigen. Denn, und da lege ich mich fest, Berg hätte ebenso wie der HSV die Reißleine ziehen können. Oder besser: Er hätte sie ziehen müssen. Genau so, wie er sich jetzt zusammenreißen und in den Dienst der Mannschaft stellen muss, ohne sich selbst sowie sein eigenes Schicksal zu bedauern.

Ein gutes Beispiel, wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Negativsog ziehen kann, ist Artjoms Rudnevs. Der erste lettische Bundesliga-Torschütze belohnte sich gegen Gladbach für ein mal wieder sehr laufintensives Spiel. 10,11 Kilometer lief der bullige HSV-Angreifer – in 77 Minuten. Ich bin mir sicher, dass die Nummer Zehn des HSV in den verbliebenen 13 Minuten noch mindestens zwei Kilometer gemacht hätte und sich somit in die Top-Drei des HSV in Sachen „zurückgelegte Distanz“ katapultiert hätte. Das wiederum ist besonders beachtenswert, weil Rudnevs seine Kilometer in einem durchschnittlich deutlich höheren Tempo als ein Mittelfeldspieler zurücklegt. Aber okay, genug Statistik. Das nächste Spiel steht an. Mit Rudnevs, den Fink lobte: „Dass er sich viele Chancen erarbeitet, ist seine Stärke. Er ist schnell und unbequem, verfügt über einen tollen Teamgeist und hat ein schönes Tor gemacht. Und es ist ja oft so, dass Stürmer nach ihrem ersten Treffer im nächsten Spiel wieder treffen…“

Schon deshalb will Fink mal wieder versuchen, wenig zu verändern. Am besten nichts. „Ich werde nur umstellen, wenn einer nicht 100 Prozent fit ist“, so der Trainer, dem am Sonnabend gegen Hannover sicher wieder Petr Jiracek und eventuell wieder Jeffrey Bruma zur Verfügung stehen. Insbesondere Erstgenannter hatte überzeugt, bis Schiri Stark eine Idee hatte und ihn in Frankfurt für ein gelbwürdiges Foul überhart mit Rot (was bitte hätte denn dann Xhaka gestern bei seinem gestreckten Bein gegen Adler bekommen sollen???) abstrafte. „Jiracek ist ein guter Fußballer“, lobt Arslan, der die Position des Tschechen in Gladbach gut (für sehr gut fehlte der finale Pass) vertrat und seinerseits Ansprüche anmeldet: „Ich kann viele Positionen spielen – aber Jiracek kann auch außen spielen“, so Arslan, „ich glaube auch nicht, dass ich gegen Hannover wieder auf die Bank muss.“

Ganz sicher dabei sein dürfte Milan Badelj. Der Dauerläufer (12,95 Kilometer waren der absolute Topwert des Spiels), der zusammen mit Ivo Ilicevic für die beiden Qualifikationsspiele der kroatischen Nationalmannschaft zur WM 2014 gegen Mazedonien (12.10.) und auf Wales (16.10) nominiert wurde, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Mit einer Bärenruhe reißt der technisch versierte Mittelfeldmann seine Kilometer mit maximal 26,4 Kmh (unterer Durchschnitt) ab. Und das so passsicher wie lange keiner mehr beim HSV! Sagenhafte 60 von 61 Pässen des Neuzugangs kamen an. Das sind 98,33 Prozent „angekommene Pässe“. Unfassbar, da es auch nicht nur Dreimeterpässe waren, sondern unter anderen auch die schöne Flanke zum 2:1 von Rudnevs. „Man sieht, dass wir da einen guten Mann gekauft haben“, sagt Fink, „Milan kann das Spiel lesen und sein Puls geht scheinbar nie hoch.“ Stimmt. Und das ist auch gut so. Badelj ist das Gehirn im Mittelfeld. Wie sagte Dietmar Beiersdorfer einst so treffend (damals über Atouba): „Er versteckt sich nie und stellt so immer eine Lösung für seine Mitspieler dar.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dann wird Dieter Euch darüber informieren, wer am Sonnabend im Vorfeld der 125-Jahr-Gala (es gibt noch rund 1000 Tickets) gegen den kleinen (aber stetig wachsenden) HSV aus Niedersachsen von Beginn an aufläuft. Und dass wir hier wieder darüber diskutieren können, wer am besten helfen kann ist sehr, sehr positiv. Denn das Schlimmste an der vergangenen Saison war doch, dass wir beim Zusammenstellen unserer Wunschstartelf danach entschieden haben, wer der Mannschaft am wenigsten schadet… Ergo: es geht aufwärts. Fink nannte das Spiel in Gladbach „das beste Spiel, seit ich da bin“. Und ich stimme dem zu. Auch wenn das alles sehr relativ ist. Denn bei aller Freude über den Sieg gegen Dortmund und das gute Spiel in Gladbach – der Weg ist noch weit. Und hoffentlich gerade erst beschritten worden…

Scholle

P.S.: Aus gegebenem Anlass wollte ich noch mal ganz kurz eine Diskussion widergeben, die ich mitbekommen habe. Hauptdarsteller ist ein sehr guter Bekannter von mir (St.-Pauli-Fan) und sein Arbeitskollege (HSV-Fan). Mein Bekannter erwehrte sich dabei der Forderung des Kollegen, dass Ilicevic zum Schiedsrichter hätte gehen müssen, um zu sagen, dass es kein Foul und somit kein Elfer war. Denn so wäre Stranzl (wurde für ein Spiel gesperrt) nicht mit Rot vom Platz gegangen.

Soweit so gut. Fair wäre es. Insofern bislang keine Einwände.

Aber als der Kollege auch noch Stranzl als gutes Beispiel zitierte, da dieser ja nach dem Spiel auch zugegeben hätte, dass sein Treffer irregulär war, musste ich einschreiten. Denn: was bringt es der Welt NACH dem Spiel? Hätte Stranzl wirklich diesen außergewöhnlichen Drang zur Ehrlichkeit, hätte er es im Spiel machen müssen. Und, damit Ihr mich nicht falsch versteht: ich fordere nicht, dass jedes Aufstützen, jedes Zupfen etc. beim Schiri per Selbstanzeige gemeldet wird. Es ist auch gut, dass er es zugibt. Aber in dem Moment zählt das Tor schon – da ist es auch leicht und hält dem eben erwähnten Vergleich leider absolut nicht Stand. Anders gestaltet sich das Beispiel Miroslav Klose, der für Lazio beim Stand von 0:0 seinen Handtreffer beim Schiedsrichter anmeldete, obwohl der das Tor gegeben hatte. Dabei hatte der Schiedsrichter nicht einmal gefragt. Bitter dabei nur: Lazio verlor letztlich mit 0:3 – aber die Römer feierten Klose als kleinen Helden…

2:2 – der HSV verschenkt zwei Punkte

26. September 2012

Welch ein Pech. Welch ein verdammtes Pech! 2:2 in Mönchengladbach, aber der HSV hätte der Sieger sein müssen, stand vor dem ersten Auswärtserfolg der Saison – und wurde in der 91. Minute eiskalt bestraft. Ein ganz bitterer Abend nach einem Klasse-Spiel. Rafael van der Vaart, der den HSV mit 1:0 in Führung geschossen hatte, schoss einen Foulelfmeter in der 55. Minute an den Pfosten – es wäre wohl die Entscheidung gewesen. Der HSV macht durch diesen Auswärtspunkt einen kleinen Schritt nach oben, von Platz 15 auf Platz 14. Aber das, was der HSV jetzt spielt, das ist Fußball. Dieser HSV wird mit dem Abstieg schon sehr bald nichts mehr zu tun haben, ganz sicher. Weil man so viel Pech ja nicht immer haben kann.

Bevor ich zum Spiel komme: „Scholle“ und ich sitzen im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), unser heutiger Gast ist Lotto King Karl, und wir werden jetzt in wenigen Minuten live auf Sendung mit „Matz ab live“ sein. Wir hoffen sehr, dass ihr alle einschalten werdet.

Zum Spiel:

Der HSV begann mit der „Dortmund-Elf“. Ein gutes Omen. Doch in den ersten Minuten drängte Mönchengladbach. Die Borussen hatten sich offenbar viel vorgenommen, wollten den HSV gleich unter Druck setzen – doch am Hamburger Strafraum war meistens Endstation für die quirligen „Fohlen“. Der HSV-VDV ist nicht mehr mit dem HSV der ersten Bundesliga-Spieltage zu vergleichen. Die Mannschaft lässt sich durch einen kleinen Sturm nicht gleich umwerfen, sie hält dagegen. Mit großem Selbstvertrauen. Das ist wirklich schön zu sehen. Was ein Mann doch so ausmacht – hat „uns Scholle“ zum neuen HSV gesagt. Und dieser Mann heißt Rafael van der Vaart. Er hat allen neues und frisches Leben eingehaucht, jeder einzelne HSV-Spieler tritt jetzt ganz anders auf, als noch vor Wochen, als das Team sieglos war und auch schon ein wenig hoffnungslos.

Die erste Chance des Spiels hatten die Gladbacher. De Jong, nicht verwandt und nicht verschwägert, spitzelte den Ball aus 14 Metern knapp am HSV-Tor vorbei (9.). 120 Sekunden später hatte der HSV seine Möglichkeit. Artjoms Rudnevs stand frei vor Keeper ter Stegen, wurde aber zu weit nach rechts abgetrieben, sodass der Gladbacher den Winkel verkürzen konnte – kein Vorwurf an Rudnevs, den konnte er nicht mehr ins Tor bekommen.

Aber diese Szene machte der gesamten Hamburger Truppe noch mehr Mut – auch für offensive Aktionen. Bei Gladbach schlichen sich vermehrt Abspielfehler ein, am Rande tobte Trainer Favre, doch der HSV bekam das Geschehen von Minute zu Minute mehr und besser in den Griff. Und ging in der 23. Minute in Führung. Ein herrlicher Treffer, ein“ Tor des Monats“ – ein Traum von Tor: Abschlag Rene Adler, an der Mittellinie verlängerte Heiko Westermann per Kopf (in einem engen Duell!) zu van der Vaart, und der machte mit der Kugel etwas ganz Ausgefallenes. Er schoss den Ball von der Linksaußen-Position in den hinteren Winkel. Das sah in etwa so aus, wie das Dortmunder Tor am Sonnabend von Perisic, als dieser flanken wollte – und er Ball in die lange Ecke flog. So ähnlich sah auch dieses 1:0 aus – nur dass van der Vaart dieses Tor ganz genau so schießen wollte – sein 30. Bundesliga-Treffer. Wie gesagt, ein Traum! Und auch die verdiente Führung.

Der HSV bestimmte danach den Rhythmus des Spiels, hielt die Kugel gekonnt in den eigenen Reihen, wenn es nötig war, und spielte nach vorne, wenn sich die Räume dazu boten. So sieht Fußball aus. Da wurde nicht mehr quer, quer und zurück gespielt, sondern auch entschlossen und schnell nach vorne. Und es hätte alles so schön sein können, hätte nicht Schiedsrichter Deniz Aytekin gleich zweimal einen totalen Blackout gehabt. Erst „übersah“ er ein klares Foul von de Jong an Heiko Westermann, denn der Gladbacher sprang den HSV-Kapitän im Fünfmeterraum eindeutig um. Ein klareres Foul gibt es nicht – aber Aytekin gab Eckstoß für Mönchengladbach. Und diesen schoss Nordtveit zur Mitte – wieder stand Westermann im Mittelpunkt. Stranzl stützte sich bei seinem Kopfballtor so was von klar auf, dass es ein Lehrbeispiel werden könnte (oder auch vielleicht wird), wie man es als Unparteiischer nicht machen soll. Aber das Tor zählte, obwohl diese beiden Entscheidungen eigentlich skandalös waren – 1:1. Stranzl gab nach dem Spiel zu, dass sein Treffer irregulär war – aber was hilft es?

Ein Tor aus dem Nichts – und irgendwie auch unverdient. Aber dabei blieb es nicht. Sekunden vor dem Pausenpfiff die erneute Hamburger Führung: Klasse-Flanke vom Klasse-Fußballer Milan Badelj, und Kopfball von Artjoms Rudnevs. Aus vier Metern köpft der Lette das 2:1 und sein erstes Bundesliga-Tor. Zum Glück hatte Trainer Thorsten Fink den Stürmer im Team gelassen, obwohl der Coach auch ein wenig damit geliebäugelt hatte, Maxi Beister rechts und Heung Min Son in der Mitte zu bringen. Fink tat es nicht, und er tat gut daran. Wobei wir uns im „Champs“ gleich über Rudnevs unterhielten, und „Scholle“ wusste: „Der Junge ist unheimlich beliebt in der Mannschaft, den mögen alle.“

Und er wird wohl auch kommen. Sein Tor wird ihm Auftrieb geben, noch mehr – und er erarbeitet sich diese Form ja auch durch seinen Fleiß und durch seinen enormen Einsatz. Ein Beispiel: In der 21. Minute attackierte Rudnevs den Gladbacher Torwart an dessen Fünfmeterraum – auch ein Traum. Der HSV setzt nach, der HSV geht jedem Ball hinterher, der HSV kämpft und gibt alles, setzt den Gegner sogar in dessen Hälfte und sogar im dessen Strafraum unter Druck. Super.

Der zweite Durchgang begann dann mit einem Paukenschlag. Ivo Ilicevic dringt in der 53. Minute in der MG-Strafraum ein, Stranzl kommt mit dem langen Bein, der HSV-Spieler springt hoch und geht zu Boden – Elfmeter. Und Stranzl sieht noch Rot. Das roch stark nach Konzessions-Entscheidung. Es gab Rudelbildung, Torwart ter Stegen stellte sich, als van der Vaart schießen wollte, drei Meter vor das Tor – das alles kostete Zeit. Und wohl auch Nerven. Van der Vaart schoss den Ball in der 55. Minute an den Pfosten, die mögliche Vorentscheidung war vertan. Schade, schade.

Gladbach fortan nur noch zu zehnt, der HSV hielt den ball, vergab aber einige Konteransätze durch zu ungenaues Abspiel. So baut man einen müden Gegner eigentlich wieder auf, aber diesmal nicht. Der HSV war eindeutig Chef im Ring. Gladbach hatte nur noch eine große Chance, als ein Freistoß von Arango knapp am HSV-Tor vorbeisegelte (76.) – das war Glück, wer weiß, ob Rene Adler den gehalten hätte?

Der HSV war auf der Siegerstraße, ganz klar, es ging nur um die Höhe des Erfolges. Zu viele Konter aber wurden vergeben – leichtfertig. Und das rächte sich bitter. In der Nachspielzeit köpfte Dominguez nach einem Arango-Freistoß (Foul von Ilicevic) das nicht mehr für möglich gehaltene 2:2. Welch ein Pech! So ungerecht kann Fußball sein. Der HSV verschenkt seinen Sieg.

Die Einzelkriktik:

Rene Adler spielte absolut souverän, am Gegentor gab es nichts zu halten – auf ihn ist nicht nur Verlass, die Mitspieler verlassen sich auch auf ihn. Eine großartige Verstärkung für den HSV, man kann es nicht oft genug wiederholen.

Dennis Diekmeier bot eine solide Partie, ohne jeden Kompromiss, er spielte „Karo einfach“ – und das war zweckmäßig und gut.

Michael Mancienne knüpfte an die starke Leistung aus dem Dortmund-Spiel nahtlos an, er hing wie eine Klette an seinen Gegenspielern – er hat seine Chance (durch Brumas Verletzung) genutzt. Stark.

Heiko Westermann war wieder Dreh- und Angelpunkt in der Defensive, er ist aus dieser (nun erfolgreichen) Mannschaft nicht mehr wegzudenken, er ist ein Mann, der stets 100 Prozent gibt – ein Vorbild. Großartig.

Marcell Jansen hat seinen dritten Frühling zufassen. Es ist unfassbar, wie er sich oft mit Haut und Haaren in die Aktionen des Gegners wirft, wie er grätscht, wie er rennt und sprintet. Note zwei.

Milan Badelj ist ein ebenso großer Gewinn wie Adler für den HSV. Ein ganz feiner Fußballer und mit einem guten Auge.

Tolgay Arslan imponiert mir immer mehr – muss ich schon sagen. Wie er seine Defensivarbeiten erledigt, das ist schon spitze. Er hat bewiesen, dass er eine Alternative ist – aber nun kommt ja Petr Jiracek wieder.

Heung Min Son nicht ganz so spektakulär wie gegen Dortmund, dennoch auf dem aufsteigenden Ast. Das war okay.

Rafael van der Vaart war der Regisseur, er bracht Linie und Ordnung in das Spiel seiner Mannschaft – hervorragend.

Ivo Ilicevic scheint zu kommen, er hatte viele gute Szenen, Szenen, die er vor Wochen nie hatte – nun lässt er sich offenbar anstecken und mitreißen – zum Wohle des HSV.

Artjoms Rudnevs überzeugte (bis zur 77. Minute, dann kam Marcus berg für ihn) durch seinen Einsatz und glänzte durch sein Tor. Immer eine Gefahr für das Gladbacher Tor. Jetzt wird er kommen! Und zwar ganz stark.

In der 89. Minute kam Jacopo Sala für van der Vaart, und in der 91. Minute kam Maxi Beister für Ilicevic.

22.08 Uhr

Mit ‘ner Menge Optimismus im Gepäck nach Gladbach

25. September 2012

Oha, da is was schief gegangen. Ich dachte, ich hätte den Blog längst online gestellt, bis mich Wortspieler ( danke!!!) aufmerksam machte, dass dem nicht so ist. Entschuldigt bitte! Das passiert mir sicher nicht noch mal!!! Der Blog:

Die Mission „Sieg vergolden“ nimmt Fahrt auf. Fast 90 Minuten wurde heute trainiert, bevor es nach Mönchengladbach ging. Und dabei kristallisierte sich nicht nur ein identischer Kader sondern auch die gleiche Aufstellung wie beim Dortmund-Spiel heraus. „Ich will nicht viel verändern“, hatte Trainer Thorsten Fink angekündigt – und seine Ankündigung jetzt umgesetzt. Gegen Mönchengladbach am Mittwochabend wird die gleiche Startelf auflaufen wie beim 3:2 gegen Dortmund. Auch den Gedanken, in der Spitze etwas zu verändern, hat Fink inzwischen verworfen.

Unverändert lasen könnten wir gern auch die Quote von Heung Min Son. Der Südkoreaner hatte zuletzt doppelt getroffen – und würde das gern wiederholen. „Ich werde auf jeden Fall gegen Gladbach die selben Schuhe tragen wie am Sonnabend“, erzählt Son und der Pressemitarbeiter des HSV (sind bei unseren Runden immer dabei) fragt (berechtigt) nach: „Obwohl Du so oft gerutscht bist gegen Dortmund?“ Sons eindeutige Antwort: „Egal, wie die Witterung morgen ist – es werden die selben silber-orangenen Schuhe sein, die ich beim wichtigen Sieg gegen Dortmund anhatte. Sie haben mir und uns Glück gebracht.“

Nun denn, hoffen wir mal, dass es in Mönchengladbach nicht so viel regnet wie hier bei uns. Denn dann könnte auch der leichtfüßige Son Standprobleme haben. Sogar noch mehr als gegen den BVB. Wobei sich mir die Frage stellte, wie oft Son denn seine Schuhe wechselt? „Immer wieder mal“, so der Südkoreaner, der dann aber nachschob: „Ich schmeiße die gebrauchten Schuhe ja nicht weg sondern nutze sie nach einer gewissen Zeit wieder.“ Eben dann, wenn es ihm sein Aberglaube erlaubt.

Erlaubt ist vor dem Duell bei Mönchengladbach auch eine gewisse Portion Optimismus. Schon allein der Kampfgeist aus dem Dortmund-Spiel, den wir in der Form lange nicht sehen durften, stimmt mich positiv. Zudem das Glücksgefühl des Sieges – eigentlich beste Voraussetzungen. „Das stimmt“, sagt Rafael van der Vaart, „wir wissen, dass wir jeden schlagen können, wenn wir an unsere Grenzen gehen. Und wie das geht, haben wir ja gegen Dortmund gezeigt.“

Die personifizierte Hoffnung aus den Niederlanden wird in Gladbach im Zentrum wieder von Milan Badelj und Tolgay Arslan unterstützt. „Beide haben sehr gut gespielt“, lobt van der Vaart. Sehr zur Freude des jungen Arslan, der vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Mit einem nagelneuen Rasierer von Media Markt bewaffnet, trat der Mittelfeldmann seine Dienstreise an. Vorher konnten wir auf dem Parkplatz ein paar Worte mit ihm sprechen. „Wir wollen und müssen das Dortmund-Spiel in Gladbach bestätigen“, so Arslan, während seine Freundin im Auto auf eine angemessene Verabschiedung ihres Liebsten wartet. Er selbst freue sich über und auf seine neue Aufgabe. „Ich muss defensiv sicher noch ein wenig dazulernen und sollte gegen Dortmund eigentlich mehr vor Badelj spielen, aber das Spiel hat sich so ergeben. Und wir haben es – glaube ich – auch ganz gut so gelöst.“ Sogar so gut, dass Arslan daran glaubt, sich seinen Platz auf der Doppel-Sechs erkämpfen zu können. „Ich glaube nicht, dass ich wieder raus muss, wenn Petr Jiracek am Sonnabend gegen Hannover wiederkommt.“ Im Gegenteil: statt selbst weichen zu müssen, glaubt Arslan daran, dass der tschechische Nationalspieler eine andere Position spielen könnte. „Er kann auch außen spielen.“ Das nenne ich mal selbstbewusst. Und solange Arslan seine Aussagen mit Leistung garniert, ist das auch völlig okay.

Gegen Dortmund ist der HSV erstmals in dieser Saison in einem Spiel über 120 Kilometer gelaufen. Genau genommen waren es 120,4. „Ehrlich?“, so die erstaunte wie erfreute Reaktion von Arslan, der nach Badelj (12,37 Kilometer) mit 11,65 Kilometern der HSVer mit der größten Distanz im Spiel war. Dass der HSV fast alle statistischen Werte gegenüber dem BVB verliert – okay. Die Statistik der Ballkontakte erklärt, warum der HSV trotzdem gewinnen konnte. Denn hier ist nach Badelj (67) und Marcell Jansen (58) Torhüter Rene Adler mit 57 Ballkontakten der HSVer mit den drittmeisten Ballkontakten. Und was Adler am Wochenende gehalten hatte, ist hier hinlänglich bekannt…

Auch wenn ich weiß, dass hier die Diskussion „Beister vs. Son in der Startelf“ oftmals sehr hitzig diskutiert wird, muss ich diesbezüglich heute mal klar Stellung beziehen. Ich persönlich würde mich am meisten über BEIDE in der Startelf freuen. Immerhin gelten beide als die Art Talent, auf die der HSV die nächsten Jahre setzen will. Dennoch kann man Trainer Fink aktuell keinen Vorwurf machen, weil er nicht auf Beister setzt. Denn Beister, so gern ich ihn und vor allem seine eigentlich freche Spielart mag, ist momentan leider nicht in Form. Insofern sollten wir die Diskussion, ob Beister besser als Son wäre, abwandeln und uns fragen, weshalb Beister die nötige Leichtigkeit fehlt.

Allerdings werde ich mich diesbezüglich heute, einen Tag vor dem wichtigen Spiel in Gladbach, nicht auslassen. Son spielt – und das hat er sich gegen Dortmund verdient. Zumal ich glaube, dass Son mit seinem Tempo eine gute Ergänzung zu van der Vaart Passgeberqualitäten ist. „Ich glaube, wir verstehen uns ganz gut“, sagt Son, „er ist ein super Spieler, ein super Typ und einer, der gerade uns jungen Spielern viel helfen kann und will.“ Dass Son nach van Nistelrooy nun mit van der Vaart erneut von einem Niederländer auf dem Platz profitiert, freut Son. Er hat sogar einen Verdacht: „Vielleicht bin ich ja eigentlich ein Holländer…?“

Ist er wohl eher nicht. Dafür aber ist Son mit drei Toren in den letzten beiden Spielen gut in Form. Und das nach erheblichen Startproblemen. „Ich war am Anfang der Saison nicht gut. Ich war schlecht drauf, fühlte mich müde und habe nicht so gut gespielt. Das ist jetzt deutlich besser. Ich wollte auch am Montag eigentlich trainieren. Aber unser Trainer hat es mir verboten. Deshalb habe ich nur so ein bisschen was gemacht…“

Son macht Scherze, er wirkt gelöst. In seiner Heimat haben die zwei Tore gegen den Meister eine wahre Flut von Lobeshymnen in den Zeitungen nach sich gezogen. Son ist in Südkorea ein Superstar und dürfte in der aktuellen Verfassung demnächst wieder für sein Land nominiert werden. Dennoch hebt er (noch) nicht ab. Auch, weil Fink ihn immer wieder erdet. „Der Trainer hat mit mir eine Videoanalyse gemacht und mir klar gezeigt, dass ich in zwei Situationen den Ball noch besser hätte verarbeiten müssen. Er hat gesagt, dann hätte ich noch zwei Tore machen müssen. Und er hat gesagt, dass ich noch viel lernen muss.“ Klingt gut. Gerade bei einem 20-Jährigen, der bereits elf Tore in ebenso beachtlichen 40 Bundesligaspielen erzielt hat. Keine schlechte Quote…

Dennoch, Statistiken sagen nicht alles aus. Son selbst hat trotz der beiden Tore gegen Dortmund beim 3:2-Sieg noch eine Menge Luft nach oben gelassen. Im Spiel nach hinten sowieso aber auch nach vorn. Immerhin kommt der beidfüßig schussstarke Offensivmann noch zu selten zum Abschluss. „Der Trainer schimpft immer noch mit mir und sagt, ich solle viel häufiger schießen“, sagt Son und gelobt Besserung. Wobei, wenn er wie gegen Dortmund auch in Gladbach seine einzigen beiden Torschüsse so setzt – es würde mich nicht stören.

In diesem Sinne, auf ein gutes Auswärtsspiel in Mönchengladbach. Dort, wo der HSV in der vergangenen Saison sein in meinen Augen bestes Spiel beim eher unglücklichen 1:1 (Torschütze war Arslan, der damit sein erstes und bislang letztes Bundesligator erzielte) machte.

Bis morgen!

Scholle

HSV: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj – Son, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs.
Auf der Bank: Drobny (ETW), Skjelbred, Tesche, Sala, Berg, Beister, Sternberg.

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems – Nordtveit, Xhaka – Herrmann, Arango – Cigerci – L. de Jong.
Für den Kader stehen bereit: Blaswich (Tor), Heimeroth (Tor), Dams, Wendt, M. Zimmermann, Bieler, Korb, Marx, Ring, Rupp, Younes, de Camargo, Hanke, Hrgota, Mlapa, Brouwers

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