Tagesarchiv für den 29. September 2012

1:0 – Adler hält und hält und hält!

29. September 2012

Der zweite Saisonsieg unter Dach und Fach, in der Tabelle gen Mittelfeld geklettert, das Jubiläum gerettet – der 1:0-Sieg über Hannover 96, der unheimlich hart erkämpft war, sorgte für beste Stimmung im Volkspark. Was heißt beste – für Super-Stimmung. „Der HSV ist wieder da“ und „Oh, wie ist das schön“ wurde nach dem etwas glücklichen Erfolg gesungen, die Fans waren völlig aus dem Häuschen. 57 000 Zuschauer waren da – und ein Mann wurde in dieser Euphorie besonders gefeiert – Torwart Rene Adler. Unglaublich, diese Leistung, dieser Mann scheint unbezwingbar, er allein bremste Hannover 96. Weltklasse. Es geht bergauf, dieses Spiel war Gänsehaut-Feeling pur. Und jetzt kann gefeiert werden, gefeiert ohne Ende. Viel, viel Spaß.

125 Jahre HSV.
Jubiläumschoreographie von der Ultragruppierung Chosen Few Hamburg sorgte schon vor Beginn für enorme Stimmung und Freude auf den Rängen. Kompliment, das war sensationell, überragend – Weltklasse. Vielen Dank für diese Wahnsinnsarbeit, die schon zu Jahresbeginn begonnen hatte. 45 000 Doppelhalter und ein 380 Meter langes Spruchband wurden angefertigt – hervorragend, super, traumhaft. Welch ein Bild, als beide Mannschaften einliefen, das wird unvergessen sein Und so viele Fotoapparate wie wohl noch nie hielten diesen besonderen Geburtstag mit diesen Überraschungen für die Nachwelt fest. Danke.

Auf dem längsten Spruchband er Vereinsgeschichte stand übrigens: „Ob Titel, Triumphe und Legenden, ob Zafirov, Autowachs und rosa Hemden – unsere Geschichte ist einmalig und wird niemals enden! 125 Jahre Hamburger Sport-Verein e. V.“

Nach 60 Sekunden schon der erste Aufreger in diesem Spiel. Ivo Ilicevic geht gegen da Silva Pinto mit gestrecktem Fuß zu Werke – ein hartes Einsteigen, das mit Gelb bestraft wurde. Pinto musste behandelt werden, kehrte zurück und legte einige Minuten später seinen Fuß auf die Schulter von Milan Badelj. Auch ein klares Foul, aber der Hannoveraner reklamierte ohne Ende. Ein Witz. Da bohrt ein Spieler dem anderen fast in der Nase herum, aber es war rein gar nichts . . . Natürlich. Was zudem unangenehm auffiel: mehrere Hannoveraner reklamierten mehrfach bei Zwayer, eine Gelbe Karte zu geben. Das wären auch Gelbe Karten gewesen, macht aber kein Schiedsrichter (mehr).

Aber gut, so etwas gehört eben zum Fußball. Und jeder wollte hier gewinnen, kämpfte und ackerte ohne Ende. Auch am Rande wurde super mit gemacht. Trainer Thorsten Fink im Geburtstagssakko, aber er machte mit, als wäre er zu diesem Spiel im Trikot erschienen. Der Coach brannte wie eine Kerze – heiß, ganz heiß: Als ein Hannoveraner an der Mittellinie den Einwurf verzögert, weil er nicht weiß, wohin er werfen soll, breitet der HSV-Coach zweimal seine Arme weit auseinander, genau so, als wolle er Zeitspiel anmahnen.

Apropos ermahnen. Hannovers Huszti foulte Marcell Jansen übel, nur Freistoß. Dann reklamierte der kleine Dribbelkünstler der Niedersachsen heftig bei Schiedsrichter Felix Zwayer, fasste den Unparteiischen sogar an – nichts. Und dann revanchierte sich der Ungar noch für ein nicht geahndetes Foul mit einem bösen Rempler gegen Son – nichts. Aber auf der Gegenseite erhielt Tolgay Arslan Gelb – und der 23. Mann zählte ihm vor: „Eins, zwei, drei – Gelb.“ Merke: Auch einem Jubilar wird nichts geschenkt. Hatte der 96-Stadionsprecher ja aber auch vorher angekündigt . . .

Es war Feuer drin, in diesem Nordderby, erwartungsgemäß. 96 begann stark, die ersten zehn Minuten waren aus Hamburger Sicht ein wenig beängstigend. Aber es passierte zum Glück nichts. Und dann fand der HSV über den Kampf ins Spiel. Ilicevic enorm griffig und aggressiv, Tolgay Arslan stand ihm in nichts nach, und hinten bot Michael Mancienne eine ganz hervorragende Partie. Der HSV stellte eindeutig unter Beweis, dass die Liga nun mit einer ganz anderen Hamburger Mannschaft rechnen muss, als noch zu Saisonbeginn. Es geht aufwärts.

Wobei der HSV in der neunten Minute noch eine heikle Situation zu überstehen hatte. Eckstoß für 96, Schlaudraff zur Mitte, Kopfball Haggui – Glanzparade Rene Adler. Ja, auf den Nationaltorwart ist Verlass, auch bei ganz dramatischen Sachen.

In der 20. Minute dann aber die HSV-Führung. Heung Min Son zu Arslan, der zu Rafael van der Vaart, der sofort und ohne jede Zeitverzögerung in den Lauf von Artjoms Rudnevs, und der „Bomber“ zieht los – und ab. Aus zwölf Metern netzt er ein – das Jubiläumstor, welch ein Jubel, welch eine Freude. Dieses 1:0 war wie ein Brustlöser – und soooooo wertvoll. „Rudi“ Rudnevs wurde danach vom HSV-Anhang ganz besonders gefeiert. Und für van der Vaart war es die vierte Torvorlage im vierten Spiel. Und dazu ein Tor selbst gemacht . . . Eine Super-Bilanz.

Der HSV danach bemüht, die Kugel in den eigenen Reihen zu halten. Wenn Ruhe angebracht war, dann wurde auch Ruhe ins Spiel gebracht. 1:0 zur Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel zwei neue Leute. Beim HSV kam Maximilian Beister für den rot-gefährdeten Ilicevic, bei Hannover kam Abdellaoue für Schlaudraff. Und es wurde noch schneller, noch rasanter, sogar dramatisch. Hannover kam, machte mächtig Druck. Obwohl der HSV vor dem 2:0 stand: Beister legte zur Mitte, Rudnevs kreuzte frei vor Zieler auf – und der Lette schoss den Torwart an (54.). Das wäre die Entscheidung gewesen.

Für 96 das Zeichen, alles zu geben. Noch mehr Druck. Ya Konan vergab freistehend das 1:1 – eine Hundertprozentige (61.). Vier Minuten später war Adler schon bezwungen, doch Mancienne rettete noch auf der Linie. Das war hervorragend – aber auch großes Glück. Wie schon beim 3:2 gegen Dortmund hatte der HSV die Dame Fortuna mit im Team.

Und was Rene Adler in der Schlussphase hielt, das war unfassbar. Abdellaoue frei vor ihm, Ya Konan frei vor ihm, alle frei vor ihm – Adler hält und hält und hält – der Held! Sensationell. Was hat sich der HSV da nur für einen Goldfisch geangelt!? Adler rettet dem HSV den Jubiläumssieg. Alle Mitspieler nahmen ihre Nummer eins in die Arme, sogar Torwarttrainer Ronny Teuber stürmte auf den Rasen, um Adler zu herzen. Weltklasse ist eigentlich noch untertrieben – sorry.
Weiter so!

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt super, er stellte sich einmal mehr in Weltklasse-Form vor – Note eins. Vereitelte mindestens vier Hundertprozentige der Hannoveraner.

Dennis Diekmeier kommt immer besser in Form und in Fahrt, machte seine Sache mehr als ordentlich, Note zwei.

Michael Mancienne überrascht immer mehr, er bot eine sensationelle Leistung, seine beste im HSV-Trikot – unglaublich gut.

Heiko Westermann zeigte wieder, dass auf ihn in jeder Lage Verlass ist. Großer Kämpfer, Super-Einstellung.

Marcell Jansen war nicht ganz so stark wie zuletzt, als er sich enorm reinpowerte, aber insgesamt machte er seine Sache hinten links souverän.

Milan Badelj erwischte einen ganz schwachen Start mit vielen Fehlpässen, steigerte sich aber dann enorm. Das Fans tobten vor Begeisterung, als er in der 65. Minute wie Messi oder auch Ronaldo mit dem Ball tanzte. Note drei für ihn.

Tolgay Arslan stellte seine aufsteigende Form eindrucksvoll unter Beweis, er war der beste Hamburger Mittelfeldspieler. Wurde nur deshalb ausgewechselt, weil er vor der Roten Karte stand. Großartige Leistung.

Heung Min Son stellte sich diesmal nur ganz schwach vor, das war ein kleiner Rückfall – wie ein Jugendfußballer, viel zu weich und zweikampfschwach. Sorry, es ist die Wahrheit, trotz der Geburtstagsstimmung.

Rafael van der Vaart starke erste Halbzeit, in der er weite Wege ging, im zweiten Durchgang nicht mehr ganz so dominant.

Ivo Ilicevic bissig und engagiert, er hat es offenbar begriffen, wie es geht, nämlich über den Kampf zum Spiel – aber er übertrieb es auch ein wenig. Deswegen musste er frühzeitig raus.

Artjoms Rudnevs sehr gute erste Halbzeit, dann wurde er ziemlich allein gelassen und hing ein wenig in der Luft. Aber er gibt eben alles, in jeder Lage, er ist ein großer Kämpfer mit einem riesigen Herz. Note zwei.

Maximilian Beister (kam in der 46. Minute für Ilicevic) mischte sehr gut mit – eine Alternative.

Petr Jiracek (kam in der 62. Minute für den rot-gefährdeten Arslan) erkämpfte sich noch eine Fleißnote, er gewann manches Duell aufgrund seiner Erfahrung.

Jacopo Sala (kam in der 88. Minute für Son) machte noch mit und half, den Sieg zu sichern.

Vielen Dank allen für dieses Spiel, diese drei Punkte und diesen wunderbaren Nachmittag!

17.32 Uhr