Tagesarchiv für den 25. September 2012

Mit ‘ner Menge Optimismus im Gepäck nach Gladbach

25. September 2012

Oha, da is was schief gegangen. Ich dachte, ich hätte den Blog längst online gestellt, bis mich Wortspieler ( danke!!!) aufmerksam machte, dass dem nicht so ist. Entschuldigt bitte! Das passiert mir sicher nicht noch mal!!! Der Blog:

Die Mission „Sieg vergolden“ nimmt Fahrt auf. Fast 90 Minuten wurde heute trainiert, bevor es nach Mönchengladbach ging. Und dabei kristallisierte sich nicht nur ein identischer Kader sondern auch die gleiche Aufstellung wie beim Dortmund-Spiel heraus. „Ich will nicht viel verändern“, hatte Trainer Thorsten Fink angekündigt – und seine Ankündigung jetzt umgesetzt. Gegen Mönchengladbach am Mittwochabend wird die gleiche Startelf auflaufen wie beim 3:2 gegen Dortmund. Auch den Gedanken, in der Spitze etwas zu verändern, hat Fink inzwischen verworfen.

Unverändert lasen könnten wir gern auch die Quote von Heung Min Son. Der Südkoreaner hatte zuletzt doppelt getroffen – und würde das gern wiederholen. „Ich werde auf jeden Fall gegen Gladbach die selben Schuhe tragen wie am Sonnabend“, erzählt Son und der Pressemitarbeiter des HSV (sind bei unseren Runden immer dabei) fragt (berechtigt) nach: „Obwohl Du so oft gerutscht bist gegen Dortmund?“ Sons eindeutige Antwort: „Egal, wie die Witterung morgen ist – es werden die selben silber-orangenen Schuhe sein, die ich beim wichtigen Sieg gegen Dortmund anhatte. Sie haben mir und uns Glück gebracht.“

Nun denn, hoffen wir mal, dass es in Mönchengladbach nicht so viel regnet wie hier bei uns. Denn dann könnte auch der leichtfüßige Son Standprobleme haben. Sogar noch mehr als gegen den BVB. Wobei sich mir die Frage stellte, wie oft Son denn seine Schuhe wechselt? „Immer wieder mal“, so der Südkoreaner, der dann aber nachschob: „Ich schmeiße die gebrauchten Schuhe ja nicht weg sondern nutze sie nach einer gewissen Zeit wieder.“ Eben dann, wenn es ihm sein Aberglaube erlaubt.

Erlaubt ist vor dem Duell bei Mönchengladbach auch eine gewisse Portion Optimismus. Schon allein der Kampfgeist aus dem Dortmund-Spiel, den wir in der Form lange nicht sehen durften, stimmt mich positiv. Zudem das Glücksgefühl des Sieges – eigentlich beste Voraussetzungen. „Das stimmt“, sagt Rafael van der Vaart, „wir wissen, dass wir jeden schlagen können, wenn wir an unsere Grenzen gehen. Und wie das geht, haben wir ja gegen Dortmund gezeigt.“

Die personifizierte Hoffnung aus den Niederlanden wird in Gladbach im Zentrum wieder von Milan Badelj und Tolgay Arslan unterstützt. „Beide haben sehr gut gespielt“, lobt van der Vaart. Sehr zur Freude des jungen Arslan, der vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Mit einem nagelneuen Rasierer von Media Markt bewaffnet, trat der Mittelfeldmann seine Dienstreise an. Vorher konnten wir auf dem Parkplatz ein paar Worte mit ihm sprechen. „Wir wollen und müssen das Dortmund-Spiel in Gladbach bestätigen“, so Arslan, während seine Freundin im Auto auf eine angemessene Verabschiedung ihres Liebsten wartet. Er selbst freue sich über und auf seine neue Aufgabe. „Ich muss defensiv sicher noch ein wenig dazulernen und sollte gegen Dortmund eigentlich mehr vor Badelj spielen, aber das Spiel hat sich so ergeben. Und wir haben es – glaube ich – auch ganz gut so gelöst.“ Sogar so gut, dass Arslan daran glaubt, sich seinen Platz auf der Doppel-Sechs erkämpfen zu können. „Ich glaube nicht, dass ich wieder raus muss, wenn Petr Jiracek am Sonnabend gegen Hannover wiederkommt.“ Im Gegenteil: statt selbst weichen zu müssen, glaubt Arslan daran, dass der tschechische Nationalspieler eine andere Position spielen könnte. „Er kann auch außen spielen.“ Das nenne ich mal selbstbewusst. Und solange Arslan seine Aussagen mit Leistung garniert, ist das auch völlig okay.

Gegen Dortmund ist der HSV erstmals in dieser Saison in einem Spiel über 120 Kilometer gelaufen. Genau genommen waren es 120,4. „Ehrlich?“, so die erstaunte wie erfreute Reaktion von Arslan, der nach Badelj (12,37 Kilometer) mit 11,65 Kilometern der HSVer mit der größten Distanz im Spiel war. Dass der HSV fast alle statistischen Werte gegenüber dem BVB verliert – okay. Die Statistik der Ballkontakte erklärt, warum der HSV trotzdem gewinnen konnte. Denn hier ist nach Badelj (67) und Marcell Jansen (58) Torhüter Rene Adler mit 57 Ballkontakten der HSVer mit den drittmeisten Ballkontakten. Und was Adler am Wochenende gehalten hatte, ist hier hinlänglich bekannt…

Auch wenn ich weiß, dass hier die Diskussion „Beister vs. Son in der Startelf“ oftmals sehr hitzig diskutiert wird, muss ich diesbezüglich heute mal klar Stellung beziehen. Ich persönlich würde mich am meisten über BEIDE in der Startelf freuen. Immerhin gelten beide als die Art Talent, auf die der HSV die nächsten Jahre setzen will. Dennoch kann man Trainer Fink aktuell keinen Vorwurf machen, weil er nicht auf Beister setzt. Denn Beister, so gern ich ihn und vor allem seine eigentlich freche Spielart mag, ist momentan leider nicht in Form. Insofern sollten wir die Diskussion, ob Beister besser als Son wäre, abwandeln und uns fragen, weshalb Beister die nötige Leichtigkeit fehlt.

Allerdings werde ich mich diesbezüglich heute, einen Tag vor dem wichtigen Spiel in Gladbach, nicht auslassen. Son spielt – und das hat er sich gegen Dortmund verdient. Zumal ich glaube, dass Son mit seinem Tempo eine gute Ergänzung zu van der Vaart Passgeberqualitäten ist. „Ich glaube, wir verstehen uns ganz gut“, sagt Son, „er ist ein super Spieler, ein super Typ und einer, der gerade uns jungen Spielern viel helfen kann und will.“ Dass Son nach van Nistelrooy nun mit van der Vaart erneut von einem Niederländer auf dem Platz profitiert, freut Son. Er hat sogar einen Verdacht: „Vielleicht bin ich ja eigentlich ein Holländer…?“

Ist er wohl eher nicht. Dafür aber ist Son mit drei Toren in den letzten beiden Spielen gut in Form. Und das nach erheblichen Startproblemen. „Ich war am Anfang der Saison nicht gut. Ich war schlecht drauf, fühlte mich müde und habe nicht so gut gespielt. Das ist jetzt deutlich besser. Ich wollte auch am Montag eigentlich trainieren. Aber unser Trainer hat es mir verboten. Deshalb habe ich nur so ein bisschen was gemacht…“

Son macht Scherze, er wirkt gelöst. In seiner Heimat haben die zwei Tore gegen den Meister eine wahre Flut von Lobeshymnen in den Zeitungen nach sich gezogen. Son ist in Südkorea ein Superstar und dürfte in der aktuellen Verfassung demnächst wieder für sein Land nominiert werden. Dennoch hebt er (noch) nicht ab. Auch, weil Fink ihn immer wieder erdet. „Der Trainer hat mit mir eine Videoanalyse gemacht und mir klar gezeigt, dass ich in zwei Situationen den Ball noch besser hätte verarbeiten müssen. Er hat gesagt, dann hätte ich noch zwei Tore machen müssen. Und er hat gesagt, dass ich noch viel lernen muss.“ Klingt gut. Gerade bei einem 20-Jährigen, der bereits elf Tore in ebenso beachtlichen 40 Bundesligaspielen erzielt hat. Keine schlechte Quote…

Dennoch, Statistiken sagen nicht alles aus. Son selbst hat trotz der beiden Tore gegen Dortmund beim 3:2-Sieg noch eine Menge Luft nach oben gelassen. Im Spiel nach hinten sowieso aber auch nach vorn. Immerhin kommt der beidfüßig schussstarke Offensivmann noch zu selten zum Abschluss. „Der Trainer schimpft immer noch mit mir und sagt, ich solle viel häufiger schießen“, sagt Son und gelobt Besserung. Wobei, wenn er wie gegen Dortmund auch in Gladbach seine einzigen beiden Torschüsse so setzt – es würde mich nicht stören.

In diesem Sinne, auf ein gutes Auswärtsspiel in Mönchengladbach. Dort, wo der HSV in der vergangenen Saison sein in meinen Augen bestes Spiel beim eher unglücklichen 1:1 (Torschütze war Arslan, der damit sein erstes und bislang letztes Bundesligator erzielte) machte.

Bis morgen!

Scholle

HSV: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj – Son, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs.
Auf der Bank: Drobny (ETW), Skjelbred, Tesche, Sala, Berg, Beister, Sternberg.

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems – Nordtveit, Xhaka – Herrmann, Arango – Cigerci – L. de Jong.
Für den Kader stehen bereit: Blaswich (Tor), Heimeroth (Tor), Dams, Wendt, M. Zimmermann, Bieler, Korb, Marx, Ring, Rupp, Younes, de Camargo, Hanke, Hrgota, Mlapa, Brouwers