Tagesarchiv für den 16. September 2012

Mit zehn Mann gefightet, aber 2:3 verloren!

16. September 2012

Schlecht begonnen, sich wieder ins Spiel gekämpft, mit Petr Jiracek einen Spieler durch eine unberechtigte Rote Karte verloren, ohne den auf die Tribüne verbannten Trainer Thorsten Fink gefightet bis zum Umfallen – aber 2:3 verloren. Der HSV steht weiter auf dem vorletzten Platz der Bundesliga-Tabelle, aber die zweite Hakbzeit im Spiel bei Eintracht Frankfurt sollte Mut machen. Zehn Mann hielten das Spiel offen, zehn Mann waren von der 70. Minute an sogar besser als der Aufsteiger, aber was hilft es? Die Punkte bleiben in Hessen, der HSV kann nur darauf hoffen, dass sich eine solche Leistung in Sachen Selbstvertrauen auswirkt. Jetzt müssen die Punkte eben in den nächsten Spielen geholt werden – aber schwarz sehen muss nach diesem Spiel nun wirklich kein Hamburger. Das wird schon. da bin ich mir völlig sicher. Schon allein deswegen, weil der HSV auswärts zwei Tore erzielt hat. Da kommt doch Hoffnung auf. Und jetzt gleich “Matz-ab-Live” sehen, mit Carsten Kober und “Eiche”. Es geht nun ganz schnell los.

Zum Spiel:

Ich hatte noch das optimistisch-zuversichtliche Strahlen von Thorsten Fink im Hinterkopf, als das Spiel um 17.30 Uhr von Schiedsrichter Wolfgang Stark angepfiffen wurde. Man, wie war Fink gut drauf. Für mich hatte der HSV in Frankfurt schon am Sonnabend gegen 12.30 Uhr, beim Trainingsende, schon gewonnen. Und dann dieser Start. Nach 13. Minuten durfte der Japaner der Eintracht (ja, jeder hat heute einen, nur der HSV nicht!), Inui, ungehindert auf das HSV-Tor schießen – drin, 1:0. Michael Mancienne und Jeffrey Bruma hatten sich bemüht, Spalier zu stehen, es ist ihnen ganz gut gelungen . . .

In der 18. Minute hieß es bereits 2:0. Eine schlechte Inui-Ecke, die eigentlich harmlos und in Mehdi-Mahdavikia-Manier (flach, auf Maulwurfshügel-Höhe) zur Mitte plätscherte, flog an Bruma vorbei, Billard, Tor, der Frankfurter Occean nimmt diese Schwimmversuche der HSV-Defensive dankbar an und trifft aus fünf Metern. Armer Adler! Armer HSV!

Das sah nach Klatsche aus. Aber Heung Min Son hätte schon in der 22. Minute verkürzten können, als er frei vor Keeper Trapp auftauchte, aber scheiterte. Und Artjoms Rudnevs hatte in der 28. Minute die noch größere Chance, als er nach Marcell Jansens Eingabe frei vor dem Eintracht-Tor aufkreuzte, aber Trapp anschoss. Da hätte es sogar schon 2:2 stehen können. Da ging doch noch etwas . . .

Aber es hieß weiter 0:2. Und der HSV wirkte in der Defensive weiterhin unsicher und amateurhaft. Thorsten Fink reagierte diesmal schnell: Mancienne raus, Dennis Diekmeier auf rechts rein, Bruma zur Mitte. Besser wurde es nicht (in der Abwehr), aber das wäre wahrscheinlich auch zu viel des Guten. Immerhin gab es in der 45. Minute das Anschlusstor. Das erste HSV-Tor der Saison! Eckstoß Rafael van der Vaart, Kopfball am langen Pfosten von Rudnevs, Tor von Heiko Westermann. Da keimte doch wieder Hoffnung auf.

Die Sekunden danach schon wieder starb. Am Eintracht-Strafraum grätschte der HSV-Tscheche Petr Jiracek gegen Anderson, der Frankfurter ging auch mit langem Bein zur Sache, aber der Hamburger traf – Foul. Und dafür zog Wolfgang Stark dann Rot. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Ich verstehe sie wirklich nicht mehr. Das war ein Foul, aber doch nicht Rot! Niemals Rot. Ich kann verstehen, wenn man sich auf Hamburger Seite total erregte. Fink flog von der Bank (auf die Tribüne), aber es hätten viele mit ihm fliegen können – auch ich (im „Champs“ in Schnelsen sitzend) hätte eigentlich vom Platz gestellt werden müssen, so sauer war ich auf diese Fehlentscheidung. Das kann man nicht machen. So entscheidet ein Mann ein Spiel. Wo ist da die Verhältnismäßigkeit? Wäre Anderson schneller gewesen und hätte mit seinem langen Bein Petr Jiracek getroffen, was dann? Ganz sicher nur Gelb! Man, das ist einfach unfassbar.

Allerdings lag es weniger am Schiedsrichter, wie der HSV bis zur Pause gespielt hatte, vornehmlich bis zum 0:2. Das lag einzig und allein am HSV. Zu brav, zu bieder, zu ideenlos (trotz eines Rafael van der Vaart), zu harmlos, zu körperlos. Die Eintracht ging gelegentlich hart und teilweise überhart zur Sache (Zambrano), aber so etwas hat dieser HSV nicht drauf. Zu fair, zu lasch, zu weich. Da muss auch mal, wie es Rudi Völler formulieren würde (hat er an diesem Sonnabend), auch „mal hingelangt“ werden. Regelkonform, aber damit der Gegner merkt, dass da noch einer steht, der etwas dagegen hat, dass du mit dem Ball zum und ins Tor willst . . .

Mit nur zehn Mann und ohne Trainer (Fink ja auf der Tribüne) startete der HSV in Halbzeit zwei. Und in der 52. Minute hieß es 3:1. Dennis Diekmeier leistete sich rechts draußen einen fatalen Fehlpass, in der Mitte waren sie alle ein wenig unsortiert – Meier bediente Aigner, der hob den Ball über Rene Adler ins HSV-Tor. Die Entscheidung?

Der HSV in Unterzahl nicht auf. Es wurde gekämpft, gelaufen, gefightet nach allen Regeln der Kunst. Das war, ganz klar, schön zu sehen. Darauf, auf diese schwierige Phase, wird der HSV aufbauen können. Plötzlich zogen alle an einem Strang, keiner gab einen Ball verloren, sie wehrten sich, wie wollten noch etwas zeigen, sie hatten Biss. Warum nicht von Anfang an, das muss man schon mal fragen dürfen?

Nach einer Balleroberung von van der Vaart, der den Ball eigentlich auf Rudnevs spielen wollte, dann aber Son bediente, stand es nur noch 2:3. Son kann es ja doch noch. Der umkurvte Trapp und schob die Kugel ein. Da ging doch noch etwas! Oder?

Diekmeier hatte das 3:3 frei vor Trapp stehend auf dem rechten Fuß, aber er scheiterte an Trapp. Das war fast ein Elfmeter. Und irgendwie auch ein wenig Pech (nicht nur Unvermögen), der Keeper hielt riesig. Aber das hätte der Ausgleich sein müssen, ganz klar.

Adler tut mir nur noch Leid. Ganz ehrlich. Wo ist er mit seinem Wechsel zum HSV nur hineingeraten?

Bruma war schwach, rechts und später in der Mitte. Weil er wieder einige Aussetzer hatte, die man in der Bundesliga eigentlich nicht haben darf.

Mancienne war leider von Beginn an überfordert. Das war C-Jugend-Fußball, oder eine Art Begleitschutz ohne Körperkontakt. Mal ehrlich, welcher Stürmer blüht bei einer solch nett-niedlichen Betreuung nicht auf? Wer so zart besaitet zur Sache geht, der darf sich nicht wundern, wenn man am Nasenring durch den Strafraum geführt wird.

Diekmeier kam in der 33. Minute für Mancienne und hätte der HSV-Held werden können. Wenn er nicht den Fehlpass vor dem 1:3 gespielt hätte, und wenn er seine Hundertprozentige in der 73. Minute genutzt hätte. So wurde es wieder nur ein bitterer Abend für ihn.

Westermann hinten und vorne, gab wieder einmal alles – ein Vorbild und diesmal auch Torschütze.

Lam fiel nicht ab. Er war in Karlsruhe, bei seinem Debüt als Verteidiger schwach, diesmal machte er seine Sache wesentlich besser. Obwohl es da noch Luft nach oben gibt. Aber es könnte noch werden.

Badelj lief viel, ohne aber die spektakulären Dinge zu produzieren. Das aber wäre wohl auch ein wenig zu viel verlangt, für sein zweites Bundesliga-Spiel. Aber der Kroate kommt noch.

Jiracek kämpfte, riss sich den Hintern auf, machte sicherlich auch Fehler, aber insgesamt eine Verstärkung. Bis zu seiner Roten Karte, die keine war.

Son war eine Halbzeit lang so gut wie nicht zu sehen, dann ließ er sich von allen mitreißen – und schoss endlich mal ein Tor.

Van der Vaart brauchte eine lange Zeit, um sich wieder einzubringen, dann hatte er endlich jene Szenen, auf die ganz Hamburg für die Zukunft setzt. Für das erste Mal war das wirklich ganz okay, der Niederländer gehörte ganz sicher zu den auffalligen Spielern auf Hamburger Seite.

Jansen war von Beginn an eine Stütze, fiel aber einige Male zu lange nicht auf. Legte er da Kunstpausen ein? Ansonsten aber ganz sicher einer der besseren Hamburger.

Rudnevs bewegte sich gut, war ständig um Gefahr für die Hessen bemüht, und wenn er denn mal treffen sollte, dann könnte es auch noch etwas werden mit ihm. Er braucht nur mal ein Tor – die Chancen dazu hat er meistens. In der 66. Kam Beister für ihn.

Beister blieb von dieser 66. Minuten an total unauffällig.

Jetzt muss der HSV eben am Sonnabend versuchen, dem Meister ein Bein zu stellen. Dann wohl wieder mit elf Mann.

Nicht verzagen. Da geht noch etwas.

So, wer immer noch nicht genug hat von der Soap-Opera Kühne, Geld und van der Vaart. Hier der neueste Erguss medialer Art, über den die „dpa“ berichtet:

Der Hamburger SV beginnt nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ erst 2016 mit der Rückzahlung
des Darlehens für Mittelfeldspieler Rafael van der Vaart. Milliardär
Klaus-Michael Kühne hat dem Fußball-Bundesligisten bekanntlich den
Großteil der Kaufsumme als Darlehen zur Verfügung gestellt. Die Zeitung
beziffert die Transfersumme auf 12,5 Millionen Euro. Davon soll Kühne
acht Millionen Euro übernommen haben, heißt es. Der Zinssatz soll unter fünf Prozent liegen.

Ob Kühne sich auch am Gehalt für den Niederländer beteiligt, dass bis
zu 3,5 Millionen Euro im Jahr betragen soll, blieb offen. Das Vermögen des in der Schweiz lebenden 75 Jahre alten Logistik-Unternehmers wird auf 7,8 Milliarden Euro geschätzt. Bereits vor zwei Jahren hatte Kühne dem HSV 12,5 Millionen Euro für Transfers zur Verfügung gestellt. Dafür hatte er sich Transferrechte an sechs Profis gutschreiben lassen. Das Geschäft bezeichnete er in der „Welt am Sonntag“ als Flop (dpa).

Dann gab es noch diese Agentur-Meldung über den „kleinen Dribbelkünstler“. Ich will euch nicht „hochbringen“, ich möchte eigentlich nur ganz neutral berichten:

„Das Ramon Sanchez Pizjuan hat vor Freude gequietscht“, schrieb die
Zeitung Diario de Sevilla über die Stimmung im Stadion nach jener 69.
Sekunde, in der Piotr Trochowski all das widerlegen wollte, was ihm in seiner Karriere vorgeworfen worden war: Phlegma, mangelnde Torgefahr, Versagen gegen große Gegner. Nach dem ersten Eckball der Partie nahm er Anlauf, zimmerte den Ball in den Winkel, und während Reals Torwart-Ikone Iker Casillas fassungslos wie selten drein schaute, war Trochowski schon per Flickflack auf dem Weg in Richtung Eckfahne. „Das Wichtigste ist der Sieg gewesen“, gab Trochowski bescheiden zu Protokoll, „ich will nie verlieren, vor allem nicht vor unseren fantastischen Fans.“ Die hatten bislang nicht wirklich viel vom ehemaligen
Hamburger gehalten. Spielzeit hatte Trochowski seit seinem Wechsel im
Sommer 2011 reichlich bekommen, das Real-Match war sein 39. Liga-Einsatz
von 42 möglichen, die meisten in der Startelf. Der Treffer am Samstag
indes war erst sein zweiter, zu oft gab Trochowski den Mitläufer. Doch
seit er sich zumindest öffentlich nicht mehr mit dem Thema
Nationalmannschaft beschäftigt, blüht er im Klub auf.“

So, um noch einmal das Thema auf Ruhe total zu bringen. Es gab auch noch diese Mail an mich, die ich gerne mal veröffentliche:

Sehr geehrter Herr Matz,

ich bin mir bei der Mail-Adresse unsicher, da ich mich erinnere, dass
sie erst letztens die Adresse für Fragen/Kritiken/Anmerkungen
angehängt haben, aber ich hoffe trotzdem, dass ich in ihrem Computer
lande.

In ihrem heutigen Blog beschrieben sie den FCA als „Abstiegskandidat
Nummer eins”. Ich bin kein Augsburg-Fan oder -Sympathisant, aber ich
empfinde dies sehr unfair von ihnen, da wir als HSV-Anhänger gemerkt
haben, wie ungerecht dieses Abstempeln ist. Neben den moralischen Aspekt finde ich auch, dass der FC Augsburg durchaus in der Lage ist, die Klasse zu halten, dies haben sie ja auch letztes Jahr schon
bewiesen.

Dann haben sie auch noch geschrieben, dass sich der HSV”[...] einen solchen kleinen Japaner [...] doch auch einmal einfangen [könnte].”
Ich meine: Nein, das schafft er nicht. Kiyotake wurde vom FCN gründlich gescoutet und günstig gekauft. Der „Glubb” hat ein weiteres mal Auge
bewiesen und einen sehr guten Transfer getätigt. Warum? Weil er es
muss, weil sie sich nicht erlauben können, einen Flop zu landen, und
genau da liegt der Unterschied. Während dies beim HSV noch verschmerzbar ist, und ich denke da an Skjelbred, wenn ein Spieler
nicht einschlägt, ist dies bei den kleineren Vereinen nicht möglich.

Außerdem hat Nürnberg mit Martin Bader einen ausgezeichneten
Sportdirektor, den eines von Arnesen (und dies ist keine negative
Kritik an Arnesen, sondern positive an Bader) unterscheidet: Er hat
Ahnung vom Verein, er kennt sich aus, weiß was er machen muss, kennt
die finanziellen Mittel genau und denkt (deshalb) in kleineren
Dimensionen. Das ganze kann man darin begründen, dass der ganze Verein kleiner ist und man sich deswegen einfach besser kennt.

Zum Schluss habe ich noch eine Frage zum Training des HSV. Sie haben
schon des öfteren die Übung „Fünf gegen zwei” („Eggla”gennant)
beschrieben. Ist der Raum dabei begrenzt? Wenn ja, wie? Wie viele
Ballberührungen sind erlaubt? Und wann wird die Übung durchgeführt?

Ich spiele seit vielen Jahren Fußball und kenne diese schöne Übung als Aufwärmübung, allerdings mit vier Spielern außen und einem in der
Mitte. Der Raum ist mit Hütchen auf ca 5x5m begrenzt, wobei jeder
Spieler eine Seite des Quadrats bearbeitet. Der Spieler in der Mitte
muss eine „Doppelrunde” absolvieren, wenn er getunnelt wird oder der
es mehr als 20 Ballkontakte gab, ohne dass der Spieler in der Mitte
ihn berührt hat. Es muss direkt gespielt werden. Eine lustige Beigabe ist die Sonderregel „ammal döffa” (fränkisch – hochdeutsch „einmal darf er”) was soviel bedeutet, dass der Ball einmal außerhalb des abgesteckten Spielfelds aufkommen darf, was meist zur Folge hat, dass er wieder hoch in das Feld reingedroschen wird, bevor 4 Leute zum Kopfball hochgehen. Deswegen meine Neugier um diese Übung.
Viele Grüße aus Nürnberg, Maximilian G.

So, die letzte Passage habe ich extra drin gelassen, um mal die schöne Seite des Fußballs zu Wort kommen zu lassen. Und damit sich der eine oder andere doch ein wenig abreagieren kann.

Einen schönen Abend noch für euch! Macht was draus!

19.31 Uhr