Tagesarchiv für den 12. September 2012

Dennis Aogo fällt mindestens 14 Tage aus

12. September 2012

Im Volkspark ist „die Hölle los“. Es gibt keine Ferien mehr, und dennoch gibt es beim HSV-Training täglich mehr Fans. Das Stichwort dafür ist wohl Rafael van der Vaart. Alle lieben „ihren Raffa“, alle wollen ein Autogramm oder ein Foto mit ihm. Doch allmählich wird es ernsthafter, denn demnächst geht es ja um Bundesliga-Punkte: Sonntag in Frankfurt. Und vor diesem so wichtigen Spiel, das ja die Wende einläuten soll, gibt es durchaus einige Sorgen beim HSV. Fest steht, dass Dennis Aogo ausfallen wird. Der Verteidiger hat ein Infekt verschleppt und soll nun 14 Tage total aus dem Verkehr gezogen – und so wieder „aufgepäppelt werden“. Das heißt, dass der Nationalspieler auch für die Partien gegen Dortmund und Mönchengladbach ausfallen wird. Darüber hinaus zittert der HSV auch noch um seinen neuen Mittelfeldspieler Milan Badelj, der erst am Donnerstag wieder ins Mannschaftstraining einsteigen soll. Wenn er morgen dabei ist und die Einheit ohne Schmerzen absolvieren kann, dann sieht es wohl gut aus – aber erst einmal heißt es abwarten.

Um noch einmal auf Dennis Aogo zurückzukommen. Als ich am Dienstag Österreich gegen Deutschland gesehen habe, da dachte ich immer an den HSV-Abwehrspieler. Weil ich Dortmunds Schmelzer im deutschen Team hinten links schwimmen sah. 90 Minuten. Ich dachte so bei mir: „So schlecht habe ich Aogo nie gesehen, wie diesmal BVB-Schmelzer.“ Und ich dachte bei mir weiter: „Wie die Fans der Borussia jetzt wohl über ihren Spieler herfallen? Die müssen ihn doch jetzt vernichten, oder? Bei einer solchen Minus-Leistung? In Hamburg jedenfalls hätten die HSV-Fans Dennis Aogo auf ihre ganz spezielle und ganz eigene Art kritisiert. Wenn man damit ausgekommen wäre . . . Mit kritisiert – meine ich.“

So wie es im heutigen Training aussah, wird wohl Zhi Gin Lam für Aogo verteidigen. Eine kleine Chance auf einen Einsatz hat vielleicht auch Dennis Diekmeier, er später auch „hinten links“ getestet wurde. Auf der rechten Abwehrseite wird, so sah es heute aus, der Niederländer Jeffrey Bruma bleiben.

Ganz vorne gibt es beim HSV auch noch eine – wie ich finde – spannende Frage zu klären. Stürmt der Lette Artjoms Rudnevs, der noch nicht am heutigen Training teilnahm, oder doch Heung Min Son? Der Südkoreaner wurde heute auf jeden Fall auf dieser Position (in der gedachten Stamm-Formation) eingesetzt. Und es würde für mich auch Sinn machen, Son dort einmal einzusetzen, denn er ist schnell und spielstark, und er weiß auch, wo das Tor des Gegners steht. Das konnte er bei seinen Spielen auf der rechten Außenbahn nicht zeigen. Fast nie sogar.

Aber vielleicht wird jetzt, wo der HSV „mit dem kleinen Engel in der Tasche“ spielt, ja alles besser. Die Vorzeichen stehen nicht schlecht, denn im Volkspark ist eine gewisse Aufbruchstimmung unübersehbar. Dank van der Vaart. Er reißt alle mit, er sorgt für neue Hoffnungen bei den Fans, er ist ihr Strohhalm. Das sehen wohl auch die neuen Teamkollegen so. Kapitän Heiko Westermann sagt zur Lage: „Man merkt, dass der Spaß und die Freude wieder zurück sind, dass jeder wieder Lust hat, dabei zu sein, die Stimmung ist jetzt gut. Und wir wissen, dass wir nun eine schlagfertige Truppe haben, und dass es nun darum geht, Punkte einzufahren.“ Noch allerdings steht bei Punkten eine Null, und auch bei den geschossenen Toren: Null.

Dennoch scheinen die negativen Vorzeichen bei kaum einem Fan noch eine Rolle zu spielen. Mit „Raffa“ beginnt eine neue HSV-Zeit, jetzt geht es erst richtig los. Westermann dazu: „Wir haben jetzt drei neue Spieler in unseren Reihen, gestandene Profis, die schon Erfahrungen gesammelt haben. Das merkt man. Allein wenn ‚Raffa’ auf dem Platz steht, das merkt man. Er zieht besonders die jüngeren Spieler mit, nimmt ihnen viel Druck ab. Und auch uns älteren Spielern tut er gut, das ist keine Frage.“

Nach der 0:2-Niederlage in Bremen wurde nicht mehr lange und groß über den erneuten Misserfolg des HSV gesprochen, denn es ging danach nur um van der Vaart. Das war ganz sicher gut für die Fink-Truppe, die so nicht groß mit dem verpatzten Saisonstart konfrontiert, sondern durch den „Star-Einkauf“ ein wenig aus der Schusslinie genommen wurde. Westermann: „Klar nimmt er enorm viel Zug von uns weg. Er zieht enorm viel zu sich hin, und das ist für eine junge Mannschaft auf jeden Fall sehr gut. Und er kann mit dem Rummel, der um ihn herum ist, bestens umgehen, die Stationen Real Madrid und Tottenham haben ihn da sicher abgeklärter gemacht. Die Lasten in unserer Mannschaft sind jetzt auf jeden Fall auf mehreren Schultern verteilt, und das ist gut.“

Gegen Bremen hat der HSV eine gute erste Halbzeit gespielt, hatte im Tempo zugelegt, hatte schneller und ideenreicher nach vorne gespielt. Dann sorgten die individuellen Fehler für die verdiente Niederlage. Trotz allem sollten die ersten guten 45 Minuten für Selbstvertrauen sorgen, denn die Mannschaft hat da gezeigt, dass sie es kann – dass sie es könnte. Und da noch ohne van der Vaart. Und mit einem Milan Badelj, der zur Pause verletzt raus musste, und mit einem Petr Jiracek, der bereits nach zehn Minuten schwer angeschlagen war, dennoch aber bis zum Ende durchhielt. Bei sicherlich nur 70 oder 80 Prozent. All das sollte Mut für Frankfurt machen.

Auch wenn der Aufsteiger mit zwei Siegen sehr gut in die Saison gestartet ist. Heiko Westermann: „Die Eintracht wird ganz sicher selbstbewusst gegen uns auftreten, aber sie ist nicht unschlagbar.“ Und genau das muss der HSV am Sonntag (Anstoß 17.30 Uhr) beweisen.

So, und nun zu einem ebenfalls wichtigen Thema. Geld. Bei „Matz ab“ gab und gibt es immer mehr HSV-Fans, die dem Klub finanziell unter die Arme greifen wollen. Es wurde ja schon vorgeschlagen, dass wir ein „Matz-ab-Konto“ eröffnen, um dort Geld zu sammeln – aber das ist keine Lösung. Ich sprach heute über dieses Thema mit dem HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke, und der machte folgende Aussagen: „Wir bauen doch jetzt den HSV-Campus, und das ist die Zukunft des HSV. Weil damit die Nachwuchsarbeit untermauert wird. Damit wird eine langfristige Basis geschaffen, um dieses Nachwuchs-Thema auf Dauer erfolgreich zu machen. Und die Chance der Mitglieder und der Fans, für jeden, der den HSV mag, ist die, eine Anleihe zu kaufen.“

Da gibt es zweierlei Projekte. Hilke: „Es gibt die Global-Anleihe, die legen Sie sich in Ihr Bank-Depot. Die kauft man sich einfach über eine Bank. 125 Euro ist die kleinste Anleihe, das geht dann hoch bis 1887 Euro. Wie auch immer, es wird Leute geben, die für 10 000 Euro zeichnen. Bei einer Global-Urkunde gibt es automatisch eine Verzinsung.“ Die zweite Variante klingt ebenfalls sehr spannend. Hilke: „Das ist die Schmuck-Urkunde. Die sieht sehr schick aus, die kann man sich rahmen und an die Wand hängen, und dann schneidet man sich jedes Jahr einen Zins-Coupon ab, und den löst man dann ein und bekommt so sein Geld zurück.“ Der Clou daran: Man muss diesen Zins-Coupon nicht abschneiden, man kann diese Schmuck-Urkunde auch ganz lassen – und dann hat man dem HSV dieses Geld gespendet.
Diese (beiden) Anleihen laufen sieben Jahre; bei der Global-Urkunde gibt es jedes Jahr automatisch sechs Prozent auf das eingesetzte Kapital. Und nach sieben Jahren gibt man die Global-Urkunde zurück und man erhält das eingesetzte Kapital zurück.
Joachim Hilke: „Wer also dem HSV Geld spenden möchte, der sollte es über diese Anleihe machen, genau dafür ist das doch geplant. Dadurch, dass das Geld von außen, von den Mitgliedern und Fans kommt, wird der HSV doch entlastet und kann sein Geld für andere Dinge ausgeben.“

Am 29. September, dem 125. Geburtstag des HSV, beginnt der Verkauf der Campus-Anleihe. Und wie kann man diese zeichnen? Joachim Hilke: „Über die Bank, bei der man sein Konto hat – zum Beispiel. Die Anleihe bekommt eine Wertpapier-Kennnummer, eine so genannte WKN. Oder man geht in den HSV-Fan-Shop, oder man zeichnet sie im Internet unter www.Anleihe-HSV.de. Ganz normal, so als wenn man sich ein Buch kaufen möchte.“

Okay, diese ganze Aktion hat natürlich nichts (oder nur ganz, ganz am Rande) mit der Idee von Klaus-Michael Kühne zu tun – aber, so denke ich, sie hilft dem HSV enorm. Und deswegen halte ich von dieser Lösung auch am meisten. Wer also spenden will, der tut mit dieser Campus-Anleihe schon mal Gutes für den HSV.

Dann noch kurz eine ganz andere Sache. Panini. Es gibt da ja das spezielle HSV-Panini-Album, und das ist ein großer Erfolg. „Unser“ Oliver Wurm, den die meisten von euch aus dem „Sport1-Doppelpass“ und auch von „Matz-ab-live“ kennen (und lieber Kollege von mir) hat dazu geschrieben:

“Das Album wird begeistert aufgenommen. Die Startauflage von 500.000 Tütchen (2,5 Mio Bilder) war nach zehn Tagen vergriffen. So schnell wie bei dieser Kollektion haben wir noch nie nachgedruckt. Nicht mal beim ersten Album „Hamburg sammelt Hamburg”.

Ab Donnerstag sind 500.000 neue Sammeltütchen im Markt! Druckfrisch. Die Botschaft, die wir gerne vermitteln würden: Jetzt einsteigen! HSV-Album jetzt schon Kult! Sammelspaß für alle HSV-Fans von 9-90. Auch Rafael van der Vaart ist bereits mit einem Sticker im Album. Der kleine Engel ist einer von 24 Glitzerstickern und klebt auf der Sammelwelt „Hamburger Weltauswahl” neben Stars wie Kevin Keegan, Sergej Barbarez und David Jarolim. Klar: Schon jetzt ist die Nr. 180 (van der Vaart) einer der begehrtesten Sticker im Album.

Alben und Sticker gibt es an über 1700 Verkaufsstellen in und um Hamburg. In allen HSV-Fanshops. Über den Supporter-Club. Und online unter: www.juststickit.de/shop.
Auch auf der HSV-Geschäftsstelle wird wie verrückt gesammelt. Direktor Dirk Mansen plant, ein voll geklebtes Album ins HSV-Museum zu stellen.”

PS: An diesem Donnerstag wird um 10 Uhr im Volkspark geübt.

19.13 Uhr