Tagesarchiv für den 11. September 2012

Der HSV auf dem Weg zum “Welt-Verein”!

11. September 2012

Das „Ding“ sieht toll aus. Richtig toll. Der „Campus“. Heute wurde er vorgestellt, der eine oder andere User wird es sicher heute noch im Fernsehen erleben – imponierend. Wirklich. Ein einwandfreies Teil. Wenn es denn irgendwann einmal Realität wird. Mitte des nächsten Jahres sollen die Bagger anrollen, Ende 2014 soll dann ganz groß gefeiert werden. Wird das „Ding“ dann so stehen, wie es nun im Modell vorgestellt wurde, dann hat der HSV einen weiteren großen Schritt zu einem ganz großen Klub in Deutschland und Europa getan. Dann wird der „Campus“ Hamburgs neuester Wallfahrtort. Der „Campus“ wird die neue Heimat des HSV. Trainingszentrum und Spielstätte für die Profis und Jugendmannschaften, darüber hinaus die zentrale Anlaufstelle für Fans, Mitglieder, Besucher und Breitensportler. Da kommt schon viel (Vor-)Freude auf. Wenn es jetzt auch noch sportlich und in der Liga laufen sollte – mein Gott, was wäre der HSV dann für ein Welt-Verein!

Mit finanzieller Hilfe seiner Fans will der HSV dieses Großprojekt verwirklichen. Das 12,5 Millionen Euro teure Zentrum direkt an der HSV-Arena soll zunächst durch eine Fan-Anleihe, die der HSV am 29. September herausgibt, finanziert werden.

Das Prunkstück der Anlage ist die HSV-Welt, die immer geöffnet sein wird.: eine dreidimensionale, schwarz-weiß-blaue Raute ist das zentrale architektonische Element und sowohl von innen als auch von außen erlebbar. Es sind (im Model und bestimmt auch später real) ganz hervorragend aus. Diese HSV-Welt ist dann der Ort der Begegnungen und Kommunikation, sie ist ein Treffpunkt für Mitglieder und Fans, integriert sind darin Ticketverkauf, Fan-Shop und Kaffeebar. Zudem gibt es ein Audimax für Pressekonferenzen, Versammlungen und Veranstaltungen bis zu 280 Personen. Auf der Galerieebene im ersten Stock befinden sich dann auch eine Sportsbar (150 Plätze) und Klubräume (bis jeweils 25 Personen). „Der Campus soll ein zentraler Treffpunkt für unsere Mitglieder und die Fans sein, mit diesem Projekt wird ein großes und starkes Zeichen für den HSV gesetzt“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Alexander Otto.

Gebaut wird der „Campus“ genau zwischen der Arena und den Trainingsplätzen, und zwar auf dem Parkplatz auf Höhe des neuen Kunstrasenplatzes. Schön an diesem Projekt ist, dass von dort auch das Training (an Tagen mit schlechtem Wetter – so wie heute) angesehen werden kann. Und kommen die Fans aus Richtung S-Bahn (nein, nicht Bahrenfeld, natürlich nicht! Sorry) Stellingen, dann werden sie über den „Felix-Magath-Hügel“ zum „Campus“ hinaufgehen können. An diesem „kleinen Berg“ können in Zukunft die Spieler (aller Mannschaften) derart gequält werden, indem sie immer wieder rauf und runter laufen dürfen . . . Auf zum fröhlichen Schweißvergießen.

Das Jugendinternat des Vereins, das derzeit noch in Norderstedt (Jürgen-Werner-Akademie in Ochsenzoll) untergebracht ist, soll später komplett in den „Campus“ ziehen. 20 Appartements (für 20 Nachwuchsspieler) sind vorgesehen, aber diese Zahl ließe sich auch noch erhöhen. Der HSV erhofft sich aus der größeren Nähe von Nachwuchs und Bundesliga-Mannschaft mehr Effektivität. „Wir sind schon lange der Meinung, so wurde es von uns analysiert, dass das, was in den letzten Jahren bis ganz nach oben herauf gekommen ist, zu wenig ist. Die Zusammenarbeit ist nicht so, wie sie sein müsste, die 20 Kilometer nach Norderstedt sind uns zu weit, das ist eindeutig ein Nachteil“, sagte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow über die derzeitige Situation. Aus dem jetzigen Ochsenzoll-Internat sollen wahrscheinlich neue und zusätzliche Umkleideräume gemacht werden, die – so Jarchow – dringend benötigt werden. Carl-Edgar Jarchow abschließend zu diesem Projekt „Campus“: „Mit diesem Vorhaben wollen wir unseren Teil dazu beitragen, den Volkspark, den größten Park Hamburgs, noch attraktiver zu gestalten.“

Für die Zweite HSV-Mannschaft (Regionalliga), die noch in Norderstedt (beim Oberliga-Klub Eintracht) zu Gast ist, gibt es im Volkspark aber keine neue Spielstätte. Diese Saison noch in Norderstedt, in der nächsten Saison dann in Hamburg (vielleicht beim SC Victoria?), so wünscht es sich Carl-Edgar Jarchow – und dann später eventuell als HSV-II-Heimspielstätte das neue Stadion des SV Lurup, das demnächst in der Nähe des „Volksparkstadions“ erbaut werden soll.

Am Rande der „Campus“-Vorstellung sprach Alexander Otto auch noch über die derzeitige Situation des HSV (in der Führungsebene). Der Aufsichtsrats-Boss sagte: „Wir im Aufsichtsrat stehen voll hinter dem gesamten Vorstand. Wir haben alle noch einmal genau betrachtet und analysiert, das gehört dazu. Es wird immer viele Fragen geben, auch die, was es zu verbessern gibt. Das Verhältnis innerhalb des Vorstandes ist aber sehr gut, sehr vertrauensvoll, und so ist es auch zwischen Aufsichtsrat und Vorstand. Deshalb auch das einstimmige Ergebnis beim Thema Frank Arnesen vergangene Woche. Wir müssen weiter kühlen Kopf bewahren.“

Otto sagte dann über das pikante Thema der Finanzen: „Wir haben den Kurs der Entschuldung verlassen, weil wir gesehen haben, dass es sportlich noch einen gewissen Bedarf gibt, den wir decken mussten.“ Mit den Verpflichtungen von Petr Jiracek und Rafael van der Vaart.

Über die – indirekt – heute Trainer Thorsten Fink allgemein befand: „Jetzt kann keiner mehr sagen, dass wir nicht die Qualität hätten, um dieses Spiel am Sonntag in Frankfurt gewinnen zu können.“ Stimmt haargenau. Von der für Sonntag angedachten HSV-Mannschaft aber fehlten heute zwei Spieler im Training: Dennis Aogo blieb mit einer Grippe daheim, und Milan Badelj lief mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark. Später sagte der Coach: „Wir sind voll im Plan, wenn sich keine Beschwerden mehr ergeben, könnte es mit einem Spiel am Sonntag durchaus klappen.“ Thorsten Fink zum „Fall Badelj“: „Am Mittwoch wird er noch nicht mit der Mannschaft trainieren, von Donnerstag an denn schon. Milan hat schon viel gespielt in dieser Saison, deshalb hat er noch nicht so viel verloren – ich habe ein gutes Gefühl für das Frankfurt-Spiel.“

Und: Sollte Aogo ausfallen, so ist Zhi Gin Lam der Ersatzmann Nummer eins – hinten links. Thorsten Fink hat Abstand von der Idee genommen, Marcell Jansen dort aufzubieten. Der Coach: „Das habe ich in der vergangenen Saison einmal gemacht und bin dafür kritisiert, weil das nicht geklappt hat, das möchte ich nicht noch einmal erleben.“ Heiko Westermann könnte eventuell auch links spielen, aber das möchte Fink auch nicht: „Dann muss ich wieder die ganze Abwehr umbauen, das aber will ich vermeiden.“ Ich persönlich würde ja eher Dennis Diekmeier (links oder rechts, dazu Jeffrey Bruma links oder rechts)) spielen lassen, aber das ist natürlich ganz allein Sache des Trainers. In Bremen spielte zuletzt Werder-Kapitän Clemens Fritz statt rechts zum zweiten Mal in seiner Karriere auf links – und es ging. Sollte vielleicht auch mit einem Hamburger Abwehrspieler klappen. Bei Lam bin ich ein wenig unsicher, denn ich habe immer noch seine 90 Minuten von Karlsruhe im Hirn. Ich hoffe, dass auch Thorsten Fink dieses Spiel noch nicht verdrängt hat.

Generell befand der HSV-Trainer vor dem dritten Spiel der Saison: „Wir wollen den positiven Schwung der letzten Testspiel-Ergebnisse mit nach Frankfurt nehmen, um dort ein gutes Resultat zu erzielen. Das wäre deswegen wichtig, um nicht danach gleich wieder Theater zu haben. Wir wollen jetzt mal ein Spiel gewinnen.“ Natürlich, wer will das nicht. Ganz Hamburg lechzt danach. Schon lange. Über eine neue Zielsetzung – nach den letzten Transfers- will Thorsten Fink aber nicht sprechen: „Es wäre jetzt ein Fehler, über einen Platz sechs zu sprechen, wir müssen uns erst einmal Basis schaffen.“. Über Gegner Frankfurt sagte der Coach: „Ein Aufsteiger startet immer mit sehr viel Euphorie in die Saison, deswegen haben mich die beiden Siege der Eintracht auch nicht sonderlich überrascht. Wir wollen da aber trotz allem punkten.“

Über seine Mannschaft sagte Thorsten Fink: „Bislang spielte bei uns der eine oder andere Spieler unter seinen Möglichkeiten, aber der Druck wird jetzt verteilt, wir haben einige gute Leute gekauft, wir schauen nach vorne. Wenn wir gute Ergebnisse in den nächsten Spielen erzielen, dann haben wir auch die Möglichkeit, positiv zu überraschen.“

Wollen wir es mal hoffen . . .

Morgen wird erst um 16 Uhr im Volkspark trainiert, weil bis dahin wohl die meisten Nationalspieler wieder in Hamburg weilen. So auch Artjoms Rudnevs. Der Lette bittet die HSV-Fans und die Kritiker noch um Geduld. „Jeder Spieler braucht Zeit, sich in ein neues Team einzufinden“, sagte der HSV-Stürmer der „Morgenpost“. Und weiter: „Ich werde meinen Spiel-Rhythmus finden und das Level erreichen, das man von mir erwartet.“ Rudnevs kam im Sommer für 3,5 Millionen Euro vom polnischen Erstligisten Lech Posen und konnte bisher nicht überzeugen.

Die Verpflichtung Rafael van der Vaarts sieht er nicht als Erleichterung für die anderen Spieler in der Hamburger Mannschaft an. „Jeder im HSV-Team trägt seinen Teil Verantwortung. Wenn du auf dem Platz stehst, musst du deine Aufgabe erfüllen. Fertig“, sagte Rudnevs. Zu den Zielen der Hamburger meinte der 24 Jahre alte Nationalspieler: „Von uns als Mannschaft erwarte ich klar einen Europa-League-Platz, das ist das Ziel.“

Übrigens: Der HSV bestreitet am 3. Oktober (19 Uhr) ein Testspiel bei Lech Posen. Die Partie findet im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 90-jährigen Bestehens des polnischen Traditionsklubs statt. Rudnevs kehrt bei dem Spiel an seine alte Wirkungsstätte zurück.

Nicht an alter Wirkungsstätte, aber auch nicht an unbekannter weilte am Sonntag Uwe Seeler. Das HSV-Idol kämpft nun gegen den Zorn der eigenen Fans. Beim „Tag der Legenden“ plauderte Seeler – auf einer Bank sitzend – mit dem 1954-Weltmeister Horst Eckel, ehe sich der Ehrenspielführer zum Schutz vor der Hitze eine Mütze reichen ließ. Dumm nur, dass die das Logo des Stadtrivalen FC St. Pauli zierte, da das Benefizspiel am Millerntor stattfand. Der Fan-Ärger entlud sich später im Internet, Seeler wiederum sah den Vorfall pragmatisch: „Wenn ich hier ohne Mütze sitze, sehe ich nachher aus wie ein Leuchtturmwärter . . .“

Dann gab es noch eine ganz besondere Zuschrift, die an mich gerichtet war, die ich aber gerne veröffentliche. Vielleicht ergibt sich daraus ja ein „Schneeballsystem“:

„Sehr geehrte Matz-abber.

Ich schreibe Ihnen hier, weil wir Ihre Hilfe brauchen. Und weil wir hoffen, dass Sie vielleicht genau so denken. Wir sind ein HSV-Fan-Club in Hessen und sind sehr glücklich über den Transfer von unserem kleinen Engel Rafael van der Vaart. Doch ich muss sagen, ich kann auch verstehen, dass der HSV-Vorstand dadurch ein großes finanzielles Risiko eingeht und sich Sorgen macht. Die Idee von Herr Kühne fand ich damals klasse, dass wir Fans etwas spenden, um den Transfer möglich zu machen. Da dies meines Wissens nicht passiert ist, möchten wir gerne die HSV-Fans bewegen, mit zu machen, dem HSV unter dem Motto „Spende van der Vaart Transfer“ eine kleine Summe zu spenden, es müssen ja nicht die von Herr Kühne geforderten 100 bis 200 Euro sein. Aber auch wenn 70 000 Mitglieder nur 10 Euro spenden, wäre das eine super Summe. Und ich denke, dass die meisten glücklich über den Transfer sind und ein bisschen was spenden würden und könnten. Ich meinerseits werde ab dem 1. Oktober dreimal 50 Euro spenden. Ich hoffe diese Idee gefällt Ihnen. Und das Sie uns unterstützen. Oder gibt es schon so eine Unternehmung?

Auf eine Antwort Ihrerseits würde ich mich sehr freuen.“

Vielleicht gibt es dazu ja auch Antworten aus unseren Reihen?

18.03 Uhr