Tagesarchiv für den 7. September 2012

Aufwachen Teil zwei – es muss etwas passieren!

7. September 2012

In der Ruhe liegt die Kraft. Beim HSV ist in den Tagen der Länderspielpause fast alles fast auf Null zurückgefahren. An diesem Morgen wurde eine Stunde im Volkspark trainiert, es waren die letzten Aufrechten, die dabei mitmachten. Und an diesem Freitag wird dann ja auch noch in Niendorf gespielt, um 18.30 Uhr – mit dem letzten Aufgebot. Trainer Thorsten Fink hat zehn Feldspieler zur Verfügung, holt sich noch zwei, drei A-Jugendspieler dazu – für den Fall der Fälle. Hoffentlich haben alle schon ihren Freischwimmer gemacht . . .

Für die Trainings-Kiebitze lohnt sich allerdings trotz der Tatsache, dass nur wenige Profis anwesend sind, ein Gang in den Volkspark, denn Rafael van der Vaart ist ja dabei. Und ist natürlich besonders nach der Einheit heiß begehrt. Was ich beobachtet habe: „Raffa“ erfüllt alle Wünsche, er schreibt und schreibt und lässt sich bereitwillig fotografieren. Allein, zu zweit oder in der Gruppe. Das ist schon vorbildlich. Für jeden gibt es ein Lächeln, gelegentlich auch einen Klaps auf die Schultern – der Mann versteht es, seine Beliebtheit noch zu forcieren. Wobei ich eines sagen muss: Autogramme zu schreiben ist ja nun auch nicht die schlimmste Beschäftigung. Natürlich geht da etwas Freizeit drauf, aber stellt man sich auf Dauer nur stur, dürfte der Bekanntheitsgrad auch schnell dahinschmelzen. Und wenn ich so an Uwe Seeler denke, wie viele Autogramme der Mittelstürmer Nummer eins bereits in seinem Leben gegeben hat, und wie viele er noch schreiben wird (unermüdlich und mit einem Lächeln und oft auch mit einem Spruch auf den Lippen), dann hat Rafael van der Vaart noch so einiges vor sich. Aber auch das gehört eben zum Leben eines Profi-Fußballers dazu . . .

Und er, der „kleine Engel“, ist ja nun mal der große Hoffnungsträger des HSV. An ihn klammern sich in diesen Tagen alle, und ich werde, nicht nur beim Training, immer wieder gefragt, was ich denn so denke? Geht es mit van der Vaart wieder bergauf mit dem HSV?

Meine Antwort: „Er allein wird es ganz sicher nicht richten können. Zum Glück aber hat er nun schon Könner wie Milan Badelj und Petr Jiracek an seiner Seite, die tüchtig mithelfen werden, den HSV wieder aus dem Sumpf zu ziehen. Ohne diese beiden Zugänge würde auch ein Rafael van der Vaart total überfordert sein, aber zum Glück sind diese drei neuen Spieler ja noch geholt worden (oder die zwei – Badelj war ja schon Wochen vorher verpflichtet), sonst hätte ich in der Tat keinen Pfifferling mehr auf den Erstliga-Klub HSV gegeben. Im Gegensatz zu Sportchef und Trainer, die ja auch so vom Klassenerhalt überzeugt waren – das Gegenteil ist nun nicht mehr zu beweisen. Denn jetzt, und das habe ich heute beim Training mindestens vier HSV-Fans gesagt, bin ich vom Nicht-Abstieg des HSV restlos überzeugt. Obwohl ich in Richtung des 125. Geburtstages durchaus noch ein wenig skeptisch bin. So sehr viele Punkte wird der HSV am Abend des 29. September 2012 noch nicht auf seinem Konto haben – aber dann geht sollte es mal wieder losgehen.

Und wo ich gerade eben bei Sportchef (und Trainer) war. Gefragt wurde ich an diesem Morgen auch, warum ich in Sachen Frank Arnesen gestern nichts mehr geschrieben habe. Meine Antwort: „Weil ich das Gefühl habe, dass die Liebeserklärung, die alle abgegeben haben, nur vorläufig und auch nur oberflächlich ist. Hinter den Kulissen herrscht ein buntes Treiben, da geht es hoch her und auch ganz schön zur Sache. Da ist das letzte Wort auch noch nicht gesprochen, und deswegen warte ich mal ab, wie sich das alles noch entwickeln wird.“ Ich denke mal, dass da doch noch Köpfe rollen werden . . . Aber abwarten.

Zu diesem Thema hatte ich gestern auch noch einen Anruf eines großen HSVers erhalten. Ihm habe ich im Laufe des Gesprächs gesagt: „Wie weit ist es in einem Sportverein eigentlich gekommen, wenn zu einem Treffen zwischen der Klub-Führung und dem Sportchef zwei Anwälte mitgebracht werden? Mehr Misstrauen geht ja wohl gar nicht, oder?“
Das ist doch so, als wenn es im Hause Matz eine Aussprache gäbe – und Frau M. und Herr M. bringen beide gleich ihre Scheidungsanwälte mit. Nein, meine Herren, das muss schon eine ganz besondere Situation sein, wenn „Mann“ gleich solche Geschütze auffährt. Aber diese Herren wissen eben, woran sie sind. Dass da nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen wird, sondern dass eine „Kriegerklärung“ kurz bevor steht.
Und – wer sich jetzt über dieses Wort echauffiert, der sollte sich, bevor er lospoltert, vielleicht nur noch einmal die Tatsache vor Augen führen: Besprechung beim HSV, und zwei Seiten bringen ihre Anwälte mit! Das ist ein Novum. Mein Gott, wie weit ist es mit diesem Klub schon gekommen? Und wie weit soll es noch gehen?

Bei der Gelegenheit: Ich möchte mich bei allen kleinen und großen HSVern bedanken, die mir per Anruf, sms oder per Mail zu meinem heutigen Artikel im Abendblatt gratuliert haben. Es waren auch Leute vom ganz großen Kaliber (von HSVern) dabei, und das macht mich schon ein wenig stolz. Noch besser allerdings wäre es, wenn das alles endlich einmal Konsequenzen jener Art hätte, dass der gesamte Verein wach wird und es einen Ruck durch diesen Klub gäbe. Mal im Ernst, so darf es doch nicht weitergehen, in dieser Form wird der HSV doch früher oder später an die Wand gefahren. Wenn ich vor Wochen hier noch geschrieben habe, dass die sportliche Führung endlich aufwachen sollte, damit es nicht im Sturz in Liga zwei endet, so möchte ich heute jenen Verantwortlichen, die diesen Verein lenken, zurufen: „Liebe Leute, wacht auf, stellt euer Ego ins zweite Glied, denkt an diesen ruhmreichen HSV und versucht zu retten, was noch zu retten ist. Wacht auf und handelt nicht in eurem Sinne, sondern nur und einzig und allein im Sinne des Hamburger Sport-Vereins.“

Und damit ist jetzt nicht nur die Klub-Führung gemeint, sondern alle, die von sich glauben, dass es ohne sie in diesem Klub nicht geht. Bitte wacht auf!

Bei der Gelegenheit: Am Montag war ich bei der 19. Hamburger Soiree (im Hotel Vier Jahreszeiten), als Thorsten Fink und sein Trainer-Kollege Andre Schubert vom Nachbarn St. Pauli interviewt wurden. Da gab es vorher und nachher die Gelegenheit, mit HSVern und dem HSV nahestehenden Männern zu sprechen. Und so war es wohl auch gestern, beim HSV-Golf, an dem ja auch einige Spieler teilnahmen. Da wurde danach auch noch eifrig geklönt. Bei beiden Veranstaltungen wurde hinter der vorgehaltenen Hand auch (natürlich) über die aktuelle Entwicklung des HSV gesprochen. Ich war schon erstaunt, wie schonungslos offen über einen besonderen Punkt gesprochen wurde: die Leistungsfähigkeit des HSV – vornehmlich in der vergangene Saison.

Ihr erinnert euch: Niederlagen waren schon zwei Stunden später Fast-Siege, grottenschlechte Leistungen waren schon sehr bald solide Leistungen, der Mannschaft, die einen Schritt vor dem Abgrund stand, wurde immer und immer wieder die absolute Erstliga-Tauglichkeit zugesprochen. Obwohl alle Experten und viele, viele Fans stets ganz andere Spiele des HSV wahrgenommen hatten.
Mit einem Wort, es ging ums Schönreden. Darin war der HSV 2011/12 meisterlich. Was mich in dieser Woche aber besonders wunderte ist die Tatsache, dass das wohl alle HSVer so gesehen haben und hatten. Nur haben sie nie etwas dazu gesagt. Aber nun.
Wieso aber nun?

Warum sind jene Leute, die Einfluss haben oder einst hatten, nicht schon viel früher mal an die Öffentlichkeit gegangen und haben gesagt: „Wir haben die Nase voll. Hier werden uns Leistungen, die unter aller Kanone sind, als großartig verkauft. Als wenn wir alle dusselig wären . . .“
Das aber ist nie geschehen. Und jetzt im Grunde ja immer noch nicht, denn es handelte sich in diesen Gesprächen ja nur um Smalltalk. Alle Beteiligten wussten und wissen, dass ein solches Gespräch ja nicht für die Öffentlichkeit (sprich Zeitung) bestimmt war (ist). Keinerlei Gefahr also, demaskiert zu werden.

Noch einmal kurz zurück zur sportlichen Seite des HSV: Tomas Rincon und Gojko Kacar trainieren in diesen Tagen schon wieder eifrig mit Reha-Trainer Markus Günther auf dem Rasen – und mit Ball. Sieht so aus, als könne es mit beiden Spielern schon bald wieder losgehen. Zwei „Neuzugänge“ für den HSV – ist ja nicht verkehrt.

So, in Hamburg hat es doch noch aufgehört zu regnen, Niendorf fällt also nicht ins Wasser (und wird auch kein Wasserball). Ich habe in den Agenturen heute noch drei Meldungen gefunden, die für den einen oder anderen „Matz-abber“ durchaus von Interesse sein könnten. Besonders diese DPA-Meldung (da war doch mal was . . .):

Leipzig – Vermögend, aber bei vielen Fans unbeliebt: Fußball-Regionalligist RasenBallsport Leipzig stand Anfang der Woche zum wiederholten Male kurzfristig ohne Testspielgegner da. Diesmal wollten die Fans von Drittligist Kickers Offenbach kein Spiel gegen den von einem Brausehersteller gesponserten Verein austragen. „Mir war das Politikum RB Leipzig, was viele Fans auch bundesweit bewegt, in diesem Maße nicht bewusst“, gab Geschäftsführer Jörg Hambückers bei der Begründung der Absage zu. Offenbach wandte sich dann mit dem Testspiel-Wunsch an Dynamo Dresden. RB Leipzig fand dagegen keinen Ersatz.

„Wir kommentieren nicht, was bei anderen Vereinen passiert. Unser zukünftiger Erfolg wird nicht von solch einem Testspiel abhängen“, sagte RB-Pressesprecher Sharif Shoukry. Es sei aber mühsam und anstrengend, jedes Mal kurzfristig reagieren zu müssen: „Da steckt immer viel Arbeit im Vorfeld drin“, so Shoukry. Immerhin hatte zuletzt bereits Zweitligist FC Erzgebirge Aue – zu DDR-Zeiten als Wismut Aue selbst eine Betriebssportgemeinschaft – eine lose Testspiel-Anfrage wieder verworfen, nachdem dort Fans ihren Unmut kundtaten.

In der Vorsaison hatten Hessen Kassel und der 1. FC Union Berlin vereinbarte Testspiele gegen RB Leipzig ebenfalls nach Fanprotesten abgesagt und schließlich gleich gegeneinander gespielt. „Ich finde es sehr bedauerlich, wenn Fans aktuell auf den Zug aufspringen und oberflächlich von Tradition reden. Es geht doch bei allen Vereinen ums Geld“, sagte RB-Trainer Alexander Zorniger.

Fanforscher Martin Thein gibt Zorniger recht: „Red Bull ist für viele aktive Fans der Inbegriff der Kommerzialisierung. Aber das ist schon ein wenig scheinheilig, immerhin haben alle Vereine heute Sponsoren.“ Es gehe den Fans aber immer öfter darum, sich öffentlich Gehör zu verschaffen und Kampagnen zu starten, so Thein: „Die Vereine sind vor allem von der Wucht und Dynamik des Internets ein bisschen überfordert. Das zeigt auch, dass den Vereinen mitunter das Gespür fehlt, wie die eigene Fan-Szene zu Themen steht.“ Auch die Reaktionen der Bremer Fans auf den Sponsoren Wiesenhof oder Nürnberg, wo die Fans vehement eine Änderung des Stadionnamens fordern, würden das belegen.

Und dann noch etwas zum Schmunzeln. Wenn es nicht so ernst wäre, müsste man eigentlich laut loslachen und die Verantwortlichen fragen, ob sie nicht lieber auf dem Mond oder auf dem Mars um Punkte kämpfen wollen:

Der Auftritt des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Ailton in der sechsten Liga bei Hassia Bingen nimmt immer abstrusere Formen an. Wie die Bild-Zeitung berichtet, verlangt der Verein des früheren Profis von Werder Bremen und Schalke 04 eine Antrittsgebühr bei Auswärtsspielen, sonst läuft Ailton nicht auf.
Auf viel Verständnis stößt das Team des „Kugelblitzes“ damit nicht. „So weit kommt es noch. Man stelle sich vor, der FC Barcelona bringt Messi mit nach München und verlangt von den Bayern, dass sie dafür bezahlen. Dabei schwächt sich Bingen nur selbst, wenn sie Ailton auswärts nicht spielen lassen“, sagte Georg Humbert, Vorstandvorsitzender des TB Jahn Zeiskam.

Dann soll es noch auf Reisen gehen:

Fußball-Bundesligist Hamburger SV wird in drei Monaten ein Testspiel der besonderen Art bestreiten. Die Mannschaft von Trainer Thorsten Fink tritt am 8. Dezember beim brasilianischen Traditionsklub Gremio Porto Alegre an und weiht dort die neue „Gremio Arena“ in der Hafenstadt des WM-Gastgebers 2014 ein. „Das ist für alle Beteiligten und vor allem für die Spieler eine tolle Erfahrung“, sagte HSV-Sportchef Frank Arnesen. „Es ist schön, dass wir uns mit einer brasilianischen Mannschaft messen können.“ Die beiden Teams kennen sich aus dem Weltpokalfinale 1983. Damals gewannen die Südamerikaner gegen den Europapokalsieger der Landesmeister 2:1 nach Verlängerung.

Zuletzt noch in eigener Sache.

Wie von „illiminatus“ vorgeschlagen, möchten wir gerne (wahrscheinlich am kommenden Mittwoch) eine „Matz-ab-live“-Sendung mit euren Fragen (an „Scholle“ und mich) senden. Jetzt seid ihr gefragt: Bitte sammelt in gewohnter Form eure Fragen. Dazu fängt einer an die Fragen in einem Kommentar zu stellen, der nächste kopiert die Fragen vom Vorgänger und stellt seine eigenen hinten an, so dass wir am Ende einen Kommentar mit allen gesammelten Fragen haben. Bitte achtet drauf, dass keine Fragen beim Kopieren verloren gehen (weil ggf. jemand anderes noch schneller beim Posten war).

Das Moderatoren-Team hat die Aufgabe, zwei neutrale „Matz-abber“ einzufangen, die mir und „Scholle“ die Fragen stellen. Es ist dann aber so wie beim Interview mit dem HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl-Edgar Jarchow: Fragen, die unter die Gürtellinie gehen, die fallen selbstverständlich unter den Tisch. Und natürlich wird auch hier eine gewisse Sendezeit nicht überschritten. Notfalls werden die Fragen, die nicht gestellt werden konnten, aufbewahrt und beim nächsten Mal gestellt. Alles klar?

Vom Spiel in Niendorf wird hier (am Ende) nach dem Schlusspfiff (natürlich) berichtet.

So, Spiel beendet, der HSV landet erneut einen Auswärtssieg. Nach einem 9:0-Halbzeitstand gab es einen 11:2-Erfolg beim Oberliga-Klub TSV Niendorf. Vor 2962 zahlenden Zuschauern brannte der HSV in Halbzeit eins ein kleines Feuerwerk ab. Schade, dass der Regen dieses Fest ein wenig (sehr) beeinträchtigte. In der zehnten Minute sorgte Testspieler Valmir Nafiu (18-jähriger Stürmer vom FC Basel) für das frühe Führungstor. Danach trafen Heung Min Son, Janek Sternberg, Nafiu, Tolgay Arslan, Rafael van der Vaart, Son, Arslan, Robert Tesche, Son und Nafiu zum 11:0. Nick Scharkowski und Ebenezer Utz trafen dann für “Scholles” tapferen Niendorfer.
HSV-Testspieler Nafiu hinterließ einen guten Eindruck, die ersten beiden Treffer von ihm waren Marke “Tor des Monats”. Das Sturm-Talent war zwar nicht volle 90 Minuten zu sehen, aber er hatte viele starke Szenen.

Aktualisiert um 20.29 Uhr

17.41 Uhr