Tagesarchiv für den 4. September 2012

12:0 – Torfestival zur Van-der-Vaart-Premiere

4. September 2012

Er ist wieder da. Und wie! Rafael van der Vaart sorgt beim HSV für Aufbruchstimmung wie lange nicht. Schon bei der Ankunft am Freitag war vor der Imtech-Arena die Hölle los. Tosender Applaus, van-der-Vaart-Sprechchöre und Blitzlichtgewitter zierten heute die Ankunft des 13-Millionen-Einkaufs. Gleiches und noch etwas mehr heute bei seinem ersten Auftritt als HSV-Rückkehrer. „Es ist schön“, freute sich van der Vaart, „es ist, als käme ich nach Hause.“ In Schwarzenbek absolvierte der Niederländer sein erstes Spiel seit vier Jahren für den HSV – und das gleich als Mannschaftskapitän, seit seinem damaligen Wechsel zu Real Madrid, ehe er zu Tottenham und inzwischen wieder nach Hamburg wechselte. „Ich bin hier, um Verantwortung zu übernehmen“, meldete van der Vaart gleich Ansprüche an. Sehr zur Freude von Trainer Thorsten Fink. „Es wird für uns insgesamt sehr förderlich sein“, weiß Fink, „da sich an ihm viel festmachen lässt. Er hat die Mentalität, die wir brauchen. Er nimmt den Druck von dem einen oder anderen Spieler, der damit Probleme hatte.“

Und es dauerte gerade sechs Minuten und 25 Sekunden, ehe der Publikumsliebling das erste Mal einnetzte. Nach Querpass von Heung Min Son netzte van der Vaart locker mit links aus sieben Metern zum 3:0 ein. Es folgte ein Tor von Zhi Gin Lam, ehe van der Vaart erneut einen aus dem Fuß schüttelte. Per Traumpass bediente er Dennis Diekmeier, der den Torwart und HSV-Sportfive-Mitarbeiter Henning Bindzus umkurvte, um zum 5:0 einzuschieben.

Und auch wenn der Gegner „nur“ der Landesliga-Vierte SC Schwarzenbek hieß, Rafael van der Vaart macht einen Unterschied. Sein Passspiel, seine Präsenz – bestechend! Fast jeder Angriff lief über ihn, die Pässe kamen gestochen scharf und zielgenau. Van der Vaart ist eine Lösung – wenn irgendwer auf dem Platz in Bedrängnis gerät hat er immer den Niederländer als Anspielpunkt. „Das Spiel wird mit ihm deutlich kreativer, besser“, sagt Fink, „und daran werden auch andere Spieler wieder wachsen.“

Es dauerte bis zur 61. Minute, ehe van der Vaart unter großem Applaus gegen Felix Brügmann ausgewechselt wurde. Und mit van der Vaart verließ ungefähr ein Drittel der Zuschauer das Stadion Schützenallee. Zwölf Ordner begleiteten van der Vaart schützend in die Kabine, hunderte Kinder versuchten, ein Autogramm zu bekommen. „Es hat riesig Spaß gemacht“ freute sich van der Vaart, „gerade mit den Fans. Jetzt kann es losgehen.“

Und der „kleine Engel“ verbreitet nicht nur im Umfeld Aufbruchstimmung. Auch innerhalb der Mannschaft. Marcell Jansen hatte den neuen Spielmacher ausreichend gelobt. Und van der Vaart gibt die Komplimente zurück. „Wir haben viele Spieler, die sehr gut kicken können. Hoffe, dass durch mich ein wenig Selbstvertrauen zurückkommt.“ Dass zu viel Theater um seine Person gemacht wird, findet van der Vaart nicht. Im Gegenteil: „Ich mag den Hype um mich.“

Ohne hier übertreiben zu wollen: aber dieser HSV macht wieder Spaß. Zumal mit Milan Badelj, dessen Muskelfaserriss bis zum Frankfurt-Spiel auskuriert sein soll, und Petr Jiracek noch zwei qualitativ hochwertige Spieler dazukommen. „Petr ist eine Maschine“, freut sich Fink, der auf die Kraft und die Dynamik von Jiracek im Verbund mit der Ruhe und dem Auge von Badelj im defensiv-zentralen Mittelfeld setzt. „Mit Milan haben wir die Ruhe im Spielaufbau, die gefehlt hat“, so Fink, „ich glaube auch, dass der Puls bei Milan insgesamt ganz selten hoch geht.“

Einer, der davon maßgeblich profitieren soll, ist Dennis Aogo. Der Linksverteidiger steckt in einem Dauertief. Grund genug für Thorsten Fink, sich mit seinem Problemspieler hinzusetzen. Seit Wochen klappt nicht mehr viel. „Ich habe mit ihm gesprochen“, so Fink, „Führungsspieler sind nur die, die auch entsprechend Leistung bringen. Daran muss er jetzt arbeiten. Vielleicht muss er einfach mal weniger nachdenken, einfach spielen.“ Der Linksverteidiger selbst scheint mit der Situation mehr Probleme zu haben, als er zugibt. „Es wird wieder“, so Aogo, „ich arbeite hart und der Rest kommt wieder. Ich mache mir da nicht so einen Kopf.“

Gegen Schwarzenbek harmonierte Aogo mit Jansen – er traf allerdings trotz bester Gelegenheiten nicht. Passend zu seiner Situation: Vor dem Spiel legte sich Fink auf Aogo als Kapitän fest – änderte dies aber in letzter Sekunde. Doch auch van der Vaart wird die Binde wieder abgeben – und hat damit kein Problem: „Das war nur heute. Heiko ist ein sehr guter Kapitän.“

Sehr gelungen war auch der Auftritt vor den Toren Hamburgs. Tesche (51.), Son (54., 57.), Brüggmann (74.), Arslan (84.) schraubten das Torfestival auf 12:0 hoch. „Das war schon hart – selbst für mich war das richtig anstrengen“, so SC-Keeper Bindzus am Ende eines von allen Zuschauern gefeierten Spiels. Rafael van der Vaart sei Dank.

HSV: Neuhaus – Diekmeier, Mancienne, Sternberg, Aogo (61. Dettmann) – Lam (46. Steinmann), Tesche, Jansen – van der Vaart (61. Brügmann) – Son, Arslan.

Tore: 0:1 Jansen (4.), 0:2 Diekmeier (6.), 0:3 van der Vaart (6:25 Minuten), 0:4 Lam (18.), 0:5 Diekmeier (26.), 0:6, 0:7 Son (44., 45.), 0:8 Tesche (51.), 0:9, 0:10 Son (54., 57.), 0:11 Brügmann, 0:12 Arslan. Zuschauer: 2500 (ausverkauft).

P.S.: Morgen wird es großes Theater beim HSV geben. Grund ist ein Bericht in der „SportBild“, in dem Frank Arnesens Transferabwicklungen – insbesondere bei dem Transfer von Milan Badelj – untersucht werden. Ich lass das Thema hier vorerst ruhen, da das Thema juristisch sehr heikel ist und Arnesens Anwalt bereits Konsequenzen androhte, sollte seinem Mandanten Unrecht getan werden. So, und jetzt ist gleich der Akku leer, deshalb schnell die Abmoderation eines schönen Fußballtages…

Bis morgen, da wird um zehn Uhr an der Arena trainiert!

Scholle

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