Tagesarchiv für den 1. September 2012

Wieder kein HSV-Tor – 0:2 in Bremen

1. September 2012

Die Wende ist eingeleitet, aber sie hat sich auf dem Rasen des Weserstadions nicht in Punkten niedergeschlagen. Der HSV verlor das Nordderby in Bremen mit 0:2, völlig verdient, obwohl die Leistungen der Hamburger nicht so schlecht wie in der jüngeren Vergangenheit waren. Letztlich aber setzte sich das bessere Team durch, das muss festgehalten werden. HSV-Keeper Rene Adler stellte sich an der Weser in Weltklasseform vor und verhinderte – vor allem nach dem 0:2-Rückstand – eine noch deutlichere Niederlage. Der HSV wird sich in den nächsten Tagen erst sammeln und finden müssen, um aus dieser „neuen“ Mannschaft endlich auch wieder eine schlagkräftige Einheit zu formen. Jetzt ist die sportliche Führung um Trainer Thorsten Fink gefragt, die Klub-Führung hat alles Menschenmögliche getan, um die Qualität zu verbessern. Was bedenklich ist – immer noch: wieder schoss der HSV kein Tor.Obwohl es Chancen gab. Ich bin trotz allem optimistisch, dass es schon bald wieder bergauf gehen wird, denn diesmal ist Substanz zu erkennen. Darauf hoffen wir. Demnächst beim Auswärtsspiel in Frankfurt.

Thorsten Fink sagte vor dem Spiel bei Sky noch zur Lage in Hamburg gesprochen: „Rafael van der Vaart war natürlich einer meiner Wunschspieler. Er ist jemand, der sich mit dem Verein identifiziert – von daher passt er genau zu uns. Und dass er auch ein hervorragender Fußballer ist, weiß jeder.“ Dann befand der HSV-Coach zur Lage: „Man hat uns als Klub allgemein sehr viel kritisiert. Aber wir können auch gute Spieler holen und machen nicht nur Unsinn im Verein. Wir haben gute Transfers gemacht, nicht nur mit Rafael van der Vaart, sondern auch mit Milan Badelj, Petr Jiracek und all den anderen Spielern. Ich denke, dass wir jetzt ein gutes Mittelfeld haben und im Verein allgemein gut arbeiten. Wir haben einen mehr verpflichtet im Mittelfeld als wir eigentlich wollten. Von daher bin ich als Trainer sehr zufrieden mit dem Kader und jetzt blicken wir mit Optimismus in die Zukunft.“

Zum Spiel:

Das sah – trotz der Tatsache, dass es wieder keine Punkte gab – schon nach Fußball aus, was der HSV an der Weser bot. Endlich wurde wieder einmal zügig von Abwehr auf Angriff umgeschaltet, in den meisten Szenen waren die Hamburger um Tempo bemüht – das war Erstliga-Niveau. Endlich mal wieder! Was zwei Mann (und der auf der Tribüne sitzende van der Vaart) doch ausmachen können. Es ist Zug in der Truppe, die meisten Spieler wirkten selbstbewusster und entschlossener (Leistung bringen zu wollen). Fußball ist ein Laufspiel, das hatte man in den letzten Jahren und Monaten nicht immer gesehen, aber diesmal wurde viel und sichtbar engagierter gelaufen. Bis zum Bremer 2:0 in der 67. Minute. Da verlor Zugang Petr Jiracek den Ball leichtfertig kurz vor dem Strafraum, Hunt schaltete blitzschnell, bediente Petersen – und der ließ Rene Adler keine Chance.

Bitter, weil schon das 1:0 für Werder ein krasser Hamburger Fehler war, denn Dennis Aogo hatte den Ball im Strafraum eigentlich sicher am Fuß, verlor ihn dann aber doch – und Petersen spitzelte ihm die Kugel vom Fuß. Was dann folgte, war klassisch, Aogo brachte den ehemaligen Bayern-Stürmer zu Fall, Strafstoß (51.). Und den zweiten Versuch (den ersten in der 41. Minute hielt Adler) nutzte Hunt dann doch zum Führungstreffer. Tragisch.

Diese individuellen Fehler muss der HSV endlich abstellen, wenn es wieder nach oben gehen soll. Da ist ganz einfach mehr Konzentration gefragt – oder ist das eine Frage der Kraft?

Die Einzelkritik:

Rene Adler war schuldlos an der Niederlage, er war bis zum zweiten Elfmeter der überragende HSV-Mann, hielt bis zum zweiten Elfmeter alles, so ist er bald wieder bei „Jogi“ Löw, keine Frage.

Jeffrey Bruma legte Elia überwiegend an die Kette, beim Elfmeter ging er viel zu ungestüm zur Sache. Dinge dieser Art muss er endlich einmal ablegen, wenn er seinen Platz hinten rechts behalten will. Und eigentlich hätte er die Klasse, dort zu spielen.

Michael Mancienne solide Partie, fast fehlerlos, diesmal auch nicht die Fülle an Abspielfehlern wie noch gegen Nürnberg.

Heiko Westermann begann ganz schwach auf der „alten“ Position, da waren fünf Fehler dabei, die eigentlich nicht passieren dürften. Steigerte sich aber nach 25 Minuten deutlich.

Dennis Aogo ein, zwei Szenen, in denen er ein wenig zu lässig wirkte, ansonsten aber okay. Beim 0:1 aber pennte er, als er Petersen dann legen musste – Elfmeter. Den Österreicher Arnautovic aber, vor dem ich vorher die meiste Angst hatte, hatte er meistens im Griff.

Petr Jiracek verletzte sich früh im Zweikampf mit Arnautovic, als der fleißige und kämpferisch überzeugende Tscheche einen Westermann-Fehler ausbügeln musste – biss sich aber tapfer durch. Bis zum 0:2, das er „vorlegte“, bot er sine auffällige Partie, der ehemalige Wolfsburger wird dem HSV Klasse verleihen – wenn er „voll“ drin ist in der neuen Mannschaft.

Milan Badelj bot auf Anhieb eine großartige Leistung, stark am Ball, großes Laufvermögen, gutes Auge, sachliches Spiel. Ein großer Gewinn für den HSV. Musste zur Pause raus.

Heung Min Son müsste endlich mehr Durchsetzungswillen entwickeln, zudem auch gedanklich schneller werden, viele Szenen erinnern mich bei ihm noch an Jugendfußball. So viel Zeit hat er heute aber nicht mehr, das muss er begreifen. Und auch dass er eine gewisse Naivität ablegen muss. Immerhin, er arbeitete stets fleißig und aufmerksam mit nach hinten.

Marcell Jansen war eine ganz große Stütze, lief viel, lief auch endlich wieder einmal mit vollem Tempo, war vorne und hinten zu finden, leitete einige gute Sachen ein – auf dem Wege zu seiner besseren Form. So darf, so muss er weitermachen.

Ivo Ilicevic spielte das Phantom (und gab den Platzhalter für van der Vaart) und wurde von Sky-Reporter Fritz von Thurn und Taxis erstmalig in der 44. Minute erwähnt. Bis dahin war der ehemalige Lauterer nicht zu sehen – und das ist noch höflich umschrieben. Nein, nein, von ihm müsste eigentlich so allmählich viel, viel mehr kommen. Vielleicht hätte ihm ein Tor gut getan – er hätte es in der 65. Minute schießen können, zielte aber weit daneben.

Artjoms Rudnevs war eine Belebung für diesen HSV, das muss ihm ganz klar bescheinigt werden. Naturgemäß glückte ihm nicht alles, aber er hatte Biss, ging zur Sache, wollte etwas bewegen. Und er hätte mit Glück in der sechsten Minute schon für das 1:0 des HSV sorgen können, als er energisch nachsetzte und dann doch (leider) daneben schoss. Hatte auch noch in der 63. Minute eine Chance (nach Son-Pass), aber auch diesmal flog der Ball vorbei. In der Wirkung aber deutlich besser als sein Vorgänger Berg. Deutlich. Und trotz allem muss er noch kräftig zulegen, um die Sturmprobleme des HSV doch noch zu lösen.

Die Einwechselspieler:

Robert Tesche kam in der 46. Minute für Badelj und ordnete sich recht unauffällig ein. In der 79. Minute kassierte er die erste Gelbe des Spiels.

Marcus Berg kam in der 70. Minute für Ilicevic, fiel aber nicht mehr groß auf.

Maximilian Beister kam in der 70. Minute für Son und fiel gleich unangenehm auf, als er im Konter aus gefühlten 40 Metern abzog, anstatt diesen Angriff auszuspielen. Jugendlicher Übereifer, aber Fink war sauer – verständlicherweise.

PS: Gleich sind wir mit „Matz ab live“ auf Sendung, zu Gast sind heute zwei Männer: HSV-Torwart Sven Neuhaus und der „Matz-abber“ „HSVDonald“. Bis gleich, „Scholle“ und ich, wir würden uns freuen, wenn ihr dabei seid.

17.28 Uhr