Monatsarchiv für September 2012

“Dittsche”: “Adler ist ein reiner Titan!”

30. September 2012

„Wir sind alle sehr dankbar, dass unser Verein nicht zwei Wochen früher gegründet wurde . . .“ Bei seiner Begrüßungsansprache in der 02 World-Arena scherzte der HSV-Vorstandsvorsitzende Carl-Edgar Jarchow über die aktuelle Punktausbeute seines Klubs – denn vor einer Woche hatten viele Skeptiker noch befürchtet, dass der Klub ohne einen Punkt in die Feierlichkeiten zum 125. Geburtstag gehen würde. Dieses Horror-Szenario aber blieb dem HSV zum Glück erspart. Nach dem glücklichen 1:0-Sieg gegen Hannover 96 war „ganz Hamburg“ in Partylaune. Fast 12 000 Zuschauer waren nur ein, zwei Stunden nach dem zweiten „Dreier“ der Saison gekommen, um den Ehrentag des Bundesliga-Dinos zu feiern. Ganz sicher gab es spät in der Nacht, das will ich nicht verheimlichen, auch manche kritische Stimme, weil bestimmt nicht alles so rund gelaufen war, wie gedacht oder geplant. Es gab auch manche kritische Stimme, weil das Jubiläums-Programm nicht jedermanns Geschmack war – aber ich kann für mich sagen: Ein toller und gelungener Abend, es waren großartige Künstler dabei, die mir alle uneingeschränkt sehr gefallen haben. Die Geschmäcker sind eben verschieden.

Für mich war es wunderschön – und fast unglaublich, wie viele prominente HSV-Persönlichkeiten zu diesem Festtag mal wieder nach Hamburg gekommen waren. Das war ein Klassentreffen XXXL. Ganz, ganz hervorragend. Wo soll man anfangen, wo soll man aufhören? Als Uwe Seeler vorgestellt wurde, erhoben sich alle Gäste von ihren Sitzen. Und donnernden Beifall gab es, als „uns Uwe“ sagte: „Für mich ist der HSV schon immer alles – das war mein Leben: Erst Schule und Sport – das war der HSV. Nachher Beruf und Sport – das war auch der HSV. Und jetzt als Passiver auch der HSV. Der HSV wird immer der HSV bleiben und in meinem Herzen verankert sein.“

Die Spieler der Meistermannschaft von 1960, Horst Schnoor, Jochen Meinke, Klaus Neisner, Gert Dörfel und Franz Klepacz (der nicht spielte) waren zu diesen Feierlichkeiten gekommen, der schwer erkrankte Erwin Piechowiak fehlte. Ich hatte den Verteidiger noch am Vormittag getroffen, er ist am Freitag aus dem Krankenhaus entlassen worden, es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Für dieses Fest aber wäre er noch nicht wieder fit gewesen.

Ansonsten waren die meisten Größe anwesend: Günter Netzer war da, Manfred Kaltz, Horst Hrubesch, Ditmar Jakobs, Holger Hieronymus, Thomas von Heesen, Wolfgang Rolff, Felix Magath, Dieter Schatzschneider, Benno Möhlmann, Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp, Helmut „Ratte“ Sandmann, Rolf Fritzsche, Jörg Butt, Uli Stein, Jimmy Hartwig, Bernd Wehmeyer, Jürgen Milewski, Michael Schröder, Richard Golz, Harry Bähre, Nico Hoogma, Erik Meijer, Harald Spörl, Carsten Kober, Mehdi Mahdavikia, Sergej Barbarez, Peter Lux, Tobias Homp, Stig Töfting, Thomas Doll, Rodolfo Cardoso (wurde er als Bruno Cardoso vorgestellt? Mir war fast so), Caspar Memering, Uwe Hain, Manfred Kastl, Borisa Djordjevic, Ralf Brunnecker und, und, und. Ich habe ganz sicher etliche HSV-Spieler vergessen zu erwähnen, aber es waren ganz einfach zu viele dabei. Ein traumhafter Abend für jeden HSVer.

Kleine aber nicht unbemerkte Begebenheit am Rande: Als in der Halle große und ganz große sowie verdienstvolle HSVer, die inzwischen verstorben sind, auf den Leinwänden gezeigt wurden, da gab es, als das Foto von Werner Hackmann aufleuchtete, viel und herzlichen Beifall. Welch eine große Geste für den Mann, der maßgeblich (neben Uwe Seeler) mitgeholfen hatte, aus dem kalten Volksparkstadion eine neue Arena zu bauen. Hackmanns Ehefrau Ulla war (mit ihrer Tochter) zu dieser Feier gekommen, sie registrierte den Applaus mit stiller Freude. Wie schön, das es im so coolen Profi-Sport auch noch eine solche Herzlichkeit gibt.

Das Gegenteil musste DFB-Präsident Wolfgang Niersbach erfahren, der oft lautstark ausgepfiffen wurde. Dafür habe ich mich geschämt, gebe ich zu. An einem solchen Abend hätten die Fans, die schlecht auf den Deutschen Fußball-Bund zu sprechen sind, besser einmal geschwiegen . . . Ganz nebenbei kenne ich Niersbach schon ganz lange, er war einst ein Kollege (vom Sport-Informations-Dienst SID) und ist ein fabelhafter Mensch. Dazu auch noch ein absoluter Fußball-Experte, der in der ganzen Welt höchste Anerkennung genießt.
Schade, schade, dass es diese Pfiffe gab.

Nicht nur die Pfiffe waren störend, auch der Wechsel von einer Arena in die andere. Zum Einlass der After-Show-Party hatten die Organisatoren eine halbe (!) Tür geöffnet, die Schlange (der VIP’s) wurde lang und länger – mir taten vor allem die frierenden Frauen Leid. Und wer es dann in die Räumlichkeiten geschafft hatte, der war nicht nur geschafft, sondern auch überrascht. Weil Frau und Mann eigentlich keine Chance hatten, umzufallen. Wer irgendeine Schwäche gezeigt hätte, vielleicht ohnmächtig geworden wäre, der hätte keine Möglichkeit gehabt, zu Boden zu gehen. So übervoll war das. Da muss dem HSV irgendein Planungsfehler unterlaufen sein, da waren ganz sicher viel zu viele Gäste geladen worden – aber der Verein braucht eben jeden Euro. Das war massenweise Aufbauhilfe HSV. Aber man kann eben nicht alles haben . . .

Dafür war die Show in meinen Augen gelungen. Die drei Moderatoren Judith Rakers, Alexander Bommes und Johannes B. Kerner, dazu zeitweise Sylvie van der Vaart (sie soll gedacht haben, dass sie den ganzen Abend mitmoderieren sollte?), Carlo von Tiedemann und Dieter Thomas Heck, machten ihre Sache gut. Hamburgs Perle „Lotto King Karl“ hatten einen überragenden Auftritt, dazu der hervorragende Rea Garvay, auch Scooter (ebenfalls super!) war dabei und der einfach nur großartige Olli „Dittsche“ Dittrich, dazu auch Otto Waalkes (der nur langsam in Fahrt kam . . .) und der Kinderchor „Alsterspatzen“ (heißen sie so?). Nein, das alles hatte was und konnte sich sehen und hören lassen. Auch wenn die Show gegen Ende ein wenig an Stimmung einbüßte. Das Bubble-Footballspiel war absolut überflüssig.

Ganz zum Schluss wurde die von der „Bild“ (den Lesern) gewählte 125-Jahr-Mannschaft vorgestellt. Das sind folgende Spieler: Uli Stein, Jupp Posipal, Peter Nogly, Willi Schulz (er fehlte an diesem Abend), Manfred Kaltz, Ditmar Jakobs, Gert „Charly“ Dörfel, Uwe Seeler, Kevin Keegan (er fehlte leider auch – sehr), Karsten Bäron, Mehdi Mahdavikia, Thomas Doll, Thomas von Heesen, Felix Magath, Rafael van der Vaart, Horst Hrubesch, dazu Trainer Ernst Happel (für den Sohn Ernst junior aus Wien erschienen war) sowie Kult-Masseur Hermann Rieger, der an diesem Abend mehrfach stürmisch gefeiert wurde.

Der unumstrittene Star der gesamten Feierlichkeiten aber war ein anderer Mann: Rene Adler, der mit der gesamten Mannschaft zum Geburtstag gekommen war – samt Spielerfrauen (die sogar auch noch ihren Auftritt hatte). Der HSV-Torwart, der zuvor Hannover 96 an den Rande des Wahnsinns gebracht hatte, wurde geradezu enthusiastisch umjubelt und gefeiert. „Wenn Rene so weitermacht, dann wird er bald wieder in der Nationalmannschaft spielen“, prophezeite Uli Stein. Aber zu diesem Thema gab es kürzlich im Hamburger Abendblatt einen Artikel meines Kollegen Alexander Laux:

„Bundestrainer Joachim Löw macht Torhüter Rene Adler Hoffnungen auf ein Comeback in der Nationalmannschaft nach fast zweijähriger Pause. „Bei Rene Adler muss man jetzt mal nach seiner langen Verletzung abwarten. Aber auch ihn werden wir beobachten”, sagte Löw im Interview des Sportmagazins „Kicker”. Für die nächsten vier Länderspiele habe er sich aber auf Manuel Neuer, Marc-Andre ter Stegen und Ron-Robert Zieler festgelegt, während Bernd Leno die Rolle bei der U21 übernehmen soll.“

Löw müsste also, falls sich nicht noch ein Torhüter verletzten sollte (was niemand hofft!), im Hinblick auf die Spiele gegen Irland und Schweden wortbrüchig werden, und das ist kaum anzunehmen. Adler muss sich also noch ein wenig in Geduld üben – aber er wird ganz sicher bald wieder für Deutschland zwischen den Pfosten stehen. Ganz sicher. In dieser Form, in dieser Über-Form gibt es nämlich keinen besseren Torwächter, als ihn. Obwohl der HSV-Keeper absolut und total bescheiden bleibt – in all der Jubelarien: „Es ist ja mein Job, Bälle zu halten, das mache ich nur. Ich spiele ja nicht allein. Alle haben sich gegen Hannover den Arsch aufgerissen. Und ich mag solche heiß und hart umkämpften Siege viel lieber, als wenn man klar und deutlich gewinnt. Die Stimmung im Stadion war hervorragend.“

Eine ganz besondere Lob-Rede hielt an diesem Abend “Dittsche” auf den HSV-Helden zwischen den Pfosten: “Rene Adler ist ein reiner Titan – er ist der neue reine Torwart-Titan.” Und Torhüter-Legende Horst Schnoor befand: “Ich habe Rene kürzlich beim Abendblatt-Interview kennengelernt, er ist ein ganz feiner Kerl. Und als Torwart sowieso überragend, er wird bald wieder bei Jogi Löw sein.”

Solche Sätze sorgten für Super-Stimmung in der Halle natürlich auch. Besonders zu Beginn der Veranstaltung brodelte es auf den Rängen. Aber da schwebten ja auch alle Zuschauer noch auf Wolke sieben, denn sieben Punkte in einer Woche – die sorgten schon für eine besondere Befreiung.

Die gab es auch für Trainer Thorsten Fink: „Ich bin natürlich überglücklich, denn wir haben ja eine recht schwierige Zeit hinter uns.“ Der HSV-Coach lobte nach dem 1:0-Sieg nicht nur Adler, sondern auch den Kapitän: „Heiko Westermann hatte sich beim 2:2 in Mönchengladbach einen fünf Zentimeter langen Muskelfaserriss zugezogen, aber er wollte unbedingt spielen, und er hat gespielt und durchgehalten. Wie er das gemacht hat, das ist mir schleierhaft, aber der Heiko muss eine Art von Ur-Mensch sein. Wie er das trotz aller Schmerzen hingekriegt hat, mit welcher Leidenschaft er gespielt hat, das ist schon sensationell. Und deswegen habe ich ihn diesmal extra mal gelobt.“

Lob verdienten sich diesmal viele HSV-Spieler. Tolgay Arslan zum Beispiel, der ein riesiges Spiel gemacht hat. Fink über den neuen „Sechser“: „Tolgay hat gelernt, den Ball mal abzuspielen. Das muss er jetzt machen, wenn er neben Rafael van der Vaart spielt. Dieses Spiel tut ihm gut, er sieht nun auch, dass man mit ein, zwei Kontakten viel besser spielen kann, als wenn man zu viel dribbelt. Ich habe vorher auch nicht gedacht, dass er defensiv so gut arbeiten kann, aber er kann es, und deswegen bin ich sehr zufrieden mit ihm.“

Für mich etwas überraschend hatte Fink Petr Jiracek auf der Bank gelassen. Der Tscheche war in Frankfurt mit der Witz-Karte des Jahres (von Wolfgang Stark gegeben!) vom Platz gestellt worden, völlig zu Unrecht, und deswegen hatte ich eigentlich erwartet, dass er gleich wieder in der Anfangsformation stehen würde. Denkste. Fink setzte ein Zeichen. Für den Nachwuchs, für die Jungen, für die Talente. Auch das hat ein Lob verdient. Für Jiracek aber tat es mir Leid, denn ohne diese Rote Karte hätte ja wohl er immer noch gespielt . . . „Wenn ein Mann wie Arslan so gut einschlägt, dann sollte man nicht gleich wieder alles auseinander reißen. Es ist doch schön, dass wir mit Petr Jiracek noch einen so guten Mann auf der Bank hatten, dass wir noch so viele starke Spieler in der Hinterhand haben – aber Jiracek ist genau so wichtig für uns wie alle anderen Spieler.“

Zur Leistung von Rene Adler befand der Trainer: „In Mönchengladbach hat er so gehalten, wie er normal halten muss, diesmal hat er uns den Sieg festgehalten. Er hält im Moment top. Und er ist wichtig für die Mannschaft, denn er sagt mal was. Das ist auch wichtig, dass man nicht nur Spiele hat, die stumm wie Fische sind. Er redet mit seinen Vorderleute, er motiviert sie, und er scheißt sie auch manchmal an, wenn es sein muss. Rene ist ein großartiger Führungsspieler.“

Viel Lob vom Trainer erhielten auch die Fans: „Sie haben hier vier Wochen jeden Tag gearbeitet, das ist sensationell, auch deswegen freut mich der Sieg über Hannover besonders, denn sie hätten nichts anderes verdient. Ich habe hier einige Anhänger jeden Tag gesehen, die müssen Urlaub genommen haben, das nenne ich mal einen leidenschaftlichen Einsatz für den HSV.“

Aber das gilt wohl für viele HSVer an diesem Wochenende. Auf dem Rasen und nebenbei, dazu die vielen, vielen fleißigen Hände bei der Gala und danach – vielen Dank.

Ein Satz noch zu Rafael van der Vaart. Er spielte eine sehr gute erste Halbzeit (für mich), dann tauchte er gelegentlich ab. Die Kraft. Drei Spiele in einer Woche, dass war für ihn, der stets ein riesiges (Lauf-)Pensum erledigt, wohl zu viel. Fink über die „23“: „Rafael hat dem Spiel diesmal nicht seinen Stempel aufgedrückt, aber er fightet und geht immer voran.“ Und van der Vaart bekannte: „Das war kein gutes Spiel von uns, Hannover war spielerisch besser. Ab er das ist mir heute egal, es zählt nur der Sieg.“ Über den Fink sagte: „Es war ein dreckiger Sieg, aber auch muss man mal gewinnen können.“

Und zu Artjoms Rudnevs sei gesagt: Der Lette wird immer besser, auch wenn ihm noch lange nicht alles gelingt. Aber er trifft, und das haben einige Experten (des HSV) prophezeit. Macht er erst ein Tor, dann werden andere folgen. Stimmt. So darf der „Rudi“ weitermachen. Was man ihm aber auf jeden Fall attestieren muss: Rudnevs läuft viel, geht weite Wege, geht auch dorthin, wo es weh tut – deswegen ist er schon jetzt sehr wertvoll geworden.

Alles wird gut.

PS: Es gibt noch einen prächtigen Nachschlag in Sachen 125-Jahr-Feierlichkeiten: Der Fernsehsender “HH1″ überträgt am Montag von 20.15 Uhr an über 90 Minuten auch eine HSV-Geburtstags-Gala. An ihr werden viele namhafte HSV-Größen von einst teilnehmen, so sind dabei Horst Schnoor, Jochen Meinke, Thomas Doll und Richard Golz, Horst Hrubesch und Holger Hieronymus, dazu Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow, Kult-Masseur Hermann Rieger und “Ober-Fan” Johannes “Jojo” Liebnau. Es wäre schön, wenn ihr einschalten würdet.

PS PS: Am Montag ist trainingsfrei. Sie haben es sich verdient.

16.31 Uhr

1:0 – Adler hält und hält und hält!

29. September 2012

Der zweite Saisonsieg unter Dach und Fach, in der Tabelle gen Mittelfeld geklettert, das Jubiläum gerettet – der 1:0-Sieg über Hannover 96, der unheimlich hart erkämpft war, sorgte für beste Stimmung im Volkspark. Was heißt beste – für Super-Stimmung. „Der HSV ist wieder da“ und „Oh, wie ist das schön“ wurde nach dem etwas glücklichen Erfolg gesungen, die Fans waren völlig aus dem Häuschen. 57 000 Zuschauer waren da – und ein Mann wurde in dieser Euphorie besonders gefeiert – Torwart Rene Adler. Unglaublich, diese Leistung, dieser Mann scheint unbezwingbar, er allein bremste Hannover 96. Weltklasse. Es geht bergauf, dieses Spiel war Gänsehaut-Feeling pur. Und jetzt kann gefeiert werden, gefeiert ohne Ende. Viel, viel Spaß.

125 Jahre HSV.
Jubiläumschoreographie von der Ultragruppierung Chosen Few Hamburg sorgte schon vor Beginn für enorme Stimmung und Freude auf den Rängen. Kompliment, das war sensationell, überragend – Weltklasse. Vielen Dank für diese Wahnsinnsarbeit, die schon zu Jahresbeginn begonnen hatte. 45 000 Doppelhalter und ein 380 Meter langes Spruchband wurden angefertigt – hervorragend, super, traumhaft. Welch ein Bild, als beide Mannschaften einliefen, das wird unvergessen sein Und so viele Fotoapparate wie wohl noch nie hielten diesen besonderen Geburtstag mit diesen Überraschungen für die Nachwelt fest. Danke.

Auf dem längsten Spruchband er Vereinsgeschichte stand übrigens: „Ob Titel, Triumphe und Legenden, ob Zafirov, Autowachs und rosa Hemden – unsere Geschichte ist einmalig und wird niemals enden! 125 Jahre Hamburger Sport-Verein e. V.“

Nach 60 Sekunden schon der erste Aufreger in diesem Spiel. Ivo Ilicevic geht gegen da Silva Pinto mit gestrecktem Fuß zu Werke – ein hartes Einsteigen, das mit Gelb bestraft wurde. Pinto musste behandelt werden, kehrte zurück und legte einige Minuten später seinen Fuß auf die Schulter von Milan Badelj. Auch ein klares Foul, aber der Hannoveraner reklamierte ohne Ende. Ein Witz. Da bohrt ein Spieler dem anderen fast in der Nase herum, aber es war rein gar nichts . . . Natürlich. Was zudem unangenehm auffiel: mehrere Hannoveraner reklamierten mehrfach bei Zwayer, eine Gelbe Karte zu geben. Das wären auch Gelbe Karten gewesen, macht aber kein Schiedsrichter (mehr).

Aber gut, so etwas gehört eben zum Fußball. Und jeder wollte hier gewinnen, kämpfte und ackerte ohne Ende. Auch am Rande wurde super mit gemacht. Trainer Thorsten Fink im Geburtstagssakko, aber er machte mit, als wäre er zu diesem Spiel im Trikot erschienen. Der Coach brannte wie eine Kerze – heiß, ganz heiß: Als ein Hannoveraner an der Mittellinie den Einwurf verzögert, weil er nicht weiß, wohin er werfen soll, breitet der HSV-Coach zweimal seine Arme weit auseinander, genau so, als wolle er Zeitspiel anmahnen.

Apropos ermahnen. Hannovers Huszti foulte Marcell Jansen übel, nur Freistoß. Dann reklamierte der kleine Dribbelkünstler der Niedersachsen heftig bei Schiedsrichter Felix Zwayer, fasste den Unparteiischen sogar an – nichts. Und dann revanchierte sich der Ungar noch für ein nicht geahndetes Foul mit einem bösen Rempler gegen Son – nichts. Aber auf der Gegenseite erhielt Tolgay Arslan Gelb – und der 23. Mann zählte ihm vor: „Eins, zwei, drei – Gelb.“ Merke: Auch einem Jubilar wird nichts geschenkt. Hatte der 96-Stadionsprecher ja aber auch vorher angekündigt . . .

Es war Feuer drin, in diesem Nordderby, erwartungsgemäß. 96 begann stark, die ersten zehn Minuten waren aus Hamburger Sicht ein wenig beängstigend. Aber es passierte zum Glück nichts. Und dann fand der HSV über den Kampf ins Spiel. Ilicevic enorm griffig und aggressiv, Tolgay Arslan stand ihm in nichts nach, und hinten bot Michael Mancienne eine ganz hervorragende Partie. Der HSV stellte eindeutig unter Beweis, dass die Liga nun mit einer ganz anderen Hamburger Mannschaft rechnen muss, als noch zu Saisonbeginn. Es geht aufwärts.

Wobei der HSV in der neunten Minute noch eine heikle Situation zu überstehen hatte. Eckstoß für 96, Schlaudraff zur Mitte, Kopfball Haggui – Glanzparade Rene Adler. Ja, auf den Nationaltorwart ist Verlass, auch bei ganz dramatischen Sachen.

In der 20. Minute dann aber die HSV-Führung. Heung Min Son zu Arslan, der zu Rafael van der Vaart, der sofort und ohne jede Zeitverzögerung in den Lauf von Artjoms Rudnevs, und der „Bomber“ zieht los – und ab. Aus zwölf Metern netzt er ein – das Jubiläumstor, welch ein Jubel, welch eine Freude. Dieses 1:0 war wie ein Brustlöser – und soooooo wertvoll. „Rudi“ Rudnevs wurde danach vom HSV-Anhang ganz besonders gefeiert. Und für van der Vaart war es die vierte Torvorlage im vierten Spiel. Und dazu ein Tor selbst gemacht . . . Eine Super-Bilanz.

Der HSV danach bemüht, die Kugel in den eigenen Reihen zu halten. Wenn Ruhe angebracht war, dann wurde auch Ruhe ins Spiel gebracht. 1:0 zur Halbzeit.

Nach dem Seitenwechsel zwei neue Leute. Beim HSV kam Maximilian Beister für den rot-gefährdeten Ilicevic, bei Hannover kam Abdellaoue für Schlaudraff. Und es wurde noch schneller, noch rasanter, sogar dramatisch. Hannover kam, machte mächtig Druck. Obwohl der HSV vor dem 2:0 stand: Beister legte zur Mitte, Rudnevs kreuzte frei vor Zieler auf – und der Lette schoss den Torwart an (54.). Das wäre die Entscheidung gewesen.

Für 96 das Zeichen, alles zu geben. Noch mehr Druck. Ya Konan vergab freistehend das 1:1 – eine Hundertprozentige (61.). Vier Minuten später war Adler schon bezwungen, doch Mancienne rettete noch auf der Linie. Das war hervorragend – aber auch großes Glück. Wie schon beim 3:2 gegen Dortmund hatte der HSV die Dame Fortuna mit im Team.

Und was Rene Adler in der Schlussphase hielt, das war unfassbar. Abdellaoue frei vor ihm, Ya Konan frei vor ihm, alle frei vor ihm – Adler hält und hält und hält – der Held! Sensationell. Was hat sich der HSV da nur für einen Goldfisch geangelt!? Adler rettet dem HSV den Jubiläumssieg. Alle Mitspieler nahmen ihre Nummer eins in die Arme, sogar Torwarttrainer Ronny Teuber stürmte auf den Rasen, um Adler zu herzen. Weltklasse ist eigentlich noch untertrieben – sorry.
Weiter so!

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt super, er stellte sich einmal mehr in Weltklasse-Form vor – Note eins. Vereitelte mindestens vier Hundertprozentige der Hannoveraner.

Dennis Diekmeier kommt immer besser in Form und in Fahrt, machte seine Sache mehr als ordentlich, Note zwei.

Michael Mancienne überrascht immer mehr, er bot eine sensationelle Leistung, seine beste im HSV-Trikot – unglaublich gut.

Heiko Westermann zeigte wieder, dass auf ihn in jeder Lage Verlass ist. Großer Kämpfer, Super-Einstellung.

Marcell Jansen war nicht ganz so stark wie zuletzt, als er sich enorm reinpowerte, aber insgesamt machte er seine Sache hinten links souverän.

Milan Badelj erwischte einen ganz schwachen Start mit vielen Fehlpässen, steigerte sich aber dann enorm. Das Fans tobten vor Begeisterung, als er in der 65. Minute wie Messi oder auch Ronaldo mit dem Ball tanzte. Note drei für ihn.

Tolgay Arslan stellte seine aufsteigende Form eindrucksvoll unter Beweis, er war der beste Hamburger Mittelfeldspieler. Wurde nur deshalb ausgewechselt, weil er vor der Roten Karte stand. Großartige Leistung.

Heung Min Son stellte sich diesmal nur ganz schwach vor, das war ein kleiner Rückfall – wie ein Jugendfußballer, viel zu weich und zweikampfschwach. Sorry, es ist die Wahrheit, trotz der Geburtstagsstimmung.

Rafael van der Vaart starke erste Halbzeit, in der er weite Wege ging, im zweiten Durchgang nicht mehr ganz so dominant.

Ivo Ilicevic bissig und engagiert, er hat es offenbar begriffen, wie es geht, nämlich über den Kampf zum Spiel – aber er übertrieb es auch ein wenig. Deswegen musste er frühzeitig raus.

Artjoms Rudnevs sehr gute erste Halbzeit, dann wurde er ziemlich allein gelassen und hing ein wenig in der Luft. Aber er gibt eben alles, in jeder Lage, er ist ein großer Kämpfer mit einem riesigen Herz. Note zwei.

Maximilian Beister (kam in der 46. Minute für Ilicevic) mischte sehr gut mit – eine Alternative.

Petr Jiracek (kam in der 62. Minute für den rot-gefährdeten Arslan) erkämpfte sich noch eine Fleißnote, er gewann manches Duell aufgrund seiner Erfahrung.

Jacopo Sala (kam in der 88. Minute für Son) machte noch mit und half, den Sieg zu sichern.

Vielen Dank allen für dieses Spiel, diese drei Punkte und diesen wunderbaren Nachmittag!

17.32 Uhr

Adler: „Man lebt hier HSV“

28. September 2012

Das Geburtstagsspiel. 125 Jahre HSV, das geht voll ab. Hoffentlich spielt der Gast auch mit. Das heißt, mitspielen wird er ganz sicher, aber wird sich Hannover 96 auch als freundlicher Gast erweisen? Und die Punkte in Hamburg lassen? Da habe ich, muss ich zugeben, doch leise Zweifel, denn zu oft hat uns der „kleine HSV“ schon vor das Schienbein getreten. Ist ja auch Derby-Time. Und irgendwie sind sich ja die Bremer und die „Roten“ einig, immer wenn es gegen den HSV aus Hamburg geht. Dann geht es voll zur Sache. Geburtstag oder Abstiegsgefahr? Das spielt keine Rolle. Und genau deshalb läuft doch alles auf einen eher gnadenlosen Gast hinaus, wenn die Partie an diesem Sonnabend um 15.30 Uhr angepfiffen wird. Aber inzwischen muss sich der „große HSV“ ja auch hinter den meisten Bundesliga-Klubs nicht mehr verstecken. Oder gar Angst haben. Der Hamburger HSV ist aufgewacht und spielt seit zwei Begegnungen richtig guten Fußball. Weiter so!

Wobei mir just in diesem Moment einfällt, wie oft uns doch richtige „Gurkenspiele“ des HSV in der jüngeren Vergangenheit noch als „guter Fußball“ verkauft wurden. Verbal natürlich nur, aber es hat schon genervt. Nun aber muss das Spiel des HSV nicht mehr – hoffentlich jedenfalls – schön geredet werden, jetzt ist es Fußball. Dank Rafael van der Vaart. Bin nur gespannt, wer den Elfmeter gegen Hannover schießt – wenn es denn einen geben sollte? Ob es die „ewige 23“ noch einmal versuchen wird? Von mir aus gerne – weil ich auch keinen anderen Spieler sehe. Und, ich habe das gerade nachlesen können, Jörg Butt hat von seinen 21 Elfmetern, die er für den HSV einst schoss, auch nicht alle verwandelt. Zwei Fehlschüsse waren dabei – dann hat vdV seine Elfer-Serie eben gleich mit einer Fahrkarte begonnen . . .

Wir hatten heute das Vergnügen, mit Rene Adler sprechen zu können. Einem absoluten Leistungsträger, der von allen Seiten nur Lob erfährt, der sofort Verantwortung in diesem – für ihn neuen – HSV-Team übernommen hat. Adler tut dem HSV gut, sehr gut sogar, und er sagt: „Ich bin bestimmt kein Lautsprecher, aber ich bin einer, der stets klare Worte findet. Man muss sich gegenseitig Sicherheit geben, und da ist Kommunikation auf und außerhalb des Platzes wichtig.“

Der Adler ist hier mit einer Punktlandung angekommen. Ein Spieler, auf den eines voll zutrifft: Soforthilfe. Der Mann ist einfach nur klasse. Und er macht jedem HSV-Fan nur Spaß. Und Spaß hat offenbar auch er gleich in seiner neuen Wahl-Heimat gefunden. Nach dem Dortmund-Sieg hatte er den Medien gesagt: „Ich habe so viel Spaß am Fußball wie nie zuvor. Nach meiner Verletzungspause bin ich körperlich auf Topniveau, dazu kommt die nötige Lockerheit. Und ich fühle mich richtig wohl beim HSV, hier passt alles für mich. Trotz des schlechten Starts war und bin ich total davon überzeugt, dass wir das Potenzial haben, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen.“

Heute relativierte Rene Adler allerdings etwas: „Mit solchen Aussagen muss man vorsichtig sein, denn auch in Leverkusen hatte ich eine wunderschöne Zeit. Gerade die Zeit mit Trainer Michael Skibbe, da waren wir noch die jungen Wilden, mit Barnetta, Kießling, Rolfes und Adler – da hatten wir jede Woche drei Spiele, hatten riesige Erfolge, sind durch die Welt gereist – das war toll. Und eine sehr schöne Zeit war auch die mit Trainer Jupp Heynckes, der war so erfahren, da hatten wir Erfolg, er hat uns geführt und gesagt, wo es lang geht. An diese Zeiten habe ich gute Erinnerungen.“ Dann ergänzt Adler: „Wenn man dann ein Jahr nicht gespielt hat, wenn man so lange verletzt war, dann ist es natürlich besonders schön, wenn man wieder spielen kann und darf. Ich fühle mich topfit, und ganz besonders schön ist es für mich, vor einer solchen Kulisse wie in Hamburg spielen zu können.“

Eine ganz besondere Wertschätzung genießen bei Rene Adler die Fans: „Ich habe anfangs oft den Kopf geschüttelt – und zwar positiv, denn es sind immer so viele Menschen da, die uns beim Training zusehen, die uns und dem Verein ihre Freizeit opfern – das habe ich in der Form noch nie erlebt, das ist unglaublich, da ziehe ich jeden Hut, den ich habe. Man lebt hier HSV.“

Dann gibt Adler zu: „Ich habe mich vor dem Start in Hamburg schon gefragt, ob ich auch woanders als in Leverkusen funktioniere. Deshalb ist es für mich auch eine Bestätigung, denn ich habe es noch einmal geschafft, oder ich schaffe es noch einmal. Ich habe es geschafft, aufgrund meiner Leistung die Mannschaft von mir zu überzeugen, den Verein und hoffentlich auch die Fans. Dass ich sie durch sportliche Leistungen und durch meine Persönlichkeit überzeuge, das liegt mir sehr am Herzen.“ Und dann fügt Rene Adler etwas ganz Wichtiges ein: „Was ich allen garantieren kann ist das, dass ich mit absoluter Leidenschaft und mit absoluter Hingabe für den Verein spiele. Das ist mir schon wichtig. Ich möchte nicht als Söldner betrachtet werden. Nur bei einem Verein zu spielen und einfach nur seine Arbeit zu machen, das ist mir zu wenig. Ich will hier einen guten Job machen, mit Leidenschaft, da muss schon etwas mehr dahinter sein, und deswegen genieße ich diese Zeit jetzt auch besonders intensiv.“ Adler weiter: „Für einen solchen Traditions-Klub wie den HSV zu spielen, auch wenn wir einige Probleme hatten, das genieße ich intensiv. Gemeinsam mit den Jungs, mit dem Verein und mit den Fans um die drei Punkte zu fighten, dass ist schon etwas Besonderes.“ Und er gibt zu: „Zumal ich Abstiegskampf ja gar nicht kenne, mit Leverkusen standen wir nie so weit unten. Und wenn sich das dann so wie nach dem Sieg gegen Dortmund entlädt, dann ist das einfach nur traumhaft. Das war schon eines der geilsten Spiele, die ich bisher machen durfte.“

Über seine Rolle in der neuen Umgebung sagte Adler noch: „Ich sehe es auch als meine Aufgabe an, Dinge, die ich aufgrund meiner Erfahrung erkenne und die nicht so gut laufen, anzusprechen. Ich spreche dann mit den Führungsspielern, mit dem Heiko, mit dem Cello, mit dem Raffa und auch mit dem Trainer darüber. Beim HSV spielt die Kommunikation eine wichtige Rolle, hier hat man in dieser Beziehung viel mehr zu tun als in Leverkusen. Hier wird man als Führungsspieler viel mehr in die Verantwortung genommen, vom Trainer, aber auch vom Vorstand. Hier wird immer wieder ein Feedback verlangt, das finde ich gut, das finde ich auch wichtig.“

Für Trainer Thorsten Fink war das Gladbach-Spiel das beste HSV-Spiel, seit er hier den Coach gibt. Auch Rene Adler sagt: „Ich habe selten eine Partie erlebt, in der wir den Gegner spielerisch so beherrscht haben. Wir haben uns den Gegner mit Geduld zurechtgelegt. Und ich nehme aus dieser Begegnung auch das Positive heraus – ich erwarte von unserer Mannschaft einfach, dass wir das gegen Gladbach können, auch gegen Dortmund – und jetzt gegen Hannover 96. Und was ich auch erwarte, dass wir aus unseren Fehlern die Lehren ziehen.“ Und die Fehler in Gladbach waren? Adler: „Wir haben in der Schlussphase den Ball nicht mehr gehalten, haben zu viele Bälle verschenkt. Und das wird uns so nicht mehr passieren, denn es hat sich jeder von uns sehr über dieses 2:2 geärgert. Ich glaube wirklich nicht, dass wir so blöd sind und diese Fehler noch einmal machen. Da sehe ich uns aber auf einem guten Weg – und wir werden uns nun auch an der guten Leistung von Gladbach messen lassen.“

Dann gilt es an diesem Sonnabend, bei diesem Jubiläumsspiel gegen Hannover 96. Adler: „Jeder darf Fehler machen, aber jeder sollte bemüht sein, keine Fehler zu machen. Volle Konzentration, jeder versucht erst einmal, seine Leistung zu bringen – dann bin ich überzeugt davon, dass wir auch Hannover schlagen können. Ich bin wirklich guter Dinge, dass wir nun in jedem Spiel einige Schritte vorwärts machen werden.“

Schön wäre es ja, denn dann stünde einem großen und großartigen Abend nichts mehr im Wege.

Apropos Abend: Der NDR berichtet von der HSV-Gala (etwas zeitversetzt) an diesem Sonnabend, und um 0.00 Uhr beginnt dann die Sendung „Nur der HSV”. Das ist eine 60-minütige NDR-Dokumentation zum 125-jährigen Jubiläum. Wie gesagt, am Sonnabend/Sonntag um Mitternacht und dann am 30. September um 14 Uhr die Wiederholung. Im NDR Fernsehen. Das wird ein bestimmt toller HSV-Fernseh-Abend, ein MUSS für jeden Fan. Viel Spaß dabei. Und wer live bei der Gala ist, der sollte den Recorder einschalten und alles aufnehmen!

Dann noch ein zweites Mal zu diesem HSV-Fest: Die Festschrift ist auf dem Markt, und dieses Werk ist eine „Bombe“. Ein Traum, und auch ein MUSS für jeden HSVer. Mitglieder bekommen es vom Verein kostenlos, wer sich eines kaufen möchte (für acht Euro), dann ab in die HSV-Shops – oder das „Super-Ding“ über den HSV (bestellen). An diesem Heft, nein, es ist fast ein Buch, hat der „Macher“ ein halbes Jahr gearbeitet. Ein fleißiger Mensch, dieser Axel Formeseyn, ein dickes und auch ganz großes Kompliment.

Axel, Du hast Deinen Beruf verfehlt, Du könntest einer von uns sein!

Kurz noch zum HSV-Kader: Neu dabei ist wieder der zuletzt gesperrte Petr Jiracek, von dem ich fset annehme, dass er von Beginn an spielen wird. Natürlich. Die Rote Karte von Frankfurt und von Wolfgang Stark ist für mich immer noch der größte Witz seit Jahren. Deshalb muss der Tscheche unbedingt wieder ran – und zwar sofort.
Thorsten Fink nimmt 19 Mann mit, morgen muss einer von ihnen auf die Tribüne.

So, ich bin am Ende.

Ehrlich gesagt vollkommen. Die technischen Störungen (die ich in meiner Not “Eiche” zurief) waren keine Ausrede, sondern Tatsache. Sorry. Ich war aber echt verzweifelt. In Mölln und Umgebung. Soll heißen: Frau M. ist zurzeit in einer Reha-Klinik in Lehmrade. Ich habe sie heute abgeholt, wollte eigentlich in ihrem Klinik-Zimmer schreiben, um den Bericht pünktlich fertig zu haben. Das ging auch – nur hatte ich dort keinen Internet-Anschluss. Null. Es rührte sich nichts. Ich bin gelaufen und gelaufen. Erst in der Klinik, dann draußen – nichts zu machen. Sachen packen und ab. Nach Mölln. Am Marktplatz auf einen Parkplatz gestellt – immer noch nichts. Wahnsinn. Ich habe an Dresden gedacht. Dresden zu DDR-Zeiten. Weil man in Dresden kein West-Fernsehen empfangen konnte. Tal der Ahnungslosen wurde das glaube ich genannt. Mölln und Umgebung und Internet – das scheint nicht zu passen. Aus der Klinik-Leitung sagte mir eine Dame: „Wir hoffen, dass wir in zwei Jahren eine Glasfaser-Leitung gelegt bekommen . . .“ Was mir wenig half. Und mich auch nicht aufmuntern konnte.

Also durchstarten. Wir nach Norderstedt – und da ging es wieder in altbewährter Manier. Tolle Erfahrung jedenfalls. Und Frau M. hätte sich das Wiedersehen ganz sicher nicht so „knurrig“ und hektisch vorgestellt . . .

20.43 Uhr

Das kam von “Randnotiz” – und es ist ganz wichtig. Danke. Los geht es:

Hinweise vom HSV für morgen:
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HSV-Spiel:
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Die Fangruppe Chosen Few hat gemeinsam mit mehreren hundert HSVern zum 125. Geburtstag eine große Choreographie gebastelt.
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Wir bitten alle Stadionbesucher mindestens 15 Minuten vor Anpfiff ihre Plätze einzunehmen und die Anweisungen auf den verteilten Flyern zu beachten.
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Die ausgeteilten Elemente sind nach der Choreo ein Geburtstagsgeschenk an jeden einzelnen und dürfen gerne mit nach Hause genommen werden.
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HSV-Feier:
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Liebe HSVer,
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wir freuen uns, Sie morgen anlässlich des 125-jährigen Geburtstages unseres HSV zur Gala zu begrüßen. Die Veranstaltung in der O2 World Hamburg beginnt morgen am 29.09.2012 um 19:30 Uhr. Der Einlass erfogt ab 17:30 Uhr.
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Nach einem kurzem Empfang erwartet Sie eine spannende Reise durch 125 Jahre HSV begleitet von Music Acts, Comedians und internationalen Gästen!
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Bitte nehmen Sie bis 19:15 Uhr Ihre Plätze ein, da es sich gleichzeitig um eine TV-Aufzeichnung handelt, die am gleichen Abend ab ca. 22:00 Uhr im NDR Fernsehen übertragen wird.
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Durch das Bundesligaspiel des HSV gegen Hannover 96 in der gegenüberliegenden Imtech Arena, das um 17:15 Uhr endet, muss mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen rund um die beiden Arenen gerechnet werden. Bitte planen Sie dies bei Ihrer Anreise mit ein.
Hinweise vom HSV für morgen: . HSV-Spiel: . Die Fangruppe Chosen Few hat gemeinsam mit mehreren hundert HSVern zum 125. Geburtstag eine große Choreographie gebastelt. . Wir bitten alle Stadionbesucher mindestens 15 Minuten vor Anpfiff ihre Plätze einzunehmen und die Anweisungen auf den verteilten Flyern zu beachten. . Die ausgeteilten Elemente sind nach der Choreo ein Geburtstagsgeschenk an jeden einzelnen und dürfen gerne mit nach Hause genommen werden. . .

HSV-Feier: . Liebe HSVer, . wir freuen uns, Sie morgen anlässlich des 125-jährigen Geburtstages unseres HSV zur Gala zu begrüßen. Die Veranstaltung in der O2 World Hamburg beginnt morgen am 29.09.2012 um 19:30 Uhr. Der Einlass erfolgt ab 17:30 Uhr. . Nach einem kurzem Empfang erwartet Sie eine spannende Reise durch 125 Jahre HSV begleitet von Music Acts, Comedians und internationalen Gästen! . Bitte nehmen Sie bis 19:15 Uhr Ihre Plätze ein, da es sich gleichzeitig um eine TV-Aufzeichnung handelt, die am gleichen Abend ab ca. 22:00 Uhr im NDR Fernsehen übertragen wird. . Durch das Bundesligaspiel des HSV gegen Hannover 96 in der gegenüberliegenden Imtech Arena, das um 17:15 Uhr endet, muss mit einem erhöhten Verkehrsaufkommen rund um die beiden Arenen gerechnet werden. Bitte planen Sie dies bei Ihrer Anreise mit ein.”

So, das war “Randnotiz”, nun ich zum Schluss noch einmal:

Ein Grußwort an “Javert”: Genau damit (einem solchen Kommentar!) habe ich gerechnet. Vielen Dank. Ich freue mich über jeden Menschen, der technisch begabter ist als ich. Beim nächsten Mal nehme ich den Herrn Javert mit nach Mölln – garantiert. Der wird mir dann den Internet-Weg weisen.

Fink: “Marcell redet manchmal etwas schnell – und etwas viel”

27. September 2012

Ich gebe es zu: Ich bin enttäuscht, dass es nur zu einem Punkt in Mönchengladbach gereicht hat. Ich habe selten so überlegen geführte Partien des HSV gesehen. Und ich habe selten so viele potenzielle Großchancen. Denn neben den beiden Toren und dem Elfmeter hatte der HSV gefühlte 100 Konterchancen gegen überfordert wirkenden Gladbacher. Es fehlte leider immer der finale Pass. Arslan versuchte sein ansonsten sehr gutes Spiel mit einem Traumpass in die Tiefe zu vergolden und scheiterte mehrfach. Am schlimmsten erwischte es letztlich Ivo Ilicevic, der offensiv viele gute Szenen hatte und auch bei den Kontern bis zum letzten Pass alles richtig machte. „Wir haben gekontert wie die Amateure“, schimpfte Marcell Jansen direkt nach der Partie. Wobei Jansen einfach nur anprangern wollte, wie fahrlässig der HSV mit potenziell guten Chancen gerade bei Kontern umgegangen war. Und damit hatte er Recht, wie ich finde, auch wenn Fink alles ein wenig relativierte: „Wir haben unsere Konter nicht zum Abschluss gebracht. Aber ich teile nicht, dass das amateurhaft war. Auch wenn wir die Möglichkeiten noch mehr nutzen müssen – ich glaube, nach dem Spiel rutscht es einem Spieler schon mal raus.“ Vor allem Marcell Jansen, der sogar von einer gefühlten 0:6-Niederlage sprach. Fink über die Äußerungen seines wortstarken Linksverteidigers mit einem Schmunzeln: „Marcell redet manchmal etwas viel – und etwas schnell…“

Dass es nicht zum Tor reichte, wäre allerdings auch nicht so schlimm gewesen, hätte der HSV das 2:1 über die Zeit gerettet. So aber fingen sich Rafael van der Vaart und Co. trotz eines fast durchgehend souverän geführten Spiels nach einem völlig überflüssigen Foul von Ilicevic noch das 2:2 und verschenkten damit zwei sicher geglaubte und eigentlich auch verdiente Punkte. Wobei dieses Tor leicht zu verhindern gewesen wäre, ohne Ilicevic-Foul – und von Marcus Berg. Der Schwede, der für mich unverständlicherweise für den gestern guten Rudnevs (dazu später mehr) gekommen war, ließ seinem Gegenspieler im Sechzehner mehr Raum als mir in meiner eigenen Wohnung zur Verfügung steht. „Ich verstehe nicht, wie man seinen Mann so laufen lassen kann“, schimpfte Kapitän Heiko Westermann nach dem Spiel eindeutig in Richtung Berg, der sich schon unmittelbar nach der kritisierten Szene einige sehr harte Worte von Torhüter Rene Adler gefallen lassen musste. „Beim zweiten Standard muss jemand dabei sein. Es gab eine klare Einteilung und derjenige muss eigentlich beim Mann bleiben“, bemängelte Fink das fehlende Stören Bergs, ohne dessen Namen auszusprechen. „Ich mache hier keine Einzelkritik, sondern werde mit ihm sprechen.”

Berg ist vielleicht der einzige – zumindest aber der größte Verlierer. Und ganz ehrlich, ich will Berg hier auch nicht in Schutz nehmen. Dafür hatte er einfach schon zu viele Chancen. Allerdings halte ich dem sensiblen Angreifer zugute, dass er unmittelbar vor Saisonbeginn noch mal gesagt bekommen hatte, dass er gehen könne bei einem passenden Angebot. Das ist für jeden Profi hart. Zumal auch Berg mitbekommen haben dürfte, dass der HSV gern noch einen Angreifer holen wollte und weiterhin holen will. Alles das dürfte an ihm nagen, ihn ablenken und seine unmotiviert wirkende Körpersprache erklären – allerdings nicht entschuldigen. Denn, und da lege ich mich fest, Berg hätte ebenso wie der HSV die Reißleine ziehen können. Oder besser: Er hätte sie ziehen müssen. Genau so, wie er sich jetzt zusammenreißen und in den Dienst der Mannschaft stellen muss, ohne sich selbst sowie sein eigenes Schicksal zu bedauern.

Ein gutes Beispiel, wie man sich an den eigenen Haaren aus dem Negativsog ziehen kann, ist Artjoms Rudnevs. Der erste lettische Bundesliga-Torschütze belohnte sich gegen Gladbach für ein mal wieder sehr laufintensives Spiel. 10,11 Kilometer lief der bullige HSV-Angreifer – in 77 Minuten. Ich bin mir sicher, dass die Nummer Zehn des HSV in den verbliebenen 13 Minuten noch mindestens zwei Kilometer gemacht hätte und sich somit in die Top-Drei des HSV in Sachen „zurückgelegte Distanz“ katapultiert hätte. Das wiederum ist besonders beachtenswert, weil Rudnevs seine Kilometer in einem durchschnittlich deutlich höheren Tempo als ein Mittelfeldspieler zurücklegt. Aber okay, genug Statistik. Das nächste Spiel steht an. Mit Rudnevs, den Fink lobte: „Dass er sich viele Chancen erarbeitet, ist seine Stärke. Er ist schnell und unbequem, verfügt über einen tollen Teamgeist und hat ein schönes Tor gemacht. Und es ist ja oft so, dass Stürmer nach ihrem ersten Treffer im nächsten Spiel wieder treffen…“

Schon deshalb will Fink mal wieder versuchen, wenig zu verändern. Am besten nichts. „Ich werde nur umstellen, wenn einer nicht 100 Prozent fit ist“, so der Trainer, dem am Sonnabend gegen Hannover sicher wieder Petr Jiracek und eventuell wieder Jeffrey Bruma zur Verfügung stehen. Insbesondere Erstgenannter hatte überzeugt, bis Schiri Stark eine Idee hatte und ihn in Frankfurt für ein gelbwürdiges Foul überhart mit Rot (was bitte hätte denn dann Xhaka gestern bei seinem gestreckten Bein gegen Adler bekommen sollen???) abstrafte. „Jiracek ist ein guter Fußballer“, lobt Arslan, der die Position des Tschechen in Gladbach gut (für sehr gut fehlte der finale Pass) vertrat und seinerseits Ansprüche anmeldet: „Ich kann viele Positionen spielen – aber Jiracek kann auch außen spielen“, so Arslan, „ich glaube auch nicht, dass ich gegen Hannover wieder auf die Bank muss.“

Ganz sicher dabei sein dürfte Milan Badelj. Der Dauerläufer (12,95 Kilometer waren der absolute Topwert des Spiels), der zusammen mit Ivo Ilicevic für die beiden Qualifikationsspiele der kroatischen Nationalmannschaft zur WM 2014 gegen Mazedonien (12.10.) und auf Wales (16.10) nominiert wurde, ist aus der Mannschaft nicht mehr wegzudenken. Mit einer Bärenruhe reißt der technisch versierte Mittelfeldmann seine Kilometer mit maximal 26,4 Kmh (unterer Durchschnitt) ab. Und das so passsicher wie lange keiner mehr beim HSV! Sagenhafte 60 von 61 Pässen des Neuzugangs kamen an. Das sind 98,33 Prozent „angekommene Pässe“. Unfassbar, da es auch nicht nur Dreimeterpässe waren, sondern unter anderen auch die schöne Flanke zum 2:1 von Rudnevs. „Man sieht, dass wir da einen guten Mann gekauft haben“, sagt Fink, „Milan kann das Spiel lesen und sein Puls geht scheinbar nie hoch.“ Stimmt. Und das ist auch gut so. Badelj ist das Gehirn im Mittelfeld. Wie sagte Dietmar Beiersdorfer einst so treffend (damals über Atouba): „Er versteckt sich nie und stellt so immer eine Lösung für seine Mitspieler dar.“

In diesem Sinne, bis morgen. Dann wird Dieter Euch darüber informieren, wer am Sonnabend im Vorfeld der 125-Jahr-Gala (es gibt noch rund 1000 Tickets) gegen den kleinen (aber stetig wachsenden) HSV aus Niedersachsen von Beginn an aufläuft. Und dass wir hier wieder darüber diskutieren können, wer am besten helfen kann ist sehr, sehr positiv. Denn das Schlimmste an der vergangenen Saison war doch, dass wir beim Zusammenstellen unserer Wunschstartelf danach entschieden haben, wer der Mannschaft am wenigsten schadet… Ergo: es geht aufwärts. Fink nannte das Spiel in Gladbach „das beste Spiel, seit ich da bin“. Und ich stimme dem zu. Auch wenn das alles sehr relativ ist. Denn bei aller Freude über den Sieg gegen Dortmund und das gute Spiel in Gladbach – der Weg ist noch weit. Und hoffentlich gerade erst beschritten worden…

Scholle

P.S.: Aus gegebenem Anlass wollte ich noch mal ganz kurz eine Diskussion widergeben, die ich mitbekommen habe. Hauptdarsteller ist ein sehr guter Bekannter von mir (St.-Pauli-Fan) und sein Arbeitskollege (HSV-Fan). Mein Bekannter erwehrte sich dabei der Forderung des Kollegen, dass Ilicevic zum Schiedsrichter hätte gehen müssen, um zu sagen, dass es kein Foul und somit kein Elfer war. Denn so wäre Stranzl (wurde für ein Spiel gesperrt) nicht mit Rot vom Platz gegangen.

Soweit so gut. Fair wäre es. Insofern bislang keine Einwände.

Aber als der Kollege auch noch Stranzl als gutes Beispiel zitierte, da dieser ja nach dem Spiel auch zugegeben hätte, dass sein Treffer irregulär war, musste ich einschreiten. Denn: was bringt es der Welt NACH dem Spiel? Hätte Stranzl wirklich diesen außergewöhnlichen Drang zur Ehrlichkeit, hätte er es im Spiel machen müssen. Und, damit Ihr mich nicht falsch versteht: ich fordere nicht, dass jedes Aufstützen, jedes Zupfen etc. beim Schiri per Selbstanzeige gemeldet wird. Es ist auch gut, dass er es zugibt. Aber in dem Moment zählt das Tor schon – da ist es auch leicht und hält dem eben erwähnten Vergleich leider absolut nicht Stand. Anders gestaltet sich das Beispiel Miroslav Klose, der für Lazio beim Stand von 0:0 seinen Handtreffer beim Schiedsrichter anmeldete, obwohl der das Tor gegeben hatte. Dabei hatte der Schiedsrichter nicht einmal gefragt. Bitter dabei nur: Lazio verlor letztlich mit 0:3 – aber die Römer feierten Klose als kleinen Helden…

2:2 – der HSV verschenkt zwei Punkte

26. September 2012

Welch ein Pech. Welch ein verdammtes Pech! 2:2 in Mönchengladbach, aber der HSV hätte der Sieger sein müssen, stand vor dem ersten Auswärtserfolg der Saison – und wurde in der 91. Minute eiskalt bestraft. Ein ganz bitterer Abend nach einem Klasse-Spiel. Rafael van der Vaart, der den HSV mit 1:0 in Führung geschossen hatte, schoss einen Foulelfmeter in der 55. Minute an den Pfosten – es wäre wohl die Entscheidung gewesen. Der HSV macht durch diesen Auswärtspunkt einen kleinen Schritt nach oben, von Platz 15 auf Platz 14. Aber das, was der HSV jetzt spielt, das ist Fußball. Dieser HSV wird mit dem Abstieg schon sehr bald nichts mehr zu tun haben, ganz sicher. Weil man so viel Pech ja nicht immer haben kann.

Bevor ich zum Spiel komme: „Scholle“ und ich sitzen im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel), unser heutiger Gast ist Lotto King Karl, und wir werden jetzt in wenigen Minuten live auf Sendung mit „Matz ab live“ sein. Wir hoffen sehr, dass ihr alle einschalten werdet.

Zum Spiel:

Der HSV begann mit der „Dortmund-Elf“. Ein gutes Omen. Doch in den ersten Minuten drängte Mönchengladbach. Die Borussen hatten sich offenbar viel vorgenommen, wollten den HSV gleich unter Druck setzen – doch am Hamburger Strafraum war meistens Endstation für die quirligen „Fohlen“. Der HSV-VDV ist nicht mehr mit dem HSV der ersten Bundesliga-Spieltage zu vergleichen. Die Mannschaft lässt sich durch einen kleinen Sturm nicht gleich umwerfen, sie hält dagegen. Mit großem Selbstvertrauen. Das ist wirklich schön zu sehen. Was ein Mann doch so ausmacht – hat „uns Scholle“ zum neuen HSV gesagt. Und dieser Mann heißt Rafael van der Vaart. Er hat allen neues und frisches Leben eingehaucht, jeder einzelne HSV-Spieler tritt jetzt ganz anders auf, als noch vor Wochen, als das Team sieglos war und auch schon ein wenig hoffnungslos.

Die erste Chance des Spiels hatten die Gladbacher. De Jong, nicht verwandt und nicht verschwägert, spitzelte den Ball aus 14 Metern knapp am HSV-Tor vorbei (9.). 120 Sekunden später hatte der HSV seine Möglichkeit. Artjoms Rudnevs stand frei vor Keeper ter Stegen, wurde aber zu weit nach rechts abgetrieben, sodass der Gladbacher den Winkel verkürzen konnte – kein Vorwurf an Rudnevs, den konnte er nicht mehr ins Tor bekommen.

Aber diese Szene machte der gesamten Hamburger Truppe noch mehr Mut – auch für offensive Aktionen. Bei Gladbach schlichen sich vermehrt Abspielfehler ein, am Rande tobte Trainer Favre, doch der HSV bekam das Geschehen von Minute zu Minute mehr und besser in den Griff. Und ging in der 23. Minute in Führung. Ein herrlicher Treffer, ein“ Tor des Monats“ – ein Traum von Tor: Abschlag Rene Adler, an der Mittellinie verlängerte Heiko Westermann per Kopf (in einem engen Duell!) zu van der Vaart, und der machte mit der Kugel etwas ganz Ausgefallenes. Er schoss den Ball von der Linksaußen-Position in den hinteren Winkel. Das sah in etwa so aus, wie das Dortmunder Tor am Sonnabend von Perisic, als dieser flanken wollte – und er Ball in die lange Ecke flog. So ähnlich sah auch dieses 1:0 aus – nur dass van der Vaart dieses Tor ganz genau so schießen wollte – sein 30. Bundesliga-Treffer. Wie gesagt, ein Traum! Und auch die verdiente Führung.

Der HSV bestimmte danach den Rhythmus des Spiels, hielt die Kugel gekonnt in den eigenen Reihen, wenn es nötig war, und spielte nach vorne, wenn sich die Räume dazu boten. So sieht Fußball aus. Da wurde nicht mehr quer, quer und zurück gespielt, sondern auch entschlossen und schnell nach vorne. Und es hätte alles so schön sein können, hätte nicht Schiedsrichter Deniz Aytekin gleich zweimal einen totalen Blackout gehabt. Erst „übersah“ er ein klares Foul von de Jong an Heiko Westermann, denn der Gladbacher sprang den HSV-Kapitän im Fünfmeterraum eindeutig um. Ein klareres Foul gibt es nicht – aber Aytekin gab Eckstoß für Mönchengladbach. Und diesen schoss Nordtveit zur Mitte – wieder stand Westermann im Mittelpunkt. Stranzl stützte sich bei seinem Kopfballtor so was von klar auf, dass es ein Lehrbeispiel werden könnte (oder auch vielleicht wird), wie man es als Unparteiischer nicht machen soll. Aber das Tor zählte, obwohl diese beiden Entscheidungen eigentlich skandalös waren – 1:1. Stranzl gab nach dem Spiel zu, dass sein Treffer irregulär war – aber was hilft es?

Ein Tor aus dem Nichts – und irgendwie auch unverdient. Aber dabei blieb es nicht. Sekunden vor dem Pausenpfiff die erneute Hamburger Führung: Klasse-Flanke vom Klasse-Fußballer Milan Badelj, und Kopfball von Artjoms Rudnevs. Aus vier Metern köpft der Lette das 2:1 und sein erstes Bundesliga-Tor. Zum Glück hatte Trainer Thorsten Fink den Stürmer im Team gelassen, obwohl der Coach auch ein wenig damit geliebäugelt hatte, Maxi Beister rechts und Heung Min Son in der Mitte zu bringen. Fink tat es nicht, und er tat gut daran. Wobei wir uns im „Champs“ gleich über Rudnevs unterhielten, und „Scholle“ wusste: „Der Junge ist unheimlich beliebt in der Mannschaft, den mögen alle.“

Und er wird wohl auch kommen. Sein Tor wird ihm Auftrieb geben, noch mehr – und er erarbeitet sich diese Form ja auch durch seinen Fleiß und durch seinen enormen Einsatz. Ein Beispiel: In der 21. Minute attackierte Rudnevs den Gladbacher Torwart an dessen Fünfmeterraum – auch ein Traum. Der HSV setzt nach, der HSV geht jedem Ball hinterher, der HSV kämpft und gibt alles, setzt den Gegner sogar in dessen Hälfte und sogar im dessen Strafraum unter Druck. Super.

Der zweite Durchgang begann dann mit einem Paukenschlag. Ivo Ilicevic dringt in der 53. Minute in der MG-Strafraum ein, Stranzl kommt mit dem langen Bein, der HSV-Spieler springt hoch und geht zu Boden – Elfmeter. Und Stranzl sieht noch Rot. Das roch stark nach Konzessions-Entscheidung. Es gab Rudelbildung, Torwart ter Stegen stellte sich, als van der Vaart schießen wollte, drei Meter vor das Tor – das alles kostete Zeit. Und wohl auch Nerven. Van der Vaart schoss den Ball in der 55. Minute an den Pfosten, die mögliche Vorentscheidung war vertan. Schade, schade.

Gladbach fortan nur noch zu zehnt, der HSV hielt den ball, vergab aber einige Konteransätze durch zu ungenaues Abspiel. So baut man einen müden Gegner eigentlich wieder auf, aber diesmal nicht. Der HSV war eindeutig Chef im Ring. Gladbach hatte nur noch eine große Chance, als ein Freistoß von Arango knapp am HSV-Tor vorbeisegelte (76.) – das war Glück, wer weiß, ob Rene Adler den gehalten hätte?

Der HSV war auf der Siegerstraße, ganz klar, es ging nur um die Höhe des Erfolges. Zu viele Konter aber wurden vergeben – leichtfertig. Und das rächte sich bitter. In der Nachspielzeit köpfte Dominguez nach einem Arango-Freistoß (Foul von Ilicevic) das nicht mehr für möglich gehaltene 2:2. Welch ein Pech! So ungerecht kann Fußball sein. Der HSV verschenkt seinen Sieg.

Die Einzelkriktik:

Rene Adler spielte absolut souverän, am Gegentor gab es nichts zu halten – auf ihn ist nicht nur Verlass, die Mitspieler verlassen sich auch auf ihn. Eine großartige Verstärkung für den HSV, man kann es nicht oft genug wiederholen.

Dennis Diekmeier bot eine solide Partie, ohne jeden Kompromiss, er spielte „Karo einfach“ – und das war zweckmäßig und gut.

Michael Mancienne knüpfte an die starke Leistung aus dem Dortmund-Spiel nahtlos an, er hing wie eine Klette an seinen Gegenspielern – er hat seine Chance (durch Brumas Verletzung) genutzt. Stark.

Heiko Westermann war wieder Dreh- und Angelpunkt in der Defensive, er ist aus dieser (nun erfolgreichen) Mannschaft nicht mehr wegzudenken, er ist ein Mann, der stets 100 Prozent gibt – ein Vorbild. Großartig.

Marcell Jansen hat seinen dritten Frühling zufassen. Es ist unfassbar, wie er sich oft mit Haut und Haaren in die Aktionen des Gegners wirft, wie er grätscht, wie er rennt und sprintet. Note zwei.

Milan Badelj ist ein ebenso großer Gewinn wie Adler für den HSV. Ein ganz feiner Fußballer und mit einem guten Auge.

Tolgay Arslan imponiert mir immer mehr – muss ich schon sagen. Wie er seine Defensivarbeiten erledigt, das ist schon spitze. Er hat bewiesen, dass er eine Alternative ist – aber nun kommt ja Petr Jiracek wieder.

Heung Min Son nicht ganz so spektakulär wie gegen Dortmund, dennoch auf dem aufsteigenden Ast. Das war okay.

Rafael van der Vaart war der Regisseur, er bracht Linie und Ordnung in das Spiel seiner Mannschaft – hervorragend.

Ivo Ilicevic scheint zu kommen, er hatte viele gute Szenen, Szenen, die er vor Wochen nie hatte – nun lässt er sich offenbar anstecken und mitreißen – zum Wohle des HSV.

Artjoms Rudnevs überzeugte (bis zur 77. Minute, dann kam Marcus berg für ihn) durch seinen Einsatz und glänzte durch sein Tor. Immer eine Gefahr für das Gladbacher Tor. Jetzt wird er kommen! Und zwar ganz stark.

In der 89. Minute kam Jacopo Sala für van der Vaart, und in der 91. Minute kam Maxi Beister für Ilicevic.

22.08 Uhr

Mit ‘ner Menge Optimismus im Gepäck nach Gladbach

25. September 2012

Oha, da is was schief gegangen. Ich dachte, ich hätte den Blog längst online gestellt, bis mich Wortspieler ( danke!!!) aufmerksam machte, dass dem nicht so ist. Entschuldigt bitte! Das passiert mir sicher nicht noch mal!!! Der Blog:

Die Mission „Sieg vergolden“ nimmt Fahrt auf. Fast 90 Minuten wurde heute trainiert, bevor es nach Mönchengladbach ging. Und dabei kristallisierte sich nicht nur ein identischer Kader sondern auch die gleiche Aufstellung wie beim Dortmund-Spiel heraus. „Ich will nicht viel verändern“, hatte Trainer Thorsten Fink angekündigt – und seine Ankündigung jetzt umgesetzt. Gegen Mönchengladbach am Mittwochabend wird die gleiche Startelf auflaufen wie beim 3:2 gegen Dortmund. Auch den Gedanken, in der Spitze etwas zu verändern, hat Fink inzwischen verworfen.

Unverändert lasen könnten wir gern auch die Quote von Heung Min Son. Der Südkoreaner hatte zuletzt doppelt getroffen – und würde das gern wiederholen. „Ich werde auf jeden Fall gegen Gladbach die selben Schuhe tragen wie am Sonnabend“, erzählt Son und der Pressemitarbeiter des HSV (sind bei unseren Runden immer dabei) fragt (berechtigt) nach: „Obwohl Du so oft gerutscht bist gegen Dortmund?“ Sons eindeutige Antwort: „Egal, wie die Witterung morgen ist – es werden die selben silber-orangenen Schuhe sein, die ich beim wichtigen Sieg gegen Dortmund anhatte. Sie haben mir und uns Glück gebracht.“

Nun denn, hoffen wir mal, dass es in Mönchengladbach nicht so viel regnet wie hier bei uns. Denn dann könnte auch der leichtfüßige Son Standprobleme haben. Sogar noch mehr als gegen den BVB. Wobei sich mir die Frage stellte, wie oft Son denn seine Schuhe wechselt? „Immer wieder mal“, so der Südkoreaner, der dann aber nachschob: „Ich schmeiße die gebrauchten Schuhe ja nicht weg sondern nutze sie nach einer gewissen Zeit wieder.“ Eben dann, wenn es ihm sein Aberglaube erlaubt.

Erlaubt ist vor dem Duell bei Mönchengladbach auch eine gewisse Portion Optimismus. Schon allein der Kampfgeist aus dem Dortmund-Spiel, den wir in der Form lange nicht sehen durften, stimmt mich positiv. Zudem das Glücksgefühl des Sieges – eigentlich beste Voraussetzungen. „Das stimmt“, sagt Rafael van der Vaart, „wir wissen, dass wir jeden schlagen können, wenn wir an unsere Grenzen gehen. Und wie das geht, haben wir ja gegen Dortmund gezeigt.“

Die personifizierte Hoffnung aus den Niederlanden wird in Gladbach im Zentrum wieder von Milan Badelj und Tolgay Arslan unterstützt. „Beide haben sehr gut gespielt“, lobt van der Vaart. Sehr zur Freude des jungen Arslan, der vor Selbstvertrauen nur so strotzt. Mit einem nagelneuen Rasierer von Media Markt bewaffnet, trat der Mittelfeldmann seine Dienstreise an. Vorher konnten wir auf dem Parkplatz ein paar Worte mit ihm sprechen. „Wir wollen und müssen das Dortmund-Spiel in Gladbach bestätigen“, so Arslan, während seine Freundin im Auto auf eine angemessene Verabschiedung ihres Liebsten wartet. Er selbst freue sich über und auf seine neue Aufgabe. „Ich muss defensiv sicher noch ein wenig dazulernen und sollte gegen Dortmund eigentlich mehr vor Badelj spielen, aber das Spiel hat sich so ergeben. Und wir haben es – glaube ich – auch ganz gut so gelöst.“ Sogar so gut, dass Arslan daran glaubt, sich seinen Platz auf der Doppel-Sechs erkämpfen zu können. „Ich glaube nicht, dass ich wieder raus muss, wenn Petr Jiracek am Sonnabend gegen Hannover wiederkommt.“ Im Gegenteil: statt selbst weichen zu müssen, glaubt Arslan daran, dass der tschechische Nationalspieler eine andere Position spielen könnte. „Er kann auch außen spielen.“ Das nenne ich mal selbstbewusst. Und solange Arslan seine Aussagen mit Leistung garniert, ist das auch völlig okay.

Gegen Dortmund ist der HSV erstmals in dieser Saison in einem Spiel über 120 Kilometer gelaufen. Genau genommen waren es 120,4. „Ehrlich?“, so die erstaunte wie erfreute Reaktion von Arslan, der nach Badelj (12,37 Kilometer) mit 11,65 Kilometern der HSVer mit der größten Distanz im Spiel war. Dass der HSV fast alle statistischen Werte gegenüber dem BVB verliert – okay. Die Statistik der Ballkontakte erklärt, warum der HSV trotzdem gewinnen konnte. Denn hier ist nach Badelj (67) und Marcell Jansen (58) Torhüter Rene Adler mit 57 Ballkontakten der HSVer mit den drittmeisten Ballkontakten. Und was Adler am Wochenende gehalten hatte, ist hier hinlänglich bekannt…

Auch wenn ich weiß, dass hier die Diskussion „Beister vs. Son in der Startelf“ oftmals sehr hitzig diskutiert wird, muss ich diesbezüglich heute mal klar Stellung beziehen. Ich persönlich würde mich am meisten über BEIDE in der Startelf freuen. Immerhin gelten beide als die Art Talent, auf die der HSV die nächsten Jahre setzen will. Dennoch kann man Trainer Fink aktuell keinen Vorwurf machen, weil er nicht auf Beister setzt. Denn Beister, so gern ich ihn und vor allem seine eigentlich freche Spielart mag, ist momentan leider nicht in Form. Insofern sollten wir die Diskussion, ob Beister besser als Son wäre, abwandeln und uns fragen, weshalb Beister die nötige Leichtigkeit fehlt.

Allerdings werde ich mich diesbezüglich heute, einen Tag vor dem wichtigen Spiel in Gladbach, nicht auslassen. Son spielt – und das hat er sich gegen Dortmund verdient. Zumal ich glaube, dass Son mit seinem Tempo eine gute Ergänzung zu van der Vaart Passgeberqualitäten ist. „Ich glaube, wir verstehen uns ganz gut“, sagt Son, „er ist ein super Spieler, ein super Typ und einer, der gerade uns jungen Spielern viel helfen kann und will.“ Dass Son nach van Nistelrooy nun mit van der Vaart erneut von einem Niederländer auf dem Platz profitiert, freut Son. Er hat sogar einen Verdacht: „Vielleicht bin ich ja eigentlich ein Holländer…?“

Ist er wohl eher nicht. Dafür aber ist Son mit drei Toren in den letzten beiden Spielen gut in Form. Und das nach erheblichen Startproblemen. „Ich war am Anfang der Saison nicht gut. Ich war schlecht drauf, fühlte mich müde und habe nicht so gut gespielt. Das ist jetzt deutlich besser. Ich wollte auch am Montag eigentlich trainieren. Aber unser Trainer hat es mir verboten. Deshalb habe ich nur so ein bisschen was gemacht…“

Son macht Scherze, er wirkt gelöst. In seiner Heimat haben die zwei Tore gegen den Meister eine wahre Flut von Lobeshymnen in den Zeitungen nach sich gezogen. Son ist in Südkorea ein Superstar und dürfte in der aktuellen Verfassung demnächst wieder für sein Land nominiert werden. Dennoch hebt er (noch) nicht ab. Auch, weil Fink ihn immer wieder erdet. „Der Trainer hat mit mir eine Videoanalyse gemacht und mir klar gezeigt, dass ich in zwei Situationen den Ball noch besser hätte verarbeiten müssen. Er hat gesagt, dann hätte ich noch zwei Tore machen müssen. Und er hat gesagt, dass ich noch viel lernen muss.“ Klingt gut. Gerade bei einem 20-Jährigen, der bereits elf Tore in ebenso beachtlichen 40 Bundesligaspielen erzielt hat. Keine schlechte Quote…

Dennoch, Statistiken sagen nicht alles aus. Son selbst hat trotz der beiden Tore gegen Dortmund beim 3:2-Sieg noch eine Menge Luft nach oben gelassen. Im Spiel nach hinten sowieso aber auch nach vorn. Immerhin kommt der beidfüßig schussstarke Offensivmann noch zu selten zum Abschluss. „Der Trainer schimpft immer noch mit mir und sagt, ich solle viel häufiger schießen“, sagt Son und gelobt Besserung. Wobei, wenn er wie gegen Dortmund auch in Gladbach seine einzigen beiden Torschüsse so setzt – es würde mich nicht stören.

In diesem Sinne, auf ein gutes Auswärtsspiel in Mönchengladbach. Dort, wo der HSV in der vergangenen Saison sein in meinen Augen bestes Spiel beim eher unglücklichen 1:1 (Torschütze war Arslan, der damit sein erstes und bislang letztes Bundesligator erzielte) machte.

Bis morgen!

Scholle

HSV: Adler – Diekmeier, Mancienne, Westermann, Jansen – Arslan, Badelj – Son, van der Vaart, Ilicevic – Rudnevs.
Auf der Bank: Drobny (ETW), Skjelbred, Tesche, Sala, Berg, Beister, Sternberg.

Borussia Mönchengladbach: ter Stegen – Jantschke, Stranzl, Alvaro Dominguez, Daems – Nordtveit, Xhaka – Herrmann, Arango – Cigerci – L. de Jong.
Für den Kader stehen bereit: Blaswich (Tor), Heimeroth (Tor), Dams, Wendt, M. Zimmermann, Bieler, Korb, Marx, Ring, Rupp, Younes, de Camargo, Hanke, Hrgota, Mlapa, Brouwers

Neue Größen in van der Vaarts Schatten

24. September 2012

Was gibt es nicht für schöne Momente – wenn man zuvor sein Spiel gewonnen hat. Da wird selbst die Vorstellung des neuen Mannschaftsbusses zum dreistündigen Top-Event. Mit bei der Präsentation des „Rauten-Express“ wie ihn die Fans in einer Umfrage getauft hatten, waren heute fast ausnahmslos glückliche HSVer. Rafael van der Vaart, Marcell Jansen, Heiko Westermann, Carl Jarchow und Fink, dessen Freude nur durch die Verletzungen von Jeffrey Bruma (Knieprobleme), Zhi Gin Lam (Muskelfaserriss) und Christian Norgaard (Riss des Syndesmosebandes). Dennoch überwog auch bei Fink die Erleichterung nach dem ersten Saisonsieg. „Ich kann mit Sicherheit sagen: So ein Termin ist deutlich angenehmer, wenn man vorher gewonnen hat.“

Und das haben sie.

Dank Rafael van der Vaart. Zumindest wird an dem Niederländer gefühlt 98 Prozent des Sieges festgemacht. Die anderen zwei Prozent teilen sich das mannschaftliche Kollektiv (es gibt es tatsächlich!) und Rene Adler, der gegen Dortmund tatsächlich den Beweis antrat, dass es richtig war, ihn trotz des laufenden Vertrages vom ebenfalls hervorragenden Keeper Jaroslav Drobny zu verpflichten. Adler war Weltklasse. Dass er nun gleich wieder mit der Nationalelf in Verbindung gebracht wird ist vielleicht etwas verfrüht – aber bei der ehemaligen Nummer eins bin ich mir absolut sicher, dass es ihn nicht abheben lassen wird. Im Gegenteil: nach dessen unendlich langem und harten Kampf ums Comeback dürften solche Anerkennungen wie Wind unter den Flügeln sein. Adler ist noch lange nicht am Ende seiner Leistungsfähigkeit. „Ich habe noch nie einen Spieler wie ihn gesehen“, hatte mir Jörg Butt erzählt, als der HSV Adler verpflichtet hatte. Und der ehemalige Elfer-Killer und –Verwandler des HSV lobte weiter in Superlativen. Obwohl es Adler war, der seine Bundesligakarriere zumindest ins Stocken geraten ließ, als er Butt in Leverkusen die Position als Nummer eins abnahm. „Rene ist der Torwart mit dem größten Talent gewesen, das ich je gesehen habe“, so Butt, der bekannt dafür ist, lieber mal nichts zu sagen, ehe er etwas Falsches sagt.

Und – für mich nicht überraschend – Butt hat Recht. Adler ist der wahrscheinlich beste HSV-Keeper seit Uli Stein. Damit möchte ich ganz sicher nicht andere Größen wie Golz, Butt selbst oder auch Drobny und vor allem Frank Rost herabwerten – im Gegenteil. Allesamt waren hervorragende Keeper, die oft aus ihren jeweiligen Mannschaften herausstachen. Aber Adler ist ein Torwart mit dem X-Faktor. Er ist eine Mixtur aus riesengroßem Talent, reichlich Erfahrung, großer Perspektive und vor allem der Persönlichkeit und dem Erfolgshunger. Adler war ganz oben, fiel extrem tief und hat sich mühsamst wieder herangearbeitet. Er ist demūtig im Umgang mit dem Multimillionen-Euro-Job, der andere Talente zu schnell zufrieden sein lässt. Adler weiß, worauf es im Leben und im beruf ankommt. Und dass er sein Wissen auch umzusetzen weiß, konnten wir nicht erst am Sonnabend in der Imtech-Arena sehen.

Zurück zum Thema Nationalelf, das ich persönlich bei Adler nie angestoßen hätte, da es ein Selbstgänger ist. „Wenn er so weiter hält, ist er natürlich schnell wieder ein Kandidat für die Nationalmannschaft“, lobte Fink seine Nummer eins heute im Rahmen der Bus-Vorstellung. Allerdings scheint Fink nicht ganz meiner Meinung zu sein. Zumindest holte er Adler heute wieder ein wenig runter. „Er hat gegen Dortmund gut gehalten. Aber eben keine Unhaltbaren.“ Finks ehrenwerter Versuch, Adler in der Spur zu halten, ist allerdings schnell widerlegt, wenn man sich die Partie noch mal ansieht. Allein die Szene gegen Blaszczykowski nach dessen Einwechslung war für mich ein so genannter „Unhaltbarer“, zu dem sich noch etliche sehr gefährliche Szenen gesellten, die Adler entschärfte.

Egal wie, Fink ist sichtlich froh über seinen Keeper, der wie alle(s) andere vom Heimcomeback van der Vaarts in den Schatten gestellt wurde. Allerdings finde ich, dass der Niederländer zu recht – jetzt allerdings auch genug gelobt wurde. Zumal ich kein Freund von Heroisierungen bin. Schon gar nicht bei einer Mannschaftssportart, in der zu 99 Prozent das Kollektiv entscheidet. Mit Adler haben wir schon einen weiteren Mann gelobt. Auch Heung Min Son hatte seinen maßgeblichen Anteil mit den beiden Toren. Dass der Südkoreaner ansonsten allenfalls eine mäßige Partie absolvierte – scheißegal. Und das meine ich tatsächlich so. Aber mir fehlt in er Aufzählung der zu lobenden Spieler neben Heiko Westermann noch ein ganz entscheidender Mann – vor allem auch für van der Vaart: Milan Badelj.

Der Kroate ist am Ball eine Augenweide. Er spielt fast keine Fehlpässe, weiß immer schon vor der Ballannahme, wo Gegen- und Mitspieler sind und ist ein beruhigendes Element in hektischen Momenten. „Milan ist ein super Fußballer“, lobte van der Vaart seinen „Wasserträger“, der in meinen Augen noch besser werden dürfte, wenn neben ihm jemand spielt, der über etwas mehr Defensivqualitäten verfügt. Tolgay Arslan gab sich diesbezüglich alle Mühe und machte ein gutes Spiel. Und obwohl dem gelernten Offensivspieler anzumerken ist, dass ihm der Weg nach hinten und vor allem das defensive Zweikampfverhalten schwerer fällt als der Weg Richtung Spitze, hat er sich die zweite Chance redlich verdient. „Wenn Tolgay weiter so gut nach hinten arbeitet“, lobte Fink heute, „dann ist das gut.“ So gut zumindest, dass Fink seinen Youngster Arslan in Gladbach erneut auf die Doppelsechs stellen wird.

In Gladbach am Mittwoch noch fehlen wird Jeffrey Bruma, den ich heute bei der Reha im UKE (ich muss mein Knie wieder in Schuss bekommen) traf. „Es ist noch nicht wieder richtig gut“, antwortete Bruma auf meine Frage nach seinem Gesundheitszustand, „aber es wird besser.“ Der Niederländer hofft, dass er am Sonnabend gegen Hannover (15.30 Uhr, Imtech-Arena) zumindest wieder auf der Bank Platz nehmen kann.

Gegen Gladbach will Fink nichts umstellen. Er habe kurzzeitig überlegt, ob er im Sturm umbesetzt, diesen Gedanken aber recht zügig wieder verworfen. Zudem kommt es für Fink und den HSV zum Treffen mit einem Spieler, um den sich die Hamburger extrem bemüht hatten: Granit Xhaka. Der ehemalige Baseler sollte bereits im Winter zum HSV. Damals scheiterten die Verhandlungen offiziell am abgebenden Klub FC Basel. Heute sagte Fink, dass der Wechsel seines absoluten Wunschspielers in erster Linie an dessen Berater gescheitert sei. Zumindest im Winter. „Klar hätte ich ihn sehr gern gehabt“, so Fink. Zum Sommer hin habe ihm Xhaka dann allerdings selbst bestätigt, dass es besonders wichtig für ihn sei, Champions League zu spielen. Daher die Entscheidung pro Gladbach.

Heute spielen die Borussen – aus deutscher Sicht: leider – nicht mehr Champions League. Aber vielleicht hatte die Entscheidung des Schweizers gegen den HSV auch etwas Gutes. Immerhin war so die Position des Zehners noch unbesetzt und die Not so groß, dass beim HSV alle Kräfte gebündelt wurden, um Rafael van der Vaart zu holen, dem ich dann doch noch einen Qualitätsvorsprung gegenüber Xhaka zuschreibe.

Jetzt habe ich den Blog mit van der Vaart begonnen und beendet. Und das, ohne den extrem gelungenen Auftritt des neuen Hoffnungsträgers beim HSV im Sportclub zu erwähnen. Deshalb noch ein Wort zum ersten TV-Auftritt van der Vaarts: Sensationell sympathisch. ich glaube inzwischen fest daran, dass der HSV tatsächlich einen Superstar in den eigenen Reihen hat, der sich mit der Stadt, den Fans und dem Klub identifiziert. Allein die Tatsache, dass van der Vaart zuerst im N3-Sportclub und nicht auf der großen Bühne des Sportstudios Platz nahm, unterstreicht dessen Nähe zu Hamburg nur…

In diesem Sinne, ich bin heilfroh, dass der HSV mit Adler, einem Westermann in Dortmund-Form sowie Badelj, Jiracek und van der Vaart eine starke Mittelachse hat. Auch wenn es vorne dann etwas hapert, können Spiele gewonnen werden. Und vielleicht bessert sich auch das noch. Morgen wird auf jeden Fall unter Ausschluss der Öffentlichkeit trainiert. Zumindest wurde das heute so angekündigt. Aber vielleicht ändern sie das ja wieder kurzfristig wie vor dem Dortmund-Spiel. Es gibt ja Leute, die behaupten, Fink sei abergläubisch…

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Weil ich von einigen Blogger-Freunden gefragt wurde: Solche Geschichten wie die Fragebögen (an Jarchow sowie der an Dieter und mich) werden wir sicher noch mehrmals wiederholen. Versprochen. Auch, wenn wir das sicherlich in etwas größeren Abständen machen…

Van der Vaart reißt alle und jeden mit

23. September 2012

Durchatmen!

Dieses 3:2 ist Erleichterung pur.

Und wirft dennoch Fragen auf.

Nämlich die, warum erst jetzt? Und: Wieso nicht immer so?

Die ersten 70 Minuten gegen den Meister haben es bewiesen, dass diese HSV-Mannschaft durchaus in der Lage ist, guten Fußball mit Herz und Leidenschaft zu spielen. Dann war auch Glück im Spiel, ein überragender Heiko Westermann als Abräumer und ein Rene Adler, der zwischen den Pfosten eine Weltklasse-Leistung bot. Aber all das gehört natürlich auch dazu. Ein Kapitän darf über sich hinaus wachsen, und ein Keeper darf auch mal den einen oder anderen „Unhaltbaren“ abwehren. Alles ganz legal. Und wenn sich dazu dann auch noch die Glücksgöttin Fortuna ganz deutlich auf die Hamburger Seite schleicht, ist das natürlich die perfekte Mischung für einen Überraschungs-Sieg. Dieser 22. September 2012 wird so schnell nicht in Vergessenheit geraten, schon allein deshalb, weil dieser HSV wieder einmal Begehrlichkeiten geweckt hat. Mit einer Leistung, zu der jeder sagen kann: „Das war Fußball! Endlich einmal wieder.“

Die nackten Zahlen dieser 90 Minuten vom Sonnabend sprechen nicht gerade für den HSV. Obwohl ich bis in etwa der 70. Minuten keinen großen Unterschied zwischen beiden Mannschaften erkannt haben wollte. Dortmund erschien mir zu pomadig, der HSV aggressiver, mit einer großen Portion Willen in den Trikots. Aber: Dortmund hatte 26 Torschüsse, der HSV sechs. Das Eckballverhältnis lautete 10:2 für den BVB, Flanken gab es ein 13:10 für den Meister, die Ballkontakte waren mit 56:44 Prozent für die Borussia verteilt, nur zweimal führte der HSV: Fouls 22:10, Abseitsstellungen 3:0. Und die Bilanz der gewonnenen Zweikämpfe war ausgeglichen: 50:50. Die meisten Torschüsse: Perisic sechs, Ilicevic und Son je zwei. Die meisten Torschussvorlagen: Lewandowski sechs, Diekmeier und van der Vaart je zwei. Die meisten Ballkontakte: Leitner 92, Badelj 67. Und die beiden Zweikampfstärksten: Hummels gewann 84 Prozent seiner Duelle, Mancienne immerhin 77.

Aber in der Rubrik Toren führte der HSV mit 3:2. Und das war auch gut so.

Alle Welt hatte ja bei der Verpflichtung von Rafael van der Vaart gesagt: „Er ist nicht der Messias, er allein wird es niemals schaffen können.“ Wer hat das nicht gesagt? Die größten Experten des deutschen Fußballs. Und dennoch hat er es geschafft – allen Unkenrufen zum Trotz. Nicht allein, aber er hat diese Mannschaft zu neuem Leben erweckt, er hat die Verantwortung übernommen, er hat alle mitgerissen und mutiger gemacht, er ermuntert alle zum Fußballspielen, und alle in dieser Mannschaft wissen, dass da kein Star auf dem Rasen steht, der unantastbar ist, sondern ein Mensch, der Spaß und Freude am Fußball hat und versprüht, und der gewinnen will. Und der anspielbereit ist, wenn der Ballführende nicht mehr weiß, wohin mit der Kugel.

Dieser Rafael van der Vaart ist Gold wert für den HSV, er ist die Garantie dafür, dass dieser HSV nichts mit dem Abstiegskampf zu tun haben wird. So lange van der Vaart gesund ist und mitspielen kann.

In der 87. Minute war der erschöpfte Niederländer ausgewechselt worden, nach dem Schlusspfiff sprang er dann zuerst Trainer Fink in die Arme, dann raste der „kleine Engel“ über den halben Platz und herzte Torwart Rene Adler. Van der Vaart erklärte seinen Sprint: „Ich bin nach dem Spiel zu ihm gerannt, weil er den Sieg festgehalten hat. Mit seinem Können, seiner Erfahrung und seiner Präsenz verkörpert er Weltklasse. Wenn man sieht, wie er sich auch in der Kabine gibt, dann weiß man, dass er ein Gewinner-Typ ist.“

Rene Adler zu dieser Szene nach dem Spiel: „Ich war überrascht, wie schnell er nach dem Abpfiff noch ist. Aber da kam zum Ausdruck, wie viel Druck auch von ihm abgefallen ist. Er nimmt 98 Prozent der Verantwortung auf sich, so können die anderen in seinem Schatten arbeiten. Er ist nicht nur sportlich, sondern auch psychologisch der Typ, der uns bis dahin gefehlt hat.“

Ganz, ganz sicher. Plötzlich spielen sie befreit auf und zeigen Erstliga-Fußball. Als wäre es nichts, als wäre es selbstverständlich. Es wird nicht nur niveauvoll gekämpft, sondern auch gespielt. Und ganz gleich, ob es nur sechs Torschüsse gab – drei Tore gegen den Doublegewinner schießt auch nicht jeder. Rafael van der Vaart über dieses Spiel, diesen großen und großartigen Sieg: „Ich bin hierher gekommen, um der Mannschaft zu helfen, und das hat ganz gut geklappt, ich bin sehr zufrieden. Aber wir sind, das muss auch gesagt werden, noch lange nicht da, wo wir sein wollen, aber wenn man den Meister schlagen kann, dann kann man jeden schlagen. “ Und weiter sagte die „ewige 23“: „Der Druck war unglaublich, ich bin so froh, dass es geklappt hat. Jetzt ist das Vertrauen zurück, denn wenn man eine Topmannschaft wie Dortmund schlägt, dann kann man in jedem Spiel bestehen. Hut ab vor unserer Truppe, genau deshalb bin ich zurück nach Hamburg gekommen. Es war eine Befreiung für den ganzen HSV. Dieser Sieg fühlt sich wundervoll an, und dieses Gefühl genießen wir nun auch noch an diesem Wochenende, aber dann müssen wir direkt wieder umschalten und nach vorn schauen. Am Mittwoch wartet schon Mönchengladbach. Wir sind wieder da, aber es war nur der erste Schritt, nicht mehr. Das muss jedem bewusst sein.“

Und auch das scheinen alle begriffen zu haben. Der Blick für das Wesentliche ist geschärft worden. Trainer Thorsten Fink sagte in seinem Resümee: „Wir haben es geschafft, von Anfang an hellwach zu sein und sehr konzentriert zu arbeiten. Das frühe Führungstor hat uns natürlich in die Karten gespielt, da haben wir Dortmund auf dem falschen Fuß erwischt und uns hat es einen Schub gegeben. Doch auch nach dem 1:1 unmittelbar nach Wiederbeginn hat meine Mannschaft eine Reaktion gezeigt und weiter an sich geglaubt.“

Der Coach war an der Seitenlinie 90 Minuten lang in Topform, er gestikulierte, trieb an, korrigierte, gab Tipps. Er lebte die hundertprozentige Einstellung von außen prächtig vor. Und er sagte: „Es war eine leidenschaftliche Vorstellung, wir haben mit Glück, Geschick und Kampfgeist aus meiner Sicht verdient gewonnen. Der Druck war immens, ich habe versucht, das von den Jungs fernzuhalten. Es ist uns gelungen, die Fans mitzunehmen, sie haben uns dann getragen. Es war genau das Spiel, das wir gebraucht haben. Ich hoffe, dass das eine Initialzündung war für die nächsten Wochen, das Vertrauen nehmen wir jetzt mit ins nächste Spiel am Mittwoch. Jetzt weiß die Mannschaft, dass sie die Qualität hat, jeden Gegner schlagen zu können.“

Dann gab Thorsten Fink auch zu: „Ich bin überglücklich, aber es war eben auch nur ein Spiel. Heute ist die Freude groß, und ich bin natürlich auch erleichtert, denn ich kam mir doch schon vor wie täglich grüßt das Murmeltier. Weil es immer wieder Niederlagen einzustecken gab. Aber wir haben hart an unseren Fehler gearbeitet, oder auch kritisch daran gearbeitet, haben alles aufgearbeitet – und diesmal haben wir es gut gemacht. Es kam nicht so oft vor, dass wir gewonnen haben, aber ich habe immer daran geglaubt, dass wir es schaffen können.“

Dann ging es auch noch kurz mal ans Eingemachte. Fink ergänzte noch: „Wir haben ein tolles Spiel gezeigt, und das haben wir gemeinsam geschafft. Weil wir auch ruhig geblieben sind – im Verein. Man hat mich in Ruhe arbeiten lassen, von daher bin ich sehr, sehr zufrieden, dass die Mannschaft so reagiert hat, dass sie an sich glaubt.“ Und: „Wenn man nicht gewinnt, hat man auch kein Vertrauen, dann gibt es Zweifel, dann glaubt man nicht an die Sache – aber ich habe dagegen immer an gekämpft. Ich weiß, dass die Mannschaft die Qualität hat, ich habe auch gesagt, dass wir ein wenig Zeit brauchen, und wir können ja auch noch einige Dinge verbessern, im Defensivverhalten. Und manchmal noch cleverer zu sein, nicht den Konter zu suchen, nicht immer nur den Weg nach vorne suchen, sondern den Ball zu halten – und nur wenn es geht nach vorne. Das sind Kleinigkeiten. Aber daran arbeiten wir, und jetzt gibt es ja auch mal etwas Positives zu vermelden.“

Über „Matchwinner“ Rene Adler befand Fink: „Er ist für die Mannschaft da, ein starker Rückhalt. Mich überrascht das nicht, schließlich haben wir ihn genau deshalb geholt, weil wir absolut überzeugt davon waren, dass uns Rene sportlich, aber auch als Persönlichkeit und Leitfigur weiterbringen würde. Das hat er bisher vollauf bestätigt.“

Der so gelobte Keeper nach dem Super-Spiel:: „Ich will gar nicht über mich reden, denn das wäre nicht gerecht. Wir haben eine sensationelle Mannschaftsleistung gezeigt, das war ein Spiel, wie wir es gebraucht haben. Vor dem Anpfiff hat niemand einen Pfifferling auf uns gesetzt, da wurde doch nur über die Höhe des Dortmunder Sieges gerätselt. Die Art und Weise, wie leidenschaftlich wir aufgetreten sind, war überragend. Wir haben Herz gezeigt, uns in jeden Schuss geworfen und vorn zugeschlagen, als sich die Gelegenheiten boten. Aber: Es geht direkt weiter, jetzt gilt es, auch in Mönchengladbach unter Beweis zu stellen, dass wir den Gegner auffressen wollen.“

Dann ergänzte der frühere und kommende Nationaltorwart noch: „Ich habe so viel Spaß am Fußball wie nie zuvor. Nach meiner Verletzungspause bin ich körperlich auf Topniveau, dazu kommt die nötige Lockerheit. Und ich fühle mich richtig wohl beim HSV, hier passt alles für mich. Trotz des schlechten Starts war und bin ich total davon überzeugt, dass wir das Potenzial haben, eine gute Rolle in der Bundesliga zu spielen.“

Und plötzlich können sie ja auch alle. Nämlich Fußball. Selbst die „Sorgenkinder“.

Wie Michael Mancienne
zum Beispiel, über den Thorsten Fink sagte: „Er hatte einen Super-Tag, er hat viele Chancen der Dortmunder vereitelt. Er hatte eine tolle Ausstrahlung, das hatte ich so nicht erwartet, aber er kam in der Woche nach dem Spiel in Frankfurt zu mir in die Kabine und sagte: ‚Trainer, ich habe ein Scheiß-Spiel gemacht, hatte ein ganz schlechtes Timing, aber wenn ich beim nächsten Mal wieder dabei bin, dann mache ich es wieder besser.’ Das hat er gemacht. Ich finde es gut, dass man solche Leute hat, die auch Fehler zugeben und dann aber auch das nächste Mal wieder gut spielen.“ So wie nun Mancienne. Ich bin ehrlich, ich war vorher enorm skeptisch – gegen Lewandowski . . .

Wie Ivo Ilicevic,
der ein Tor schoss und endlich einmal nicht abfiel, im Gegenteil, in der Nähe von Rafael van der Vaart hat er offenbar seine alte Sicherheit und auch Gefährlichkeit wieder zurück. Ilicevic könnte ein weiterer „Neuzugang“ für den HSV sein.

Wie Tolgay Arslan.
Der Trainer über den neuen „Sechser“: „Er hat ein tolles Spiel gemacht, das hat doch keiner erwartet, dass er so auftritt, auf dieser eher defensiven Position. Dass er technisch stark ist, dass er keine Angst hat und dass er heiß war, das wusste ich, deswegen habe ich mich für ihn entschieden.“ Arslan sagte später: „Das war ein Super-Spiel, voller Emotionen, der pure Kampf. Wir wollten den Gegner kaputtrennen. Wenn man den Meister schlägt, dann kann man jeden Gegner schlagen. Mit dieser Überzeugung müssen wir weiter auftreten.“

Wie Heung Min Son,
der zwei herrliche Tore erzielen konnte und zeigte, dass er ein gefährlicher Stürmer ist. Beide Treffer hat er aus der Mitte erzielt, beim 3:1 kam er von rechts und schoss fast aus der Mitte und aus 18 Metern – mit links. Ein Traumtor. Fink über den Südkoreaner: „Einige wollten ihn mir ja schon wieder ausreden, oder in die Spitze reinreden, aber jetzt, wo Rafael van der Vaart die Bälle in dies Spitze spielt, kann Sonny von hinten kommen, auch von rechts und dann zur Mitte ziehen – dann ist er einfach gefährlich. Deswegen habe ich immer an ihn geglaubt.“
Obwohl ich einer derjenigen bin, der Heung Min Son lieber in der Spitze sehen würde – und Maximilian Beister dann über rechts kommend. Aber das ist natürlich ganz allein Sache des HSV-Trainers.

Der auch Artjoms Rudnevs lobte. Der Zugang von Lech Posen blieb etwas unglücklich in seinen Aktionen, strahlte auch nur wenig Torgefahr aus, aber beim 1:0 und beim 2:1 hatte er seinen Kopf (als Vorbereiter) mit im Spiel. Thorsten Fink über den Letten: „Rudi hat gezeigt, dass er sehr torgefährlich ist, dass er zumindest weite Wege gehen kann – dass er ins Team passt. Ich bin mir sicher: Schießt er ein Tor, dann wird der Knoten bei ihm platzen.“

Die nächste Gelegenheit dazu wird „Rudi“ am Mittwoch haben, beim Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach.

Ganz schnell noch zum heutigen Vormittag. Da war HSV-Boss Carl-Edgar Jarchow auf „SPORT1“ beim Doppelpass zu hören. Er sagte. . .

… zu HSV-Sportdirektor Frank Arnesen:
„Ich weiß, dass er das Vertrauen des Aufsichtsrats genießt und aus dem Vorstandskreis kann ich ihnen nur versichern: Unser Vertrauen hat er nach wie vor!“

… über die Kritik zu Arnesens Transfers:
„Frank Arnesen war bei allen Transfers dabei. […] Er wurde damals hier verpflichtet und es wurde ihm in Aussicht gestellt, er könne hier einen hohen zweistelligen Millionenbetrag für neue Spieler ausgeben. Nachdem ich ins Amt gekommen war und wir Kassensturz gemacht haben, musste ich ihm sagen, dass das Gegenteil der Fall ist. Wir mussten 15 Millionen Euro sparen. Aus dieser Situation heraus sind die Chelsea-Transfers zustande gekommen. Also aus einer rein finanziellen Schwierigkeit heraus und nicht daraus, dass Herr Arnesen das unbedingt wollte. Dass er sicherlich etwas Zeit braucht, um in der Bundesliga anzukommen ist normal. Ich glaube aber, dass er das in der Zwischenzeit voll und ganz ist.“

… über den Wirbel nach dem Badelj-Transfer:
„Es gibt hier keinen Verdachtsmoment. Der DFB hat hier auch nicht ermittelt oder Ähnliches, sondern hat das einfach der Zuständigkeit halber an die Fifa weiter geleitet. Wir haben einen Beratervertrag im Falle Badelj mit einem Berater, der nachgewiesenermaßen ein lizenzierter Berater ist. Da gibt es keine Probleme.“

… über Trainer Thorsten Fink:
„Ich stehe total hinter Thorsten Fink. Wir sind überzeugt, dass er hier noch sehr lange Trainer ist.“

Ich komme zum Schluss – aber noch mit unserer „Sprechstunde“ (vielen Dank an “el Presidente” Benno Hafas). Es gab da aus eurer Mitte einige Fragen. „Uns Scholle“ und ich haben die Fragen der „Matz-abber“ auf Video beantwortet (nicht alle, das wäre zu viel des Guten gewesen) – und diese Sprechstunde wird sicher auch bei passender Gelegenheit mal wiederholt.
Nicht beantwortet wurden Fragen wie zum Beispiel diese: „Warum machen Matz und Scholle immer noch einen ganz großen Bogen um eine ganz, ganz wichtige Frage . . ?“ Und dann wird ein HSV-Spieler zerrissen, der nachweislich stets zu den besten Hamburgern gehört.
Darauf habe ich, ganz ehrlich gesagt, keine Lust – schlimm genug, dass hier HSV-Fans gewisse HSV-Spieler immer munter herunterputzen, das muss in meinen Augen alles nicht sein – aber anonym geht eben vieles . . .

16.49 Uhr

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