Monatsarchiv für August 2012

Adler: “Raffa wäre eine sensationelle Sache.”

30. August 2012

„Und? Kommt er?“

Unfassbar, was hier abgeht. Ein Raffa-Hype der Superlative. Alle Welt will offenbar Rafael van der Vaart – beim HSV. Und keiner weiß was los ist. Zum Glück werden wir alle am Freitag erlöst, um 18 Uhr ist definitiv Schluss mit lustig. Ein Glück! Einen solchen Tag wie heute möchte ich so schnell nicht wieder erleben. „Dieter, was ist mit dir denn los? Dein Handy ist mal nicht besetzt.“ So meldete sich gestern ein „Matz-abber“ bei mir. Ja das war der Wahnsinn.

„Und? Kommt er?“ Ich weiß es wirklich auch nicht so genau, aber ich denke mal ja. Erstens habe ich ein gutes Gefühl, zweitens könnte der Herr Kühne (s)einen guten Ruf verlieren (sollte es denn doch nicht klappen), und drittens sprechen auch einige Indizien dafür: Der HSV hat an diesem Donnerstag morgens die Nummer 23 aus dem Verkauf genommen – die 23 mit Slobodan Rajkovic. Zudem werden jetzt schon Marketing-Artikel mit dem Namen van der Vaart und der Nummer 23 angefertigt – und dann gibt es den englischen Blog „thespursinsider“, der seit Tagen und Wochen jeden neuen Tottenham-Spieler und jeden abgängigen Spurs-Profi hundertprozentig vorausgesagt hat. Hundertprozentig! Und der hat nun auch verkündet, dass Rafael van der Vaart nach Hamburg wechseln wird. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht so kommt, wie die meisten von uns hoffen. Auf denn, Buam – macht das Ding spätestens am Freitag um 17.59 Uhr klar! Und denkt immer dran, was der Familie Choupo-Moting einst passiert ist – da war zu Unzeiten das Faxgerät kaputt, und nix ging mehr! Erst recht kein Vereinswechsel.

Für Abendblatt-Blogs


Wobei mir nicht entgangen ist, dass der Name van der Vaart nicht auf der deutschen Transferliste (von heute) steht – in England aber sehr wohl. Und nachdem unser „Prominentester“ aus dem „Matz-ab“-Blog, „Benno Hafas“, für einige Unruhe auf dem europäischen Transfermarkt gesorgt hatte (das kam noch hinzu!), weil er vom HSV-Mediendirektor Jörn Wolf am Fotografieren (des gerade von der Untersuchung kommenden v.d.V.) gehindert worden war, wurde der Hund in der Pfanne verrückt – und zwar völlig. Wie denn, wo denn, was denn? Benno Hafas – wie immer – auf Ballhöhe, und keine Hamburger Zeitung und kein Fernsehen ist dabei? Zuzutrauen wäre es ihm ja, aber es war natürlich war nur ein kleiner Scherz. Da kommt doch Freude auf. Obwohl, vielleicht nicht bei allen? Weil das Aufregung war, die eigentlich ein wenig überflüssig war. Aber ein Gag. Motto: „Mein Name ist Benno Hafas, ich schreibe für den Matz-ab-Blog.“ Und noch ein kurzer Benno-Zusatz: „Manchmal beliebe ich ein wenig zu scherzen . . .“

Kein Scherz dagegen ist, dass der HSV an diesem Sonnabend das Nordderby in Bremen bestreiten muss. Und das wird er mit stark veränderter Mannschaft tun. Ersten werden die beiden Neulinge, Milan Badelj und Petr Jiracek, mit von der Partie sein, und zweitens hat Trainer Thorsten Fink personell umgedacht. Heiko Westermann geht von der Sechs zurück in die Innenverteidigung, Jeffrey Bruma geht aus der Mitte nach rechts, und im Angriff erhält Artjoms Rudnevs die Gelegenheit, erstmals von Beginn an. Und sollte es Rafael van der Vaart nicht bis zum Anpfiff in Bremen schaffen, so dürfte Ivo Ilicevic wohl hinter der lettischen Spitze spielen – obwohl sich Ilicevic auf dieser Position beim HSV noch nicht versucht hat, noch nicht versuchen durfte. Etwas Neues braucht der Klub . . .

Und wenn der „Raffa“ denn tatsächlich käme, dann würden sich wohl auch die meisten HSV-Profis freuen. So wie Rene Adler, der über van der Vaart verriet: „Ich habe ihn bislang ja nur als Gegenspieler erlebt, und das war schwer genug, aber er hatte natürlich eine riesige Stellung hier in der Stadt. Er hat viel für den Verein geleistet, und ich kann mir gut vorstellen, dass die Fans und die Stadt den Namen van der Vaart mit positiveren Zeiten und mit einer besseren Mannschaft verbinden. Vielleicht ist das mit ihm wie zurück in die Zukunft.“ Adler weiter: „Es wird ja hier viel gesprochen von Umbruch und neuen Zeiten, ich könnte mir vorstellen, dass seine Verpflichtung das positivste Zeichen dafür ist. Dass hier ein alter Leistungsträger kommt, mit dem sich die Leute hier identifizieren können, der für die Stadt steht, der für den Verein steht – ich denke, dass Raffa van der Vaart in Deutschland mit dem HSV absolut verbunden ist. Und deshalb wäre eine solche Verpflichtung, wenn man sie dann machen kann, für die Stadt und für den Verein eine sensationelle Sache. Er würde uns schon wesentlich weiterhelfen.“

Beim heutigen Training, bei dem bestimmt wieder 500 Kiebitze anwesend waren, zeigten im abschließenden Spielchen die beiden Neuen ihre Klasse. Als Petr Jiracek mit links zum 1:0 für die Stamm-Mannschaft (gegen Jaroslav Drobny) getroffen hatte, gab es viel Beifall auch von den Mitspielern. Später applaudierten nur noch die Zuschauer, denn Jiracek traf noch einmal mit links und dann auch mit rechts. Ein Tor schöner als das andere. Der Mann kann es, und er wird es garantiert auch in den nächsten Spielen unter Beweis stellen. Wie auch der Kroate Badelj, der neben dem Tschechen auf der Sechs spielte und technisch glänzen konnte, der auch sein gutes Auge demonstrierte. Ich lege mich fest: Mit diesen beiden Spielern hat sich der HSV nicht nur verstärkt, er hat auch gleich einige Schritte nach vorn gemacht. Ihr werdet es erleben – wenn auch noch nicht unbedingt in Bremen, denn die Zeit, sich an die neuen Kollegen zu gewöhnen, ist ja doch relativ knapp.

Die A-Elf gewann das Spielchen gegen B (dort spielten Co-Trainer Frank Heinmann und Keeper Sven Neuhaus in der Abwehr!) mit 4:0, wobei das vierte Tor von Ilicevic erzielt wurde – in dieser Szene im vierten Versuch. Vier Versuche hatte auch Rudnevs in diesem Spiel, er hatte vier Mal die freie Auswahl, traf aber lediglich einmal den Pfosten. Das ist also noch verbesserungsfähig. Obwohl ich schon während des Trainings von einem „Matz-abber“ geflachst wurde: „Was machst du, Dieter Matz, eigentlich, wenn Rudnevs am Sonnabend in Bremen gleich dreimal trifft?“ Ich kann es euch sagen: ich würde mich freuen. Mehr nicht. Denn ich bin ja in diesem erlauchten Kreis, der Rudnevs bislang nur durchschnittliche oder auch unterdurchschnittliche Leistungen bescheinigte, nicht allein.
Aber frohlockt noch nicht zu früh, lasst ihn man auch erst einmal diese drei Tore schießen.

Was nach dem offiziellen Training auch noch klappte. Da brachte Dennis Aogo noch einige Flanken zur Mitte, und dort versuchten sich Heung Min Son, Zhi Gin Lam und Rudnevs als (Kopfball-)Torschützen gegen Drobny. Wobei es mir nicht in erster Linie um die Tore geht, sondern um diese gute Sache. Dass sich dort einige Spieler zusammenfinden und noch üben, obwohl die meisten Kollegen schon unter der Dusche stehen. Eine sehr gute Sache, die ich immer wieder loben werde.

Es tut sich einiges beim HSV. Irgendwie war die Aufbruchstimmung heute deutlich zu erkennen. Es geht aufwärts, obwohl es noch keinen Punkt auf dem Konto zu feiern gibt. Und selbst wenn es damit auch am Sonnabend in Bremen nicht klappen sollte – ich habe jetzt ein absolut gutes Gefühl. Der HSV hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Was er jetzt allerdings auch in den Bundesliga-Stadien unter Beweis wird stellen müssen. Immerhin sage ich: mir ist davor nicht mehr bange. Ich bin sogar so optimistisch, dass ich behaupte, dass dieser HSV jetzt mit dem Abstieg 2012/13 nichts mehr zu tun haben wird.
Mein Dank an die Verantwortlichen.

PS: Training am Freitag um 13.30 Uhr. Ob öffentlich oder nicht – ich weiß es nicht. Aber bei der Euphorie um den neuen HSV wird es meiner Meinung nach öffentlich sein, ein solcher Zustand muss doch eigentlich genossen und auch forciert werden!

18.54 Uhr

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