Monatsarchiv für August 2012

Die Kritik an Arnesen wächst – und Tottenham will 18 Millionen für van der Vaart

28. August 2012

Ich könnte im Kreis kotzen. Mein Sch…. Laptop hat den Geist aufgegeben, während ich im Auto den Blog geschrieben hatte. Soweit so schlecht. Aber Akkus halten eben nicht ewig – von daher ist das so weit noch erklärbar. Was allerdings für mich für immer ein Rätsel bleiben wird, ist, dass der gesamte Text, den ich 10000000-prozentig mehrfach zwischendurch abgespeichert hatte, einfach weg ist. Nachdem ich schnell zum Vereinsheim des NTSV gefahren war, um an eine Steckdose zu kommen, war alles weg. „Kompletter Datenverlust? Scheiße ist das“, sagt mir unser Clubwirt Ralf Lington gerade. Und Recht hat er. Deshalb, heute ein Text im Eiltempo…

Aber egal. Es ist ja lange nicht das größte Problem rund um den HSV. Im Gegenteil. Die Kritik wird lauter. Zuletzt hatte sich Dampfplauderer Mario Basler im Doppelpass“ abschätzig über Frank Arnesens Eignung als Sportchef des HSV geäußert. Jetzt legte „Uns Uwe“ noch nach. Und auch innerhalb des Aufsichtsrates werden immer mehr Stimmen laut, die die Ablösung des Dänen als Sportlichen Leiter forcieren. Es gibt schon richtig gehende Hardliner unter den Kontrolleuren, einige Kritiker, wenige Entschlusslose und noch weniger Befürworter Arnesens.

Wobei Frank Arnesen in den letzten 12 Monaten als HSV-Sportchef personell sicherlich nicht den Umbruch schaffen konnte, den er sich selbst und den sich der Verein vorgenommen hatte. So sehen es zumindest die Kritiker. Und auch bei Arnesen ist eine gewisse Unzufriedenheit zu erkennen. Nur zu gern würde er sagen, was alle wissen. Dass er bei seiner Vertragsunterschrift noch einen Betrag in Höhe von 15 Millionen Euro für Neue in Aussicht gestellt bekommen hatte und letztlich null vorfand. Es ehrt ihn allerdings, das nicht immer wieder hervorzuholen, sondern sich mit den Realitäten zu beschäftigen. Und die haben uns am Sonnabend einen HSV präsentiert, der abstiegsreifen Fußball bot. Auch in Arnesens Augen. „Das war enttäuschend“, so der Däne, der jetzt auf die noch ausstehenden Neuzugänge Milan Badelj und Petr Jiracek verweist. Sportlich zurecht.

Allerdings wird sich Arnesen diese sportliche Steigerung nicht mehr auf die eigenen Fahne schreiben können. Jiracek kam aus Wolfsburg quasi wie eine gebratene Taube ins HSV-Maul geflogen. Und bei den andauernden Verhandlungen um Rafael van der Vaart ist Arnesen quasi Zuschauer. Dem Vernehmen nach kümmern sich Hilke, Jarchow und natürlich Investor Klaus Michael Kühne um die Abwicklung des (dann) Königstransfers dieses Sommers.

Dennoch, trotz aller Kritik, ist Aufsichtsratsboss Alexander Otto hingegen ist anderer Meinung. Vor der gestrigen Aufsichtsratssitzung, auf der es unter anderem auch um die Personalie Arnesen gehen sollte, sagte Otto: „Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Wir planen langfristig mit Frank Arnesen und wissen, dass er eine Mannschaft zusammenstellen kann.“ Ob die Gerüchte um eine Demission Arnesens haltlos sind? „Absolut, da ist gar nichts dran. Wir haben Frank Arnesen geholt, um langfristig zu arbeiten. Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren, zumal wir selbstverständlich sehr zufrieden.“

Mit diesen Worten ging Otto in die Sitzung, die am Abend um 18 Uhr in der Hamburger-Weg-Loge begann. Inhalt war zum einen die Absegnung des vier Millionen Euro teuren Neuzugangs Petr Jiracek sowie der Stand in Sachen van der Vaart. Und bei Letztgenanntem gibt es nur eines, das sicher ist: der HSV kämpft um eine Rückholaktion des niederländischen Nationalspielers. Mit van der Vaart selbst soll sich der HSV bereits einig sein, einzig der eigenwillige Tottenham-Boss Dan Levy hat noch andere Ideen und fordert die für einen 30-Jährigen utopische Ablösesumme von umgerechnet 18 Millionen Euro. Zuvor hatte der HSV signalisiert, dank der finanziellen Hilfe von Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne immerhin bis zu 12 Millionen Euro zahlen zu können. „Ich kenne Levy schon sehr lange“, sagt Arnesen und es wirkt, als wolle er seine Hilfe anbieten: „Er ist einer, der oft auf den letzten Metern noch Transfers macht. In den letzten Sekunden verändert sich bei ihm alles – auch die Zahlen.“ Hoffen wir’s.

Denn diese Mannschaft braucht personelle Nachbesserungen, die allein mit Jiracek und Badelj wohl eher nicht getan sein dürften. Zumindest war im heutigen Testspiel gegen die eigene U23 nicht mehr als ein mühsames 2:1 drin (Tore: Ilicevic und Rudnevs per klarstes Abseitstor). Alle(s) hofft auf van der Vaart. Trainer Thorsten Fink offenkundig auch: „Wenn wir alle drei Spieler dazubekommen, würde Heiko Westermann wieder in die Abwehr zurückrücken“, so Fink, der darauf setzt, dass der HSV in den letzten Tagen der Transferperiode noch nachbessert: „Wir können noch einiges geradebiegen und die Weichen wieder in die richtige Richtung stellen“, sagt Fink, der sich zudem hinter Frank Arnesen stellte: „Wir gewinnen und wir verlieren zusammen“, so Fink zur Kritik am Sportchef.

Das tut der HSV künftig auch mit Milan Badelj, der am Mittwoch (Achtung: auf 16 Uhr verlegt!!) zusammen mit dem letzten Neuzugang Petr Jiracek das erste Mal mit der Mannschaft trainiert. „Jiracek ist eine Laufmaschine“, so Fink, „er ist ein positiver Antreiber. Außerhalb des Platzes ist er ruhig – aber auf dem Platz gibt er Vollgas. Der Junge hat richtig Herz und die Mentalität, die wir hier sehen wollen. Er verkörpert das, was wir brauchen.“

Nicht mehr gebraucht wird dem Vernehmen nach Marcus Berg, der heute zusammen mit Per Skjelbred und Dennis Diekmeier nicht mitspielte – unverletzt. Sollte sich für den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte ein Abnehmer finden, ist der HSV bereit, seinen Angreifer abzugeben. „Man kann nicht sagen, dass alles durch ist“, so Fink auf die Frage nach weiteren Abgängen, „sowas ist bis zum Ende der Transferfrist nie ausgeschlossen.“ Statt Berg würde noch ein Stürmer kommen.

Zudem sagte Fink bereits, dass am Sonnabend im Nordderby Artjoms Rudnevs anstelle Bergs spielen würde. „Er erarbeitet sich jedes Mal, wenn er auf dem Platz ist, seine Chance. Da ist es egal, ob er zehn, 20 oder 90 Minuten spielt – seine Chancen erarbeitet er sich“ Zudem sei der erste Lette des HSV deutlich aktiver und robuster als sein schwedischer Mannschaftskollege. „Rudy wehrt sich – gegen jeden Gegner. Daher hat er fürs Wochenende große Vorteile.“

Dann schon nicht mehr dabei sein wir Muhamed Besic, den der HSV nach Budapest abgeben wird. Dagegen hofft Tolgay Arslan auf seine Kadernominierung, nachdem er heute schmerzfrei trainieren konnte. „Ich fühle mich ganz gut“, so der Offensivspieler, „vielleicht langt es ja. Wäre auf jeden Fall ein Traum, in Bremen dabei zu sein.“

Stimmt. Zumal dann, wenn das Mittelfeld zentral defensiv mit Badelj und Jiracek, auf den Außen mit Jansen und wahlweise Beister, Son oder Ilicevic besetzt ist und davor ein alter Bekannter die Fäden zieht. Ihr wisst schon, wen ich meine…

Ich hoffe es.

Scholle (total genervt, weil ich alles doppelt geschrieben habe – aber wenigstens in der Hoffnung auf sportliche Besserung beim HSV….)

Jakobs und die zwei Strohhalme

27. August 2012

Heute mal wieder mit einer etwas anderen Eröffnung:

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Jetzt ist Fall X eingetreten, vor dem ich mich immer gefürchtet habe: Der alte Matz sieht nun ganz, ganz alt aus. Betrifft die letzte Meldung dieses Beitrages, ich löse es auch am Ende auf. Sorry.
Ergänzt um 23.33 Uhr
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Werder Bremen setzt wohl schon im Nordderby am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) gegen den HSV auf die Torjägerqualitäten seines neuen Stürmers Joseph Akpala. „Wir müssen uns auf dem Platz noch ein wenig besser kennenlernen. Aber ich habe keine Bedenken, dass das schnell gehen wird“, sagte Trainer Thomas Schaaf bei der offiziellen Vorstellung des Nigerianers. Akpala hat die besondere Bedeutung der Partie bereits verinnerlicht. „Ich weiß um die Brisanz. Für uns und die Fans ist es das Spiel des Jahres“, sagte der 26-Jährige. Akpala war für eine Ablösesumme in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro vom belgischen Vizemeister FC Brügge nach Bremen gewechselt und hatte bei den Hanseaten einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016 unterschrieben.

Das ist eine Meldung der Agentur dapd. Von Artjoms Rudnevs würde ich so etwas auch gerne gelesen haben – oder auch gerne lesen. Aber bei dem einen Stürmer braucht es eben ein wenig Zeit, und bei dem anderen eben ein wenig weniger. Auch wenn der, bei dem weniger Zeit benötigt wird, ein wenig billiger war – runde 700 000 Euro nur, aber immerhin. Dennoch gehe ich davon aus, dass da am Sonnabend im Weserstadion auf jeder Seite ein neuer Torjäger spielen wird. Akpala bei den Grünen, Rudnevs bei den Rothosen.

Über den Letten sprach ich übrigens heute mit „Altmeister“ Ditmar Jakobs. Der ehemalige HSV-Kapitän bittet in diesem „Fall“ auch um Geduld: „Man muss jedem eine Eingewöhnungszeit einräumen. Der gibt im Moment alles. Und es ist ja auch alles für ihn neu, er muss das erst einmal alles kennenlernen.“ Aber darf man für 3,2 Millionen Euro nicht doch erwarten, dass ein Stürmer, der die Nummer eins im HSV-Angriff werden sollte (und noch immer werden soll), sich etwas, wenigstens etwas schneller entwickelt? Jakobs: „Für die 3,2 Millionen kann der Junge ja nichts. Den nun als Sündenbock abzustempeln, das ist das Blödeste was es überhaupt gibt. Er ist doch beobachtet worden von den HSV-Scouts, und die haben es für gut gehalten, ihn für diese Summe zu verpflichten. Er ist bemüht, er spielt so gut wie er kann – und wir müssen mal abwarten, wie es weitergeht mit ihm. Der Junge ist auf jeden Fall ein guter Charakter, und ich rate jedem, ihn nicht zu schnell zu verdammen. Selbst bei einem Wechsel innerhalb Deutschlands brauchen die meisten Spieler ihre Eingewöhnungszeit, also ist es für einen Mann, der aus dem Ausland kommt, wahrscheinlich noch viel schwerer, hier sofort Fuß zu fassen.“

Ditmar Jakobs hat in der vergangenen Woche vor zu hohen Erwartungen an den HSV gewarnt, sagte auch: „Die Mannschaft hat eher an Qualität verloren . . .“ Recht hat er damit, jedenfalls in meinen Augen, aber willkommen ist eine solche leichte, seichte und vorsichtige Kritik innerhalb des Vereins nicht. Obwohl ich mir wünschte, dass noch mehr „Ehemalige“ sich so bemerkbar machen würden, um so dem HSV mal die Augen zu öffnen. „Jako“ aber sagt dazu: „Wenn wir etwas zur Lage des Klubs gesagt haben, dann hieß es doch von den Verantwortlichen immer nur: ‚Was wollen die Alten? Die sollen uns in Ruhe lassen.’ Dabei sind wir doch nicht schadenfroh, wir wünschen dem HSV doch nichts Schlechtes – wir wollen doch nur, dass der HSV in der Bundesliga bleibt.“

Und? Bleibt er? Ditmar Jakobs sagt: „Das sollte geschafft werden. Ich gehe jedenfalls davon aus. Aber ich bin kein Wahrsager. Immerhin ist der HSV in der vergangenen Saison drin geblieben, was bei dieser Heimbilanz eigentlich ein Wunder war – bei nur drei Heimsiegen. Jeder, der so wenig Punkte zu Hause einfährt, der wäre mit Pauken und Trompeten abgegangen – aber wir sind drin geblieben. Aber ob das noch einmal so funktioniert? Man sollte das Glück nicht zu lange strapazieren.“

Aber wie soll das gehen? Mit dieser Mannschaft, die gegen die schwachen Nürnberger verlor, wird das garantiert nichts. Ditmar Jakobs aber klammert sich an zwei Strohhalme: „Man kann nur hoffen, dass Milan Badelj und Petr Jiracek sofort einschlagen. Das ist jedenfalls meine große Hoffnung, dass diese beiden Spieler sofort bei 100 Prozent sind. Und so vielleicht den einen oder anderen Mitspieler mitreißen. Denn wenn man die nächsten vier Spiele des HSV sieht, dann weiß man, dass das nicht leicht wird – um es mal diplomatisch zu sagen. Was nützt es aber, jetzt noch auf die Mannschaft einzuprügeln, so wie es jetzt viele machen? Wir müssen hoffen und abwarten, wie sich das entwickelt.“

Mehr bleibt uns allen nicht.

Wobei ich auch heute wieder erstaunlich viel Post zu einem bestimmten Thema bekommen habe. Den Medien wird darin vorgeworfen, den HSV nicht genügend zu unterstützen. Ein Thema, das ich gestern bereits anschnitt. Heute möchte ich einmal zwei „Fremde“ zu Wort kommen lassen. Für die „Welt“ schrieb Lars Wallrodt in seinem HSV-Bericht nach dem Nürnberg-Spiel:

Es ist unglaublich, wie sich dieser Traditionsverein in den vergangenen Jahren selbst zugrunde gerichtet hat. Unter Vorstandschef Bernd Hoffmann, der im März 2011 vom Hof gejagt wurde, war zumindest noch der Hauch von sportlichen Ambitionen zu spüren, auch wenn er dem Klub mit gewagten Finanzkonstrukten letztlich einen Bärendienst erwiesen hat und auch mit Dietmar Beiersdorfer einen fähigen Sportdirektor vergraulte. Doch seit Hoffmanns Weggang ist der Klub im freien Fall.

Vor kurzem sprach ich mit einem Bundesliga-Klubchef, dessen Name hier nichts zur Sache tut. Irgendwann kam die Sprache auch auf den HSV, was umgehend Kopfschütteln auslöste. „Was dort für ein Potenzial verschenkt wird, ist unglaublich”, sagte er, „in einer der reichsten Städte mit einem riesigen Einzugsgebiet. Und dann so ein Trauerspiel.“

Ja, es ist ein Trauerspiel. Sportchef Frank Arnesen, der 2011 mit reichlich Vorschusslorbeeren ins Amt gelobt wurde, sollte angeblich das dickste Adressbuch des europäischen Fußballs haben. Nur die Spieler, die er daraus hervorzaubert, taugen leider nichts. Mit Akteuren wie Michael Mancienne, Per Skjelbred, Jeffrey Bruma, Artjoms Rudnevs und Ivo Ilicev spielt man nun mal fast automatisch gegen den Abstieg.

Der zweite Kollege ist Jörg Marwedel, der für die „Süddeutsche“ schreibt und schon seit vielen Jahrzehnten (länger als ich!) HSV-Reporter ist (auch einst für das Hamburger Abendblatt), und der von mir sehr geschätzt ist. Er schrieb nun nach dem 0:1 gegen Nürnberg:

„ . . . ich werde nicht müde, an meine Mannschaft zu glauben, sagt der HSV-Trainer. Man könnte nun sagen, Thorsten Fink tritt offen für seine Vorsätze ein. Man könnte aber auch sagen, hier leidet ein Trainer – zusammen mit dem Sportchef Frank Arnesen – an sportivem Realitätsverlust. Ein Klub, der erfahrene Profis wie Paolo Guerrero, Mladen Petric und David Jarolim verliert, ohne adäquat Ersatz zu besorgen, kann nur schwer davon ausgehen, dass es besser wird. Da nützen weder Überlebenscamps in Schweden noch die von beiden stets wiederholte Erklärung, „der Kader sei gut, und: Wir können es viel besser“. So hat sich Arnesen am Samstag wieder vernehmen lassen.

Vielleicht deshalb vernehmen lassen, weil er schon mehr wusste. Bezüglich Badelj und bezüglich Jiracek. Letzterer hat heute für vier Jahre beim HSV unterschrieben, und alle sind hellauf begeistert von diesem Zugang. Auch in Wolfsburg erfährt der Tscheche nur Lob, sowohl von Felix Magath als auch von Co-Trainer Bernd Hollerbach. Dieser Einkauf verspricht also viel. Und da Badelj ebenfalls ein „Guter“ sein soll, verstärkt sich das HSV-Korsett so allmählich wohl doch noch. Rene Adler, Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen, Milan Badelj und Petr Jiracek – das sind sechs Männer, die es nicht nur können, sondern auch wollen. Und wenn es ihnen gelingen sollte, die Teamkollegen mitzureißen, dann stünde der HSV doch gar nicht so schlecht da. Aber mal abwarten, wie sich das alles entwickelt. Wobei ich heute das Gerücht vernahm, dass sich Thorsten Fink eventuell dazu entschließt, Kapitän Westermann doch wieder nur als Innenverteidiger aufzustellen. Das hätte doch auch etwas – wenn dem so wäre.

Und wenn ich dazu noch einen Wunsch äußern dürfte – ich würde mich sehr freuen, wenn in den nächsten Spielen auch auf das Talent von Maximilian Beister gesetzt werden würde. Wenn ich mich recht erinnere, dann hat der HSV lange um den an Fortuna Düsseldorf ausgeliehenen Offensivspieler gekämpft. Natürlich hat Beister – wie Rudnevs – noch gewisse Eingewöhnungsprobleme, weil Liga eins etwas anderes als Liga zwei ist, aber er ist ein Talent, er will beißen, er ist manchmal (wie ein Fohlen) zu ungestüm, will zuviel auf einmal, aber er geht ab und er geht auch dorthin, wo es weh tut, er ist unberechenbar für Abwehrspieler. Und deswegen würde ich mich freuen, wenn Beister (trotz aller Defensivprobleme) mal in den nächsten das Vertrauen des Trainers erhielte. Ich glaube nämlich, dass es so gehen könnte.
Und noch eines: Wenn Marcus Berg gegen Nürnberg aufgestellt wurde, weil er zuvor ein Tor gegen den KSC erzielt hatte (so hat es der Trainer gesagt), dann hätte Beister doch eigentlich auch spielen müssen . . .

So, dann habe ich heute noch zwei Beiträge von „Matz-abbern“, die mir die Moderatoren ans Herz gelegt haben.

Von „HSVHamburg“ kam zum Thema Trainer:

Viele HSV-Trainerentlassungen kommen nicht überraschend:
Der HSV hat früher Trainer wie Klötzer, Zebec und vor allem Happel gehabt und spielte damals finanziell und sportlich auf einer Höhe mit Bayern. Ende der 70er bis zur Mitte der 80er sogar klarer u. langfristiger auf einer Höhe als der BVB bis dato.
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Ein Erfolgsmerkmal waren die Trainer!
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1987 trennten sich dann die Wege vom HSV und FC Bayern! Der HSV holte damals NOCH-Lehrling Magath, die „UNBEKANNTE” Skoblar, Willi Reimann, Schock, ewig-Verlie Toppmöller, Pagelsdorf, Cordes, Jara, Doll und wie sie alle hießen. Viele von denen trainieren gar nicht mehr oder eben Oberliga bis Verbandsliga-Teams!
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Bayern hollte ab dieser Zeit bis heute Leute wie Lattek, Heynckes, Trappatoni, einen gereiften Magath, van Gaal, Hitzfeld und jetzt neuerlich Heynckes usw. Mit König Otto kamen sie immerhin bis ins Uefa-Cup Endspiel (gewannen diesen mit Beckenbauer als Trainer auch) und standen auf Platz 2!!!
+
Mit Klinsmann u. Lerby holten sie ähnliche Kandidaten, wie der HSV sie ab 1987 mehrheitlich holte und hatten keinen Erfolg bzw. blamierten sich sogar zeitweise!
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Ich bin mir sicher, hätte der HSV nach 1987 Leute wie Lattek, Heynckes etc. geholt, hätten wir auch weiterhin den einen oder anderen Titel geholt und zumindest auf Augenhöhe mit Bayern, Dortmund und Brämen gespielt.
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Die Frage ist eigentlich, warum holte der HSV nach 1987 bis auf Stevens eigentlich keine international anerkannten Trainer mehr?

Und von „Ainu” kam diese Kritik:

Ein großes Dankeschön an die Gremien und sog. Fans des HSV!

Ihr seid die besten Gastgeber in der Bundesliga! Jeder Bundesligaklub kommt gerne nach Hamburg, denn es spielt sich einfach viel schöner gegen eine Mannschaft, die eigentlich keine Fans hat, sondern nur zufällige Besucher, die die Mannschaft des HSV auspfeifen – und das mit sehr viel Enthusiasmus und Engagement.

Es ist für jede Gastmannschaft einfach toll, miterleben zu dürfen, wie der Kapitän Westermann bereits nach nur einem Fehlpass oder ein Spieler, der eingewechselt wird, wie z.B. Robert Tesche, gnadenlos ausgepfiffen werden. Das nenne ich wirkliche Gastfreundschaft! Bitte liebe Pseudo-Fans, macht weiter so! Das demotiviert
die Mannschaft des HSV kolossal und ist das schönste Gastgeschenk für die Gäste.

Zum Schluss noch eine ganz erfreuliche Nachricht – für David Jarolim und seine vielen Fans. Der Tscheche hat einen neuen Arbeitgeber gefunden. Der Dauerläufer, auf den der HSV (leider, leider) nicht mehr setzte, spielt künftig in Frankreich erstklassig – und zwar beim FC Evian Thonon Gaillard (am Wochenende 1:1 gegen Olympique Lyon). Gratulation, „Jaro“, auch im Namen vieler „Matz-abber“, wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg in der neuen Heimat, bleib schön gesund und fit – und wenn Du nach Deiner aktiven Karriere dann wieder nach Hamburg kommen würdest, dann würden sich viele, viele HSV-Fans sehr freuen. Hau rein!

18.03 Uhr
PS: Am Dienstag wird im Volkspark um 10 und um 16 Uhr trainiert.

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So, nun zur Ergänzung. Ich war bei David Jarolim offenbar ein wenig zu optimistisch. Der Wechsel zum FC Evian ist noch nicht perfekt. Eigentlich sollte heute alles klar gehen, medizinische Untersuchung, Unterschrift – fertig. Als ich um 18 Uhr noch nichts von “Jaro” gehört habe, ihn auch mehrfach nicht erreichen konnte, ich aber zur Gala des Hamburger Amateurfußballs ins Hotel Grand Elysee musste (weil ich in der Jury für den Ian-Karan-Integrations-Preis sitze), bin ich davon ausgegangen: alles klar. Weil auch “uns Jaro” ganz optimistisch war. Aber denkste. Um 22.33 Uhr kam die sms: Es ist noch nichts perfekt.
Ja, so kann es gehen. Warten wir also auf den Dienstag, “Scholle” wird dann berichten. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es zu einer Einigung zwischen David Jarolim, der in Frankreich weilt, und dem Klub kommen wird. Aber was soll ich jetzt auch schon anderes sagen . . ? Sorry, sorry, sorry.
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Fink glaubt weiter an seine Mannschaft

26. August 2012

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“

Hat einst Otto Rehhagel gesagt.

Die Wahrheit lag auch an diesem Sonnabend wieder auf dem Platz. In Hamburg, im Volkspark, beim HSV. Da lag sie, die ganz, ganz bittere Wahrheit auf dem herrlichen und so wunderbar grünen Teppich. Es war alles angerichtet für ein großes Spiel, und dann das. Den Fans wurde die Hamburger HSV-Wahrheit schonungslos um die Ohren gespielt. Fußballerisch war das schon (fast) ein Offenbarungseid. Wie sang einst Hildegard Knef? „Von nun an ging’s bergab . . .“

Beim heutigen Training bin ich von einigen HSV-Fans gefragt worden, warum ich die HSV-Versager „so milde und fast wohlwollend“ kritisiert habe? Meine Antwort: „Was bringt denn jetzt eine Vernichtung? Sie liegen ja schon alle am Boden, da muss man dann doch Nachsicht üben.“ Weniger ist manchmal mehr. Nur beim HSV, da habe ich das Gefühl, dass weniger eben doch nur viel weniger ist. Weniger Qualität im Kader bedeutet eben, so real ist diese Fußballwelt dann doch, weniger Qualität auf dem Rasen. Da kann man noch so viel Nachsicht walten lassen, da können sich die Verantwortlichen noch sehr die Taschen gegenseitig voll lügen und schön reden, die Wahrheit liegt auf dem Platz.

In der am 22. Oktober 2011 erschienenen „HSVlive“ zum Wolfsburg-Spiel wird der neuen Trainer Thorsten Fink vorgestellt. Daraus möchte ich nur mal zwei Absätze aufzeigen:
Fink sagt: „Unser erstes Ziel ist natürlich der Klassenerhalt. Der Dino muss Dino bleiben! Wir sollten so schnell wie möglich den Tabellenkeller verlassen und am Saisonende im Mittelfeld der Liga auflaufen. Im oberen Mittelfeld aber, bitteschön. Ich sage aber auch ganz deutlich: Mit Blick auf die kommenden Jahre kann das nicht der Anspruch sein – nicht für den HSV, nicht für die Fans, und nicht für diese Stadt.“

Fink sagte auf die Frage, was er bislang (also im Herbst 2011) vom HSV gesehen habe: „Dass der HSV eine sehr junge Mannschaft hat, aber auch die nötigen Spieler mit Erfahrung auf dem Platz. Das ist sehr wichtig, denn nur mit jungen Talenten geht es ja auch nicht. Das Entwicklungspotenzial des Kaders ist sehr groß.“

Wo aber ist die Erfahrung im Team geblieben?

Und: Was sagt Thorsten Fink heute, nach der Auftaktpartie? „Ich werde nicht müde, an meine Mannschaft zu glauben.“

Das ehrt ihn. Obwohl: was soll er auch sonst sagen? Würde er diese seine Mannschaft vernichten, dann müsste er seine sieben Sachen packen und dem Volkspark adieu sagen. Freiwillig.

Wobei ich mich immer noch frage, wo der fußballerische Anspruch eines Thorsten Fink geblieben ist? Er spielte einst mit Könnern wie Kahn, Babbel, Linke, Jeremies, Matthäus, Jancker, Scholl, Basler, Effenberg und Co beim großen FC Bayern, diese Leute sind ja nicht die schlechtesten deutschen Aushängeschilder gewesen. Hätten diese guten Bayern nur einmal so gekickt, wie dieser HSV heute in jedem zweiten Spiel, dann hätte ich sicher Verständnis dafür, dass Fink den Maßstab so weit unten anlegt, aber so? Fink war doch jahrelang einen anderen, einen viel, viel besseren Fußball gewöhnt (in München). Warum lässt er seiner Hamburger Mannschaft heute ein solches Gestochere durchgehen? Das ist doch wirklich nur noch Fußball zum Abgewöhnen. Als ich gestern das Stadion verließ, wurde ich oft besorgt gefragt: „Wieso, Weshalb? Warum?“ Ich habe resignierend geantwortet: „Das ist nur noch Zweitliga-Niveau . . .“ Die Antwort darauf: „So hoch setzt du das Niveau dann doch noch an?“

Wenn es nur nicht so traurig und beängstigend wäre.

Während die Verantwortlichen (ich komme gleich noch drauf) weiter auf das Prinzip Hoffnung setzen, sehen die Spieler doch ein wenig klarer. Heiko Westermann sagt beispielsweise: „Wir waren nur über Standards gefährlich, und das ist zu wenig bei einem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Aber die Unsicherheit war da, die Stimmung ist nicht gut, das war schon vor dem Spiel so. Die einen oder anderen haben uns jetzt schon abgeschrieben . . .“

Marcell Jansen sprach noch mehr Klartext: „Das fängt ja schon an wie letzte Saison. Das zeigt nicht gerade eine Weiterentwicklung der Mannschaft. Die Qualität, dass wir den 1. FC Nürnberg schlagen, die sollte eigentlich da sein.“ Und: „Wir müssen jetzt unbedingt versuchen, eine positive Stimmung in die Mannschaft zu bekommen, ich hoffe, dass wir da jetzt ganz schnell Lösungen finden werden.“ Zudem sagte Jansen auch: „Das zieht sich nun schon seit zwei Jahren wie ein roter Faden durch den HSV, wir schaffen keine Weiterentwicklung, obwohl der HSV im Etatbereich an sechster Stelle der Liga liegt. Mannschaften wie Nürnberg und Freiburg machen es uns vor, und das kann es doch nicht sein.“

Wie wahr!

Und dennoch ist es Tatsache. Man muss dabei nicht mal so weit in den Süden sehen. Nach Bremen genügt schon. Wir werden es alle am Sonnabend erfahren. Werder hat auch kaum noch Geld in der Kasse, aber hat jemand eventuell das Spiel am Freitag, Dortmund – Bremen, gesehen? Das wird mir schwarz vor Augen, wie diese „namenlosen“ Bremer den Meister teilweise schwindelig gespielt haben. Die jungen Bremer wieselten, rannten, sprinteten – volle 90 Minuten. Weil sie es können! Und sie spielten zeitweise brillant, hatten Tempo im Spiel, viele großartige Ideen, sie standen kompakt, sie rückten schnell nach, und sie verteidigten blitzschnell, weil alle das Umschalten verinnerlicht haben. Wie gesagt, Bremen geht – wie der HSV – finanziell auch am Stock. Hat aber mit viel, viel Auge eingekauft, das ist der Unterschied.

Thorsten Fink sagte über seine Mannen: „Im Spielerischen haben wir noch ein deutliches Steigerungspotenzial. Die letzte Überzeugung fehlt, und daran müssen wir arbeiten.“
Vom körperlichen Vermögen sprach der HSV-Coach nicht. Das machte aber ARD-Kommentator Steffen Simon in der „Sportschau“. Er sagte nämlich, dass „der HSV in Schlussphase nichts mehr zuzusetzen hatte und körperlich am Ende seiner Kräfte wirkte.“ Das mag für ihn so ausgesehen haben, das sahen wohl auch einige (oder mehr?) HSV-Fans so, aber das muss ja nicht der Wahrheit entsprechen. Obwohl ich auch zu diesem Punkt eine besorgte Zuschrift erhielt:

„Lieber Dieter,
dein langjähriger Freund und interessierter Matz-ab-Leser möchte Dir eine Frage stellen, da Du ja näher an der Mannschaft und dem Trainer bist.
Was hat Herr Fink in der Vorbereitung in den Bereichen Ausdauer, Kraft u. Schnelligkeit trainiert????
Nicht nur nach meiner Meinung war die Mannschaft nach 70 Minuten k.o.
Über das Spiel gegen den Ball, Raumaufteilung und das Spiel nach vorne will ich gar nicht erst sprechen.
Wie soll das bloß mit unserm HSV weitergehen!!!!!!!!
Mit der Aussage von Herrn Fink: Wir arbeiten dran unsere Schwächen abzustellen, kann ich nichts anfangen . Nach so einer langen Vorbereitung auf die Saison.
Dein Freund Edgar“

Lieber „Edda“, kann ich da nur schreiben, das Training von Thorsten Fink unterscheidet sich überhaupt nicht von dem seiner Vorgänger Stevens, Labbadia, Veh und Jol. Heute wird wissenschaftlich trainiert, da muss eben nicht so geackert werden, wie zum Beispiel bei Felix Magath. Wird mir immer wieder gesagt – und irgendwie fange ich auch an, das zu glauben. Obwohl, das gebe ich zu, der Glaube fehlt mir gelegentlich dann doch wieder. Ich kann aber sagen, dass ich in den letzten Jahrzehnten immer dann, wenn ich beim Training war, nie wieder einen HSV-Spieler habe „auf allen Vieren“ vom Platz kriechen gesehen habe. Das gab es früher, bei Zebec, gelegentlich auch bei Happel, und auch bei Magath sehr wohl mal gesehen. Dann aber war irgendwann mal Ende mit dieser Schinderei. Wie gesagt: wissenschaftlich. Dauerrennen, das muss wohl in der heutigen Zeit nicht mehr sein. Obwohl, da fällt mir ein: Thorsten Fink hatte vor dem Pokalspiel in Karlsruhe auch noch gesagt: „Qualität kommt von Qual.“ Das hat er wohl mal von Felix Magath gehört – und übernommen.

Apropos arbeiten. Fink sagte zu diesem Punkt nach dem Nürnberg-Spiel: „Wir zeigen der Mannschaft nun auch Dinge, die sie besser machen kann, machen muss, das ist ja klar, man kann ja jetzt nicht loben, wenn man so anfängt – oder nicht viel loben. Man muss da hart ins Gericht gehen mit der Mannschaft in der Woche, man muss ihr aufzeigen, was sie besser machen muss, wo sie sich mehr zutrauen muss – wann sie das auch kann. Weil sie das doch in der Vergangenheit schon gezeigt hat, dass sie das kann. Und man muss im Training hart arbeiten – im Training härter arbeiten ist immer das Beste.“ Ganz genau!

Generell sagte Fink auch: „Wir haben das Zeug dazu, nicht da unten drin stehen zu müssen, wir müssen das Glück nur erzwingen – aber die letzte Überzeugung fehlt momentan.“ Und: „Wenn eine Mannschaft ein Jahr lang kritisiert wird, dann ein Pokalspiel verliert, dann strotzt sie nicht gerade vor Selbstbewusstsein.“ Wobei er, das hat Thorsten Fink auch gleich gesagt, nichts gegen diese Kritik der Kritiker (Medien) sagen wollte – denn die ist auch in seinen Augen berechtigt gewesen: „Ganz klar, wenn an Tabellenplatz 15 belegt, dann gibt es kein Lob, dann gibt es Kritik, das ist ganz normal.“

Thorsten Fink sagte dann aber auch noch – ganz wichtig: „Wir haben im Moment nicht die Überzeugung, in Führung gehen zu können. Die Mannschaft braucht auch einfach mal ein Erfolgserlebnis. Das fehlt uns einfach, um mal wieder Selbstvertrauen mitzunehmen. Wir brauchen mal wieder ein Erfolgserlebnis, damit wir dann auch spielerisch einfach mal wieder besser spielen.“
Mit Verlaub: ein Erfolgserlebnis? Eines? Zwei gab es eine Woche zuvor in Karlsruhe. Zweimal hat der HSV dort geführt, dann aber doch 2:4 verloren. Gefühlt war das damals ein 3:7, 3:8 – aber das steht auf einem anderen Blatt (der KSC spielte jetzt daheim immerhin 0:0 gegen Aachen!). Es liegt, das will ich damit nur sagen, nicht immer nur daran, was ein Trainer hofft, will und fordert. Ein Erfolgserlebnis? Bundesliga-Fußball ist kein Kindergeburtstag: Was hilft es, wenn es denn hinterher doch eine Niederlage gibt? Dann stellt sich so mancher Trainer (ich betone besonders: nicht Fink!) hin und schwadroniert: „Unser frühes Erfolgserlebnis tat uns gar nicht gut, denn da haben viele Spieler sofort gedacht, dass sie jetzt weniger tun könnten – und deswegen haben wir doch noch verloren . . .“

Im Hinblick auf das Werder-Spiel sagte Thorsten Fink: „Gerade den Spielaufbau können wir viel besser, das haben wir auch schon viel besser gemacht, daran müssen wir arbeiten. Bremen hat eine ähnliche Ausgangsposition wie wir, hat nun allerdings ein Heimspiel. Da können wir dann mal sehen, ob wir dort ein wenig befreiter aufspielen können, weil wir dann auswärts spielen – in unserer Situation ist es vielleicht schwieriger, zu Hause zu spielen.“

Ja, verbal ist das ohnehin eine ganz spezielle Sache im Fußball. Manchmal sollen die Fans getröstet werden, manchmal werden sie nur mit schönsten Sätzen vertröstet, gelegentlich auch auf die Schippe genommen – um es nicht noch drastischer zu formulieren.

Zum Beispiel sagte Sportchef Frank Arnesen heute zur Lage des Vereins: „Ich habe ganz etwas Anderes erwartet, als eine solche Premiere in unserem eigenen Stadion. Natürlich sind wir alle sehr enttäuscht, natürlich sind auch die Spieler enttäuscht. Wir können es viel besser, das haben wir in der Vorbereitung gezeigt. Die letzten beiden Spiele haben doch nicht die Qualität unserer Spieler gezeigt, denn wir haben auf Mallorca gewonnen, in Südkorea gut gespielt – da haben wir besseren Fußball von uns gesehen. Nun versuchen wir, die Köpfe klar zu kriegen von den negativen Sachen, die uns in den letzten Wochen überkommen sind. Weil wir nun zwei Wochen nicht gut gespielt und keinen Erfolg gehabt haben.“

Ist das schon Abstiegskampf, Herr Arnesen? Er sagt: „Wir stehen nicht vorne, das ist klar, aber es sind noch 33 Spiele vor uns, da ist es schon sehr früh, etwas zu sagen. Im Moment aber, das ist klar, sehen wir nicht gut aus, und das ist schon enttäuschend.“

Ist das nun Trost? Vertröstend? Oder ist das „auf die Schippe genommen“?

Frank Arnesen wurde natürlich nach Verstärkungen gefragt. Er sagt: „Ich habe noch fünf Tage Zeit, um etwas zu kriegen. Und ich hoffe, dass es mir gelingen wird.“ Was ist mit Rafael van der Vaart? Arnesen: „Das will ich nicht kommentieren, er ist im Moment Spieler bei Tottenham. Ich sage nur: Ich schließe nichts aus, im Fußball kann man nie etwas ausschließen, wir werden es am Freitag, wenn die Transferliste schließt, erleben, was passiert.“ Spürt er Druck? Spürt er, dass er mehr und mehr selbst unter Druck gerät? Arnesen holt Luft und lächelt: „Ich spüre immer Druck, aber das ist kein Problem. Ich kann besser mit Druck umgehen, als die Spieler.“

Sport1-Reporter Sven-Arne Görn fragte Arnesen dann: „Wieso sind alle anderen Klubs mit ihren Verstärkungen längst durch, aber der HSV nicht. Wieso hat das nicht geklappt?“ Darauf der Sportchef: „Wir haben das, so glaube ich, ganz gut getan. Wir haben Rene Adler sehr früh getan, wir haben Rudnevs früh getan, wir haben Beister zurückgeholt, und wir haben Milan Badelj. Das ist eigentlich ganz gut. Vor Saisonbeginn haben wir analysiert, auf welchen Positionen wir Verstärkungen brauchen. Und wir haben gesagt, dass wir einen spielerisch starken Sechser brauchen – und das ist Badelj. Leider ist es so, dass er erst am Mittwoch zu uns kommen wird.“

Natürlich gab es ob dieser 0:1-Niederlage enorm viele Zuschriften, Mails, Anrufe. Ich möchte mich aber nur noch auf die eine Mail von „steve1978“ beschränken.

Er schreibt:

„Auch ich war vom dem Spiel enttäuscht. Aber hat es mich gewundert NEIN.
Der Kader ist aus meiner Sicht gut für ein sicheren Mittelplatz. Aber als Spieler hätte ich allein auf Grund der Ereignisse während der Vorbereitung keine einzige Sekunde Lust mit der Raute auf der Brust rum zu laufen. Warum? Weil von diversen Seiten kommt DU bist zu schlecht. Selbst Herr Seeler (wahrlich zu seiner Zeit ein guter Fussballer und ich glaube auch mit Raute im Herzen) macht die Spieler nieder (Als Präsi 2 mal selbst in Abstiegsnot, aber heute über den Kader meckern). Fast alle wollten den Umbruch, aber bei diesem Umgang von Fans und diversen Medien, wird es ein Umbruch a la 1.FC Köln.

Wieviele Trainer wurden hier vom Hof gejagt (Herr Veh – Wiederaufstieg mit der Eintracht heute Sieg gegen Bayer. Labbadia letzte Saison erfolgreich mit Stuttgart und guter Einstand diese Saison. Herr Favre wurde bereits zerissen bevor er kommen sollte). Das FA praktisch keine guten Spieler aus der D bekommt, liegt vielleicht auch daran, dass keiner zu diesen Fans und Medien des HSV kommen möchte. Natürlich gibt es viele Dinge, die der HSV verbessern kann, aber die Saison hat begonnen und am 31.08. endet die Transferfrist. Wollen wir unseren Spielern dann weiterhin jeden Tag sagen IHR SEID SCHEISSE?

Wer von diesen Personen (Herrn Matz muss ich hier leider einschliessen) würde dann noch einen guten Job abliefern, wenn er in dieser Form auf der Firma begrüsst wird. In der Arbeitswelt nennt man das Neu-Deutsch Mobbing und kann nachweislich zu psychischen Problemen führen! Aber sicher nicht zu besseren Arbeitsleistungen.

Glaubt einer von Euch wirklich, die Spieler verlieren mit Absicht. Ja, vielleicht können sie und der Trainer es nicht besser. Aber neue Spieler kann sich der HSV kaum leisten, die ständien Trainerwechsel haben nichts bewirkt. Deshalb die Bitte an ALLE. Lasst uns die Spieler unterstützen. Denn schlimmer kann es nicht werden und vielleicht überrascht uns die Mannschaft mit unserer Unterstützung mit positiveren Ergebnissen, denn gemäß der meisten Medien sind wir doch schon am ersten Spieltag abgestiegen. Also kann uns doch nichts schlimmeres mehr passieren.

Zur Klarstellung: Es geht mir nicht darum irgendetwas aus der letzten Saison oder dem heutigen Spiel schön zu reden, aber weder wir noch die Spieler können es ändern. Die Zukunft können wir ändern auch mit positiver Unterstützung!“

So, das war Steve. Wir alle, die Kritik an diesem HSV üben, sollen uns also mäßigen. Weil sich die Spieler sonst nicht entfalten können. Wer niedergemacht wird, der hat kein Selbstvertrauen, der schafft nichts, setzt keinen Fuß mehr vor den nächsten. Felix Magath hat, wenn ich ihm zu sentimental wurde, einst immer zu mir gesagt: „Matz, die bist ein Amateur und bleibst ein Amateur. Ein Profi hat zu funktionieren, sonst soll er den Job an den Nagel hängen und kein Profi mehr sein.“

So könnte es sein. Weil die Fußball-Profis ja auch ordentlich bezahlt werden, mit viel Selbstvertrauen Autogramme schreiben, von Fans umlagern, hofiert und gefeiert, weil sie nach nur einem gelungene Hackentrick gleich Star genannt werden. Das alles klingt doch nicht ganz so schlecht, oder? Und wenn ein Maurer, ein Schlachter oder ein Bäcker eine schlechte Arbeit abliefert, weil er seinem Job nicht mehr (oder noch nie) gewachsen war, dann meckert der Chef auch schon mal. Und einige Chefs werden dann sogar rabiat und schmeißen den Nichtskönner raus. Und ob der (Nichtskönner) dann noch genügend Selbstvertrauen für den nächsten Job hat, wage ich mal zu bezweifeln. Es ist eben alles wie im richtigen Leben. Auch dann, wenn einem Fußball-Profi, der etwa eine Million Euro im Jahr (der eine mehr, der andere weniger) kassiert, bescheinigt wird, dass er nicht in der Lage ist, die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen.

Nein, ich sage ganz klar, diese HSV-Profis, die müssen in erster Linie sich selbst aufbauen, vom Trainer aufgebaut werden, von den Kollegen motiviert und unterstützt werden. Es kann doch nicht sein, dass die Medien nach einer Heimpleite gegen den ebenfalls schwachen 1. FC Nürnberg so oder ähnlich reagieren: „Kopf hoch, Jungs, ihr seid viel besser als euer Ruf“ – oder mit „Kompliment Jungs, ihr habt nur 0:1 gegen Nürnberg verloren – das wird noch“ – oder auch: „Auf ihr Männer, ihr packt es, ganz sicher, denn es gibt viel Schlechtere als euch“. Vielleicht auch noch: „Wie können wir euch helfen, Männer?“

Welcher Fan und welcher Spieler beklagt sich denn schon umgekehrt, dass es von den Medien nach einem 1:0-Sieg gegen einen schwachen Club Lob über Lob von den Medien gibt? Ich habe noch keinen erlebt, der sich darüber beschwert hat. Das wird nämlich in aller Regel ganz heftig genossen. Da platzt so machen Brust vor Stolz.

Schlusswort zu diesem Komplex von Thorsten Fink: „Wir sind selber für uns verantwortlich, um gute Leistungen zu bringen und positive Schlagzeilen zu bekommen, das muss uns nur jetzt ganz schnell gelingen.“

Vielleicht hilft dabei ja auch der tschechische EM-Star Petr Jiracek (26) mit. Mit dem soll sich der HSV einig sein. Mit dem Spieler und (fast auch) mit dem abgebenden VfL Wolfsburg. Wenn alles gut geht, und danach sieht es aus (und ich gehe auch zu 100 Prozent davon aus!), ist dieser Transfer vielleicht schon an diesem Montag, spätestens aber am Dienstag unter Dach und Fach. Und dann hätte der HSV auf jeden Fall wieder mehr Qualität unter Vertrag genommen – mit Jiracek (und dazu Badelj) keimt dann doch wieder etwas mehr Hoffnung auf. Obwohl sich vorne ja immer noch nichts getan hat.
Und, falls ich nach van der Vaart gefragt werden sollte, ich glaube nicht, dass der Niederländer von Tottenham noch in diesen Tag nach Hamburg und zum HSV kommen wird. Das Gesamtpaket ist einfach zu teuer – wohl auch für Geldgeber Klaus-Michael Kühne. Für den HSV allein ist es ohnehin unerschwinglich, das würde selbst in vier, fünf Jahren nichts werden. Deswegen denke ich, dass Rafael van der Vaart kein Thema mehr für den HSV sein wird. Obwohl Frank Arnesen ja immer sagt: “Im Fußball sollte man nie etwas ausschließen . . .”

Dann ging es im Stadion, kleiner Themenwechsel zurück zum aktuellen Geschehen, ja auch noch hoch her, als Thorsten Fink in der 58. Minute Robert Tesche für Jacopo Sala einwechselte. Es gab viele Pfiffe für diese Personalie. Fink aber stellte klar: „Diese Pfiffe galten nicht Robert Tesche, sie galten dem Wechsel. Weil die Fans gerne Maximilian Beister gesehen hätten. Ist ja auch klar, er kommt aus Hamburg. Ich aber habe nach taktischen Überlegungen gewechselt. Wir haben im Training mal 4:2:3:1 gespielt, dann auch mal 4:4:2, ich wollte das System wechseln – aber das hat nicht geklappt, denn wir haben ja verloren. Ich habe aber Robert Tesche gebracht, weil er noch der torgefährlichste Mittelfeldspieler ist. Ich wollte mit Heung Min Son nicht noch einen Stürmer rausnehmen.“

In der 70. Minute kamen dann ja noch Artjoms Rudnevs und Maxi Beister für Per Ciljan Skjelbred und Son. Für viele viel zu spät, denn Son und Marcus Berg hatten bis dahin quasi nicht stattgefunden, von diesen beiden Spielern ging null Torgefahr aus. Immerhin, das gebe ich gerne zu, zeigten Beister und Rudnevs dann viel mehr Leben – und der Lette deutete seine Gefährlichkeit auch einige Male noch deutlich an. Das macht Hoffnung. Ein Versuch ist es mit „Rudi“ wert, ganz klar. Denn harmloser als zuvor in den 70 Minuten kann der HSV ja auch gar nicht mehr spielen.
Für mich, das muss ich an dieser Stelle ganz klar (und immer und immer wieder) sagen, ist es nach wie vor unfassbar, und ich wiederhole „unfassbar“, dass das beim HSV immer noch keiner erkannt hat, dass man mit diesem „Sturm“ nicht mal den „Erwin-Seeler-Pokal“ gewinnen würde. Nicht den „Erwin-Seeler-Pokal“, noch den „Horst-Eberstein-Pokal“. Es ist einfach lächerlich, dass dieses Manko nicht erkannt wird.

Wo und wie endet dieser Weg?

Bitte hilf, lieber Fußball-Gott, bitte gebe den HSV-Verantwortlichen noch eine weitere Eingebung, dass sie noch erkennen, dass es so nichts wird. Besser spät als nie. Bitte, bitte, hilf!

PS: Ich leide mit dem HSV, ich sorge mich um diesen HSV.

PSPS: Am Montag ist trainingsfrei.

19.03 Uhr

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