Tagesarchiv für den 24. August 2012

Magath akzeptiert HSV-Angebot für Jiracek – und Doll plädiert für van der Vaart

24. August 2012

Thomas Doll ist ein Mann, mit dem ich mich sehr gern unterhalte. Soweit ich mich zurückerinnern kann, gab es nie zwei Tage in Folge, an denen Thomas Doll, der nicht mehr Dolly genannt werden mag, schlechte Laune hatte. Zumindest ließ er das sein Umfeld nie spüren. Spieler bekamen nach miesen Leistungen ihr Fett weg, klar. Aber sie wurden auch in den Arm genommen und aufgebaut, wenn es mal nicht so lief. Und Unbeteiligte traf die zeitweilige Wut des ehemaligen HSV-Profis und -Trainers eigentlich nie. Seine Wutrede in Dortmund („Da lach’ ich mir den Arsch ab“) ist unvergessen – ebenso wie seine tollen Jahre beim HSV. Und damit meine ich nicht nur unsere Erinnerungen, sondern vor allem die von Doll selbst. Immer wieder, wenn er über den HSV spricht, ist er begeistert und betont, wie sehr ihn die Zeit in Hamburg geprägt und an den Klub gebunden hätte. Und ich bin mir ganz sicher, dass der ehemalige Nationalspieler nicht zweimal überlegen müsste, wenn ihm beim HSV irgendwann einmal der Trainerposten ein zweites Mal angeboten würde.

Allerdings ist das Thema nicht aktuell. Dafür aber Rafael van der Vaart, den Doll 2005 zusammen mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer in Sechs-Augen-Gesprächen (wenn Sylvie nicht dabei war…) zum Wechsel nach Hamburg überredete. Und noch heute schwärmt Doll für van der Vaart, legt dem HSV den Wechsel der ehemaligen Nummer 23 (ist nach Rajkovic’s Suspendierung eh wieder frei…) dringend ans Herz – vorsichtig formuliert. „Das wäre genial, dieser Transfer würde den ganzen Verein, die ganze Mannschaft mitreißen“, schwärmt Doll, „van der Vaart ist ein Gewinn, als Spieler und als Persönlichkeit. Ich hoffe und wünsche mir, dass dieser Transfer über die Bühne geht.“

Laut englischen Medien wird daraus nichts mehr. Heute vermeldete das englische Internetportal „MailOnline“, dass sich der Deal mit van der Vaart nach Hamburg bereits zerschlagen hätte. 9,5 Millionen Pfund seien ausgehandelt gewesen, ehe der nicht namentlich benannte HSV-Boss mitgeteilt habe, dass es ohne die Hilfe von Klaus Michael Kühne nicht ginge und der HSV daher Abstand nehmen müsste von der Rückholaktion van der Vaarts. Eine Meldung, die anschließend noch angereichert wurde mit Statements von Tottenhams Trainer Andre Villas-Boas, der auf van der Vaart zählen würde und ihn als „extrem wichtigen Spieler für die Mannschaft“ bezeichnete.

Meldungen, die beim HSV nicht bestätigt wurden. Im Gegenteil: Beim HSV heißt es weiterhin, dass an der Rückkehr van der Vaarts mit Hochdruck gebastelt wird. Die Finanzen machten es schwerer, aber es würde zumindest versucht.

Ein Umstand, der Doll ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert. Dass der HSV kein Geld hat, weiß Doll. Das war im Jahr 2005 nicht groß anders. Damals schaffte es der HSV dennoch, für rund neun Millionen Euro Nigel de Jong, Thimothee Atouba, Guy Demel und Rafael van der Vaart nach Hamburg zu lotsen. Eine Bilanz, die zeigt, was trotz kleinen Geldbeutels möglich ist. Und auch deshalb plädiert Doll dafür, jedes halbwegs überschaubare Risiko einzugehen, wenn die Chance besteht, van der Vaart nach Hamburg zu lotsen. „Klar, van der Vaart ist teuer, aber man sollte finanziell alles reindrücken, was zur Verfügung steht, um das zu realisieren. Wenn Rafael kommt, dann ist es egal, ob sonst noch etwas passiert. Rafael ist ein Spieler, der es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen. Das würde er schultern, keine Frage. Ich bin sicher, dass er es allen zeigen wollen würde, in ihm den Richtigen geholt zu haben.“ Mehr noch, so Doll, der niederländische Nationalspieler würde den HSV mit einem Schlag eine Klasse stärker machen. „Er ist ein Spieler, der den Rhythmus bestimmt, der sich auch in brenzligen Situationen nicht versteckt, der nie die Ruhe und die Übersicht verliert. An ihm könnte sich jeder orientieren. So einen Mann im Team zu haben, wäre gerade für die vielen jungen Leute enorm wichtig.“
Zu denen dürfte der erfahrene Nationalspieler Petr Jiracek, 26, nicht mehr zählen. Inzwischen scheint der Wechsel des Tschechen zum HSV nur noch eine Frage der Zeit – und des Geldes. Der HSV erhöhte sein Angebot um 500000 auf vier Millionen Euro. VfL-Trainer und Sportchef Felix Magath willigte grundsätzlich ein. Zumindest ist der ehemalige HSV-Profi, -Manager und –Trainer, der deutlich intensiveren Kontakt zum HSV hatte als ihm nachgesagt wurde, einverstanden. Jetzt geht s nur noch darum, dass Magath zu den vier Millionen Euro Ablösesumme noch zusätzliche Klauseln in den Ablösevertrag einbauen möchte, die den Niedersachsen weitere Euro im Falle des HSV-Erfolges garantieren. Es ist also nur noch eine Frage der zeit (und des Geldes…) bis Jiracek, der schon nicht mehr mit der Wolfsburger Mannschaft nach Stuttgart reist, in Hamburg vorgestellt wird.

Und das ist ein Deal, über den ich mich freuen würde. Dabei ist es mir auch egal, dass nicht der HSV den Spieler sondern der Spieler den HSV gefunden hat. Mehr noch: es spricht doch für Jiracek, dass er ein mögliches Angebot aus Sevilla für den HSV vernachlässigt und trotz erhöhten Drucks von Magath bei seiner Entscheidung bleibt, zum HSV zu wechseln. „Jiracek ist einer, der ein ganz Großer werden kan2, hatte mir David Jarolim vor der EM über seinen Landsmann gesagt. Theodor Gebre Selassie, der jetzt bei Werder spielt sowie Pilar (Wolfsburg, Kreuzbandriss) und Jiracek hatte der ehemalige HSV-Kapitän bei den Tschechen hervorgehoben – und damit recht behalten. Alle drei überzeugten. Pilar wahrscheinlich am stärksten, aber auch Jiracek steuerte zwei Treffer bei und fiel durch seinen unermüdlichen Einsatz und seine Zweikampfstärke auf. Kurzum: das ist ein richtig Guter für den HSV. Sollte jetzt noch van der Vaart dazukommen – kaum auszudenken, wie schnell sich in Hamburg die Stimmung drehen würde.

Für das Spiel gegen Nürnberg dürfte das Ganze jedoch noch keine allzu großen Auswirkungen haben. Dort wird der HSV noch mit dem „alten“ Personal antreten. Voraussichtlich so: Adler – Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo – Skjelbred, Westermann – Sala, Son, Jansen – Berg. Ergo: mit nur einem Neuen, wobei Trainer Fink auch in Karlsruhe kurzfristig auf Beister zurückgriff. Dennoch erscheint die o.g. Aufstellung sehr wahrscheinlich, da Fink selbst sie unter der Woche so im Training hatte üben lassen.

Bleibt die Frage: was dürfen wir von dem Saisonauftakt erwarten? In unserer traditionellen Tipprunde tippe ich wie schon in den 408 anderen Bundesligaspielen seit 2000 natürlich auf HSV-Sieg. Was hab ich von einem richtige Tipp, wenn der HSV verliert?

Richtig, keinen Spaß.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass mein Tipp wenigstens tendenziell richtig ist und der HSV in den nächsten Tagen personell nachlegt. Dann könnte die Aufstellung für das Spiel in Bremen schon etwas anders aussehen: Adler – Diekmeier (oder Lam), Bruma (Mancienne), Westermann, Aogo – Beister (ich würde bei entsprechender Trainingsleistung auch Ilicevic rechts aufbieten), Badelj, Jiracek, Jansen – van der Vaart – Son (Berg). Aber egal, bis dahin erst einmal volle Konzentration auf die Partie gegen Nürnberg. Die wird schwer genug.

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Etwas überraschend reiste Trainer Thorsten Fink am Vorabend des eigenen Bundesligaauftaktes zum Auftaktspiel nach Dortmund „Den nächsten Gegner beobachten“, so Fink, der mit Cotrainer Patrick Rahmen um 16.30 Uhr das Stadion eilig verließ.

In eigener Sache: Zum Saisonstart gibt es für alle Abendblatt-Leser einen besonderen Preis zu gewinnen. Mit der Imtech AG verlost das Hamburger Abendblatt zwei Business-Seats für ein HSV-Heimspiel der Wahl. Der besondere Clou: Der Gewinner erhält am Vortag des Spiels eine exklusive Führung durch das gesamte Stadion – auch in den Bereichen, die öffentlich nicht zugänglich sind. Rufen Sie bis zum 28. August, 10 Uhr, die Abendblatt-Gewinnhotline Tel. 0137/808 40 11 60, Stichwort: „Imtech“ (50 Ct./Anruf aus dem Festnetz) an und nennen Sie das Stichwort sowie Namen, Telefonnummer und Adresse. Teilnahme ab 18. Mitarbeiter und Angehörige der Axel Springer AG (und deren Töchter) und von der Imtech AG sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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