Tagesarchiv für den 23. August 2012

Es passieren Dinge, die Hoffnung wecken…

23. August 2012

Oha, jetzt geht es los. Die heiße Phase beginnt. Auf dem Transfermarkt rotierts mächtig. Selbst Trainerentlassungen werden schon ratifiziert. Und dabei rangieren gleich drei „HSVer“ oben. An eins Thorsten Fink, gefolgt von Armin Veh (jetzt Frankfurt) und Markus Babbel (Hoffenheim). Listen, die meiner Meinung nach nicht nur unnötig sondern den Personen gegenüber auch unwürdig sind. Zudem glaube ich nicht daran, dass Fink als Erster gehen muss. Denn die Anzeichen, dass der HSV tatsächlich noch Rafael van der Vaart bekommt, verdichten sich tatsächlich. Immer wieder wurde ich heute den Tag über gefragt, wie wahrscheinlich ein solcher Wechsel sei. Und ich konnte immer nur sagen: „Unberechenbar“. Denn klar ist, dass Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne unabbringlich an der Verpflichtung seines Lieblingsspielers festhält. Klar ist auch, dass selbst die, die einen solchen Wechsel aus welchem Grund auch immer bisher ablehnten, sich dem Druck inzwischen beugen. Besser: Beugen müssen, da auch sie erkannt haben, dass das Saisonziel („Keine Zittersaison“ O-Ton Fink) ohne mindestens einen derartigen Hochkaräter mit dieser Mannschaft einfach nicht zu meistern ist.

Es wird tatsächlich mit aller Macht an dem Wechsel gearbeitet. Zumal sich der sicher geglaubte Transfer von Petr Jiracek verzögert. Und das, nachdem zunächst alles einfach wirkte. Rückblick: Erst am vergangenen Freitag hatte VfL Wolfsburgs Trainer Felix Magath seinem Mittelfeldspieler mitgeteilt, dass er gehen können. Den tschechischen Nationalspieler, der zuvor eine gute Rückrunde und vor allem eine starke EM gespielt hatte, traf diese Mitteilung völlig unvermittelt – während sein Spielervermittler Dalibor Lacina umgehend reagierte. Er fragte seinen Klienten, ob der HSV für ihn eine interessante Adresse darstelle – und Jiracek war begeistert. Ebenso wie Arnesen, den Lancina kontaktierte. Der HSV-Sportchef informierte Trainer Thorsten Fink und erhielt auch vom HSV-Coach ein positives Signal. Und nachdem Magath seinem Schützling angedeutet hatte, ihn für den Betrag gehen zu lassen, für den er im Winter erst geholt wurde, schien der Transfer nur noch eine Frage der Zeit. 3,5 Millionen Euro sollte der 26-Jährige kosten – eine Summe, die der HSV stemmen könnte und will.

Jetzt aber pokert der ehemalige Europacup-Held des HSV. Mal wieder droht Zoff zwischen Arnesen und Magath. So, wie einst beim feststehenden Wechsel des Mittelfeldtalentes Koo, das am Ende an Augsburg verliehen wurde.

Egal wie, Felix Magath will nun doch mehr Geld. Und das hat der HSV nicht. Vor allem will und wird der HSV auch nicht so viel bieten. Es werde keinen Poker geben, stellte Arnesen klar – vielleicht ja schon in der sicheren Annahme, dass er mit van der Vaart plötzlich eine eh noch interessantere Option hat.

Es gibt beim HSV inzwischen gleich mehrere Überlegungen. So hatte sich Fink schon dazu hinreißen lassen, mit einem Sechser (Westermann) und zwei Achtern (Badelj und Jiracek) zu planen. Sollte der HSV van der Vaart nun doch bekommen können, wäre dieses Modell wohl vorerst hinfällig. Allerdings ist auch nicht ausgeschlossen, dass der HSV Jiracek und van der Vaart bekommt – wonach Fink wider alle Optionen für’s Mittelfeld hätte.

Gegen Nürnberg setzt Fink auf zunächst auf Westermann und Skjelbred auf der Doppelsechs sowie auf Jansen links und voraussichtlich Sala rechts. Wobei ich mir nicht ganz sicher bin, ob Fink Sala nicht noch gegen Ilicevic tauscht. Zwar ließ Fink heute Sala in der vermeintlichen A-Elf rechts ran – aber das könnte auch nur als zusätzlichen Motivationsschub des heute starken Ilicevics dienen. Offensiv jedenfalls hat der Kroate leichte Vorteile gegenüber Sala – defensiv jedoch nicht. Und da sich Fink bereits auf den ebenfalls eher offensiv orientierten Diekmeier als Rechtsverteidiger festlegte und deshalb bereits auf Beister („Maxi muss noch stark an seiner Defensivarbeit arbeiten“) verzichtet, spricht eben vieles für Sala, da zentral mit Son und Berg zwei gelernte Stürmer auflaufen werden und Fink sagt: „Wenn ich schon mit zwei Stürmern spiele, brauche ich rechts einen, der besser nach hinten arbeitet.“ Gemeint ist: besser als Beister und Ilicevic.

Davor ist wie bereits erwähnt alles geklärt. Marcus Berg, der im Training als Vollstrecker zu gefallen wusste, ist in der Spitze vor Rudnevs gesetzt, während Heung Min Son dahinter auf der „Neuneinhalb“ auflaufen wird. Ansonsten gibt es gegenüber Karlsruhe keine Veränderungen – und trotzdem gibt sich Fink heute optimistisch. Zumindest relativ optimistisch: „Ich bin fest davon überzeugt, dass die Mannschaft, die auf dem Platz stehen wird, Nürnberg schlagen kann“, sagt Fink. Was ihn optimistisch macht? „Wir haben im Training unsere Fehler aufgearbeitet. Die Woche war am Anfang unruhig – das war klar. Aber wir lassen uns die Vorfreude nicht versauen.“

Nicht versauen „lassen“? Wer bitteschön hat denn hier etwas versaut?

Fink relativierte schnell. „Wir dürfen nicht mit hängenden Köpfen auflaufen sondern müssen uns freuen. Es ist das erste Ligaspiel und das Stadion wird voll sein. Wir haben zwar nicht so ein Selbstvertrauen wie nach zehn Siegen – aber wir müssen mit Negativerlebnissen umgehen können.“ Und dafür stünden mit Westermann und Adler zwei Führungsspieler auf dem Platz, die von potenziellen Führungsspielern („Aogo und Jansen können es werden“) und Nationalspielern ergänzt würden. „Ich kann mit Negativerlebnissen umgehen – und die Mannschaft muss das auch können“, so Finks klare Forderung.

Angesprochen auf Jiracek und van der Vaart wollte Fink nichts sagen. Es sei nicht sein Thema. Er habe sich intern mit Arnesen abgesprochen und wisse, was passiert. „Aber da am Wochenende noch kein Neuer dabei sein wird, konzentriere ich mich ausschließlich auf die Mannschaft, die gegen Nürnberg aufläuft.“

Und das ist nur logisch. So soll es sein. Hoffen wir, dass sich auch die Elf, die am Sonnabend aufläuft, entsprechend konzentriert. Im Training heute – ich weiß, das ist lange kein Maßstab mehr – ging s ordentlich zur Sache. So sehr, dass Skjelbred mit einer dicken Beule am Auge am Boden lag. Vorausgegangen war ein Zweikampf mit Norgaard, der Skjelbred unbeabsichtigt und unglücklich mit dem Ellenbogen traf. „Wenn Dänen und Norweger aufeinandertreffen, dann kracht’s eben“, so der Verbeulte, der ansonsten mehr als glücklich darüber ist, endlich im Team zu stehen. Gedanken darüber, dass ausgerechnet für seine Position noch nach Verstärkungen gesucht wird, macht er sich nicht. „Ich habe keinen Druck. Ich will einfach spielen“, so der Rechtsfuß. Ob er denn glaubt, sich in Hamburg verbessert zu haben? „Nein, nicht verbessert. Aber ich musste mich an die Bundesliga gewöhnen. Und das habe ich jetzt. Ich habe mich an das Tempo und die Härte gewöhnt und bin zudem ein Jahr älter und erfahrener.“ Gezweifelt habe er jedenfalls nie an sich. Ebenso wenig, wie aktuell an der Stärke des HSV. „Wir haben in der Vorbereitung gut gespielt und wissen, dass wir es können.“

In diesem Sinne, es wäre doch zu schön, den Start mit einem Sieg zu gestalten, oder? Hoffen wir darauf ebenso sehr wie auf die Verpflichtung von van der Vaart und Jiracek, der mir bei der EM durch unermüdlichen Einsatz gepaart mit Torgefahr als Mittelfeldspieler ehrlich imponiert hatte. Es wären zwei Transfers, die mich nach ewig langer Zeit mal wieder etwas optimistischer stimmen würden.

Egal wie, auf jeden Fall bis morgen! Dann ja vielleicht mit der einen oder anderen Vollzugsmeldung – und leider nicht-öffentlichem Training…

Scholle