Tagesarchiv für den 18. August 2012

Härtestest bestanden: mit Arslan in Karlsruhe

18. August 2012

Der Pokal hat seine eigenen Gesetze. Das wissen alle. Und doch gibt es immer mal wieder kleinere und auch ganz dicke Überraschungen. Markus Babbel wird nun ein Lied davon singen können, der Hoffenheimer Trainer, denn seine Bundesliga-Profis wurden beim unglaublichen 0:4-Debakel gegen den Berliner AK ganz schön vorgeführt. Ja, Geld ist eben nicht alles, es gehört eben auch ein bisschen Einstellung dazu. Ob der HSV an diesem Sonntag eine negative Überraschung vermeiden kann? Nach dem heutigen Vormittagstraining bin ich mir fast sicher, dass sich der HSV beim Karlsruher SC von seiner besten Seite zeigen – und dann auch am Abend mit einem Sieg nach Hamburg zurückkehren wird.

Egal, was es auch immer für ein Spiel morgen im Wildpark geben wird, es wird auf jeden Fall eine ganz heiße Nummer. Das war es schon an diesem Vormittag. Der HSV trainierte doch nicht unter Ausschluss der Öffentlichkeit (wie vom Verein angekündigt), die Einheit begann pünktlich um 11 Uhr. Auf dem Weg von der Kabine zum Platz dehnte sich Tolgay Arslan immer wieder, nahm sogar eine kurze Auszeit, um seine Beine wechselweise draufzustellen und sich dabei zu dehnen, zu recken und zu strecken. Die Adduktoren zwicken, aber sie hielten bei dieser 70-minütigen Einheit der Belastung stand. „Ich spüre zwar noch einen ganz leichten Schmerz, aber das ist nicht der Rede wert, ich kann spielen“, sagte Arslan nach dem Trainingsende.

Nach der Aufwärmphase ließ Trainer Thorsten Fink seine Mannen zehn Minuten Handball (mit Kopfbällen als Abschluss) spielen, danach gab es drei Stationen mit „fünf gegen zwei“, es folgten Abschlüsse, in denen zwei Gruppen nebeneinander auf die Torhüter Sven Neuhaus und Jaroslav Drobny mit Vehemenz losballerten. Dabei gab es nicht nur Tore zu bejubeln, sondern auch drei besondere Schützen. Platz eins für den Hoch-und-weit-Preis belegte Maximilian Beister, der die Kugel munter in den Volkspark drosch, den Ball suchen sie noch heute. Ähnlich machte es auch Heung Min Son mit links, allerdings hatte der Südkoreaner Glück, der Ball prallte gegen einen Baumstamm und blieb in Sichtweite neben der Platzumrandung liegen. Und den dritten Platz belegte in diesem Scheibenschießen Dennis Aogo, der sich nach einem sehr, sehr harten Zweikampf (hart an der Grenze – wenn nicht schon drüber) mit Dennis Diekmeier auch etwas frustriert ein Herz fasste und die Kugel hoch und weit in die Botanik drosch.

Thorsten Fink ließ auch noch den Spielaufbau üben, bevor es zu einem Spiel zehn gegen zehn (mit Co-Trainer Frank Heinemann) auf etwas weniger als dem halben Platz ging. Da traf für die gedachte Mannschaft, die den HSV in Karlsruhe in die zweite Runde schießen soll, Marcus Berg vom Anstoß weg zum 1:0. Ein herrlicher Alleingang, der auch von den Kollegen mit reichlich Applaus und Zuspruch bedacht wurde, sorgte für das „Tor des Tages“. Wie gesagt, ein bildschönes, Berg tankte sich beherzt durch und drosch den Ball mit Schmackes ins Netz, für Drobny gab es da überhaupt nichts zu halten.

Das kleine, kurze Spielchen war schon anzusehen, es ging hin und her und schön zur Sache. Das sollte allen Spielern Mut für das morgige Match geben. Es sah tatsächlich so aus, als wolle die Mannschaft richtig schön Gas geben – und ich konnte mir dabei überhaupt nicht vorstellen, dass der KSC da eine Chance auf den Sieg haben könnte. Wenn die „Finken“ damit weiter machen, womit sie heute im Training aufgehört haben, dann wird der Erstliga-Vertreter auch dominieren und gewinnen. Es muss sich allerdings erst noch zeigen, ob die Spieler tatsächlich genau so konzentriert und willig in die Partie gehen, wie sie es heute im Training taten. Immerhin haben sie alle (und auch wir) noch den katastrophalen Auftritt in und gegen Altona im Hinterkopf.

Thorsten Fink wird, wenn es bei Tolgay Arslan über Nacht keine Nachwirkungen von diesem Training gibt, seine „Wunsch-Mannschaft“ aufbieten können. Adler, der heute mit Torwart-Trainer Ronny Teuber trainierte, steht zwischen den Pfosten,. Zhi Gin Lam, Jeffrey Bruma, Michael Mancienne und Dennis Aogo bilden die Viererkette, Heiko Westermann und Per Ciljan Skjelbred bilden die Doppel-Sechs, Heun Min Son kommt über rechts, Marcell Jansen über links, Arslan spielt zentral und ganz vorne wird Marcus Berg stürmen. Der Schwede war der deutlich bessere Angreifer – nicht nur an diesem Tag, sondern während der gesamten Vorbereitung. Von Artjoms Rudnevs war auch heute nicht viel zu sehen.

Aber der Lette mag ja noch kommen. Das schließe ich gar nicht aus. Erfreulich ist in diesem Zusammenhang zu berichten, dass sich Dennis Aogo nach dem offiziellen Training den Letten „griff“ und mit ihm fast ein Einzeltraining absolvierte. Aogo flankte von links, Rudnevs hatte vor dem Tor (in dem Co-Trainer Heinemann stand!) die Aufgabe, die Bälle ins Netz zu bugsieren. Dazu gesellte sich dann auch noch Neuerwerbung Paul Scharner, der sich ebenfalls darum bemühte, die Bälle ins Tor zu bekommen. Eine gute, nein, eine sehr gute Aktion von Dennis Aogo, der nach dem Trainingsende sofort über den Platz rief: „Rudi, komm her . . .“ Und Rudi kam. Vielleicht kommt er ja auch in den nächsten Tagen und Wochen noch, dann, wenn sich solche kameradschaftlichen Maßnahmen auszahlen.

Nicht mit im Kader für das KSC-Spiel ist übrigens Muhamed Besic, der als einziger Profi vom heutigen Trainingskreis daheim bleiben muss. Auf der Ersatzbank Platz nehmen werden Drobny, Diekmeier, Scharner, Sala, Ilicevic, Beister und Rudnevs.

So, mein Tipp für das Spiel in Karlsruhe lautet 2:0 für den HSV.

PS: Nicht vergessen, am Sonntag gibt es nach dem Pokalauftritt des HSV wieder „Matz ab live“ aus dem „Champs“ in Schnelsen. Meine Gäste sind dann die „Matz abber“ Benno Hafas, JU aus Qu und Lars 49.

17.34 Uhr