Tagesarchiv für den 17. August 2012

Karlsruhe – ein elementar wichtiges Spiel – Update 21.52 Uhr, Rajkovic vor Wechsel zu Ajax

17. August 2012

“Es ist wichtig, dass man sinnvoll und rechtzeitig trinkt.“

Sagt Werder Bremens Trainer Thomas Schaaf zur erwarteten Hitze am DFB-Pokal-Wochenende. Nur wegen der Hitze, nicht etwa deshalb, um zu vergessen . . .

34 Grad soll es am Sonntag in Karlsruhe geben, wenn um 14.30 Uhr der Anstoß zum DFB-Pokalspiel zwischen dem Drittliga-Vertreter KSC und dem HSV erfolgt. Das könnte dann die schönste und reinste Form von Sommerfußball geben, aber das wollen wir alle nicht hoffen. Der HSV ist gewarnt. Beim 5:3-Sieg in der Woche gegen den Fünftliga-Verein Altona 93 wurde die erste Halbzeit total verschlafen. Die Amateure grätschten, wieselten, kämpften, traten hin und wieder auch ein wenig kräftiger zu, sie griffen oft mit zwei, drei Leuten den am Ball befindlichen HSV-Spieler an, sie spielten frech nach vorne und hatten keinerlei Scheu vor den Profis. Genau diese Einstellung könnte am Sonntag auch der KSC haben, der ja bekanntlich schon mal fünf Punktspiele in dieser Saison bestritten hat (der HSV noch ohne Wettkampf-Praxis!), und darauf sollte jeder Hamburger auf alle Fälle schon einmal gefasst sein. Sonst könnte es doch ein böses Erwachen geben.

„Ich habe mit der Mannschaft darüber gesprochen, dass 90 Prozent nicht gehen. Auch gegen einen Oberliga-Klub nicht. Und als wir in der zweiten Halbzeit in Altona dann 100 Prozent gegeben haben, auch von der Aggressivität her, da ging es ja auch. Ich verstehe es ja manchmal, dass man schwer ins Spiel hinein kommt, aber man hat da den Unterschied gesehen zwischen 90 Prozent und 100 Prozent, und zwar von der Aggressivität und von der Einstellung her“, sagt Trainer Thorsten Fink und fügt hinzu: „Man unterschätzt ja auch manchmal einen solchen Gegner, aber ich glaube nicht, dass uns das nun in Karlsruhe passieren wird. Die Mannschaft weiß, dass es für uns um die nächste Runde geht, dass dieses Spiel unheimlich wichtig für uns ist, und so werde ich das Team auch auf diese Pokalspiel vorbereiten.“

Dann sagt Fink aber auch: „Man hat ja schon oft genug im Pokal erlebt, dass trotz allem mal ein kleiner Klub gegen den Favoriten gewonnen hat – im Fußball ist eben alles möglich. Da kann man auch mal als Bundesliga-Verein gegen einen Drittliga-Klub rausfliegen.“ Und genau darauf hoffen die KSC-Verantwortlichen. Natürlich. Sonst könnten sie ja schon heute die weiße Flagge hissen und sich ergeben. Aber das Gegenteil ist der Fall. KSC-Trainer Markus Kauczinski traut, so schreibt es die Agentur dpa, seiner Elf gegen den Bundesliga-Dino am Sonntag eine Sensation zu: „Wir haben gezeigt, dass wir gut Fußball spielen können und durchaus auch den HSV schlagen können.“

Selbstvertrauen tankte der KSC unter der Woche im badischen Pokal beim 2:0 gegen den Oberligisten Neckarelz. Beim ersten Pflichtspielsieg in dieser Saison erzielten mit Rouwen Hennings (ehemals HSV-Spieler) und Elia Soriano zwei Stürmer die Karlsruher Tore. In den fünf Punktspielen der dritten Liga, in denen noch kein Sieg gelang, war bisher nur Mittelfeldtalent Hakan Calhanoglu, der bekanntlich im Sommer 2013 zum HSV wechseln wird, dreimal erfolgreich. „Die Tore tun den Spielern sichtlich gut. Im Training merkt man, dass die Jungs deutlich gelöster sind“, erklärte Kauczinski. Verzichten muss der KSC am Sonntag auf den gesperrten Verteidiger Jan Mauersberger.

Beim HSV fällt auf jeden Fall Robert Tesche aus, den es an der Wade erwischt hat, zudem wird um Tolgay Arslan gebangt. Der Mittelfeldspieler hat Probleme mit den Adduktoren, er hat heute auch nicht mit der Mannschaft trainieren können. „Am Sonnabend werde ich testen, ob es geht“, sagt Arslan, der beim Abschlusstraining dabei sein möchte. Thorsten Fink: „Trainier er voll mit und sagen die Ärzte, dass es kein Risiko ist, ihn mitzunehmen, dann ist er dabei.“ Nur dabei? Oder doch in der Anfangsformation? Fink lächelnd: „Ich gehe davon aus . . .“ Von der Startformation.

Geht der Arslan-Test aber daneben, so wird Thorsten Fink umstellen müssen. Dann wird Heung Min Son (Fink: „Er kann in die Tiefe gehen.“) hinter Marcus Berg stürmen, und für den Südkoreaner wird Maximilian Beister, der am Dienstag zwei Tore für die deutsche U-21-Nationalmannschaft (beim 6:1 über Argentinien) erzielte, auf die rechte Position im Mittefeld rücken. Unklar ist noch, wer rechts verteidigen wird. Zhi Gin Lam oder Dennis Diekmeier? Beim Training sah es zunächst so aus, dass Lam diesen Posten übernehmen wird. Später ließ Fink locker miteinander tauschen, aber ich denke einmal, dass Lam am Sonntag in der Anfangsformation des HSV stehen wird. Sodass die Mannschaft folgendermaßen aussehen könnte: Adler; Lam, Bruma, Mancienne, Aogo; Westermann, Sala; Beister, Jansen; Son; Berg.

Über seine generelle taktische Philosophie sagte Thorsten Fink: „Das ist das, was ich schon immer wollte, dass wir das System auch mal ein bisschen ändern können. Mal ein 4:4:2 oder 4:2:3:1, mal vielleicht auch ein 4:1:4:1 – das machen wir eigentlich auch ganz gut.“

Erfreulich war, dass „Maxi“ Beister für Deutschland so erfolgreich stürmte. Kommentar Fink: „Manchmal erledigen sich auch Dinge von allein. Wenn einer gut spielt bei der U-21, dann kriegt am das ja mit.“ Beister dürfte mit diesen beiden Treffern einiges an Selbstvertrauen getankt habe, und davon hat es in dieser HSV-Mannschaft ja zuletzt nicht so reichlich gegeben. Deswegen ist natürlich jeder Spieler willkommen, der mit (viel) Selbstbewusstsein ins Spiel geht. In ein Spiel, das ganz sicher kein Selbstgänger wird. Thorsten Fink über den Gegner: „Der KSC steht sehr kompakt, und er hat mit Hakan Calhanoglu einen Spieler, der Spiele durch Standardsituationen entscheiden kann. Da müssen wir auf der Hut sein. Und sie schlagen auch oft lange Bälle hinter die Abwehr – auf einen langen Stürmer.“

Fink weiß auch: „Die Mannschaft ist in der Meisterschaft zwar noch nicht so wie erwartet in den Tritt gekommen, aber die Mannschaft ist trotz allem gefährlich. Da gibt es im Pokal ja auch immer wieder die gleichen Sprüche: Diese KSC-Mannschaft hat gerade in Heimspielen die Qualität, uns auch zu schlagen – wenn alles schief läuft für uns. Deswegen müssen wir eine hundertprozentige Konzentration an den Tag legen, eine Top-Konzentration wie bei einem Bundesliga-Spiel zeigen.“ Fink sagt dann auch noch: „Sollten wir international etwas erreichen wollen, dann ginge das sicher über den DFB-Pokal leichter als in der Meisterschaft, denn im Pokal muss man lediglich sechs Spiele gewinnen – solche Chance sollte man wahrnehmen.“

Zudem, und da sind wir mal wieder bei dem so wichtigen Punkt Selbstvertrauen, wäre ein HSV-Erfolg in der ersten DFB-Pokalrunde ja auch sehr gut für das allgemeine Wohlbefinden der Mannschaft. Fink: „Mit einem positiven Erlebnis in die Saison zu gehen, das ist unheimlich wichtig. Deswegen ist dieses Spiel auch so eminent wichtig für uns. Wenn man da nicht gleich wieder etwas auf den Deckel bekommt, wenn man da noch weiter an die nächsten Pokalrunden denken kann, wenn man dem Verein wichtige Einnahmen bescheren kann, dann wäre ein Sieg in Karlsruhe schon von größter Wichtigkeit.“

Beim Training war heute auch Sportchef Frank Arnesen anwesend, und als später noch im Stadion Standards geübt wurden, saßen der Däne und Fink noch auf der ansonsten leeren Spielerbank und sprachen unter vier Augen und Ohren über – neue Spieler? Fink später vielsagend: „Schau’n wir mal, was da alles kommt. Lassen wir uns mal überraschen. Wichtig ist, dass Frank und ich wissen, was wir wollen. Und alle anderen dann sehen, was wir wollen . . .“ Aha.

Erfreulich auf jeden Fall, wo ich gerade bei „neuer Spieler“ bin: Auch heute lief Gojko Kacar wieder mit Reha-Trainer Markus Günther durch den Volkspark. Auch wenn der Knöchelbruch noch lange kein Balltraining zulässt, Kacar könnte dann, wenn die Saison schon im Gange ist, sicherlich auch noch eine Option werden – ob nun im Mittelfeld oder in der Abwehr. Ich jedenfalls traue ihm das zu – und freue mich auch schon wieder darauf, dass er demnächst wieder mitmischen wird. Torwart Tom Mickel wird am Wochenende nicht im Profi-Kader sein, er wird mit der Zweiten in der Regionalliga gegen den VfB Oldenburg spielen (Sonnabend, 15 Uhr, bei Eintracht Norderstedt). So ist es zwischen Thorsten Fink und dem Trainer der Zweiten, Rodolfo Cardoso, abgesprochen.

Und dann gab es da noch den „Fall Scharner“. Das Ding wird ziemlich hoch gekocht. Thomas von Heesen, der am Donnerstag in Hamburg weilte (Fußabdruck am Uwe-Seeler-Fuß) und Trainer des österreichischen Zweitliga-Klubs Kapfenberg ist, wusste zu berichten: „In den Medien in Österreich ist Paul Scharner das beherrschende Thema. Da wird schon ganz heiß und hart mit ihm abgerechnet.“

Wohl auch deshalb gab es heute die folgende SID-Meldung:

„Nach seiner eigenmächtigen Abreise aus dem Teamhotel ist die Karriere von Verteidiger Paul Scharner in Österreichs Nationalmannschaft endgültig beendet. Das teilte das Präsidium des österreichischen Fußball-Bundes (ÖFB) am Freitag mit. Scharner werde demnach „unabhängig von der Person des Teamchefs künftig in keine österreichische Nationalmannschaft mehr einberufen.“ Nationaltrainer Marcel Koller werde zudem „in seiner Entscheidung hinsichtlich der Causa Scharner vollinhaltlich“ unterstützt.

Im Vorfeld des Testspiels gegen die Türkei (2:0) am Mittwoch hatte Scharner für einen Eklat gesorgt. Der neue Verteidiger des HSV forderte von Koller für die bevorstehende Qualifikation zur WM 2014 in Brasilien eine Stammplatzgarantie. Als ihm diese verweigert wurde, verließ Scharner wenige Stunden vor dem Anpfiff der Partie das Trainingslager der Österreicher.

Koller kündigte schon am Abend des Spiels Konsequenzen an. „Ich kann es nicht akzeptieren, wenn einer einen Stammplatz fordert. Unter mir wird er sicher nicht mehr spielen“, sagte der frühere Kölner und Bochumer Bundesligatrainer.“

Scharner ist 32 Jahre jung – das möchte ich mal betonen. Und ich bin ein paar Tage älter. Für mich steht aber ebenfalls fest: Ich werde auch nie mehr für Deutschland spielen. Unter keinem Bundestrainer, auch nicht unter jenen, die noch alle auf „Jogi“ Löw folgen werden.
Nein, im Ernst, ich halte es schon für oberpeinlich, was die Österreicher da nun für einen Aufstand draus machen – aber vielleicht haben sie jenseits der Alpen keine anderen spannenden Fußball-Themen. Wer mit 32 Jahren aus der Nationalmannschaft fliegt, der wird wohl kaum noch mal zu einem Comeback überredet – denn auch Scharner wird ja nicht jünger.

Kurz noch zu etwas Erfreulicherem: Das „Matz-ab“-Gewinnspiel. Das habe ich währen der nun schon fast sechsmonatigen Sommerpause hier hereingestellt, und wir sind jetzt schon bei einem neuen Rekord – das Frank-Rost-Trikot ist bereits überholt. Diesmal gibt es ja das Trikot von Paolo Guerrero, und das ist offenbar ein heiß begehrtes Souvenir. Danke schon mal an dieser Stelle für euer großartiges Mitmachen – toll!

PS: Am Sonnabend findet das Abschlusstraining des HSV unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

PSPS: Und am Sonntag gibt es nach dem Schlusspfiff in Karlsruhe (wann immer der ertönen wird . . .) wieder eine neue Folge von „Matz ab live“. Diesmal mit ganz besonderer Prominenz, es sind nämlich drei „Matz-abber“, drei Männer aus unserem/euren Kreis, zu Gast im „Champs“ in Schnelsen (Burgwedel). Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr wieder zahlreich einschalten könntet (trotz des Sonnenscheins und der 34 Grad).

17.11 Uhr

So, eine kleine Nachricht muss ich jetzt noch nachreichen. Für den vor die Tür gesetzten Slobodan Rajkovic scheint ein “Abnehmer” gefunden zu sein. Ajax Amsterdam hat Interesse angemeldet, Rajkovic hat offenbar auch Bereitschaft zu einem Wechsel signalisiert – der Innenverteidiger soll nächste Woche ausgeliehen werden. Zudem, so wird gemunkelt, wird der HSV in der kommenden Woche noch einen weiteren Spieler an einen neuen Arbeitgeber veräußern, sodass noch ein weiteres Mal Geld in die Kasse kommen wird
(ergänzt um 21.52 Uhr)