Tagesarchiv für den 2. August 2012

Fink: “Einen Tod müssen wir sterben”

2. August 2012

Trainer Thorsten Fink wirkt ziemlich entspannt. Und er ist es offenbar auch. Sehr gute Arbeit leiste seine Mannschaft aktuell im Training – auch wenn ein Titel ziemlich sicher schon mal am HSV vorbeiziehen wird. Bei Messungen der Schussstärke konnte Maxi Beister zwar mit 116 Kmh eine gute Geschwindigkeit erzielen – im Ligavergleich dürfte das allerdings nicht für ganz oben reichen. Zweiter wurde übrigens Jeffrey Bruma (115), gefolgt von Sternberg (113), Jansen und Neuhaus (beide 111).

Ansonsten aber sieht Fink seine Mannschaft auf einem guten Weg. Während die ungewohnt puristische Lebensweise in Schweden der Mannschaft einen weiteren Schub auf dem Weg zu neuem Teamgeist verschafft habe sei insbesondere der Turniersieg in Südkorea für ihn beeindruckend gewesen. „Ich habe dort sehr viele Aufschlüsse gewinnen können. Denn auch, wenn es mal nicht so lief, die Bedingungen hart wurden, hat die Mannschaft immer den unbedingten Siegeswillen gehabt. Es war dort so, wie ich es in der Mannschaft gern immer hätte.“

Einen weiteren Test dafür gibt es schon am Sonnabend, beim Auftaktspiel des Liga-Total-Cups in der Imtech-Arena gegen Borussia Dortmund. Ausgerechnet gegen die Borussia, gegen die der HSV in der vergangenen Saison in der Bundesliga begann – und anschließend traumatisiert schien. „Wir wollen das Turnier gewinnen“, sagt Fink, „ganz klar. Aber ich werde darauf in der Trainingsarbeit keine Rücksicht nehmen. Ich muss sehen, dass die Mannschaft zum Saisonauftakt fit ist.“ Und dafür seien die Spiele gegen Dortmund und anschließend Werder oder Bayern gut. Trotz des harten und zweimaligen Trainings pro Tag. „Einen Tod müssen wir sterben“, sagt Fink etwas martialisch, „und ob wir das beim Turnier oder in der Liga riskieren ist wohl klar.“

Logisch.

Zumal es noch genügend Baustellen gibt. Wie eigentlich immer. „Wir wissen, dass wir noch an einigen Punkten arbeiten müssen“, sagt Kapitän Heiko Westermann. Es müsse noch an der Abstimmung gefeilt werden. Ebenso seien Fehler abzustellen. „Wir müssen cleverer spielen“, so der Kapitän, „so viele Ballverluste dürfen wir uns nicht erlauben. Das wird in der Bundesliga brutal bestraft.“ Dennoch ist auch Westermann optimistisch: „Ich bin überzeugt davon, dass wir eine bessere Saison spielen.“

Mit ihm auf der Sechs. So viel scheint festzustehen. Zumindest will Fink am Wochenende beim Turnier nur offensiv rotieren. Hinten dagegen sollen Dennis Diekmeier, Jeffrey Bruma, Michael Mancienne und Dennis Aogo die Viererkette bilden und sich einspielen – zusammen mit Westermann auf der Sechs. „Ich gehe davon aus, dass ich das auch zu Saisonbeginn spielen werde“, sagt Westermann, „und ich werde versuchen, weiterhin so aufzutreten wie in den vergangenen Wochen.“

Dabei würde Westermann auch das Profil von Finks nächstem Wunschspieler (nach dem kreativen Mittelfeldspieler) erfüllen. „Wir brauchen noch einen kopfballstärkeren Spieler, vielleicht einen Routinier. Wir haben da zwei, drei Spieler zur Auswahl.“ Sollte der gefunden und verpflichtet werden können, stünde auch der Abschied von Muhamed Besic fest. Wobei, das steht er jetzt schon. Warum Besic am Wochenende im Kader ist und nicht wie Steinmann, Norgaard sowie Sternberg bei der U23 mitspielt? Fink: „Ich habe im Moment keine andere Alternative. Aber die Situation bei Muhamed ist klar: Wir sind nicht abgeneigt, ihn auszuleihen oder vielleicht sogar abzugeben.“

Zumal jeder Cent gebraucht wird. Kühne ist nicht mehr da – und scheint auch nicht wiederzukommen. Eine weitere Geldquelle könnte Jaroslav Drobny werden. Der Keeper schweigt weiter, während der HSV hofft, den Keeper doch noch zu verkaufen. Ob Drobny am Wochenende als Nummer zwei dabei ist? „das kann ich noch nicht sagen“, weicht Fink aus und man merkt, dass er hin- und hergerissen ist bei der Antwort. Er weiß, wie stark der Tscheche ist – er weiß aber auch um die Nöte des HSV. „Solange er bei uns ist, ist er die Nummer zwei“, entschließt sich der HSV-Coach schließlich doch zu einem klaren Statement. „Ich habe ihm ganz ehrlich meine Meinung gesagt. Er weiß, dass er es entscheiden kann.“ Ebenso wie Adler seinen Einsatz im Liga-Total-Cup. Fink: „Wenn Rene spielen will, spielt er beide Spiele.“

Noch nicht dabei sein wird Milan Badelj, der mit Dinamo Zagreb noch in der Qualifikation zur Champions League unterwegs ist. Dennoch hofft die Klubführung des HSV, den Mittelfeldmann noch vor der ersten Pokalrund am 19. August präsentieren zu können. Bis dahin soll auch Slobodan Rajkovic verkauft sein. Und obwohl der Serbe selbst seinen Wechsel nicht unbedingt forciert, gibt es ausreichend Interessenten. Zuletzt hatten sich zwei spanische und englische Klubs gemeldet. Selbst Lazio Rom hat beim Berater des Innenverteidigers angefragt. Ohne Einigung. Noch. Aber hier deutet alles darauf hin, dass die Trennung noch erfolgt. Für welchen Preis auch immer.

Egal ist das Robert Tesche nicht. Der Mittelfeldspieler, der im Training oftmals so zu gefallen weiß wie er im Spiel letztlich wieder abfällt, soll weiter verkauft werden. Berater Robert Klopp mit ist auf der Suche und verhandelt derzeit mit einigen Klubs. Zuletzt war das mit 1,2 Millionen Euro erstaunlich hoch angesetzte Gehalt Tesches für viele Klubs abschreckend. Und für Tesche ein Grund, egal wie in Hamburg bleiben zu wollen.

So, mehr ist heute nicht passiert. Noch nicht. Allerdings endet der Blog nicht, ohne einmal kurz auf den Fragenkatalog bisher einzugehen (ich sammele weiter). Den werde ich an den HSV-Vorstandsvorsitzenden Carl Jarchow weiterleiten. Allerdings bin ich mir noch nicht ganz sicher, wie. Wenn man wie wir hier schon mal die Gelegenheit bekommt, den Klubboss zu befragen, muss man dann beleidigend werden?

Ganz klar: Nein.

Es sind etliche sehr gute, viele sehr kritische und manch grenzwertige Fragen dabei – und bei all denen habe ich keine Bauchschmerzen, sie weiterzuleiten. Aber wenn ich lese „Wann kehren Sie, wie von Ihnen vollmundig angekündigt, zurück auf Ihren Dauerkartenplatz, um den Posten für einen ‚richtigen’ Vorsitzenden zu räumen? Oder war das nur Geschwätz von gestern, das einen Politiker von heute nicht mehr kümmert? (In dem Falle: wie vertrauenswürdig ist dann eigentlich alles andere, was Sie so den lieben langen Tag erzählen?)“

Und

„Ist Ihnen diese Machterschleichung durch die kalte Küche eigentlich selbst ein bisschen unangenehm, oder verliert man derartige hinderlichen moralischen Empfindsamkeiten während seines Politikerdaseins?“

würde ich es verstehen, dass der Befragte das Gespräch abbricht. Denn beides hat nichts mit konstruktiver Kritik zu tun. Stellt Euch doch einfach mal vor, Ihr würdet befragt. Was würdet ihr nach solchen Fragen machen? Würdet Ihr Euch ernst genommen fühlen, lächeln und weiter antworten? Nein. Und ich glaube, diese Antwort fällt bei allen gleich aus….

In diesem Sinne, Respekt voreinander bewahren. Bitte!

Bis morgen!
Scholle