Monatsarchiv für August 2012

Van der Vaart unterschreibt bis 2015 – der Ticker!

31. August 2012

ACHTUNG: Dies gleich am Anfang, weil es wichtig ist: Einen großen Dank meinerseits gebührt dem MA-Moderator Andre Matz, der mir bei diesem Ticker maßgeblich geholfen hat!! Vielen, vielen Dank, Andre!!

xxxxx Damit ich nicht 20 verschiedene Blogs schreiben muss, werde ich diesen in regelmäßigen Abständen aktualisieren. Ich glaube, das dürfte auch in Eurem Sinne sein. Der Van-der-Vaart-Ticker xxxxx

Hintergründe werden erläutert. So auch, dass der Transfer am Freitagmorgen um 3.30 Uhr mit Kühne final abgestimmt und entschieden wurde. Hilke hatte den Speditionsmilliardär angerufen und den rastlosen van-der-Vaart-Fan informiert. Dabei wurden die Rechte an den bisherigen sechs Spielern Kühnes zu 100 Prozent an den HSV zurück übertragen und Kühne selbst besitzt nun ein Drittel der möglichen Erlöse bei einem Weiterverkauf van der Vaarts – wobei Kühne dem wahrscheinlich nie zustimmen würde….

Interessant fand ich, dass an diesem Transfer offensichtlich alle beteiligt waren, die sich so auf der Vorstandsebene bewegen. Soll heißen, auch die, die zuarbeiten, wie Jörn Wolf und Marinus Bester. Letztgenannter flog am Morgen mit einer Chartermaschine nach Stanstead und holte van der Vaart dort mit einem Privatjet ab. In Hamburg um 12.41 Uhr angekommen, ging es direkt zum Medizincheck ins UKE, während parallel die Aufsichtsräte dem Transfer “mit großer Mehrheit” (O-Ton Otto) aber nicht einstimmig (wer um Himmels Willen kann dagegen gewesen sein?) um 14.20 Uhr dem Transfer des Niederländers zustimmten.

Insofern kann konstatiert werden, dass die Nacht von Donnerstag auf Freitag eine erfolgreiche Nacht für den HSV war. Warum Frank Arnesen die Verhandlungen nicht federführend führte, blieb unklar. Er sei ja Teil des Ganzen gewesen. Zumal sich alle Beteiligten – auch Scheel war bei der Präsentation anwesend – einig waren, dass sich der Aufwand mehr als gelohnt habe.

Und das sehe ich wie die 400 jubelnden Fans vor dem Stadion sowie Tausende HSV-Fans mehr genau so. Es ist nach langer Zeit mal wieder ein echter Hoffnungsschimmer auf bessere Zeiten.

Ich verabschiede mich für heute. Etwas müde – aber glücklich. Auch wenn wir uns bis zum 16. September in Frankfurt gedulden müssen, ehe wir die alte und neue Nummer 23 wieder live in der Bundesliga sehen können. Wobei, vorher dürfte er noch zwei Mal auflaufen: Am 4. September in Schwarzenbek sowie am 7. September in Niendorf. Auch das freut mich natürlich sehr…

Bis morgen, dann wieder mit Dieter. Und mir, sofern Ihr nach Spielschluss beim ersten “Matz-Ab live” der neuen Saison dabei sein wollt. Ab 17.30 Uhr senden wir wieder live aus dem “Champs”. Hoffentlich mit einem Auswärtssieg in Bremen im Rücken.

Scholle


17.35 Uhr: PK endet.


17.32 Uhr: Van der Vaart: “Ich würde gern auch nach den drei Jahren in Hamburg bleiben – wenn man mich noch will.”


17.31 Uhr: Jarchow verrät, dass der Transfer um 0.15 Uhr gescheitert schien, ehe es um 1.30 Uhr eine Rücklmeldung aus London gab, das sie auf die HSV-Bedingungen eingehen würden. “Insbesondere Herr Hilke hat hierbei Großes geleistet”, so Jarchow über den Verhandlungsführer des HSV.


17.25 Uhr: “Heute war es so hektisch, dass ich nicht dabei sein kann in bremen.” Wolf erklärt: “Die Abläufe waren so hektisch, dass wir es nicht geschafft haben.” Hintergrund: Bis 5 Uhr hätte der Antrag auf Spielgenehmigung inklusive unterschriebenem Vertrag eingereicht sein müssen. Da dauerte der Medizincheck noch an…


17.14 Uhr: Im Blitzlichtgewitter betritt van der Vaart zusammen mit Sportchef Arnesen, Vorstandsboss Jarchow, Jörn Wolf und dem Kühne-CEO den Presseraum der Imtech-Arena. Die Fotografen kriegen nicht genug – van der Vaart erträgts lächelnd…


17.09 Uhr: Im ersten Interview verrät van der Vaart auf hsv.de: “Es fühlt sich ein bisschen so an, wie nach Hause zu kommen. Jeder weiß natürlich, dass ich noch immer mit Hamburg in Verbindung stehe. Es ist ein Kompliment wenn dich ein Verein jedes Jahr haben will. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Diese Saison ist der richtige Zeitpunkt.”


17.07 Uhr: Der Mannschaftsbus ist bereits gen Auswärtsspiel in Bremen abgefahren – noch ohne Rafael van der Vaart.


17.05 Uhr: Jubelstürme!!!! Rafael van der Vaart ist am Stadion angekommen! In einem schwarzen Audi Q7 wird er von Teammanager Marinus Bester vorgefahren. Angekommen, fällt er Mediendirektor Jörn Wolf in die Arme. Die Fans skandieren Van-der-Vaart-Lieder…!


16:55 Uhr: Wir warten. Es ist noch kein Rafael van der Vaart in Sicht. Jetzt gleich soll die Pressekonferenz beginnen und hier werden es minütlich mehr Leute.


16:13 Uhr: Zhigin Lam ist eben vom Hof gefahren. Er dürfte sich als einziger nicht so freuen, denn er ist mit der HSV-Transferoffensive aus dem Kader geflogen. Dadurch dass Westermann in die Abwehr zurückgeht und Bruma auf rechts spielen soll ist Lam übrig.
Rafael van der Vaart ist noch nicht da. Valeria Witters, Hoffotografin des HSV, ist eben ganz aufgeregt in die Kabine gelaufen und wird dort ein paar Begrüßungsfotos schießen. Von ihr dürfen wir auch später Bilder hier im Blog verwenden.


15:57 Uhr: Frank Arnesen fährt mit seinem A7 vor, helle Aufregung, aber van der Vaart ist nicht dabei. Dennoch gibt es Applaus als Arnesen aussteigt.


15:55 Uhr: Die Erklärung des Vorstandes:

Nach langen Verhandlungen ist es gelungen, den Spieler Rafael van der Vaart zurück zum HSV zu holen. Dabei wurde der Aufsichtsrat vom Vorstand ständig über den Verhandlungsstand informiert. Vor dem Hintergrund der sportlichen Situation der Mannschaft wie auch der sportlichen Perspektive sind wir gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, den Transfer zu realisieren.
Dies war nur möglich aufgrund der großzügigen finanziellen Mithilfe von Klaus-Michael Kühne. Herr Kühne hat sich bereit erklärt, uns durch die Gewährung eines Darlehens die Zahlung der Transfersumme zu ermöglichen.
Des Weiteren verzichtet Herr Kühne auf die vor zwei Jahren übertragenen Anteile an den Spielern Heiko Westermann, Marcell Jansen, Dennis Aogo, Dennis Diekmeier und Lennard Sowah. Auf den ihm zustehenden Erlös aus dem Verkauf des bereits transferierten Paolo Guerrero verzichtet Herr Kühne ebenfalls. Dieser Betrag konnte somit in die Transfersumme an Tottenham einfließen. Im Gegenzug erhält Herr Kühne einen Anspruch auf Erlösbeteiligung im Falle eines Transfers des Spielers van der Vaart innerhalb der Vertragslaufzeit. Mit diesem Schritt ist das 2010 zwischen dem HSV und Herrn Kühne beschlossene Investorenmodell in beidseitigem Einvernehmen beendet.

Der Vorstand ist der Meinung, mit diesem Transfer ein vertretbares finanzielles Risiko einzugehen. Rafael van der Vaart und die in dieser Woche zuvor präsentierten Zugänge Milan Badelj und Petr Jiracek versetzen uns in eine sehr viel bessere sportliche Ausgangslage.

Der Vorstand des HSV bedankt sich an dieser Stelle ausdrücklich bei Klaus-Michael Kühne. Ohne dessen finanzielles Engagement wäre es nicht möglich gewesen, Rafael van der Vaart zurück zum HSV zu holen.


15:53 Uhr: Klaus Michael Kühne: “Ich bin sehr stolz darauf, dass es uns mit gebündelte Kräften gelungen ist Rafael van der Vaart zurück zum HSV zu holen. Ich bin sicher, dass das der Aufbruch in eine bessere sportliche Zukunft ist.”
Die Präsentation wird bei “www.HSV.tv” live und kostenlos übertragen.


15:50 Uhr: Rafael van der Vaart: “Mit der Rückkehr nach Hamburg geht für mich und meine Familie ein Traum in Erfüllung. Ich bin dem HSV und Klaus Michael Kühne zu großem Dank verpflichtet. Ich freue mich auf drei tolle Jahre.”


15:48 Uhr: Marinus Bester ist wieder am Stadion angekommen – ohne van der Vaart! Aber wir müssen uns wohl keine Sorgen machen, der HSV hat für 17:00 Uhr eine Pressekonferenz angekündigt und vermeldet justamente, dass VDV offiziell verpflichtet ist.


15:41 Uhr: Thorsten Fink hat gerade das Training beendet und wird sich in Bremen noch einmal mit Rafael van der Vaart zusammensetzen. Er nimmt ihn auf jeden Fall mit in den vorläufigen Kader von 19 Spielern. “Ich freue mich, dass der Transfer geklappt hat. Er war lange Zeit nicht realisierbar und wie man sieht hat es sich gelohnt zu warten. Ansonsten hätten wir schon früher einen 10er verpflichtet”, so Fink.
Es sind mittlerweile gut 400 Leute hier und warten auf VDV.


15:35 Uhr: Perfekt. Der Vertrag ist final, der Aufsichtsrat hat zugestimmt. Zwar nicht einstimmig, aber mit großer Mehrheit. Nach vier Jahren ist er wieder HSVer. Thorsten Fink will heute Abend noch ein Videostudium mit “Raffa” durchführen. Es spricht also alles dafür, dass der Neuzugang schon in Bremen spielen soll.


14:53 Uhr: Kommando zurück. Marinus Bester ist vor 5 Minuten wieder vom Stadion losgefahren um den Niederländer am UKE abzuholen.


14:50 Uhr: Angeblich saß VDV doch bei Bester im Auto, er soll sich im abgedunkelten Q7 hinten befunden haben. Hier an der Geschäfststelle warten rund 200 Fans und 20 Reporterteams und warten, dass Raffa aus der Kabine kommt.


14.37 Uhr: Chapeau, Sylvie! So wird man in Hamburg mit offenen Armen empfangen. Bei Twitter schrieb sie: “Thank you Spurs, and all the fans for an amazing time!You guys have the greatest team in England. Will ♥you always#coys Time to go home now♥”


14.29 Uhr: Er ist da. Um 12.41 Uhr hat er den Geschäftsflieger-Terminal in Fuhlsbüttel betreten, und in diesem Moment ist Rafael van der Vaart im Universitätsklinikum Eppendorf, wo er vom HSV-Arzt Philipp Catala Lenen untersucht wird. Marinus Bester, der van der Vaart chauffiert hatte, ist bereits – wohl allein – wieder im Stadion angekommen. Zudem tagt aktuell der Aufsichtsrat und stimmt das Paket van der Vaart ab, sobald der Medizincheck durch ist.
Gerücht: Auf der Transferliste steht er, und schon wird vermeldet, dass der HSV auch an Ryan Babel (zuletzt Hoffenheim) interessiert ist. Fakt ist, der HSV sucht einen Stürmer. Aber wohl nicht Ryan Babel. Und mehr interessante Leute stehen nicht auf der letzten, ultimativ gültigen Transferliste

Rafael van der Vaart ist in Hamburg gelandet

Geschäftsfliegerterminal Flughafen hamburg, Freitag 12.41 Uhr: Mitarbeiter lassen sich mit Rafael van der Vaart unmittelbar nach seiner Landung fotografieren.

Rafael van der Vaart ist zurück! Der Niederländer unterschreibt beim HSV einen Vertrag bis 2015. Am heutigen Morgen einigten sich der HSV und Tottenham auf eine Ablösesumme von rund 13 Millionen Euro, von denen Klaus Michael Kühne fünf Millionen Euro per Darlehen beisteuert. Die alte und neue Nummer 23 des HSV verdient rund 3,5 Millionen Euro per annum.

Genaueres später!!

Ich freu mich.
Scholle


So, und ich freue mich auch. Mit euch und dem HSV. Und ich bin total begeistert von eurer Begeisterung! Super. Welch ein Tag, dieser 31. August 2012. Mein Sohn Andre, der Mit-Moderator, rief mich vorhin an und sagte: “Das ist wie bei der deutschen Wiedervereinigung, alle Menschen liegen sich im Matz-ab-Blog in den Armen, es fließen Tränen. . .” Einfach traumhaft. Wenn das kein Wendepunkt ist für den HSV, dann weiß ich es auch nicht. Dieser Wunder-Transfer zeigt mir: Nur gemeinsam sind wir stark!
Daran sollten sich alle erinnern, wenn es mal wieder hier oder dort hapert. Dann muss man es gemeinsam anpacken, alle an einem Strang ziehen – und dann geht es.

Viele von euch haben sich vor allen Dingen bei Klaus-Michael Kühne bedankt, ich schließe mich an, sage aber auch ausdrücklich, dass ich mich bei der Vorstandscrew um Carl-Edgar Jarchow bedanke, und zwar sehr. Wenn diese Herren nicht mitgezogen hätten, wenn sie nicht sogar über ihre Schatten gesprungen wären, dann hätte diese Sache van der Vaart wahrscheinlich nicht geklappt, deswegen explizit: vielen Dank, die HSV-Führungsherren!

Und nun auf zu guten und besseren Taten in der Bundesliga, es wird Zeit, dass man den HSV in Deutschland wieder einmal für voll nimmt. Ein Anfang ist gemacht, jetzt sind die Spieler und Trainer an der Reihe.

Nur der HSV!

Dieter


Ergänzung 12:25 Uhr: Aufgrund der vielen Nachfragen wollte ich nochmal weitergeben was uns Journalisten gestern gesagt wurde. Rafael van der Vaart muss bis 12 Uhr für die Transferliste gemeldet sein und der der unterschriebene Vertrag muss bis 18 Uhr bei der DFL in Frankfurt eingegangen sein. Die Transferliste sollte in Kürze veröffentlicht werden: http://www.bundesliga.de/de/dfl/transfer/

Adler: “Raffa wäre eine sensationelle Sache.”

30. August 2012

„Und? Kommt er?“

Unfassbar, was hier abgeht. Ein Raffa-Hype der Superlative. Alle Welt will offenbar Rafael van der Vaart – beim HSV. Und keiner weiß was los ist. Zum Glück werden wir alle am Freitag erlöst, um 18 Uhr ist definitiv Schluss mit lustig. Ein Glück! Einen solchen Tag wie heute möchte ich so schnell nicht wieder erleben. „Dieter, was ist mit dir denn los? Dein Handy ist mal nicht besetzt.“ So meldete sich gestern ein „Matz-abber“ bei mir. Ja das war der Wahnsinn.

„Und? Kommt er?“ Ich weiß es wirklich auch nicht so genau, aber ich denke mal ja. Erstens habe ich ein gutes Gefühl, zweitens könnte der Herr Kühne (s)einen guten Ruf verlieren (sollte es denn doch nicht klappen), und drittens sprechen auch einige Indizien dafür: Der HSV hat an diesem Donnerstag morgens die Nummer 23 aus dem Verkauf genommen – die 23 mit Slobodan Rajkovic. Zudem werden jetzt schon Marketing-Artikel mit dem Namen van der Vaart und der Nummer 23 angefertigt – und dann gibt es den englischen Blog „thespursinsider“, der seit Tagen und Wochen jeden neuen Tottenham-Spieler und jeden abgängigen Spurs-Profi hundertprozentig vorausgesagt hat. Hundertprozentig! Und der hat nun auch verkündet, dass Rafael van der Vaart nach Hamburg wechseln wird. Da müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht so kommt, wie die meisten von uns hoffen. Auf denn, Buam – macht das Ding spätestens am Freitag um 17.59 Uhr klar! Und denkt immer dran, was der Familie Choupo-Moting einst passiert ist – da war zu Unzeiten das Faxgerät kaputt, und nix ging mehr! Erst recht kein Vereinswechsel.

Für Abendblatt-Blogs


Wobei mir nicht entgangen ist, dass der Name van der Vaart nicht auf der deutschen Transferliste (von heute) steht – in England aber sehr wohl. Und nachdem unser „Prominentester“ aus dem „Matz-ab“-Blog, „Benno Hafas“, für einige Unruhe auf dem europäischen Transfermarkt gesorgt hatte (das kam noch hinzu!), weil er vom HSV-Mediendirektor Jörn Wolf am Fotografieren (des gerade von der Untersuchung kommenden v.d.V.) gehindert worden war, wurde der Hund in der Pfanne verrückt – und zwar völlig. Wie denn, wo denn, was denn? Benno Hafas – wie immer – auf Ballhöhe, und keine Hamburger Zeitung und kein Fernsehen ist dabei? Zuzutrauen wäre es ihm ja, aber es war natürlich war nur ein kleiner Scherz. Da kommt doch Freude auf. Obwohl, vielleicht nicht bei allen? Weil das Aufregung war, die eigentlich ein wenig überflüssig war. Aber ein Gag. Motto: „Mein Name ist Benno Hafas, ich schreibe für den Matz-ab-Blog.“ Und noch ein kurzer Benno-Zusatz: „Manchmal beliebe ich ein wenig zu scherzen . . .“

Kein Scherz dagegen ist, dass der HSV an diesem Sonnabend das Nordderby in Bremen bestreiten muss. Und das wird er mit stark veränderter Mannschaft tun. Ersten werden die beiden Neulinge, Milan Badelj und Petr Jiracek, mit von der Partie sein, und zweitens hat Trainer Thorsten Fink personell umgedacht. Heiko Westermann geht von der Sechs zurück in die Innenverteidigung, Jeffrey Bruma geht aus der Mitte nach rechts, und im Angriff erhält Artjoms Rudnevs die Gelegenheit, erstmals von Beginn an. Und sollte es Rafael van der Vaart nicht bis zum Anpfiff in Bremen schaffen, so dürfte Ivo Ilicevic wohl hinter der lettischen Spitze spielen – obwohl sich Ilicevic auf dieser Position beim HSV noch nicht versucht hat, noch nicht versuchen durfte. Etwas Neues braucht der Klub . . .

Und wenn der „Raffa“ denn tatsächlich käme, dann würden sich wohl auch die meisten HSV-Profis freuen. So wie Rene Adler, der über van der Vaart verriet: „Ich habe ihn bislang ja nur als Gegenspieler erlebt, und das war schwer genug, aber er hatte natürlich eine riesige Stellung hier in der Stadt. Er hat viel für den Verein geleistet, und ich kann mir gut vorstellen, dass die Fans und die Stadt den Namen van der Vaart mit positiveren Zeiten und mit einer besseren Mannschaft verbinden. Vielleicht ist das mit ihm wie zurück in die Zukunft.“ Adler weiter: „Es wird ja hier viel gesprochen von Umbruch und neuen Zeiten, ich könnte mir vorstellen, dass seine Verpflichtung das positivste Zeichen dafür ist. Dass hier ein alter Leistungsträger kommt, mit dem sich die Leute hier identifizieren können, der für die Stadt steht, der für den Verein steht – ich denke, dass Raffa van der Vaart in Deutschland mit dem HSV absolut verbunden ist. Und deshalb wäre eine solche Verpflichtung, wenn man sie dann machen kann, für die Stadt und für den Verein eine sensationelle Sache. Er würde uns schon wesentlich weiterhelfen.“

Beim heutigen Training, bei dem bestimmt wieder 500 Kiebitze anwesend waren, zeigten im abschließenden Spielchen die beiden Neuen ihre Klasse. Als Petr Jiracek mit links zum 1:0 für die Stamm-Mannschaft (gegen Jaroslav Drobny) getroffen hatte, gab es viel Beifall auch von den Mitspielern. Später applaudierten nur noch die Zuschauer, denn Jiracek traf noch einmal mit links und dann auch mit rechts. Ein Tor schöner als das andere. Der Mann kann es, und er wird es garantiert auch in den nächsten Spielen unter Beweis stellen. Wie auch der Kroate Badelj, der neben dem Tschechen auf der Sechs spielte und technisch glänzen konnte, der auch sein gutes Auge demonstrierte. Ich lege mich fest: Mit diesen beiden Spielern hat sich der HSV nicht nur verstärkt, er hat auch gleich einige Schritte nach vorn gemacht. Ihr werdet es erleben – wenn auch noch nicht unbedingt in Bremen, denn die Zeit, sich an die neuen Kollegen zu gewöhnen, ist ja doch relativ knapp.

Die A-Elf gewann das Spielchen gegen B (dort spielten Co-Trainer Frank Heinmann und Keeper Sven Neuhaus in der Abwehr!) mit 4:0, wobei das vierte Tor von Ilicevic erzielt wurde – in dieser Szene im vierten Versuch. Vier Versuche hatte auch Rudnevs in diesem Spiel, er hatte vier Mal die freie Auswahl, traf aber lediglich einmal den Pfosten. Das ist also noch verbesserungsfähig. Obwohl ich schon während des Trainings von einem „Matz-abber“ geflachst wurde: „Was machst du, Dieter Matz, eigentlich, wenn Rudnevs am Sonnabend in Bremen gleich dreimal trifft?“ Ich kann es euch sagen: ich würde mich freuen. Mehr nicht. Denn ich bin ja in diesem erlauchten Kreis, der Rudnevs bislang nur durchschnittliche oder auch unterdurchschnittliche Leistungen bescheinigte, nicht allein.
Aber frohlockt noch nicht zu früh, lasst ihn man auch erst einmal diese drei Tore schießen.

Was nach dem offiziellen Training auch noch klappte. Da brachte Dennis Aogo noch einige Flanken zur Mitte, und dort versuchten sich Heung Min Son, Zhi Gin Lam und Rudnevs als (Kopfball-)Torschützen gegen Drobny. Wobei es mir nicht in erster Linie um die Tore geht, sondern um diese gute Sache. Dass sich dort einige Spieler zusammenfinden und noch üben, obwohl die meisten Kollegen schon unter der Dusche stehen. Eine sehr gute Sache, die ich immer wieder loben werde.

Es tut sich einiges beim HSV. Irgendwie war die Aufbruchstimmung heute deutlich zu erkennen. Es geht aufwärts, obwohl es noch keinen Punkt auf dem Konto zu feiern gibt. Und selbst wenn es damit auch am Sonnabend in Bremen nicht klappen sollte – ich habe jetzt ein absolut gutes Gefühl. Der HSV hat gerade noch einmal die Kurve gekriegt. Was er jetzt allerdings auch in den Bundesliga-Stadien unter Beweis wird stellen müssen. Immerhin sage ich: mir ist davor nicht mehr bange. Ich bin sogar so optimistisch, dass ich behaupte, dass dieser HSV jetzt mit dem Abstieg 2012/13 nichts mehr zu tun haben wird.
Mein Dank an die Verantwortlichen.

PS: Training am Freitag um 13.30 Uhr. Ob öffentlich oder nicht – ich weiß es nicht. Aber bei der Euphorie um den neuen HSV wird es meiner Meinung nach öffentlich sein, ein solcher Zustand muss doch eigentlich genossen und auch forciert werden!

18.54 Uhr

Jetzt fehlt nur noch van der Vaart

29. August 2012

Der HSV ist eben Herzensangelegenheit. Dem Klub geht es, sagen wir mal, nicht gerade rosig, der Klub hat sich fast schon ans Verlieren gewöhnt, aber die Fans klammern sich an jeden Strohhalm, der greifbar ist. Deshalb gab es an diesem Mittwoch einen großen „Bahnhof“ für zwei Neue: Milan Badelj und Petr Jiracek wurden wohlwollend von über 800 HSV-Anhängern empfangen und bei bestem Sommerwetter mit begleitetem Applaus auf dem Weg zum Training begleitet. Vor ein paar Tagen hatte mein Kollege Jürgen Schnitgerhans von der Bild geschrieben, dass die Herren des HSV „endlich aufwachen sollen“, und prompt wachten sie auf. Jetzt wird alles gut? Ich bin davon überzeugt, weil ja beim HSV noch ein Name in der Pipeline steckt: Rafael van der Vaart. Bei den Fans, die heute im Volkspark waren, war der Name des „kleinen Engels“ in aller Munde. Die meisten sind davon felsenfest überzeugt: „Raffa wird auch noch kommen . . .“ Abwarten.

Für Abendblatt-Blogs


Auf jeden Fall hatte die Online-Redaktion der Bild am heutigen Nachmittag für Verwirrung gesorgt, denn für ein paar Minuten war dort zu lesen, dass die Rückkehr des Niederländers zum HSV perfekt sei. Diese Nachricht wurde aber nur Minuten später ersatzlos aus dem Verkehr gezogen. Wussten die Kollegen schon mehr? Oder wurde da nur für den Fall der Fälle geprobt? Sei es wie es sei, bis Freitag wird es wohl spannend bleiben, dann schließt das Transferfenster des Sommers 2012. Ich denke ja, dass HSV-Sponsor (-Mäzen, -Gönner, – Investor) Klaus-Michael Kühne doch noch zuschlagen wird. Er wollte van der Vaart, er hat immer um ihn gekämpft, und er wird sich diese Chance nicht entgehen lassen, ihn persönlich nach Hamburg zu bringen. Sonst würde es doch wohl noch lange heißen: „Selbst die vielen Kühne-Millionen haben es nicht geschafft, Raffa wieder in den Volkspark zurück zu bringen . . .“

Und auch wenn es eine gewisse Disharmonie zwischen der HSV-Führung und Kühne gab – in diesem Fall werden die Herren an einem Strang ziehen. Denn, auch das schrieb der Kollege Schnitgerhans, es ist bereits fünf nach Zwölf, und das haben nun doch alle im HSV erkannt. Sie tun doch jetzt, wenn auch erst in letzter Sekunde, aber sie tun. Sie gehen sogar Risiko, und zwar kein ganz so kleines, vielleicht ist es sogar größer als jenes Risiko, das einst die (der) Vorgänger von Carl-Edgar Jarchow im Verborgenen eingingen – und dabei verloren. Uwe Seeler hat es bereist vor vielen Wochen gesagt: „Ein Abstieg käme den HSV teurer, als jetzt Risiko zu gehen.“ Diesem Aufruf (?) sind die Führungsherren nun gefolgt – und das lobe ich deshalb auch einmal ausdrücklich. Es hätte auch weiterhin tief und fest geschlafen werden können, aber nein, der HSV ist aufgewacht und versucht alles. Auch wenn es dem Klub (finanziell) sehr wehtun wird. Denn Geld, das wissen inzwischen alle, ist eigentlich keines mehr da. Deshalb noch einmal: Kompliment für diesen risikoreichen Weg (in Sachen Finanzen). Aber nur so war diese fast schon festgefahrene Situation noch zu retten – nur noch so. Und nun heißt es Daumendrücken, dass dieser Weg auch zum Erfolg führt. Das heißt, der Nicht-Abstieg des HSV ist nun hoffentlich am Ende dieser Saison beschlossene Sache. Andernfalls könnten diese Schüsse, die nun losgelassen worden sind, auch schnell nach hinten gehen . . . Was wir alle nicht hoffen wollen – natürlich nicht.

Dass sowohl Milan Badelj als auch Petr Jiracek Verstärkungen für den HSV sind, das steht für mich außer Frage. Diese beiden Spieler bedeuten „Soforthilfe“, sie werden schon am Sonnabend in Bremen mit von der Partie sein – obwohl das natürlich noch nicht gleichbedeutend mit einem Auswärtssieg sein muss (sein wird). Dazu gibt es dann doch noch immer die eine oder andere Baustelle mehr, die noch zu beackern sein wird. Vor allen Dingen die im Angriff. Denn nach wie vor frage ich mich, wen dann der Herr van der Vaart schicken soll? Da käme für mich in erster Linie Maximilian Beister in Frage, und dann Artjoms Rudnevs. Wobei ich glaube, dass die Stunden des Letten nun schon am Sonnabend im Weserstadion schlagen wird. Ob das letztlich ausreichend für, für eine ganze Saison, das vermag ich abschließend nicht zu beurteilen, aber ich habe da nach wie vor meine Zweifel. Doch zu Not könnte in Sachen Angriff ja noch im Winter nachgebessert werden – zur Not.

Erst einmal ist die Freude darüber, dass zwei aktuelle Nationalspieler neu zum HSV gekommen sind, groß. Milan Badelj (er spricht sich Badel aus – mit einem ganz kleine, verschluckten J am Ende – aber mehr Badel) ist 23 Jahre alt und hat gestern noch für Dinamo Zagreb (in und gegen Maribor) den Einzug in die Champions League klar gemacht. Und nun droht ihm der Abstiegskampf in der Bundesliga. Er sagt: „Das ist der Fußball.“ Und: „Ich hatte schon vorher beim HSV zugesagt, bevor wir mit Dinamo die Champions League erreicht hatten.“ Das ist Schicksal. Er freut sich aber schon auf das Derby, und er weiß: „Bremen – HSV ist wie HSV gegen St. Pauli. Ich weiß um die Bedeutung, ich habe die Bundesliga immer im Fernsehen verfolgt. In Kroatien wissen alle, dass der HSV ein großer Klub ist.“

Hoffentlich bleibt er das auch – aber Badelj, der in vier Jahren für Dinamo Zagreb 188 Spiele absolvierte, soll ja mithelfen, dass es so bleibt. Aber er sagt: „Es ist doch erst ein Spieltag vorbei, ich muss mir erst ein Bild machen, was möglich ist –aber ich will immer das Maximale erreichen, das ist klar.“ Informationen über den HSV und die Bundesliga hat er sich vom ehemaligen HSV-Spieler Josip Simunic und auch vom früheren HSV-Liebling Ivica Olic eingeholt, und natürlich von Landsmann Ivo Ilicevic. Badelj wird übrigens künftig die Nummer 14 tragen, die von David Jarolim. Und die einst Johan Cruyff weltberühmt gemacht hat. Der Kroate sagt: „Ich weiß, dass das eine berühmte Nummer ist, ich möchte damit auch großen Erfolg haben.“

Die Rückennummer 19 wird in Zukunft Petr Jiracek (26) auf dem Rücken tragen. Der vom VfL Wolfsburg gekommene Profi wirkt im ersten Moment ein wenig schüchtern und introvertiert – auf dem Platz, das hat die Europameisterschaft in diesem Jahr gezeigt, ist der langmähnige Mittelfeldspieler allerdings alles andere als zurückhaltend. Da ist der Dauerläufer ein großer Kämpfer, der mit Herz und Leidenschaft zur Sache geht – und zwar 90 Minuten.

Kurios: Bei der heutigen Vorstellung von Jiracek spielte ein „Schweiger“ eine oder die große Rolle: Jaroslav Drobny. Der Torwart war der Übersetzer, obwohl Petr Jiracek schon gut Deutsch versteht und auch schon sprechen kann. Sicher ist sicher. Drobny hat seit vielen, vielen Monaten nichts gesprochen, dass er es heute tat, ist ihm sehr hoch anzurechnen – Respekt. Und der Keeper verriet sogar, was er über seinen Landsmann (als Fußballer) denkt: „Ein guter Typ, ein Super-Typ, jeder weiß, er war unser bester Mann bei der EM, er genießt in der Nationalmannschaft einen sehr guten Ruf und genießt auch viel Respekt in Tschechien.“ Und Drobny verriet auch: „Petr weiß, dass die Fans jetzt viel von ihm erwarten, er wird auch alles geben und immer für den HSV kämpfen, doch die Leute sollen bedenken, dass er allein es auch nicht schaffen kann.“ Natürlich nicht. Aber die beiden Neuen werden den einen oder anderen Nebenmann (oder alle?) ganz sicher mitreißen – zum Wohle des Klubs. „Ich hoffe, dass wir so in jedem Spiel einen Schritt nach vorne machen werden“, sagt Jiracek. Wir hoffen mit ihm.

Und wo ich gerade bei Tschechen bin: David Jarolim hat nun (doch) beim FC Evian in Frankreich unterschrieben. Hat sich dann doch nur um einen Tag verschoben. Ich habe „Jaro“ im Namen aller „Matz-abber“ zu seinem neuen Arbeitgeber gratuliert – und er hat sich per SMS bedankt.

Dann war heute der Sportchef in aller Munde. Es wird in diesen Tagen viel über die Zukunft von Frank Arnesen spekuliert. Auch bei „Matz ab“. Viele fragen sich, warum der Däne so plötzlich im Blickpunkt steht – und längst nicht mehr unumstritten ist. Einige sprechen (und schreiben) sogar schon von Trennung und Abschied aus Hamburg, doch davon weiß ich erstens nichts, und zweitens habe ich zu einem solchen Gerücht auch keinerlei Nahrung erhalten. Ich gehe davon aus, dass Frank Arnesen noch lange beim und für den HSV arbeiten wird.

Warum er so in „Ungnade“ (wenn man das so sagen kann?) gefallen ist, liegt sicherlich auch darin begründet, dass der HSV in Sachen Verpflichtungen nicht so richtig „in die Pötte“ gekommen ist. Mal hieß es, es soll ein Zehner kommen, dann hieß es (von Arnesen), dass wenn es keinen Zehner gibt, es auch keiner geholt wird. Da spielte eine gewisse Ratlosigkeit mit hinein, die wiederum andere HSVer sprachlos machte. Und wenn Milan Badelj zum Beispiel für Kroatien spricht, dass der HSV in seiner Heimat immer noch ein großer Klub ist, dann denken vielleicht auch die Verantwortlichen daran, dass ein HSV vielleicht doch ein wenig offensiver an die Neuverpflichtungen herangehen könnte. Frank Arnesen wirkte aber oft auch ein wenig zu zögerlich und zauderhaft.

Was eventuell auch noch für ein wenig Verdruss sorgte ist die Tatsache, dass der Däne den HSV-Kader, dem von fast allen Experten in Deutschland ein schlechtes Zeugnis ausgestellt wurde (können die wirklich alle irren?), immer als absolut bundesligatauglich hinstellte und lobte. So nach dem Motto: „Der Veranstalter lobte die Veranstaltung.“ Vielleicht hatten die HSV-Führungsherren aber ja auch nur Angst, dass Arnesen diese Einschätzung tatsächlich so meinte, wie er sie stets nach außen verkündete. Und das hätte dann in der Tat bedeutet, dass da irgendetwas nicht so richtig stimmt und im Lot ist – beim HSV. Nämlich die Sache mit dem Anspruch und der Wirklichkeit.

Und dazu finde ich, um mich nicht zu drücken, dass Frank Arnesen tatsächlich mehr für sein glückliches Händchen wird tun müssen. Ich habe ihm im vergangene Jahr stets in Schutz genommen, als es um die Verpflichtungen der fünf Chelsea-Buben Rajkovic, Bruma, Mancienne, Sala und Töre ging. Der Grund für meinen Zuspruch: Es sollte jeder einmal für sich versuchen, „ohne“ Geld einzukaufen. Und Arnesen hatte so gut wie kein Geld in der Hand, musste aber etwas „anschleppen“. Dafür hat er aus der Not eine Tugend gemacht. Das war in meinen Augen gut. Dass er dann mit den „richtigen“ Einkäufen, mit Ivo Ilicevic und Per Ciljan Skjelbred, ein wenig (heftiger) daneben lag, das wird ihm heute ganz sicher angekreidet. Zumal mit Artjoms Rudnevs in diesem Jahr ja auch noch ein Spieler kam, auf den „ganz Hamburg“ immer noch wartet – dass er sich entwickelt. Und das sollte sich jeder (hier) einmal vor Augen halten: Jiracek und Badelj werden am Sonnabend wohl gleich zum Einsatz kommen, auf Rudnevs haben wir bislang vergeblich gewartet. Er wird nun wohl in Bremen kommen, das mag wohl sein, aber ich sage trotz allem: Soforthilfe sieht anders aus. Aber nun hoffen wir eben alle auf Sonnabend. Mit Rudnevs, Badelj, Jiracek und vielleicht sogar mit der „ewigen 23“. Ich hoffe und glaube daran.

Übrigens: Im Blog wird geschrieben, dass ich am Sonntag Gast im Doppelpass von „Sport 1“ bin, aber das kann ich nicht bestätigen – ich weiß von nichts.

PS: Morgen ist um 10 Uhr Training im Volkspark (sorry, nicht 19 Uhr, das war ein Tippfehler, danke für den Hinweis)

19.42 Uhr

Die Kritik an Arnesen wächst – und Tottenham will 18 Millionen für van der Vaart

28. August 2012

Ich könnte im Kreis kotzen. Mein Sch…. Laptop hat den Geist aufgegeben, während ich im Auto den Blog geschrieben hatte. Soweit so schlecht. Aber Akkus halten eben nicht ewig – von daher ist das so weit noch erklärbar. Was allerdings für mich für immer ein Rätsel bleiben wird, ist, dass der gesamte Text, den ich 10000000-prozentig mehrfach zwischendurch abgespeichert hatte, einfach weg ist. Nachdem ich schnell zum Vereinsheim des NTSV gefahren war, um an eine Steckdose zu kommen, war alles weg. „Kompletter Datenverlust? Scheiße ist das“, sagt mir unser Clubwirt Ralf Lington gerade. Und Recht hat er. Deshalb, heute ein Text im Eiltempo…

Aber egal. Es ist ja lange nicht das größte Problem rund um den HSV. Im Gegenteil. Die Kritik wird lauter. Zuletzt hatte sich Dampfplauderer Mario Basler im Doppelpass“ abschätzig über Frank Arnesens Eignung als Sportchef des HSV geäußert. Jetzt legte „Uns Uwe“ noch nach. Und auch innerhalb des Aufsichtsrates werden immer mehr Stimmen laut, die die Ablösung des Dänen als Sportlichen Leiter forcieren. Es gibt schon richtig gehende Hardliner unter den Kontrolleuren, einige Kritiker, wenige Entschlusslose und noch weniger Befürworter Arnesens.

Wobei Frank Arnesen in den letzten 12 Monaten als HSV-Sportchef personell sicherlich nicht den Umbruch schaffen konnte, den er sich selbst und den sich der Verein vorgenommen hatte. So sehen es zumindest die Kritiker. Und auch bei Arnesen ist eine gewisse Unzufriedenheit zu erkennen. Nur zu gern würde er sagen, was alle wissen. Dass er bei seiner Vertragsunterschrift noch einen Betrag in Höhe von 15 Millionen Euro für Neue in Aussicht gestellt bekommen hatte und letztlich null vorfand. Es ehrt ihn allerdings, das nicht immer wieder hervorzuholen, sondern sich mit den Realitäten zu beschäftigen. Und die haben uns am Sonnabend einen HSV präsentiert, der abstiegsreifen Fußball bot. Auch in Arnesens Augen. „Das war enttäuschend“, so der Däne, der jetzt auf die noch ausstehenden Neuzugänge Milan Badelj und Petr Jiracek verweist. Sportlich zurecht.

Allerdings wird sich Arnesen diese sportliche Steigerung nicht mehr auf die eigenen Fahne schreiben können. Jiracek kam aus Wolfsburg quasi wie eine gebratene Taube ins HSV-Maul geflogen. Und bei den andauernden Verhandlungen um Rafael van der Vaart ist Arnesen quasi Zuschauer. Dem Vernehmen nach kümmern sich Hilke, Jarchow und natürlich Investor Klaus Michael Kühne um die Abwicklung des (dann) Königstransfers dieses Sommers.

Dennoch, trotz aller Kritik, ist Aufsichtsratsboss Alexander Otto hingegen ist anderer Meinung. Vor der gestrigen Aufsichtsratssitzung, auf der es unter anderem auch um die Personalie Arnesen gehen sollte, sagte Otto: „Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Wir planen langfristig mit Frank Arnesen und wissen, dass er eine Mannschaft zusammenstellen kann.“ Ob die Gerüchte um eine Demission Arnesens haltlos sind? „Absolut, da ist gar nichts dran. Wir haben Frank Arnesen geholt, um langfristig zu arbeiten. Wir müssen jetzt einen kühlen Kopf bewahren, zumal wir selbstverständlich sehr zufrieden.“

Mit diesen Worten ging Otto in die Sitzung, die am Abend um 18 Uhr in der Hamburger-Weg-Loge begann. Inhalt war zum einen die Absegnung des vier Millionen Euro teuren Neuzugangs Petr Jiracek sowie der Stand in Sachen van der Vaart. Und bei Letztgenanntem gibt es nur eines, das sicher ist: der HSV kämpft um eine Rückholaktion des niederländischen Nationalspielers. Mit van der Vaart selbst soll sich der HSV bereits einig sein, einzig der eigenwillige Tottenham-Boss Dan Levy hat noch andere Ideen und fordert die für einen 30-Jährigen utopische Ablösesumme von umgerechnet 18 Millionen Euro. Zuvor hatte der HSV signalisiert, dank der finanziellen Hilfe von Speditionsmilliardär Klaus Michael Kühne immerhin bis zu 12 Millionen Euro zahlen zu können. „Ich kenne Levy schon sehr lange“, sagt Arnesen und es wirkt, als wolle er seine Hilfe anbieten: „Er ist einer, der oft auf den letzten Metern noch Transfers macht. In den letzten Sekunden verändert sich bei ihm alles – auch die Zahlen.“ Hoffen wir’s.

Denn diese Mannschaft braucht personelle Nachbesserungen, die allein mit Jiracek und Badelj wohl eher nicht getan sein dürften. Zumindest war im heutigen Testspiel gegen die eigene U23 nicht mehr als ein mühsames 2:1 drin (Tore: Ilicevic und Rudnevs per klarstes Abseitstor). Alle(s) hofft auf van der Vaart. Trainer Thorsten Fink offenkundig auch: „Wenn wir alle drei Spieler dazubekommen, würde Heiko Westermann wieder in die Abwehr zurückrücken“, so Fink, der darauf setzt, dass der HSV in den letzten Tagen der Transferperiode noch nachbessert: „Wir können noch einiges geradebiegen und die Weichen wieder in die richtige Richtung stellen“, sagt Fink, der sich zudem hinter Frank Arnesen stellte: „Wir gewinnen und wir verlieren zusammen“, so Fink zur Kritik am Sportchef.

Das tut der HSV künftig auch mit Milan Badelj, der am Mittwoch (Achtung: auf 16 Uhr verlegt!!) zusammen mit dem letzten Neuzugang Petr Jiracek das erste Mal mit der Mannschaft trainiert. „Jiracek ist eine Laufmaschine“, so Fink, „er ist ein positiver Antreiber. Außerhalb des Platzes ist er ruhig – aber auf dem Platz gibt er Vollgas. Der Junge hat richtig Herz und die Mentalität, die wir hier sehen wollen. Er verkörpert das, was wir brauchen.“

Nicht mehr gebraucht wird dem Vernehmen nach Marcus Berg, der heute zusammen mit Per Skjelbred und Dennis Diekmeier nicht mitspielte – unverletzt. Sollte sich für den teuersten Einkauf der Vereinsgeschichte ein Abnehmer finden, ist der HSV bereit, seinen Angreifer abzugeben. „Man kann nicht sagen, dass alles durch ist“, so Fink auf die Frage nach weiteren Abgängen, „sowas ist bis zum Ende der Transferfrist nie ausgeschlossen.“ Statt Berg würde noch ein Stürmer kommen.

Zudem sagte Fink bereits, dass am Sonnabend im Nordderby Artjoms Rudnevs anstelle Bergs spielen würde. „Er erarbeitet sich jedes Mal, wenn er auf dem Platz ist, seine Chance. Da ist es egal, ob er zehn, 20 oder 90 Minuten spielt – seine Chancen erarbeitet er sich“ Zudem sei der erste Lette des HSV deutlich aktiver und robuster als sein schwedischer Mannschaftskollege. „Rudy wehrt sich – gegen jeden Gegner. Daher hat er fürs Wochenende große Vorteile.“

Dann schon nicht mehr dabei sein wir Muhamed Besic, den der HSV nach Budapest abgeben wird. Dagegen hofft Tolgay Arslan auf seine Kadernominierung, nachdem er heute schmerzfrei trainieren konnte. „Ich fühle mich ganz gut“, so der Offensivspieler, „vielleicht langt es ja. Wäre auf jeden Fall ein Traum, in Bremen dabei zu sein.“

Stimmt. Zumal dann, wenn das Mittelfeld zentral defensiv mit Badelj und Jiracek, auf den Außen mit Jansen und wahlweise Beister, Son oder Ilicevic besetzt ist und davor ein alter Bekannter die Fäden zieht. Ihr wisst schon, wen ich meine…

Ich hoffe es.

Scholle (total genervt, weil ich alles doppelt geschrieben habe – aber wenigstens in der Hoffnung auf sportliche Besserung beim HSV….)

Jakobs und die zwei Strohhalme

27. August 2012

Heute mal wieder mit einer etwas anderen Eröffnung:

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Jetzt ist Fall X eingetreten, vor dem ich mich immer gefürchtet habe: Der alte Matz sieht nun ganz, ganz alt aus. Betrifft die letzte Meldung dieses Beitrages, ich löse es auch am Ende auf. Sorry.
Ergänzt um 23.33 Uhr
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Werder Bremen setzt wohl schon im Nordderby am kommenden Sonnabend (15.30 Uhr) gegen den HSV auf die Torjägerqualitäten seines neuen Stürmers Joseph Akpala. „Wir müssen uns auf dem Platz noch ein wenig besser kennenlernen. Aber ich habe keine Bedenken, dass das schnell gehen wird“, sagte Trainer Thomas Schaaf bei der offiziellen Vorstellung des Nigerianers. Akpala hat die besondere Bedeutung der Partie bereits verinnerlicht. „Ich weiß um die Brisanz. Für uns und die Fans ist es das Spiel des Jahres“, sagte der 26-Jährige. Akpala war für eine Ablösesumme in Höhe von rund 2,5 Millionen Euro vom belgischen Vizemeister FC Brügge nach Bremen gewechselt und hatte bei den Hanseaten einen Vertrag bis zum 30. Juni 2016 unterschrieben.

Das ist eine Meldung der Agentur dapd. Von Artjoms Rudnevs würde ich so etwas auch gerne gelesen haben – oder auch gerne lesen. Aber bei dem einen Stürmer braucht es eben ein wenig Zeit, und bei dem anderen eben ein wenig weniger. Auch wenn der, bei dem weniger Zeit benötigt wird, ein wenig billiger war – runde 700 000 Euro nur, aber immerhin. Dennoch gehe ich davon aus, dass da am Sonnabend im Weserstadion auf jeder Seite ein neuer Torjäger spielen wird. Akpala bei den Grünen, Rudnevs bei den Rothosen.

Über den Letten sprach ich übrigens heute mit „Altmeister“ Ditmar Jakobs. Der ehemalige HSV-Kapitän bittet in diesem „Fall“ auch um Geduld: „Man muss jedem eine Eingewöhnungszeit einräumen. Der gibt im Moment alles. Und es ist ja auch alles für ihn neu, er muss das erst einmal alles kennenlernen.“ Aber darf man für 3,2 Millionen Euro nicht doch erwarten, dass ein Stürmer, der die Nummer eins im HSV-Angriff werden sollte (und noch immer werden soll), sich etwas, wenigstens etwas schneller entwickelt? Jakobs: „Für die 3,2 Millionen kann der Junge ja nichts. Den nun als Sündenbock abzustempeln, das ist das Blödeste was es überhaupt gibt. Er ist doch beobachtet worden von den HSV-Scouts, und die haben es für gut gehalten, ihn für diese Summe zu verpflichten. Er ist bemüht, er spielt so gut wie er kann – und wir müssen mal abwarten, wie es weitergeht mit ihm. Der Junge ist auf jeden Fall ein guter Charakter, und ich rate jedem, ihn nicht zu schnell zu verdammen. Selbst bei einem Wechsel innerhalb Deutschlands brauchen die meisten Spieler ihre Eingewöhnungszeit, also ist es für einen Mann, der aus dem Ausland kommt, wahrscheinlich noch viel schwerer, hier sofort Fuß zu fassen.“

Ditmar Jakobs hat in der vergangenen Woche vor zu hohen Erwartungen an den HSV gewarnt, sagte auch: „Die Mannschaft hat eher an Qualität verloren . . .“ Recht hat er damit, jedenfalls in meinen Augen, aber willkommen ist eine solche leichte, seichte und vorsichtige Kritik innerhalb des Vereins nicht. Obwohl ich mir wünschte, dass noch mehr „Ehemalige“ sich so bemerkbar machen würden, um so dem HSV mal die Augen zu öffnen. „Jako“ aber sagt dazu: „Wenn wir etwas zur Lage des Klubs gesagt haben, dann hieß es doch von den Verantwortlichen immer nur: ‚Was wollen die Alten? Die sollen uns in Ruhe lassen.’ Dabei sind wir doch nicht schadenfroh, wir wünschen dem HSV doch nichts Schlechtes – wir wollen doch nur, dass der HSV in der Bundesliga bleibt.“

Und? Bleibt er? Ditmar Jakobs sagt: „Das sollte geschafft werden. Ich gehe jedenfalls davon aus. Aber ich bin kein Wahrsager. Immerhin ist der HSV in der vergangenen Saison drin geblieben, was bei dieser Heimbilanz eigentlich ein Wunder war – bei nur drei Heimsiegen. Jeder, der so wenig Punkte zu Hause einfährt, der wäre mit Pauken und Trompeten abgegangen – aber wir sind drin geblieben. Aber ob das noch einmal so funktioniert? Man sollte das Glück nicht zu lange strapazieren.“

Aber wie soll das gehen? Mit dieser Mannschaft, die gegen die schwachen Nürnberger verlor, wird das garantiert nichts. Ditmar Jakobs aber klammert sich an zwei Strohhalme: „Man kann nur hoffen, dass Milan Badelj und Petr Jiracek sofort einschlagen. Das ist jedenfalls meine große Hoffnung, dass diese beiden Spieler sofort bei 100 Prozent sind. Und so vielleicht den einen oder anderen Mitspieler mitreißen. Denn wenn man die nächsten vier Spiele des HSV sieht, dann weiß man, dass das nicht leicht wird – um es mal diplomatisch zu sagen. Was nützt es aber, jetzt noch auf die Mannschaft einzuprügeln, so wie es jetzt viele machen? Wir müssen hoffen und abwarten, wie sich das entwickelt.“

Mehr bleibt uns allen nicht.

Wobei ich auch heute wieder erstaunlich viel Post zu einem bestimmten Thema bekommen habe. Den Medien wird darin vorgeworfen, den HSV nicht genügend zu unterstützen. Ein Thema, das ich gestern bereits anschnitt. Heute möchte ich einmal zwei „Fremde“ zu Wort kommen lassen. Für die „Welt“ schrieb Lars Wallrodt in seinem HSV-Bericht nach dem Nürnberg-Spiel:

Es ist unglaublich, wie sich dieser Traditionsverein in den vergangenen Jahren selbst zugrunde gerichtet hat. Unter Vorstandschef Bernd Hoffmann, der im März 2011 vom Hof gejagt wurde, war zumindest noch der Hauch von sportlichen Ambitionen zu spüren, auch wenn er dem Klub mit gewagten Finanzkonstrukten letztlich einen Bärendienst erwiesen hat und auch mit Dietmar Beiersdorfer einen fähigen Sportdirektor vergraulte. Doch seit Hoffmanns Weggang ist der Klub im freien Fall.

Vor kurzem sprach ich mit einem Bundesliga-Klubchef, dessen Name hier nichts zur Sache tut. Irgendwann kam die Sprache auch auf den HSV, was umgehend Kopfschütteln auslöste. „Was dort für ein Potenzial verschenkt wird, ist unglaublich”, sagte er, „in einer der reichsten Städte mit einem riesigen Einzugsgebiet. Und dann so ein Trauerspiel.“

Ja, es ist ein Trauerspiel. Sportchef Frank Arnesen, der 2011 mit reichlich Vorschusslorbeeren ins Amt gelobt wurde, sollte angeblich das dickste Adressbuch des europäischen Fußballs haben. Nur die Spieler, die er daraus hervorzaubert, taugen leider nichts. Mit Akteuren wie Michael Mancienne, Per Skjelbred, Jeffrey Bruma, Artjoms Rudnevs und Ivo Ilicev spielt man nun mal fast automatisch gegen den Abstieg.

Der zweite Kollege ist Jörg Marwedel, der für die „Süddeutsche“ schreibt und schon seit vielen Jahrzehnten (länger als ich!) HSV-Reporter ist (auch einst für das Hamburger Abendblatt), und der von mir sehr geschätzt ist. Er schrieb nun nach dem 0:1 gegen Nürnberg:

„ . . . ich werde nicht müde, an meine Mannschaft zu glauben, sagt der HSV-Trainer. Man könnte nun sagen, Thorsten Fink tritt offen für seine Vorsätze ein. Man könnte aber auch sagen, hier leidet ein Trainer – zusammen mit dem Sportchef Frank Arnesen – an sportivem Realitätsverlust. Ein Klub, der erfahrene Profis wie Paolo Guerrero, Mladen Petric und David Jarolim verliert, ohne adäquat Ersatz zu besorgen, kann nur schwer davon ausgehen, dass es besser wird. Da nützen weder Überlebenscamps in Schweden noch die von beiden stets wiederholte Erklärung, „der Kader sei gut, und: Wir können es viel besser“. So hat sich Arnesen am Samstag wieder vernehmen lassen.

Vielleicht deshalb vernehmen lassen, weil er schon mehr wusste. Bezüglich Badelj und bezüglich Jiracek. Letzterer hat heute für vier Jahre beim HSV unterschrieben, und alle sind hellauf begeistert von diesem Zugang. Auch in Wolfsburg erfährt der Tscheche nur Lob, sowohl von Felix Magath als auch von Co-Trainer Bernd Hollerbach. Dieser Einkauf verspricht also viel. Und da Badelj ebenfalls ein „Guter“ sein soll, verstärkt sich das HSV-Korsett so allmählich wohl doch noch. Rene Adler, Heiko Westermann, Dennis Aogo, Marcell Jansen, Milan Badelj und Petr Jiracek – das sind sechs Männer, die es nicht nur können, sondern auch wollen. Und wenn es ihnen gelingen sollte, die Teamkollegen mitzureißen, dann stünde der HSV doch gar nicht so schlecht da. Aber mal abwarten, wie sich das alles entwickelt. Wobei ich heute das Gerücht vernahm, dass sich Thorsten Fink eventuell dazu entschließt, Kapitän Westermann doch wieder nur als Innenverteidiger aufzustellen. Das hätte doch auch etwas – wenn dem so wäre.

Und wenn ich dazu noch einen Wunsch äußern dürfte – ich würde mich sehr freuen, wenn in den nächsten Spielen auch auf das Talent von Maximilian Beister gesetzt werden würde. Wenn ich mich recht erinnere, dann hat der HSV lange um den an Fortuna Düsseldorf ausgeliehenen Offensivspieler gekämpft. Natürlich hat Beister – wie Rudnevs – noch gewisse Eingewöhnungsprobleme, weil Liga eins etwas anderes als Liga zwei ist, aber er ist ein Talent, er will beißen, er ist manchmal (wie ein Fohlen) zu ungestüm, will zuviel auf einmal, aber er geht ab und er geht auch dorthin, wo es weh tut, er ist unberechenbar für Abwehrspieler. Und deswegen würde ich mich freuen, wenn Beister (trotz aller Defensivprobleme) mal in den nächsten das Vertrauen des Trainers erhielte. Ich glaube nämlich, dass es so gehen könnte.
Und noch eines: Wenn Marcus Berg gegen Nürnberg aufgestellt wurde, weil er zuvor ein Tor gegen den KSC erzielt hatte (so hat es der Trainer gesagt), dann hätte Beister doch eigentlich auch spielen müssen . . .

So, dann habe ich heute noch zwei Beiträge von „Matz-abbern“, die mir die Moderatoren ans Herz gelegt haben.

Von „HSVHamburg“ kam zum Thema Trainer:

Viele HSV-Trainerentlassungen kommen nicht überraschend:
Der HSV hat früher Trainer wie Klötzer, Zebec und vor allem Happel gehabt und spielte damals finanziell und sportlich auf einer Höhe mit Bayern. Ende der 70er bis zur Mitte der 80er sogar klarer u. langfristiger auf einer Höhe als der BVB bis dato.
+
Ein Erfolgsmerkmal waren die Trainer!
+
1987 trennten sich dann die Wege vom HSV und FC Bayern! Der HSV holte damals NOCH-Lehrling Magath, die „UNBEKANNTE” Skoblar, Willi Reimann, Schock, ewig-Verlie Toppmöller, Pagelsdorf, Cordes, Jara, Doll und wie sie alle hießen. Viele von denen trainieren gar nicht mehr oder eben Oberliga bis Verbandsliga-Teams!
+
Bayern hollte ab dieser Zeit bis heute Leute wie Lattek, Heynckes, Trappatoni, einen gereiften Magath, van Gaal, Hitzfeld und jetzt neuerlich Heynckes usw. Mit König Otto kamen sie immerhin bis ins Uefa-Cup Endspiel (gewannen diesen mit Beckenbauer als Trainer auch) und standen auf Platz 2!!!
+
Mit Klinsmann u. Lerby holten sie ähnliche Kandidaten, wie der HSV sie ab 1987 mehrheitlich holte und hatten keinen Erfolg bzw. blamierten sich sogar zeitweise!
+
Ich bin mir sicher, hätte der HSV nach 1987 Leute wie Lattek, Heynckes etc. geholt, hätten wir auch weiterhin den einen oder anderen Titel geholt und zumindest auf Augenhöhe mit Bayern, Dortmund und Brämen gespielt.
+
Die Frage ist eigentlich, warum holte der HSV nach 1987 bis auf Stevens eigentlich keine international anerkannten Trainer mehr?

Und von „Ainu” kam diese Kritik:

Ein großes Dankeschön an die Gremien und sog. Fans des HSV!

Ihr seid die besten Gastgeber in der Bundesliga! Jeder Bundesligaklub kommt gerne nach Hamburg, denn es spielt sich einfach viel schöner gegen eine Mannschaft, die eigentlich keine Fans hat, sondern nur zufällige Besucher, die die Mannschaft des HSV auspfeifen – und das mit sehr viel Enthusiasmus und Engagement.

Es ist für jede Gastmannschaft einfach toll, miterleben zu dürfen, wie der Kapitän Westermann bereits nach nur einem Fehlpass oder ein Spieler, der eingewechselt wird, wie z.B. Robert Tesche, gnadenlos ausgepfiffen werden. Das nenne ich wirkliche Gastfreundschaft! Bitte liebe Pseudo-Fans, macht weiter so! Das demotiviert
die Mannschaft des HSV kolossal und ist das schönste Gastgeschenk für die Gäste.

Zum Schluss noch eine ganz erfreuliche Nachricht – für David Jarolim und seine vielen Fans. Der Tscheche hat einen neuen Arbeitgeber gefunden. Der Dauerläufer, auf den der HSV (leider, leider) nicht mehr setzte, spielt künftig in Frankreich erstklassig – und zwar beim FC Evian Thonon Gaillard (am Wochenende 1:1 gegen Olympique Lyon). Gratulation, „Jaro“, auch im Namen vieler „Matz-abber“, wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg in der neuen Heimat, bleib schön gesund und fit – und wenn Du nach Deiner aktiven Karriere dann wieder nach Hamburg kommen würdest, dann würden sich viele, viele HSV-Fans sehr freuen. Hau rein!

18.03 Uhr
PS: Am Dienstag wird im Volkspark um 10 und um 16 Uhr trainiert.

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So, nun zur Ergänzung. Ich war bei David Jarolim offenbar ein wenig zu optimistisch. Der Wechsel zum FC Evian ist noch nicht perfekt. Eigentlich sollte heute alles klar gehen, medizinische Untersuchung, Unterschrift – fertig. Als ich um 18 Uhr noch nichts von “Jaro” gehört habe, ihn auch mehrfach nicht erreichen konnte, ich aber zur Gala des Hamburger Amateurfußballs ins Hotel Grand Elysee musste (weil ich in der Jury für den Ian-Karan-Integrations-Preis sitze), bin ich davon ausgegangen: alles klar. Weil auch “uns Jaro” ganz optimistisch war. Aber denkste. Um 22.33 Uhr kam die sms: Es ist noch nichts perfekt.
Ja, so kann es gehen. Warten wir also auf den Dienstag, “Scholle” wird dann berichten. Ich gehe nach wie vor davon aus, dass es zu einer Einigung zwischen David Jarolim, der in Frankreich weilt, und dem Klub kommen wird. Aber was soll ich jetzt auch schon anderes sagen . . ? Sorry, sorry, sorry.
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Fink glaubt weiter an seine Mannschaft

26. August 2012

„Die Wahrheit liegt auf dem Platz.“

Hat einst Otto Rehhagel gesagt.

Die Wahrheit lag auch an diesem Sonnabend wieder auf dem Platz. In Hamburg, im Volkspark, beim HSV. Da lag sie, die ganz, ganz bittere Wahrheit auf dem herrlichen und so wunderbar grünen Teppich. Es war alles angerichtet für ein großes Spiel, und dann das. Den Fans wurde die Hamburger HSV-Wahrheit schonungslos um die Ohren gespielt. Fußballerisch war das schon (fast) ein Offenbarungseid. Wie sang einst Hildegard Knef? „Von nun an ging’s bergab . . .“

Beim heutigen Training bin ich von einigen HSV-Fans gefragt worden, warum ich die HSV-Versager „so milde und fast wohlwollend“ kritisiert habe? Meine Antwort: „Was bringt denn jetzt eine Vernichtung? Sie liegen ja schon alle am Boden, da muss man dann doch Nachsicht üben.“ Weniger ist manchmal mehr. Nur beim HSV, da habe ich das Gefühl, dass weniger eben doch nur viel weniger ist. Weniger Qualität im Kader bedeutet eben, so real ist diese Fußballwelt dann doch, weniger Qualität auf dem Rasen. Da kann man noch so viel Nachsicht walten lassen, da können sich die Verantwortlichen noch sehr die Taschen gegenseitig voll lügen und schön reden, die Wahrheit liegt auf dem Platz.

In der am 22. Oktober 2011 erschienenen „HSVlive“ zum Wolfsburg-Spiel wird der neuen Trainer Thorsten Fink vorgestellt. Daraus möchte ich nur mal zwei Absätze aufzeigen:
Fink sagt: „Unser erstes Ziel ist natürlich der Klassenerhalt. Der Dino muss Dino bleiben! Wir sollten so schnell wie möglich den Tabellenkeller verlassen und am Saisonende im Mittelfeld der Liga auflaufen. Im oberen Mittelfeld aber, bitteschön. Ich sage aber auch ganz deutlich: Mit Blick auf die kommenden Jahre kann das nicht der Anspruch sein – nicht für den HSV, nicht für die Fans, und nicht für diese Stadt.“

Fink sagte auf die Frage, was er bislang (also im Herbst 2011) vom HSV gesehen habe: „Dass der HSV eine sehr junge Mannschaft hat, aber auch die nötigen Spieler mit Erfahrung auf dem Platz. Das ist sehr wichtig, denn nur mit jungen Talenten geht es ja auch nicht. Das Entwicklungspotenzial des Kaders ist sehr groß.“

Wo aber ist die Erfahrung im Team geblieben?

Und: Was sagt Thorsten Fink heute, nach der Auftaktpartie? „Ich werde nicht müde, an meine Mannschaft zu glauben.“

Das ehrt ihn. Obwohl: was soll er auch sonst sagen? Würde er diese seine Mannschaft vernichten, dann müsste er seine sieben Sachen packen und dem Volkspark adieu sagen. Freiwillig.

Wobei ich mich immer noch frage, wo der fußballerische Anspruch eines Thorsten Fink geblieben ist? Er spielte einst mit Könnern wie Kahn, Babbel, Linke, Jeremies, Matthäus, Jancker, Scholl, Basler, Effenberg und Co beim großen FC Bayern, diese Leute sind ja nicht die schlechtesten deutschen Aushängeschilder gewesen. Hätten diese guten Bayern nur einmal so gekickt, wie dieser HSV heute in jedem zweiten Spiel, dann hätte ich sicher Verständnis dafür, dass Fink den Maßstab so weit unten anlegt, aber so? Fink war doch jahrelang einen anderen, einen viel, viel besseren Fußball gewöhnt (in München). Warum lässt er seiner Hamburger Mannschaft heute ein solches Gestochere durchgehen? Das ist doch wirklich nur noch Fußball zum Abgewöhnen. Als ich gestern das Stadion verließ, wurde ich oft besorgt gefragt: „Wieso, Weshalb? Warum?“ Ich habe resignierend geantwortet: „Das ist nur noch Zweitliga-Niveau . . .“ Die Antwort darauf: „So hoch setzt du das Niveau dann doch noch an?“

Wenn es nur nicht so traurig und beängstigend wäre.

Während die Verantwortlichen (ich komme gleich noch drauf) weiter auf das Prinzip Hoffnung setzen, sehen die Spieler doch ein wenig klarer. Heiko Westermann sagt beispielsweise: „Wir waren nur über Standards gefährlich, und das ist zu wenig bei einem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg. Aber die Unsicherheit war da, die Stimmung ist nicht gut, das war schon vor dem Spiel so. Die einen oder anderen haben uns jetzt schon abgeschrieben . . .“

Marcell Jansen sprach noch mehr Klartext: „Das fängt ja schon an wie letzte Saison. Das zeigt nicht gerade eine Weiterentwicklung der Mannschaft. Die Qualität, dass wir den 1. FC Nürnberg schlagen, die sollte eigentlich da sein.“ Und: „Wir müssen jetzt unbedingt versuchen, eine positive Stimmung in die Mannschaft zu bekommen, ich hoffe, dass wir da jetzt ganz schnell Lösungen finden werden.“ Zudem sagte Jansen auch: „Das zieht sich nun schon seit zwei Jahren wie ein roter Faden durch den HSV, wir schaffen keine Weiterentwicklung, obwohl der HSV im Etatbereich an sechster Stelle der Liga liegt. Mannschaften wie Nürnberg und Freiburg machen es uns vor, und das kann es doch nicht sein.“

Wie wahr!

Und dennoch ist es Tatsache. Man muss dabei nicht mal so weit in den Süden sehen. Nach Bremen genügt schon. Wir werden es alle am Sonnabend erfahren. Werder hat auch kaum noch Geld in der Kasse, aber hat jemand eventuell das Spiel am Freitag, Dortmund – Bremen, gesehen? Das wird mir schwarz vor Augen, wie diese „namenlosen“ Bremer den Meister teilweise schwindelig gespielt haben. Die jungen Bremer wieselten, rannten, sprinteten – volle 90 Minuten. Weil sie es können! Und sie spielten zeitweise brillant, hatten Tempo im Spiel, viele großartige Ideen, sie standen kompakt, sie rückten schnell nach, und sie verteidigten blitzschnell, weil alle das Umschalten verinnerlicht haben. Wie gesagt, Bremen geht – wie der HSV – finanziell auch am Stock. Hat aber mit viel, viel Auge eingekauft, das ist der Unterschied.

Thorsten Fink sagte über seine Mannen: „Im Spielerischen haben wir noch ein deutliches Steigerungspotenzial. Die letzte Überzeugung fehlt, und daran müssen wir arbeiten.“
Vom körperlichen Vermögen sprach der HSV-Coach nicht. Das machte aber ARD-Kommentator Steffen Simon in der „Sportschau“. Er sagte nämlich, dass „der HSV in Schlussphase nichts mehr zuzusetzen hatte und körperlich am Ende seiner Kräfte wirkte.“ Das mag für ihn so ausgesehen haben, das sahen wohl auch einige (oder mehr?) HSV-Fans so, aber das muss ja nicht der Wahrheit entsprechen. Obwohl ich auch zu diesem Punkt eine besorgte Zuschrift erhielt:

„Lieber Dieter,
dein langjähriger Freund und interessierter Matz-ab-Leser möchte Dir eine Frage stellen, da Du ja näher an der Mannschaft und dem Trainer bist.
Was hat Herr Fink in der Vorbereitung in den Bereichen Ausdauer, Kraft u. Schnelligkeit trainiert????
Nicht nur nach meiner Meinung war die Mannschaft nach 70 Minuten k.o.
Über das Spiel gegen den Ball, Raumaufteilung und das Spiel nach vorne will ich gar nicht erst sprechen.
Wie soll das bloß mit unserm HSV weitergehen!!!!!!!!
Mit der Aussage von Herrn Fink: Wir arbeiten dran unsere Schwächen abzustellen, kann ich nichts anfangen . Nach so einer langen Vorbereitung auf die Saison.
Dein Freund Edgar“

Lieber „Edda“, kann ich da nur schreiben, das Training von Thorsten Fink unterscheidet sich überhaupt nicht von dem seiner Vorgänger Stevens, Labbadia, Veh und Jol. Heute wird wissenschaftlich trainiert, da muss eben nicht so geackert werden, wie zum Beispiel bei Felix Magath. Wird mir immer wieder gesagt – und irgendwie fange ich auch an, das zu glauben. Obwohl, das gebe ich zu, der Glaube fehlt mir gelegentlich dann doch wieder. Ich kann aber sagen, dass ich in den letzten Jahrzehnten immer dann, wenn ich beim Training war, nie wieder einen HSV-Spieler habe „auf allen Vieren“ vom Platz kriechen gesehen habe. Das gab es früher, bei Zebec, gelegentlich auch bei Happel, und auch bei Magath sehr wohl mal gesehen. Dann aber war irgendwann mal Ende mit dieser Schinderei. Wie gesagt: wissenschaftlich. Dauerrennen, das muss wohl in der heutigen Zeit nicht mehr sein. Obwohl, da fällt mir ein: Thorsten Fink hatte vor dem Pokalspiel in Karlsruhe auch noch gesagt: „Qualität kommt von Qual.“ Das hat er wohl mal von Felix Magath gehört – und übernommen.

Apropos arbeiten. Fink sagte zu diesem Punkt nach dem Nürnberg-Spiel: „Wir zeigen der Mannschaft nun auch Dinge, die sie besser machen kann, machen muss, das ist ja klar, man kann ja jetzt nicht loben, wenn man so anfängt – oder nicht viel loben. Man muss da hart ins Gericht gehen mit der Mannschaft in der Woche, man muss ihr aufzeigen, was sie besser machen muss, wo sie sich mehr zutrauen muss – wann sie das auch kann. Weil sie das doch in der Vergangenheit schon gezeigt hat, dass sie das kann. Und man muss im Training hart arbeiten – im Training härter arbeiten ist immer das Beste.“ Ganz genau!

Generell sagte Fink auch: „Wir haben das Zeug dazu, nicht da unten drin stehen zu müssen, wir müssen das Glück nur erzwingen – aber die letzte Überzeugung fehlt momentan.“ Und: „Wenn eine Mannschaft ein Jahr lang kritisiert wird, dann ein Pokalspiel verliert, dann strotzt sie nicht gerade vor Selbstbewusstsein.“ Wobei er, das hat Thorsten Fink auch gleich gesagt, nichts gegen diese Kritik der Kritiker (Medien) sagen wollte – denn die ist auch in seinen Augen berechtigt gewesen: „Ganz klar, wenn an Tabellenplatz 15 belegt, dann gibt es kein Lob, dann gibt es Kritik, das ist ganz normal.“

Thorsten Fink sagte dann aber auch noch – ganz wichtig: „Wir haben im Moment nicht die Überzeugung, in Führung gehen zu können. Die Mannschaft braucht auch einfach mal ein Erfolgserlebnis. Das fehlt uns einfach, um mal wieder Selbstvertrauen mitzunehmen. Wir brauchen mal wieder ein Erfolgserlebnis, damit wir dann auch spielerisch einfach mal wieder besser spielen.“
Mit Verlaub: ein Erfolgserlebnis? Eines? Zwei gab es eine Woche zuvor in Karlsruhe. Zweimal hat der HSV dort geführt, dann aber doch 2:4 verloren. Gefühlt war das damals ein 3:7, 3:8 – aber das steht auf einem anderen Blatt (der KSC spielte jetzt daheim immerhin 0:0 gegen Aachen!). Es liegt, das will ich damit nur sagen, nicht immer nur daran, was ein Trainer hofft, will und fordert. Ein Erfolgserlebnis? Bundesliga-Fußball ist kein Kindergeburtstag: Was hilft es, wenn es denn hinterher doch eine Niederlage gibt? Dann stellt sich so mancher Trainer (ich betone besonders: nicht Fink!) hin und schwadroniert: „Unser frühes Erfolgserlebnis tat uns gar nicht gut, denn da haben viele Spieler sofort gedacht, dass sie jetzt weniger tun könnten – und deswegen haben wir doch noch verloren . . .“

Im Hinblick auf das Werder-Spiel sagte Thorsten Fink: „Gerade den Spielaufbau können wir viel besser, das haben wir auch schon viel besser gemacht, daran müssen wir arbeiten. Bremen hat eine ähnliche Ausgangsposition wie wir, hat nun allerdings ein Heimspiel. Da können wir dann mal sehen, ob wir dort ein wenig befreiter aufspielen können, weil wir dann auswärts spielen – in unserer Situation ist es vielleicht schwieriger, zu Hause zu spielen.“

Ja, verbal ist das ohnehin eine ganz spezielle Sache im Fußball. Manchmal sollen die Fans getröstet werden, manchmal werden sie nur mit schönsten Sätzen vertröstet, gelegentlich auch auf die Schippe genommen – um es nicht noch drastischer zu formulieren.

Zum Beispiel sagte Sportchef Frank Arnesen heute zur Lage des Vereins: „Ich habe ganz etwas Anderes erwartet, als eine solche Premiere in unserem eigenen Stadion. Natürlich sind wir alle sehr enttäuscht, natürlich sind auch die Spieler enttäuscht. Wir können es viel besser, das haben wir in der Vorbereitung gezeigt. Die letzten beiden Spiele haben doch nicht die Qualität unserer Spieler gezeigt, denn wir haben auf Mallorca gewonnen, in Südkorea gut gespielt – da haben wir besseren Fußball von uns gesehen. Nun versuchen wir, die Köpfe klar zu kriegen von den negativen Sachen, die uns in den letzten Wochen überkommen sind. Weil wir nun zwei Wochen nicht gut gespielt und keinen Erfolg gehabt haben.“

Ist das schon Abstiegskampf, Herr Arnesen? Er sagt: „Wir stehen nicht vorne, das ist klar, aber es sind noch 33 Spiele vor uns, da ist es schon sehr früh, etwas zu sagen. Im Moment aber, das ist klar, sehen wir nicht gut aus, und das ist schon enttäuschend.“

Ist das nun Trost? Vertröstend? Oder ist das „auf die Schippe genommen“?

Frank Arnesen wurde natürlich nach Verstärkungen gefragt. Er sagt: „Ich habe noch fünf Tage Zeit, um etwas zu kriegen. Und ich hoffe, dass es mir gelingen wird.“ Was ist mit Rafael van der Vaart? Arnesen: „Das will ich nicht kommentieren, er ist im Moment Spieler bei Tottenham. Ich sage nur: Ich schließe nichts aus, im Fußball kann man nie etwas ausschließen, wir werden es am Freitag, wenn die Transferliste schließt, erleben, was passiert.“ Spürt er Druck? Spürt er, dass er mehr und mehr selbst unter Druck gerät? Arnesen holt Luft und lächelt: „Ich spüre immer Druck, aber das ist kein Problem. Ich kann besser mit Druck umgehen, als die Spieler.“

Sport1-Reporter Sven-Arne Görn fragte Arnesen dann: „Wieso sind alle anderen Klubs mit ihren Verstärkungen längst durch, aber der HSV nicht. Wieso hat das nicht geklappt?“ Darauf der Sportchef: „Wir haben das, so glaube ich, ganz gut getan. Wir haben Rene Adler sehr früh getan, wir haben Rudnevs früh getan, wir haben Beister zurückgeholt, und wir haben Milan Badelj. Das ist eigentlich ganz gut. Vor Saisonbeginn haben wir analysiert, auf welchen Positionen wir Verstärkungen brauchen. Und wir haben gesagt, dass wir einen spielerisch starken Sechser brauchen – und das ist Badelj. Leider ist es so, dass er erst am Mittwoch zu uns kommen wird.“

Natürlich gab es ob dieser 0:1-Niederlage enorm viele Zuschriften, Mails, Anrufe. Ich möchte mich aber nur noch auf die eine Mail von „steve1978“ beschränken.

Er schreibt:

„Auch ich war vom dem Spiel enttäuscht. Aber hat es mich gewundert NEIN.
Der Kader ist aus meiner Sicht gut für ein sicheren Mittelplatz. Aber als Spieler hätte ich allein auf Grund der Ereignisse während der Vorbereitung keine einzige Sekunde Lust mit der Raute auf der Brust rum zu laufen. Warum? Weil von diversen Seiten kommt DU bist zu schlecht. Selbst Herr Seeler (wahrlich zu seiner Zeit ein guter Fussballer und ich glaube auch mit Raute im Herzen) macht die Spieler nieder (Als Präsi 2 mal selbst in Abstiegsnot, aber heute über den Kader meckern). Fast alle wollten den Umbruch, aber bei diesem Umgang von Fans und diversen Medien, wird es ein Umbruch a la 1.FC Köln.

Wieviele Trainer wurden hier vom Hof gejagt (Herr Veh – Wiederaufstieg mit der Eintracht heute Sieg gegen Bayer. Labbadia letzte Saison erfolgreich mit Stuttgart und guter Einstand diese Saison. Herr Favre wurde bereits zerissen bevor er kommen sollte). Das FA praktisch keine guten Spieler aus der D bekommt, liegt vielleicht auch daran, dass keiner zu diesen Fans und Medien des HSV kommen möchte. Natürlich gibt es viele Dinge, die der HSV verbessern kann, aber die Saison hat begonnen und am 31.08. endet die Transferfrist. Wollen wir unseren Spielern dann weiterhin jeden Tag sagen IHR SEID SCHEISSE?

Wer von diesen Personen (Herrn Matz muss ich hier leider einschliessen) würde dann noch einen guten Job abliefern, wenn er in dieser Form auf der Firma begrüsst wird. In der Arbeitswelt nennt man das Neu-Deutsch Mobbing und kann nachweislich zu psychischen Problemen führen! Aber sicher nicht zu besseren Arbeitsleistungen.

Glaubt einer von Euch wirklich, die Spieler verlieren mit Absicht. Ja, vielleicht können sie und der Trainer es nicht besser. Aber neue Spieler kann sich der HSV kaum leisten, die ständien Trainerwechsel haben nichts bewirkt. Deshalb die Bitte an ALLE. Lasst uns die Spieler unterstützen. Denn schlimmer kann es nicht werden und vielleicht überrascht uns die Mannschaft mit unserer Unterstützung mit positiveren Ergebnissen, denn gemäß der meisten Medien sind wir doch schon am ersten Spieltag abgestiegen. Also kann uns doch nichts schlimmeres mehr passieren.

Zur Klarstellung: Es geht mir nicht darum irgendetwas aus der letzten Saison oder dem heutigen Spiel schön zu reden, aber weder wir noch die Spieler können es ändern. Die Zukunft können wir ändern auch mit positiver Unterstützung!“

So, das war Steve. Wir alle, die Kritik an diesem HSV üben, sollen uns also mäßigen. Weil sich die Spieler sonst nicht entfalten können. Wer niedergemacht wird, der hat kein Selbstvertrauen, der schafft nichts, setzt keinen Fuß mehr vor den nächsten. Felix Magath hat, wenn ich ihm zu sentimental wurde, einst immer zu mir gesagt: „Matz, die bist ein Amateur und bleibst ein Amateur. Ein Profi hat zu funktionieren, sonst soll er den Job an den Nagel hängen und kein Profi mehr sein.“

So könnte es sein. Weil die Fußball-Profis ja auch ordentlich bezahlt werden, mit viel Selbstvertrauen Autogramme schreiben, von Fans umlagern, hofiert und gefeiert, weil sie nach nur einem gelungene Hackentrick gleich Star genannt werden. Das alles klingt doch nicht ganz so schlecht, oder? Und wenn ein Maurer, ein Schlachter oder ein Bäcker eine schlechte Arbeit abliefert, weil er seinem Job nicht mehr (oder noch nie) gewachsen war, dann meckert der Chef auch schon mal. Und einige Chefs werden dann sogar rabiat und schmeißen den Nichtskönner raus. Und ob der (Nichtskönner) dann noch genügend Selbstvertrauen für den nächsten Job hat, wage ich mal zu bezweifeln. Es ist eben alles wie im richtigen Leben. Auch dann, wenn einem Fußball-Profi, der etwa eine Million Euro im Jahr (der eine mehr, der andere weniger) kassiert, bescheinigt wird, dass er nicht in der Lage ist, die in ihn gesetzten Hoffnungen zu erfüllen.

Nein, ich sage ganz klar, diese HSV-Profis, die müssen in erster Linie sich selbst aufbauen, vom Trainer aufgebaut werden, von den Kollegen motiviert und unterstützt werden. Es kann doch nicht sein, dass die Medien nach einer Heimpleite gegen den ebenfalls schwachen 1. FC Nürnberg so oder ähnlich reagieren: „Kopf hoch, Jungs, ihr seid viel besser als euer Ruf“ – oder mit „Kompliment Jungs, ihr habt nur 0:1 gegen Nürnberg verloren – das wird noch“ – oder auch: „Auf ihr Männer, ihr packt es, ganz sicher, denn es gibt viel Schlechtere als euch“. Vielleicht auch noch: „Wie können wir euch helfen, Männer?“

Welcher Fan und welcher Spieler beklagt sich denn schon umgekehrt, dass es von den Medien nach einem 1:0-Sieg gegen einen schwachen Club Lob über Lob von den Medien gibt? Ich habe noch keinen erlebt, der sich darüber beschwert hat. Das wird nämlich in aller Regel ganz heftig genossen. Da platzt so machen Brust vor Stolz.

Schlusswort zu diesem Komplex von Thorsten Fink: „Wir sind selber für uns verantwortlich, um gute Leistungen zu bringen und positive Schlagzeilen zu bekommen, das muss uns nur jetzt ganz schnell gelingen.“

Vielleicht hilft dabei ja auch der tschechische EM-Star Petr Jiracek (26) mit. Mit dem soll sich der HSV einig sein. Mit dem Spieler und (fast auch) mit dem abgebenden VfL Wolfsburg. Wenn alles gut geht, und danach sieht es aus (und ich gehe auch zu 100 Prozent davon aus!), ist dieser Transfer vielleicht schon an diesem Montag, spätestens aber am Dienstag unter Dach und Fach. Und dann hätte der HSV auf jeden Fall wieder mehr Qualität unter Vertrag genommen – mit Jiracek (und dazu Badelj) keimt dann doch wieder etwas mehr Hoffnung auf. Obwohl sich vorne ja immer noch nichts getan hat.
Und, falls ich nach van der Vaart gefragt werden sollte, ich glaube nicht, dass der Niederländer von Tottenham noch in diesen Tag nach Hamburg und zum HSV kommen wird. Das Gesamtpaket ist einfach zu teuer – wohl auch für Geldgeber Klaus-Michael Kühne. Für den HSV allein ist es ohnehin unerschwinglich, das würde selbst in vier, fünf Jahren nichts werden. Deswegen denke ich, dass Rafael van der Vaart kein Thema mehr für den HSV sein wird. Obwohl Frank Arnesen ja immer sagt: “Im Fußball sollte man nie etwas ausschließen . . .”

Dann ging es im Stadion, kleiner Themenwechsel zurück zum aktuellen Geschehen, ja auch noch hoch her, als Thorsten Fink in der 58. Minute Robert Tesche für Jacopo Sala einwechselte. Es gab viele Pfiffe für diese Personalie. Fink aber stellte klar: „Diese Pfiffe galten nicht Robert Tesche, sie galten dem Wechsel. Weil die Fans gerne Maximilian Beister gesehen hätten. Ist ja auch klar, er kommt aus Hamburg. Ich aber habe nach taktischen Überlegungen gewechselt. Wir haben im Training mal 4:2:3:1 gespielt, dann auch mal 4:4:2, ich wollte das System wechseln – aber das hat nicht geklappt, denn wir haben ja verloren. Ich habe aber Robert Tesche gebracht, weil er noch der torgefährlichste Mittelfeldspieler ist. Ich wollte mit Heung Min Son nicht noch einen Stürmer rausnehmen.“

In der 70. Minute kamen dann ja noch Artjoms Rudnevs und Maxi Beister für Per Ciljan Skjelbred und Son. Für viele viel zu spät, denn Son und Marcus Berg hatten bis dahin quasi nicht stattgefunden, von diesen beiden Spielern ging null Torgefahr aus. Immerhin, das gebe ich gerne zu, zeigten Beister und Rudnevs dann viel mehr Leben – und der Lette deutete seine Gefährlichkeit auch einige Male noch deutlich an. Das macht Hoffnung. Ein Versuch ist es mit „Rudi“ wert, ganz klar. Denn harmloser als zuvor in den 70 Minuten kann der HSV ja auch gar nicht mehr spielen.
Für mich, das muss ich an dieser Stelle ganz klar (und immer und immer wieder) sagen, ist es nach wie vor unfassbar, und ich wiederhole „unfassbar“, dass das beim HSV immer noch keiner erkannt hat, dass man mit diesem „Sturm“ nicht mal den „Erwin-Seeler-Pokal“ gewinnen würde. Nicht den „Erwin-Seeler-Pokal“, noch den „Horst-Eberstein-Pokal“. Es ist einfach lächerlich, dass dieses Manko nicht erkannt wird.

Wo und wie endet dieser Weg?

Bitte hilf, lieber Fußball-Gott, bitte gebe den HSV-Verantwortlichen noch eine weitere Eingebung, dass sie noch erkennen, dass es so nichts wird. Besser spät als nie. Bitte, bitte, hilf!

PS: Ich leide mit dem HSV, ich sorge mich um diesen HSV.

PSPS: Am Montag ist trainingsfrei.

19.03 Uhr

0:1 – das wird ein ganz harter Weg

25. August 2012

Der Sportchef begleitete die Mannschaft vom Platz in die Kabine, die HSV-Spieler schlichen ebenso wie Frank Arnesen total konsterniert vom Rasen. Kurz zuvor hatten sie sich im Norden der Arena, bei ihren größten und treuesten Anhängern, alle eine blaue Nase abgeholt. Gnadenlos wurden die Spieler ausgepfiffen. Berechtigt, denn der HSV hat sein Auftaktspiel gegen den 1. FC Nürnberg mit 0:1 verloren. In einem schwachen Spiel. Besonders schlimm an dieser Pleite war, dass der Sieger ganz sicher nicht besser als der Verlierer war. Von zwei schwachen, harmlosen Mannschaften mit herzlich wenig Qualität hatte der HSV das Pech, dass der Ball einmal den Weg in sein Netz gefunden hatte. Eigentlich wäre diese Partie mit einem 0:0 bestens bedient gewesen. Grausam, dieser Start, denn nun geht es für den HSV nach Bremen und Frankfurt, dann kommt Dortmund. Es darf, und viele hatten es so erwartet, gleich vom ersten Spieltag an gezittert werden. Das wird diesmal ein ganz harter Weg.

Endlich wieder Bundesliga! Ein Traum. Und traumhafte Bedingungen für beide Mannschaften. 23 Grad, der Rasen ein Teppich, die Sonne schien, das Stadion mit 50 123 Zuschauern bestens besucht – Fußballherz was willst du mehr. „Moin, Moin, Kritiker, der HSV ist unabsteigbar, wir sind immer noch da!“ So prangte es auf einem Plakat im Norden. Und er Tat, der HSV ist wieder da! Und war auch ganz sicher gewillt, hier etwas zu reißen. Alle Spieler sprühten und waren mit dem Anpfiff in Bewegung, es wurde gekämpft, gelaufen und mehr oder weniger auch gespielt. Letzterer Punkt war allerdings nicht genau zu klären, denn in den ersten 45 Minuten glich diese Begegnung einem Fehlpassfestival. Was sich allein Jacopo Sala und Michael Mancienne in den ersten zehn Minuten erlaubten, das war katastrophal. Wobei der Italiener klar die Nummer eins war – in Sachen Ball zum Gegner bringen.

Typisch aber: Heiko Westermann erlaubte sich in der 16. Minute seinen ersten Fehlpass, da lag Sala schon uneinholbar mit 18:9 gegenüber Mancienne in Führung, aber für wen gab es Pfiffe? Natürlich, für den Kapitän. Das ist normal, das wird schon erwartet, das ist wohl auch völlig verdient. Wer einmal bei diesem fairen HSV-Anhang in Ungnade gefallen ist, der hat zu kämpfen, bevor es eine Begnadigung gibt. Westermann hat sie ganz offenbar nicht verdient, obwohl er sich für seine Mannschaft stets den Hintern aufreißt, und zwar von den Schulterblättern bis zur Brust – einmal untenrum.

Wie gesagt, die Kugel ging wie bei einem Flipper von Freund zu Feind und wieder zurück. So schnell konnten einige Fans gar nicht gucken. Hin und her, das war Hochgeschwindigkeitsfußball der etwas anderen Art. Und mitunter gab es sogar den einen oder anderen Torschuss. Nürnberg schoss häufiger, die beiden besten Chancen in den ersten 45 Minuten hatte der HSV. In der 24. Minute brachte Dennis Aogo einen Freistoß von halbrechts vor das Tor der Clubberer, Westermann stieg zum Kopfball hoch und brachte die Kugel auch auf das Tor, doch Keeper Schäfer hielt prächtig. Pech für den HSV. Und in der 41. Minute schoss Aogo aus der halblinken Position mit rechts, der Ball hätten den Weg ins Netz gefunden, wurde aber doch noch abgefälscht – nur Eckstoß für den HSV. Noch einmal viel Pech.

Und dazu gesellte sich dann auch noch Glück. Doch Glück hat auf Dauer ja auch nur der Tüchtige – oder? Zuvor hatte es noch „Aufwachen“-Rufe aus dem Norden gegeben, wobei nicht geklärt wurde, wer aufwachen sollte? Die restlichen Fans? Oder die Mannschaft? Oder die Mannschaften? Dann das: Sekunden vor dem Halbzeitpfiff des guten Schiedsrichters Marco Fritz (SV Breuningsweiler) Eckstoß für den Club. Den wuchtige Kopfball von Klose hielt Rene Adler super, den Nachschuss von Esswein ebenfalls. Da hätte es auch leicht mit einem 0:1-Rückstand in die Pause gehen können.

Der schien 120 Sekunden nach Wiederbeginn eigentlich unvermeidbar. Nürnberg spielte sich durch, plötzlich tauchte Frantz völlig frei vor Adler auf. Tor? Das war eine „Hundertprozentige“, aber es gab doch keinen Treffer. Der HSV-Keeper hielt den Schuss, wie auch immer, sensationell – das war ein „Unhaltbarer“.

Thorsten Fink wechselte. In der 58. Minute musste Sala in die Kabine, dafür kam Robert Tesche. Und wurde mit Pfiffen begrüßt. Das Volk hat eben eine etwas andere Meinung – und tut sie kund. Eine Minute später riefen die Anhänger aus dem Norden: „Wir woll’n den Beister seh’n, wie woll’n den Beister seh’n.“ Für Tesche wohl eine ganz besondere ein ganz besonderer Ansporn, denn er hatte in den folgenden zehn Minuten mehr Szenen als Vorgänger Sala in einer Stunde . . .

Nürnberg aber wurde stärker. Und hätte in der 61. Minute in Führung gehen müssen. Nach einem Eckstoß köpfte der völlig freistehende Balitsch den Ball aus fünf Metern vorbei. Der HSV reklamierte Abseits, aber auf der Torlinie hatte Per Ciljan Skjelbred diese Szene verpennt, er stand in Treue fest am Pfosten, als die Kollegen alle schon rausgelaufen waren. Das hätte ins Auge gehen können.

Ging es dann aber 120 Sekunden später. Eckstoß für den Club, den schoss Kiyotake zur Minute, Nilsson köpfte, nachdem er sich von Michael Mancienne gelöst hatte, an die Latte, und den Nachschuss stocherte dann der ehemalige Hannoveraner Balitsch ins Netz – 0:1.

Fink reagierte mit einem Doppelwechsel. Maximilian Beister und Artjoms Rudnevs kamen für Heung Min Son und Skjelbred. Und fast hätte es schon zum 1:1 gereicht. Ein 25-Meter-Freistoß von Aogo, eigentlich als Kopfballvorlage gedacht, flog auf das Nürnberger Tor, der Ball schien unhaltbar – doch Schäfer flog und lenkte die Kugel noch an den Pfosten, Chance dahin (72.). Eine ebenfalls sensationelle Parade, diesen Ball hatten die meisten Zuschauer schon im Tor gesehen. Leider nur gesehen . . .

Die Einzelkritik:

Rene Adler hielt großartig, er war der beste Hamburger.

Dennis Diekmeier bot eine solide Leistung, ohne gravierende Fehler.

Jeffrey Bruma räumte gut auf und gut ab, an ihm lag es sicher nicht, dass es eine Niederlage gab.

Michael Mancienne ging ebenfalls gut zur Sache, verteidigte eigentlich souverän – wenn es da nicht diese vielen Abspielfehler gegeben hätte.

Dennis Aogo war der Standardkönig des HSV, seine Freistöße und Eckbälle kamen diesmal sehr gut, ansonsten wie immer sehr engagiert und laufstark, wenn auch nicht fehlerlos.

Jacopo Sala fand nie zu seinem Spiel, war ein Fremdkörper.

Heiko Westermann gab alles, stopfte Löcher, ging weite Wege – vorbildlich.

Heung Min Son war fast ein Totalausfall.

Per Ciljan Skjelbred blieb harmlos, blass, obwohl er nach wie vor viel Aktionismus versprüht. Aber es kommt nichts dabei rum.

Marcell Jansen taute erst gegen Ende des Spiels auf, hatte in der Nachspielzeit eine große Möglichkeit, doch er traf mit dem Kopfball nur die Latte.

Marcus Berg war ein Totalausfall.

Die Einwechselspieler:

Robert Tesche zeigte viel mehr, als so mancher der vorher schon dabei war.

Maximilian Beister wollte viel, in seinem Übereifer machte er sich selbst viel zunichte.

Artjoms Rudnevs machte noch einmal viel Wind, rannte, kämpfte, biss – aber er schaffte nichts mehr. Dabei war er wenigstens noch hundertprozentig bemüht.

„Moin, Moin, Kritiker – der HSV ist unabsteigbar.“ Diesmal auch? Da muss noch viel passieren, bevor es auch diesmal klappen sollte . . .

17.38 Uhr

Magath akzeptiert HSV-Angebot für Jiracek – und Doll plädiert für van der Vaart

24. August 2012

Thomas Doll ist ein Mann, mit dem ich mich sehr gern unterhalte. Soweit ich mich zurückerinnern kann, gab es nie zwei Tage in Folge, an denen Thomas Doll, der nicht mehr Dolly genannt werden mag, schlechte Laune hatte. Zumindest ließ er das sein Umfeld nie spüren. Spieler bekamen nach miesen Leistungen ihr Fett weg, klar. Aber sie wurden auch in den Arm genommen und aufgebaut, wenn es mal nicht so lief. Und Unbeteiligte traf die zeitweilige Wut des ehemaligen HSV-Profis und -Trainers eigentlich nie. Seine Wutrede in Dortmund („Da lach’ ich mir den Arsch ab“) ist unvergessen – ebenso wie seine tollen Jahre beim HSV. Und damit meine ich nicht nur unsere Erinnerungen, sondern vor allem die von Doll selbst. Immer wieder, wenn er über den HSV spricht, ist er begeistert und betont, wie sehr ihn die Zeit in Hamburg geprägt und an den Klub gebunden hätte. Und ich bin mir ganz sicher, dass der ehemalige Nationalspieler nicht zweimal überlegen müsste, wenn ihm beim HSV irgendwann einmal der Trainerposten ein zweites Mal angeboten würde.

Allerdings ist das Thema nicht aktuell. Dafür aber Rafael van der Vaart, den Doll 2005 zusammen mit Sportchef Dietmar Beiersdorfer in Sechs-Augen-Gesprächen (wenn Sylvie nicht dabei war…) zum Wechsel nach Hamburg überredete. Und noch heute schwärmt Doll für van der Vaart, legt dem HSV den Wechsel der ehemaligen Nummer 23 (ist nach Rajkovic’s Suspendierung eh wieder frei…) dringend ans Herz – vorsichtig formuliert. „Das wäre genial, dieser Transfer würde den ganzen Verein, die ganze Mannschaft mitreißen“, schwärmt Doll, „van der Vaart ist ein Gewinn, als Spieler und als Persönlichkeit. Ich hoffe und wünsche mir, dass dieser Transfer über die Bühne geht.“

Laut englischen Medien wird daraus nichts mehr. Heute vermeldete das englische Internetportal „MailOnline“, dass sich der Deal mit van der Vaart nach Hamburg bereits zerschlagen hätte. 9,5 Millionen Pfund seien ausgehandelt gewesen, ehe der nicht namentlich benannte HSV-Boss mitgeteilt habe, dass es ohne die Hilfe von Klaus Michael Kühne nicht ginge und der HSV daher Abstand nehmen müsste von der Rückholaktion van der Vaarts. Eine Meldung, die anschließend noch angereichert wurde mit Statements von Tottenhams Trainer Andre Villas-Boas, der auf van der Vaart zählen würde und ihn als „extrem wichtigen Spieler für die Mannschaft“ bezeichnete.

Meldungen, die beim HSV nicht bestätigt wurden. Im Gegenteil: Beim HSV heißt es weiterhin, dass an der Rückkehr van der Vaarts mit Hochdruck gebastelt wird. Die Finanzen machten es schwerer, aber es würde zumindest versucht.

Ein Umstand, der Doll ein breites Grinsen aufs Gesicht zaubert. Dass der HSV kein Geld hat, weiß Doll. Das war im Jahr 2005 nicht groß anders. Damals schaffte es der HSV dennoch, für rund neun Millionen Euro Nigel de Jong, Thimothee Atouba, Guy Demel und Rafael van der Vaart nach Hamburg zu lotsen. Eine Bilanz, die zeigt, was trotz kleinen Geldbeutels möglich ist. Und auch deshalb plädiert Doll dafür, jedes halbwegs überschaubare Risiko einzugehen, wenn die Chance besteht, van der Vaart nach Hamburg zu lotsen. „Klar, van der Vaart ist teuer, aber man sollte finanziell alles reindrücken, was zur Verfügung steht, um das zu realisieren. Wenn Rafael kommt, dann ist es egal, ob sonst noch etwas passiert. Rafael ist ein Spieler, der es gewohnt ist, Verantwortung zu übernehmen. Das würde er schultern, keine Frage. Ich bin sicher, dass er es allen zeigen wollen würde, in ihm den Richtigen geholt zu haben.“ Mehr noch, so Doll, der niederländische Nationalspieler würde den HSV mit einem Schlag eine Klasse stärker machen. „Er ist ein Spieler, der den Rhythmus bestimmt, der sich auch in brenzligen Situationen nicht versteckt, der nie die Ruhe und die Übersicht verliert. An ihm könnte sich jeder orientieren. So einen Mann im Team zu haben, wäre gerade für die vielen jungen Leute enorm wichtig.“
Zu denen dürfte der erfahrene Nationalspieler Petr Jiracek, 26, nicht mehr zählen. Inzwischen scheint der Wechsel des Tschechen zum HSV nur noch eine Frage der Zeit – und des Geldes. Der HSV erhöhte sein Angebot um 500000 auf vier Millionen Euro. VfL-Trainer und Sportchef Felix Magath willigte grundsätzlich ein. Zumindest ist der ehemalige HSV-Profi, -Manager und –Trainer, der deutlich intensiveren Kontakt zum HSV hatte als ihm nachgesagt wurde, einverstanden. Jetzt geht s nur noch darum, dass Magath zu den vier Millionen Euro Ablösesumme noch zusätzliche Klauseln in den Ablösevertrag einbauen möchte, die den Niedersachsen weitere Euro im Falle des HSV-Erfolges garantieren. Es ist also nur noch eine Frage der zeit (und des Geldes…) bis Jiracek, der schon nicht mehr mit der Wolfsburger Mannschaft nach Stuttgart reist, in Hamburg vorgestellt wird.

Und das ist ein Deal, über den ich mich freuen würde. Dabei ist es mir auch egal, dass nicht der HSV den Spieler sondern der Spieler den HSV gefunden hat. Mehr noch: es spricht doch für Jiracek, dass er ein mögliches Angebot aus Sevilla für den HSV vernachlässigt und trotz erhöhten Drucks von Magath bei seiner Entscheidung bleibt, zum HSV zu wechseln. „Jiracek ist einer, der ein ganz Großer werden kan2, hatte mir David Jarolim vor der EM über seinen Landsmann gesagt. Theodor Gebre Selassie, der jetzt bei Werder spielt sowie Pilar (Wolfsburg, Kreuzbandriss) und Jiracek hatte der ehemalige HSV-Kapitän bei den Tschechen hervorgehoben – und damit recht behalten. Alle drei überzeugten. Pilar wahrscheinlich am stärksten, aber auch Jiracek steuerte zwei Treffer bei und fiel durch seinen unermüdlichen Einsatz und seine Zweikampfstärke auf. Kurzum: das ist ein richtig Guter für den HSV. Sollte jetzt noch van der Vaart dazukommen – kaum auszudenken, wie schnell sich in Hamburg die Stimmung drehen würde.

Für das Spiel gegen Nürnberg dürfte das Ganze jedoch noch keine allzu großen Auswirkungen haben. Dort wird der HSV noch mit dem „alten“ Personal antreten. Voraussichtlich so: Adler – Diekmeier, Mancienne, Bruma, Aogo – Skjelbred, Westermann – Sala, Son, Jansen – Berg. Ergo: mit nur einem Neuen, wobei Trainer Fink auch in Karlsruhe kurzfristig auf Beister zurückgriff. Dennoch erscheint die o.g. Aufstellung sehr wahrscheinlich, da Fink selbst sie unter der Woche so im Training hatte üben lassen.

Bleibt die Frage: was dürfen wir von dem Saisonauftakt erwarten? In unserer traditionellen Tipprunde tippe ich wie schon in den 408 anderen Bundesligaspielen seit 2000 natürlich auf HSV-Sieg. Was hab ich von einem richtige Tipp, wenn der HSV verliert?

Richtig, keinen Spaß.

In diesem Sinne, hoffen wir, dass mein Tipp wenigstens tendenziell richtig ist und der HSV in den nächsten Tagen personell nachlegt. Dann könnte die Aufstellung für das Spiel in Bremen schon etwas anders aussehen: Adler – Diekmeier (oder Lam), Bruma (Mancienne), Westermann, Aogo – Beister (ich würde bei entsprechender Trainingsleistung auch Ilicevic rechts aufbieten), Badelj, Jiracek, Jansen – van der Vaart – Son (Berg). Aber egal, bis dahin erst einmal volle Konzentration auf die Partie gegen Nürnberg. Die wird schwer genug.

Bis morgen!
Scholle

P.S.: Etwas überraschend reiste Trainer Thorsten Fink am Vorabend des eigenen Bundesligaauftaktes zum Auftaktspiel nach Dortmund „Den nächsten Gegner beobachten“, so Fink, der mit Cotrainer Patrick Rahmen um 16.30 Uhr das Stadion eilig verließ.

In eigener Sache: Zum Saisonstart gibt es für alle Abendblatt-Leser einen besonderen Preis zu gewinnen. Mit der Imtech AG verlost das Hamburger Abendblatt zwei Business-Seats für ein HSV-Heimspiel der Wahl. Der besondere Clou: Der Gewinner erhält am Vortag des Spiels eine exklusive Führung durch das gesamte Stadion – auch in den Bereichen, die öffentlich nicht zugänglich sind. Rufen Sie bis zum 28. August, 10 Uhr, die Abendblatt-Gewinnhotline Tel. 0137/808 40 11 60, Stichwort: „Imtech“ (50 Ct./Anruf aus dem Festnetz) an und nennen Sie das Stichwort sowie Namen, Telefonnummer und Adresse. Teilnahme ab 18. Mitarbeiter und Angehörige der Axel Springer AG (und deren Töchter) und von der Imtech AG sind von der Teilnahme ausgeschlossen. Der Gewinn kann nicht bar ausgezahlt werden. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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