Monatsarchiv für Juli 2012

Der Knüller von gestern, der Knüller heute: HSV gegen den FC Barcelona

23. Juli 2012

Danke! Vielen Dank dafür, dass ihr durchgehalten habt. Ich hatte mich während dieser weltrekordverdächtigen Sommerpause zwischendurch mal schnell ausgeklinkt, aber, er der Betrieb ging ja munter weiter – und dafür danke ich euch. Aber ich danke auch vor allem „Scholle“, der die Vertretung toll erledigt hat, und ich, das muss endlich auch einmal gesagt werden, danke auch dem großartigen Moderatoren-Team, das wirklich klasse Arbeit leistet und geleistet hat. Vielen Dank dafür. Und die Sommerpause ist zum Glück ja auch noch nicht beendet, denn es dauert ja noch über einen Monat, bis in der Bundesliga wieder der Ball rollt – vielen Dank, Deutsche Fußball-Liga, für diese lange Auszeit, gerade wir Hamburger brauchten nach dem Dilemma der Saison 2011/12 diese Bundesliga-Abstinenz zur völligen Erholung. Obwohl einige wohl auch noch diesen Monat und vielleicht auch noch den einen oder anderen Monat gerne mehr benötigen würden . . . Aber da muss man mal hart gegen sich selbst sein. Viele Dauerkarten-Inhaber, die zuletzt darauf pfiffen, dass sie diese Karte hatten (und dem Volkspark fern blieben!), sind inzwischen – dank der langen Sommerpause des Vergessens und Verdrängens – umgekippt und haben ihre Karte wieder entgegengenommen. Ich sage ja immer, dass genau diese HSV-Anhänger ihr Ticket nicht mit Geld, sondern mit der Hoffnung bezahlt haben.
Bravo! Ihr seid die wahren Fans, solche treuen Anhänger gibt es wahrscheinlich nur in Hamburg.

Der HSV hängt ja im Moment (in dem ich hier schreibe) noch in der Luft, auf dem Wege von Südkorea nach Hamburg. Mit reichlich Geld im Gepäck – und das ist auch gut so. Und es gibt ja noch mehr. Vom Spiel der Spiele, nämlich von der Dienstags-Partie gegen den FC Barcelona, erhofft sich der HSV ja auch mindestens einen Gewinn von einer halben Million Euro. Diese Summe trotz der Millionen-Gage, die es für die für ein paar Stunden nach Hamburg kommenden Weltstars des FC Barcelona gibt. So lässt sich natürlich super Geburtstag feiern, selbst wenn es schon der 125. ist.
Hoffentlich spielt der HSV nie so (oder nicht so oft), wie es auf seiner Geburtsurkunde steht.

Das Spiel gegen die Katalanen ist restlos ausverkauft, es wird ganz sicher ein stimmungsvoller Abend. Die Begegnung wird um 18 Uhr angepfiffen und wird in der ARD live übertragen – ein Trost für alle, die sich vergebens um eine Karte bemüht haben.

Apropos Karte. Zu diesem Thema bekam ich folgende Zuschrift, vielleicht kann diesem HSV-Fan einer von euch helfen – ich weiß im Moment noch keinen Rat, da bin ich ehrlich. Aber vielleicht hat einer von euch ja Ähnliches erlebt und weiß weiter:

„Hallo Herr Matz,

mir hat der HSV wortwörtlich die Schuhe ausgezogen, denn heute habe ich ein Schreiben von einer Anwaltskanzlei erhalten, die im Auftrage des HSV mich angeschrieben hat. Es wird eine Vertragsstrafe über 500 Euro zzgl. ca. 220 Euro Anwaltskosten verlangt.

Was war passiert?

Ich bin aktuell krankgeschrieben, und da ich nicht weiß ob ich bis zum Jubiläumsspiel am Di. wieder fit bin, habe ich gestern kurzfristig meine beiden Stehplatz-Karten bei ebay für 1 Euro eingestellt. Nach wenigen Stunden hatte ich eine Mail vom HSV-Ticketservice erhalten die mich darauf aufmerksam gemacht haben dass es verboten ist,
und dass ich die Tage Post vom Anwalt erhalten werde, zudem werden die Tickets sofort storniert.

Ich habe nicht als gewerblicher Händler gehandelt, ich wollte lediglich meine beiden Tickets verkaufen bevor ich drauf sitzen bleibe, und nun das! Keine Abmahnung oder sonstiges, sondern sofort Post vom Anwalt mit Forderung einer Vertragsstrafe!

Ich bin 33 Jahre jung, bin vor 4 Jahren von Bremen hierher nach HH gezogen um endlich in meiner Traumstadt zu leben, und um auch meinen Verein näher zu sein. Seit 7 Jahren bin ich Mitglied, seit 3 Jahren habe ich eine Dauerkarte – der Verein ist meine große Leidenschaft – und nun schickt mir mein Verein einen Anwalt auf die Matte…

Momentan weiß ich gar nicht was ich noch vom HSV halten soll, aber passt ja irgendwie gerade voll ins Bild – der Verein braucht Geld!

Ich hatte natürlich gestern sofort den Herrn vom Ticketservice zurückgeschrieben und mich dafür entschuldigt, aber da war die Sache schon an den Anwalt übergeben. Na gut, ich habe auch mal im letzten Jahr Tickets verkaufen müssen weil ich ebenfalls krank war, aber ich mache es doch nicht gewerblich.

Natürlich hat der HSV AGB’s die alles regeln, aber dennoch finde ich diese Vorgehensweise nicht in Ordnung!

Ich bin nun echt schon am überlegen ob ich meine Dauerkarte und Mitgliedschaft kündige, da mich dieses alles sehr traurig macht. Was hat man die Jahre immer mitgefiebert und mitgezittert, hatte mir sogar extra Sky besorgt, habe einige Auswärtsfahrten mitgemacht um meinen Verein zu unterstützen, und nun sowas.

Wie Sie lesen bin ich ziemlich am Boden, und weiß nun wirklich nicht wie ich zum HSV stehen soll. Bisher war der Club immer eine Herzensangelegenheit für mich.

Vielleicht haben Sie ja einen Rat?

Würde mich freuen von Ihnen zu hören!

Viele (blau-weiß-schwarze) Grüße, H. B.“

Ja, das tut mir Leid, aber wie gesagt, ich weiß zurzeit auch nicht, was man da machen kann – eventuell läuft mir ja beim Barcelona-Spiel ein Verantwortlicher des HSV über den Weg, der weiß, was nun zu machen ist . . . Eventuell.

Zwei Besonderheiten wird es zu diesem Spiel geben, für den einen oder anderen Sammler vielleicht eine Gelegenheit, sich zu ergänzen:

HSV-Heimtrikot mit Sonderstick gegen den FC Barcelona

Anlässlich des Jubiläumsspiel wird die Mannschaft mit dem Heimtrikot und dem Sonderstick „Jubiläumsspiel Hamburger SV – FC Barcelona 24.7.2012 Imtech Arena“ auf der Brust auflaufen. Das Trikot mit diesem exklusiven Sonderstick ist für alle Fans in den Fanshops erhältlich und hat eine limitierte Auflage von nur 1887 Trikots.

Und:

Sammelbecher zum Jubiläumsspiel Hamburger SV – FC Barcelona
Zum Jubiläumsspiel am Dienstag, 24.7.12, wird es in der Imtech Arena einen speziellen Sammelbecher geben. Der 0,5 Liter fassende Becher ist für 6,-€ inklusive einem Kaltgetränk nach Wahl an den Getränkestände von Aramark erhältlich.

Ansonsten kann ich jedem HSV-Fan nur ans Herz legen, sich „Matz ab live“ von heute anzusehen. „Scholle“ und ich haben uns am Vormittag mit Horst Schnoor, dem ehemaligen HSV-Torwart (15 Jahre lang die Nummer eins!), und mit dem früheren Rechtsaußen Klaus Neisner getroffen, beides Spieler der Meistermannschaft von 1960. Und beide Altmeister waren bei den drei ersten „Europapokal-Schlachten“ gegen den FC Barcelona mit von der Partie. Wer also Interesse hat, etwas aus der HSV-Geschichte zu erfahren, dem seien diese 30 Minuten wärmstens ans Herz gelegt. „Scholle“ und mir hat dieser Vormittag jedenfalls unheimlich gut gefallen.

So, nun gebe ich zu, dass ich, weil ich nun über zwei Wochen nichts gesehen habe vom HSV, sehr gespannt auf die „neue“ Mannschaft bin. Und natürlich auch darauf, ob sich noch etwas tut – in Sachen Verpflichtungen und Verstärkungen. Muss ja (eigentlich).

Zum Schluss noch einmal eine Bitte, die ich leider immer wieder wiederholen muss. Bitte schreibt mir keine (privaten) Mails an die Gewinnspiel-Adresse, denn dort lese ich so gut wie nie mit. Diese Adresse gehört ganz allein der HA-Internet-Abteilung, es ist purer Zufall, wenn ich dann mal die eine oder andere Mail erhalten, weil es jemandem vom Abendblatt aufgefallen ist, dass es dort einen „Irrläufer“ gibt. So wie zum Beispiel jenen „Irrläufer“, der mir heute zugespielt wurde, und den ich nur mal so zur Probe öffentlich mache – weil es von dieser Art wirklich einige im Monat gibt. Die fallen oft ungelesen und unerhört unter den Tisch – und die Leute, die diese Mails verfasst haben, sind dann sauer auf mich, weil ich ihnen nicht antworte (oder geantwortet habe). Dieses Missverständnis muss ja nicht sein. Wenn ihr mir schreiben wollt, dann geht das bestens an die Internet-Adresse des Hamburger Abendblatts, von dort werden mir eure Mails weitergegeben. Und wenn ich nicht gerade im Urlaub bin, antworte ich auch.

„Hallo Dieter,

mein Name ist Frank W. und uns verbindet eine starke Leidenschaft. Und zwar der HSV!! Ich bin seit den Anfängen von matz-ab täglicher Leser, nur mit den Grabenkämpfen und Beleidigungen im Blog kann ich nix anfangen.
Der Grund meiner Mail ist folgender: Wir sind ja nach wie vor auf der Suche nach einer neuen Nr.10, den kreativen Mittelfeldspieler. Warum ‚n 10ner, wenn man eine 23 haben kann?? Reingelegt … Ich meine nicht diese 23.;). In Udinese spielt Almen Abdi, jung und ausgestattet mit einer Spielintelligenz, die seines gleichen sucht. Er ist genau der Spielertyp den wir suchen. In Udinese konnte er sich leider nie weiter entwickeln. Sicherlich ist er nicht der große Name, aber passt das überhaupt zu einem Umbruch? Diego wurde damals auch von” der Bank” weg verpflichtet. Und war das ein Fehler?? Vielleicht kannst du ja mal ein wenig rum horchen…ich habe ja leider nicht diese Möglichkeiten. Vielleicht kann man Frank Arnesen ja mal’n Tipp geben…:)

Liebe Grüße Frank.

PS: Ich bin kein Teenager mehr…“

Was mir im Urlaub aufgefallen ist. Beim Durchlesen der „Supporters News“ (immer sehr lesenswert!) stieß ich auch auf die Geschichte mit Uli Hoeneß. Der war ja bekanntlich beim und auf dem Volksparkett (Moderation Jojo und Todde). Und die Geschichte beginnt mit folgendem Einstieg (u. a.): „Hunderte HSV-Fans begrüßen und verabschieden Uli Hoeneß lautstark mit Uli-Rufen, pöbeln spaßig und scheinen diesen Macher echt zu respektieren, der offenherzig, glaubwürdig, richtig sympathisch rüberkommt.“

Wie schön, dass das auch die „ganz harten“ HSV-Fans erkannt haben – und es schreiben. Ich sage schon seit Jahrzehnten nichts anderes. Was mir aber besonders auffiel an diesem Hoeneß-Stück war die folgende Passage, in der der FCB-Manager sagt:

„Grundsätzlich glaube ich, das ist ganz ehrlich gemeint, dass Hamburg eine Stadt ist, die nach München die einzige wäre, die langfristig gesehen dem FC Bayern richtig gefährden könnte. Wann immer ich in Hamburg bin, ob beim Taxifahrer oder in irgendeinem Hotel, immer werde ich auf Fußball angesprochen. Diese Sportbegeisterung! Ich glaube, die ganze Stadt steht mehr hinter dem HSV als es teilweise in München der Fall ist. Unsere Stadt steht nämlich nicht so sehr hinter Bayern, deswegen glaube ich, wenn hier mal alles zusammenpasst, wenn die Verantwortlichen kontinuierlich an diesem Thema arbeiten, dann müssen wir uns warm anziehen.“

Zu diesem Komplex sagte Uli Hoeneß auch auf das Wortspiel: „Dem HSV wünsche ich für die Zukunft . . .

. . . dass er endlich in die Führung Ruhe reinkriegt und dass er sein Potenzial besser ausschöpft.“

Kompliment, Herr Hoeneß, ganz dickes Kompliment, Sie haben das bestens erkannt und eine großartige Analyse abgegeben.. Sie könnten ganz sicher auch ganz gut in Hamburg und beim HSV arbeiten – ein Scherz. Aber Sie würden den Laden hier ganz sicher ordentlich in Schwung bringen.
Doch vielleicht wird es ja auch ohne Sie noch etwas . . .
Die Hoffnung stirbt zuletzt.

18.55 Uhr

HSV-Legenden: So schlugen wir den FC Barcelona

23. Juli 2012

Sie waren dabei, bei den ersten Europapokal-Auftritten des Hamburger SV – und dem Aufeinandertreffen mit dem FC Barcelona. Im Europapokal der Landesmeister 1959/1961 warfen Klaus Neisner und Torwart Horst Schnoor die Young Boys Bern und den FC Burnley aus dem Wettbewerb, ehe der HSV im Halbfinale auf den spanischen Champion FC Barcelona traf. Nun sind die HSV-Altstars bei “Matz ab live” zu Gast und stellen sich den Fragen der Abendblatt-Reporter Dieter Matz und Marcus Scholz.

Mit 0:1 verloren die Hamburger damals das Hinspiel im Camp Nou vor 100.000 Zuschauern, doch im Volksparkstadion peitschten 71.000 Fans den HSV im Rückspiel zum 2:1-Sieg durch Tore von Peter Wulf und Uwe Seeler. Das Entscheidungsspiel verloren Neisner und Schnoor im Brüsseler Heysel-Stadion schließlich mit 0:1, dennoch gingen sie als HSV-Legenden, Barcelona-Besieger und Deutsche Meister 1960 in die Geschichte ein.
Am Dienstag gastiert der spanische Topklub erneut in der Hansestadt (18 Uhr/im Liveticker auf abendblatt.de) und trifft mit dem Weltfußballer Lionel Messi auf die aktuelle HSV-Elf. Es ist nur ein Freundschaftsspiel – dennoch werden Erinnerungen an die glorreichen Auftritte der “Rothosen” wach.

Der HSV gewinnt – vor allem alte/neue Erkenntnisse ***ergänzt mit Raffael-Interesse***

22. Juli 2012

Der HSV hat gewonnen. Den Peace-Cup mit 1:0 gegen Gastgeber Suwon, insgesamt eine Million Dollar Preisgeld und die Erkenntnis, dass es bis zur Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga noch ein weiter Weg ist. Bis zur Fink’schen Prognose, dass man um Platz sechs bis acht spielen werde, scheint es ein noch zu langer Weg zu sein.

Denn trotz des Turniersieges muss festgehalten werden, dass dieser HSV nur bedingt funktioniert. Wie auch? Nach den Abgängen von Petric und Guerrero im Angriff sowie Jarolim im Mittelfeld ist diese Mannschaft ob fehlender Neuer in meinen Augen qualitativ schwächer als zuvor einzuschätzen. Und der Versuch mit Westermann auf der Sechs schlägt leider weiter fehl. Obleich der Kapitän vom Einsatz und Willen her vorbildlich arbeitet und auf diesem Feld seine große Qualität einbringt, als zentrale Figur im Aufbauspiel ist er nicht geeignet. Dazu kommt, dass die Offensive weiter hakt. Artjoms Rudnevs war bemüht, lief viel – und fast immer ins Leere. Der Lette ist innerhalb des HSV-Spiels noch immer wie ein Fremdkörper, wobei böse Zungen auch behaupten könnten, das sei auch der Ball für den Linksfuß. Denn so oft wie Rudnevs der Ball verspringt, kann man das gar nicht mit „Gewöhnungsphase“ erklären. Vielmehr muss man ihn als das absolute Gegenteil vom technisch versierten Paolo Guerrero, der eigentlich immer (auch in der Luft mit langen Bällen) anspielbar war, bezeichnen – was das bedeutet, vermag jeder selbst zu beurteilen. Für mich ist der logische Schluss aus allem zusammen, dass der HSV weiter niemanden hat, der das Spiel lenkt. Der HSV spielt ideenlos und verliert so schon oft früh im Aufbauspiel die Bälle.

Aber okay, noch ist es ein Monat bis zum ersten Pflichtspiel, vielleicht dreht sich das Blatt ja auf der einen oder anderen Position um 180 Grad. So wie bei Berg. Der Schwede, gegen Groningen noch einer der Ausfälle, stand heute goldrichtig, als Jansens Schuss vom Torhüter der Südkoreaner nur nach vorn abgewehrt werden konnte. Von Bergs Brust sprang der Ball zum 1:0-Siegtreffer ins Tor und sicherte dem HSV nach den 500000 Dollar Antrittsgage, den 500000 Dollar für den Groningen-Sieg nun auch noch die 500000 Dollar Turniersiegprämie. Umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro hat der HSV somit mit der einen Woche Südkorea verdient – zuzüglich der hoffentlich noch kommenden neuen Sponsorenverträge aus Fernost.

Ebenfalls positiv ist die Entwicklung von Michael Mancienne und Jeffrey Bruma als Innenverteidigerduo zu bewerten, auch wenn man hierbei Mancienne noch hervorheben muss. Denn der Engländer ist momentan der konstanteste (Abwehr-)Spieler des HSV. Mancienne holt das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus und dürfte momentan der gesetzteste Innenverteidiger sein.

Und auch wenn Trainer Thorsten Fink weiterhin auf eine Wende im Fall David Abraham hofft, zudem der Transfer von Mittelfeldmann Milan Badelj von Dinamo Zagrebs Präsidenten bestätigt worden sein soll – er muss davon ausgehen, dass er mit den aktuellen Spielern in die Saison startet. Und das bedeutet, dass er im Zentrum den zweiten Sechser neben Westermann – Sala spielte es gegen Suwon eher unglücklich, hatte viele Ballverluste und verlorene Zweikämpfe – noch suchen muss. Tomas Rincon fällt aus, Robert Tesche soll verkauft werden und Per Skjelbred hat Ansätze gezeigt – aber beim Trainer einen eher schweren Stand. Da ansonsten noch kein Neuer verpflichtet ist, hat Fink hier noch immer eine riesengroße Baustelle.

Denn trotz der Bestätigung aus Zagreb ist dort noch klarer gesagt worden, das Badelj die Champions-League-Qualifikation für Zagreb bis zum Schluss spielen wird und dem HSV so erst Mitte August zur Verfügung stünde. Zudem muss das finanzielle Paket des Kroaten erst noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Nein, es hakt noch an allen Ecken und Kanten. Sportlich, personell und in Sachen Stimmung. Slobodan Rajkovic hatte gesagt, dass die Stimmung alles andere als gut sei. Zieht man von dieser Pauschalaussage einige Prozente Übermotivation (weil tief frustriert) ab, bleibt ein Rest. Vielleicht nur ein kleiner, aber dieser ist gefährlich. Zumal es intern immer wieder auch zwischen Fink und Sportchef Frank Arnesen knatscht. Der Trainer nennt seinem Sportchef Namen, die dieser immer wieder ablehnt. „Natürlich sind wir oftmals auch unterschiedlicher Meinungen, aber letztlich funktioniert es“, hatte Fink zuletzt beschwichtigend erklärt. Und ich hoffe, den Zusatz hat er nicht nur gesagt, um alle zu beruhigen.

Letztlich wird es von den Zugängen abhängen, ob sich am Ende alle lieb haben. So wie die 1,2 Millionen Euro aus dem beschwerlichen Südkoreatrip eine erfolgreiche Woche gemacht haben. Genau genommen ist es sogar die erfolgreichste Trainingslagerwoche aller Zeiten. Zumindest finanziell.

In diesem Sinne, morgen kehrt die Mannschaft zurück, Dienstag kommt Barcelona. Mit Messi. Freuen wir uns darauf.

Scholle

HSV: Adler – Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo – Westermann, Sala (90.Steinmann) – Beister (72.Jansen), Tesche (72.Arslan), Ilicevic (46.Son) – Rudnevs (72.Berg). Tor: Berg (80.).

P.S.: Anlässlich des Jubiläumsspiels gegen Barcelona senden wir (Dieter ist aus dem Urlaub zurück!) am Montag gegen elf Uhr eine Live-Sendung “Matz ab” mit den Altstars des HSV, Klaus Neisner und Horst Schnoor, die sich an die legendären Spiele gegen Barca in den Sechzigern erinnern.

P.P.S.: Sobald die Mannschaft gelandet ist, sollen bei Gökhan Töre die letzten Details bezüglich seines Wechsels zu Rubin Kazan geklärt werden. Angeblich sind sich alle Parteien weitgehend einig. Der HSV soll demnach etwas mehr als fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Deutsch-Türken kassieren.

P.P.P.S.: Der HSV, das habe ich vorhin verschwiegen, weil ich es nicht glauben konnte/kann, ist nun doch wieder an Hertha-Spielmacher Raffael interessiert. Das erzählte mir vorhin mein Kollege Kai Schiller aus Südkorea – und so berichtet es zumindest die Bild. Obgleich es die HSV-Verantwortlichen noch dementieren. So, wie es Frank Arnesen vor Wochen schon tat. Damals schloss er die Personalie Raffael sogar aus…

Die Wohlfühlzone ist Arnesens großes Problem

21. Juli 2012

Heute wird gestückelt. Warum? Weil es noch nicht viel Neues gibt. Die Mannschaft ist in Südkorea und hat einen freien Nachmittag, nachdem am Vormittag nur ganz locker trainiert wurde. Zhi Gin Lam konnte noch nicht mitmachen. Bei dem Youngster besteht weiterhin der verdacht auf Muskelfaserriss. „Wir hoffen aber, dass es nur eine Muskelverhärtung ist“, sagt Trainer Thorsten Fink, der Lam am Dienstag nach der Rückkehr zur Kernspintomographie schicken will. Zudem entschuldigte sich Frank Arnesen für heute, weil er zu viele Termine hat. Und das ist natürlich auch völlig okay.

Daher bleibt mir heute nur, auf Infos über den Tag verteilt zu warten, mit denen ich dann diesen Blog immer wieder aktualisiere. Denn bei Gökhan Töre soll in diesen Stunden ein offizielles und zum zweiten Mal verbessertes Ablöseangebot von Rubin Kazan kommen. Die Russen, die dieses Jahr mit aller Macht Meister werden wollen, haben sich mit Töre und dessen Berater bereits weitgehend einigen können. Es fehlt nur noch der HSV, der die bisher maximal gebotenen vier Millionen Euro abgelehnt hat.

Zudem soll sich Robert Tesche nun doch dazu entschlossen haben, den HSV bei einem passenden Angebot zu verlassen. Wahrscheinlich, weil sich der Mittelfeldmann in Südkorea noch mal mit Trainer Thorsten Fink unterhalten hat. Welcher Verein an ihm interessiert ist, kann ich aktuell noch nicht sagen. Aber hier dürfte in den nächsten Tagen etwas passieren.

Eben so wie bei Slobodan Rajkovic, der ab Dienstag beim HSV isoliert trainieren soll. Dem Abwehrmann, der am Wochenende nach England reisen wollte, sollen zwei Angebote aus der Premier League sowie von Dynamo Kiew vorliegen.

Und Macauley Chrisantus, der das Angebot von Sturm Graz abgelehnt hat, soll nach eigener Aussage Angebote aus Deutschland vorliegen haben. „Es gibt Interesse aus der ersten und der zweiten Liga“, sagt Chrisantus, „aber ich habe mich noch nicht entschieden.“ Wobei klar scheint, dass es Cottbus nicht mehr wird, nachdem der erfolglose ehemalige Jugendstar dort ein zu hohes Gehalt aufgerufen haben soll. Ob er für einen neuen Klub auf Geld verzichten würde? „Das kommt darauf an“, sagt Chrisantus, „welcher Klub kommt. Aber natürlich ist die sportliche Perspektive am wichtigsten.“

Wobei sich hier nur ein Kreis schließt. Denn sowohl Tesche als auch Rajkovic und Chrisantus sind Spieler, die beim HSV mehr verdienen, als sie es aktuell von anderen Klubs geboten bekommen. Und obwohl allen Dreien durch Worte und Taten von Fink und Sportchef Arnesen mehr als deutlich gemacht wurde, dass sie gehen dürften, bleiben sie. „Den Vertrag aussitzen“ nennt man das größte Problem des Frank Arnesen, der für seine Wunschspieler Milan Badelj und Rasmus Elm jeden Cent einsparen muss, der einzusparen ist. Obgleich innerhalb des Vorstandes weiterhin die Hoffnung auf eine Fortführung der Zusammenarbeit mit Klaus Michael Kühne besteht.

Apropos Kühne. Der Speditionsmilliardär mit dickem Hals und einem dreiwöchigen Urlaub vor der Brust, dürfte sich freuen, ob der Zeilen, die nun folgen. Denn, das wurde mir aus verlässlicher Quelle zugetragen, Tottenhams Trainer Andre Villas Boas ist entgegen erster Behauptungen sehr wohl gewillt, Rafael van der Vaart abzugeben. Auf der Suche nach Ersatz soll der Portugiese bereits fündig sein. In der Premier League ist das bereits seit einigen Tagen bekannt – und auch der HSV soll informiert sein. Dennoch, und diese Zeilen dürften Kühne weniger freuen, die ehemalige 23 des HSV ist seinerseits wohl nicht gewillt, zum HSV zu wechseln. Die Perspektive…

Aber gut, die soll sich ja noch gravierend verändern, wie Carl Jarchow gerade vor ein paar Tagen in Seoul angekündigt hatte. Ein Innenverteidiger, Milan Badelj und noch ein Mittelfeldmann sollen kommen. Werden es drei Hochkaräter – aber okay, lassen wir das und warten ab.

So, wie ich es heute machen werde. Ich melde mich, sofern noch etwas passiert. Aber auch nur dann. Versprochen!

Bis später!
Scholle

HSV bezwingt Groningen – klopft Arnesen doch noch mal bei Elm an?

20. Juli 2012

Der HSV hat gewonnen. Mit 2:1 gegen den FC Groningen. Dazu kommen 500000 Dollar Siegprämie, die mit einem Finalsieg am Sonntag gegen Gastgeber Suwon auf eine Million Dollar aufgestockt werden sollen. Soweit, so gut. Allerdings scheint sich der weitgehend feststehende Wechsel von Mittelfeldmann Milan Badelj weiter zu verschieben, da dessen abgebender Klub Dinamo Zagreb in der laufenden Champions-League-Quali nicht auf ihn verzichten will. Das Rückspiel gegen den bulgarischen Meister findet am kommenden Mittwoch statt, die weiteren Spiele (sofern Zagreb denn wie erwartet weiterkommt) wären am 31. Juli und 7. August. Und so lange will der HSV nicht warten. Insbesondere nicht Trainer Thorsten Fink.

Sportchef Frank Arnesen war wohl auch deshalb heute nicht zu erreichen. Was nicht unbedingt ein schlechtes Zeichen sein muss. Im Gegenteil, es zeugt davon, dass der Däne viel zu tun hat, ergo: es passiert etwas. Und das muss es auch. Denn trotz des absolut verdienten Sieges und einer Überlegenheit über die gesamten 94 Minuten hinweg gegen Groningen hat das Spiel gezeigt, dass dem HSV im Angriff noch etwas fehlt. Denn während Rudnevs in den gerade mal 13 Minuten keine Szene hatte (haben konnte) und ihm etliche Bälle versprangen, enttäuschte Marcus Berg auf ganzer Strecke. Kaum verwunderlich, dass beide Tore beim 2:1-Sieg letztlich durch Standards fielen.

Nach der Führung durch Dennis Aogo per Foulelfmeter und dem zwischenzeitlichen Ausgleich sicherte zehn Minuten vor Schluss der kurz zuvor eingewechselte Ivo Ilicevic den Sieg mit einem herrlich direkt verwandelten Freistoß, den eigentlich auch der bei jeder Ballberührung von den 2000 Fans im 44000 Zuschauer fassenden Stadion mit Gekreische gefeiert wurde Heung Min Son gern geschossen hätte. „Son hatte mir vor dem Freistoß zugerufen, dass er sich gut fühlen würde. Aber ich fühlte mich auch gut und war mir sicher, dass ich ihn rein machen würde“, so Ilicevic glücklich.

Unglücklich endete die Partie für Zhi Gin Lam, der mit Verdacht auf Zerrung ausgewechselt werden musste. Denn, und das deutete sich in Österreich bereits an, der Rechtsfuß ist bislang die positive Überraschung der Vorbereitung. Sagt auch Fink: „Zhi Gin macht seine Sache derzeit richtig gut, er hat momentan ein wenig die Nase vorn“, so Fink, von Lam begeistert ist: „Er lernt sehr schnell und macht nur ganz wenige Fehler. Zhi Gin könnte die Überraschung dieser Vorbereitung werden.“ Mindestens so zufrieden wie mit Lam war Fink im Großen und Ganzen auch mit dem restlichen Spiel seiner Mannschaft. „Es war eine überzeugende Vorstellung“, sagte der Coach.

Zuvor war Klubboss Carl Jarchow seiner Zeit etwas voraus. Oder wusste er es schon? Auf jeden fall sagte Jarchow, dass der Badelj-Transfer so gut wie fix sei und dass neben einem weiteren Mittelfeldspieler auch noch für die Abwehr etwas gemacht werden soll. Und das schon aus Verletzungsgründen, nachdem jetzt bekannt wurde, dass Tomas Rincon mindestens noch sechs Wochen ausfällt. Rincon traurig: „Ich habe wieder Schmerzen gespürt. Wir haben zusammen entschieden, dass ich vorsichtshalber abreche.“ Die chronische Schienbeinentzündung begleitet den Mittelfeldspieler schon seit einigen Monaten. Nächsten Dienstag, nach der Rückkehr aus Südkorea soll sich der Mittelfeldkämpfer einer Kernspintomografie sowie einer Blutuntersuchung im UKE unterziehen, um genaueren Aufschluss über die Verletzung und vor allem über die weitere Behandlung zu bekommen. Die Frage, die sich dabei stellt, ist, ob die Entzündung konservativ oder mit Hilfe einer Operation behandelt wird. Aber sicher ist bereits jetzt, dass Rincon länger ausfällt, zumal er die komplette Vorbereitung verpasst. Wie wichtig die für sein Spiel ist, betont Rincon selbst. „Ich kann nur spielen, wenn ich auch richtig fit bin. Das ist wichtig für mein Spiel.“

Damit dürfte aber die Variante mit Westermann im zentral-defensiven Mittelfeld noch wahrscheinlicher werden, als sie es eh schon war. Ergo: Im Abwehrzentrum hat der HSV durch die Suspendierung von Slobodan Rajkovic zu wenig Leute. Dort bleiben nur noch Jeffrey Bruma und Michael Mancienne. Wobei, apropos Westermann und Rajkovic – der Mannschaftskapitän hat sich jetzt zum Vorfall geäußert und die Kommentare des Serben, dem bereits Angebote von interessierten Klubs vorliegen sollen, verurteilt. „Wir haben darüber gesprochen, distanzieren uns als Mannschaft, so Westermann gegenüber der „Bild“. „Es geht nicht, dass ein Spieler mit 23 Jahren die Klappe aufreißt. Er soll den Mund halten. Wenn man Mist baut, muss man mit Konsequenzen rechnen.“

Besonders gestört habe ihn, dass Rajkovic die ganze Mannschaft mit einbezieht, indem er mehreren Spielern den Wechselwillen attestiert hatte. „Wir sind mit dem größten Traditions-Verein in Deutschland fast abgestiegen. Zu so einem Zeitpunkt braucht man den Mund nicht aufzumachen“, so Westermann, der hinzufügte, dass er nie das Gefühl gehabt hätte, Rajkovic sei vom Trainer anderes behandelt worden als der Rest der Mannschaft.

Und, egal wie spät sie kommt, es ist eine Reaktion der Mannschaft. Und das finde ich völlig unabhängig vom Inhalt gut. Vielleicht ist es ja der Anfang einer sich entwickelnden Selbständigkeit innerhalb der Mannschaft, zeigt es doch, dass sie sich zumindest mit den Vorgängen beschäftigt. Ein Fortschritt eben, der sich auch an Jeffrey Bruma festmachen lässt. Hatte der Niederländer nach dem 6:0-Tespielsieg gegen den FC Suwon noch von einem 5:0 getwittert, hatte er diesmal das richtige Ergebnis mitbekommen…

In diesem Sinne, am Sonntag das Turnier gewinnen und anschließend einen neuen Innenverteidiger zusammen mit dem neuen Zehner präsentieren. Gestern wurde mir aus der Blogmitte berichtet, dass sich der HSV wieder intensiv um Rasmus Elm bemühen würde. Das wiederum wurde vom HSV in Südkorea dementiert. Ein solcher Transfer sei schon aus finanziellen Gründen nicht zu realisieren. Es sei denn, der HSV schafft es, sich mit Klaus Michael Kühne auszusöhnen und dieser übernimmt einen Teil der Finanzierung des absoluten Wunschspielers von Frank Arnesen. Das hätte doch was…

Ich wünsche Euch einen schönen Start ins Wochenende! Bis morgen,

Scholle

Die Statistik zum Spiel:
HSV: Adler – Lam (63. Diekmeier), Mancienne, Bruma, Aogo – Westermann, Skjelbred (68. Sala) – Son, Arslan, Jansen (ab 68. Ilicevic) – Berg (77. Rudnevs). Tore: 1:0 Aogo (15./Foulelfmeter), 1:1 Schet (28.), 2:1 Ilicevic (79.).

P.S.: Vielen Dank noch mal für den sensationellen Tipp mit dem Stream, der bei mir einwandfrei lief…!

Finks erster echter Test – Peace Cup soll die Kassen füllen

19. Juli 2012

Frank Arnesen will nicht. Der Däne, der eigentlich in meiner Anwesenheit noch nie sauer auf irgendwas reagiert hat, ist nicht erreichbar. Zumindest nicht für mich, dachte ich und mir kam sofort der Verdacht, dass der Sportchef sauer über das Rajkovic-Interview war. „Dann ist das so“, dachte ich mir, nachdem Arnesen auch auf meine SMSe nicht geantwortet hatte. Allerdings bin ich kein Einzelfall. Auch meine Kollegen kommen derzeit nicht zum HSV-Sportchef durch. „Der ist im Moment mit dem Telefon verwachsen“, klärte mich ein Geschäftsstellen-Mitarbeiter auf. Und das klingt für mich sehr gut. Für neue Spieler verzichte ich gern auf die Antworten des Sportchefs. Sehr, sehr gern sogar..

Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Transferverhandlungen mit Rubin Kazan immer weiter ziehen. Während es bei dem Kroaten Milan Badelj nur noch um Kleinigkeiten bei der Vertragsabwicklung geht, ist sich Arnesen mit den Russen noch lange nicht über die Ablösesumme für Gökhan Töre einig. Die Russen bieten vier Millionen, der HSV will mindestens fünf Millionen (50 Prozent davon gehen an Chelsea) für den Linksfuß haben. „Klar ist, dass wir keine Not haben, Töre abzugeben“, hatte Arnesen gesagt.

Allerdings sind leichte Zweifel an dieser Aussage angebracht. Denn der HSV braucht jeden Euro. Sportchef und Trainer Thorsten Fink hoffen auf 1,5 Millionen Euro durch den Peace Cup. „Wir sind keine zehn Stunden geflogen, um nur so mitzuspielen“, kündigte Trainer Thorsten Fink einen engagierten Auftritt gegen den niederländischen Vertreter FC Groningen an, „wir wollen das Turnier gewinnen.“

Und das könnte den immer mühsamer werdenden Südkoreatrip versüßen. Am morgigen Freitag geht es gegen den FC Groningen. Gewinnt der HSV den Turnierauftakt sowie das Finalspiel am Sonntag, wäre es sogar die erfolgreichste HSV-Vorbereitung aller Zeiten. Zumindest wirtschaftlich. Denn sowohl der Sieg gegen die Niederländer als auch ein Finalerfolg (Gegner wäre überraschend das südkoreanische Team vom FC Seongnam, das den FC Sunderland mit 1:0 bezwang) würden jeweils 500000 Dollar in die leeren Klubkassen spülen. Zuzüglich der Antrittsprämie von 500000 Dollar könnten sich Klubboss Carl Jarchow und vor allem Frank Arnesen über 1,5 Millionen Dollar zusätzlich freuen. Zumal alle anderen Kosten (Reise, Kost und Logis) vom Veranstalter des „Peace Cup“s getragen werden.

Es wäre nach dem Ärger der letzten Tage ein kleiner Lichtblick einer anstrengenden Reise. Denn die Südkoreaner sind sehr genau und während die Vorstände Jarchow und Joachim Hilke samt Nicholas MacGowan fast ununterbrochen auf Sponsoren-Akquise sind, hat es die Mannschaft nicht leicht mit den überaus genauen Südkoreanern. Denn die bestehen auf die Einhaltung der vorher geschlossenen Verträge. Spontan ist da niemand. Auch die größten Mühen und ein Unterhändler schaffte es nicht, den Platzwart des fünf Minuten vom Hotel entfernten Trainingsplatzes davon zu überzeugen, dass der HSV eine zweite Einheit auf dem Patz absolvieren müsste. Im Gegenteil: Für die zweite Einheit des Tages mussten Fink und Co. erneut ins 45 Minuten entfernte Hwaseong ausweichen, was nicht gerade für Begeisterung sorgte. Selbst Finks Wunsch nach einem zusätzlichen Tor auf dem Trainingsplatz war zunächst nicht zu erfüllen, da auch das nicht im Vertrag stehen würde.

So hieß es zumindest, ehe man dem HSV nach mehreren Verhandlungsrunden dann doch behilflich wurde. Den Wunsch, das Nachmittagstraining etwas früher als geplant beginnen zu lassen, ließen die Organisatoren aber nicht mehr mit sich verhandeln. Die Anlage sei für eine bestimmte Uhrzeit gebucht, so stehe es im Vertrag. Umstände, die bei der Mannschaft und dem Trainerteam auf wenig Gegenliebe stoßen. „Die Bedingungen hier sind natürlich nicht so gut wie im Trainingslager im Zillertal“, sagte Torhüter René Adler, „das alles ist nicht optimal. Aber es bringt ja nichts, darüber zu heulen.“ Das stimmt. Dennoch werden sich alle Beteiligten am Ende die Frage stellen müssen, ob diese Form Trainingslager noch seinen Zweck erfüllt.

Egal wie, am Ende wird in Euro um- und abgerechnet. Neben den Spielern, die beim Turnier ordentlich Geld einspielen sollen, sind dafür in erster Linie die Vorstände Carl Jarchow und insbesondere Joachim Hilke mit seiner rechten Hand Nicholas MacGowan verantwortlich. Aktuell besuchte Jarchow die Reederei Hanjin Shipping in der koreanischen Hafenstadt Busan. Der HSV-Vorstand hat berechtigte Hoffnungen, von Handjins Plänen zu profitieren, sich stärker im Hamburger Hafen zu engagieren. Aus diesem Grund war im vergangenen Monat auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch in Busan zu Gesprächen. Sollten Hamburg und Handjin ins Geschäft kommen, scheint die Reederei nicht abgeneigt, sich als Sponsor über den HSV zu vermarkten. „Es geht aber nicht nur darum, neue Sponsoren zu finden, sondern auch darum, alte zu pflegen“, sagt Hilke, der zu Anfang der Woche bei den HSV-Partnern Kumho Tyres (Reifenhersteller) und Hanwha (Solarenergie) vorsprach. Die beiden koreanischen Sponsoren zahlen noch bis 2013 zusammen 1,5 Millionen Euro.

Letztlich wird aber die finanzielle Effizienz der Reise darüber bestimmen, ob sie als Erfolg oder Misserfolg zu werten ist. Wobei, das Thema hatten wir in den letzten Tagen immer wieder, jeder eingespielte/akquirierte Euro zwingend in Verstärkungen gesteckt werden sollte. „Ich hoffe, dass von einer möglichen Siegprämie zumindest ein Teil wieder in die Mannschaft investiert werden würde“, sagt Torhüter René Adler, der um den finanziellen Anreiz des Turniers weiß – und über Milan Badelj sprach, als sei der schon da. „Ich bin sicher, dass er gut zu uns passen wird“, sagt der Keeper über den Kroaten, der am Mittwoch in der Champions-League-Quali beim 1:1 gegen Bulgariens Meister Ludogrec Razgrad wahrscheinlich sein letztes Spiel für seinen bisherigen Verein Dinamo Zagreb absolvierte. Spätestens in der kommenden Woche soll der 23-jährige Mittelfeldmann, den Arnesen vor einigen Jahren auch zum FC Chelsea holen wollte, einen Vertrag bis 2015 beim HSV unterschreiben. Darauf einigte sich Frank Arnesen mit Badelj-Berater Dejan Joksimovic, mit dem er befreundet ist.

Es wäre ein kleiner, wichtiger Schritt in die richtige Richtung. So sieht es auch mein Freund und Spielerscout, der mir schrieb: „Badelj ist ein guter Kicker, technisch fein, klarer 8ter bzw. zweiter 6er, ihm fehlt ein bisschen das Tempo, muss seine Torquote erhöhen, noch 20 – 30 Prozent Luft nach oben….“ Klingt doch gut. Obgleich dann noch immer ein Zehner fehlt. Zudem hoffe ich, dass Artjoms Rudnevs durchstartet. Denn ansonsten bräuchte der HSV auch ganz vorn noch Verstärkung. Aber dazu werde ich hoffentlich bald auch wieder Frank Arnesen sprechen.

In diesem Sinne, am Textende habe ich noch einen kleinen Hinweis auf eine groß angelegte Aktion der Chosen few. Eine gute Idee, wie ich finde! Bis morgen!

Scholle

TIPP:
Die „Chosen few“ planen zum Jubiläumsspiel eine besondere Choreographie und benötigen dafür die Hilfe der HSV-Fans. Aber schaut selbst: http://www.hsv.de/index.php?id=8692

Rajkovic sorgt für Wirbel – aber der HSV verpasst eine Chance

18. Juli 2012

Ich habe kurz überlegt, ob ich heute noch einen Blog reinstelle. Und so gern ich nach dieser langen (oder kurzen – wie man es sieht) Nacht einfach Mittagsschlaf gehalten und die Füße hoch gelegt hätte, es geht einfach nicht. Natürlich nicht. Denn die causa Rajkovic sorgt für Wirbel. Angesichts der mehr als deutlichen Aussagen des Innenverteidigers ist das wenig bis gar nicht überraschend. Allerdings habe ich das Gefühl, dass die Diskussion zumindest hier im Blog zu einem (glücklicherweise immer kleiner werdenden) Teil noch in die falsche Richtung geht. Denn es geht bei den Aussagen Rajkovics ganz sicher nicht um die Frage, ob man so ein Interview hier reinstellen darf oder nicht.

DAS geht leider am Ziel vorbei. Zumal von denen, die mich vor ein paar Tagen noch fragten, warum ich Vorstandsboss Carl Jarchow nicht ausreichend unbequemen Fragen gestellt habe. Mal ehrlich, hätte ich Rajkovic sagen sollen, dass er seine Gedanken für sich behält und sie nicht äußern darf? Abgesehen davon, dass sich ein erwachsener Mann wie Rajkovic („Ich habe nichts gesagt, was ich dem Trainer so nicht schon persönlich gesagt habe“) so was niemals verbieten lassen würde – mit welchem Recht bitteschön? Bin ich sein Vater oder sonst jemand, der ihn maßregeln darf? Mit Sicherheit nicht. Und das gilt sicher für uns alle.

Also käme es mir auch nie in den Sinn, mich derart wichtig zu machen und anmaßend zu werden. Stattdessen habe ich offen und mehrfach mit ihm über die Tragweite seiner Aussagen gesprochen. Ich habe ihm erklärt, welche Wirkung das medial haben würde – für ihn, fpür die Mannschaft und en Verein.

Und weil es immer wieder gefragt wird: Dieter und ich sind nicht dafür verantwortlich, beim HSV für Ruhe oder für Ärger zu sorgen. Dieter und ich sind dafür da, Euch möglichst detailliert Einblicke in die Geschehnisse in und rund um den HSV zu geben. Diese garnieren wir mit persönlichen Eindrücken und Meinungen. Wir sind – und diesen Satz habe ich wahrscheinlich so oft wie keinen zweiten hier geschrieben – hier nicht als Fans unterwegs, sondern als Berichterstatter. Und dazu zählen neben den schönen Toren, Siegen und Toptransfers eben auch die Dinge, die nicht gut und vielleicht auch mal richtig unbequem sind. Denn: am wenigsten wäre uns allen gedient, wenn Kritik rund um den HSV konsequent ausgeblendet würde…

Das nur als Erklärung für die, die gefragt haben.

Dass meine Blogs nicht allen gefallen, weiß ich. Das ist völlig normal, und für mich ist das auch völlig okay. Ich nehme Kritik an, sofern sie sachlich vorgetragen ist, kann sie nur helfen. Denn: Jeder hat das Recht seine Meinung zu äußern. Und das gilt für Euch – ebenso wie für Rajkovic.

Aber genug von uns, wichtig ist und bleibt der HSV. Und der hat ein Problem. Das ist zumindest die Lehre, die ich aus dem Interview ziehe. Denn ich hatte sehr wohl das Gefühl, dass mir ein Spieler gegenüber sitzt, der sicherlich tief enttäuscht und sogar gekränkt war. Immerhin hatte er gerade auf diskutable Art zu verstehen bekommen, dass er nicht mehr erwünscht ist. Ganz klar. Aber ich hatte nicht das Gefühl, dass Rajkovic etwas dazu dichtete. Er schilderte alles so, wie er es für sich empfunden hat. Ob das immer der Wirklichkeit entspricht – ich vermag es nicht abschließend beurteilen. Zumal ich noch keine Reaktion von Trainer Thorsten Fink bekommen habe. Im Gegenteil: Der HSV-Coach lehnte jeden Kommentar zum Thema Rajkovic ab und erklärte nur kurz: „Dazu äußere ich mich nicht. Ich konzentriere mich auf die Arbeit mit den Spielern, damit alle fit sind für die Saison.“ Zu Rajkovics Vorwürfen schwieg Fink. Er sagte nur: „Ansonsten ist die Stimmung in der Mannschaft gut.“

Allerdings muss ich an diesem Punkt einhaken. Auch wenn ich nur ein kleiner (nicht kurzer) Amateurfußballer war, Teamgeist ist eigentlich überall gleich. Dass der im Profitum bei all den Ich-AGs immer weniger ausgeprägt ist – okay. Hier retten sich viele Mannschaften dann über ihre individuelle Qualität. Aber wenn die nicht ausreicht, und das war in der vergangenen Saison beim HSV nachweislich der Fall, dann ist er extrem wichtig. Und beim HSV scheint es genau hier noch eine Menge Nachholbedarf zu geben. Das sagt Rajkovic – aber das ist allen eigentlich schon seit Monaten und Jahren bekannt. Immer wieder haben die verantwortlichen Trainer eine fehlende Hierarchie bemängelt. Auch Fink. Und obgleich er es ganz sicher nicht beabsichtigte, als er Rajkovic suspendierte, er lieferte der Mannschaft den Steilpass und die Möglichkeit, um endlich in sich zu wachsen. Glaube ich. Denn meiner Meinung nach hätte die Mannschaft in Person des Kapitäns oder auch des Mannschaftsrates schlichtend eingreifen können. Sie hätte es zumindest versuchen müssen, immerhin betrifft der Vorfall sie direkt. Ob das intern oder öffentlich passiert, ist mir dabei ziemlich egal.

Die Mannschaft hätte sich hinter ihren Spieler stellen können und beim Trainer um Amnestie bitten können. Oder sie hätte sagen können, dass sie geschlossen zum Rauswurf ihres Kollegen steht, wenn sie Rajkovic als Störfaktor wahrgenommen hätte. Es wäre ihr gutes Recht gewesen – aber vor allem hätte sie reagiert und damit endlich mal gezeigt, dass sie ein Eigenleben hat, dass sie eine eigene Meinung hat und dass sie zusammenhält. Gerade in derartigen Extremsituationen wachsen Banden.

Verpasst.

Anstatt Stellung zu beziehen, lässt sich die Mannschaft mal wieder von oben alles vorkauen und nickt es wortlos ab. Wobei – bitte nicht falsch verstehen – ich fordere hier keine Revolte. Ganz im Gegenteil: Ich hoffe, dass die Mannschaft endlich nachhaltigen Zusammenhalt entwickelt. Denn in dieser Form scheint mir das kein gesundes Miteinander zu sein.

Gleiches gilt übrigens für die sportliche Leitung. Vor einigen Wochen hatte ich an dieser Stelle geschrieben, dass sich Fink und Arnesen in Sachen Transferpolitik offenbar nicht wirklich einig sind. Und jetzt das. Da sitzen Fink und Jarchow mit Rajkovic zusammen und suspendieren ihn, ohne das mit dem Sportchef abzustimmen, der eigentlich als höchste Instanz im sportlichen Bereich zu sehen ist. Ein Vorgang, der in der Hoffmann-Ära für hellste Aufregung gesorgt hätte. Und daher ist es auch kein Wunder, dass Arnesen versuchte, das Unmögliche möglich zu machen, als er sagte, er würde den Fall Rajkovic noch mal ausführlich mit dem Trainer besprechen, bevor es dort ein endgültiges Urteil geben wird.

Nein, so gut Milan Badelj (noch ist kein Vollzug gemeldet) auch zum HSV passen soll, im Moment macht sich der HSV intern Baustellen auf, die es utopisch machen, externe Baustellen optimal zu bearbeiten. Und das bereitet mir Sorgen. Denn dieser HSV ist in meinen Augen nominell nicht besser als in der Vorsaison, als man mit viel Mühe und einer Portion Glück die Klasse hielt. Dass Trainer Fink sich hinstellt und offen von einem Platz sechs bis acht spricht, hat mich dabei ein wenig verwirrt. Allerdings ließ es mich zunächst hoffen, dass er mehr weiß und in den nächsten Tagen Spieler dazustoßen, die ein solches Ziel realistisch erscheinen lassen.

Das hätte was. Denn ganz ehrlich, so langsam wird es mal wieder Zeit, dass der HSV positive Schlagzeilen macht. Bis zum 31. August bleibt den Verantwortlichen noch Zeit, hier einiges zu verändern. Hoffen wir darauf.

Zum Personal: Heute ist in Sachen Töre bislang noch nichts passiert. Dennoch hofft Arnesen, der seine Reise nach Südkorea inzwischen storniert hat, weiter darauf, den Linksfuß möglichst schnell abgeben zu können, um so Gelder für Wunschspieler Milan Badelj (Dinamo Zagreb) frei zu bekommen. Denn bei Slobodan Rajkovic darf der Däne („Es ist nicht zu tolerieren, dass Slobodan fünf Tage nach eigenem krassen Fehlverhalten unabgestimmt mit dem Verein solche Aussagen macht.“) wohl nicht mehr auf hohe Einnahmen hoffen. Auch wenn der HSV dem suspendierten neben Einzeltraining auch eine Geldstrafe im hohen fünfstelligen Bereich aufdrückte.

Wobei, es gibt auch erfreulichere Themen. Zum Beispiel die bevorstehende Kooperation und den Spatenstich für die Asia Football-Academy in Suwon, die bis 2014 für rund 20 Millionen Euro fertiggestellt werden soll und von Heung Min Sons Vater geleitet wird. Zudem gewann der HSV seinen ersten Test in Südkorea gegen die zweite Mannschaft vom FC Suwon mit 6:0 (3:0). Mit Cotrainer Frank „Funny“ Heinemann als Schiedsrichter, da das eigentlich vorgesehene Gespann mit Verspätung eintraf. Trainer Thorsten Fink war zufrieden: „Das war ein guter Auftakt“, so der Coach.

Statistik:
HSV Halbzeit 1: Mickel – Lam, Bruma, Mancienne, Aogo – Westermann, Skjelbred – Beister, Tesche
Ilicevic – Rudnevs.
Halbzeit 2: Mickel – Diekmeier, Besic, Steinmann, Jansen – Norgaard, Sala –Töre, Arslan, Son – Berg. Tore: 1:0 Rudnevs (21.), 2:0 Iicevic (35.), 3:0 Tesche (45.), 4:0 Arslan (87.), 5:0, 6:0 Son (89., 90.).

In diesem Sinne, bis morgen! Ich bin müde.

Scholle

Rajkovic: “Mein Ende war beschlossen, bevor ich den Streit mit Son hatte”

18. Juli 2012

Ich hatte es gesagt, vielleicht führt einer der Termine (vom Dienstag) letztlich dazu, dass wir hier im Blog etwas darüber lesen. Dass es in dieser Form und vor allem so schnell etwas wird, hätte ich nicht gedacht. Aber diesmal war es Slobodan Rajkovic, der mich um einen Termin bat, um seine Sorgen in Worte zu fassen. In der Hafencity, unmittelbar in der Nähe seiner Wohnung, trafen wir uns. Und er sprach. Sehr viel. Der Innenverteidiger hatte sich sogar einen DIN-A4-Block mitgebracht und checkte immer wieder ab, was er gesagt hatte – und was noch fehlte. Als er so richtig in Fahrt war, fragte ich, ob er sich über die Tragweite des Interviews im Klaren sei. Ob er wüsste, dass er trotz des Hoffnungsschimmers durch Frank Arnesen nach diesem Interview beim Klub durch wäre. Und er antwortete: „Ja, das weiß ich. Der Trainer will mich nicht. Egal wie. Aber ich will, dass alle wissen, was hier wirklich los ist.“ Und ganz ehrlich, auch wenn es meine Chefs nicht gern lesen werden, ich habe mehrmals danach gefragt, ob es wirklich so abgedruckt werden kann. Ich wollte wissen, ob es nur tief sitzender Frust bei Rajkovic ist, der die Zunge den Emotionen unüberlegt folgen lässt und ihn böse nachtreten lässt. Oder ob es tatsächlich die Wahrheit ist?
Und auch, wenn ich es bis jetzt nicht wissen kann, Rajkovic’s Antwort war: “Ich habe in diesem Interview nicht ein einziges Wort über den Trainer gesagt, das ich dem Trainer nicht auch persönlich genau so gesagt habe.” Und, entscheidend für mich ist, alle Seite anzuhören und möglichst unverfälscht darzustellen. Teil eins ist Rajkovic. Ich hoffe, den Trainer heute folgen lassen zu dürfen. Aber lest selbst:

Matz ab: Herr Rajkovic, sind Sie ein aggressiver Typ?
Slobodan Rajkovic: Nein. Ich bin auf dem Platz hart, das muss sein. Ich will immer gewinnen und würde für meine Mannschaft auch schummeln, wenn es sein muss. Ich gebe immer alles und ein bisschen mehr für meine Mannschaft. Genau das wollen die Trainer. Auch Thorsten Fink fordert das von mir. Das ist normal. Aber ich habe nie Probleme, mich im Griff zu haben.

Matz ab: Trotzdem wurden Sie jetzt wegen einer Schlägerei mit Ihrem Mannschaftskollegen Heung Min Son suspendiert. Haben Sie sich bei Herrn Son entschuldigt?
Rajkovic: Das wollte ich. Ich durfte aber nicht mal in seine Nähe, wurde aus der Kabine ausgesperrt. Ich wollte auch Tolgay Arslan sagen, dass es mir Leid tut. Allerdings war es auch nicht der Streit mit Son, sondern lange vorher beschlossen, dass ich weg muss. Das hat mir der Trainer so bestätigt.

Matz ab: Wie?
Rajkovic: Ich bin nach dem Streit mit Son in die Kabine des Trainers und habe Antworten bekommen auf viele Fragen, die sich in den letzten Monaten und Wochen aufgestaut hatten und die letztlich dazu geführt haben, dass ich so reagiert habe.

Matz ab: Thorsten Fink ist Schuld an Ihrem handfesten Streit mit Heung Min Son?
Rajkovic: Nicht nur. Aber alles zusammen. Wobei das eine lange Geschichte ist.

Matz ab: Die Sie erzählen wollen?
Rajkovic: Ja. Weil ich so etwas noch nie erlebt habe. Ich wurde noch nie so oft und so lange angelogen. Dabei hätte der Trainer mir am Saisonende einfach nur sagen müssen, dass er mich nicht mehr braucht und ich mir einen neuen Verein suchen soll. Wir waren acht Monate fast jeden Tag auf dem gleichen Trainingsplatz und in derselben Kabine. Und nie kam ein Wort. Nie konstruktive Kritik, noch weniger Lob. Aber vor allem kam nie eine klare Aussage. Das wäre hart für mich gewesen, aber ich hätte Bescheid gewusst und hätte aufhören können, an mir zu zweifeln. Vor allem aber hätte ich die Achtung vor ihm bewahrt, weil er es wenigstens ehrlich kommuniziert. So habe ich hinten herum erfahren, dass der HSV mich verkaufen will. Es war sogar ein Tauschgeschäft mit Dynamo Moskau vom Verein vorgeschlagen worden, ohne, dass mein Berater oder ich involviert waren. Ich wurde im Urlaub von Freunden angerufen, die sich gewundert haben, warum ich Hamburg verlasse. Das war schon hart, zumal ich nie wechseln wollte. Im Gegenteil. Ich habe erst vor ein paar Tagen Moskau trotz einer finanziellen Verdoppelung meines Gehaltes abgesagt. Weil Hamburg ein toller Verein ist. Hier wollte ich meine zweite Heimat finden. Das habe ich Frank Arnesen und auch dem Trainer so gesagt. Alle wussten, dass ich mich hier durchkämpfen wollte. Der HSV mit dem Stadion, mit diesen Fans, der tollen Stadt und der Bundesliga war meine größte Chance, mich zu beweisen. Und wenn ich besser werde, wird es das Geld ganz automatisch.

Matz ab: Sie sprechen in Vergangenheitsform. Heißt das, das Kapitel HSV ist trotz Ihres Vertrages bis 2015 endgültig abgehakt?

Rajkovic: Ja. Sportchef Frank Arnesen will zwar noch mal mit dem Trainer sprechen, aber er hat auch gesagt, dass das wohl nicht viel an der Entscheidung ändern wird. Zumal der Präsident Carl Jarchow bei meiner Suspendierung neben Fink saß. Und der Trainer hat mir gesagt, dass ich bei ihm kein Spiel mehr mache. Wobei der Streit mit Son nur ein willkommener Anlass war. Die Sache war allerdings schon vorher klar. Das hat er mir in einem Vier-Augen-Gespräch auch gesagt. Ich habe ihn gefragt, ob er mich nicht mag. Und er antwortete: ‚Ja.’ Ich sei nicht sein Typ Spieler. Selbst das ist okay, Fußball ist eben auch Geschäft. Aber er hätte mir seine Entscheidung wie ein Mann mitteilen können und sie nicht wie ein Mädchen über Zeitungen lancieren müssen. Nur den Mut hatte er nicht mal in dem letzten Gespräch. Da hat er immer nur auf die Uhr geschaut, weil er los wollte und hat wieder nur gesagt, wie professionell ich mit meiner schwierigen sportlichen Situation umgegangen sei und dass er nur der Streit mit Son sei, weswegen ich suspendiert würde. Dabei gab es doch gerade beim HSV in der letzten Zeit ähnliche Vorfälle, bei denen nicht so reagiert wurde. Gerade der Trainer hatte da seinen Fehltritt.

Matz ab: Sie meinen den Streit mit Muhamed Besic?
Rajkovic: Ja. Der Trainer war damals sauer. Und das zurecht. Er hatte die Laufgruppe, in der Besic und ich waren, immer wieder gefragt, wer beim Waldlauf damals nicht gelaufen sei. Nach dem dritten Mal fragen hat er sich den jüngsten in der Gruppe geschnappt und übel am Hals gepackt. Der Trainer meinte zu mir, dass er eben der Trainer sei und ja auch nicht geschlagen habe. Aber ich habe ihm gesagt, dass er so ein ganz schlechtes Beispiel sei, auch wenn ich seine Reaktion verstanden habe. Weil er eben berechtigt sauer war. Ähnlich wie ich, nachdem ich Sonni dreimal gesagt hatte, das er schneller spielen solle und wir Tore brauchen. Geschlagen habe ich erst, als Sonni reagiert hat und mich treten wollte. Das war nicht gut, aber ich dachte, gerade der Trainer müsste das verstehen. Aber das wollte er nicht. Er sagte, ich hätte zu ihm kommen und ihm sagen sollen, dass Sonni nicht zuhört. Aber mal ehrlich, was soll das? Normalerweise klären Spieler das unter sich. Wir sind erwachsen. Aber bei Fink bestätigt sich langsam das Gefühl, das einige haben, dass Selbständigkeit nicht erwünscht ist. Natürlich darf es nicht eskalieren. Aber zum Vergleich: Mein Freund Dejan Stankovic von Inter Mailand hat mich angerufen und mir erzählt, dass es bei Inter andauernd kleinere und größere Streitigkeiten geben würde, diese aber zu 99 Prozent intern und von den Spielern selbst bereinigt werden. Bei uns geht das doch gar nicht. Es wird immer populistisch eine Hierarchie gefordert – aber hier wird alles von außen gesteuert. Ich glaube auch, dass das der Grund sein könnte, weshalb wir keine Leader in der Mannschaft haben. Im Gegenteil: Gleich nach dem Training hat der Trainer Interviews gegeben und seine Entscheidung mitgeteilt. Mir nicht. Bei mir hat sich selbst unser Ober-Fan Johannes Liebnau gemeldet. Der Trainer aber ewig nicht. Der hat mich öffentlich als Buhmann hingestellt und suspendiert. Noch bevor ich angehört wurde. Wenn ich das mit Bayern München vergleiche, wo sich Ribery und Robben in der Kabine blaue Augen schlagen und wo der Verein seine Spieler nach außen hin schützt und intern alles klärt, sagt das doch schon alles über Thorsten Fink. Trainer müssen immer viele Spieler bedienen und bei Laune halten. Da kann man sicher nicht immer alles sagen. Aber unser Trainer lügt. Er hat zwei Gesichter. Und leider sehen das in der Mannschaft schon einige so. Denn im Gegensatz zu mir wollen hier einige weg.

Matz ab: Wer?
Rajkovic: Das kann ich nicht sagen. Ich petze nicht. Ich habe auch lieber die Einjahressperre hingenommen, als ich einen Schiedsrichter angespuckt haben sollte. Dabei weiß ich, wer es war. Nein, ich wusste, dass wir mit dieser Mannschaft nicht über die individuelle Klasse kommen können, sondern über Zusammenhalt. Dafür habe ich lange geschwiegen. Weil der HSV ein toller Klub ist. Aber jetzt wird es gefährlich, weil man dem Trainer zu viele Rechte einräumt. Wen er nicht will, den behandelt er schlecht. Wie mich in Österreich.

Matz ab: Meinen Sie wirklich, dass er das bewusst macht?
Rajkovic: Leider ja. Er hatte mir bis zum 12. Juli Urlaub gegeben, weil ich nach der Saison noch 15 Tage auf Länderspieltour war. Und plötzlich kommt am 5. Juli eine vom Trainer in Auftrag gegeben SMS von Teammanager Marinus Bester mit ‚Wo bist Du?’, woraufhin ich meinen Urlaub abbreche und so schnell wie möglich ins Trainingslager nach Österreich fliege. Als ich dort ankam, fragte mich Thorsten Fink nur: ‚Was willst Du denn hier?’ Spätestens da habe ich gemerkt, dass hier ein falsches Spiel mit mir gespielt wird. Und das geht nicht nur mir so. Ich sage es nur laut, weil es einem tollen Klub großen Schaden zufügen könnte.

In diesem Sinne, gute Nacht!
Scholle

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