Tagesarchiv für den 31. Juli 2012

Der HSV hat Schweden überlebt

31. Juli 2012

Es gab heute die Gelbe für mich. Oder war es schon die Gelb-Rote? Das Moderatoren-Team hat schwer mit mir gemosert, denn meinen letzten Beitrag fanden die Moderatoren nicht sonderlich gut gelungen. Ja, die Tagesform, ich sag es ja. Manchmal hat man eben auch mal einen gebrauchten Tag erwischt – das (oder den) kennt ja wohl jeder. Offenbar hatte ich den gestern. Die Moderatoren (und wohl nicht nur sie) unterstellen mir, dass ich wieder mal wie eine „beleidigte Leberwurst“ gewirkt habe. Das mag so gewirkt haben, aber ich kann jedem nur versichern, dass ich es nicht bin. Mehr möchte ich aber auch nicht sagen, sonst könnte ich eventuell noch einmal böse Geister wecken.

Der HSV, um das Thema zu wechseln, ist nun auf dem Rückweg. Offenbar gab es im schwedischen Überlebenscamp keine personellen Verluste, ich habe Fotos gesehen, auf denen sich die Mannschaft vor dem Bus versammelt hat, der die Spieler in Richtung Flughafen bringen wird. Die Reise wird sich gelohnt haben, denke ich. Nach allem was ich gehört und gelesen habe (HSV), sind alle enger zusammengerückt. Mich hat ein Foto besonders gefreut, zeigt es doch die beiden Torhüter Jaroslav Drobny und Rene Adler beim Einsteigen (mit Brot in den Händen) in ein Boot. Trotz der großen Konkurrenz – alle sitzen in einem Boot. Und das ist auch gut so.

Ansonsten möchte ich heute einen „Kummerkasten-Tag“ einlegen. Das heißt: Briefe und Mails an mich, die euch und auch mich bewegen. Vielleicht erkennt sich ja einer in einem Beitrag wieder.

Von “Jan B.” kam heute:

„Dieter, ich hab da mal ne Frage zu deinen Sorgen im Sturm. Welcher HSV Stürmer hat in den letzten 5 Jahren mehr als 15 Bundesligatore geschossen? Ich sag es dir, keiner. Unser Problem liegt nicht bei guten oder schlechten Stürmern. Wir als HSV schießen insgesamt zu wenig Tore. Der HSV hat es in den letzten 10 Jahren und länger nicht fertiggebracht die 60 Tore Marke zu knacken. Selbst mit einem van der Vaart sind wir nur bei 55 Toren angekommen.

Wenn du vom HSV Tore sehen willst, musst du über das Spielsystem nachdenken. Tore schießt die Mannschaft und nicht ein einzelner Spieler. Selbst Gomez war maßgeblich von Ribery und Robben abhängig. Auch bei einem Huntelaar ohne Raul wirds diese Saison schwer. Wir sollten vielleicht dringlichst unser Spielsystem optimieren so das die Tore wieder fallen. Wir müssen uns entscheiden ob wir über die Flanken mit einem 4-3-3 kommen oder spielerisch durch die Mitte mit dem 3-5-2, oder auf Konter mit einem 4-5-1 oder 4-1-4-1. Alle diese Varianten sind derzeit vom Kader her spielbar. Es fehlt dafür nur ein spielstarker Mittelfeldspieler, mehr nicht. Eventuell kannst du noch über einen Abwehrspieler nachdenken, aber Kacar hat ja keiner mehr auf dem Schirm.

Wir sollten nicht dauernd nach neuen Spielern schreien. Jetzt ist unser Trainer in der Pflicht die vorhandenen Spieler zu formen und zu fördern. Dann schießen Rudnevs, Berg, Beister, Son und illicevic auch wieder Tore. Das sie es können haben alle schon gezeigt.

In diesem Sinne schau mehr auf das Training und die Spielerentwicklung, das bringt uns derzeit weiter.“

Letzterer Punkt liegt mir sehr am Herzen, wird mir auch künftig weiter sehr am Herzen liegen. Ich glaube ja auch, dass in diesem Punkt in der gesamten Liga mächtig geschludert wird. Da könnte mehr getan werden, und da sollte auch mehr getan werden – hoffentlich wird es erkannt. Um es noch einmal zu sagen: Das ist kein Thema für die Kombination Fink/Arnesen, sondern für alle. So wie es Fink/Arnesen bislang gemacht haben, so haben es auch alle ihre Vorgänger gemacht. Aber, wie geschrieben, es könnte eben noch mehr gemacht werden. Gerade in dem Punkt Spielerentwicklung. Ich würde sogar Spielerweiterentwicklung schreiben.

Ein Punkt liegt mir zudem noch am Herzen: Kacar hat keiner mehr auf dem Schirm. Stimmt wohl, denn ich höre nichts mehr davon, dass er diese oder jene Lücke schließen könnte. Okay, noch ist er verletzt, das dauert ganz sicher auch noch einige Wochen – aber dann könnte er ja durchaus noch kommen. War er nicht schon mal ein ausgezeichneter Innenverteidiger beim HSV? Ich habe das so empfunden, damals sahen wir (ich) den besten Kacar, den es je in Hamburg gegeben hat. Wenn er daran wieder anknüpfen könnte, dann wäre das für mich wie ein neuer Spieler für den HSV. Man muss (oder müsste) es ihm nur mal wieder zutrauen . . .

Und speziell zum Thema Sturm oder Angreifer: Wann hatte der HSV mal einen echten Reißer, einen echten Brecher wie einst Uwe Seeler? Einer, der dorthin geht, wo es wehtut. Der den direkten Weg zum Tor sucht, wenn nötig, dann auch mit dem Kopf durch die Wand? Einen Stürmer, der wendig und schnell ist, der Tore „riechen“ kann. So war Paolo Guerrero nicht, so war Mladen Petric nicht, so ist Marcus Berg auch nicht. Ivica Olic war halbwegs ein solcher „Verrückter“, der abging wie Schmidt’s Katze, der unorthodox spielte und unberechenbar war für Freund und Feind, der jedem Ball hinterher sprintete ohne Ende – wenn der HSV mal wieder einen solchen Mann einfangen könnte, dann wäre mir wohler. Ich habe, um es mal klar und deutlich zu sagen, die Nase voll von nur „spielenden“ Stürmern, ich wünsche mir einen Mann, der mit starkem Willen Tore machen will, der marschiert, de sich da vorne rein wirft, der sich voll reinhängt.

Wobei ich selbstverständlich weiß, dass es von solchen Spieler-Typen nicht mehr ganz so viele gibt, und dass diese Spieler-Typen natürlich ihren Preis haben. Aber vielleicht könnte der HSV einen solchen Stürmer ja auch mal selbst heranzüchten? Uwe Seeler (irgendwie lande ich immer wieder beim ihm) kam doch auch einst aus der eigenen Jugend hervor – und machte mit 17 schon sein erstes Länderspiel! Ich weiß, ich weiß, ein Jahrundert-Talent, aber warum kann es einen solchen Stürmer nicht noch einmal beim HSV geben?

Und damit sind wir bei der nächsten Mail – und beim nächsten Thema. Zur Nachwuchsarbeit des HSV gab es folgende Mail:

„Sehr geehrter Herr Matz,

Ja, die Nachwuchsarbeit unseres HSV ist seit Jahren eine Katastrophe. Im letzten Jahr hat es keine Jugendmannschaft geschafft, in ihrer Liga ganz oben zu stehen. Warum schaffen es Mannschaften aus einem kleinstädtischen Umfeld oder der Nachwuchs anderer Bundesligavereine? Spielen beim HSV immer nur solche Jungs, die sich mit dem Image des HSV schmücken wollen? Was bringt das alles, was bisher unternommen wurde?

Der direkte Bundesliganachwuchs spielt regelmäßig im Mittelfeld der 4. Liga. Der HSV käme nie auf die Idee, Spieler aus der 4. Liga für seine Bundesliga zu verpflichten. Wieso soll das aus einer eigenen Nachwuchsmannschaft aus der 4. Liga gelingen? Die Wenigen, die mal nach oben kommen, versauern entweder lange auf der Ersatzbank oder werden ausgeliehen. Der Trainer der Bundesligamannschaft kann nur in Ausnahmefällen große Risiken eingehen und Nachwuchskräfte einsetzen, die „noch“ so weit vom erforderlichen Bundesliganiveau entfernt sind. Deshalb wird es auch nichts mit einem erfolgreichen Nachwuchs beim HSV.

Jahr für Jahr hören wir nun, jetzt wird sich das alles ändern. Verdiente Ligaspieler übernehmen das Amt, das Ergebnis: unser HSV kommt keinen Schritt weiter. Nun ist dem HSV eingefallen, neues Beton anzumischen und ein neues Leistungszentrum bauen zu wollen. Es fehlt aber nicht an Gebäuden sondern an Kreativität, Können und Professionalität in der Nachwuchsförderung. Das ist mit Beton nicht zu erreichen.

Was sollte getan werden? Es bedarf eines exzellenten, als Fachmann ausgewiesenen, Toptrainers. Eines sportlichen Leiters, der in seinem Denken kein Verwalter und/oder nur Organisator sein sollte. Es wird ein professionelles Scouting-Team für junge Talente benötigt, das seinen Namen verdient. Es muss damit aufgehört werden, Nachwuchsarbeit nebenbei zu erledigen und nur ehemaligen „verdienten“ Spielern einen neuen Karriereschritt zu ermöglichen. Nur wer den Nachweis erbracht hat, dass er es auch wirklich kann, sollte eine Chance erhalten. Ein toller Bundesligaspieler ist noch lange kein guter Trainer.

Ich halte es für wichtiger, kräftig in den Nachwuchs zu investieren, als die letzten Cents für die Bundesliga zusammen zu kratzen. Dem Sparkommissar Herrn Jarchow muss klar sein, er muss (leider) überall den Rotstift ansetzen, um den Verein vor einer Überschuldung zu retten. Beim Nachwuchs muss er kräftig investieren. Vielleicht gibt es ja mit ein wenig Phantasie auch dafür Investoren.

Mit besten Grüßen, Wolfgang I.“

In vielen Punkten, das gebe ich zu, spricht mir Wolfgang I. aus der Seele. Der eine oder andere Punkt wurde auch schon an anderer Stelle aufgegriffen (auch von mir) – aber genützt hat es leider nur wenig, im Grunde genommen gar nichts. Mit Sportchef Frank Arnesen kam ja 2011 auch eine Crew in Sachen Nachwuchsarbeit, sie ist nun ein Jahr dabei – und wann immer ich meine Ungeduld zum Ausdruck bringe, höre ich nur: „Wir können keine Wunder vollbringen so etwas muss aufgebaut werden, behutsam betreut und gepflegt werden – aber das dauert eben einige Jahre.“

Was ja wohl oder auch ganz sicher stimmen mag – nur haben wir diese Sätze schon seit Jahrzehnten gehört, immer und immer wieder. Da ist wohl Kontinuität gefragt – und die gab es auch in diesem Punkt beim HSV so gut wie nie. Ungeduldig wurden meistens mitten im Galopp die Pferde gewechselt – und alles begann wieder von vorn . . .

Dann gab es auch die folgende inhaltsreiche Mail an mich, mit reichlich Kritik auch an meiner Person – aber ich veröffentliche sie trotz allem, denn alles das, was da geschrieben wurde, geschah oberhalb der Gürtellinie:

„Lieber Matz,

als langjähriger HSVer, Fan und Mitglied mache auch ich mir Sorgen um den HSV. Sicher gibt es diverse Baustellen in dieser Mannschaft und darum, aber die Ursachen dafür liegen vor allem in der Vergangenheit. Deswegen bin ich der Meinung, dass dafür in erster Linie auch die
Vergangenen verantwortlich sind. Als jemand, der nicht aus Hamburg kommt und nicht wie du und manch andere das Glück haben, täglich das Training zu besuchen und dicht am Geschehen zu sein ist mir der Blog eine Möglichkeit, teilzuhaben, danke dafür.

Jedoch muss ich mich doch auch etwas wundern. Zum einen, was da so zu lesen ist. Waren wir uns nicht vor kurzem alle einig, dass es endlich Zeit ist, einen neuen HSV aufzubauen? Ohne
Söldner? Mit Herz für den Verein? Genau daran wird jetzt gearbeitet, mit den Hypotheken der Vergangenheit. Vielleicht ist es auch ganz gut, nicht so wie ihr, so dicht am Geschehen zu sein, mit etwas Abstand sieht man die Dinge vielleicht ja etwas anders… Aus der Ferne (Braunschweig, doch dazu später mehr) betrachtet stellt sich unser HSV als Lachnummer
da. Besser gesagt: Er wird als Lachnummer dargestellt. Und daran seid ihr vom Abendblatt/Mopo leider beteiligt.

Das Interview mit Rajkovic zum Beispiel. Worin liegt der Nutzen dieses Interviews? Einem Spieler, der – aus welchen Gründen auch immer – suspendiert wurde, eine derart große Bühne für die persönliche Abrechnung/Frustbewältigung zu geben, das verstehe ich unter geschäftlichen Gesichtspunkten, aber kann es nicht nachvollziehen, dass Ihr als HSVer dies tut, das schadet dem Verein. Das bringt Unruhe, das bringt Missstimmung, das ist nicht das, was der HSV braucht. Hat es denn dem Abendblatt eine höhere Auflage verschafft? Ich hoffe wenigstens das. Da pöbelt ein durchschnittlicher Profi gegen den Trainer in einer Weise, die Du in deiner aktiven Laufbahn sicher auch nicht hättest hören wollen. Das ewige Argument der journalistischen Notwendigkeit zieht meiner Meinung nach nur sehr bedingt, denn man hätte
damit auch anders umgehen können.

Zum anderen muss ich mich wundern, wie scharf du heute Herrn H. aus Essen abserviert hast. Was steht denn in dem Text, dass du dich gleich so angemacht fühlst? Oder wurden die Teile, die dich so erbost haben, nicht veröffentlicht? In manchen Teilen denke ich denau so wie Herr H. Wie scharf du Rudnevs runtermachst nach gerade einmal 10 Spielen, das verstehe ich nicht. Übrigens auch andere, mit denen ich mich darüber unterhalten habe auch nicht. Sicher, er vergeigt zur Zeit etliche dicke Dinger, aber über ihn so hart zu urteilen, das geht gar nicht. In diesem Punkt hat Herr H. aus Essen recht. Vielleicht sieht man aus der Ferne die Dinge ja doch etwas gelassener.

Und direkt im Anschluss trauerst du darüber, dass in HH keine Stars mehr geboren werden, das ist meiner Meinung nach leicht widersprüchlich. Das Rudnevs Tore Schießen kann, das
hat er bereits gezeigt. Marcus Berg im übrigen auch. s. Herr H. aus Essen.

Kommen wir zum Ende:
Wenn wir uns jetzt nicht die Zeit nehmen, einen neuen HSV aufzubauen, dann wird das nie etwas. Die Mannschaft braucht Zeit, das Umfeld braucht Ruhe. Wir brauchen Ruhe! Und die kriegen wir nicht hin, wenn ständig aus der Hamburger Medienlandschaft Unruhe geschrieben wird, zu hohe Erwartungen geschührt werden. Der Umbruch ist da, gebt den jungen doch einmal die Chance, es gut zu machen. Wir haben kein Geld für Spieler wie vdV und außerdem wollten wir Spieler, die wie unsere Fans alles geben für den HSV. Habt ein wenig Vertrauen in die sportliche Leitung. Wenn du wen kennst, der es besser kann, schön. Aber zur Zeit brauchen wir keine Personaldiskussion. Die hatten wir in den vergangenen Jahren genug, jetzt wieder den Trainer, Sportdirektor oder wen auch immer in Frage zu stellen, das bringt nichts. Haben sich eigentlich mal die, die in den vergangenen Jahren ich-weiß-nicht-wie-viele-Trainer “kritisch hinterfragt” haben mal selber hinterfragt, was das immer gebracht hat?

Genau: Das hat den Verein dahin gebracht, wo er jetzt steht. Fink und Arnesen sollten jetzt mal in Ruhe das Ding zu ende bringen dürfen, dann steht der HSV in ein/zwei Jahren wieder da, wo er hingehört: auf Rang 3-5. Alles andere würde den HSV nie zur Ruhe kommen lassen, so wie den Traditionsverein aus meiner Stadt – den BTSV Eintrach Braunschweig.

In diesem Sinne, sportvereinliche Grüße, Giso K.“

Dazu drei kurze Anmerkungen. Aus der Ferne sieht man vielleicht etwas gelassener, das mag so sein, aber man sieht nicht besser. Garantiert nicht. Mehr möchte ich zu diesem Punkt nicht (mehr) sagen. Dass Rudnevs Tore schießen kann, auch Marcus Berg, das haben sie schon gezeigt. Nur wo? In der Bundesliga? Rudnevs konnte es logischerweise noch nicht, Berg hätte es reichlich machen können – traf aber meiner Meinung nach zu selten. Dazu gebe ich dann auch zu, dass es mir Sorge bereitet, wenn ich daran denke, dass Berg nun die große Tor-Hoffnung des HSV werden sollte oder werden könnte. Aber vielleicht platzt der Knoten bei dem Schweden ja nun, wo er sich durch das schwedische Überlebenscamp gekämpft hat.
Und zur speziellen Thematik mit „Herrn H. aus Essen“ sei gesagt, dass ich ihn gestern nicht „runtermachen“ wollte, ihn meiner Meinung nach auch nicht „runtergemacht“ habe. Herr H. aus Essen hat mir heute noch einmal geschrieben, er hat nichts von einem „Runtermachen“ meinerseits gegen ihn geschrieben:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Danke für Ihre Reflexion auf mein gestriges Anschreiben. Ich verstehe Ihre Gedanken und “die Gedanken sind frei!”
Ich verstehe Ihre Tätigkeit möglicherweise anders, als Sie sie darstellen. Sie sehen sich als Spiegel der Meinungsvielfalt um den HSV?
Gut. Aber als Fan können Sie doch was tun für unseren Verein! Da sich Fussball im Wesentlichen im Kopf abspielt ist es doch wichtig, dass man beispielsweise folgendes Szenario vermeidet: Ein Spieler wechselt in ein fremdes Land,in einen Job, dessen Anforderungen er genau kennt, nicht aber seine diesbezügliche Potenz. Bei seinen ersten Aktionen im neuen Team gelingt noch nicht viel. Er wird logischerweise mehr als Andere beäugt. Druck baut sich auf, dieser Druck ist kontraproduktiv…

Ich habe genauso wenig von Rudnevs gesehen, wie Sie es auch unterstellen. Aber er bringt eine nicht unerhebliche Empfehlung mit. Diese basiert auf einer Qualität. Und selbst wenn die Bundesliga “härter” ist, beweist ja der BVB, dass polnische Qualität belastbar ist. Also gebe ich dem Spieler Vertrauensvorschuss. Nur das braucht er! Alles andere hat er.

Ich weiss, dass sie nicht der Psychologe des Vereins sind, aber Sie sitzen an einer Stelle, die die Dinge in die eine oder andere Richtung in Bewegung setzen kann. Das beschissene Abschneiden des HSV in der letzten Saison hat im Kopf begonnen:

“Mein Gott,so ein schweres Anfangsprogramm,!” ” Wenn wir nach 5 Spielen 6 Punkte haben sind wir gut!” -Drobnys Formsuche verunsichert die Hintermannschaft, die Hintermannschaft verunsichert Drobny, viele Gegentore in den letzten Minuten: “Wir können keine Führung über die Zeit bringen!” (Hertha, Köln). Das erlebt man z. B in Freiburg auch, aber da haut keiner drauf….da heisst es: “Wenn ihr absteigt, reissen wir euch nicht den Kopf ab!” Das hilft! Das macht sicherer! Manche Kritik ist einfach fruchtlos. Das meine ich nicht speziell in Bezug auf Ihre HSV-Ecke, eher allgemein.

Heute wieder die von Uwe : “Es ist schon sehr spät, es wird immer schwerer, gute Spieler zu verpflichten!” Das ist, mit Verlaub, Käse! Der Transfermarkt schliesst am 31.8. und erfahrungsgemäss kommt gegen Ende noch Bewegung in den Markt!?! – Die Befürchtungen von Uwe Seeler aber stehen im Raum, setzen unter Druck und schaffen wieder nur Unruhe im Umfeld etc.pp.

Dass Sie sich mit meinen Gedanken auseinander gesetzt haben, ehrt mich und ich will mich bemühen, meine Intentionen nicht zum Allgemeingut machen zu wollen und Ihre Zeit nicht über Gebühr zu stehlen!

Hoffentlich geht’s bald wieder los…die Karten für Karlsruhe liegen schon bereit! Schreiben Sie doch mal über den Pokal und seine Gesetze…Aua!?!

Herzliche Grüße! Ralf H.“

So, das war „Herr H. aus Essen“ mit seiner Antwort. Vielen Dank dafür. Ich möchte dazu auch nicht mehr viel sagen, nur: Herr H. schreibt: „Aber als Fan können Sie doch was tun für unseren Verein!“ Und dann auch: „Ich weiss, dass sie nicht der Psychologe des Vereins sind, aber Sie sitzen an einer Stelle, die die Dinge in die eine oder andere Richtung in Bewegung setzen kann.“
Genau das ist der Punkt. Das ist falsch! Erstens schreibe ich für das Hamburger Abendblatt seit nunmehr 27 Jahren nicht als HSV-Fan, sondern als Redakteur dieser Zeitung. Wäre dem nicht so, müsste ich für die HSV-Vereinszeitung schreiben, aber die zahlt weniger gut . . . Wenn ich bislang als HSV-Fan für das Hamburger Abendblatt geschrieben hätte, dann hätte ich eventuell ein Jahr, vielleicht auch zwei Jahre überlebt – aber keine 27. Job ist Job. Wer will denn Berichte wie diese jeden Tag lesen: „Beim HSV ist wirklich alles bestens in Ordnung, die Spieler mögen sich, alle wollen sie den Ausrutscher der vergangenen Saison, als der Verein nur knapp an der Europa League vorbeischrammte, so schnell wie möglich vergessen machen. Sie brennen auf die neue Saison, sie wollen Titel, Titel, Titel, dafür geben sie alles, und die Stimmung im Team ist super. Die Mannschaft trainiert, wie immer, wie aus einem Guss, so vorbildlich, so engagiert, so konzentriert, so diszipliniert – HSV-Fans, macht euch keine Sorgen, der HSV ist wieder da! Und der Volkspark ist dazu wunderbar grün, die Schäfchenwolken am blauen Himmel sorgen für ein total stimmungsvolles Gesamtbild. Und: Lieber Herr Fink, führen Sie Ihre Mannen nun zu neuen großen Taten – auf ihr Männer, packt es an! Ihr könnt es, ihr habt das Potenzial, ihr habt so eine wunderbare Substanz in euch – ihr könnt ganz Großes vollbringen.“

Das klingt schon toll, oder? Aber so ganz verstehe ich trotz allem auch die Kritik am Rajkovic-Interview nicht, noch immer nicht. Ich habe es ja nicht geführt, aber ich habe mich mit „uns Matz-ab-Scholle“ mächtig gefreut, denn er bekam für diese Glanzstück viel, viel Lob von allen Seiten, und zwar wirklich von allen Seiten – auch von der härtesten Konkurrenz. Ob dieses Interview eine Auflagensteigerung gebracht hat, das kann ich nicht sagen – ich kann es nur vermuten. Und wenn es so war, dann gratuliere ich dem Blatt – und auch „Scholle“ noch einmal. So, genau so geht Zeitung.

Was wäre das denn wohl für eine Art Journalismus, wenn in den Zeitungen immer nur das geschrieben stünde, was gut für den Verein ist? Kein Journalismus wäre das! Das wäre dann doch nur die HSV-Vereinszeitung – in der Tat. Und über dem Titel „Hamburger Abendblatt“ müsste dann stehen: „Das offizielle Vereinsorgan des Hamburger Sport-Vereins“.
Mal ganz kurz weg vom HSV: Die Akte Blatter, von einem Schweizer Journalisten beharrlich verfolgt, jahrelang nachgeforscht und dann nach hartem Kampf mit der Justiz veröffentlicht. In der ganzen Welt! Darf der Mann das? Dieser Schweizer Journalist? Sollte er nicht besser geschwiegen haben? Ganz egal, was da bei der Fifa gemauschelt wurde?
Oder jetzt Uwe Seelers Aussagen. Verschweigen? Alle Hamburger Zeitungen haben es heute berichtet, dass sich der Ehrenspielführer Sorgen um „seinen“ HSV macht. Ich finde, dass es Uwe Seeler sehr sympathisch macht, wenn er sich sorgt. Er macht sich doch aber nur Sorgen, er will weder Frank Arnesen abschießen, noch will er Trainer Thorsten Fink umkippen. Seeler wäre doch der Allerletzte, der seinem Klub etwas Schlechtes wünscht oder antut. Er möchte doch nur, dass im HSV engagiert, mit Weitblick und profihaft – von allen – gearbeitet wird, damit es dem HSV eines fernen Tages wieder einmal besser geht. Mehr will er nicht.
Einige aber sehen das so, dass er (Uwe Seeler) damit Unruhe schürt, andere jedoch finden es sicher gut – weil sie sich in den Sätzen von Seeler total wiederfinden.
Denn auch sie sorgen sich so wie „uns Uwe“ um den HSV.

Ich nebenbei auch, aber ich habe dem Medien-Direktor Jörn Wolf versprochen, dass ich bis zum letzten Tag die Ruhe bewahre werde und nicht in Panik verfalle. Es soll sich ja noch einiges tun beim HSV. Personeller Art. Und deshalb warte ich mal ab, was und wer da noch kommt. Erst wenn sich dann bis zum 31. August nichts mehr getan hat, dann werde ich alle im HSV daran erinnern, was da im Juni/Juli 2012 versprochen worden war – aber bis dahin harre ich aus und hoffe, dass die richtigen Entscheidungen noch getroffen werden. Und wenn Frank Arnesen schon festgestellt hat, dass er und Thorsten Fink „bislang fantastisch gearbeitet“ haben, denn wird da sicher auch noch weitere fantastische Arbeit folgen. Davon bin ich total überzeugt.

So, um noch ein bisschen olympische Stimmung aus London bei „Matz ab“ zu verbreiten, gibt es hier diese SID-Meldung:

Britische Zeitung verspottet Torfrau: „Wie ein Huhn“

Ausgerechnet eine englische Zeitung macht sich am Rande der Olympischen Spiele über Torfrau Annette Ngo Ndom aus Kamerun lustig. Die Fußballerin, schreibt das Gratisblatt Metro, habe eine „Aversion gegen Bälle“ und flattere herum „wie ein Huhn in der Disco“.

Ngo Ndom musste zum Auftakt des Olympia-Turniers gegen Brasilien (0:5) fünf Mal hinter sich greifen, gegen Großbritannien setzte es im zweiten Spiel ein 0:3. Zum Abschluss der Vorrunde trafen die „Unzähmbaren Löwinnen“ am Dienstagabend auf Neuseeland.

Hätte Kameruns Coach „Miss N N“ jeweils nach zehn Minuten durch einen „Stock mit Handschuhen“ ersetzt, schrieb Metro weiter, „wären die Niederlagen wohl glimpflicher ausgefallen“. Vor dem Spiel gegen Neuseeland prophezeite das Blatt Besserung. „Wenn die Kiwis keine Freistöße in Strafraumnähe oder Ecken bekommen und keine einzige Flanke schlagen, sollte sie in Ordnung sein.“

Ganz zum Schluss möchte ich eine Bitte meines Kollegen Volker Sarbach (ist auch bei „Matz ab live“ dabei – oft an der Kamera) erfüllen:

„Lieber Dieter, lieber Scholle!

Als HA-Tipp-Spiel-Beauftragter bitte ich euch, auf unser Bundesliga-Tippspiel im Blog hinweisen. Wir haben derzeit über 1500 Mitspieler. Zum Saisonende gibt es 300, 200 und 100 Euro zu gewinnen. Vielleicht ist es für Matz-ab-Blogger interessant, dass man sich auch zu Teams zusammenschließen kann (derzeitig haben wir 75 Teams). Hier der Link mit weiteren Infos:http://www.abendblatt.de/sport/article975645/Jetzt-anmelden-beim-grossen-Bundesliga-Tippspiel.html. Danke!“

PS: Am Mittwoch ist trainingsfrei im Volkspark.

PSPS: Die Mails an mich, die hier veröffentlicht wurden und werden, sind von mir – wie immer – nicht korrigiert noch sonst in irgendeiner Form bearbeitet worden.

18.04 Uhr