Tagesarchiv für den 28. Juli 2012

Runterfahren und überleben

28. Juli 2012

So, den Sommer haben wir auch hinter uns, viereinhalb Tage Sonne, das reicht ja auch wirklich – wir sind ja nicht verwöhnt. Zumal der HSV in Schweden nicht nur ums Überleben kämpft, sondern auch nicht gerade gutes oder bestes Sommer-Wetter hat. Die Mannschaft ist „dort oben“ gut angekommen, Medien-Direktor Jörn Wolf hat schon eine Menge Fotos an die Redaktionen geschickt – es wirkt alles bestens. In diesem Camp hängt übrigens ein handgeschriebenes Herzlich-willkommen-Plakat, und darauf stehen die Erwartungen, die alle an diesen ungewöhnlichen Trip haben. Also:

Erwartungen:

Ruhe.
Runterkommen.
Überleben.
Spaß.
Essen besorgen.
Was Neues erleben.
Neue Erfahrungen.
Gesund hier rauskommen.
Verantwortung füreinander.
Sich helfen.
Ohne Handy zurechtkommen.
Viele Mücken.
Mit der Mannschaft etwas erleben.
Besser kennen lernen.
Die Spieler das Beste geben.

Vor der Reise nach Schweden gab es am Abend ja noch das Testspiel in Norderstedt. 6:0, das Ergebnis ist bekannt, es hätte in meinen Augen auch ein 8:4 für den HSV heißen und geben können, denn der Fünftliga-Klub hatte mindestens vier glasklare Tormöglichkeiten – aber das ist ja auch relativ unwichtig, denn ein solches Spiel hat ja keinerlei Einfluss auf die nun kommende Saison.

Für mich hat diese Partie dennoch eine ganz wichtige Erkenntnis gebracht. Wer auch immer etwas am Verhältnis zwischen Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen zu mäkeln hat, er liegt wohl daneben, denn: Beide Herren saßen während des Spiels Schulter an Schulter und unterhielten sich fleißig. Sie sprachen über einige Szene, sie scherzten auch einige Male (mehr), und sie wirkten so, als wenn dort zwei Freunde sitzen, die gemeinsam „ihr Ding“ machen wollen. Genau so hatte es auch Thorsten Fink noch vor dem Anpfiff gesagt: „Was da über uns gesagt und geschrieben wurde, das ist alles Blödsinn.“ So muss es, wie gesagt, tatsächlich sein, denn Fink und Arnesen saßen wie zwei Freunde nebeneinander. Wären sie das nicht, hätten sie sich gewiss nicht so auf die Bank gesetzt und sich so der Öffentlichkeit präsentiert.

Vor dem Spiel unterhielt ich mich lange mit Medien-Direktor Jörn Wolf – auch und natürlich über den „Matz-ab-Blog“. Und auch darüber, dass hier zuletzt so manche harte Kritik an den Klub und die Verantwortlichen gekommen ist. „Falls ich damit gemeint sein sollte, so muss ich für mich feststellen, dass ich mir zum jetzigen Zeitpunkt große Sorgen um den HSV mache. Ich habe Angst um den HSV, Angst davor, dass es wieder eine Saison gibt, die im Abstiegskeller gespielt wird . . .“ Das sagte ich Wolf – und er antwortete: „Angst ist ein schlechter Berater.“ Stimmt wohl. Aber im Moment ist es eben noch so, denn für mich sind mit Petric, Jarolim und Guerrero drei erfahrene Leute gegangen, und bislang sehen ich eine ganz, ganz junge HSV-Mannschaft, die noch viele, viele Schwächen abzulegen hat. Und die Saison rückt näher. Was ein Fehlstart für Folgen haben kann, haben wir alle 2011 eindrucksvoll und negativ genug erfahren müssen.

Wolf aber rückte meine Sorgen auch noch einmal in aller Form und ganz nüchtern zurecht: „Was haben wir immer wieder gesagt, als die Saison beendet war? Wir müssen erst Spieler verkaufen, bevor wir einkaufen können.“ Richtig. Das haben sie alle immer wieder gesagt, Frank Arnesen hat es jeden Tag sogar mehrfach sagen müssen. Und trotz allem habe ich (und wohl auch noch einige andere Leute) es vergessen, daran zu denken. Bevor Guerrero und Töre nicht verkauft waren, das ist eben die nackte HSV-Tatsache, war einfach kein Geld da, um zu planen, um neue Spieler ins Visier nehmen zu können. Das ist – nach wie vor – die Wahrheit.

Thorsten Fink jedenfalls, das hat er in Norderstedt auch noch einmal betont, ist zum jetzigen Zeitpunkt ganz gelassen, denn er weiß, dass jetzt, wo Guerrero und Töre weg sind, Geld da ist, um noch etwas zu tun. Und es wird, so wurde es mir am Freitag von allen Seiten versichert, es wird etwas getan. So wie jetzt auch die Sache mit Milan Badelj in trockenen Tüchern ist. Es geht voran, auch wenn es nicht alles sofort und nicht von heute auf morgen geht.

„Du musst dir keine Sorgen machen, und Angst haben musst du erst recht nicht haben“, hat mir Jörn Wolf mit auf den Weg gegeben – und ich versuche es, jetzt damit umzugehen. Und ich versuche mich bis zum Auftakt-Spiel gegen den 1. FC Nürnberg zu disziplinieren, die Angst zu unterdrücken. Gut Ding will Weile haben, auch in dieser Saison. Und dann werden wir mal abwarten, wie es diesmal läuft. Vielleicht werden ja auch jetzt, gerade in diesen Tagen und Stunden, die Weichen für eine erfolgreichere Saison gestellt – in Schweden, im Überlebenscamp, abseits von jeglicher Zivilisation. Schön wäre es auf jeden Fall.

So, dann komme ich zur Abteilung „Kummerkasten“. Mails, Mails, Mails – ob privat oder bei Matz ab. Es gibt Bewegungen, der HSV steht im Mittelpunkt.

Lieber Herr Scholz,
lieber Herr Matz,

vielen Dank für die damalige Reaktion / Antwort auf meine Mail.

Nun brennt mir aber doch eine Frage auf den Lippen bzw. kann die aktuelle Berichterstattung nicht nachvollziehen! Im Abendblatt, sowie in der Matz Ab Berichterstattung wird immer wieder Frank Arnesen angeprangert, dass Arnesen endlich liefern muss und geeignete Neuzugänge präsentieren muss. Ist sicherlich richtig, dass die Mannschaft in der aktuellen Kaderbesetzung kaum Konkurrenz darstellen wird und Neuzugänge präsentiert werden müssen!

Bloss wieso nimmt man Hr. Jarchow hier nicht mit in die Kritik? Unser VV erschwert doch die Arbeit erheblich… z.B. die aktuelle Personalie Badelj. Da posaunt Jarchow via Presse, dass dieser in Kürze präsentiert wird. Arnesen wiederum, dass noch Gespräche anstehen, nichts fix sei und ggfs der AR noch über das Finanzpaket Badelj abstimmen muss. Hr. Jarchow gefährdet diesen Transfer doch erheblich mit seinen Äusserungen. Wieso wird diese Thematik nicht aufgegriffen bzw angeprangert?

Folgender Absatz aus dem Abendblatt:
…Milan Badelj ist trotz anderslautender Ankündigungen von HSV-Vorstandschef Carl Jarchow längst nicht mehr sicher. Fenerbahce Istanbul soll dem 23-Jährigen ein finanziell reizvolleres Angebot unterbreitet haben. Und so droht nach Granit Xhaka und Rafael van der Vaart auch bei dem Kapitän von Dinamo Zagreb, dessen Verpflichtung Jarchow bereits vermeldet hatte, eine weitere Absage, die Arnesen angelastet würde.

Wieso wird diese Absage Arnesen angelastet? Arnesen hat diesen Transfer nie als fix vermeldet! Die Personalie wurde doch durch den Vorstoß von Hr. Jarchow gefährdet.

Zudem lese ich dann im gestrigen Matz Ab Blog folgende Passage:
Adler spricht von Erfahrung, von Haudegen. Und nach dem Vorfall um Slobodan Rajkovic (Faustkampf mit Heung Min Son sowie das Abendblatt-Interview) spricht Trainer Fink von einer neuen Situation, die noch einen neuen Innenverteidiger erfordert. Wir erinnern uns vielleicht noch alle: Vor diesem Rajkovic-Son-Boxkampf wollte der HSV noch einen Zehner und einen Achter, von einem Innenverteidiger war nie die Rede. Aber nun.

Nun Frage ich mich, ob die Berichterstattung um Abraham schon vergessen wurde. Diese Personalie wurde doch auch vom Abendblatt und dem Matz Ab Blog aufgenommen und drüber berichtet. Wie kann man nun zu der BErichterstattung kommen, dass von einem IV nie die Rede war? Mir vollkommen schleierhaft.

Über eine Antwort / Rückmeldung zu den beiden angesprochenen Punkten würde ich mich sehr freuen!

Sonnige Grüße

Ja, ich habe Angst, andere haben Sorgen. Ich bin immer wieder erstaunt, was die Leute so alles wissen. Und wen sie als Schuldigen ausgemacht haben. Das sind wahre Insider-Kenntnisse, die so nicht einmal ein Vorstandsmitglied hat. User, die solche Einblicke haben (oder ihre Meinung derart verkaufen), sind zu bewundern. Dass Carl-Edgar Jarchow der Schuldige ist – natürlich. Und wer noch alles . . .

Nein, nein, das ist (mir) alles viel zu einfach. Und ich veröffentliche eine solche Mail auch nur deshalb, damit andere User, die ebenfalls sehr viel oder auch schon alles wissen, eventuell mal in sich gehen. Und damit auch andere „Matz-abber“ mal sehen, wie man woanders über die derzeitige Lage des Klubs denken (und schreiben) kann.

Dazu gibt es noch einige andere Mails, nur auf eine möchte ich hier noch kurz eingehen. Ein Ausschnitt aus der Mail, die mich privat erreichte. Es geht dabei um die Kritik an Arnesen und Fink:

„Hallo Dieter, ich muß leider zugeben, hier wird leider auf die Falschen draufgehauen!!!
Wenn Herr Arnesen so wie oben geschrieben die Arbeit schwer gemacht wird, wenn er ständig neue Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommt, wie soll da eine gute, zufriedenstellende Arbeit bei rauskommen???
Hier wird auf die Falsche eingedroschen, Herr Matz, oder Dieter, unser – oder das Grundübel, das Geschwür des HSV Ist der harte Kern des SC!!!

PS: Bitte höflichst um Stellungnahme

PPS: Ich kann und will nicht glauben, dass weder Herr Arnesen, noch Herr Fink von dir, bzw. Scholle „sturmreif geschossen” werden sollen!!!“

Ich kann dazu nur für mich sprechen: Ich habe weder eine Waffe die schießt, noch habe ich Frank Arnesen oder Thorsten Fink angegriffen. Ich will sie auch nicht „weghaben“. Ich möchte eigentlich nur, dass der HSV nicht noch einmal eine so schlechte Saison spielt, wie zuletzt, und ich will auch, dass der HSV endlich wieder viele, viele Erfolge feiert. Mehr nicht. Und wenn ich als Journalist sehe, dass hier und da etwas nicht rund läuft, dass es hier und dort noch hakt, dann ist es meine Aufgabe, das auch zu schreiben. Da ist es ganz egal, ob der HSV darauf eingeht, ob der HSV es mag, was ich schreibe, ob der Trainer, der Sportchef oder der Spieler es gerne haben, was ich denke – es ist ganz einfach mein Job. Und diesen übe ich nunmehr seit über 32 Jahren aus, Ende 2013 ist Schluss. Wenn ich so oft so krass daneben gelegen hätte, dann hätte ich sicherlich nicht bis 2013 schreiben dürfen, dann hätte der Verlag sicherlich schon eher ein Ende mit mir gefunden. Wobei ich niemandem verübeln werde, dass er eine andere Meinung hat. Das ist sogar gut so. Zweierlei aber stört mich allerdings doch: Kritik unterhalb der Gürtellinie – und wenn einer, den ich nie im Volkspark (auch in der Woche) oder beim HSV antreffe oder sehe, alles ganz genau weiß, was da so zwischen Trainer, Sportchef und Vorstand alles abläuft. Motto: „Der ist unschuldig, der ist schuldig!“ So etwas für „hundertprozentig“ zu halten und zu veröffentlichen, das ist schon sehr mutig.

So, und dann muss ich mich für einen Fauxpas entschuldigen. Ich hatte, wie oben bereits zu recht kritisiert, geschrieben, dass eigentlich kein Innenverteidiger geholt werden sollte. Das ist falsch. In der Tat wollte der HSV den Argentinier Abraham vom FC Basel, der dann zum FC Getafe ging, nach Hamburg holen. Für mich stellte es sich damals aber so dar, dass Abraham (ein ehemaliger Fink-Schützling) auf dem Markt war, und dass der HSV so nicht nur einen neuen Abwehrspieler bekommen hätte, sondern auch Heiko Westermann dadurch frei für die Sechser-Position werden würde. Als Abraham dann nicht kam, sah ich (nur ich!) Westermann wieder auf der Position des Innenverteidigers – aber offenbar hält Trainer Fink an seiner Idee fest – was ja auch absolut okay ist. Er hat die Verantwortung für den sportlichen Erfolg des HSV, er ganz allein.

Also noch einmal: Es war mein Fehler, dass ich einen Innenverteidiger in Abrede gestellt habe, und ich entschuldige mich dafür. Es war falsch, was ich schrieb.

PS: Ich lasse die mir zugeschickten Mails so, wie sie vom Verfasser ins Netz gestellt wurden, ich korrigiere nichts, denn ich möchte diese Schreiben in keiner Weise und in irgendeiner Form manipulieren.