Tagesarchiv für den 22. Juli 2012

Der HSV gewinnt – vor allem alte/neue Erkenntnisse ***ergänzt mit Raffael-Interesse***

22. Juli 2012

Der HSV hat gewonnen. Den Peace-Cup mit 1:0 gegen Gastgeber Suwon, insgesamt eine Million Dollar Preisgeld und die Erkenntnis, dass es bis zur Konkurrenzfähigkeit in der Bundesliga noch ein weiter Weg ist. Bis zur Fink’schen Prognose, dass man um Platz sechs bis acht spielen werde, scheint es ein noch zu langer Weg zu sein.

Denn trotz des Turniersieges muss festgehalten werden, dass dieser HSV nur bedingt funktioniert. Wie auch? Nach den Abgängen von Petric und Guerrero im Angriff sowie Jarolim im Mittelfeld ist diese Mannschaft ob fehlender Neuer in meinen Augen qualitativ schwächer als zuvor einzuschätzen. Und der Versuch mit Westermann auf der Sechs schlägt leider weiter fehl. Obleich der Kapitän vom Einsatz und Willen her vorbildlich arbeitet und auf diesem Feld seine große Qualität einbringt, als zentrale Figur im Aufbauspiel ist er nicht geeignet. Dazu kommt, dass die Offensive weiter hakt. Artjoms Rudnevs war bemüht, lief viel – und fast immer ins Leere. Der Lette ist innerhalb des HSV-Spiels noch immer wie ein Fremdkörper, wobei böse Zungen auch behaupten könnten, das sei auch der Ball für den Linksfuß. Denn so oft wie Rudnevs der Ball verspringt, kann man das gar nicht mit „Gewöhnungsphase“ erklären. Vielmehr muss man ihn als das absolute Gegenteil vom technisch versierten Paolo Guerrero, der eigentlich immer (auch in der Luft mit langen Bällen) anspielbar war, bezeichnen – was das bedeutet, vermag jeder selbst zu beurteilen. Für mich ist der logische Schluss aus allem zusammen, dass der HSV weiter niemanden hat, der das Spiel lenkt. Der HSV spielt ideenlos und verliert so schon oft früh im Aufbauspiel die Bälle.

Aber okay, noch ist es ein Monat bis zum ersten Pflichtspiel, vielleicht dreht sich das Blatt ja auf der einen oder anderen Position um 180 Grad. So wie bei Berg. Der Schwede, gegen Groningen noch einer der Ausfälle, stand heute goldrichtig, als Jansens Schuss vom Torhüter der Südkoreaner nur nach vorn abgewehrt werden konnte. Von Bergs Brust sprang der Ball zum 1:0-Siegtreffer ins Tor und sicherte dem HSV nach den 500000 Dollar Antrittsgage, den 500000 Dollar für den Groningen-Sieg nun auch noch die 500000 Dollar Turniersiegprämie. Umgerechnet rund 1,2 Millionen Euro hat der HSV somit mit der einen Woche Südkorea verdient – zuzüglich der hoffentlich noch kommenden neuen Sponsorenverträge aus Fernost.

Ebenfalls positiv ist die Entwicklung von Michael Mancienne und Jeffrey Bruma als Innenverteidigerduo zu bewerten, auch wenn man hierbei Mancienne noch hervorheben muss. Denn der Engländer ist momentan der konstanteste (Abwehr-)Spieler des HSV. Mancienne holt das Maximum aus seinen Möglichkeiten heraus und dürfte momentan der gesetzteste Innenverteidiger sein.

Und auch wenn Trainer Thorsten Fink weiterhin auf eine Wende im Fall David Abraham hofft, zudem der Transfer von Mittelfeldmann Milan Badelj von Dinamo Zagrebs Präsidenten bestätigt worden sein soll – er muss davon ausgehen, dass er mit den aktuellen Spielern in die Saison startet. Und das bedeutet, dass er im Zentrum den zweiten Sechser neben Westermann – Sala spielte es gegen Suwon eher unglücklich, hatte viele Ballverluste und verlorene Zweikämpfe – noch suchen muss. Tomas Rincon fällt aus, Robert Tesche soll verkauft werden und Per Skjelbred hat Ansätze gezeigt – aber beim Trainer einen eher schweren Stand. Da ansonsten noch kein Neuer verpflichtet ist, hat Fink hier noch immer eine riesengroße Baustelle.

Denn trotz der Bestätigung aus Zagreb ist dort noch klarer gesagt worden, das Badelj die Champions-League-Qualifikation für Zagreb bis zum Schluss spielen wird und dem HSV so erst Mitte August zur Verfügung stünde. Zudem muss das finanzielle Paket des Kroaten erst noch vom Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Nein, es hakt noch an allen Ecken und Kanten. Sportlich, personell und in Sachen Stimmung. Slobodan Rajkovic hatte gesagt, dass die Stimmung alles andere als gut sei. Zieht man von dieser Pauschalaussage einige Prozente Übermotivation (weil tief frustriert) ab, bleibt ein Rest. Vielleicht nur ein kleiner, aber dieser ist gefährlich. Zumal es intern immer wieder auch zwischen Fink und Sportchef Frank Arnesen knatscht. Der Trainer nennt seinem Sportchef Namen, die dieser immer wieder ablehnt. „Natürlich sind wir oftmals auch unterschiedlicher Meinungen, aber letztlich funktioniert es“, hatte Fink zuletzt beschwichtigend erklärt. Und ich hoffe, den Zusatz hat er nicht nur gesagt, um alle zu beruhigen.

Letztlich wird es von den Zugängen abhängen, ob sich am Ende alle lieb haben. So wie die 1,2 Millionen Euro aus dem beschwerlichen Südkoreatrip eine erfolgreiche Woche gemacht haben. Genau genommen ist es sogar die erfolgreichste Trainingslagerwoche aller Zeiten. Zumindest finanziell.

In diesem Sinne, morgen kehrt die Mannschaft zurück, Dienstag kommt Barcelona. Mit Messi. Freuen wir uns darauf.

Scholle

HSV: Adler – Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo – Westermann, Sala (90.Steinmann) – Beister (72.Jansen), Tesche (72.Arslan), Ilicevic (46.Son) – Rudnevs (72.Berg). Tor: Berg (80.).

P.S.: Anlässlich des Jubiläumsspiels gegen Barcelona senden wir (Dieter ist aus dem Urlaub zurück!) am Montag gegen elf Uhr eine Live-Sendung “Matz ab” mit den Altstars des HSV, Klaus Neisner und Horst Schnoor, die sich an die legendären Spiele gegen Barca in den Sechzigern erinnern.

P.P.S.: Sobald die Mannschaft gelandet ist, sollen bei Gökhan Töre die letzten Details bezüglich seines Wechsels zu Rubin Kazan geklärt werden. Angeblich sind sich alle Parteien weitgehend einig. Der HSV soll demnach etwas mehr als fünf Millionen Euro Ablösesumme für den Deutsch-Türken kassieren.

P.P.P.S.: Der HSV, das habe ich vorhin verschwiegen, weil ich es nicht glauben konnte/kann, ist nun doch wieder an Hertha-Spielmacher Raffael interessiert. Das erzählte mir vorhin mein Kollege Kai Schiller aus Südkorea – und so berichtet es zumindest die Bild. Obgleich es die HSV-Verantwortlichen noch dementieren. So, wie es Frank Arnesen vor Wochen schon tat. Damals schloss er die Personalie Raffael sogar aus…