Tagesarchiv für den 19. Juli 2012

Finks erster echter Test – Peace Cup soll die Kassen füllen

19. Juli 2012

Frank Arnesen will nicht. Der Däne, der eigentlich in meiner Anwesenheit noch nie sauer auf irgendwas reagiert hat, ist nicht erreichbar. Zumindest nicht für mich, dachte ich und mir kam sofort der Verdacht, dass der Sportchef sauer über das Rajkovic-Interview war. „Dann ist das so“, dachte ich mir, nachdem Arnesen auch auf meine SMSe nicht geantwortet hatte. Allerdings bin ich kein Einzelfall. Auch meine Kollegen kommen derzeit nicht zum HSV-Sportchef durch. „Der ist im Moment mit dem Telefon verwachsen“, klärte mich ein Geschäftsstellen-Mitarbeiter auf. Und das klingt für mich sehr gut. Für neue Spieler verzichte ich gern auf die Antworten des Sportchefs. Sehr, sehr gern sogar..

Erschwerend hinzu kommt, dass sich die Transferverhandlungen mit Rubin Kazan immer weiter ziehen. Während es bei dem Kroaten Milan Badelj nur noch um Kleinigkeiten bei der Vertragsabwicklung geht, ist sich Arnesen mit den Russen noch lange nicht über die Ablösesumme für Gökhan Töre einig. Die Russen bieten vier Millionen, der HSV will mindestens fünf Millionen (50 Prozent davon gehen an Chelsea) für den Linksfuß haben. „Klar ist, dass wir keine Not haben, Töre abzugeben“, hatte Arnesen gesagt.

Allerdings sind leichte Zweifel an dieser Aussage angebracht. Denn der HSV braucht jeden Euro. Sportchef und Trainer Thorsten Fink hoffen auf 1,5 Millionen Euro durch den Peace Cup. „Wir sind keine zehn Stunden geflogen, um nur so mitzuspielen“, kündigte Trainer Thorsten Fink einen engagierten Auftritt gegen den niederländischen Vertreter FC Groningen an, „wir wollen das Turnier gewinnen.“

Und das könnte den immer mühsamer werdenden Südkoreatrip versüßen. Am morgigen Freitag geht es gegen den FC Groningen. Gewinnt der HSV den Turnierauftakt sowie das Finalspiel am Sonntag, wäre es sogar die erfolgreichste HSV-Vorbereitung aller Zeiten. Zumindest wirtschaftlich. Denn sowohl der Sieg gegen die Niederländer als auch ein Finalerfolg (Gegner wäre überraschend das südkoreanische Team vom FC Seongnam, das den FC Sunderland mit 1:0 bezwang) würden jeweils 500000 Dollar in die leeren Klubkassen spülen. Zuzüglich der Antrittsprämie von 500000 Dollar könnten sich Klubboss Carl Jarchow und vor allem Frank Arnesen über 1,5 Millionen Dollar zusätzlich freuen. Zumal alle anderen Kosten (Reise, Kost und Logis) vom Veranstalter des „Peace Cup“s getragen werden.

Es wäre nach dem Ärger der letzten Tage ein kleiner Lichtblick einer anstrengenden Reise. Denn die Südkoreaner sind sehr genau und während die Vorstände Jarchow und Joachim Hilke samt Nicholas MacGowan fast ununterbrochen auf Sponsoren-Akquise sind, hat es die Mannschaft nicht leicht mit den überaus genauen Südkoreanern. Denn die bestehen auf die Einhaltung der vorher geschlossenen Verträge. Spontan ist da niemand. Auch die größten Mühen und ein Unterhändler schaffte es nicht, den Platzwart des fünf Minuten vom Hotel entfernten Trainingsplatzes davon zu überzeugen, dass der HSV eine zweite Einheit auf dem Patz absolvieren müsste. Im Gegenteil: Für die zweite Einheit des Tages mussten Fink und Co. erneut ins 45 Minuten entfernte Hwaseong ausweichen, was nicht gerade für Begeisterung sorgte. Selbst Finks Wunsch nach einem zusätzlichen Tor auf dem Trainingsplatz war zunächst nicht zu erfüllen, da auch das nicht im Vertrag stehen würde.

So hieß es zumindest, ehe man dem HSV nach mehreren Verhandlungsrunden dann doch behilflich wurde. Den Wunsch, das Nachmittagstraining etwas früher als geplant beginnen zu lassen, ließen die Organisatoren aber nicht mehr mit sich verhandeln. Die Anlage sei für eine bestimmte Uhrzeit gebucht, so stehe es im Vertrag. Umstände, die bei der Mannschaft und dem Trainerteam auf wenig Gegenliebe stoßen. „Die Bedingungen hier sind natürlich nicht so gut wie im Trainingslager im Zillertal“, sagte Torhüter René Adler, „das alles ist nicht optimal. Aber es bringt ja nichts, darüber zu heulen.“ Das stimmt. Dennoch werden sich alle Beteiligten am Ende die Frage stellen müssen, ob diese Form Trainingslager noch seinen Zweck erfüllt.

Egal wie, am Ende wird in Euro um- und abgerechnet. Neben den Spielern, die beim Turnier ordentlich Geld einspielen sollen, sind dafür in erster Linie die Vorstände Carl Jarchow und insbesondere Joachim Hilke mit seiner rechten Hand Nicholas MacGowan verantwortlich. Aktuell besuchte Jarchow die Reederei Hanjin Shipping in der koreanischen Hafenstadt Busan. Der HSV-Vorstand hat berechtigte Hoffnungen, von Handjins Plänen zu profitieren, sich stärker im Hamburger Hafen zu engagieren. Aus diesem Grund war im vergangenen Monat auch Hamburgs Wirtschaftssenator Frank Horch in Busan zu Gesprächen. Sollten Hamburg und Handjin ins Geschäft kommen, scheint die Reederei nicht abgeneigt, sich als Sponsor über den HSV zu vermarkten. „Es geht aber nicht nur darum, neue Sponsoren zu finden, sondern auch darum, alte zu pflegen“, sagt Hilke, der zu Anfang der Woche bei den HSV-Partnern Kumho Tyres (Reifenhersteller) und Hanwha (Solarenergie) vorsprach. Die beiden koreanischen Sponsoren zahlen noch bis 2013 zusammen 1,5 Millionen Euro.

Letztlich wird aber die finanzielle Effizienz der Reise darüber bestimmen, ob sie als Erfolg oder Misserfolg zu werten ist. Wobei, das Thema hatten wir in den letzten Tagen immer wieder, jeder eingespielte/akquirierte Euro zwingend in Verstärkungen gesteckt werden sollte. „Ich hoffe, dass von einer möglichen Siegprämie zumindest ein Teil wieder in die Mannschaft investiert werden würde“, sagt Torhüter René Adler, der um den finanziellen Anreiz des Turniers weiß – und über Milan Badelj sprach, als sei der schon da. „Ich bin sicher, dass er gut zu uns passen wird“, sagt der Keeper über den Kroaten, der am Mittwoch in der Champions-League-Quali beim 1:1 gegen Bulgariens Meister Ludogrec Razgrad wahrscheinlich sein letztes Spiel für seinen bisherigen Verein Dinamo Zagreb absolvierte. Spätestens in der kommenden Woche soll der 23-jährige Mittelfeldmann, den Arnesen vor einigen Jahren auch zum FC Chelsea holen wollte, einen Vertrag bis 2015 beim HSV unterschreiben. Darauf einigte sich Frank Arnesen mit Badelj-Berater Dejan Joksimovic, mit dem er befreundet ist.

Es wäre ein kleiner, wichtiger Schritt in die richtige Richtung. So sieht es auch mein Freund und Spielerscout, der mir schrieb: „Badelj ist ein guter Kicker, technisch fein, klarer 8ter bzw. zweiter 6er, ihm fehlt ein bisschen das Tempo, muss seine Torquote erhöhen, noch 20 – 30 Prozent Luft nach oben….“ Klingt doch gut. Obgleich dann noch immer ein Zehner fehlt. Zudem hoffe ich, dass Artjoms Rudnevs durchstartet. Denn ansonsten bräuchte der HSV auch ganz vorn noch Verstärkung. Aber dazu werde ich hoffentlich bald auch wieder Frank Arnesen sprechen.

In diesem Sinne, am Textende habe ich noch einen kleinen Hinweis auf eine groß angelegte Aktion der Chosen few. Eine gute Idee, wie ich finde! Bis morgen!

Scholle

TIPP:
Die „Chosen few“ planen zum Jubiläumsspiel eine besondere Choreographie und benötigen dafür die Hilfe der HSV-Fans. Aber schaut selbst: http://www.hsv.de/index.php?id=8692