Tagesarchiv für den 15. Juli 2012

Van der Vaart will in Tottenham bleiben. Töre nach Russland? Und: Jarchow erklärt sich

15. Juli 2012

****Nachtrag: Bitte, liebe Blogger, auch “CosmoSchmidt”: Ich bin absolut und überhaupt nicht beleidigt. Das war ich seit Bloggründung nicht und werde es hoffentlich auch Euretwegen nie sein. Aber wenn Ihr meine Ausführungen hier öffentlich anzweifelt, gebt mir doch das Recht, mich zu verteidigen. Ich mache es doch eh nur in absoluten Ausnahmefällen. Zudem werde ich hier nie jemanden “in Schutz nehmen”, sondern vsuchen, jeden Vorgang anhand meiner Informationen möglichst (ganz geht es nie…) objektiv darzustellen. Das gilt auch und vor allem für die Entscheidungsträger beim HSV. In diesem Sinne, alles wird gut!! Bis morgen!****

Ist schon sensationell. Immer wieder gibt es hier (immer mehr) Leute, die alles besser wissen. Selbst die nie öffentlich gewordene Geschichte mit Felix Magath damals hat eine(r) von Euch sogar „anders in Erinnerung“. Obwohl, vielleicht war er/sie ja dabei. Wenn ja, würde ich mich gern austauschen, da ich damals gearbeitet habe und bis heute dachte, mehr zu wissen als die breite Öffentlichkeit. Ich habe mich an dem Tag zumindest mehrfach mit den Protagonisten unterhalten und auch anschließend mit Magath, Hoffmann und Beiersdorfer mehrfach über die Geschehnisse gesprochen. Aber vielleicht irren wir uns alle. Auch Hoffmann, den ich gestern sogar „angegriffen“ habe? Und dann werfen mir einige vor, ich würde den Vorstand schützen. Hab ich auch durchaus anders empfunden.

Aber okay, nur um noch einmal etwas klarzustellen und bei allen in Erinnerung zu rufen, die es vergessen haben: Das völlig unumstrittene aktuelle Liquiditätsproblem des HSV ist nur zu einem eher geringen Teil auf die Saison 2011/2012 zurückzuführen, dafür maßgeblich auf die Jahre zuvor. Damals verantwortlich: Bernd Hoffmann, Dietmar Beiersdorfer, Katja Kraus und zu Teilen Oliver Scheel. Maßgeblichen Anteil an den Minus-Millionen hatten dabei die Serien 2009/2010/2011. Verantwortlich: Bernd Hoffmann, Katja Kraus und Oliver Scheel. Wobei Letztgenannter in einige Entscheidungen gar nicht erst mit einbezogen wurde – was zum einen satzungstechnisch eigentlich nicht erlaubt war und somit ein Skandal war, zum anderen aber intern stillschweigend hingenommen wurde, um keine Unruhe entstehen zu lassen. Dass trotz des hohen finanziellen Risikos – immerhin wurden vor der Saison 2009/2010 noch mal 32 Millionen Euro in neue Spieler investiert und den eigenen Einnahmen so vorgegriffen – kein internationaler Wettbewerb erreicht wurde, ist das, was aus dem Risiko eine Niederlage macht. Und alles zusammengefasst bereitet dem HSV jetzt finanzielle Schwierigkeiten.

Wie damit umgegangen wird, liegt am aktuellen Vorstand – namentlich Carl Jarchow, Joachim Hilke, Frank Arnesen und Oliver Scheel. Der Vorstand wird sich dafür verantworten müssen. Wie zuletzt schon. In der vergangenen Saison ging das gerade noch gut, beziehungsweise, zumindest das Minimalziel Klassenerhalt wurde erreicht. Aber auch das habe ich nie lobend erwähnt oder als Erfolg gewertet, sondern kritisiert. Inhaltlich mit einer fußballerischen Rückentwicklung, die wiederum auf eine schlechte Personalpolitik zurückzuführen war – in meinen Augen wohlgemerkt. Sollte sich das wiederholen, werde ich es wieder anprangern. Momentan hat sich dieser HSV noch nicht verbessert. Im Gegenteil: der Verkauf von Guerrero ist finanziell vielleicht gut für den Klub, sportlich aber so lange eine Schwächung, bis ein adäquater Ersatz gefunden ist. Sollte dieser aus Arnesens Sicht tatsächlich 1:1 Rudnevs sein – ich würde mir extrem große Sorgen machen. Denn bei allem Verständnis für dessen Umstellungsprobleme konnte er bis auf eine (die erste) Trainingseinheit noch nicht überzeigen.

Allerdings gebe ich dem Letten natürlich noch Zeit. Wichtig in seiner Bewertung ist die Saison. Sollte er dort überzeugen, wären mir die schwachen Vorbereitungsleistungen völlig schnurz. Ich messe in meinen Bewertungen die Beteiligten an ihren Ergebnissen, am jeweils aktuellen Leistungsstand, der sich verändern kann. Erschwerend oder mildernd ziehe ich dabei das hinzu, was ich im Rahmen meiner Recherchen erfahre. Und wisst ihr was? DAS ist auf jeden Fall der Journalismus, den ich praktiziere und weiterhin praktizieren will und werde. Ich versuche, möglichst ausgewogen und unaufgergt das darzustellen, was passiert.

So auch im Falle Kühne. Der Milliardär hatte dem HSV seine Unterstützung angeboten. Vor dreieinhalb Jahren wurde er gefragt, ob er sich vorstellen könne, im Falle des damals wechselwilligen Rafael van der Vaart finanziell zu helfen. Zunächst klappte das nicht. Erst als der HSV eine Rückholaktion des Niederländers anstrebte, war Kühne wieder im Boot. Er willigte sine finanzielle Hilfe ein und bekam letztlich Anteile verkauft an den Spielern Westermann, Diekmeier, Sowah, Guerrero, Aogo, Jansen. Ein geschickt eingefädelter Deal von Hoffmann (Kompliment!), der dem Klub zunächst half, seine aktuelle Bilanz besser aussehen zu lassen. Und es war d Startschuss einer hoffentlich noch anhaltenden Beziehung HSV/Kühne. Auch wenn die Anteile lange nicht das waren, was Kühne ursprünglich wollte. Das hat er dem HSV mehrfach gesagt und auch im Telefoninterview noch mal bestätigt. Und dennoch ist Kühne wieder dabei. Diesmal allerdings stark sensibilisiert. Zum einen will er diesmal endlich van der Vaart, zum anderen erinnert er sich an die Reaktionen der Mitglieder. Die hatten bei seinem ersten Engagement befürchtet, der Klub würde sich anteilig verkaufen, was sich letztlich als falsch herausstellte.

Dennoch fühlte sich Kühne falsch behandelt – und er ist vorsichtig geworden. Deshalb dieser Vorstoß in dieser massiven Form. Immerhin kann man diesen Vorstoß, öffentlich das Vorgehen des Vorstandes zu kritisieren und mit einer direkten strategischen Forderung zu versehen als aktiven Eingriff sehen. Kurzum: Kühne macht das, was er nicht machen sollte. Und dennoch erntet er Verständnis. Selbst von denen in diesem Blog, die sich damals aufgeregt haben und den Ausverkauf befürchteten. Aber okay, irren ist menschlich und es ist allemal besser, seinen Irrtum einzusehen, als aus Prinzip auf seiner Theorie zu beharren.

Nun also zur Attacke von Kühne in Richtung Vorstand, die in dieser Form mehr als diskutabel ist, aber in Anbetracht der Vorgeschichte allemal verständlich. Dass sie bei den Fans auf Verständnis stößt, ist lediglich in der starken Form erstaunlich. Denn ansonsten hat der Klub aktuell kaum Hoffnung auf schnelle Verstärkungen ohne auf externe Hilfe zurückzugreifen. Und da gibt es eben nur Kühne. Der Speditions-Milliardär ist die größte Hoffnung des klammen HSV.

Daher muss sich der Vorstand meines Erachtens nach auch intensiver mit dem Thema Kühne beschäftigen und dessen Vorstoß durchaus ernst nehmen.

Matz ab: Haben Sie sich im Vorstand schon überlegt, wie sie auf die Forderungen Kühnes reagieren wollen?
Carl Edgar Jarchow: Warum sollten wir? Wir haben uns am Freitagabend noch darüber unterhalten und sind alle einer Meinung.

Matz ab: Welcher?
CEJ: Wir schätzen das Engagement von Herrn Kühne sehr. Und ich habe in den letzten Monaten immer wieder versucht, die positive Zusammenarbeit mit Herrn Kühne hervorzuheben. Er hat sich nie eingemischt und gesagt, er würde keinen Einfluss nehmen wollen –das nehme ich sehr ernst. Wir als Vorstand sind nicht empfindlich. Aber eine Einflussnahme von außen werden wir nicht akzeptieren. Ich kann diese Form nicht hinnehmen. Das habe ich Herrn Kühne auch in der Form gesagt.

Matz ab: Wie hat Herr Kühne reagiert?
CEJ: Es war ein sehr konstruktives Gespräch. Herr Kühne macht jetzt erst einmal Urlaub und danach sprechen wir wieder.

Matz ab: Herr Kühne warf dem Vorstand vor, nicht intensiv genug am Transfer von Rafael van der Vaart zu arbeiten.
CEJ: Und wir haben Herrn Kühne versucht, deutlich zu machen, dass Herr van der Vaart nicht zu haben ist. Wir wissen doch alle, dass er in Tottenham bleiben will.

Matz ab: Der Vorwurf beinhaltetet, dass der Vorstand kein konkretes Konzept auf den Tisch gelegt hat, wie eine Rückholaktion finanziell zu stemmen wäre. Warum haben Sie nicht einfach das komplette Pakte van der Vaart hochgerechnet, den Anteil, der für den Verein möglich wäre abgezogen und so Herrn Kühne vorgelegt? Dann hätte Herr Kühne immer noch sagen können: ‚Okay, so geht das nicht’? Im besten Fall hätte er ihnen vielleichteinen sehr guten Spielmacher finanziert.
CEJ: Weil wir alle Zahlen vermuten müssten. Wir haben doch nichts Konkretes. Bisher gibt es auch kein Zeichen dafür, dass sich Tottenham von van der Vaart oder Herr van der Vaart von Tottenham trennen wollen. Ich habe das Gefühl, dass hier ein Thema über den Kopf der entscheidenden Person hinweg diskutiert wird. Und das funktioniert nicht. Deswegen glaube ich, dass sich Herr Kühne mit seinem Vorstoß keinen Gefallen getan hat.

Matz ab: Hätten Sie ihm das nicht vorher sagen können? Immerhin soll er Sie über sein Vorhaben, an die Öffentlichkeit zu gehen, am Donnerstagabend zuvor telefonisch informiert und Ihnen seine Pressemitteilung am Morgen vor der Veröffentlichung zugeschickt haben…
CEJ: Er hat mich über die Pressemitteilung informiert, nicht über den konkreten Inhalt. Und bevor ich sie am nächsten Morgen lesen konnte, war sie schon öffentlich.

Matz: Sie sollen nicht erreichbar gewesen sein.
CEL: Herr Kühne kann mich immer erreichen. Und er weiß auch wie.

Matz ab: Herr Kühne sagte, er fühle sich übergangen, weil sie die Fan-Anleihe, die er als seine Idee reklamiert, nur zum Bau eines neuen Trainingstraktes nutzen wollen. War er darüber nicht informiert.
CEJ: Grundsätzlich schon. Wir haben ihm immer gesagt, dass wir eine Fan-Anleihe planen und was wir damit vorhaben. Wir haben ihm das nicht im Detail aufgeschrieben, aber grundsätzlich wusste er es.

Matz ab: War es das jetzt mit der Zusammenarbeit? Immerhin hat Herr Kühne gesagt, ohne den Transfer von van der Vaart würde er sich seinen Anteil am Guerrero-Verkauf auszahlen lassen und würde sich stark überlegen, fortan passiv zu bleiben.
CEJ: Über den Verkauf von Paolo Guerrero haben wir noch überhaupt nicht gesprochen. Aber wie gesagt, wir hatten ein sehr konstruktives Gespräch und sind Vertragspartner. Wir warten jetzt ab, wie es weitergeht und werden uns als Vertragspartner vernünftig verhalten. Wir werden kein Öl ins Feuer gießen und im Gespräch bleiben.

Matz ab: Herr Kühne sagt, der Verein müsse mutiger werden. Finanziell sehe es gar nicht so schlecht aus, wie es immer behauptet wird.
CEJ: Wir haben unsere Finanzen lange analysiert und wissen, was wir uns leisten können und was nicht. Ich kann doch nicht den Klub an die Wand fahren und dann sagen, ‚war halt Risiko’.

Matz ab: Hand aufs Herz, wollen Sie Rafael van der Vaart wirklich zum HSV holen?
CEJ: Wenn ihn uns jemand finanziert, dann gern. Aber wir können ihn nicht finanzieren.

Nun kann sich jeder von Euch seinen eigenen Reim machen, wie sich der Fall Kühne/Vorstand/van der Vaart darstellt. Zumal heute vom HSV kommuniziert wurde, dass es mehrere Gespräche mit van der Vaart gegeben habe und dieser dem HSV “klar und deutlich“ zu verstehen gegeben habe, bei Tottenham zu bleiben.

Ebenso klar ist, dass Slobodan Rajkovic nach seinem Ausraster im Freitagstraining beim HSV keine Zukunft mehr hat. Heute trainierte der Abwehr-Hüne bereits separat mit Fitnesstrainer Nikola Vidovic. Zudem durfte der Serbe nicht mit aufs Mannschaftsfoto und fliegt auch morgen (um 8.40 Uhr) nicht mit nach Südkorea. Das könnte auch Frank Arnesen und Gökhan Töre passieren, die beide unverzichtbare Protagonisten im Falle eines Wechsels des Deutsch-Türken sind. Zumindest deutet sich hier ein Wechsel immer deutlicher an. An dem Linksfuß ist weiterhin Rubin Kazan interessiert, italienische Interessenten sollen nicht mitbieten. Auf die Frage, ob Töre mitfliegt, kommt auf jeden Fall das eindeutig zweideutige „Stand jetzt, schon…“ Aber versprochen: Ich bleibe dran.

In diesem Sinne, uns allen einen schönen Restsonntag!

Bis morgen!
Scholle