Tagesarchiv für den 13. Juli 2012

Aktualisiert, Stand 15.57 Uhr: Kühne attackiert HSV-Vorstand – Rajkovic vorläufig suspendiert

13. Juli 2012

****Korrektur Ablauf Schlägerei***

Was ist denn nun los? Plötzlich kracht es beim HSV. Und das anders, als es sich der HSV wünscht. Zuerst schlagen sich Slobodan Rajkovic und Heung Min Son im Training. Dabei bekommt der hinter Son stehende Tolgay Arslan den Hinterkopf von Son so unglücklich ab, dass er mit einer Platzwunde über der rechten Augenbraue behandelt und schließlich mit vier Stichen genäht werden muss.

“Slobodan hat eingesehen, dass er einen Fehler gemacht hat”, sagt Carl Jarchow, der anschließend seinerseits von Investor/Fan/Mäzen Klaus Michael Kühne Schläge einstecken muss. Ob diese sportlich zu sehen oder unter der Gürtellinie waren, dazu am Blogende mehr. Vorher aber suspendiert Jarchow den Abwehrspieler Rajkovic vorläufig aus dem Profikader. “Rajkovic wird bis auf Weiteres bei der U23 trainieren und nicht mit nach Südkorea fliegen.”

Und als alle den Platz verlassen mussten, kommt über Pressemitteilung der Kühne-Hammer (s. Bloge-Ende). Der Speditions-Milliardär wendet sich in einem öffentlichen Schreiben an den HSV-Vorstand und fordert diesen auf, alle notwendigen Schritte einzuleiten, um van der Vaart nach Hamburg zu holen. Und er gab uns ein Interview via Telefonkonferenz, das es in sich hatte. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass dieses Interview weitreichende Folgen für die Zusammenarbeit des HSV mit Kühne haben wird. Aber lest selbst:

Kühne (eröffnet das Gespräch mit seiner Intention für die Pressemitteilung): “Es war eine schwere Saison, die ich nicht zuletzt durch meine Investition in sechs Spieler mit großer Besorgnis verfolgt habe. Denn mein Engagement war nicht von Erfolg gekrönt. Es gab eher den gegenteiligen Effekt. Dazu kam der Wechsel im Vorstand und dem Aufsichtsrat. Ich hatte plötzlich immer andere Ansprechpartner, nachdem ich vor 3,5 Jahren mal angesprochen wurde, um Rafael van der Vaart in Hamburg zu halten. Dann kam die zweite Welle mit den Neuzugängen Westermann, Diekmeier und noch ein paar Neuen, bei deren Finanzierung ich mich beteiligt habe. Und das war nicht von Erfolg geprägt. Ich habe auch damals immer wieder gesagt, ‘Ihr müsst Topspieler holen’. Ich habe immer wieder Empfehlungen gegeben, daran zu arbeiten, die Mannschschaft richtig zu formen. Fink kam als Trainer und war ein großer Hoffnungsträger, war aber auch nicht nur von Erfolg geprägt. Ich sympathisiere mit dem HSV. Aber es ist keine Mannschaft, es ist keine Regie da. Und jetzt ist Rafael van der Vaart plötzlich doch zu bekommen – wenn sich dort was bewegt. Und das stimuliere ich. Ich will, dass das Thema ernst genommen wird vom Vorstand und man sich echt darum bemüht.”

Frage: Wie würde Ihr Engagement konkret aussehen?
Kühne: Ich habe vernommen, dass er eine hohe Ablösesumme und ein hohes Gehalt kosten würde. Und ich bin der Meinung, das ist zu stemmen. Dafür würde ich auf meinen Anteil von 1,5 Millionen Euro des Verkaufs von Guerrero verzichten. Ich würde den Betrag für Neuverpflichtungen zur Verfügung stellen und darauf noch etwas draufsatteln.

Frage: Befürchten Sie, dass sich der HSV nicht wirklich um van der Vaart bemüht?
Kühne: Mir ist wichtig, dass mal ein Konzept vom Vorstand auf den Tisch kommt, wie die Verpflichtung von Rafael van der Vaart gestemmt werden kann. Die Vergütung ist so hoch, dass ich die Vorsicht des Vereines verstehen kann. Aber ich könnte mir sehr gut vorstellen, bei einem Vertrag von drei bis fünf Jahren jährlich meinen Beitrag beizusteuern.

Frage: Sie sprachen zuletzt davon, nur noch als ein Teil einer Investorengruppe agieren zu wollen. Gibt es schon weitere Investoren?
Kühne: Ja, es gibt welche, die auch von mir genannt wurden, die angesprochen werden können. Man darf nicht immer nur mich bedrängen, dass ich etwas tun sollte. Der Ganze Segen kommt nicht von mir allein. Es muss eine gemeinsame Bewegung sein.

Frage: Immerhin wurde Paolo Guerrero verkauft und somit Freiraum für weitere Verpflichtungen geschaffen.
Kühne: Der erste Schritt wurde gemacht – aber eben mit einem Verkauf. Es muss aktiver daran gearbeitet werden, da ist es einfach noch zu ruhig. Man muss sich jetzt rüsten, das Momentum nutzen. Man darf nicht warten, bis die gesamte Finanzierung steht. Ich wünsche mir da einen zielstrebigeren Vorstand. Das habe ich den Herren auch mehrfach gesagt.

Frage: Haben Sie Sorgen, der HSV könne absteigen?
Kühne: Ich will mich nicht einmischen. Aber dieses Jahr wird es nicht noch einmal drei Mannschaften geben, die schlechter sind als wir, so wie im letzten Jahr. Denn wenn man ehrlich ist, sind wir nur deshalb nicht abgestiegen. Verdienten hätten wir es – leider. Was da gespielt wurde, ging auf keine Kuhhaut.

Frage: Der Vorstand hat die Verjüngung des Kaders weit nach vorn gestellt. Rafael van der Vaart ist schon 29…
Kühne: Ein junger Spieler der gleichen Klasse wäre auch okay. Aber der wurde ja nie gefunden. Ein Rafael van der Vaart würde gut passen, der kann eine Leitfigur sein.

Frage: Aber die Finanzierung ist bei kolportierten fünf Millionen Euro per Annum für den HSV nicht zu stemmen.
Kühne: Ich würde mich natürlich an den laufenden Bezügen nicht unmaßgeblich beteiligen. Darüber habe ich den Verein auch informiert. jetzt herrscht Klarheit. Ich warte auf konkrete Vorschläge des Vorstandes. Da ich sehr interessiert bin an einer Verpflichtung van der Vaarts, würde ich sicher über meinen Schatten springen und mehr geben als ursprünglich gedacht.

Frage: Warum werden Sie in dieser Form öffentlich? Vorstandsboss Carl Jarchow nannte ihren Vorstoß gerade “überraschend und in dieser Form nicht zielführend”?
Kühne: Ich habe Herrn Jarchow mehrfach vorher angerufen und nicht erreicht. Er scheint sehr schwer zu erreichen zu sein. Ich hatte ihm gestern Abend noch die Pressemitteilung avisiert und sie ihm heute morgen noch zur Verfügung gestellt. Er hat leider erst reagiert, als die Pressemitteilung schon raus war. Zudem haben wir meine Vorschläge mehrfach erörtert.

Frage: Sie meinen Ihre Vorschläge, wie der HSV zu Geld kommen kann. Dabei nannten sie eine mögliche Streckung des Stadionkredites und Anleihen der Fans.
Kühne: Leider ist mir der HSV etwas zuvorgekommen mit dem Darlehen der Mitglieder. Damit sind die Mitglieder schon in eine Richtung gelenkt. Ich hatte den HSV-Groschen empfohlen. Wir wollen hier Spieler zusammen verpflichten. Und wenn 60000 Mitglieder im Schnitt 100 Euro geben würden, käme schon eine sehr stolze Summe zusammen. Selbst wenn es nur die Hälfte würde, wäre das mehr als beachtlich. Warum das nicht so gelaufen ist, weiß ich nicht.

Frage: Sollte Rafael van der Vaart nicht verpflichtet werden können, wie reagieren Sie? Ziehen Sie sich dann komplett zurück?
Kühne: So drastisch würde ich das nicht formulieren. Aber ich würde mir sicher meinen Anteil an Guerrero erbitten. Dennoch würde meine Sympathie ja nicht aufhören. Aber wenn ich weiter keine Resonanzen habe, muss ich sicher passiv bleiben. Der HSV hat sich zuletzt immer schwer getan. Es gab immer Listen mit tollen Namen, die dann aber alle nicht gekommen sind. Weil die Attraktivität zu gering ist, der HSV nicht international spielt. Wenn die Attraktivität höher wäre, und dazu würde so eine Personalie wie van der Vaart führen, dann wäre es auch leichter, jemanden zu holen. Man muss mal wieder einen Coup landen.

Frage: Wie bei Guerreros Verkauf nach Sao Paulo?
Kühne: Der Verkauf war sicher sehr gut. Guerrero war unberechenbar und auch nicht so erfolgreich. Das war der erste gute Schritt. Aber eben ein Verkauf.

Frage: Glauben Sie, der Vorstand will van der Vaart verhindern?
Kühne: Mir ist gesagt worden, man will ihn haben und der Trainer will van der Vaart. Aber das letzte Feuer brennt da nicht in den Augen. Dabei muss man auch mal etwas wagen, um wieder international zu spielen. Hier muss der Vorstand mal Mut haben, so wie ich es auch habe.

Frage: Dagegen steht das Argument der finanziellen Limitiertheit. Glauben Sie den Zahlen der Verantwortlichen in Hamburg nicht?
Kühne: Da wird im Verein zu tief gestapelt. So schlecht ist das nicht. Und ich würde doch auch einen substanziellen Anteil beisteuern, wenn die Gesamtfinanzierung angepackt wird. Aber da habe ich leider zu wenig Einblick. Dennoch muss der Vorstand Fantasie entwickeln, Ideen haben. Ich wäre auch zu anderen Modellen bereit, könnte beispielsweise ein Darlehen geben. Man muss mal alle Zahlen aufstellen, dann sehe ich, ob ich die Lücke komplett schließen kann oder ob ich vielleicht noch jemanden hinzuhole.

Frage: Gibt es Gespräche mit weiteren Investoren seitens des HSV?
Kühne: Das eher nicht. Aber ich habe von Dritten gehört, die Gespräche führen, auch Sympathisanten sind und mit mir in Verbindung stehen.

Und dann war es vorbei. Ich muss ehrlich sagen, das hat mich zunächst umgehauen. Auf der einen Seite war ich schockiert, wie intensiv sich Herr Kühne plötzlich strategisch einbringt und versucht, Einfluss zu nehmen. Auf der anderen Seite scheint sich da eine derart unfassbar große Portion Frust angestaut zu haben. Die Gretchenfrage ist, ob dieser Frust berechtigt ist. Versucht der Vorstand, Rafael van der Vaart zu holen, so wie es Frank Arnesen und Thorsten Fink immer wieder sagen? Oder versucht man hier auf Zeit zu spielen und Herrn Kühne hinzuhalten, damit man seine finanzielle Hilfe weiter in Anspruch nehmen kann, auch wenn es mit van der Vaart nicht klappt?

Wie Ihr wisst, hatte ich zuletzt immer wieder davon geschrieben, dass nicht alle Vorstände von einer Verpflichtung van der Vaarts schwärmen – und ich fühle mich in dieser Meinung bestätigt. Ihr auch? Nichtsdestotrotz bin ich mir sicher, dass sich der HSV-Vorstand diesen Vorstoß Kühnes nicht gefallen lassen wird. Zumindest deutete Jarchow das bereits an. “Ich halte den Vorstoß von Herrn Kühne für nicht hilfreich. Das ist schon eine aktive Ansprache an den Vorstand, der sich davon aber nicht leiten lässt. Ich bin über diese Offensive überrascht und halte sie für nicht zielführend. Uns vorzuwerfen, wir seien nicht aktiv genug, kann ich nicht nachvollziehen. Das werde ich ihm so auch mitteilen.”

Klingt nach Ärger. Einer Menge sogar. Und sollte es tatsächlich so kommen, dass Kühne sich zurückzieht oder der Vorstand in Zukunft aus Prinzip auf dessen Hilfe verzichtet, würde mir einer der letzten Strohhalme genommen, an den ich mich geklammert hatte. Denn in dieser Form ist diese Mannschaft wieder gefährdet. Sie braucht dringend Verstärkung. Von einem Spieler, bei dem man nicht nur hoffen darf, dass er eine Soforthilfe ist. Und das kostet Geld. Mehr, als der HSV nach eigener Aussage selbst stemmen kann. Insofern hoffe ich auf eine vernünftige Regelung. Auch wenn das offensichtlich schwer wird…

In diesem Sinne, heute ist Freitag der 13. – beim HSV hoffentlich mehr als bei Euch! Ich wünsche Euch einen schönen, gesunden Restfreitag. Bis morgen!

Scholle

P.S.: Morgen wird um 10 Uhr an der Imtech-Arena trainiert, um 17 Uhr ist Anpfiff zum Test bei Holstein Kiel. Zudem habe ich Euch noch mal die Pressemitteilung von Herrn Kühne angehängt.

Mit van der Vaart zur Spitze

Unter diesem Motto möchte Klaus-Michael Kühne seiner Heimatstadt und insbesondere seinem Lieblingsverein HSV dazu verhelfen, dass Rafael und Sylvie van der Vaart recht bald in die Hansestadt zurückkehren.

„Ohne einen erstklassigen Mittelfeldregisseur wird es dem HSV nicht gelingen, in die Spitzengruppe der Bundesliga aufzusteigen und sich dort zu behaupten.” sagt Kühne, „mit van der Vaart hätte der HSV nach einigen bitteren Jahren endlich die Perspektive, zu einem Spitzenclub heranzureifen und an den Wettbewerben im europäischen Fussball teilzunehmen.”
Kühne hat der Vereinsführung des HSV u.a. vorgeschlagen

− den Erlös aus dem Verkauf des Spielers Guerrero in die Verpflichtung von van der Vaart zu investieren; Kühne ist an dem Verkaufserlös beteiligt und bereit, seinen anteiligen Verkaufserlös zur Verfügung zu stellen.

− die mehr als 60000 Vereinsmitglieder zu bitten, sich ebenso wie er an der Finanzierung der van der Vaart Verpflichtung und seinen laufenden Kosten zu beteiligen. Wäre jedes Vereinsmitglied mit Beträgen zwischen 50 und 200 Euro dabei, könnten einige Millionen Euro zusammenkommen.

− private Geldgeber zu finden, die in grösserem Umfang finanzielle Beiträge zur Verpflichtung von van der Vaart leisten

− durch Umschuldung der Finanzierung des ehemaligen Volksparkstadions eine zusätzliche Liquidität zu schaffen, die für die Verpflichtung des Spielers und seine laufenden Kosten bereitgestellt werden.

„Vorausgesetzt, dass der HSV diese und andere Initiativen ergreift, um die nicht einfache Finanzierung der van der Vaart Verpflichtung zu ermöglichen, bin ich bereit, über mein bisheriges Engagement bei mehreren HSV-Spielern hinaus eine massgebliche Summe beizusteuern.” unterstreicht Kühne. „Ich appelliere an die Vereinsverantwortlichen, schnell und konsequent zu handeln, damit zu Beginn der neuen Bundesligasaison der Spielmacher van der Vaart dem HSV zu neuem Glanz verhelfen kann.”