Tagesarchiv für den 11. Juli 2012

Guerrero wechselt nach Sao Paulo ***Ergänzt 15.23 Uhr***

11. Juli 2012

***Korrektur Ablöse, es sind 5 Millionen EXKLUSIVE Kühne-Anteil***
***Ergänzt mit Fink-Zitat 4. Absatz***
***Ergänzt mit Transfergerücht Misimovic, Töre und Rajkovic***

Und wieder eine Personalie: Nach den beiden Scouts steht nun Paolo Guerrero vor dem Wechsel zu Corinthians Sao Paulo, unterschreibt dort einen Dreijahresvertrag. So jedenfalls lässt sich HSV-Sportchef Frank Arnesen: “Die beiden Vereine haben sich über einen Wechsel geeinigt.” Und anstatt morgen zum Laktattest in Hamburg anzutreten, flog der Peruaner nach Brasilien, um in Sao Paulo den obligatorischen Medizincheck zu absolvieren. Trainer Thorsten Fink: “Paolo passt mit seinem Temperament gut nach Brasilien.”

Der erste echte Transfer-Hammer! Immerhin ist Paolo Guerrero für Trainer Thorsten Fink zuletzt der beste HSV-Angreifer gewesen. Und das konnten die bisherigen Auftritte von Neuzugang Artjoms Rudnevs sowie Berg und auch Son noch nicht wirklich ändern. Allerdings hat dieser Deal – der für mich rein sportlich betrachtet ein herber Rückschlag ist und der diese Mannschaft zusätzlich schwächt – perspektivisch vielleicht ein notwendiger gewesen. “Manchmal muss man einfach Freiräume schaffen”, hatte Arnesen zuletzt gesagt, als er auf Paolo Guerrero angesprochen wurde. Immerhin ist der technisch versierte Angreifer beim HSV mit einem Jahresgehalt von rund 3,5 Millionen Euro der absolute Topverdiener und sticht in der Gehaltstabelle heraus.

Dennoch muss sich Arnesen jetzt wirklich etwas einfallen lasse, um diesen Verkauf zu rechtfertigen. Rund fünf Millionen Euro Transfersumme sollen aus Brasilien fließen, wovon ein Drittel an HSV-Ivestor/Fan/Mäzen Klaus Michael Kühne geht. Sollte Kühne verzichten, oder das Geld über andere Wege zurück an den HSV fließen lassen, bliebe es bei den 5 Millionen Euro. Zusammen mit dem Gehalt hat Arnesen somit rund 8,5 Millionen Euro Investitionssumme (inklusive Gehalt des Neuen) generiert. Das entspricht in etwa der gemutmaßten Ablösesumme für Rafael van der Vaart, mit dem der neue Tottenham-Trainer Villas-Boas offenkundig nicht mehr plant. Allerdings behaupte ich, dass der 1:1-Tausch von Guerrero zu van der Vaart (finanziell sowieso nicht, da van der Vaart nicht weniger verdienen will) der HSV-Mannschaft noch längst nicht den Schub nach vorn gibt, den sie benötigt, um nicht wieder in die unteren Tabellenregionen zu geraten. Geschweige denn, um oben anzugreifen.

Nein, mit Guerrero hat Arnesen den Spieler von der Streichliste verkauft, der über die mit Abstand größte Qualität verfügt. Der Peruaner hatte viele Interessenten. “Für Paolo ist es eine große Sache, bei diesem Verein zu spielen. Wir wünschen ihm natürlich viel Glück und Erfolg auf seinem Weg”, sagt Arnesen, der selbiges für sich benötigt. Denn nominell ist der HSV bislang nicht besser geworden. Auch wenn Beister gute Ansätze zeigt. Und obwohl Adler im Tor andeutet, eine Verstärkung zu sein, hatten wir auf der Position nicht die meisten Probleme. Im Gegenteil. Dem HSV fehlt weiterhin ein richtig guter Innenverteidiger, obgleich Bruma und Mancienne kleine Schritte vorwärts machen. Dann benötigt die Mannschaft dringend einen spielerisch starken Sechser, denn der bisherige Versuch mit Westermann im Mittelfeld droht zu scheitern, weil der Weiterhin-Kapitän einfach zu viele Stockfehler im Aufbau- und Passspiel hat, sich mit seiner neuen Rolle noch überhaupt nicht anfreunden konnte. Und es fehlt ein richtiger Zehner. Sollte Rudnevs sich nicht massiv steigern können, fehlt nun auch noch ein richtig guter Angreifer. Fink setzt auf einen Letten: “Wir sind vorne gut besetzt, haben mit Rudnevs einen guten Mann dazubekommen. Marcus Berg hat am Ende der Saison gezeigt, was er kann. Und ich bin mir sicher, dass sich Son noch weiterentwickelt.”

Oha. Das klingt momentan mehr nach Hoffnung denn nach dem Glauben an die eigene Stärke. Was bleibt ist viel Arbeit für Frank Arnesen. Und ich kann nur hoffen (ich glaube es auch!), dass der Guerrero-Transfer nur der Beginn einer lang und gut durchdachten Personal-Rochade ist.

Zumal es inzwischen munter weitergeht mit Transfergerüchten. Nach van der Vaart soll der HSV nun auch mit Zvjezdan Misimovic verhandeln. der Spieler steht bei Dynamo Moskau auf der Streichliste. Von HSV-Seiten soll Slobodan Rajkovic wiederum interessant für die Russen sein, weshalb der HSV versuchen soll, ein Tauschgeschäft zu arrangieren, um so einen Teil der Misimovic-Ablösesumme zu sparen. Zudem soll Rubin Kazan großes Interesse an Gökhan Töre haben. Schon wieder. Auch im vergangenen Winter hatten die Russen beim HSV angefragt. Inzwischen hat auch Töres Berater erste Gespräche mit Kazan-Verantwortlichen geführt.

Es geht los. Das Karussell dreht sich – immer schneller. Hoffentlich behält der HSV den Überblick. Ich bin gespannt.

Und ich werde Euch natürlich weiter auf dem Laufenden halten, diesen Blog nach Möglichkeit immer wieder mit neuen Fakten aktualisieren. Bis später,

Scholle