Tagesarchiv für den 6. Juli 2012

Arnesen wartet auf ein Zeichen von van der Vaart ***1:1 gegen Rosenheim***

6. Juli 2012

**Ergänzung am Ende….

Es könnte ein sehr kurzer Trip für ihn werden. „Ich muss immer am Handy sein. Es kann immer passieren, dass ich plötzlich los muss“, sagt Frank Arnesen, der sich als Vieltelefonierer offenbar eines besonderen Satelliten für sein Handy freuen durfte. Zumindest hatten meine gesamten Kollegen und ich keinen Empfang im Tageshotel „Landgasthof Happinger Hof“ in Rosenheim. Der HSV-Sportchef ist sich zudem sicher, dass langsam Bewegung in die Wechselperiode kommt. „Die EM ist jetzt eine Woche beendet, so langsam geht es los. Es passieren schon die ersten Dinge, der Markt kommt in Schwung.“

So auch beim HSV. Am Donnerstag hatte sich ein Vereinsvertreter des russischen Erstligisten Rubin Kazan beim HSV im Vorstandsbüro eingefunden, um über einen etwaigen Kauf von Paolo Guerrero zu sprechen. Ob es in diesem Fall Neues gibt? „Nein“, sagt Arnesen, der Guerrero aus sportlicher Sicht gar nicht verkaufen würde: „Paolo ist einer unserer besten Spieler. Aber manchmal brauchst Du als verein mehr Spielraum.“ Sprich: die Gehaltseinsparung beim Topverdiener soll helfen. Und: „Es kommen langsam auch für unsere Leute Angebote rein.“ Zumindest gab der Däne zu, sich am Donnerstag mit dem Russischen Vertreter zusammengesetzt zu haben. Und dass der wegen Paolo da war, hat er selbst gesagt.

Egal wie, es passiert endlich was. Auch in Richtung Rafael van der Vaart. Intern ist der Niederländer seit langem Thema. Die Affinität von HSV-Investor/Gönner/Fan Kühne zum niederländischen Nationalspieler tat sein übriges dazu. Und auch auf sportlicher Ebene scheinen sich alle einig zu sein, dass der noch bis 2014 bei Tottenham unter Vertrag stehende Spieler eine Hilfe sei. „Er ist ein großer Spieler und er kennt den HSV. Aber er steht auch noch ein paar Jahre bei Tottenham unter Vertrag. Konkret ist noch nichts. Und es wäre nicht korrekt, jetzt darüber zu sprechen“, so Arnesen einschränkend, ehe er wilden Spekulationen Tür und Tor öffnete: „Ich unternehme nichts. Aber wenn ich ein Zeichen bekomme von seiner Seite. Van der Vaart ist jetzt im EM-Urlaub – in den nächsten Wochen sehen wir weiter.“

Das klingt doch schon konkreter als alles Bisherige. Zudem sagt Arnesen, dass der HSV mit vier potenziellen Kandidaten fürs Mittelfeld in Gesprächen steht. Zwei für die Sechs, zwei fürs zentrale, offensive Mittelfeld. Und allesamt wären aus eigenen Bordmitteln zu finanzieren – wenn Spielerabgegeben werden. „Es bleibt dabei, wir müssen verkaufen, um selbst aktiv zu werden“, sagt Arnesen und spricht das Thema an, das ihn inzwischen am meisten nerven dürfte. Zumal es im Kader Spieler gibt, die ihren Wechsel konsequent ausschließen, obgleich er ihnen sehr nahe gelegt wurde. Per Skjelbred beispielsweise soll Arnesen gesagt haben, dass er seine Chance suchen und nutzen wolle. „Das ist doch auch gut. Das zeigt mir, dass der Spieler eine gute Einstellung hat“, so Arnesen, der sehr wohl auch weiß, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Immerhin zahlt der HSV – wenigstens bei den alten Verträgen – gut. Und es möchte sich sicherlich kein Spieler im Gehalt verschlechtern. Auch diesbezüglich will Arnesen („Wir sind hier 24 Stunden zusammen und haben viel Zeit, über alles zu sprechen“) noch mal mit dem einen oder anderen Spieler unterhalten.

Bei Jaroslav Drobny wird er sich noch gedulden müssen. Der Tscheche hat noch Urlaub bis nach Südkorea (23. Juli) – und er will bleiben. Zumindest hat sein Berater Baumgarten gesagt, dass Drobny seinen vertrag erfüllen wolle und werde. „Das ist auch völlig okay“, sagt Arnesen, „aber ich glaube auch, dass er es sich schnell anders überlegt, sobald er ein Angebot hat.“

Fast ein Jahr ist es jetzt her, dass Frank Arnesen beim HSV das Amt des Sportchefs übernommen hat. Eine Zeit, die der 55-Jährige als „das schwerste Jahr meiner Karriere“ bezeichnet. „Wir hatten mit mir und Rodolfo vier Trainer – das schafft man sonst nur in etlichen Jahren. Mir kam das eine Jahr vor, als wären es drei gewesen.“ Allerdings, nach dem schweren Start mit sechs Spielen und nur einem Punkt unter Michael Oenning sei es aber besser geworden. „Wir mussten damals ältere Spieler verkaufen und wussten, dass wir ein Risiko nehmen. Aber bei allen Tiefen war ich extrem positiv überrascht, wie ruhig alle geblieben sind. Bei uns und im Umfeld bei den Fans.“

Allerdings ist das nichts für die Ewigkeit. Arnesen steht unter dem druck, dass es dieses Jahr besser werden muss. Und er ist überzeugt davon. „Ich habe gesehen, dass wir besser sind als Platz 15“, so der Sportchef, der für diese Vermutung die Erfahrung der letzten Serie bei den Jungen Spielern anführt. Zudem habe sich die Struktur der Mannschaft über das Jahr hinweg deutlich verbessert. „Wir hatte am Anfang keine richtigen Leader, die angenommen wurden“, so Arnesen, „und das hat sich geändert. Spätestens seit Thorsten Fink da ist, hat sich das so langsam gefunden.“ Und mit René Adler hat die Mannschaft einen absoluten Führungsspieler dazugewonnen. Zumindest präsentiert sich der Keeper in den bisherigen Einheiten so. Lautstark dirigierend ist er der Dirigent der Defensive. „Er hat die Erfahrung und das Können“, lobt Fink, „er ist ein typischer Führungsspieler.“

Und einer mit der Mentalität, die Arnesen so sehnlich erhofft. „Wir waren zu lieb als Mannschaft. Dabei müssen wir nicht nur Freunde sein. Freundschaft bedeutet für mich, dem anderen gegenüber ehrlich auch mal zu sagen, wenn er sich hängenlässt. So war es bei mir früher – und das habe ich sehr geschätzt. Das hat mir geholfen.“

So, das solls vorerst vom ersten tag im trainingslager gewesen sein. Ich mache mich jetzt mit meinen Kolegen auf den Weg zum ersten Testspiel der neuen Saison bei der TSG 1860 Rosenheim (Regionalligaaufsteiger). Dort spielen wir mit folgender Startelf: Adler – Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo – Westermann, Skjelbred – Beister, Arslan, Jansen – Rudnevs. Allerdings hatte Fink bereits angekündigt, heute alle Spieler spielen lassen zu wollen.

In diesem Sinne, ich melde mich nach Spielschluss mit einem kleinen Update in diesem Blogbeitrag wieder.

Bis gleich,
Scholle

P.S.: Slobodan Rajkovic fehlt im Trainingslager, weil er entgegen ersten Ankündigungen noch Urlaub bis zum 11. Juli hat.

****1:1 – blutleerer Auftakt in die neue Saison. Das war nichts. Vielleicht sogar noch etwas weniger. Aber dieses 1:1 bei bestem Fußballwetter vor knapp 1000 Zuschauern im Jahnstadion gegen die TSG Rosenheim dürfte Trainer Thorsten Fink ärgern. Bereits nach 55 Sekunden musste Rene Adler hinter sich greifen, nachdem Artjoms Rudnev einen Freistoß des Süd-Regionalligisten nicht richtig klären konnte. Florian Pflügler brauchte aus fünf Metern nur noch einzuschieben. Und obwohl der HSV anschließend Chancen zum Ausgleich hatte, blieb es bis zur Halbzeit beim 1:0 der Gastgeber. Erst in der 52. Minute konnte Jacopo Sala aus 20 Metern mit einem “Flatterball” ausgleichen. Und er setzte damit den letzten Höhepunkt einer schwachen Partie. Obwohl, nein! Rosenheim hatte in der 89. Minute noch die Möglichkeit, den Siegtreffer zu erzielen. Allein das rechte Bein vom eingewechselten Torwart Tom Mickel sowie Nörgaard (glaube ich) retteten auf der Linie. Danach war Schluss. Und das war auch gut so. Zumindest für die Zuschauer, die zu 80 Prozent aus HSV-Fans bestanden, und die deutlich mehr erwartet hatten und von einem Beister, Rudnevs sowie allen anderen 20 eingesetzten Spielern. Einzig Macauley Chrisantus nutzte seine Chance – weil er als einziger Spieler nicht zum Einsatz kam, machte er als einer der ganz wenigen (Adler, Mickel) nichts falsch…*****