Tagesarchiv für den 2. Juli 2012

Über 1000 Fans beim ersten Training!

2. Juli 2012

Der HSV ist wieder da! Wie schön. Und trotzdem gab es heute zwei andere Themen, die den Tag beherrschten: Sammer und Spanien. Der Sammer-Hammer war der Knaller an sich. Und ich war sofort wieder im Film. Damals habe ich nämlich nach der Absage vermutet (auch im Fernsehen), das Matthias Sammer, der Sportdirektor des DFB, nur beim HSV abgesagt hat, um zum FC Bayern zu wechseln. Es hat gedauert, aber jetzt ist es vollbracht. Und ich bin von einer abgesprochenen Sache total überzeugt. Armer Christian Nerlinger. Aber gut, so ist Fußball. Aber noch mal zur Erinnerung, wie das damals alles mit dem HSV-Sportchef Sammer gelaufen ist. Einige Herren des HSV-Aufsichtsrates trafen sich in Barsinghausen mit Sammer und dessen Anwalt Gerd Niebaum (ehemals BVB-Präsident). Alles wurde besprochen, alles wurden sich einig, alles war perfekt. Da fragte Alexander Otto im Namen des HSV: „Herr Sammer, wir haben alles besprochen, alles ist nun perfekt gemacht worden, wir sind uns einig – dürfen wir das nun auch der Hamburger Presse verkünden?“ Sammer sah Niebaum an, beide nickten und Sammer sagte zu Otto: „Das dürfen Sie jetzt, wir sind ja klar.“ Nur deswegen ging der HSV damit an die Öffentlichkeit – aber Sammer machte tags darauf dann doch einen Rückzieher. Warum wohl?

Sammer wohnt mit seiner Familie in München, sein Sohn spielt beim FC Bayern. Was mögen die Verantwortlichen des Rekordmeisters wohl gedacht haben, als Sammer mit dem HSV einig schien? Ich habe, wie geschrieben, damals sofort vermutet, dass Sammer deswegen nicht nach Hamburg kam, weil ihn der FC Bayern geködert hat. Und nun hat der Goldfisch angebissen. Und auch der gott-ähnliche Deutsche Fußball-Bund, der Sammer damals für den HSV nicht freigeben wollte, hat sein Ja-Wort gegeben. Alles ist bestens – bis dass der Tod euch scheidet.

Zum Thema schrieb „Reinhard 1954“ heute:

„Dazu erklärte DFB-Präsident Niersbach: „Wir lassen Matthias Sammer nur sehr schweren Herzens gehen. Er hat mit seiner Kompetenz und Leidenschaft viel für die Talentförderung in Deutschland bewegt und dem Verband mit seiner Art unglaublich gut getan. Gleichzeitig respektieren wir seinen Wunsch und möchten seinen weiteren Plänen nicht im Wege stehen.” Man werde sich „in Ruhe” auf die Suche nach einem Nachfolger machen, teilte Generalsekretär Helmut Sandrock mit.

Oben genannter Auszug aus dem Kicker: Was lernen wir daraus? Der Wunsch des FC Bayern wird selbstverständlich akzeptiert. Bei anderen Vereinen, wie dem HSV, natürlich nicht. Ab heute gönne ich dem FC Bayern nur noch Misserfolge…”

Von Billtal kam dazu auch folgender Beitrag:

Was ist das für ein Neid-Blog hier?
Sammer hat doch derzeit nur rechtzeitig die Reißleine gezogen, als er merkte, mit welchem Verein und mit welchen Leuten er es hier in Hamburg tatsächlich zu tun hatte. Bayern ist dagegen (leider) eine vielfach größere Hausnummer. Ich kann diesen Schritt von Sammer durchaus nachvollziehen.

Und dann muss ich, bevor ich zum HSV von heute komme, doch noch einmal wortbrüchig werden. Ich wollte ja nichts mehr zur EM schreiben, aber nach diesem Finale einfach so zur Tagesordnung übergehen? Das geht doch nicht. Nie, möchte ich sagen, gab es eine stärkere und bessere Nationalmannschaft als Spanien. Mein Kompliment, ich ziehe den Hut. Dieses Spiel, diese Technik, dieses Spielverständnis – alles perfekt. Es geht schlicht nicht besser. Und dann diese Tore. Sensationell. Wie Fabregas noch auf der Torauslinie zum Dribbling ansetzt und dann auch noch flanken kann (auf Silva), das war erste Sahne. Und erst das 2:0. Da kam Jordi Alba von hinten „angeflogen“, das war unfassbar. Der 2:0-Torschütze hätte mit seinem Sprint doch jede Radarkontrolle gesprengt! Das waren zwei Tore aus dem nächsten Jahrtausend.

Konnte man früher mal sagen, hätten wir doch dort, hätten wir doch hier – so gibt es diesmal nicht den leisesten Zweifel daran, dass Spanien der verdiente und auch würde Europameister 2012 geworden ist. Es gibt auf der Welt zurzeit keine bessere Mannschaft.

Außer dem HSV. Aber Vereins-Mannschaften zählen ja nicht . . .

Womit ich beim Thema Nummer eins bin. HSV. Jawoll, da ist er wieder! Zwar fehlen noch einige Cracks, weil sie aufgrund von Länderspiel-Einsätzen noch einige Tage länger Urlaub bekommen haben, aber 20 Feldspieler und drei Torhüter präsentierten sich heute den mehr als 1000 Zuschauern beim munteren Aufgalopp. Im Blickpunkt standen naturgemäß die drei Neuen: Torwart Rene Adler, Offensivkraft Maximilian Beister und Stürmer Artjoms Rudnevs. Und einer, von dem noch weit und breit nichts zu sehen ist, war auch in aller Munde: Rafael van der Vaart. Die Spatzen pfeifen es (fast schon hartnäckig) von den Dächern: Der Niederländer ist wohl in Sachen Kreativspieler die Hamburger Nummer eins. Sportchef Frank Arnesen soll ganz eng dran sein, an der „ewigen 23“. Auch wenn der Däne den Ball – im Gegensatz zu seinen sonstigen Gepflogenheiten – diesmal ganz flach hielt. Dreimal bediente sich der Sportchef – ein wenig zögerlich – mit dem Wort intern. Auf die Frage nach van der Vaart antwortete Arnesen: „Ich habe Ihnen doch gesagt, wir müssen nicht so viel über Spieler reden, die noch nicht beim HSV sind. Wir haben unsere Gespräche intern, wir haben unsere Wünsche, mehr müssen wir heute nicht sagen. Van der Vaart ist ein hervorragender Spieler, er ist 29 Jahre alt, aber er ist in diesem Moment Spieler von Tottenham. Was wir im Augenblick machen können ist das, dass wir intern an unseren Möglichkeiten arbeiten. Es ist noch Zeit, es sind noch zwei Monate Zeit, bis die Transferliste schließt, da kann noch viel passieren. Wichtig ist nur, dass wir das alles intern behandeln.“

Darauf, dass der Milliardär und HSV-Sponsor Klaus-Michael Kühne in einem Interview gesagt hat, dass er glaube, der HSV hätte kein wirkliches oder ernsthaftes Interesse an van der Vaart, sagte Frank Arnesen: „Das stimmt nicht.“ Also hat der HSV Interesse! Oder? Arnesen: „Ich glaube, dass ist eine interne Frage, und die wollen wir intern behandeln. Das soll nicht nach außen. Wir machen Strategien, wir tun was wir können – ich kann nur sagen, dass van der Vaart ein hervorragender Mann bei Tottenham ist . . .“ Trainer Thorsten Fink dazu: „Alle hervorragenden Spieler sind für uns immer interessant, das ist doch klar, aber wenn sie woanders unter Vertrag stehen und viel Geld kosten, da brauchen wir uns im Moment keinen Kopf drüber zerbrechen.“ Und Medien-Direktor Jörn Wolf zu diesem Thema: „Herr Kühne hat ja auch erklärt, dass er bereits ist, in einer Gruppe mit anderen Leuten zu investieren. Aktuell aber gibt es keine anderen Leute, die investieren wollen, also gibt es aktuell auch keinen Investor Kühne, man muss sich also auch nicht über van der Vaart unterhalten.“ Und Ende.

Über die Zugänge wurde ja schon in den vergangenen Wochen viel geschrieben. Und Maximilian Beister war gestern bei und in „Matz ab live“ zu sehen und zu hören, das wurde ebenfalls schon einige kleine Geheimnisse gelüftet. Artjoms Rudnevs erzählte nicht viel von sich, ich denke aber, dass er später Tore für sich sprechen lassen wird. Kurios: Am ersten Tor des Tages waren gleich alle drei Zugänge beteiligt: Seitfallzieher Beister, Glanzparade Adler, Abstaubertor Rudnevs. Die Mannschaft des Letten, der noch ein zweites Tor erzielte, siegte 3:1. Einen Treffer konnte noch Tolgay Arslan erzielen, für das Gegentor war Marcus Berg zuständig. Eine erwähnenswerte Szene gab es noch: Kopfball Rudnevs an die Latte, den Fallrückzieher beförderte der Lette nochmals an die Latte, den Abpraller nahm Son auf, doch Sven Neuhaus hielt. Es gab viel Beifall dafür. Für alle. Und noch eine Randnotiz zum Training: Sowohl Beister als auch Rudnevs hatten viele gute Szenen und beeindruckten die Kiebitze mit ihren engagierten Leistungen. Das sah alles schon mal sehr vielversprechend aus.

So, schnell noch zur personellen Situation beim HSV:

Gojko Kacar fehlt natürlich noch länger wegen seines Knöchelbruchs. Paolo Guerrero und Tomas Rincon stoßen erst nach dem Österreich-Trainingslager (12. Juli) zur Mannschaft, der verletzt bei der EM fehlende Ivo Ilicevic kehrt auch erst zu diesem Zeitpunkt zurück. Torwart Jaroslav Drobny kommt dann erst nach der Südkorea-Reise (16. bis 23. Juli) nach Hamburg, und bereits am 5. Juli ist Gökhan Töre wieder hier, der ebenfalls noch Länderspiele zu absolvieren hatte. Etwas überraschend war Heung-Min Son, der ebenfalls noch Urlaub hätte (wie Töre) aber heute schon im Training zu sehen. „Eine sehr lobenswerte Einstellung“, befand Fink. Hätte auch Töre so machen können, aber der Deutsch-Türke schöpft seinen Urlaub eben in vollen Zügen aus . . . Der eine eben so(n), der andere so.

Ich muss gestehen: Nach der „Matz-ab-live“-Sendung, in der sowohl Heiko Westermann als auch „Maxi“ Beister sehr zu gefallen wussten (das war spitze – vielen Dank auch an dieser Stelle noch einmal an beide Profis!) hat mir heute Rene Adler mächtig imponiert. Wenn die ehemalige deutsche Nummer eins nur annähernd so gut hält, wie er spricht, dann muss sich Manuel Neuer ganz warm anziehen. Klasse! Fink lobte ihn ja heute: „Mit ihm haben wir einen wirklich tollen Fang gemacht!“ Alles was ich gesehen und gehört habe – da möchte ich Thorsten Fink sofort beipflichten.

Adler sagte bei seiner offiziellen Vorstellung: „Es fühlt sich an wie der erste Schultag, ich bin aufgeregt und nervös. Ich spüre nach zwölf Jahren Leverkusen eine große Vorfreude, es ist ein Neuanfang in allen Bereichen. Ich bin körperlich topfit, mir fehlt nur ein bisschen Spielpraxis.“ Das intensive Werben von Frank Arnesen habe ihn letztlich überzeugt, nach Hamburg zu kommen: „Es muss hier in der vergangenen Saison einiges schiefgelaufen sein. Im Normalfall, also mit einer solchen Mannschaft, mit solch einem Potenzial, mit solch einer Stadt und mit einem solchen Verein spielt man eigentlich nicht unten mit. Ich hoffe, dass wir das abstellen und ändern werden. Hier soll und wird sich etwas ändern, in Hamburg gibt es eine große Sehnsucht nach gutem Fußball“.

Bevor Rene Adler vor zwölf Jahren zu Bayer Leverkusen ging, war auch der HSV bei ihm und seiner Familie zu Besuch in Leipzig. Der HSV wollte Adler schon damals. Ralf Schehr und Manfred Lorenz verhandelten mit den Adlers, scheiterten aber. Warum? Adler heute: „Ich war sogar damals auch in Hamburg, sah mir das Trainingszentrum in Norderstedt an. Ja, woran ist es gescheitert? Der HSV war sehr, sehr intensiv um mich bemüht, aber das Gesamt-Paket Leverkusen mit Torwarttrainer und Freund Rüdiger Vollborn hat mich überzeugt. In Leverkusen wohnte ich privat in der Familie, in Hamburg hätte ich im Internat wohnen müssen, und ich war damals noch sehr, sehr unselbstständig. Deswegen habe ich Leverkusen vorgezogen.“ Adler weiter: „Ich freue mich aber, dass es mich jetzt zum HSV gezogen hat, die Entscheidung fühlt sich absolut richtig an. Und ich hoffe, dass ich eines Tages so wie jetzt, wenn ich auf Leverkusen zurückblicke, sagen kann: ich habe alles richtig gemacht.“

Das hoffen wir doch mit ihm, oder? Aber, wie gesagt, ich habe ein gutes Gefühl.

Das Schlusswort von Frank Arnesen: „Wir wissen, dass wir besser werden müssen, das ist ganz klar, und ich glaube ganz sicher, dass wir auch besser werden.“

Ich möchte es ja glauben, ganz fest sogar, und ich hoffe es ja auch hundertprozentig – aber wie oft haben wir ähnliche Sprüche schon in der vergangenen Saison gehört?

PS: Mittelfeldspieler Marcell Jansen verlängerte seinen Vertrag beim HSV jetzt doch, und zwar bis 2015.

von „albi“ gab es noch eine Richtigstellung, die ich gerne öffentlich mache:

„Hallo Dieter,

liegt schon etwas zurück, muss aber korrigiert werden: Der Schieri vom Halbfinale 1970 D – Italien, er hieß Yamasaki, wie du richtig schreibst, war KEIN Mexikaner, sondern ein PERUANER.“

Ich glaube das, aber besser macht ihn das auch nicht . . .

Morgen ist um 15 Uhr Training im Volkspark, aber es trainieren nicht alle Spieler „draußen“, denn es sind Laktat-Tests angesetzt.

19.59 Uhr