Monatsarchiv für Juli 2012

Der HSV hat Schweden überlebt

31. Juli 2012

Es gab heute die Gelbe für mich. Oder war es schon die Gelb-Rote? Das Moderatoren-Team hat schwer mit mir gemosert, denn meinen letzten Beitrag fanden die Moderatoren nicht sonderlich gut gelungen. Ja, die Tagesform, ich sag es ja. Manchmal hat man eben auch mal einen gebrauchten Tag erwischt – das (oder den) kennt ja wohl jeder. Offenbar hatte ich den gestern. Die Moderatoren (und wohl nicht nur sie) unterstellen mir, dass ich wieder mal wie eine „beleidigte Leberwurst“ gewirkt habe. Das mag so gewirkt haben, aber ich kann jedem nur versichern, dass ich es nicht bin. Mehr möchte ich aber auch nicht sagen, sonst könnte ich eventuell noch einmal böse Geister wecken.

Der HSV, um das Thema zu wechseln, ist nun auf dem Rückweg. Offenbar gab es im schwedischen Überlebenscamp keine personellen Verluste, ich habe Fotos gesehen, auf denen sich die Mannschaft vor dem Bus versammelt hat, der die Spieler in Richtung Flughafen bringen wird. Die Reise wird sich gelohnt haben, denke ich. Nach allem was ich gehört und gelesen habe (HSV), sind alle enger zusammengerückt. Mich hat ein Foto besonders gefreut, zeigt es doch die beiden Torhüter Jaroslav Drobny und Rene Adler beim Einsteigen (mit Brot in den Händen) in ein Boot. Trotz der großen Konkurrenz – alle sitzen in einem Boot. Und das ist auch gut so.

Ansonsten möchte ich heute einen „Kummerkasten-Tag“ einlegen. Das heißt: Briefe und Mails an mich, die euch und auch mich bewegen. Vielleicht erkennt sich ja einer in einem Beitrag wieder.

Von “Jan B.” kam heute:

„Dieter, ich hab da mal ne Frage zu deinen Sorgen im Sturm. Welcher HSV Stürmer hat in den letzten 5 Jahren mehr als 15 Bundesligatore geschossen? Ich sag es dir, keiner. Unser Problem liegt nicht bei guten oder schlechten Stürmern. Wir als HSV schießen insgesamt zu wenig Tore. Der HSV hat es in den letzten 10 Jahren und länger nicht fertiggebracht die 60 Tore Marke zu knacken. Selbst mit einem van der Vaart sind wir nur bei 55 Toren angekommen.

Wenn du vom HSV Tore sehen willst, musst du über das Spielsystem nachdenken. Tore schießt die Mannschaft und nicht ein einzelner Spieler. Selbst Gomez war maßgeblich von Ribery und Robben abhängig. Auch bei einem Huntelaar ohne Raul wirds diese Saison schwer. Wir sollten vielleicht dringlichst unser Spielsystem optimieren so das die Tore wieder fallen. Wir müssen uns entscheiden ob wir über die Flanken mit einem 4-3-3 kommen oder spielerisch durch die Mitte mit dem 3-5-2, oder auf Konter mit einem 4-5-1 oder 4-1-4-1. Alle diese Varianten sind derzeit vom Kader her spielbar. Es fehlt dafür nur ein spielstarker Mittelfeldspieler, mehr nicht. Eventuell kannst du noch über einen Abwehrspieler nachdenken, aber Kacar hat ja keiner mehr auf dem Schirm.

Wir sollten nicht dauernd nach neuen Spielern schreien. Jetzt ist unser Trainer in der Pflicht die vorhandenen Spieler zu formen und zu fördern. Dann schießen Rudnevs, Berg, Beister, Son und illicevic auch wieder Tore. Das sie es können haben alle schon gezeigt.

In diesem Sinne schau mehr auf das Training und die Spielerentwicklung, das bringt uns derzeit weiter.“

Letzterer Punkt liegt mir sehr am Herzen, wird mir auch künftig weiter sehr am Herzen liegen. Ich glaube ja auch, dass in diesem Punkt in der gesamten Liga mächtig geschludert wird. Da könnte mehr getan werden, und da sollte auch mehr getan werden – hoffentlich wird es erkannt. Um es noch einmal zu sagen: Das ist kein Thema für die Kombination Fink/Arnesen, sondern für alle. So wie es Fink/Arnesen bislang gemacht haben, so haben es auch alle ihre Vorgänger gemacht. Aber, wie geschrieben, es könnte eben noch mehr gemacht werden. Gerade in dem Punkt Spielerentwicklung. Ich würde sogar Spielerweiterentwicklung schreiben.

Ein Punkt liegt mir zudem noch am Herzen: Kacar hat keiner mehr auf dem Schirm. Stimmt wohl, denn ich höre nichts mehr davon, dass er diese oder jene Lücke schließen könnte. Okay, noch ist er verletzt, das dauert ganz sicher auch noch einige Wochen – aber dann könnte er ja durchaus noch kommen. War er nicht schon mal ein ausgezeichneter Innenverteidiger beim HSV? Ich habe das so empfunden, damals sahen wir (ich) den besten Kacar, den es je in Hamburg gegeben hat. Wenn er daran wieder anknüpfen könnte, dann wäre das für mich wie ein neuer Spieler für den HSV. Man muss (oder müsste) es ihm nur mal wieder zutrauen . . .

Und speziell zum Thema Sturm oder Angreifer: Wann hatte der HSV mal einen echten Reißer, einen echten Brecher wie einst Uwe Seeler? Einer, der dorthin geht, wo es wehtut. Der den direkten Weg zum Tor sucht, wenn nötig, dann auch mit dem Kopf durch die Wand? Einen Stürmer, der wendig und schnell ist, der Tore „riechen“ kann. So war Paolo Guerrero nicht, so war Mladen Petric nicht, so ist Marcus Berg auch nicht. Ivica Olic war halbwegs ein solcher „Verrückter“, der abging wie Schmidt’s Katze, der unorthodox spielte und unberechenbar war für Freund und Feind, der jedem Ball hinterher sprintete ohne Ende – wenn der HSV mal wieder einen solchen Mann einfangen könnte, dann wäre mir wohler. Ich habe, um es mal klar und deutlich zu sagen, die Nase voll von nur „spielenden“ Stürmern, ich wünsche mir einen Mann, der mit starkem Willen Tore machen will, der marschiert, de sich da vorne rein wirft, der sich voll reinhängt.

Wobei ich selbstverständlich weiß, dass es von solchen Spieler-Typen nicht mehr ganz so viele gibt, und dass diese Spieler-Typen natürlich ihren Preis haben. Aber vielleicht könnte der HSV einen solchen Stürmer ja auch mal selbst heranzüchten? Uwe Seeler (irgendwie lande ich immer wieder beim ihm) kam doch auch einst aus der eigenen Jugend hervor – und machte mit 17 schon sein erstes Länderspiel! Ich weiß, ich weiß, ein Jahrundert-Talent, aber warum kann es einen solchen Stürmer nicht noch einmal beim HSV geben?

Und damit sind wir bei der nächsten Mail – und beim nächsten Thema. Zur Nachwuchsarbeit des HSV gab es folgende Mail:

„Sehr geehrter Herr Matz,

Ja, die Nachwuchsarbeit unseres HSV ist seit Jahren eine Katastrophe. Im letzten Jahr hat es keine Jugendmannschaft geschafft, in ihrer Liga ganz oben zu stehen. Warum schaffen es Mannschaften aus einem kleinstädtischen Umfeld oder der Nachwuchs anderer Bundesligavereine? Spielen beim HSV immer nur solche Jungs, die sich mit dem Image des HSV schmücken wollen? Was bringt das alles, was bisher unternommen wurde?

Der direkte Bundesliganachwuchs spielt regelmäßig im Mittelfeld der 4. Liga. Der HSV käme nie auf die Idee, Spieler aus der 4. Liga für seine Bundesliga zu verpflichten. Wieso soll das aus einer eigenen Nachwuchsmannschaft aus der 4. Liga gelingen? Die Wenigen, die mal nach oben kommen, versauern entweder lange auf der Ersatzbank oder werden ausgeliehen. Der Trainer der Bundesligamannschaft kann nur in Ausnahmefällen große Risiken eingehen und Nachwuchskräfte einsetzen, die „noch“ so weit vom erforderlichen Bundesliganiveau entfernt sind. Deshalb wird es auch nichts mit einem erfolgreichen Nachwuchs beim HSV.

Jahr für Jahr hören wir nun, jetzt wird sich das alles ändern. Verdiente Ligaspieler übernehmen das Amt, das Ergebnis: unser HSV kommt keinen Schritt weiter. Nun ist dem HSV eingefallen, neues Beton anzumischen und ein neues Leistungszentrum bauen zu wollen. Es fehlt aber nicht an Gebäuden sondern an Kreativität, Können und Professionalität in der Nachwuchsförderung. Das ist mit Beton nicht zu erreichen.

Was sollte getan werden? Es bedarf eines exzellenten, als Fachmann ausgewiesenen, Toptrainers. Eines sportlichen Leiters, der in seinem Denken kein Verwalter und/oder nur Organisator sein sollte. Es wird ein professionelles Scouting-Team für junge Talente benötigt, das seinen Namen verdient. Es muss damit aufgehört werden, Nachwuchsarbeit nebenbei zu erledigen und nur ehemaligen „verdienten“ Spielern einen neuen Karriereschritt zu ermöglichen. Nur wer den Nachweis erbracht hat, dass er es auch wirklich kann, sollte eine Chance erhalten. Ein toller Bundesligaspieler ist noch lange kein guter Trainer.

Ich halte es für wichtiger, kräftig in den Nachwuchs zu investieren, als die letzten Cents für die Bundesliga zusammen zu kratzen. Dem Sparkommissar Herrn Jarchow muss klar sein, er muss (leider) überall den Rotstift ansetzen, um den Verein vor einer Überschuldung zu retten. Beim Nachwuchs muss er kräftig investieren. Vielleicht gibt es ja mit ein wenig Phantasie auch dafür Investoren.

Mit besten Grüßen, Wolfgang I.“

In vielen Punkten, das gebe ich zu, spricht mir Wolfgang I. aus der Seele. Der eine oder andere Punkt wurde auch schon an anderer Stelle aufgegriffen (auch von mir) – aber genützt hat es leider nur wenig, im Grunde genommen gar nichts. Mit Sportchef Frank Arnesen kam ja 2011 auch eine Crew in Sachen Nachwuchsarbeit, sie ist nun ein Jahr dabei – und wann immer ich meine Ungeduld zum Ausdruck bringe, höre ich nur: „Wir können keine Wunder vollbringen so etwas muss aufgebaut werden, behutsam betreut und gepflegt werden – aber das dauert eben einige Jahre.“

Was ja wohl oder auch ganz sicher stimmen mag – nur haben wir diese Sätze schon seit Jahrzehnten gehört, immer und immer wieder. Da ist wohl Kontinuität gefragt – und die gab es auch in diesem Punkt beim HSV so gut wie nie. Ungeduldig wurden meistens mitten im Galopp die Pferde gewechselt – und alles begann wieder von vorn . . .

Dann gab es auch die folgende inhaltsreiche Mail an mich, mit reichlich Kritik auch an meiner Person – aber ich veröffentliche sie trotz allem, denn alles das, was da geschrieben wurde, geschah oberhalb der Gürtellinie:

„Lieber Matz,

als langjähriger HSVer, Fan und Mitglied mache auch ich mir Sorgen um den HSV. Sicher gibt es diverse Baustellen in dieser Mannschaft und darum, aber die Ursachen dafür liegen vor allem in der Vergangenheit. Deswegen bin ich der Meinung, dass dafür in erster Linie auch die
Vergangenen verantwortlich sind. Als jemand, der nicht aus Hamburg kommt und nicht wie du und manch andere das Glück haben, täglich das Training zu besuchen und dicht am Geschehen zu sein ist mir der Blog eine Möglichkeit, teilzuhaben, danke dafür.

Jedoch muss ich mich doch auch etwas wundern. Zum einen, was da so zu lesen ist. Waren wir uns nicht vor kurzem alle einig, dass es endlich Zeit ist, einen neuen HSV aufzubauen? Ohne
Söldner? Mit Herz für den Verein? Genau daran wird jetzt gearbeitet, mit den Hypotheken der Vergangenheit. Vielleicht ist es auch ganz gut, nicht so wie ihr, so dicht am Geschehen zu sein, mit etwas Abstand sieht man die Dinge vielleicht ja etwas anders… Aus der Ferne (Braunschweig, doch dazu später mehr) betrachtet stellt sich unser HSV als Lachnummer
da. Besser gesagt: Er wird als Lachnummer dargestellt. Und daran seid ihr vom Abendblatt/Mopo leider beteiligt.

Das Interview mit Rajkovic zum Beispiel. Worin liegt der Nutzen dieses Interviews? Einem Spieler, der – aus welchen Gründen auch immer – suspendiert wurde, eine derart große Bühne für die persönliche Abrechnung/Frustbewältigung zu geben, das verstehe ich unter geschäftlichen Gesichtspunkten, aber kann es nicht nachvollziehen, dass Ihr als HSVer dies tut, das schadet dem Verein. Das bringt Unruhe, das bringt Missstimmung, das ist nicht das, was der HSV braucht. Hat es denn dem Abendblatt eine höhere Auflage verschafft? Ich hoffe wenigstens das. Da pöbelt ein durchschnittlicher Profi gegen den Trainer in einer Weise, die Du in deiner aktiven Laufbahn sicher auch nicht hättest hören wollen. Das ewige Argument der journalistischen Notwendigkeit zieht meiner Meinung nach nur sehr bedingt, denn man hätte
damit auch anders umgehen können.

Zum anderen muss ich mich wundern, wie scharf du heute Herrn H. aus Essen abserviert hast. Was steht denn in dem Text, dass du dich gleich so angemacht fühlst? Oder wurden die Teile, die dich so erbost haben, nicht veröffentlicht? In manchen Teilen denke ich denau so wie Herr H. Wie scharf du Rudnevs runtermachst nach gerade einmal 10 Spielen, das verstehe ich nicht. Übrigens auch andere, mit denen ich mich darüber unterhalten habe auch nicht. Sicher, er vergeigt zur Zeit etliche dicke Dinger, aber über ihn so hart zu urteilen, das geht gar nicht. In diesem Punkt hat Herr H. aus Essen recht. Vielleicht sieht man aus der Ferne die Dinge ja doch etwas gelassener.

Und direkt im Anschluss trauerst du darüber, dass in HH keine Stars mehr geboren werden, das ist meiner Meinung nach leicht widersprüchlich. Das Rudnevs Tore Schießen kann, das
hat er bereits gezeigt. Marcus Berg im übrigen auch. s. Herr H. aus Essen.

Kommen wir zum Ende:
Wenn wir uns jetzt nicht die Zeit nehmen, einen neuen HSV aufzubauen, dann wird das nie etwas. Die Mannschaft braucht Zeit, das Umfeld braucht Ruhe. Wir brauchen Ruhe! Und die kriegen wir nicht hin, wenn ständig aus der Hamburger Medienlandschaft Unruhe geschrieben wird, zu hohe Erwartungen geschührt werden. Der Umbruch ist da, gebt den jungen doch einmal die Chance, es gut zu machen. Wir haben kein Geld für Spieler wie vdV und außerdem wollten wir Spieler, die wie unsere Fans alles geben für den HSV. Habt ein wenig Vertrauen in die sportliche Leitung. Wenn du wen kennst, der es besser kann, schön. Aber zur Zeit brauchen wir keine Personaldiskussion. Die hatten wir in den vergangenen Jahren genug, jetzt wieder den Trainer, Sportdirektor oder wen auch immer in Frage zu stellen, das bringt nichts. Haben sich eigentlich mal die, die in den vergangenen Jahren ich-weiß-nicht-wie-viele-Trainer “kritisch hinterfragt” haben mal selber hinterfragt, was das immer gebracht hat?

Genau: Das hat den Verein dahin gebracht, wo er jetzt steht. Fink und Arnesen sollten jetzt mal in Ruhe das Ding zu ende bringen dürfen, dann steht der HSV in ein/zwei Jahren wieder da, wo er hingehört: auf Rang 3-5. Alles andere würde den HSV nie zur Ruhe kommen lassen, so wie den Traditionsverein aus meiner Stadt – den BTSV Eintrach Braunschweig.

In diesem Sinne, sportvereinliche Grüße, Giso K.“

Dazu drei kurze Anmerkungen. Aus der Ferne sieht man vielleicht etwas gelassener, das mag so sein, aber man sieht nicht besser. Garantiert nicht. Mehr möchte ich zu diesem Punkt nicht (mehr) sagen. Dass Rudnevs Tore schießen kann, auch Marcus Berg, das haben sie schon gezeigt. Nur wo? In der Bundesliga? Rudnevs konnte es logischerweise noch nicht, Berg hätte es reichlich machen können – traf aber meiner Meinung nach zu selten. Dazu gebe ich dann auch zu, dass es mir Sorge bereitet, wenn ich daran denke, dass Berg nun die große Tor-Hoffnung des HSV werden sollte oder werden könnte. Aber vielleicht platzt der Knoten bei dem Schweden ja nun, wo er sich durch das schwedische Überlebenscamp gekämpft hat.
Und zur speziellen Thematik mit „Herrn H. aus Essen“ sei gesagt, dass ich ihn gestern nicht „runtermachen“ wollte, ihn meiner Meinung nach auch nicht „runtergemacht“ habe. Herr H. aus Essen hat mir heute noch einmal geschrieben, er hat nichts von einem „Runtermachen“ meinerseits gegen ihn geschrieben:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Danke für Ihre Reflexion auf mein gestriges Anschreiben. Ich verstehe Ihre Gedanken und “die Gedanken sind frei!”
Ich verstehe Ihre Tätigkeit möglicherweise anders, als Sie sie darstellen. Sie sehen sich als Spiegel der Meinungsvielfalt um den HSV?
Gut. Aber als Fan können Sie doch was tun für unseren Verein! Da sich Fussball im Wesentlichen im Kopf abspielt ist es doch wichtig, dass man beispielsweise folgendes Szenario vermeidet: Ein Spieler wechselt in ein fremdes Land,in einen Job, dessen Anforderungen er genau kennt, nicht aber seine diesbezügliche Potenz. Bei seinen ersten Aktionen im neuen Team gelingt noch nicht viel. Er wird logischerweise mehr als Andere beäugt. Druck baut sich auf, dieser Druck ist kontraproduktiv…

Ich habe genauso wenig von Rudnevs gesehen, wie Sie es auch unterstellen. Aber er bringt eine nicht unerhebliche Empfehlung mit. Diese basiert auf einer Qualität. Und selbst wenn die Bundesliga “härter” ist, beweist ja der BVB, dass polnische Qualität belastbar ist. Also gebe ich dem Spieler Vertrauensvorschuss. Nur das braucht er! Alles andere hat er.

Ich weiss, dass sie nicht der Psychologe des Vereins sind, aber Sie sitzen an einer Stelle, die die Dinge in die eine oder andere Richtung in Bewegung setzen kann. Das beschissene Abschneiden des HSV in der letzten Saison hat im Kopf begonnen:

“Mein Gott,so ein schweres Anfangsprogramm,!” ” Wenn wir nach 5 Spielen 6 Punkte haben sind wir gut!” -Drobnys Formsuche verunsichert die Hintermannschaft, die Hintermannschaft verunsichert Drobny, viele Gegentore in den letzten Minuten: “Wir können keine Führung über die Zeit bringen!” (Hertha, Köln). Das erlebt man z. B in Freiburg auch, aber da haut keiner drauf….da heisst es: “Wenn ihr absteigt, reissen wir euch nicht den Kopf ab!” Das hilft! Das macht sicherer! Manche Kritik ist einfach fruchtlos. Das meine ich nicht speziell in Bezug auf Ihre HSV-Ecke, eher allgemein.

Heute wieder die von Uwe : “Es ist schon sehr spät, es wird immer schwerer, gute Spieler zu verpflichten!” Das ist, mit Verlaub, Käse! Der Transfermarkt schliesst am 31.8. und erfahrungsgemäss kommt gegen Ende noch Bewegung in den Markt!?! – Die Befürchtungen von Uwe Seeler aber stehen im Raum, setzen unter Druck und schaffen wieder nur Unruhe im Umfeld etc.pp.

Dass Sie sich mit meinen Gedanken auseinander gesetzt haben, ehrt mich und ich will mich bemühen, meine Intentionen nicht zum Allgemeingut machen zu wollen und Ihre Zeit nicht über Gebühr zu stehlen!

Hoffentlich geht’s bald wieder los…die Karten für Karlsruhe liegen schon bereit! Schreiben Sie doch mal über den Pokal und seine Gesetze…Aua!?!

Herzliche Grüße! Ralf H.“

So, das war „Herr H. aus Essen“ mit seiner Antwort. Vielen Dank dafür. Ich möchte dazu auch nicht mehr viel sagen, nur: Herr H. schreibt: „Aber als Fan können Sie doch was tun für unseren Verein!“ Und dann auch: „Ich weiss, dass sie nicht der Psychologe des Vereins sind, aber Sie sitzen an einer Stelle, die die Dinge in die eine oder andere Richtung in Bewegung setzen kann.“
Genau das ist der Punkt. Das ist falsch! Erstens schreibe ich für das Hamburger Abendblatt seit nunmehr 27 Jahren nicht als HSV-Fan, sondern als Redakteur dieser Zeitung. Wäre dem nicht so, müsste ich für die HSV-Vereinszeitung schreiben, aber die zahlt weniger gut . . . Wenn ich bislang als HSV-Fan für das Hamburger Abendblatt geschrieben hätte, dann hätte ich eventuell ein Jahr, vielleicht auch zwei Jahre überlebt – aber keine 27. Job ist Job. Wer will denn Berichte wie diese jeden Tag lesen: „Beim HSV ist wirklich alles bestens in Ordnung, die Spieler mögen sich, alle wollen sie den Ausrutscher der vergangenen Saison, als der Verein nur knapp an der Europa League vorbeischrammte, so schnell wie möglich vergessen machen. Sie brennen auf die neue Saison, sie wollen Titel, Titel, Titel, dafür geben sie alles, und die Stimmung im Team ist super. Die Mannschaft trainiert, wie immer, wie aus einem Guss, so vorbildlich, so engagiert, so konzentriert, so diszipliniert – HSV-Fans, macht euch keine Sorgen, der HSV ist wieder da! Und der Volkspark ist dazu wunderbar grün, die Schäfchenwolken am blauen Himmel sorgen für ein total stimmungsvolles Gesamtbild. Und: Lieber Herr Fink, führen Sie Ihre Mannen nun zu neuen großen Taten – auf ihr Männer, packt es an! Ihr könnt es, ihr habt das Potenzial, ihr habt so eine wunderbare Substanz in euch – ihr könnt ganz Großes vollbringen.“

Das klingt schon toll, oder? Aber so ganz verstehe ich trotz allem auch die Kritik am Rajkovic-Interview nicht, noch immer nicht. Ich habe es ja nicht geführt, aber ich habe mich mit „uns Matz-ab-Scholle“ mächtig gefreut, denn er bekam für diese Glanzstück viel, viel Lob von allen Seiten, und zwar wirklich von allen Seiten – auch von der härtesten Konkurrenz. Ob dieses Interview eine Auflagensteigerung gebracht hat, das kann ich nicht sagen – ich kann es nur vermuten. Und wenn es so war, dann gratuliere ich dem Blatt – und auch „Scholle“ noch einmal. So, genau so geht Zeitung.

Was wäre das denn wohl für eine Art Journalismus, wenn in den Zeitungen immer nur das geschrieben stünde, was gut für den Verein ist? Kein Journalismus wäre das! Das wäre dann doch nur die HSV-Vereinszeitung – in der Tat. Und über dem Titel „Hamburger Abendblatt“ müsste dann stehen: „Das offizielle Vereinsorgan des Hamburger Sport-Vereins“.
Mal ganz kurz weg vom HSV: Die Akte Blatter, von einem Schweizer Journalisten beharrlich verfolgt, jahrelang nachgeforscht und dann nach hartem Kampf mit der Justiz veröffentlicht. In der ganzen Welt! Darf der Mann das? Dieser Schweizer Journalist? Sollte er nicht besser geschwiegen haben? Ganz egal, was da bei der Fifa gemauschelt wurde?
Oder jetzt Uwe Seelers Aussagen. Verschweigen? Alle Hamburger Zeitungen haben es heute berichtet, dass sich der Ehrenspielführer Sorgen um „seinen“ HSV macht. Ich finde, dass es Uwe Seeler sehr sympathisch macht, wenn er sich sorgt. Er macht sich doch aber nur Sorgen, er will weder Frank Arnesen abschießen, noch will er Trainer Thorsten Fink umkippen. Seeler wäre doch der Allerletzte, der seinem Klub etwas Schlechtes wünscht oder antut. Er möchte doch nur, dass im HSV engagiert, mit Weitblick und profihaft – von allen – gearbeitet wird, damit es dem HSV eines fernen Tages wieder einmal besser geht. Mehr will er nicht.
Einige aber sehen das so, dass er (Uwe Seeler) damit Unruhe schürt, andere jedoch finden es sicher gut – weil sie sich in den Sätzen von Seeler total wiederfinden.
Denn auch sie sorgen sich so wie „uns Uwe“ um den HSV.

Ich nebenbei auch, aber ich habe dem Medien-Direktor Jörn Wolf versprochen, dass ich bis zum letzten Tag die Ruhe bewahre werde und nicht in Panik verfalle. Es soll sich ja noch einiges tun beim HSV. Personeller Art. Und deshalb warte ich mal ab, was und wer da noch kommt. Erst wenn sich dann bis zum 31. August nichts mehr getan hat, dann werde ich alle im HSV daran erinnern, was da im Juni/Juli 2012 versprochen worden war – aber bis dahin harre ich aus und hoffe, dass die richtigen Entscheidungen noch getroffen werden. Und wenn Frank Arnesen schon festgestellt hat, dass er und Thorsten Fink „bislang fantastisch gearbeitet“ haben, denn wird da sicher auch noch weitere fantastische Arbeit folgen. Davon bin ich total überzeugt.

So, um noch ein bisschen olympische Stimmung aus London bei „Matz ab“ zu verbreiten, gibt es hier diese SID-Meldung:

Britische Zeitung verspottet Torfrau: „Wie ein Huhn“

Ausgerechnet eine englische Zeitung macht sich am Rande der Olympischen Spiele über Torfrau Annette Ngo Ndom aus Kamerun lustig. Die Fußballerin, schreibt das Gratisblatt Metro, habe eine „Aversion gegen Bälle“ und flattere herum „wie ein Huhn in der Disco“.

Ngo Ndom musste zum Auftakt des Olympia-Turniers gegen Brasilien (0:5) fünf Mal hinter sich greifen, gegen Großbritannien setzte es im zweiten Spiel ein 0:3. Zum Abschluss der Vorrunde trafen die „Unzähmbaren Löwinnen“ am Dienstagabend auf Neuseeland.

Hätte Kameruns Coach „Miss N N“ jeweils nach zehn Minuten durch einen „Stock mit Handschuhen“ ersetzt, schrieb Metro weiter, „wären die Niederlagen wohl glimpflicher ausgefallen“. Vor dem Spiel gegen Neuseeland prophezeite das Blatt Besserung. „Wenn die Kiwis keine Freistöße in Strafraumnähe oder Ecken bekommen und keine einzige Flanke schlagen, sollte sie in Ordnung sein.“

Ganz zum Schluss möchte ich eine Bitte meines Kollegen Volker Sarbach (ist auch bei „Matz ab live“ dabei – oft an der Kamera) erfüllen:

„Lieber Dieter, lieber Scholle!

Als HA-Tipp-Spiel-Beauftragter bitte ich euch, auf unser Bundesliga-Tippspiel im Blog hinweisen. Wir haben derzeit über 1500 Mitspieler. Zum Saisonende gibt es 300, 200 und 100 Euro zu gewinnen. Vielleicht ist es für Matz-ab-Blogger interessant, dass man sich auch zu Teams zusammenschließen kann (derzeitig haben wir 75 Teams). Hier der Link mit weiteren Infos:http://www.abendblatt.de/sport/article975645/Jetzt-anmelden-beim-grossen-Bundesliga-Tippspiel.html. Danke!“

PS: Am Mittwoch ist trainingsfrei im Volkspark.

PSPS: Die Mails an mich, die hier veröffentlicht wurden und werden, sind von mir – wie immer – nicht korrigiert noch sonst in irgendeiner Form bearbeitet worden.

18.04 Uhr

Messi ist wieder fit – Uwe Seeler sorgt sich

30. Juli 2012

Messi hat es wieder getan. Er hat gespielt. Tatsächlich. Das Hämatom ist überstanden, das Hämatom ist kein Thema mehr, das Hämatom war offenbar nur für Hamburg und den HSV ein kurzes Thema. Hier der Beweis einer „Wunderheilung“:

„Weltfußballer Lionel Messi hat sich nach einer verletzungsbedingten Pause eindrucksvoll zurückgemeldet. Der 25-Jährige steuerte ein Dreierpack (34./37./45.) zum 8:0-Kantersieg des FC Barcelona gegen den marokkanischen Klub Raja Casablanca bei. Wegen einer Wadenprellung hatte Barca-Coach Tito Vilanova am Dienstag gegen den Hamburger SV (2:1) auf Messi verzichtet.“

Was hat Casablanca, was Hamburg nicht hat? Auf jeden Fall viel Pech für den HSV und für die HSV-Fans. Kurios, dass nur Tage nach der HSV-Pleite auch Hertha BSC von Italienern vorgeführt wurde – denn Juventus Turin schickte zur Hertha-Feier ebenfalls nur sein B-Team in die deutsche Hauptstadt. Ich bin gespannt, wie lange sich die Vereine, die so an der Nase herumgeführt werden, sich das noch gefallen lassen.

Ja, ich gebe zu, der Stachel „FC Barcelona II“ sitzt bei mir immer noch tief. Weil ich auch einige Enttäuschte in meinem Bekannten- und Freundes-Kreis habe, die ebenfalls immer noch sauer sind. Und davon muss es ja in der Stadt ja noch so viele Fans geben, die nach wie vor enttäuscht sind. Ich sprach in diesen Tagen mit Dieter Roth, zweiter Vorsitzender des TSV Wandsetal. Von der Liga hatten sich gleich einige Spieler eine Karte für HSV gegen Barcelona gekauft – weil sie einmal in ihrem Leben Messi live sehen wollten. Einmal. Und dafür verzichteten sie dann auch alle auf ein Testspiel des TSV gegen Börnsen. Die Quittung kam prompt, beim Oddset-Pokalspiel griff TSV-Trainer Mike Breitmeier auf andere Spieler zurück, die „Messis“ blieben außen vor. So kann es dann auch mal gehen . . . Immerhin können alle behaupten: „Ich habe das Spiel gesehen, in dem Messi fast mitgespielt hätte.“

So, anderes Thema, der HSV ist im schwedischen Urwald, kämpft ums Überleben. Bis morgen geht das noch sah, am Abend kehrt die Truppe (hoffentlich vollzählig) zurück. Und weil die Mannschaft unerreichbar ist, habe ich heute mal in meiner Post „gewühlt“. Ich möchte euch heute eines jener Schreiben zugänglich machen, die mich jeden Tag privat erreichen:

„Sehr geehrter Herr Matz!

Mein Name ist Ralf H., ich lebe in Essen und bin HSV-Mitglied!

Schreiben ist ihr Beruf, deshalb müssen sie jeden Tag etwas schreiben. In der nun langsam ablaufenden Sommerpause fällt mir auf, dass sie sich für eine Verpflichtung von R.v der Vaart erwärmen könnten.-Was soll der HSV mit einem Spieler, der den Verein schon mal stehen gelassen hat und der offensichtlich nicht will, oder nur, wenn sein Gehalt den Mangel seiner Begeisterung für den HSV ausgleichen würde! – ?

Im heutigen Blog ist eine hintergründige Stimmung gegen F. Arnesen zu spüren. Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen? Allein, dass er Guerrero losgeschlagen hat, ist eine Erlösung für den HSV. Ein Spieler, der dem Verein, speziell durch seine Tätlichkeit in der letzte Saison schwer geschadet hat, diesbezüglich veharmlosende Äusserungen von sich gegeben hat, der 4,5 Millionen p.A. verschlungen hat…

Ihre vorauseilende Kritik an Rudnevs? In ihrem Artikel steht mit anderen Worten: Der trifft das Tor nicht! Haben sie sich mal den Werdegang der Herren Blasykowsky, Pisczek und Lewandowsky beim BVB zu Gemüte geführt? Nein? Schade! An einem polnischen Torschützenkönig schon im Vorfeld herumzumäkeln…?

Ich lese ihre Blogs sehr gern, aber im Unproduktiven herumzuorakeln, fänd ich nur gut, wenn ich so ein bisschen Stimmung gegen den Verein machen wollte!

Herzliche Grüße aus Essen! Ralf H.“

Lieber Herr H.,

vielen Dank für Ihre kritischen Zeilen. Ich bin auch HSV-Mitglied. Glauben Sie mir bitte, es gibt bei „Matz ab“ viele, viele User, die das genau andersherum sehen. Sie haben Ihre Meinung, und zwar hundertprozentig („So muss es sein, so ist es – ich weiß das ganz genau!“), andere User haben aber genau die gegenteilige Meinung davon. Und sind auch hundertprozentig davon überzeugt, dass sie richtig liegen – und zwar hundertprozentig. Das ist doch mein täglich Brot.

Wenn ich hier zum Beispiel schreibe:
„Der HSV ist der beste Klub der Welt, er hat in der vergangenen Saison nur ein bisschen Pech gehabt, sonst wäre er noch in die Europa League gekommen . . .“ Dann schreien 500 „Matz-abber“ vor Freude auf und feiern mich, und die anderen 500 wünschen mich zum Teufel und vernichten mich.

Nehmen Sie mal allein „Ihren Fall van der Vaart“. Tausende würden den „Raffa“ gerne wieder beim HSV sehen – als Spieler. Sie nicht – das ist Ihre Meinung. Andere wollen van der Vaart auch nicht, aber natürlich gibt es auch hier wieder Hälfte-Hälfte. Und wenn Sie mir unterstellen, dass ich ihn gerne hier haben wollte, so ist das auch nur eine Unterstellung von Ihnen. Wissen Sie ganz genau, was und wen ich will? Ich bin da nämlich völlig neutral. Käme van der Vaart, dann hätte der HSV auf jeden Fall einen „Zehner“ der es kann – es könnte. Kommt er nicht zurück, dann ist auch gut. Dann holt der HSV eben einen anderen „Zehner“, wo ist das Problem? Ich kann es doch ohnehin nicht beeinflussen. Oder glauben Sie, dass F. Arnesen mich erhören würde, wenn ich van der Vaart zurück haben wollte?

Und wenn Sie hier eine Stimmung gegen F. Arnesen spüren, dann kann ich nichts dafür. Sie spüren etwas, was ich nicht so spüren kann. Dass man als Journalist einige Dinge hinterfragt, ist doch logisch. Wo ist der HSV im Sommer 2012 noch gelandet? Wenn ich nicht irre, auf Rang 15. Die schlechteste Platzierung der HSV-Bundesliga-Geschichte. Wenn man da nicht gewisse Dinge durchleuchtet, wann denn dann? So darf es doch wohl nicht weitergehen.

Und zu Rudnevs habe ich zuletzt alles geschrieben. Wenn Sie lesen, dass dort mit anderen Worten „trifft das Tor nicht“, dann ist es wohl so. Wenn ich seine Chancen gegen Norderstedt aufzähle, kann ich die ja nicht nachträglich in Tore ummünzen. Schießt er daneben, dann ist der Ball im Aus. Dann war es offenbar kein Tor. Darf ich das nicht mal aufzählen? Zumal dann, wenn mir vorgehalten wird, ich würde ihn schon jetzt, ohne Bundesliga-Spiel, vernichten. Vorbei ist vorbei, so ist es nun einmal. Oder soll ich es das nächste Mal weglassen? Warten Sie es nun mal ab, wie sich Rudnevs entwickelt – und ich warte auch ab. Dann werden wir bei passender Gelegenheit ein Resümee ziehen. Okay?

Die Frage allerdings, was Sie bislang schon an fußballerischen Dingen von Rudnevs gesehen haben, was Sie kennen oder wissen – die hätte ich schon gerne mal gestellt. Aber gut, manchmal klappt das ja auch vom Sofa aus, auch das gibt es ja zigfach . . .

Und noch zu einem anderen interessanten Thema. Sie, Herr H., schreiben oben:

„Was meinen sie, wie viele bessere Sportdirektoren beim HSV in der Warteschleife stehen?“

Meine Antwort: Tausende. Die wollen alle diesen Job . . .

Und ganz ehrlich: Fragen Sie doch auch einmal, wie viele Vorstands-Vorsitzende den Job von Carl-Edgar Jarchow haben wollen?
Tausende! Wollten den mal haben . . . Jetzt aber, wo der HSV nicht mehr im Geld zu schwimmen scheint, nicht mehr ganz so viele.
Und? Was können Sie hier nicht jeden Tag an Meinungen der User lesen? Allgemeiner Tenor: „Raus mit Jarchow!“ Was für ein Blödsinn! Das ist meine Meinung zu diesem Thema.
Andere wissen es aber viel besser als ich. In der Anonymität des Internets weiß ohnehin jeder mehr und viel – und alle können es selbstverständlich noch viel besser. So ist das nun mal.

Sie können aber ganz sicher sein: Sollte F. Arnesen eines Tages den HSV verlassen (verlassen müssen, sollen, freiwillig gehen), so wird der HSV nicht untergehen, denn dieser Aufsichtsrat wird dann mit Sicherheit eines fernen Tages noch einen neuen Sportchef finden. Mir zum Beispiel würden da schon sofort einige Namen einfallen, will aber gar nicht, dass darüber spekuliert wird – denn F. Arnesen bleibt ja. Ende und aus die Maus.

Anderes Thema:
Von „we are family” kam ein interessanter Beitrag, auf den ich kurz einmal eingehen möchte:

„Schon gestern stand auf der Homepage von UD Las Palmas “….. a costa cero”. Auch auf transfermarkt.de steht “ablösefrei”. Wenn das stimmt, spart der HSV lediglich das Gehalt eines 21-jährigen, der seinen Profivertrag im
Sommer 2008 bekam. Da wird er wohl eher im unteren Viertel der gezahlten Spielergehälter liegen.
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Ich kann das nicht nachvollziehen. Chrisantus hatte noch Vertrag bis 2013. Man hätte ihn doch das erste Mal beim HSV eine komplette Vorbereitung machen lassen können. Die U23 soll möglichst aufsteigen und hat mit Bertul
Kocabas den Topscorer an einen türkischen Erstligisten abgegeben. Kelbel ist zur Zeit noch verletzt.
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Warum lässt man ihn nicht wenigstens die Hinrunde in der U23 spielen und teilweise bei den Profis mitrainieren, um sich wirklich mal ein Bild vom ehemaligen “Jahrhunderttalent” zu machen?
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Ablösefrei hätte man ihn auch im Winter oder im nächsten Sommer abgeben können. Beim KSC und beim FSV Frankfurt hat er immerhin jeweils 8 Tore in der Saison erzielt, obwohl er in 2 Saisons nur auf 25 Spiele über die volle Distanz kam und beide Teams gegen den Abstieg spielten – bei beiden Teams damit sicherlich auch die notwendige Qualität der Mitspieler fehlte. Der Kerl wird im August gerade mal 22 Jahre alt! Da wechselte ein Huntelaar gerade aus der 2. holländischen Liga in die Ehredivisie.
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Wann bekommt beim HSV ein junger Spieler wirklich mal das Vertrauen und wird beim HSV weiterentwickelt und nicht in Mainz, Leverkusen, Rennes oder auf den Kanaren?“

Gute Frage. Auf dieses HSV-Talent (oder sogar Talente!) warte ich auch seit Jahrzehnten. Da läuft schon lange, lange ganz sicher sehr viel falsch. Beim FC Bayern spielen in einem Champions-League-Halbfinale (!) neun Spieler mit, die aus der eigenen FCB-Jugend kommen, und beim HSV kann man die Leute, die es gelegentlich mal bis zum Profi-Training bringen, an einer Hand abzählen. Ich bewundere die Geduld, die anscheinend keine Grenzen kennt, aller Beteiligten! Eigentlich kann es doch gar nicht angehen, dass da immer auf die falschen Pferde gesetzt wird, aber offenbar ist es doch so. Oder? Diejenigen Talente, die es beim HSV nicht geschafft haben, kommen doch auch bei anderen Vereinen nicht so zum Zuge, wie sie sich das erhofft haben. Die eine oder andere Ausnahme soll es geben, aber zum Beispiel Änis Ben-Hatira oder Tunay Torun. Haben sie die Rolle in Berlin gespielt, die sie für sich schon beim HSV sahen? Ich wünschte mir schon mal solche Talente wie die der Bayern mit beispielsweise Philipp Lahm, Holger Badstuber, David Alaba und Thomas Müller. Talente solchen Kalibers gibt es beim HSV schon seit Jahr und Tag nicht. Leider, leider.

Allerdings denke ich ja auch, dass sich ein HSV-Coach sehr wohl damit schmücken würde, endlich mal wieder einen jungen Spieler ganz nach oben gebracht zu haben (wie Felix Magath mit Hasan Salihamidzic). Es gab etliche Trainer, die auf dem Wege waren, jemandem zu vertrauen, dann aber den Versuch doch noch abbrechen mussten, weil es eben doch nicht für ganz oben reichte. Zum Beispiel Muhamed Besic, Ben-Hatira, Eric-Maxim Choupo-Moting, Vadis Odjidja-Ofoe (heute belgischer Nationalspieler) , Benny Feilhaber, Andreas Laas. Oder früher auch Mustafa Kucukovic, Stephan Kling und Alex Meier (St. Pauli), heute schon lange Stammspieler bei Eintracht Frankfurt.

Und speziell zu Macauley Chrisantus. Der hat in meinen Augen Chancen genug erhalten. Und wenn er es tatsächlich könnte, dann hätte er es doch mal beim KSC oder beim FSV Frankfurt gezeigt – wie zum Beispiel Maximilian Beister in Düsseldorf. Deswegen ist es gut, dass Chrisantus nun gehen durfte – egal ob mit oder ohne Ablöse. In der jetzigen schwierigen finanziellen Phase des HSV zählt jeder Cent, der eingespart wird – auch der des Chrisantus-Gehalts. Wobei ich nicht verschweigen möchte, dass Chrisantus in diesem Sommer teilweise ganz beachtlich trainiert hat. Er wollte wohl noch einmal, aber er hatte eventuell vergessen, dass er dazu schon zu oft die Gelegenheit gehabt hatte. Irgendwann ist dann eben mal Schicht im Schacht.

Eine andere Frage aber ist in Sachen Stürmern: auf wen will der HSV denn vorne setzen? Das sehe ich im Moment mehr Quantität als Qualität. Und da hätte Chrisantus dann doch eventuell doch mitmischen können. Ich halte es ja immer noch für sehr, sehr gefährlich, dass der HSV nur noch über einen „Zehner“ und einen Innenverteidiger spricht. Mir kommt das Wort Stürmer da überhaupt noch nicht vor. Ob die Verantwortlichen tatsächlich wissen, dass sie da vorne kaum etwas haben? Ich habe meine Zweifel. Aber, und das sage ich gern noch einmal, ich bin ja auch nicht der Trainer und der Sportchef des HSV.

Auch Uwe Seeer ist weder Trainer noch Sportchef des HSV, dennoch hat er viel zu „seinem“ HSV zu sagen. „Uns Matz-ab-Scholle“ war heute am Millerntor, wo „uns Uwe“ einen neuen Werbe-Spot für die PSD-Bank drehte. Zusammen mit den St.-Pauli-Profis Fabian Boll und Florian Kringe. Seeler lobte den Zweitliga-Klub: „Der FC St. Pauli leistet gute Arbeit. Ich hoffe, dass sie ihrer letzten guten Saison eine noch bessere folgen lassen und aufsteigen.“

Um den HSV, um „seinen“ HSV, macht sich Uwe Seeler dagegen schon (und immer wieder) einige Sorgen. Der Ehrenspielführer, bekannt dafür, dass er früher stets den direkten Weg zum Tor suchte, und auch dafür, dass er stets geradlinige Antworten gibt, sagt: „Meine Frau hat letztes Jahr miterlebt, wie mich das Zittern um den HSV verändert hat. Ich hätte richtig abgebaut, sagt sie. Und ganz ehrlich: es wird nicht besser. Ich bin noch nicht zufrieden. Ich hatte gehofft, dass der HSV in der jetzigen Phase schon weiter wäre. Noch muss bei unserem HSV sehr viel passieren.“

Fast alles muss sich ändern – hatte Uwe Seeler unmittelbar nach der verkorksten letzten Saison gesagt. Jetzt spricht er aus, wo er noch Defizite sieht: „Wir brauchen noch mindestens zwei neue Spieler, das ist das Minimum. Im Mittelfeld und in der Abwehr, in der Innenverteidigung. Die brauchen wir, um wenigstens ein wenig Sicherheit zu haben und nicht gegen den Abstieg zu spielen. Hinten müssen wir besser werden. Wir dürfen nicht mehr so viele Tore kassieren. Und ich behaupte sogar, wir bräuchten auch für vorn noch einen richtigen Brecher.“

Ach, lieber Herr Seeler, sie laufen bei mir ja offene Tore ein. Wie sehr wir einen solchen Spieler brauchen, wie sehr! Einen Innenverteidiger hätten wir ja mit Heiko Westermann, aber einen richtigen Brecher? Seeler über den Stürmer-Zugang aus Lettland: „Rudnevs spielt nun in einer neuen, härteren Liga. Das wird hart für ihn und wir sollten ihm Zeit geben.“ Generell befindet Hamburgs größter Fußballer aller Zeiten zur Lage des HSV: „Es reicht nicht, zu hoffen, dass wieder zwei, drei Mannschaften schlechter sind. Das Risiko ist zu groß. Jetzt müssen alle mal in die Socken kommen. Und auch wenn ich weiß, dass es unser Sportchef Frank Arnesen weiß: Je länger die Transferperiode schon andauert, desto schwieriger wird es, die Guten zu bekommen.“ Wobei Uwe Seeler auch noch mit Wehmut an einen Abgang des HSV zurückdenkt: „Ich hätte David Jarolim nicht gehen lassen, denn er war einer, der immer voranging. So einer fehlt uns jetzt noch.“

Als Druck von außen möchte Seeler seine Aussagen nicht verstanden wissen. Im Gegenteil, er sei stets ein Optimist. Dennoch hat er einen Wunsch an die HSV-Verantwortlichen: „Ich wünsche mir nur, dass alle die Situation ausreichend ernst nehmen. Und ich habe das Spiel gegen Barcelona gesehen. Bei allem was man entschuldigen kann, es gab doch noch viele Dinge, die letztes Jahr schon falsch gelaufen sind und die noch immer nicht behoben sind.“

Aber, damit ich auch das noch einmal schreiben kann: Der HSV arbeitet ja jetzt noch ganz intensiv daran, die Lage zu verbessern. Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Es soll ja noch alles gut werden, und ich glaube auch fest daran, dass alles noch gut wird, dass es noch jene Verstärkungen gibt, die den HSV wieder stärker werden lassen. Noch ist ja Zeit. Keine Panik.

Und das Überlebens-Camp in Schweden wird den HSV ja auch ganz sicher schon etwas stärker werden lassen – von wegen Teamgeist.

18.11 Uhr

Arnesen: “Wir haben fantastisch gearbeitet.”

29. Juli 2012

Schon in der Ära vor Carl-Edgar Jarchow war – kurzfristig – einmal die Idee geboren worden: „Wir verpflichten nur noch Spieler, die unter 30 Jahre alt sind, und wir verpflichten vor allem nur noch charakterstarke Spieler.“ Ja, das war ein großes Vorhaben, aber nach dem Motto „Was stört mich mein Geschwätz von gestern“ wurden diese Vorhaben schon nach wenigen Wochen über den Haufen geschmissen. Nun aber, und zwar ohne große Worte, scheinen „charakterstarke“ Spieler wieder total „in“ zu sein beim HSV. Schon bei Artjoms Rudnevs schwärmte Sportchef Frank Arnesen: „Er hatte ganz plötzlich viele Angebote anderer Klubs, aber er hatte bei uns schon zugesagt, deswegen war es für ihn keine Frage, den anderen Angeboten zu widerstehen – er ist ein charakterstarker Spieler, er musste über andere Klubs gar nicht erst nachdenken.“ Ähnlich verhielt es sich zuletzt auch mit Milan Badelj. Plötzlich mischte Fenerbahce Istanbul mit, aber weil Badelj ein „charakterstarker“ Spieler ist, wie Arnesen weiß, war das Angebot der Türken keine Konkurrenz für den HSV. „Er hatte uns zugesagt, dabei blieb er – weil auch er charakterstark ist“, sagte Arnesen nicht ohne ein wenig Stolz in der Stimme. Für den (neuen) Teamgeist beim HSV können solche Spieler ganz sicher nur von Vorteil sein. Mal sehen, wie sich das weiter entwickelt.

Rudnevs zum Beispiel könnte ja, wenn er es nicht auf Anhieb in die Mannschaft schafft, eventuell sauer sein – und überreagieren. Könnte. Ist er aber charakterstark, dann ordnet er sich dem Wunsche des Trainers und auch des Erfolgs der Mannschaft unter – und macht gute Miene zum für ihn schlechten Spiel. Es könnte so sein, muss aber auch nicht. Vielfach wurde ja schon kritisiert, dass „Scholle“ und ich den Letten schon viel zu früh zu schlecht sehen. Mag sein, dass da etwas dran ist, aber ich gebe zu bedenken: Lobt man den neuen HSV-Stürmer – und er bringt es später nicht, dann heißt es doch auch (schon oft genug erlebt): „Ja, hinterher kann man so etwas immer leicht sagen, das hätte man aber auch gleich wissen und sehen können . . .“ Wie gesagt, oft genug hier schon gelesen.

Dabei will ich dem guten Artjoms Rudnevs ja gar nichts Böses. Ich wäre der glücklichste Mensch, wenn der aus Polen gekommene Torjäger hier knipst, knipst, knipst und knipst und die ganze Bundesliga aufmischt. Doch danach sieht es zurzeit eben noch nicht aus. Und da ich schon einige Spieler, auch Stürmer, beim HSV kommen und gehen gesehen habe, habe ich mir auch schon ein Urteil gemacht. Ich glaube eben, dass er es schwer haben wird. Und ich hoffe eben, dass ich später sagen kann, dass ich mich erstens geirrt habe, und dass ich mich mit dem HSV und seinem Sportchef freuen kann, einen solchen „Goldfisch“ an Land gezogen zu haben.

Wobei ich mal eines sagen möchte: Ich mache meinen Job nun über 30 Jahre, da hat man vielleicht schon einen Blick, wohin der Wagen rollt. Allerdings fällt mir jetzt spontan ein, dass ich mich mal ganz gravierend bei Oliver Bierhoff geirrt habe. Als der damals den HSV verließ, habe ich zu mir gesagt: „Den guten Oliver siehst du nie wieder . . .“ Und dann wurde er in Italien Torschützenkönig. So spielt das Leben (eines Journalisten) dann auch. Ich habe mich gewiss auch einige Male noch in HSV-Spielern geirrt, und deswegen will ich ja auch nicht behaupten, dass Rudnevs ein Fehleinkauf wird – wir wollen mal abwarten. Bislang ist er für mich aber noch nicht der Reißer, den der HSV dringend benötigt.

Ich habe Artjoms Rudnevs auch speziell bei seinem letzten Spiel beobachtet. Beim 6:0-Erfolg in Norderstedt kam er in der zweiten Halbzeit. Der Lette schoss ein Tor, als er einen Querpass von Heiko Westermann (?) nur noch aus wenigen Metern ins Tor lenken musste. Danach hatte er noch gute und beste Einschusschancen, traf aber nicht noch einmal:

52. Minute, Rudnevs allein vor dem Norderstedter Torwart, der Schuss des HSV-Stürmers aus sieben Metern fliegt links am Tor vorbei.
55. Minute, das Norderstedter Tor ist (fast) leer, der Keeper hatte gerade einen Schuss des HSV abgewehrt, der Ball kommt zu Rudnevs, Fallrückzieher aus acht Metern – der Ball fliegt über das leere Tor.
61. Minute, Rudnevs erneut allein vor dem Norderstedter Torwart, schießt aber aus 13 Meter mit links am langen Eck vorbei.
72. Minute, Tolgay Arslan schickt Rudnevs halbrechts steil, der Lette läuft im EN-Strafraum zum Ball, kann ihn aber nicht stoppen, die Kugel rutscht ihm unter dem Fuß durch nach rechts Richtung Eckfahne, Chance vertan, das Publikum stöhnt laut auf. Hätte Rudnevs den Ball gestoppt, wäre er erneut ganz allein vor dem Keeper aufgekreuzt.

Das waren nur einige Momentaufnahmen, sie müssen nicht unbedingt gegen Rudnves sprechen. Der Stürmer hat sich ganz gut bewegt, wirkte quirliger als sein „Vorgänger“ Marcus Berg (der bis zum Halbzeitpfiff stürmte), auch schneller, nicht aber unbedingt ballsicherer. Rudnevs sucht aber den direkten Weg zum Tor, während Berg, um mal bei dem vielleicht größten Rudnevs-Konkurrenten zu bleiben, zu oft den Weg zum Tor abbricht und den Ball auch dann noch vertändelt.

So, das waren meine Eindrücke vom Freitag. Überrascht bin ich immer nur, wenn ich lese und höre, dass man den guten Rudnevs noch lange nicht abschreiben darf – weil er ja erst einige Tage beim HSV sei. Das ist ja richtig, nur sagen es auch einige Leute, die Rudnevs noch nie live haben spielen oder trainieren sehen. Quasi Hellseher. Aber gut, auch die werden eines Tages sehen, ob sie mit ihren Einschätzungen richtig lagen. Wir bleiben dran an diesem Thema.

Kurz fällt mir, wo ich gerade bei HSV-Sturm bin, eine Szene aus Norderstedt ein, die einige Fans auf die Palme brachte. Marcus Berg lief allein auf das gegnerische Tor zu, drehte aber ab – Ball weg. Da schlug ein HSV-Fan vor Wut gegen die Tribünenwand und fluchte laut: „Lasst uns die Stürmer tauschen. Berg zu Norderstedt, und wir nehmen den Norderstedter Sa Borges Dju – dann gewinnen wir zweistellig.“ Weil der Oberliga-Stürmer in der ersten Halbzeit (gegen die HSV-Innenverteidigung Bruma/Nörgaard) wirklich ganz groß aufzog, dreimal allein vor Torwart Mickel stand (aber alles vergab).

Einige von euch haben ja auch gemeint, dass Artjoms Rudnevs auch deswegen noch nicht so erfolgreich beim HSV spielt, weil er nicht richtig eingesetzt wird. Der Zehner fehlt – vor allem Rudnevs, so hieß es. Dazu sei gesagt: Der Zehner kommt ja noch (nicht wenige behaupten inzwischen wieder, dass der HSV wieder oder immer noch an Rafael van der Vaart herumgräbt!), aber es gibt auch einen Spieler, der die „Zehn“ irgendwann (schon bald?) drauf haben könnte: Tolgay Arslan. Er hatte viele gute und sehr gute Szenen in Norderstedt, dribbelte sich einige Male schön an vier oder fünf Norderstedtern vorbei, um dann den Ball zu passen. Neben mir stand am Freitag Thomas Doll, der Dribbler vor dem Herrn. Er sagte mir einst, dass er von seinem Teamkollegen Andreas Thom gelernt habe. Der sagte einst zu Doll: „Wenn du einen Gegenspieler umdribbelt hast, dann darfst du nicht denken, dass due es schon geschafft hast. Dann musst du erst recht Gas geben, denn sonst kommt noch das lange Bein – und weg ist der Ball. Das sollte sich Tolgay Arslan mal zu Gemüte führen, denn auch in Norderstedt war es so: Arslan an einem Mann vorbei, dann ließ er es langsamer angehen – langes Bein des Norderstedters und schon war das Dribbling gestört oder unterbrochen.

Insgesamt aber, das möchte ich schon noch einmal herausheben, konnte jeder sehen, was Tolgay Arslan an den Füßen hat. Er kann im Grunde genommen schon unheimlich viel – und nun noch einen Tick schneller werden (im Laufen und Spielen), dann kann es auch noch mal mit der „Zehn“ (beim HSV) etwas werden.

Kleine Pause in meinem Bericht – weil ich froh bin, dass Medien-Direktor Jörn Wolf das jetzt nicht lesen kann (in der Wildnis von Schweden). Er hatte mich in Norderstedt kritisiert: „Du tust manchmal so, als wenn nur du die Fußball-Weisheiten mit Löffeln gefressen hast. Das was du weißt, das wissen ganz sicher auch unsere maßgeblichen Leute, mache dir keine Sorgen.“ Ja, ich weiß, manchmal klingen meine Vorschläge und Beiträge sicherlich ein wenig besserwisserisch oder altklug, aber das liegt mir im Grunde genommen fern. Ich möchte eigentlich nur aufzeigen, wie ich es sehe, wie ich es eventuell machen würde – machen lassen würde. Alles zum Wohle des HSV, nicht zu meinem eigenen. So, musste geschrieben werden, nun geht es weiter im Text.

Über Ivo Ilicevic habe ich bei uns gelesen, dass er in der vergangenen Saison oft verletzt gewesen ist, und dass er deswegen keine so großen Leistungen anbieten konnte. Auch das mag ja stimmen, aber ich gebe zu bedenken, dass der ehemalige Lauterer ja im EM-Aufgebot seines Landes stand. Er muss also auch mal so „fit“ gewesen sein, dass er bis dahin gekommen ist. Dass er dann verletzt passen musste (quasi auf die letzte Minute), das ist dann sicherlich seiner Verletzungsanfälligkeit geschuldet, deswegen bin ich mal gespannt, wie sich der Flügelflitzer so weiter entwickeln wird. Ich bin da weiterhin skeptisch, da bin ich ganz ehrlich.

Apropos entwickeln. Heung Min Son hat – wie es aussieht – beim Trainer zurzeit sehr gute Karten. Wie es heißt, ist der Koreaner auf der rechten Außenbahn zurzeit gesetzt. Vor Maximilian Beister, vor eventuell Ilicevic, vielleicht auch noch Jacopo Sala. Son scheint heute (im Juli/August 2012) reifer und erholter, er scheint es immer besser zu begreifen, dass die Fußball-Bundesliga, das Profi-Geschäft allgemein kein Kindergeburtstag ist. Wenn er diesen Weg weiterhin so zielstrebig beschreitet, dann kann er es vielleicht doch noch einmal bis zum Stammspieler schaffen. Dazu darf er aber nicht nachlassen, dazu muss er weiterhin eine gewisse Ernsthaftigkeit (die er jetzt zu haben scheint) an den Tag legen. Was aber nicht heißen soll, dass er den Spaß am Fußball (und an der Sache) in der Kabine lassen soll, wenn es auf den Rasen geht. Er ist ja auch ein lustiges Kerlchen und muss nur ein gesundes Mittelding finden.

Überrascht war ich in diesen Tagen (vor Schweden) von Robert Tesche. Von ihm heißt es ja, dass er den HSV bei einem passenden Angebot doch noch verlassen will. Legt er sich deswegen so besonders ins Zeug? Oder kämpft er vielmehr um seine (letzte?) Chance? Chancen genug hat er ja von den Trainern Michael Oenning und Thorsten Fink erhalten, keine Frage, genutzt aber hat er keine. Gegen Barcelona II und Eintracht Norderstedt war Tesche aber immer auf Achse, er wollte sich zeigen, er wollte mitspielen – das sah aus, als hätte er nun (endlich) den nötigen Biss. Und das auf ungewohnter Position, denn in Norderstedt (und nicht nur dort) spielte er fast so etwas wie zweite Spitze. Mal abwarten, wohin ihn der Weg noch führt – vielleicht ja sogar in die HSV-Mannschaft . . .

Daraus hat sich Gökhan Töre ja verabschiedet, und in Norderstedt bin ich einige Male darauf angesprochen worden, ob es richtig war, den Deutsch-Türken ziehen zu lassen? Ich glaube das ja! Töre hatte nach einer glänzenden Hinrunde, in der er oft (und völlig zu recht) gefeiert wurde, den Boden unter den Füßen verloren. Er war nie ein Mannschaftsspieler, aber er entwickelte sich in dieser Beziehung leider immer mehr zurück. Und es gab in meinen Augen niemanden in seinem Umfeld, der ihn von diesem Weg hätte abbringen können – und wollen. Schade eigentlich, denn der junge Mann hat es in den Füßen, er könnte mit einem klaren Kopf ein ganz Großer im Fußballgeschäft werden – aber da hatte der HSV ja auch schon einmal einen ähnlichen Fall, auf den er am zweiten Bundesliga-Spieltag treffen wird. Hoffentlich, da habe ich jetzt schon meine Befürchtungen, schießt Eljero Elia „seinen“ HSV in Bremen nicht ab. Hoffentlich.

Thomas Doll hatte Elia einmal in der vergangenen Saison mit Juventus Turin spielen sehen (in einem Freundschaftsspiel) und war beeindruckt von ihm. Und Doll sagt jetzt: „Ich bin überzeugt davon, dass Thomas Schaaf den Elia noch einmal zurück in die Spur bringen wird. Elia kann alles, und er wird wissen, dass Werder seine letzte Chance ist.“
Im letzteren Punkt aber hege ich große Zweifel. Wenn Elia das endlich begriffen haben sollte, dann wäre er ja tatsächlich doch noch erwachsen – und das über Nacht? Das geht doch nicht. Es sei denn, Schaaf hilft tatsächlich etwas nach . . .

So, dann hat Frank Arnesen noch kurz Stellung bezogen – in Sachen Verpflichtungen. Der Däne sagte: „Ich werde nicht nervös, im Gegenteil, ich bin sehr zufrieden. Mit Milan Badelj haben wir Zugang Nummer vier, das ist so gut wie sicher. Er freut sich sehr auf Hamburg, und das zeigt seine gute Einstellung, denn es gab für ihn die Möglichkeit, bei einem anderen Klub (Fenerbahce) sehr viel mehr Geld zu verdienen. Für Dinamo Zagreb geht es in der Champions-League-Qualifikation um Leben und Tod, denn nur in diesem Wettbewerb erzielen sie richtig hohe Einnahmen. Badelj muss gegen Sheriff Tiraspol spielen. Fliegen sie raus, dann ist es kein Problem, dann kommt er schnell zum HSV. Gehen sie weiter, dann müssen wir ein weiteres Mal darüber reden.“

Und dann könnte es noch später gehen, als jetzt gedacht (nach dem ersten Bundesliga-Spieltag). Das wäre bitter. Aber auch nicht zu ändern, denn der HSV muss sich den Gegebenheiten anpassen – den finanziellen. Über den Mittelfeldspieler sagte Frank Arnesen: „Badelj ist ein Sechser mit großen Qualitäten im Offensivspiel, dadurch sind wir einen großen Schritt weiter. Nun schauen wir uns nach einem Mittelfeld-Angreifer und einem Innenverteidiger um. Rajkovic werden wir verkaufen, das steht fest, und es gibt auch viele Vereine, die nach ihm gefragt haben. Aber noch ist nichts konkret.“

Generell befand der HSV-Sportchef noch: „Thorsten Fink und ich verfolgen einen Plan, durch die Verkäufe von Guerrero und Töre haben wir sehr gute Geschäfte gemacht, wir haben sie für viel Geld verkauft und fantastisch gearbeitet.“

Alles wird gut.

17.31 Uhr

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