Tagesarchiv für den 24. Juni 2012

Der DFB-Pokal – und die EM

24. Juni 2012

Der HSV muss nach Karlsruhe. Zu einem Drittliga-Klub – keine Panik. Habe ich am Sonnabend still für mich gedacht. Viele meiner Freunde aber haben jetzt schon wieder arge Bedenken und Befürchtungen. Nämlich der Art, dass der HSV seine Pokal-Tradition beim Drittliga-Vertreter KSC, der ja gerade aus Liga zwei abgestiegen ist, nahtlos fortsetzen könnte. Ich schrieb es bereits, für den HSV war einst, und zwar am 31. Oktober 2000 in Runde zwei, schon frühzeitig das „Finale“ gekommen, denn es gab beim KSC eine 0:1-Niederlage. Und zwar für folgende HSV-Mannschaft: Butt, Kientz, Hoogma, Hollerbach, Kruse (72. Bester), Maul, Spörl, Doll (62. Hashemian), Spörl, Ketelaer, Yeboah (62. Heinz), Präger. Dieses Team, von Trainer Frank Pagelsdorf ins Feld geschickt, liest sich zwar ganz schön und gut, aber wenn man folgende Namen sieht, die damals GESCHONT wurden, dann weiß man, warum es diese Niederlage gab. Es fehlten nämlich: Barbarez, Fukal, Ujfalusi, Mahdavikia, Meijer, Cardoso, Hertzsch, Kovac, Groth, Panadic und, wer es möchte, auch Töfting. Schiedsrichter war in dieser Partie übrigens der Münchner Peter Sippel, und der war in den folgenden Jahren noch zwei weitere Male an Pokal-Pleiten des HSV „beteiligt“.

Allein in diesem Jahrtausend liest sich die Pokal-Bilanz des HSV wie ein fußballerischer Horror-Trip. Einmal wurde zwar immerhin das Halbfinale erreicht, aber ansonsten Pleiten, Pleiten ohne Ende. Und die sehen so aus:

27. November 2001, zweite Runde: 0:2 daheim gegen den VfB Stuttgart,
3. Dezember 2002, Achtelfinale, 0:1 daheim gegen den VfL Bochum (Schiedsrichter Sippel),
3. Dezember 2003, Achtelfinale, FC Bayern – HSV 3:0,
21. August 2004, Runde eins, SC Paderborn – HSV 4:2 – das Skandalspiel unter dem „Unparteiischen“ Robert Hoyzer,
21. Dezember 2005, Achtelfinale, FC Bayern – HSV 1:0 n. V.,
9. September 2006, Runde eins, Stuttgarter Kickers – HSV 4:3 n. V. (Schiedsrichter Sippel),
27. Februar 2008, Viertelfinale, VfL Wolfsburg – HSV 2:1 n. V.,
22. April 2009, Halbfinale, HSV – Werder Bremen 2:4 n. Elfmeterschießen,
23. September 2009, zweite Runde, VfL Osnabrück – HSV 7:5 n. Elfmeterschießen,
27. Oktober 2010, zweite Runde, Eintracht Frankfurt – HSV 5:2,
21. Dezember 2011, Achtelfinal, VfB Stuttgart – HSV 2:1 – ein unverdienter Erfolg der Schwaben. Aber das weiß heute niemand mehr.

Und nun geht es nach Karlsruhe. Wir lassen uns mal überraschen, ich bin aber (immer noch) ganz optimistisch.

So, in einem anderen Punkt muss ich ein wenig zurückrudern. Marcell Jansen hat noch keinen neuen Vertrag unterschrieben. Beide Parteien, der Ex-Nationalspieler und der HSV, haben sich zwar geeinigt, dass demnächst die Unterschrift erfolgen wird – aber das ist noch nicht geschehen. Eventuell ja an diesem Montag. Wobei bis auf die Unterschriften eben alles geklärt ist – also eigentlich nur noch eine Formalie . . .

In Sachen HSV gab es heute nur eine Meldung in den Agenturen, aber die ist durchaus „reiz-voll“:

Der Sport-Informations-Dienst (SID) meldet:

Fußball-Bundesligist Hamburger SV kann auf weitere finanzielle Unterstützung von Unternehmer Klaus-Michael Kühne bauen. „Ich stehe als Investor für neue Spieler durchaus zur Verfügung“, sagte Kühne der WirtschaftsWoche, „allerdings würde ich nur in einer Gruppe investieren.“ Eine ähnliche Aktion im Jahr 2010, als Kühne als alleiniger Investor 12,5 Millionen Euro für sechs HSV-Spieler ausgab und dafür die Rechte an den Transfererlösen erhielt, löste eine Welle von Kritik aus.

Er habe plötzlich in den Schlagzeilen gestanden, „obwohl ich dem Verein nur helfen wollte. Daher würde ich in Zukunft auf keinen Fall mehr den Alleinunterhalter machen, als der ich in der Öffentlichkeit wahrgenommen wurde“, äußerte Kühne.

Da geht noch was!
Oder die skeptische Variante: geht da noch was?

Kurz zu einem „netten“ Thema der Bundesliga: Bayer Leverkusen hat ja beantragt, nicht mehr an einem Freitag – und zwar an einem Abend – spielen zu wollen, zu müssen oder zu dürfen. Weil sich Anwohner (neben dem Stadion) über den Lärm beschwert hätten. Dazu sagte Holger Hieronymus, Noch-Geschäftsführer der DFL, in der „Bild am Sonntag“: „Grundsätzlich steht in der Lizenzierungsordnung, dass die Klubs eine uneingeschränkte Nutzung der Stadien gewährleisten müssen.“ Natürlich. Alles andere wäre doch auch Nonsens.

Ansonsten müsste der HSV (auch in meinem Namen – als Mitglied) auch einige Anträge stellen. HSV-Pokalspiele sollten nicht ab sofort mehr von Peter Sippel geleitet werden, und Bundesliga-Begegnungen nicht mehr von Günter Perl (Pullach in Bayern), meinem persönlichen “Freund”, gepfiffen werden. Und dann diese unsäglichen Sonntags-Spiele! Das ist ja überhaupt der Knackpunkt. Zehn dieser Art hatte es in der vergangene Saison für den HSV gegeben. Ein Unding. Da würde ich schon mal ganz stark beantragen, dass der HSV künftig sonntags nicht mehr anzusetzen ist. Ein Grunde dafür müsste sich schon finden lassen. Die enormen Sonntags-Zuschläge in Hamburg, die hohen Reisekosten mit Flugzeug und Bahn, auch höhere Hotelkosten, und überhaupt: sonntags könnte ja auch kein HSV-Spieler und kein -Trainer mehr in die Kirche gehen.

Dann gab es da noch eine Meldung über den „ewigen Loddar“ – Matthäus. Auf Vox gibt es nun eine Reality-Doku „Lothar – immer am Ball.“ Und das ist er ja tatsächlich. Kürzlich saß er bei „Lanz“, im Kreise anderer Fußball-Experten. Ich habe da mal reingezappt und ihm, dem „Loddar“, mal intensiv zugehört. Staunend, wie ich zugeben muss. Da hat der „Loddar“ nämlich viele gute und passende Dinge über den Fußball gesagt. Sodass Markus Lanz einmal sagte: „Sie sollten etwas mit Fußball machen . . .“ Weil Matthäus alles super erklärt hatte, was da lief und was warum nicht so gut war. Wie gesagt, ich staunte. Und dachte so bei mir: „Mensch, der Loddar, der kann es ja tatsächlich. Wenn er nun noch zugänglicher wäre, also nicht so unnahbar, nicht so unantastbar für seine Spieler, dann wäre der bestimmt ein sehr guter Trainer – ein sehr, sehr guter sogar.“

Aber dann müsste dieser „Überflieger“, dieser „Hans Dampf in allen Gassen“, endlich einmal vor allem eines machen: sich selbst auf „normal“ zurückfahren. Solange er glaubt, dass er der Nabel der Welt ist, dass sich alles nur um ihn zu drehen hat, solange wird das nichts mit dem Trainer Matthäus – jedenfalls nicht in Deutschland. Wenn ihm das mal einer sagen und dann auch beibringen würde, dann wäre er, so glaube ich, bestimmt ein exzellenter Trainer. Aber dazu gehört eben auch, dass man sich nicht mit den Händen tief in den Hosentaschen vor die Mannschaft stellt, um ihr etwas zu erklären. Dazu gehört auch keine „koddrige Schnauze“, dazu gehört auch ein wenig Demut. Und von solchen Sachen hat ein Weltstar wie er ganz sicher noch nichts gehört. Schade eigentlich, denn er hätte es wohl schon drauf, der gute „Loddar“.

Wo ich gerade bei Ansprache war. In diesen Tagen und Wochen werden ja wieder einmal die Kommentatoren von ARD und ZDF heftig kritisiert. Wie immer, möchte ich mal sagen. Das gibt es bei jedem großen Turnier, bei jedem großen Spiel. Aber nur deshalb, weil „Mann“ es ohnehin keinem recht machen kann. Diese öffentlich-rechtlichen Herren können doch erzählen was sie wollen, sie werden es nie gut genug machen. Die einen finden es zwar ganz okay, andere wiederum sind begeistert, viele sind aber einfach nur genervt von dem „Gesabbel“. Ich finde ja, dass die Jungs ihren Job bestens machen, und dass man mal (als Fan) über den Dingen stehen sollte. Fachlich haben sie es alle drauf, der eine mehr, der andere weniger. Sie alle aber werden mit Informationen über die beteiligten Mannschaften, Spieler, Trainer, Fans und sonstiges Umfeld versorgt. Ich möchte fast sagen, dass da Tonnen an DIN-A-4- Blätter angeschleppt werden, um die Zuschauer bestens informieren zu können. Daran kann es also nicht liegen, denn es fehlt an nichts. Und wenn der eine zu viel und der andere zu wenig redet? Der eine (Zuschauer) mag es, der andere ((Zuschauer) eben nicht – so ist das Leben. Und wenn einer mal etwas zu viel „Mist“ erzählt? Geht uns das nicht allen mal so?
Nein, ein Fußball-Kommentator kann ganz einfach nicht gewinnen, das ist jedem, der diesen Job macht, vorher schon hundertprozentig klar. Aber wir Konsumenten sollten eventuell ein wenig nachsichtiger sein – oder es werden.
Und wer überhaupt total genervt ist, der sollte den Ton abstellen. Ganz einfach (wäre das).
Um das aber mal zu bekennen: Ich bleibe bei Bela Rethy, Gerd Gottlob und Tom Bartels auf jeden Fall „auf Sendung“ – und „auf“ Ton.

Bei der Gelegenheit. Rethy hatte auch diesen netten Spruch parat:

„Er erklärt ihr die EURO, sie erklärt ihm den EURO.”

(Der ZDF-Live-Reporter vor dem Viertelfinale Deutschland-Griechenland mit Blick auf die Ehrentribüne: Bundeskanzlerin Angela Merkel neben Uefa-Präsident Michel Platini)

Womit wir auch schon mitten in der EM wären. Ich gebe ja zu, dass ich während des Spiels Deutschland – Griechenland einige Mal aufgesprungen bin. Vor Entsetzen (Fehlpässe von Badstuber und Schweinsteiger, Stoppversuche von Klose), vor Ärger und vor Enttäuschung (vergebene Torchancen). Aber, so lese ich jetzt, auch der Bundestrainer ist mal (während des Spiels!) in den Kabinengang geflüchtet. Das war in der 25. Minute. Und „Jogi“ Löw gibt zu: „Ich habe mich einfach geärgert. Wir hatten zuvor drei, vier Chancen, aber wir haben kein Tor gemacht. Ich war ein bisschen sauer über die verpassten Möglichkeiten. Das waren eben Emotionen, die da rausgekommen sind.“ Genau. Wie bei mir . . .
Und bei euch?

Besonders bei den vielen unglaublichen Fehlpässen von Bastian Schweinsteiger sind mit mir die Gäule durchgegangen. Der Bayern-Profi hat mit diesen Bällen seinen Marktwert (fast schon dramatisch) heruntergefahren. Dass ein solcher Weltklasse-Mann solche verheerenden Fehlpässe spielen kann – ich kann es heute noch nicht glauben. Er selbst sagt ja auch: „Das darf einem Spieler wie mir nicht passieren.“ Dann hat er aber auch eine Erklärung für seine Schwäche-Periode parat: „Um ehrlich zu sein, macht mir der Knöchel Sorgen. Es geht um kleine Bewegungen, um Explosivkraft.“

Bitte, Herr Bundestrainer, nehmen Sie diese Geschenk an. Schweinsteiger hat Ihnen keinen Elfmeter vor die Füße gelegt, nein, er hat den Ball schon auf die Torlinie gerollt. Sie, lieber Herr Löw, müssen nur noch verwandeln . . .

Eine bessere Vorlage kann es nicht geben. Schweinsteiger weiß genau, dass er nicht in Bestform ist, dass er (wohl) auch nicht mehr (während der EM) in Bestform kommen wird. Nun ist „Jogi“ Löw aufgefordert, zu handeln. Ich habe es ja schon bei „Matz ab live“ erklärt: Das ist noch der Unterschied zwischen der deutschen und der spanischen Mannschaft. Spanien hat in den eigenen Reihen nie (behaupte ich) einen so krassen Ausfall wie Deutschland nun mit Schweinsteiger. Und dazu Klose beim Versuch, den Ball stoppen zu wollen, und Badstuber mit seinen kümmerlichen Versuchen, Pässe an den eigenen Mann bringen zu wollen. Bei Spanien dagegen spielen alle wie Maschinen, konstant und gut von der ersten bis zur letzten Minute. Da gibt es nicht einen „Schweinsteiger“. Reinhold Beckmann hat Mehmet Scholl (in der ARD) ja zu den Spaniern befragt. Ganz einfach, diese Frage: „Warum nimmt man den Spaniern nicht einfach mal den Ball weg?“ Scholl: „Weil das nicht ganz so einfach ist. Da ist nämlich jeder Spieler perfekt am Ball.“ Genau. Und wir (Deutschen) schenken dem Gegner den Ball durch unzählige Fehlpässe einfach so mir nichts dir nichts her.

Herr Löw, bitte übernehmen Sie!

Bei der Gelegenheit. Kürzlich schrieb ich hier ja über Mario Gomez und Miroslav Klose. Und nebenbei bemerkte ich, dass bei mir keiner von beiden spielen würde, sondern Marco Reus.
Ich finde, dass der Bundestrainer ruhig öfter (und früher) mal auf mich hören sollte und könnte . . .
Nein, bitte nicht explodieren, das war ein Scherz am Rande.

Drei kleine EM-Notizen zum Schluss:

Innenverteidiger Holger Badstuber muss keine Angst davor haben, ein mögliches EM-Finale zu verpassen (wie schon das Champions-League-Finale). Der Münchner sah zwar gleich im ersten Spiel Gelb (gegen Portugal), aber diese Karte wurde nach der Vorrunde gelöscht. Gäbe es nun im Halbfinale Gelb für Badstuber, wäre das seine „erste“ Gelbe Karte – also keine Sperre. Gilt auch für Jerome Boateng.

Dann ist, ganz erstaunlich, Deutschland eigentlich schon Europameister. Wenn man der Statistik Glauben schenken darf. Nach der hat nämlich der spätere Europameister immer sein erstes (Vorrunden-)Spiel gewonnen. 2012 haben fünf Teams ihr erstes Spiel gewonnen, aber nur noch Deutschland ist von diesen Erstrunden-Siegern noch im Turnier verblieben . . .

Und ganz zum Schluss ein netter Spruch von einem ganz „harten Hund“. Spaniens Sergio Ramos ist ja für mich der „Knochen“ dieser EM. Wo er auch auftaucht, wo er auch hinlangt – da wächst kein Gras mehr. So kannte ich den Abwehrmann noch gar nicht, aber das mag auch eine Bildungslücke von mir sein. Dieser Ramos sagte nun aber etwas, was bestens zum Muttertag passen würde:

„Auf dem Spielfeld die Liebe der Familie zu spüren, ist unbezahlbar. Danke, Familie! Ich liebe euch. Mama, ich schicke dir einen Kuss.“

Gibt es einen besseren Schluss?

PS: Heute gibt es noch einen kleinen Nachschlag. Gegen Mitternacht wird euch „uns Scholle“ noch mit einem besonderen Interview überraschen. Bis dahin – genießt die Zeit (des großen Regens).
Es ist ja alles so ätzend, wo bleibt der Sommer?

17.10 Uhr