Tagesarchiv für den 21. Juni 2012

Was wird das bitte für ein Freitag….?

21. Juni 2012

David Jarolim ist entspannt. Zurecht. Immerhin hat er schon Jahrzehnte als so genannter Vorkämpfer seinen Kollegen als Beispiel für unermüdlichen Einsatz gedient. Dass er beim HSV ausgedient hat – okay. Ansichtssache. Aber dass er weitermacht – sicher. Nur wo ist noch offen. „Ich hatte schon einige Gespräche und gute Angebote, die sich teilweise wieder zerschlagen haben.“ Aus sportlichen, familiären und monetären Gründen. Aber auch, weil sich die potenziellen Interessenten anders orientiert haben. „Das ist auch okay“, sagt Jarolim, der momentan in Prag bei seiner Familie zu Besuch ist, „warum sollten sich nur Spieler entscheiden? Ich komme damit gut klar. Letztlich will ich einen Klub der zu 100 Prozent von mir überzeugt ist, und von dem ich 100-prozentig überzeugt bin. Nur so kann es funktionieren. Und dabei lasse ich mir die nötige Zeit.“

Klingt logisch. Und dennoch erwartet auch Jarolim, dass es in den nächsten Tagen zum Abschluss kommen könnte. „Es laufen Gespräche. Gute Gespräche“, so der Tscheche, der seinen Tschechen vor der EM nicht zugetraut hätte, über die Gruppenphase hinauszukommen – sich allerdings über diese Fehleinschätzung nicht ärgert. Im Gegenteil: „Schon das Viertelfinale ist für uns ein riesiger Erfolg, der uns vielleicht auch wieder ein wenig Aufschwung geben wird.“ Auf dem Weg zur nächsten Goldenen Generation? „So weit sind wir sicher noch nicht. Das ist eher Deutschland. Aber warum sollten wir uns in den nächsten Jahren nicht erheblich steigern können?“

Dennoch, wenn man sich mit Jarolim unterhält, merkt man, dass er mit dem Thema HSV nie komplett abschließen können wird. „Fußballerisch war es das erst einmal. Das ist mir klar und damit komme ich auch klar. Aber warum sollte ich nicht irgendwann wiederkommen?“ Um eine Goldene Generation beim HSV im Nachwuchs heranzuziehen? „Das wäre optimal. Und der HSV hat dafür gute Voraussetzungen.“ Zumindest infrastrukturell dürfte Jarolim hierbei Recht haben. Personell wird sich das nach der Umbesetzung des Jugendleiters (Schröder ersetzt Meier) erst noch zeigen müssen.

Ziemlich sicher ist, dass Tolgay Arslan am Freitag seinen neuen Vertrag bis 2015 unterschreiben wird. Ich habe gestern länger mit ihm telefoniert und muss mich wiederholen: dieser Junge ist super. Sportlich hat er (bis auf den Sprint) alle Voraussetzungen. Charakterlich gilt der 21-Jährige, der jetzt schon wieder im Kraftraum der Imtech-Arena unterwegs ist, als tadellos. Der Rechtsfuß leistet sich zudem den Luxus, einen Mentalcoach zu beschäftigen. „Ich werde nie alles wissen und bin immer darauf angewiesen, von außen dazuzulernen. Das Mentaltraining hilft mir dabei, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren“, sagt Arslan, der zuletzt einige Tage in Paderborn bei seiner Familie verbracht hat. Allerdings nicht allein, um Urlaub zu machen. Vielmehr hat er dort mit dem Jens Schulze trainiert. „Jens und ich kennen uns schon sehr lang. Er war Olympiateilnehmer im Zehnkampf und weiß, wann ich was brauche, um richtig fit zu werden.“

Auf jeden Fall aber ist Arslan fit genug, um am Freitag nach dem Deutschland-Spiel gegen Griechenland als Gast in unsere Sendung Matz ab live“ zu kommen. Diese wird wieder im Champs produziert und wird – sollten keine ungeahnten Naturgewalten dazwischenfunken – auch live gesendet. Unsere IT-Fachleute haben den Fehler im Übertragungsgerät in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma ausfindig gemacht und eliminiert.

Als Verstärkungen ausfindig gemacht hat Frank Arnesen bislang Rudnevs, Adler und Beister. Zudem werden die Verträge mit Arslan und Jansen sehr kurzfristig verlängert. Und glaubt man den Agenturen, dann ist René Adler topfit. Zumindest äußerte er sich heute gegenüber dem Sport-Informations-Dienst wie folgt:
„Körperlich fühle ich mich so fit wie noch nie in meiner Karriere. Wenn man ein Dreivierteljahr Reha macht, sollte das auch so sein. Man lernt auch ein bisschen Gelassenheit. Alles, was zu verbissen ist, führt zu Verkrampfungen. Ich denke, ich habe einen Plan und werde jedes Training und jedes Spiel dazu nutzen, um an meine alte Leistung anzuknüpfen.“
Auch die Gründe, weshalb er einen Fünfjahresvertrag unterschrieb, erläuterte er: „Dieser Vertrag ist wirklich ein Vertrauensbeweis. Das ist mir auch wichtig. Ich bin kein Spieler, der Vereine als Sprungbrett sieht. Das zeigt meine Vita. Ich war zwölf Jahre in Leverkusen. Jetzt möchte ich Teil des neuen HSV sein, um wieder europäischen Fußball nach Hamburg zu holen.“
Ich habe daraufhin heute bei Adler angerufen. Und ihn auch erreicht. Wo? „Beim Training“, so Adler, der gerade dabei ist, seinen Umzug nach Hamburg zu finalisieren. Und darauf freut er sich: „Hamburg war die Stadt unter den großen deutschen Städten, die ich am wenigsten gekannt habe. Zuvor hatte ich nur das Stadion und das Hotel gesehen. Jetzt war ich öfter da, bei Regen und bei Sonne. Ich muss sagen: Hamburg ist bei Sonne eine der schönsten Städte in Europa. Ich komme auch mit der Mentalität gut klar. Was mich am meisten fasziniert, ob reich oder arm, jung oder alt, was die Hamburger vereint, ist der HSV.“

Allerdings, und das stellte der ehemalige Nationaltorhüter sofort klar, er ist auch nach Hamburg gekommen, um sich wieder an die Nationalelf heranzuarbeiten. „Natürlich ist die Konkurrenz größer geworden mit vielen jungen Torhütern, die ihre Sache wirklich gut machen. Dessen bin ich mir bewusst. Aber im Endeffekt entscheidet die Leistung. Ich denke, ich habe schon bewiesen, was ich kann. Alles andere wird von alleine kommen.“
Dann fragt der SID: „Wie sehr fiebern Sie mit der Nationalmannschaft?“ Adler: „Ich kann nur sagen, dass ich den Jungs von zu Hause die Daumen drücke. Der Titel wäre natürlich das Nonplusultra. Das wäre die Krönung der Entwicklung der letzten Jahre. Ich glaube, das wäre der logische Schritt, der demnächst kommen sollte.“

Ohja, bitte! Dann müsste Dieter sich aber ne Menge einfallen lassen. Zumindest lautete unsere Wette vor Turnierbeginn so, als er die Deutschen nach der Vorrunde nach Hause wähnte…

Aber okay, zurück zum HSV. Der macht momentan personell nicht die Fortschritte vergangener Jahre. Was allerdings nur logisch ist. Denn zum einen wurde der internationale Wettbewerb verpasst, zum anderen konnte der HSV bislang noch keine Spieler verkaufen. Ich sprach darüber mit Frank Arnesen, der als Experte fürs dänische Fernsehen (TV1) die Spiele kommentiert. Ob er im Turnier schon Kandidaten für die vakante Position im Mittelfeld gefunden hat? „Oh ja. Ich habe hier einige gesehen, die uns helfen könnten. Aber die kommen leider nicht. Woran es liegt? Auch an den zu geringen Verdienstmöglichkeiten. „Das ist ein wesentlicher Punkt, genau. Ich unterhalte mich sehr viel mit den Beratern. Aber mehr als ‚Wir müssen abwarten, bis wir Spieler verkauft bekommen’ kann ich denen leider noch nicht sagen. Unsere Finanzen lassen leider nicht mehr zu. Ich bin immer in Gesprächen. Aber noch kann ich nichts konkretisieren.“ Weil eben noch kein Spieler abgegeben werden konnte.

Dennoch hat der HSV Attribute, mit denen er Spieler locken kann. Das weiß auch Arnesen. Wie die Berater reagieren, wenn er sie kontaktiert? „Sehr positiv, weil der HSV ein großer Verein ist. Im Ausland muss ich uns aber vor allem unsere Situation häufiger mal erklären. Aber wenn wir mit etwas locken können, dann mit unserem Verein, unserer Stadt, unserer Tradition. Und mit unserer Philosophie.“ Wie die aussieht? Arnesen: „Wir planen langfristig, weil wir wissen, dass wir aktuell keine großen Sprünge machen können. Oder besser: wir wissen, dass es vermessen wäre, jetzt den Sprung an die Spitze zu planen. Obgleich unser Kader definitiv stark genug ist, eine deutlich bessere Saison als zuletzt zu spielen. Wir haben alle gelernt. Die jungen Spieler sind um ein Jahr Erfahrungen reicher, und auch der Trainer und ich haben die Bundesliga jetzt ein Jahr lang kennengelernt.“ Und wir wissen, was wir wollen. Was genau? Arnesen: „Ich bin hergekommen, um etwas zu erreichen. Wir wollen wieder nach Europa, ganz klar. Aber das ist im Moment schwer. Dafür müssen wir den aktuellen Stand verwalten. Wir werden in zwei Jahren unsere finanziellen Fesseln gelockert und in teilen sogar abgelegt haben. Aktuell wäre es ein Traum, wenn wir es schaffen. Aber in zwei Jahren wird es realistisch sein, mit diesem Klub wieder über europäischen Fußball zu sprechen.“

Dann sprach Arnesen noch kurz über die Gerüchte um Paolo Guerrero „Gehört haben wir auch davon, aber nie offiziell. Bisher ist es das branchenübliche Blablabla…“ mehr eben nicht. Noch nicht.

Aber egal, was wird das wieder für ein Freitag? Ich freue mich auf jeden Fall darauf. Hoffentlich mit einem Sieg der Deutschen, den unser Gast vor einer Woche, Dennis Aogo, übrigens live vor Ort verfolgen wird. „Ich wäre lieber auf dem Platz“, so der Linksverteidiger, „das gebe ich zu. Aber wenn das nicht geht, dann fiebere ich als Fan mit. Und das geht am besten vor Ort.“ Sollte die Deutsche Mannschaft weiterkommen, würde er zudem am Sonnabend seine Kollegen im Mannschaftshotel besuchen.

Also: Daumen drücken, dass es für Aogo Anlass zum Mittagessen im Team-Hotel gibt!

Bis morgen,
Scholle