Tagesarchiv für den 11. Juni 2012

Calhanoglu zu Werder – verpasst der HSV einen Riesen?

11. Juni 2012

Da hat er doch mal allen Journalisten kurz Hoffnung gemacht – und ihnen sofort wieder die Beine weggezogen. Chapeau, Mario Gomez! Schon stark, wie er trotz der zweifellos diskutablen Kritik von Mehmet Scholl heute die Brisanz aus der Geschichte nahm. Zuerst holte er weit aus und schien sich doch auf eine Antwort einzulassen. In diesem Moment hofften die anwesenden Journalisten bei der Pressekonferenz auf eine Fortsetzung der Story Gomez/Scholl. Aber nichts da, „mia san mia“ schlug durch und Gomez sagte, dass er Scholls Worte als Ansporn nehmen würde und vor längerer Zeit schon mal mit Scholl über dessen Form der Kritik gesprochen hatte. Es ist eben doch alles gut.

So löst man professionell unnötige Baustellen. Eine Vorgehensweise, die hoffentlich auch beim HSV von allen registriert wurde. Gerade die letzten drei Jahre, angefangen mit dem Theater Beiersdorfer/Hoffmann bis hin zu unserem heutigen Aufsichtsrat, haben gezeigt, wie es nicht geht.

Einen neuen weg will Trainer Thorsten Fink gehen. Überlebenstraining in Schweden. Na dann! Zelten mit Adler, Drobny, Fink und Co. – das klingt nach einer Menge Unterhaltungswert. Paolo Guerrero ohne Handy – das scheint ebenso schwer vorstellbar wie der eine oder andere Spieler im wenig luxuriösen Zelt mitten im Wald. Aber gut, das soll es ja auch sein. Und Trainingslager bieten zum einen die Möglichkeit, komprimierter zu trainieren. Aber da das auch in Hamburg machbar ist, haben Trainingslager vor allem den Vorteil, dass die Mannschaft eng beisammen ist. Und auch wenn es den einen oder anderen Koller geben kann, in der Regel ziehen Mannschaften aus den Wochen oft viele Gemeinsamkeiten. So eine Tour in Schweden dürfte deutlich mehr Aktionen beinhalten, die für die Spieler unvergesslich bleiben und über die sie noch lange sprechen.

Lange nicht mehr gesprochen haben wir über Paolo Guerrero. Der Peruaner ist weiter in einer sportlich herausragenden Verfassung. Auch gegen Uruguay traf er – obgleich die Partie 2:4 verloren ging. Allerdings, und da muss man sehr vorsichtig mit umgehen, kommen aus Peru auch immer wieder Meldungen, wonach sich Guerrero gedanklich mit einem Vereinswechsel beschäftigen soll. „Wenn Du irgendwas aus Peru hörst – glaube es erstmal nicht“, hatte mit Paolo vor drei Jahren mal gesagt. Damals wurden ihm nächtliche Sauftouren und Verhältnisse mit anderen Frauen als seiner damaligen Freundin zugeschrieben. „Nichts davon war wahr“, sagte Guerrero, der diesen Umstand sogar erfolgreich vor Gericht einklagte, woraufhin eine Society-Reporterin sogar wegen Verleumdung ins Gefängnis musste. Schon deshalb bleibe ich auch diesmal vorsichtig – und lasse mich nicht weiter auf das Thema ein. Zumal es von HSV-Seite nichts diesbezüglich zu hören gibt.

Zum Hintergrund: Ich bekam heute einen Anruf eines gebrochen Englisch sprechenden Kollegen. Kollege nannte er sich zumindest. Nachprüfen kann ich es nicht, da ich seinen Namen nicht weiß – er sagte ihn wohl am Anfang, ich habe ihn aber so schnell nicht verstanden – und lediglich seine Mobilnummer auf dem Display habe. Allerdings tat er sehr geheimnisvoll und sprach davon, etwas zu wissen, was auch für uns – natürlich gegen das entsprechende Entgelt – interessant sein könnte. Ich verneinte dankend und der Kollege, wahrscheinlich aus Peru, legte schnell auf.

Was ich Euch damit erzählen will? Nichts Besonderes. Ich wollte Euch nur warnen. Denn: sollte in den nächsten Tagen irgendwo eine große Wechsel-Geschichte von Guerrero auftauchen – ich wüsste – und Ihr jetzt wahrscheinlich auch -, welchen Ursprungs sie wäre. Und in der Regel hatten diese Quellen selten viel Nachhaltigkeit in ihren Geschichten. Im Gegenteil.

Wenig nachhaltig scheinen auch die Negativerlebnisse der letzten Saison zu sein. Zumindest vermeldete die Agentur heute folgendes:
„Beim Hamburger SV läuft der Kartenvorverkauf wie geschmiert. Für die neue Saison in der Fußball-Bundesliga sind bereits 28000 Saisontickets abgesetzt worden. Bislang durften nur Abonnenten Karten bestellen, seit dem (heutigen) Montag können alle Fußball-Anhänger Tickets erwerben. Von den 57000 Stadionplätzen sollen maximal 31000 als Saisontickets angeboten werden. Die Karten kosten zwischen 188 Euro im Stehplatzblock und 727 Euro im besten Sitzplatzbereich.
Zudem werden Tickets in der Komfortkategorie Business für 3500 Euro pro Spieljahr angeboten. Alle Preise sind im Vergleich zur Vorsaison konstant geblieben. „Es sieht sehr gut aus“, sagte HSV-Präsident Carl-Edgar Jarchow. „Wir haben sogar eine geringere Kündigungsrate bei den Business-Seats als im Vorjahr.“ Von den Logen seien allerdings einige gekündigt worden.
Für das hochkarätige Freundschaftsspiel zum 125. Geburtstag des Vereins gibt es ebenfalls einen großen Andrang. Rund 46000 Fans wollen bislang die Partie gegen den FC Barcelona am 24. Juli (18 Uhr) sehen. Die Karten kosten zwischen 14 und 55 Euro. Da es sich um ein Testspiel handelt, müssen die Stehplätze nicht wie bei internationalen Pflichtspielen in Sitzplätze umgerüstet werden. Folglich können 57000 Fußball-Anhänger das Spiel gegen Messi, Xavi und Iniesta verfolgen. „Wir müssen wohl auch etwas richtig gemacht haben. Die Leute merken, dass sich hier etwas entwickelt und wollen dabei sein“, sagte Trainer Thorsten Fink der „Hamburger Morgenpost“ am Montag. „Jetzt liegt es an uns, auch die entsprechende Leistung zu bringen.“ Er stellte klar, dass der HSV den Baseler Innenverteidiger David Abraham nicht um jeden Preis haben will: „Damals war ich noch davon ausgegangen, dass er ablösefrei ist. Wir werden sicher keine Ablöse für ihn zahlen.“

Gut. Finde ich zumindest. Das klingt doch ganz gut. Die Fans wollen den HSV wieder sehen, haben weiter Hoffnung. Dass das so ist, weil der HSV in der vergangenen Serie etwas richtig gehabt haben muss, wie Fink meint, sehe ich zwar nicht. Aber ich glaube, dass der HSV in den Jahren davor zumeist durch gute Leistungen bei den eigenen Anhängern im Gedächtnis geblieben ist. Und davon zehrt der Klub heute, wo er eine nicht so gute Phase (hoffentlich) hinter sich gebracht hat. Und der Klub hat einem namhaften Mitbewerber damit etwas voraus, denn der HSV hat seine Zuschauereinnahmen noch nicht verkauft und kann von einem vollen Haus profitieren. Das ist bei Schalke anders. Dort wurde noch unter Rudi Assauer so einiges im Voraus verkauft, was ihnen heute an Einnahmen fehlt. Dass sich ein Huub Stevens heute meldet und sagt, dass ein Rafael van der Vaart für den FC Schalke nicht zu finanzieren ist, unterstützt mich in dieser These. Vor allem aber unterstützt es das, was Dieter am Rande des Länderspiels in Leipzig von einem bekannten Spielerberater erzählt bekam: Dass der FC Schalke finanziell genauso wenig auf Rosen gebettet ist wie der HSV. Oder besser: der Berater sagte sogar, dass Schalke finanziell schwierigere Zeiten habe als der HSV.

Schwierig ist für mich indes zu verstehen, weshalb Hakan Calhanoglu, an dem der HSV interessiert war, zu Werder Bremen wechselt. So wird es zumindest vermeldet. Der Youngster vom Karlsruher SC ist für mich eines der absoluten Toptalente der Zweiten Liga, trotz Vertrages vergleichsweise günstig zu haben. Der 18-Jährige ist für mich nicht der Top-Mittelfeldspieler, auf den wir alle hoffen. Ganz klar! Aber er ist ein Riesentalent und wird in meinen Augen nicht umsonst mit Mesut Özil verglichen. Vor allem aber ist er für mich genau das, was einem Klaus Michael Kühne angeboten werden müsste: ein junger Spieler, der noch am Anfang seiner Karriere steht und dessen Marktwert deutlich steigerbar ist – sofern er sich wie erhofft beim HSV entwickelt.

Nun ist er wohl in Bremen. Und ich hoffe, dass ich mich mit meiner Einschätzung vom KSC-Talent irre. Das würde mich weniger ärgern, als dass sich Calhanoglu beim SV Werder Bremen durchsetzt und der HSV (mal wieder) ein Riesentalent verpennt hätte.

In diesem Sinne, ich sehe gerade Frankreich – England. Das hebt nicht unbedingt meine Stimmung. Aber das Gute ist: Besser als die Deutschen gegen Portugal ist hier auch niemand (Stand 78. Minute).

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Am Mittwoch soll es wieder ein Matz-Ab-Live geben. Eigentlich hatte uns Klubboss Carl Jarchow zugesagt, musste heute aber kurzfristig absagen. Der Vorstandsboss sagte aber zu, dafür am Sonntag nach der Partie gegen Dänemark unser Gast zu sein. Wir suchen Ersatz. Ebenso wie in Sachen Ersatz für unsere bisherige Location, sollte aber auch zu schaffen sein.