Arnesen – nett, höflich und unverbindlich

2. Juni 2012

Diese Woche war ich im Osten. Erst Magdeburg, dann Leipzig. Weil ich es dort spannend finde. Nämlich zu sehen, wie sich der Osten entwickelt. Toll. Besonders Leipzig ist eindrucksvoll. Rein zufällig fand da auch das Länderspiel gegen Israel statt, und darauf werde ich auch noch kurz eingehen. Zuerst aber das Wichtigste – was ich „vor lauter Leipzig“ fast vergessen hätte:
Der Matz-abber “Altona” schrieb:

Heute erledigte ich wie immer meinen wöchentlichen Großeinkauf bei Penny in der Kieler Straße. Wie jeden Samstag wartete nach dem Einkauf der Hinz-und-Kunzt-Verkäufer neben dem Einkaufswagensammelplatz auf Käufer des Straßenmagazins. Ich gab ihm wie immer 50 Cent mit der Ausrede, dass ich das Magazin schon an anderer Stelle gekauft hätte. Der Verkäufer
entgegnete mir sofort, dass das unwahrscheinlich sei, da das aktuelle Magazin erst gestern erschienen sei und zudem diesmal übrigens 28 Seiten EM-Sonderbeilage enthielte.

Schlagfertig wie ich bin, wusste ich zu antworten, dass ich schon alles über die kommende Fußball-EM wüsste, da ich fast alle Sonderausgaben der Fußball-Presse im Zeitschriftenkiosk
Eppendorfer Weg gekauft hätte. Doch der Hinz-und Kunzt-Verkäufer gab sich noch nicht geschlagen und holte seine letzte Trumpfkarte aus dem Ärmel. „Die Ausgabe enthält auch einen zweiseitigen Artikel des bekannten Abendblatt-Sportreporters Dieter Matz”, warf er mir in der Hoffnung zu, dass ich den Namen schon einmal gehört hätte. Volltreffer. Na, da hatte er
einen gelandet.

„Ok”, meinte ich, „Sie haben mich überzeugt, ich nehme die Zeitung”. Er gab mir – korrekt wie er war, die 50 Cent zurück und ich gab ihm 2 Euro für das Magazin, dass zum Preis von 1,90 Euro angeboten wird.

Damit hatte der Verkäufer also statt 50 Cent 1,10 Euro verdient, denn von jedem verkauften Magazin dürfen die Hinz-und-Kunzt-Verkäufer einen Euro für sich behalten.

@Dieter, ich finde das einfach ganz große Klasse, dass Du Dich für sozial Schwächere engagierst. Deinen zweiseitigen Artikel habe ich natürlich gleich verschlungen, will aber nicht auf Details eingehen, vielleicht wird ja noch der eine oder andere Matz-abber neugierig und hat auch 1,90 Euro übrig. Nur soviel: Natürlich plaudert Dieter u. a. auch über den Spieler, der nach Meinung vieler Matz-abber Dieters Lieblingsspieler war . . . Ihr wisst schon, wen ich meine, oder?

Danke, lieber „Altona“, Du hast mich gerettet. Und auch ich werde mir dieses Heft von „Hinz und Kunzt“ – selbstverständlich – noch kaufen.

So, womit nun anfangen? Mit dem Erfreulichen? Genau, mit dem Erfreuliche. Der HSV verkauft Dauerkarten wie geschnitten Brot. Wahnsinn! Und großartig zugleich. Ich finde es einfach nur super, wie die HSV-Fans zum Verein, zu ihrer Raute, halten. Phänomenal! Ich hätte es nie gedacht, denn gegen Ende der vergangenen Saison blieben ja schon viele (Dauerkarten-)Plätze im Volkspark leer. Aus Protest gegen den Fußball, der dort geboten wurde. Ich kenne etliche Fans, die sich das nicht mehr antun wollten. Und nun das! Es ist unfassbar für mich, und nun hoffe ich, dass sich auch so mancher Logen-Inhaber doch noch auf seine heimliche und große Liebe besinnt – nämlich den HSV.

Wir haben doch schon so manches Tief durchlitten, und wir sind doch alle immer wiedergekommen. Jetzt, wo es ja wirklich nicht mehr schlechter geht, jetzt sollten wir zusammenstehen und gemeinsam dafür sorgen, dass es wieder bergauf geht. Der Anfang ist von euch, ihr treuen Fans, gemacht, nun heißt es auf allen Ebenen nachzusetzen, damit der Aufschwung keine Utopie bleibt.

Und ich bin nicht als Nepper, Schlepper, Bauerfänger vom Herrn Jarchow eingekauft worden, das möchte ich mal betonen, es ist meine innerste Überzeugung, dass es nur so geht, wie ich es beschrieben habe. Anders wird das nichts.

Apropos Carl-Edgar Jarchow. Seit dem Interview, das ja am Mittwoch und Donnerstag hier veröffentlicht wurde, hatte ich keinen Kontakt mehr zum HSV-Klub-Chef. Ich hoffe mal, dass alles in Ordnung war, dass es von Jarchows Seite aus keine Beanstandungen gab. Wenn, dann werde ich es ja demnächst hören. Von den Beiträgen her war es ja wohl so, dass der Mittwoch gelobt und der Donnerstag eher zerrissen wurde. Damit kann ich leben – und der Herr Jarchow liest es ja ohnehin nicht, was in Foren anonym über ihn geschrieben wird. Ich kann nur jedem, wirklich jedem Matz-abber sagen, dass Carl-Edgar Jarchow dieses Interview ganz gelassen über sich ergehen ließ, und dass er in jeder Lage auch absolut souverän war und blieb. Das habe ich schon ganz anders erlebt, deswegen von hier aus und an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank, Herr Jarchow. Und viel Glück und ein gutes Händchen für die nächste Saison. Könnten wir alle wohl ganz gut gebrauchen.

So, schnell noch zum Abstecher nach Leipzig. Es war nach langer Zeit das erste Länderspiel, das ich nur aus Jux und Dollerei besuchte, ohne arbeiten zu müssen. Was zur Folge hatte, dass ich nicht nur (gemeinsam mit Frau M.) ganz entspannt auf der Tribüne sitzen konnte, sondern auch mit vielen interessanten Leuten noch einige Worte wechseln durfte. Zum Beispiel mit gleich einigen Spielerberatern, die natürlich zahlreich vertreten waren. Und da hatte ich gleich eine ganze Batterie von Fragen, ist doch klar – so richtig privat ist man ja doch nie.

„Welche Leute kommen zum HSV? Ich möchte Namen wissen.“ Natürlich erhielt ich keine Auskunft. Da will sich niemand das Geschäft kaputtmachen lassen. Dennoch gab es einige Sachen, die mich erstaunten. Zum Beispiel fragte ich einen Herrn, was denn nun an Schalke und Rafael van der Vaart sei. Und die Antwort überraschte mich: „Schalke will zwar, aber meiner Meinung nach kann Schalke sich weder einen van der Vaart erlauben, noch einen Eljero Elia. Klappern gehört zum Handwerk, aber Schalke hat noch weniger Geld in der Kasse als der HSV . . .“ Da kam doch wieder ein wenig Hoffnung bei mir auf.

Und der HSV? Was macht der HSV? Ein Spielerberater: „Der HSV kommt nicht so recht in die Hufe. Und ich weiß nicht, woran das liegt? Sind die so unentschlossen, weil sie noch nicht wissen, welcher Spieler doch noch bleiben? Oder liegt es nur am fehlenden Geld, was ich nicht glaube? Ich weiß es nicht.“ Meine Frage, wie sich der Herr Arnesen denn so macht, wurde wie folgt beantwortet: „Er ist unglaublich nett und höflich, aber total unverbindlich. Er lässt sich nie in die Karten schauen.“ Und als das gesagt wurde, gesellte sich noch ein weiterer Spielerberater zu uns. Und der pflichtete seinem Kollegen sofort bei: „Wenn ich ihm einen Spieler anbiete, dann sagt er immer sofort: ‚Guter Mann, wirklich, das ist ein sehr guter Mann, ganz bestimmt . . .’ Aber mehr sagt er auch nicht. Und es kommt auch weiter nichts von ihm.“
Eben nett, höflich und total unverbindlich. Zum Wochenbeginn kehrt Frank Arnesen von seinem Kurz-Urlaub aus Spanien wieder zurück nach Hamburg, und dann wird er sicher weiter am HSV 2012 basteln. Wie es heißt, stehen die Vertragsverhandlungen von Marcell Jansen und Tolgay Arslan ganz oben auf dem Programmplan. Und weitere Verpflichtungen? Da gib es ja noch so viel Zeit . . .

Erst einmal ist EM. Und da gibt es ja für Bundestrainer Jogi Löw noch viele, viel Probleme. Als ich da oben auf der Leipziger Tribüne saß, dachte ich auch unwillkürlich an den HSV. Nicht deshalb, weil mit Dennis Aogo der Hamburger im DFB-Aufgebot fehlt, sondern weil es ja eine Menge Fragezeichen gibt. Fragezeichen, die auch oft in Hamburg zu sehen und zu erleben waren. Mit Schweinsteiger, Götze, Klose und Mertesacker gibt es gleich vier „Wackelkandidaten“ im DFB-Kader, alle sind auf ihre Art ein „Überraschungs-Ei“, denn niemand weiß zum jetzigen Zeitpunkt, was sie wirklich bringen werden. Mich erinnert das alles auch ein wenig an die WM 1982 in Spanien. Okay, ist schon lange her, aber damals gab es mit Karl-Heinz Rummenigge auch einen angeschlagenen Spieler, der in jedem Spiel dabei war, aber höchsten bei 70 oder 80 Prozent. Trotz allem setzte Bundestrainer Jupp Derwall immer wieder auf den Münchner – sehr zum Ärger einer Mitspieler. Und auch zum Ärger viele Fans, die nämlich glaubten, dass Deutschland mit einem Spieler, der bei 100 Prozent gewesen wäre, noch besser gewesen wäre – als mit einem Rummenigge mit 70 oder 80 Prozent.

Und jetzt gibt es gleich vier Spieler im deutschen Aufgebot, die noch nach ihrer Form suchen – weil sie längere Zeit verletzt waren. Hat Löw zu viel gewagt? Ist er ein zu großes Risiko eingegangen? Zum Beispiel der „Fall“ Götze/Draxler. Löw hat Götze mitgenommen – ich hätte es umgekehrt gemacht. Oder Schweinsteiger? Wird er der neue „Rummenigge“?
Aber gut, wir werden es nun abwarten müssen, zu ändern ist jetzt ohnehin nichts mehr.

Dennoch erinnert mich diese Problematik auch in vielen Facetten an den HSV. Als zum Beispiel Armin Veh HSV-Trainer war, hatte er einst, so um die Weihnachtszeit, die Faxen dicke. Er kündigte für das nächste Spiel an: „Ab jetzt spielen nur die Spieler, die auch in der Lage sind, 90 Minuten zu laufen und zu kämpfen.“ Sollte heißen: Keine Rücksicht auf große Namen, die eventuell angeschlagen sind oder es waren, dafür junge, hungrige und frische Kräfte rein.

Veh hatte es öffentlich angekündigt, aber was helfen alle noch so guten Vorsätze, wenn die junge, hungrigen und frischen Kräfte dann doch nicht die Erwartungen des Trainers erfüllen? Wenn es keinen HSV-Erfolg gibt? Dann verfährt (und verfuhr) jeder HSV-Trainer doch lieber so: „Was stört mich mein Geschwätz von gestern . . .“ Dann werden eben doch die älteren, erfahrenen Kräfte gebracht, egal ob sie beim 100 oder nur bei 80 Prozent sind. Denn in der Öffentlichkeit wird auch jener (HSV-)Trainer zerrissen, der große Namen draußen lässt um dann mit den unbekannten Talenten zu verlieren. Da sind dann die Experten, die Fans und auch die Journalisten, das will ich gar nicht verhehlen, unerbittlich – dann hagelt es Kritik am Trainer.

So wie es einst Armin Veh gemacht (und angekündigt) hat, so gab es in der jüngeren Vergangenheit noch manchen HSV-Coach, dem auch irgendwann einmal die Hutschnur platzte – weil die Leistungen der Arrivierten nicht stimmten. Letztlich aber sind sie alle immer wieder zu ihren namhaften Spielern zurückgekehrt, was ganz offenbar das geringere Risiko ist.

Mit Blick auf diese EM bin ich sehr gespannt, ob Löw mit Schweinsteiger, Mertesacker, Götze und Klose mehr Glück haben wird. Wer meine Meinung dazu hören (oder lesen) will: ich glaube nicht, dass das alles gutgehen wird. Aber wenn „Scholle“ das jetzt liest, wird er wieder sauer sein – weil ich stets eher Pessimist als Optimist bin.

Nun bin ich für heute schon fast wieder am Ende. Sommerpause eben. Ich habe während meiner Abwesenheit in Hamburg etliche Zuschriften erhalten, die ich entweder beantworten muss, oder die ich zu einem Thema für „Matz ab“ machen kann, darauf werde ich morgen eingehen.

Eines muss ich noch aufklären: Beim letzten „Matz ab live“ hatte ich ja ein HSV-Trikot für denjenigen User ausgelobt, der am schnellsten errät, in welchem Trikot ich dort am Tisch saß. Zwei Leute hatten dann genau zur selben Minute erraten, aber einer hatte die Lösung „Hitzelsperger“ falsch geschrieben. Ich wollte mir etwas überlegen, doch dann hat „Wortspieler“ verzichtet. „Lorenzo vom Matterhorn“, der Gewinner, sollte (so er denn will) einmal Kontakt zum Moderatoren-Team aufnehmen, damit ich weiß, wohin das HSV-Trikot zu schicken ist. Es wäre auf jeden Fall sehr nett, wenn er es denn täte. Danke dafür schon einmal vorab.

19.14 Uhr

207 Reaktionen zu “Arnesen – nett, höflich und unverbindlich”

  1. Max_Merkel sagt:

    Nee , auch wenn es mein Schrankenwärter war, die Tour mit dem Fahrad, das ist schon eine beachtenswerte Leistung. Lieber Ju aus dem Quicky Land ;)

  2. Westerwald sagt:

    Ich weiss auch nicht wie Schlacke das macht… einen Arsh voll Schulden und super Transfers machen…..das geht mir nicht in die Birne !

  3. Max_Merkel sagt:

    100000 € Schulden sind tödlich.
    100000000 Millionen Schulden sind die beste Lebensversicherung :mrgreen:

  4. Max_Merkel sagt:

    Seit dem Eiche mault , wg. Der Mods, fehlt mir hier die Streitkultur :mrgreen:

  5. Gut-Fink sagt:

    Langer neuer Blog

  6. Barmbeker Jung sagt:

    @pietkunz 16.16 Uhr:
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    Erstmal herzlichen Dank für deine Mühen!
    Wirklich ganz Hervorragend!!!
    Ich denke,so wie du es beschrieben hast,müßte es eigentlich auch der letzte begriffen haben,das mit diesem HSV kein Staat mehr zu machen ist….
    Auch wirklich der “Letzte”???
    Nein natürlich nicht! Dylan und Konsorten kommen dann mit irgendwelchen lächerlichen abstrusen Denkmodellen um die Ecke…… Es sind und bleiben alles SC-Verblendete bzw. Jarchow-Jünger.. :lol:
    —-
    Das schlimmste ist jedoch,das diesem Pack nicht mal ein Bundesligaabstieg was ausmachen würde…..
    Das wird billigend in Kauf genommen,die Hauptsache ist und bleibt,nein nicht “Universalsportverein”,sondern Macht!Mitreden wollen die,sonst garnichts…..denen ist nur ihr eigenes Wohl wichtig……

  7. pietkunz sagt:

    Barmbeker Jung sagt:
    3. Juni 2012 um 18:13
    Danke, mien Barmbeker Jung – das ermutigt mich, meinen Kommentar hier nochmals reinzustellen. Und wenn Dieter uns immer und immer wieder und täglich umso hektischer “HSV KEINE KOHLE” im Zusammenhang mit dem Ex-Vorstand einimpfen will, darf ich mich ja wohl auch wiederholen…
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    pietkunz sagt:
    3. Juni 2012 um 16:16

    Jarchow ist mir gewiss nicht unsympathisch und bleibt im Interview auch dann standhaft sachlich, wenn Matz ihm gleich ein halbes Dutzend Mal die Mär der “drei rostigen Knöpfe” im verzweifelten Versuch suggeriert, dafür endlich seine langersehnte journalistische Bestätigung zu erhaschen…
    Aber auch das Interview machte deutlich, dass Jarchow über die Rolle eines Vereinsrepräsentanten überhaupt nicht hinauskommt.
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    Der HSV hat nach Satzungsänderung von 1999 allerdings einen VORSTANDSVORSITZENDEN – also eine Wirtschaftsfunktion, die dem Leitungsorgang eines Unternehmens vorsteht. Und dieses Leitungsorgan soll nach innen mit der Führung der Geschäfte betraut sein.
    Nach dieser zeit- und zweckgemäß durchgeführten Strukturveränderung war Hackmann als bisheriger Geschäftsführer der erste VV des HSV – mit der Vision und festen Absicht, im Jahre 2002 im Zeichen der Zeit infolge der wirtschaftlichen Größenordnung des Bundesliga-Fußballs den so genannten wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb abzutrennen. Neben den Bundesliga-Mannschaften der Männer UND Frauen sollten darin auch die Amateure, die Nachwuchskicker und die Zweite Frauenmannschaft eingegliedert werden – also alle Bereiche, die zum steuerpflichtigen wirtschaftlichen Geschäftsbetrieb gehörten, ohne den Status des Universalsportvereins aufzugeben. Es wurde dadurch eine Verbesserung der Handlungsfähigkeit in der Profi-Gesellschaft angestrebt. Insbesondere aber zusätzliche Einnahmequellen, im Anteilsverbund mit strategischen Partnern aus der Wirtschaft, sollten dadurch erschlossen und Investition in neue Geschäftsfelder durchgeführt werden. Man hatte vor 10 Jahren schon erkannt, dass angesichts der sprunghaften Entwicklung der Spielergehälter für Vereine neue Einnahmequellen überlebensnotwendig sind und zwingend erschlossen werden müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Hackmann`s Nachfolger Hoffmann hatte dieselben Visionen – und er wusste, dass ein Verein eine starke, unverwechselbare Marke kreieren und diese in der Wirtschaft attraktiv positionieren muss, um als Partner für Unternehmen und Sponsoren interessant zu werden. Kapitalbeschaffung lautete die Devise und der HSV wurde unter Hoffmann zum umsatzstärksten Club nach FC Bayern AG.
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    Das Bewusstsein für die Notwendigkeit, angesichts solcher Umsätze den Bundesligaverein betriebswirtschaftlich wie ein Unternehmen zu führen, scheint jetzt 13 Jahre nach genannter Strukturveränderung und nunmehr anderthalb Jahre unter Führung erzkonservativer SC-Traditionalisten bei den Funktionären und ihren gleichgemachten Medien wieder völlig abhanden gekommen zu sein. Wir dürfen einen Rückfall in längst vergangene Vereinsmeierzeiten erfahren.
    Man muss sich mal vor Augen halten, dass der neue HSV-SC für einen 15-prozentigen Umsatzverlust um 20 Mio. € steht !
    Der so wichtige Faktor der Kapitalbeschaffung beläuft sich nur noch auf jahrelange Verlängerung der Arena-Tilgung, Verzicht auf das Kündigungsrecht im Cateringvertrag, Reduzierung der Spielergehälter bereits um 30 %, Auflösung der Frauen-Bundesligatruppe (weil auch dort keine Vermarktungskonzepte in den Sinn kommen!), 15-prozentige Ensparungen in allen Abteilungen oder eben durch Spieler-Verkäufe, wobei ein Elia immerhin 9 Mio. einbringen konnte. UND TROTZDEM verzeichnet dieser HSV-SC im Geschäftsjahr einen Verlust von 6 Mio. Miese – also mehr noch als im Vorjahr mit Abgang des viel gescholtenen Vorgängers Hoffmann, bei dem man wenigstens noch von dem Nichtaufgehen einer offensiven Wirtschaftspolitik sprechen konnte. Fast anderthalb Jahre nach der Ära Hoffmann diesem aber noch die Schuld für die wachsenden Miese in die Schuhe zu schieben, grenzt schon an Peinlichkeit und Unverschämtheit und zeigt einmal mehr die schwachen unternehmerischen Fähigkeiten seiner Nachfolger auf, für die offenbar selbst Ratenzahlungsmodelle bei Spielertransfers ein Fremdwort waren. Bezeichnend auch, dass unvorhergesehene Erfolgsprämien aus Madrid, Manchester und Turin, die mehr Einnahmen einbrachten als ein Hilke bisher generieren konnte, verdutzt unter den Tisch fallengelassen und klammheimlich zur Kaschierung betriebswirtschaftlicher Schwächen in den Etat gestopft werden.
    Es ehrt den Vorstandsvorsitzenden Jarchow, dass die Sparkonzepte beim HSV dazu führen sollen, die Kosten für den Profikader von bisher 31 % auf einen Prozentsatz von 40-50 % des Gesamt-Umsatzes zu erhöhen, was bei anderen Bundesligisten längst der Fall ist. Dass er dabei völlig verkennt, dass bei einem stetig rapide sinkenden Umsatz folglich auch nicht mehr prozentuale Gelder zu erwarten sein dürften, macht die ganze Miserie in der Geschäftsgestaltung einmal mehr deutlich.
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    Wenn Jarchow sich nach althergebrachter Tradition nicht mehr als einen Vereinspräsidenten oder Vorstandssprecher wähnt, kann er meinetwegen getrost auf seinen Restvorstand verweisen und diesen in die Pflicht nehmen. Dies hat er bereits bei dem Sportvorstand Arnesen gemacht, der sich mit der Findung ablösefreier Spieler abmühen muss, darüber hinaus harten Zerreißproben ausgesetzt sieht, wenn allein bei einem an sich ablösefreien Nationaltorwart erst mal monatelang über die Zustimmung dessen eigentlich marktwertüblichen Gehalts beraten werden muss.
    Dann gibt es dort eben noch den Marketingvorstand Hilke, der für die betriebswirtschaftlichen Verhältnisse mit verantwortlich ist. Aber was hat dieser Hilke zwischen zu großen Fußstapfen eines Vermarktungsprofis Hoffmanns und den traditionalistischen Vorgaben der SC-Führung bewegen können – zwei läppische Sponsorenverträge mit unbekannten Ausstattungs-Unternehmen aus Südkorea konnten im anfänglichen Son-Hype an Land gezogen und unverhältnismäßig medienwirksam präsentiert werden. Dann tauchte Hilke einmal auf, als “S5″ die Verlängerung des bereits seit 2006 bestehenden Vertrages mit Hauptsponsor Fly-Emirates durchgeführt hatte – Fragen, warum dieser Vertrag unzeitgemäß bloß zu nahezu gleichen Bezügen und auch noch mit unflexibler ellenlanger Laufzeit-Bindung abgeschlossen wurde, schienen anlässlich der stolzen Präsentation nicht angebracht.
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    In diesem Zusammenhang hätte ich mir Fragen an Jarchow gewünscht, in welchem Verhältnis der HSV noch zum Vermarktungspartner “S5″ steht. Dieser hatte vereinbarungsgemäß dem früheren Vorstandsduo Hoffmann/Kraus große Handlungsspielräume eingeräumt, die diese im Vermarktungsbereich sehr erfolgreich umsetzten. Bei mir entsteht der Eindruck, dass dieses Vakuum bisher weder von Hilke noch von “S5″ ausgefüllt wird. Entweder schuldet dies einer gewissen Phantasielosigkeit oder aber gar den Machteinfluss der neu gewählten Traditionalisten, die bekanntlich Vermarktungskonzepten grundlegend ablehnend gegenüberstehen. Offenbar wendet sich selbst “S5″ bereits von den “Vereinsgeschicken” des HSV resignierend ab – wie auch bedauerlicherweise sämtliche Unternehmen im wirtschaftsträchtigen Umfeld Hamburgs, die längst erkannt haben dürften, dass dieser HSV-SC um`s Verrecken nicht bereit ist, irgendwas oder gar anteilsmäßig von sich oder seiner Marke abzugeben.
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    Wie dieser HSV-SC um seinen Vorstandsrepräsentanten und -sprecher Jarchow künftig außerhalb seiner starren Sparkurse notwendige neue Einnahmequellen erschließen und wettbewerbsfährig bleiben will, ist mir genauso schleierhaft wie Dieter`s Prognose, der Aufschwung bliebe “keine Utopie”…
    Selbst Schalke, unter der Führung Tönnies als Pleiteverein übernommen, ist trotz der Schuldenlast dem finanziell gesunden HSV unternehmerisch und wirtschaftlich derzeit uneinholbar überlegen.
    Die Einfältigkeit dieser HSV-Führung wird wohl darauf hinauslaufen, zusätzliche Kapitalbeschaffung künftig aus dem Verkauf gut entwickelter Spieler zu schöpfen. Damit hatte zwar auch der frühere Vorstand Erfolg – aber im Gegensatz zur jetzigen Führung stand dahinter die Vision, in absehbaren Zeiten gute/teure Spieler auch mal selbst halten und finanzieren zu können, erforderlichenfalls auch unter Beteiligung von Investor-/Sponsoringpartnern. Insofern machen es sich blindwütige Hoffmann-Hasser einfach mit unbelegbaren Behauptungen, dieser habe Arnesen falsche Versprechungen vorgegaukelt – niemand weiß, welche wirtschaftlichen Konzepte er weiter verfolgte, ehe es zu diesem putschartigen Führungswechsel kam.
    Vielleicht hat die neue Führung ja das Glück, dass der einst verpönte Kühne selbstlos mit HSV-Herz doch noch die zweistelligen Millionenbeträge für Transfers in die Kasse spult, ohne dafür eine von SC-Seite höchst gefürchtete nennenswerte Gegenleistung zu fordern. Das Lechzen danach ist bei diesen wirtschaftlich limitierten Funktionären jedenfalls genauso unverkennbar wie die narzisstische Panik, jegliche Mittel oder Anteile ihres Vereins oder dessen Marke zweckgebunden auch mal an andere abzutreten…