Monatsarchiv für Juni 2012

Vom “Über-Jogi” zum Sündenbock

30. Juni 2012

Im Nachhinein ist man immer schlauer. Heißt es im Volksmund. Ist wohl auch was dran. Aber ich kann mich erinnern, dass wir im Kollegenkreis so gut wie fassungslos waren, als wir am Donnerstag von der deutschen Aufstellung für das Italien-Länderspiel erfahren hatten. Und ich bin mir sicher, dass wenn der Bundestrainer seine 20 Millionen „Kollegen“ im Lande gefragt hätte, dass er mindestens zehn Millionen Einsprüche gegen diese Elf geerntet hätte. Wenn nicht noch viele, viele mehr. Nun gut, es ist jetzt ohnehin nicht mehr zu ändern, aber was nun im „Nachhinein“ auf „Jogi“ Löw einprasselt, das hätte ich nicht vermutet. Vor dem Halbfinale wurde er in ganz Deutschland als „Über-Jogi“ gefeiert – und nun hat er mit einem Spiel plötzlich soooooo viele Gegner gewonnen. Eine höchst zweifelhafte „Ehre“. Und wer da nicht alles was zu sagen hat. Ballack, Thon, Schumacher und, und, und. Besonders die ehemaligen Nationalspieler äußern sich ja jetzt sehr, sehr kritisch. Bin gespannt, wann in diese „Hetze“ auch noch der eine oder andere Bundesliga-Trainer mit einsteigen wird.

Mein Freund Klaus ist ja einer von den 20 Millionen Bundestrainern hierzulande. Er sagte mir heute am Telefon: „Ich würde jetzt Matthias Sammer als Bundestrainer bringen. Bei dem wären solche Fehler ganz sicher nicht vorgekommen.“
Mag ja sein, aber dafür passieren dem dann eben andere Fehler. Wer ist schon fehlerfrei? Ein Bundestrainer sicher nicht. In Deutschland gab es jedenfalls noch keinen fehlerfreien Bundestrainer. Um noch einmal kurz meine Meinung in Sachen Italien-Aufstellung einfließen zu lassen: Podolski, Gomez und Kroos hätten bei mir nicht gespielt. Und wenn man ganz, ganz ehrlich ist, dann gehörte auch Schweinsteiger nicht mehr in diese Mannschaft, denn der war bei dieser EM nie bei 100 Prozent. Zu keiner Phase.

Irgendein schlauer Mensch hat kürzlich, weit vor dem Italien-Spiel, zu mir gesagt: „Der hat nach seiner langen und schweren Verletzung beim FC Bayern viel zu früh wieder angefangen. Der sollte gegen diese verdammten zweiten Plätze ankämpfen, aber das ist ja bekanntlich gescheitert. Damit jedoch ist er verheizt worden, sodass er bei dieser EM nur mit höchsten 60 Prozent dabei war.“

Kann ja sein. Eventuell waren bei Schweinsteiger aber auch ganz besonders die drei zweiten Plätze des FC Bayern zu spüren, bei ihm haben sie eventuell doch mehr Wirkung gezeigt, als er, als der DFB und als „Jogi“ Löw zugeben wollen. Natürlich gehört Schweinsteiger in die deutsche Nationalmannschaft, natürlich gehört er auch zu den festen Größen des europäischen Fußballs, aber man muss eben auch mal „nein“ sagen können. Schweinsteiger selbst aber sagte vor dem Italien-Spiel: „Ich bin fit.“ Wie bitte? Durch einen Crash-Kurs? Er mag schmerzfrei gewesen sein, aber ganz sicher nicht fit. Und ich bin gespannt, wie lange es in der kommenden Saison dauern wird, bis der „Schweini“ wirklich wieder zu hundert Prozent fit ist. Aber wenn es ein solches Vertrauensverhältnis zwischen Spieler und Bundestrainer gibt, wie es offensichtlich der Fall ist, dann hätte Löw seinem Star vielleicht in einem Vier-Augen-Gespräch klar machen müssen, dass es für die Mannschaft diesmal besser ist, ohne ihn . . .

Aber das ist vielleicht auch ein wenig zu viel verlangt. Und warum bei Schweinsteiger anfangen, wenn schon Podolski und Gomez „mittun“ dürfen? Ich wurde ja bei „Matz ab“ ausgelacht, als ich kürzlich schrieb, dass mir der FC Arsenal Leid täte. Weil die Engländer einen Mann gekauft haben, der seine Zukunft schon hinter sich hat. Da bin ich auch mal gespannt, wie sich das so auf der Insel entwickelt. Sehr, sehr, sehr gespannt sogar. Ich habe das Gefühl, dass Podolski unter die Denker gegangen ist. Er denkt zu viel über sein Spiel nach, statt wie früher unbekümmert den direkten Weg zum Tor zu suchen. Ich jedenfalls war total entsetzt über diese EM-Vorstellung des Kölners, besonders natürlich über diese 45 Minuten gegen Italien. Außer einem Foul von ihm habe ich nichts gesehen.

Nun gut, jetzt bin ich auch noch einmal mittendrin statt nur dabei. Interessant fand ich, was ZDF-Experte Oliver Kahn (43), Vize-Weltmeister von 2002 und dreimaliger „Welttorhüter des Jahres“, im Gespräch mit Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein zum deutschen Scheitern im EM-Halbfinale gesagt hat. Da war nämlich enorm viel Kluges und Wahres dabei:

„Was ich in den letzten Jahren beobachtet habe, ist so ein bisschen das Verleugnen ganz wichtiger, ganz zentraler Tugenden und Werte, die den deutschen Fußball früher ausgemacht haben – Grundeinstellungen wie Zweikampfhärte, Wille, Leidenschaft, Einsatz. All das hat bei der deutschen Mannschaft diesmal gefehlt. Wir tun so seit einer gewissen Zeit, ca. seit 2006, als bräuchten wir all diese Tugenden nicht mehr, als könnten wir alles immer ganz leicht, spielerisch lösen. Man hat gerade in diesem Spiel gesehen, wie wichtig diese Dinge sind. Eine dieser Tugenden heißt: Verantwortung übernehmen. Wenn es 0:1 oder 0:2 steht, wo ist dann der Spieler, der Verantwortung für das Team übernimmt…?“

Oliver Kahn sagte auch:

„Es ist oft von den ‚flachen Hierarchien’ im deutschen Fußball die Rede. Der Nachteil dabei ist, dass die Spieler nicht zur Verantwortung erzogen werden. Und genau das hat in diesem Spiel letztlich gefehlt. Wir sollten uns auf die alten Tugenden besinnen, die den deutschen Fußball groß gemacht haben. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, wie wir die modernen Facetten des Fußball, die Spielphilosophie mit den alten deutschen Tugenden verbinden können.“

Und dann gab es noch eine kleine Kritik an Löw:

„Diesmal hat das Konzept, das der Bundestrainer sich ausgedacht hat, alles andere als funktioniert. Man hat gemerkt, dass die Mannschaft in diesem taktischen System noch nie zusammengespielt hat. Kroos hatte die Aufgabe, Pirlo fast schon in Manndeckung auszuschalten. Das hat dazu geführt, dass sich Özil und Kroos fast immer auf den Füßen gestanden haben. Özil hat auch versucht, das Zentrum zu besetzen. Damit waren zwei in der Mitte, und die ganze rechte Seite blieb dann praktisch frei.“

Dabei waren dem früheren Welttorhüter auch folgende Dinge nicht verborgen geblieben:

„Wenn dann noch solche Fehler im Defensivbereich gemacht werden, eigentlich einfache, unverständliche Fehler, Konzentrationsfehler, dann muss man sich nicht wundern, wenn man gegen so eine hoch motivierte Mannschaft wie die Italiener rausfliegt. Fußball ist ja zunächst einmal ein Fehlervermeidungsspiel. Es geht darum – gerade auf diesem Niveau – so wenig Fehler wie möglich zu machen. Wenn Du natürlich solche Klopse machst wie die deutsche Mannschaft im Defensivbereich, die Italiener geradezu dazu einlädst, die Tore zu erzielen, dann wird es natürlich sehr schwierig.“

Alles war recht ist, aber da hat Kahn schon viel Wahres gesagt. Ich habe ja auch bei „Matz ab live“ unseren Gast Lotto King Karl gefragt, ob Deutschland nicht auch der eine oder andere „harte Hund“ (einer wie der Spanier Ramos, wie van Bommel bei den Niederländern) fehlt? Mein Kollegen „Scholle“ hat mich ausgelacht, als ich meine Bedenken über unsere Innenverteidigung äußerte. Badstuber und Hummels wollen Fußball spielen. Deutschland war und ist stolz darauf, nur noch ganz wenige Fouls zu begehen – aber was nützt einem ein Fairness-Preis, wenn man die großen Titel nicht gewinnt? Balotelli ist eine richtige Kante, der zur Not auch durch Betonwände marschiert – mit dem Kopf voran. „Scholle“ aber sagte zu mir: „Ach was, der Balotelli ist doch auch kein Überflieger, der hat doch keine überragende Saison gespielt. Nein, nein, den legen die Deutschen schon an die Kette . . .“

Wie Kahn schon sagte: deutsche Tugenden. Ich weiß, ich weiß, keiner kann das mehr hören. Aber fehlt uns nicht so einer wie der frühere Stuttgarter „Eisenfuß“ Karlheinz Förster? Oder Jürgen Kohler? Oder ein Willi Schulz? Von dem hieß es stets: „Wer an Schulz vorbeikommt, hat selber schuld.“ So richtige „Hacker“ gibt es doch heute gar nicht mehr. Einen „Treter“, der schon beim Auflaufen die Ellenbogen ausfährt. Der einem Angst und Schrecken einjagt, wenn man ihn nur sieht. Die deutschen Abwehrspieler wollen „nur spielen“. Um keine Freistöße in Tornähe zuzulassen. Mag ja sein, dass so etwas auch ganz gut ist, aber einen Balotelli bekommt man nur zufassen, in dem man ihm auch mal die Kante gibt. Ohne unfair zu sein – einfach nur mit gesunder Härte. Spanien hat diesen Ramos, und der wird dem Balotelli schon zeigen, wo Bartel den Most holt.

Und so sehr ich es auch begrüße, dass in Fußball-Deutschland den jungen Leuten, sogar den ganz jungen Leuten das Fußball „spielen“ beigebracht wird – es dürfte auch schon der eine oder andere Hauch von Härte vermittelt werden. Heute sind die jungen Fußballer, die kurz vor den Bundesligen stehen, alle super und großartig mit viel, viel Technik ausgebildet, aber einen Schuss sollte irgendwann doch auch mal wieder ein Thema werden. Die Mischung macht’s.

Um noch einmal kurz auf Oliver Kahn zurückzukommen: Er war trotz allem nur zweiter Sieger bei dieser EM, denn sein frühere Kollege Mehmet Scholl, der war bei der ARD der große Gewinner dieser EM. Trotz des „Wundlegens“ mit Gomez. Was Scholl alles während dieser Meisterschaft an fußballerischen Weisheiten verkündete, wie er fußballerische Feinheiten aufklärte und erklärte, das war erste Sahne. Der Mann hat es drauf, und ich kann dem großen Trapattoni nur beipflichten: „Scholl wird mal ein großer Trainer.“

Und wo ich gerade bei Irland (Trapattoni) bin. Die Uefa wird den „irländischen“ Fans (würde Rudi Völler sagen, ich kann es mir nicht verkneifen!) einen Sonderpreis verleihen – weil diese Anhänger während der EM-Tage so positiv aufgefallen sind. Die haben gesungen, geschunkelt, gefeiert – obwohl die Iren nur verloren haben. Irlands Ikone Roy Keane waren die grünen Partys nach Niederlagen allerdings ein großer Dorn im Auge. Er sagte während der EM: „Ich denke, die Spieler und Fans müssen ihre Mentalität ändern. Lasst uns nicht gegenseitig verarschen, die Anhänger wollen ihr Team gewinnen sehen. Wir sind ein kleines Land, aber lasst uns hin und wieder nicht nur mit dem Rumgesinge zufrieden geben.“ Was der ehemalige Kapitän der irischen Nationalmannschaft jetzt wohl sagt, dass Irland nun noch einen Preis für das Rumgesinge erhält. Wird Keane eventuell am Fußball generell zweifeln? Vielleicht. Ich aber habe mir damals schon gedacht: Jetzt dürfen die Fans schon nicht mal mehr singen, schunkeln und feiern. Sind zuschlagende Krawall-Brüder denn doch erwünschter? Oder wie kann man sich den idealen Zuschauer denn „schnitzen“? Schlagen sollen sie nicht, singen, schunkeln und feiern sollen sie auch nicht – eines Tages, da bin ich mir sicher, werden wir schon noch den „idealen Fan“ haben. Ob ich das allerdings noch erlebe, das bezweifle ich doch stark.

So, ansonsten bin ich froh, dass wir morgen den letzten EM-Tag vor uns haben. Nicht wegen der EM an sich, nein (es hat doch viel Spaß gebracht), sondern deswegen, weil einen Tag später der HSV in die neue Saison starten wird. Herrlich. Wunderschön. Endlich. Die Bundesliga hat uns wieder. Natürlich nicht gleich und sofort, aber den Hauch davon erleben wir auf jeden Fall schon mal. Und wenn dann noch der eine oder andere neue Spieler nach Hamburg kommen wird, dann sieht die ganz Geschichte ja auch schon wieder viel freundlicher (für den HSV und seinen Anhang) aus.

Zur Erinnerung: Morgen, nach dem EM-Finale zwischen Spanien und Italien, ist „Matz ab live“ wieder in Schnelsen und damit im „Champs“ zu Gast, und wir haben zwei besonders tolle Gäste: HSV-Kapitän Heiko Westermann und HSV-Heimkehrer Maximilian Beister. Ich freue mich – auch auf euch, wenn ihr wieder dabei seid. Ansonsten muss ich zugeben, dass ich gesundheitlich ein wenig schwächele – Magen-und-Darm-Grippe, aber volle Delle, den ganzen Tag im Bett. Und wir hatten so viel Sonne heute. Aber das sind wohl Nachwirkungen des deutschen EM-Aus . . .

Ein schönes Wochenende für alle “Matz-abber”

19.05 Uhr

Nach der EM ist vor dem HSV! Und: Beister und Westermann kommen zu “Matz ab live”

29. Juni 2012

Das ist mal n mächtiger Kater. Und den habe ich, obwohl ich gestern Abend wie immer nur Hefe alkoholfrei getrunken habe. Und trotzdem schmerzt dieser Kater mehr als nach ’nem Abend in der russischen Kaserne – denn dieser Kater hat einen sportlichen Hintergrund. Wie immer nach Deutschland-Niederlagen bei großen Turnieren ist für mich der Tag danach der schlimmste im Turnier. Der allerschlimmste…. Zumal dann, wenn sich eine Mannschaft selbst schlägt, wie wir es gestern gemacht haben. Ein kurzer Rückblick sei erlaubt….

Das ging schon bei der Nationalhymne los. Mein Freund Carsten Wittiber sagte da schon: „Guck dir mal den Buffon an! Wie der das Lied voller Inbrunst brüllt! Da wird einem doch schon klar, dass wir nicht gewinnen. Unsere Deutschen sind still, die singen gar nicht mit. Da ist gar keine Spannung. Und die Italiener brüllen ihre Nationalhymne.“ Sein Paradebeispiel blieb Buffon, der quasi aus Polen bis nach Rom zu schreien schien: „Seht her, ich mache das für Italien.“ Aber okay, ich bin kein Nationalist und es sollte jedem selbst überlassen sein, wie er mit seiner Herkunft umgeht. Aber es war zumindest ein erstes kleines Indiz in dem Spiel.

Wobei das mit dem „erstes“ nicht ganz richtig ist. Das erste Indiz für unsere Niederlage war natürlich die kuriose Aufstellung. Da geht der ach so selbstbewusste Topfavorit plötzlich vor Italien auf die Knie und stellt um. Defensiv wohlgemerkt. Kroos gegen Pirlo und Boateng, der offensiv vielleicht der harmloseste Deutsche ist (selbst Neuers Vorstöße versprühten mehr Gefahr…) war auf rechts fast immer allein. Dabei hatten Marco Reus, Andre Schürrle und auch Klose zuvor angedeutet, dass sie offensiv belebend sind. Klose zu bringen war richtig – aber dafür Gomez rauszunehmen falsch. Plötzlich war nicht mehr Gomez allein gegen drei, sondern Klose – spätestens da wussten die Italiener, dass diesen Deutschen zu viel Respekt vor ihrer Routine haben

So viel zum Kater, so viel zum Ärger über das Spiel, das als eine der unnötigsten Niederlagen meiner noch jungen EM-Geschichte hängenbleiben wird. Aber, um noch mal einen fürs Phrasenschwein rauszuholen: Nach der EM ist vor dem HSV.

Das wäre es zwar mit einer Finalteilnahme am Sonntag auch unmittelbar gewesen, aber okay. Wir haben in Hamburg größere Baustellen als die in der Deutschen Nationalelf. Vor allem haben wir ein paar mehr. Und es geht am Montag schon los. Trainingsauftakt ist um 15 Uhr an der Imtech-Arena. Dabei werden wir René Adler erstmals sehen, ebenso wie Artjoms Rudnevs. Beide Spieler muss ich sagen, machen auf mich einen guten, einen kernigen Eindruck. Adler, weil er trotz seiner jungen 27 Jahre schon als erfahrener Spieler durchgeht und mir bei unseren Telefonaten zuletzt imponiert hat. Der ehemalige Nationaltorhüter scheint jemand zu sein, der zu dem steht, was er sagt, macht und entscheidet. Beispiel: In Interviews, gerade wenn sie so lang sind wie das mit ihm, werden normalerweise anschließend bei der Autorisierung immer noch mal Änderungen vom Interviewten vorgenommen. Das ist nicht ungewöhnlich, das ist normal.

Anders bei Adler.

Wenn er etwas ändern wollte, dann lediglich in der Formulierung – nicht aber im Kontext. „Ich weiß, was ich sage und schweige lieber, als irgendwas Falsches zu sagen. Und wenn ich mal was Falsches sage, stehe ich dazu.“ Klingt gut.

Über Rudnevs weiß ich noch nichts persönlich, ich habe ihn noch nicht sprechen können. Aber ich habe mich mit verschiedenen Leuten über ihn unterhalten. Und das ausschließlich positiv. Überall, selbst bei denen, die es tendenziell nicht so gut mit dem HSV meinen, gilt Rudnevs als großes Talent. Sollte sich das ebenso bestätigen, wie die charakterliche Beschreibung von Frank Arnesen („Artjoms steht zu 100 Prozent hinter seiner Entscheidung, zum HSV zu kommen. Er will hier unbedingt was bewegen“), dann dürfen wir uns auf einen Typen freuen, der uns vielleicht ebenso viel Freude macht wie einst Olic.

Viel Freude erwarte ich auch von Maximilian Beister. Der Junge hat schon in Düsseldorf gezeigt, was er kann. Er hat Tempo, den Zug zum Tor, und er ist frech. Er traut sich was. Ergo: Maxi spielt das, was uns gestern gegen Italien fehlte.

Dass seine Leistungen in der Zweiten Liga nicht sofort 1:1 in der Ersten Liga umzusetzen sind, ist klar. Das soll und darf auch niemand erwarten. Aber ich glaube, dass allein schon die Mentalität von Maxi ein Qualitätsmerkmal ist, das uns berechtigt hoffen lässt. „Für mich folgt der nächste Schritt“, sagt Beister, „und das wird ein großer. Ich weiß, dass es schwerer wird. Ich weiß aber auch, dass ich mich durchsetzen werde.“ Gut so. So soll es sein. Mutig nach vorn gedacht. Und wenn es mal hakt – dann wird trainiert. Plötzlich auf der Bank zu sitzen bedeutet eben nicht sofort, dass man es nicht kann. Das wissen wir seit gestern auch von Schweini, der angeblich keine Probleme gehabt hätte, auch mal auf der Bank zu sitzen (warum sagt er es erst nach dem Ausscheiden?). Obwohl er vorher bei seiner Pressekonferenz betont hatte, „ich bin 100-prozentig fit“… Na gut, ich schweife wieder in die Vergangenheit ab und ärgere mich.

Dabei ist der Blick nach vorn sehr wohl spannend. Zum einen, weil wir am Sonntag, am letzten Tag vor dem Saisonauftakt des HSV, den HSV-Kapitän Heiko Westermann im Anschluss an das Finale bei „Matz ab live“ im Champs begrüßen dürfen. Zum anderen, weil das noch nicht alles ist. Auch Maximilian Beister wird kommen und somit seinen ersten öffentlichen Auftritt in Hamburg feiern. Bei uns im Blog! Ich freue mich auf zwei sehr interessante Gäste, mit denen wir über das Finale, über das Auftreten der Deutschen und natürlich viel über die bevorstehende HSV-Saison sprechen werden.

Zum anderen ist der Blick nach vorn spannend, weil es beim HSV noch eine Latte Personalien zu klären gibt. Was wird aus Jaroslav Drobny? Was passiert bei Paolo Guerrero, der intern einen sportlich hohen Stellenwert genießt aber schlichtweg im Gehalt zu teuer ist? Nach dem SSC Neapel soll jetzt auch Valencia Interesse haben. Dazu Espanyol Barcelona, die sich allerdings ob eigener Finanzprobleme vorerst aus dem Rennen verabschiedet haben dürften.

Es sind noch mehr Namen zu nennen, allerdings wurde das hier schon x-fach geschrieben. Und da es tatsächlich keine Bewegung gibt, belasse ich es bei diesen paar Zeilen darüber.

Wobei, am Ende möchte ich dann doch noch mal zwei große Komplimente loswerden. Das erste noch mal rückwirkend an den begeisternden Fußball, den die Deutschen exklusive Halbfinale gespielt haben. In der Qualifikation haben sie komplett überzeugt, Portugal, Holland, Dänemark und Griechenland waren chancenlos. Und das mit der jüngsten Truppe des Turniers – das lässt einiges erhoffen für 2014. Und, wer sieht es nicht auch so? Weltmeister werden ist noch ne Ecke geiler als Europameister…

Und mein zweites Kompliment geht an Lotto King Karl. Der Mann ist als Gesprächsgast nicht nur eine Bank, er ist auch wohltuend ausgeglichen in seinen Analysen. Dass unser Stadionsprecher und HSV-Hymnen-Sänger zudem ein Pfundskerl ist, wissen seit gestern auch die 500 Gäste im Champs. Okay, nicht alle. Aber sicher ein ganz großer Teil, denn Lotto musste gestern nicht nur etliche Autogramme schreiben und Fotos machen – er unterhielt sich auch extrem geduldig mit jedem Gast, der ihn etwas fragte. Und das nicht oberflächlich, wie man es von dem einen oder anderen Sternchen gewohnt ist. Nein, Lotto hört zu, er fragt seinen Gegenüber, antwortet ausführlich und vermittelt seinen Gesprächspartnern das Gefühl, sehr persönlich zu sein. Im positiven Sinne. Wahrscheinlich passen er und Dieter deshalb so gut zusammen – privat wie in der Sendung. Obwohl sie beide noch eine gemeinsame Leidenschaft zu BU verbindet. Denn während Dieter dort seine Hochzeit als Fußballer verlebte, wurde Lotto stets von seinem Vater mit ins kleine, traditionsreiche Stadion von Barmbek-Uhlenhorst geschleppt. Seither lieben beide den Klub. Allerdings nicht ganz so sehr wie den HSV…

In diesem Sinne, nach der EM ist vor dem HSV. Und der wird uns in den nächsten Wochen auf Trab halten. Wie? Darüber werden wir am Sonntag 15 Minuten nach Spielschluss des Finales mit Heiko Westermann und Maximilian Beister sprechen. Live im Champs – live hier im Blog. Und vor allem: mit einem Hinweis, in welchem Blog ihr die Fragen stellen könnt, die ich dann versuchen werde, an die beiden Gäste weiterzuleiten…! Versprochen!

Bis morgen! Dann wieder mit Dieter. Wir sehen/hören uns am Sonntag!

Scholle

Matz ab live zum EM-Aus gegen Italien

28. Juni 2012

Petric soll zum FC Fulham wechseln

28. Juni 2012

Also doch! Der Sport-Informations-Dienst meldet heute:

„Stürmer Mladen Petric vom Fußball-Bundesligisten Hamburger SV steht nach englischen Medienberichten vor einem Wechsel zum FC Fulham nach London. Der Vertrag des 31-Jährigen bei den Hanseaten läuft am Samstag aus und wird nicht verlängert. Coach beim Premier-League-Klub ist der Niederländer Martin Jol, unter dem Petric in der Saison 2008/2009 bei den Norddeutschen trainierte.“

Ich habe es vor Wochen schon geahnt – und hier geschrieben, zumindest den vagen Verdacht geäußert. Damals war der Bruder von Martin Jol, „Cock“ Jol, beim HSV-Training im Volkspark. Und er begrüßte Mladen Petric zwar sehr nett, aber eben auch ein wenig zu cool – wie ich fand (ich stand zufällig daneben). Deswegen schrieb ich, dass ich mir einen Wechsel des hSV-Torjägers zum FC Fulham durchaus vorstellen könne. Fast schon ein Treffer! Und es wird wohl auch einer. Da kann man Petric nur beglückwünschen. Bin aber trotz allem sehr gespannt darauf, wie er sich dem schnellen Spiel in England anpassen wird. Aber das wird man sehen – England ist ja nicht aus der Welt.

(um 17.31 Uhr ergänzt: Petric wird zum FC Fulham wechseln, das soll am Abend noch perfekt gemacht werden.)

Bei der Gelegenheit: „Cock“ Jol hatte mir damals verraten, dass sein Bruder gerne Marcell Jansen bei sich sehen würde. Also auch beim FC Fulham. Das aber würde daran scheitern, dass der HSV erstens Jansen nicht gehen lassen will, und zweitens eventuell auch nur den Preis in die Höhe treiben möchte. Nun steht Jansen ja inzwischen vor der Vertragsverlängerung, es soll ja auch alles perfekt sein – nur die Unterschriften fehlen noch. Weil einige maßgebliche Herren noch im Urlaub weilen. Aber mal abwarten, wie lange sich das noch hinzieht.

So, noch ist ja EM. Und ich warte immer noch auf den „Maulwurf“. Vor dem Viertelfinale gegen Griechenland war jetzt um diese Zeit schon lange die Aufstellung „draußen“. Und jetzt immer noch nicht. Das „Tierchen“ lässt jetzt schon nach. Nun gut, es ist ja auch noch ein wenig Zeit bis zum Anpfiff.

Vorher gibt es aber noch einen dapd-Bericht über einen wohl ziemlich schwer enttäuschten Dr. Theo Zwanziger. Der Mann, wer weiß es noch, stand einst an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes. Motto: „Ich werde immer ein Kämpfer für den Amateurfußball bleiben.“ Das haben alle Amateur-Klubs auch gemerkt. Und nun meldet sich Zwanziger wieder einmal zu Wort:

Theo Zwanziger hat kurz vor dem Ende der Fußball-Europameisterschaft öffentlich nochmals die Menschenrechtsverletzungen in der Ukraine angeprangert und auch versteckte Kritik an der Spitze des deutschen Fußball-Bundes (DFB) geübt. „Ich bin nicht mehr Delegationsleiter der deutschen Mannschaft und habe deswegen keine Verpflichtung, Spiele in der Ukraine zu besuchen. Sport und Politik sind kein Gegeneinander, sondern sie müssen sich wechselseitig unterstützen“, sagte der ehemalige DFB-Präsident in einem Interview des Fachmagazins „Kicker“.

Zwanziger wird auf einen Besuch des Finales am Sonntag verzichten – auch bei einer Beteiligung Deutschlands, das am Donnerstag in Warschau gegen Italien im Halbfinale spielte. Am Freitag reist der 67-Jährige zur Exekutiv-Sitzung der UEFA nach Kiew und am Samstag zurück nach Deutschland.

Der Jurist, Mitglied im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union (UEFA), stieß damit im Sport die heftige Kritik an der Staatsführung mit Präsident Wiktor Janukowitsch öffentlich erneut an. Vor dem Turnierstart hatten bereits Bundestrainer Joachim Löw und Mannschaftskapitän Philipp Lahm öffentlich den Umgang mit der ehemaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko kritisiert, die in Charkiw eine siebenjährige Gefängnisstrafe verbüßen muss.

Zwanziger hielt seinem Nachfolger Niersbach, der seit dem 2. März an der DFB-Spitze steht, versteckt inkonsequentes Handeln vor. „Wolfgang Niersbach hat im Mai vollkommen zurecht gesagt, dass die Euro auch die Chance bietet, Missstände in der Ukraine anzuprangern. Dann muss man es aber auch tun, wenn man dort ist“, sagte der Jurist zur Diskussion, ob man die EM überhaupt in einem solchen politischen System überhaupt austragen hätte dürfen. „Aber was ist passiert? Die Euro ist ein großes Spektakel. Der ukrainische Staatspräsident wird überall hofiert auf der Ehrentribüne. Ich frage mich: Was denken in einer solchen Situation die Minderheiten, die Betroffenen des Regimes, die außerhalb des Fußballs stehen?“, sagte Zwanziger.

Zwanziger rief dazu auf, im Fußball mehr Flagge zu zeigen und nicht nur in sportbezogenen Kategorien zu denken. „Wir Fußballer können … die aktuellen Verhältnisse in der Ukraine nicht umkrempeln, aber wir sollten schon ein bisschen Mut haben und darauf hinweisen“, sagte er.

Reden ist Silber, Schweigen ist Gold. Zwanziger hätte besser geschwiegen. Aber gut, es ist nun einmal passiert.
Und dann gibt es noch, weil es ja irgendwie auch unsere „Schublade“ betrifft, diesen Bericht von dapd über ein besonders EM-Gezwitscher:

Was Spieler und Prominente über die Fußball-EM auf Twitter und Facebook schreiben
Ein Großteil der Spieler bei der Fußball-EM ist bei sozialen Netzwerken und beim Kurznachrichtendienst Twitter aktiv. Die Trainer gehen unterschiedlich tolerant mit dem Thema um. dapd verfolgt die Tweets der Spieler und ihre Facebook-Accounts und fasst die Ergebnisse täglich zusammen.

GUTE STIMMUNG: „Die Vorfreude auf das Halbfinale gegen Italien ist riesig. Wir sind gut drauf und die Stimmung in der Truppe ist ausgezeichnet. Das ganze Team ist heiß auf das Spiel.“ Via Facebook lässt der Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Philipp Lahm, die Fans teilhaben an der Atmosphäre im Team. Nach vier Siegen aus vier Spielen nur allzu verständlich.
( http://url.dapd.de/opT3BG )

PUBLIC VIEWING: Jürgen Klinsmann entpuppt sich als Fan des Public Viewing. „Ich habe das Spiel auf der Fanmeile in Warschau geguckt. Gratulation an Spanien zum Erreichen des Finales“, twitterte der aktuelle Nationaltrainer der USA. Das Beweisfoto lieferte er direkt mit.
( http://url.dapd.de/qWZjEV )

ERINNERUNG: Vor dem Halbfinale erinnert Oliver Pocher an das schmerzhafte Halbfinal-Aus bei der Weltmeisterschaft 2006 im eigene Land. Als den „schlimmsten Tag 2006!!!!“ bezeichnete er den Moment der Niederlage. Auch einige aktuelle Nationalspieler waren damals schon dabei und werden vor dem Halbfinale gewarnt sein.
( http://url.dapd.de/WjMZ2J )

ÜBERRASCHUNG: Michael Owen räumt Italien vor dem Halbfinale gegen Deutschland gute Chancen ein. „Ich denke Italien kann morgen für eine Überraschung sorgen“, twitterte er am Abend vor dem Halbfinale. Es bleibt zu hoffen, dass seine Vorhersage nicht eintritt.
( http://url.dapd.de/PCjWlM )

VAMOS: Die Freude der Spanier nach dem Halbfinalsieg gegen Portugal ist verständlicherweise groß. Noch aus der Kabine kamen die ersten Grüße an die Fangemeinde. „Was für eine Freude!! Wir sind im Finale! Dieses Team ist großartig. Danke!“ schrieb Andres Iniesta via Twitter und fügte gleich ein Bild mit lachenden Spaniern hinzu.
( http://url.dapd.de/hI2Wh9 )

URLAUB: Nach dem enttäuschenden Ausscheiden der Engländer weilt Wayne Rooney mit seiner Freundin inzwischen schon im Urlaub. „Ich und Coleen sind beim Abendessen in Los Angeles. Zeit zum Entspannen.“
( http://url.dapd.de/3ysNFi )

ANFEUERUNG: Englands ausgemusterter Superstar Rio Ferdinand hat im Halbfinale am Mittwoch für seine Freunde aus Portugal gefiebert. Via Twitter nannte er seinen Mitspieler „Super-Nani“ und feuerte zudem Cristiano Ronaldo an, der mit Ferdinand bei Manchester United kickte.

Dann gab es noch eine besondere Mail mit einem Tipp an den HSV-Sportchef:

Lieber Dieter,
ich habe mich ewig nicht mehr im Blog gemeldet, weil ich auch die Kommentare teils sehr unqualifiziert finde. Den Blog lese ich aber täglich!

Hier nur ein Tipp für Frank Arnesen, falls er bei seinen Gesprächen mit Alkmaar nicht nur Rasmus Elm bespricht bzw. der zu teuer wird. Ich gehe davon aus, dass die Journalisten ihm etwas sagen dürfen. Ob er etwas daraus machen möchte, steht auf einem anderen Blatt.
Adam Maher soll laut Aussage meiner Kollegen in Groningen (ein Kollege war selbst Fußballer, hat auch mit Elia zusammengespielt früher) sehr gut sein, jung und talentiert. Hat gute Saison gespielt.

Ich kann nicht beurteilen ob er schon die Übersicht und Struktur bringen kann wie es hoffentlich Elm bringt. Einfach erwähnen und dann sehen wir weiter. Dank im voraus und

Nur der HSV :-)
Andreas
(bin Jg. 64, kein Fußballer, dafür hat mein Papa als Schüler bei Walddörfer auch gegen Uwe gespielt).

So, immer noch nichts vom Maulwurf, ich muss nun aber – gemeinsam mit „uns Scholle“ – los. Auf ins „Champs“ nach Schnelsen, dort sind heute „Lotto King Karl“ und HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke zu Gast bei „Matz ab live“. Wir werden kurz nach dem letzten Ballwechsel in Warschau auf Sendung gehen – und ich hoffe schwer auf euch, dass auch ihr dann wieder mit von der Partie seid. Bis nachher also.
PS: Schnell noch ein Dankeschön an alle User, die sich “Matz ab live” ansehen – und ein ganz spezieller Gruß geht diesmal nach Köln: Lieber Sebastian, vielen Dank für Dein Lob, noch mehr Dank aber für Deinen “glänzenden” Tipp. Ich werde schon heute meine Lehre daraus ziehen, “uns Scholle” will sich das noch nicht antun, aber vielleicht kann ich ihn ja noch überreden. Wenn nicht – Du wirst uns den Unterschied berichten. Und ihm.

17.03 Uhr

Schulz und Seeler einig: Endspiel!

27. Juni 2012

Ein Ende ist absehbar. Nein, die Europameisterschaft ist nicht gemeint, obwohl es dort auch nur noch drei Spiele gibt – nein, gemeint ist die Sommerpause. Am Montag geht es beim HSV wieder los – endlich! Und weil sich dann auch alles in Polen und der Ukraine erledigt hat, dürfte es in Hamburg nicht nur in Sachen Training wieder in die Vollen gehen, sondern auch in Sachen Neueinkäufen. Aber noch ist EM, und jetzt wird es ja spannend und dramatisch – ihr werdet schon sehen.

Heute wird meiner Meinung nach Spanien gegen Portugal gewinnen, ich tippe auf ein 1:0. Und morgen denke ich, dass es einen langen Abend für uns alle geben wird: Verlängerung und Elfmeterschießen. 4:3 für Deutschland. Wir kommen ins Finale – muss doch so kommen. Einer, der ebenfalls diese Meinung vertritt, das ist „uns Uwe“ Seeler. Der Ehrenspielführer ist vom Sieg der deutschen Nationalmannschaft im EM-Halbfinale überzeugt. „Ich denke, dass unsere Mannschaft gereift, ausgeglichen und stark ist. Sie will Europameister werden. Und obwohl Italien bislang gut gespielt hat, sind wir stärker und werden sie auch schlagen“, sagte der 75-Jährige in einem Interview mit „eurosport.yahoo“. Seeler ist sicher: „Wenn es Deutschland ins Endspiel schafft, dann werden wir Europameister.“

Das frühere HSV-Idol hat nicht die besten Erinnerungen an Duelle gegen Italien. Beim sogenannten Jahrhundertspiel 1970 stand er auf dem Rasen des Azteken-Stadions in Mexiko-Stadt, als die Deutschen mit 3:4 nach Verlängerung gegen die Azzurri den Einzug ins Endspiel verpassten. „Das war natürlich schon ein sehr hektisches Spiel“, erinnert sich „Uns Uwe“, der noch heute auf Schiedsrichter Arturo Yamasaki schimpft: „Wenn er uns die Elfmeter gibt, die wir auch verdient gehabt hätten, dann wäre es gar nicht erst zu diesem legendären Spiel gekommen.“ Am Ende seien die Italiener einfach die Glücklicheren gewesen.

Ja, dieses 3:4. Ich werde es nie vergessen. Und ich habe ja schon viel über schlechte Schiedsrichter-Leistungen geschrieben, gemeckert und geschimpft, aber dieser Yamasaki aus Mexiko, der schlug dem Fass den Boden aus. Der könnte der Vater von Hoyzer gewesen sein – wenn ihr wisst, was ich meine. Unvergessen, diese Minus-Leistung, unvergessen und unverziehen. Die Jüngeren unter den „Matz-abbern“ können das natürlich nicht wissen, aber die Älteren werden noch heute so fluchen – wie ich. Und die unmittelbar Beteiligten.

So wie Willi Schulz, unser „World-Cup-Willi“. Er sagt: „Diese Niederlage gehört zu den unvergessenen Spielen, ganz klar. So wie das WM-Endspiel 1966 im Wembleystadion.“ Dann erinnert sich der frühere HSV-Stopper: „Die Schiedsrichter-Leistung war natürlich die absolute Krönung. Ich sehe es noch heute vor mir, wie der italienische Stopper Rosato den Uwe Seeler mindestens viermal im Strafraum einfach nur umreißt – aber der Unparteiische blickt immer gerade woanders hin. Das war schon interessant zu sehen.“ Herr Schulz, interessant? Ist das Ihr Ernst? Er sagt lächelnd: „Ja, deswegen interessant, weil man mal sehen konnte, was im Fußball so alles möglich ist . . .“

Und heute? Was traut Willi Schulz dem heutigen deutschen Team gegen Italien zu? Schulz: „Schon die äußeren Voraussetzung sprechen ja für unsere Mannschaft. Zwei Tage länger Pause, und dazu haben die Italiener ja noch eine Verlängerung in den Knochen.“ Dann ergänzt das ehemalige HSV-Aufsichtsrats-Mitglied: „Aber es spricht eigentlich noch viel mehr für Deutschland. Wir haben heute nämlich nicht nur elf hervorragende Fußballer, sondern mindestens 16. Dass Jogi Löw mal eben einen solchen Mann wie Marco Reus von der Bank bringt, und der dann ein solches Spiel abliefert, das spricht für die Klasse des DFB-Teams. Und das ist bestimmt auch unser großer Vorteil gegenüber Italien, deswegen bin ich von einem deutschen Sieg überzeugt.“

Und was hält Willi Schulz von der italienischen Mannschaft? Er sagt: „Italien kann defensiv fast perfekt spielen, obwohl diese Mannschaft auch noch viel mehr kann. Da stehen ebenfalls viele hervorragende Spieler in der Mannschaft, die nicht nur am Ball alles können, sondern auch taktisch erstklassig geschult sind. Es wird sicher nicht leicht für uns, aber wir kommen ins Endspiel.“ Vielleicht durch ein Elfmeterschießen? Es ist nicht auszuschließen. Willi Schulz: „Dann kann der Pirlo aber gegen den Manuel Neuer nicht noch einmal einen solchen Elfmeter schießen, wie gegen England. Das war ja schon mehr als frech. Und das ist für einen Torwart wirklich die Höchststrafe – und deprimierend. Aber wie gesagt, mit Neuer geht so etwas nicht.“ Hoffen wir das Beste . . .

In Sachen Aufstellung lässt sich „Jogi“ Löw ja noch nicht in die Karten schauen – und der „Maulwurf“ hat ja auch noch nichts verlauten lassen. Mangels Masse? Bleibt die Mannschaft unverändert, oder kehren jene Jungs zurück, die es in den ersten drei Spielen „gewuppt“ haben? Der frühere Nationaltorwart Harald „Toni“ Schumacher (58) „traut dem Braten nicht“. Der Europameister von 1980, seit 2006 bei allen großen Turnieren Experte im ZDF-Morgenmagazin, glaubt noch an eine Finte des Bundestrainers: „Ich habe das Gefühl, dass uns Löw auf eine falsche Fährte führen will. Ich bin der Meinung, dass Kroos anstelle von Schweinsteiger im Halbfinale gegen Italien auflaufen wird.“

Schumacher vertritt diese Auffassung, obwohl Bundestrainer Löw öffentlich betont hat: „Schweinsteiger ist wichtig für uns mit seiner Präsenz auf dem Platz.“ In der Frage der Sturmspitze geht Schumacher von Klose aus: „Klose, die Muse von Özil, muss spielen.“ Zur Absicherung „seiner persönlichen“ DFB-Mannschaftsaufstellung gegen Italien hoffte Schumacher am Mittwoch scherzhaft „noch auf einen Anruf des Maulwurfs“ aus dem DFB-Quartier . . . Grundsätzlich sprach Schumacher im ZDF-Morgenmagazin von „der besten deutschen Mannschaft, die wir je hatten!“

Kein Einspruch. Wir, nämlich Fußball-Deutschland, haben auf jeden Fall den besten Trainer seit vielen, vielen Jahren – das steht wohl außer Frage fest.

Ganz abgesehen von den deutschen Fans, die – bis auf kleine Einschränkungen – fast überall gelobt werden. Aber anderswo gibt es natürlich auch gute Fans. So wie diesen Engländer, der beim Elfmeterschießen gegen Italien alles gab – und alles zeigte. Und der Mann wurde nun „entlarvt“, wie die Agentur „dapd“ mitteilte:

Der englische Fußball-Fan, der sich vor dem entscheidenden Elfmeter im WM-Viertelfinale entblößt hatte, ist offenbar ein millionenschwerer Geschäftsmann. „Ich würde alles tun, um England gewinnen zu sehen. Ich wollte meinen Teil dazu beitragen. Leider hat es nicht funktioniert“, sagte der 35-jährige Tim O’Leary, den die englische Boulevardzeitung „The Sun“ ausfindig gemacht hat.

O’Leary hatte beim Elfmeterschießen im Zuschauerblock hinter dem Tor kurz vor dem letzten Schuss der Italiener durch Alessandro Diamanti die Hose heruntergezogen und seine Männlichkeit präsentiert. Diamanti hatte sich davon aber nicht beeinflussen lassen und zum 4:2-Endstand getroffen.

Dabei hatte O’Leary zuvor noch einen Sprint um das halbe Stadion zurückgelegt. Ursprünglich hatte er im englischen Fanblock gestanden, das Elfmeterschießen wurde allerdings auf der Gegenseite ausgetragen. „Ich hätte fast einen Herzinfarkt bekommen“, ergänzte O’Leary.

Solche „engagierten“ Zuschauer gibt es aber natürlich auch in Deutschland. Wie der SID weiß:

Eine Dienstreise nach Italien verweigerte er, beim Essen seines Freundeskreises in der Pizzeria sitzt er allein daheim, im Sommer verzichtet er auf sein heiß geliebtes Eis: Seit dem verlorenen WM-Halbfinale von 2006 boykottiert ein deutscher Fußball-Fan aus Osnabrück alles, was mit Italien zu tun hat. Vor dem EM-Halbfinale am Donnerstag in Warschau hofft er darauf, dass die Nationalmannschaft ihn erlöst. „Dann gibt’s Pizza“, sagte der Fan dem Magazin „11Freunde“.

Mit seinen Kollegen schwor Andre, wie das Fachmagazin den Fan nennt, am 4. Juli 2006, im Falle einer Niederlage „nie mehr zum Italiener“ zu gehen. Seine Freunde sind alle wortbrüchig, er hält noch durch. Pizzerien und Eisdielen sind tabu. Seit mehr als 2000 Tagen oder drei Millionen Minuten.

Dass er die Dienstreise verweigert habe, sei „mittelmäßig angekommen“, sagte er. Meist verstünden ihn die Männer, Frauen dagegen schüttelten nur den Kopf. Am Donnerstag will er die erste Pizza seit sechs Jahren essen. Er muss sich nur einen neuen Bäcker suchen: Seinen Stamm-Italiener gibt es nicht mehr.

Ich habe solche „Verrückten” schon selbst erlebt. Was HSV-Fans schon alles auf sich genommen haben, ist ganz einfach wunderbar. Was sie alles schon ertrugen, ist noch wunderbarer. Und was sie alles machen würden, damit der HSV endlich einmal wieder die Schale in die Hände bekäme, das ist unfassbar, gelegentlich sogar wahnsinnig und irre. Aber solche gibt es auch in Hamburg (und Umgebung). Ich könnte da aus der Schule plaudern, will es aber nicht, weil das die Nachahmer auf den Plan rufen könnte – und das hätte dann wohl fatale Folgen. Deswegen schweige ich lieber . . .

Bei der Gelegenheit. Bei uns im Blog („Matz ab“) hat sich ja jetzt der „Ritsche Dipp“ zu Wort gemeldet und schon zweimal die Saison – jedenfalls die ersten sechs Spieltage für den HSV – in Gedanken durchgespielt. Schwarz und weiß, heiß und kalt, Horror und Hosianna – ihr könnt es euch aussuchen. Und vielleicht habt ihr ja auch eure ganz eigenen Vorstellungen – von der neuen Saison. Wie zum Beispiel die neuen Spieler einschlagen. Oder wie sich die „Alten“ wieder zurückmelden – vielleicht auch nicht. Würde ich ganz spannend finden, wenn sich da mal jemand dran versuchen würde. Hier aber die beiden Versionen von „Ritsche Dipp“:

„HSV rockt die Bundesliga!
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Der Dino ist auferstanden wie Phoenix aus der Asche. Nach dem sechsten Spieltag führen die Hamburger souverän die Tabelle an.
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Der Reihe nach: Karlsruhe im Pokal locker mit 6:0 besiegt (astreiner Hattrick Berg). Zum Bundesligaauftakt ein überzeugender Sieg gegen Nürnberg. (Adler Fels in der Brandung).
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Werder Bremen ohne den Hauch einer Chance! Rudnev mit Doppelpack. Der HSV spielt überlegen auf.
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Frankfurts Trainer Veh musste neidlos eingestehen: Der HSV war die bessere Mannschaft!
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Ein etwas schmeichelhafter Sieg über Dortmund macht die HSV-Fans glücklich. Lucky Goal von Son in der 89. Minute.
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Gladbach musste sich dem HSV geschlagen geben. Trainer Finks bis zur Perfektion einstudierter bedingungsloser Offensiv-Fußball überzeugt auch die letzten Kritiker.
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Hannover — mit zu viel Respekt — kann dem HSV den Schneid nicht abkaufen. Wieder ein verdienter Sieg in der noch jungen Saison.
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Fürth, wir kommen! So ist der HSV ein heißer CL-Anwärter.”

Version zwei von „Ritsche Dipp”. Warum die etwas „ausführlicher“ ausgeschmückt ist, weiß ich nicht – wahrscheinlich lässt sich Schlechtes oder Böses doch viel einfacher und leichter schreiben? Wer weiß:

„Die erste Trainerentlassung der Saison 2012/13 ist perfekt. Am Sonntag übernahm beim Hamburger Sportverein Sportdirektor Frank Arnesen kommissarisch den Cheftrainerposten von Thorsten Fink.
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Der HSV zog wie im vergangenen Jahr nach dem sechsten Spieltag die Notbremse. Vorausgegangen war eine Niederlagenserie, die den Bundeslig-Dino in der Jubiläumssaison kräftig durchgeschüttelt hatte.
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Nach dem überraschenden Pokal-Aus gegen den Karlsruher SC (4:5 im Elfmeterschießen, Jansen jagte den Ball über die Latte) folgte im ersten Heimspiel gegen den 1.FC Nürnberg eine blamable 0:3-Niederlage (Adler nach zwei fahrlässig verschuldeten Toren mit Patellasehnen-Problemen ausgewechselt).
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Bei Werder Bremen wirkte die Mannschaft nach dem frühen Führungstor der Grün-Weißen seltsam kraft- und mutlos.
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Große Hoffnungen setzten die Hamburger auf das Spiel bei Eintracht Frankfurt. Zwar dominierten die Hansestädter weite Strecken der Partie, aber die harmlose Offensive (Son verstolperte kläglich zwei Großchancen) entschied das Spiel. Den Frankfurtern genügte ein Konter zum nicht unverdienten Sieg.
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Am vierten Spieltag gegen Borussia Dortmund war der HSV zu Hause chancenlos.
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Auch auswärts gegen Borussia Mönchengladbach konnte der HSV nicht punkten. Gladbach war in allen Belangen überlegen. Der HSV war wieder viel zu offensiv eingestellt und ließ sich leicht auskontern.
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Das Fass zum Überlaufen brachte dann die Heimpleite gegen Hannover 96. Eine völlig überforderte HSV-Mannschaft brach gegen den Rivalen aus dem Norden in der zweiten Halbzeit völlig ein und wurde mit 0:4 in die Kabine geschickt. Ein gnadenloses Pfeifkonzert im Volkspark war das I-Tüpfelchen auf diesem verkorksten Spiel.
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Gegen Fürth am kommenden Wochenende kämpft der HSV schon wieder ums Überleben in der Fußball-Bundesliga.
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Quo vadis, HSV?”

Wir werden das mal im Auge behalten, wie was dann tatsächlich abläuft . . .

Bei der Gelegenheit: Rene Adler, Torwart und Neuzugang, schreibt auf Facebook:

„Hi Zusammen,
ganz schön spät, aber dieser Moment verdient einen Post. Ich hab gerad mit meinem Bruder zusammen die erste Fuhre meines Autos bis unter das Dach vollgehauen. Morgen nach dem Training heißt es also dann: Good Bye Rheinland.
…Schon ein seltsames Gefühl…”

Dann gab es da noch einen musikalischen Vorschlag eines „Matz-abbers“ – würde ich ganz gut finden, wenn dieser – gelungener wie ich meine – Vorschlag an irgendeiner Stelle aufgegriffen würde:

“Moin Dieter, moin Scholle,

ich hatte den Gedanken schon unmittelbar nach dem Spiel Irland – Spanien: Warum nicht die ins Ohr gehende Melodie des Chorus` aus „Fields of Athenry” übernehmen und eine „Rauten-Bekenntnis-Hymne” draus machen!??Chorus:?Low lie the fields of Athenry?Where once we watched the small free birds fly?Our love was on the wing?We had Dreams and songs to sing?Now it’s loney round the fields of Athenry

Zum Beispiel (textlich passt es jedenfalls zur Melodie) :?Nuuuuuuur diiiiiiiiiiiie Rau-te, ein Leben lang – ziehen wir … im-mer … an ei…einem Strang (Hey heya hey HSV olè). Wahre Liiiiebe e-ewiglich (hey hey). Eines Tags erfü-üllt er sich, …. (heya hey) der Ti-tel-tra-aum … dann wird gefeiert …. tagelang!

Hier eine stimmungsvolle Livekonzert-Version zum „Üben”:

Und hier nochmal das „Original” der irischen Fans:?-?http://www.fr-online.de/em-2012-spanien-holland-england/spanien-irland–ein-lied-fuer-dublin,16091448,16390566.html

Wenn ihr die Idee nicht für albern haltet (probiert es mal im stillen Kämmerlein aus – macht Spaß!), könnt ihr das ja mal an den SC (Liebnau?) oder wen auch immer weitergeben. „Chorprobe” mit Lotto/Pape in der Nordkurve!??”

So, und dann gibt es noch zwei administrative Dinge vom HSV:

HSV-Presseservice: Freier Vorverkaufsstart für Einzeltickets zur Bundesliga-Hinrunde
Am Donnerstag, den 19. Juli, beginnt der freie Kartenvorverkauf für das erste Bundesliga-Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (25./26.08.). HSV-Mitglieder haben bereits ab Dienstag, den 17. Juli, die Gelegenheit, sich Karten für die Partie gegen den Club sowie für das zweite Heimspiel gegen Borussia Dortmund (21.-23.09.) zu sichern. Karten im freien Verkauf bekommen Sie wie immer im Onlineshop auf www.hsv.de, in den HSV Fanshops, im Service Center in der Imtech Arena, in allen HSV-Vorverkaufsstellen oder über die Telefonhotline 01805 – 478 478 (0,14 EUR/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 0,42EUR/Min.).
Alle weiteren Informationen zum Ticketerwerb und zum Vorverkauf finden Sie unter www.hsv.de/ticket.

Und dann auch noch dies:

20 Tage vor Beginn der neuen Saison der Fußball-Bundesliga überträgt Sat.1 aus Hamburg SV den Liga-total!-Cup als ersten großen Härtetest live. Bei der vierten Auflage des Turniers (4. und 5. August) stehen sich in der Imtech Arena der deutsche Meister Borussia Dortmund, Rekordchampion Bayern München, Gastgeber HSV und dessen Nordrivale Werder Bremen gegenüber.

In der ersten Halbfinal-Begegnung am Samstag um 16.30 Uhr treffen der HSV und Titelverteidiger Dortmund aufeinander, in der zweiten Partie (18.15 Uhr) kämpfen Bremen und die Bayern um das Erreichen des Endspiels. Das Spiel um Platz drei (16.30) und das Finale (18.15) finden am Sonntag statt.

Und auch das kam gerade noch rein:

Der HSV bestreitet am 11. August ein Testspiel beim spanischen Erstligisten RCD Mallorca. Das gab der Verein Mittwoch bekannt. Die Partie in Palma gegen den Achten der Primera Division beginnt um 22.00 Uhr.

Ich wünsche euch einen wunderschönen und stressfreien Fußball-Abend.

17.21 Uhr

Schweden-Star besteht den Elm-Test – Petric nach Malaga?

26. Juni 2012

Der Spielplan ist raus. Und so spannend es war, auf ihn zu warten, so unspektakulär ist letztlich alles. Auftakt gegen Nürnberg – okay. Das ist ein Spiel, an dem wir uns gleich messen können. Immerhin sollte der FCN ähnliche Ziele wie der HSV in dieser Saison verfolgen. Klassenerhalt möglichst früh sichern und dann schauen, was noch nach oben geht. Anschließend geht es nach Bremen zum Nordderby – schon besser! Frankfurt und Dortmund runden den Auftakt ab. Dass hier im Blog von 18 Punkten nach sechs Spieltagen gesprochen wird, kann ich nicht ernst nehmen. Das ist genau so vermessen, wie es zu pessimistisch sein dürfte, von einem Punkt aus sechs Partien zu sprechen.

Aber okay, ich bin von einer aussagekräftigen Prognose eh noch weit entfernt. Schon zwei, drei Personalien können die gesamte Saisonplanung verändern. Rasmus Elm soll weiter ein ganz heißer Kandidat sein. Der schwedische Nationalspieler weilt derzeit im Urlaub und will sich anschließend entscheiden, für welches Angebot er sich entscheidet. Dem Vernehmen nach – auch wenn sie beim HSV nur bestätigen, den Spieler „auf dem Zettel“ zu haben – hat der HSV namhafte Mitbieter. Unter anderem auch den FC Liverpool, was mich zunächst glauben ließ, das Ding sei entschieden. Allerdings habe ich gestern länger mit einem Kollegen vom schwedischen „Aftonbladet“ gesprochen, der mit Rasmus Elm befreundet ist. Er sagte mir, dass die Sache noch lange nicht klar sei. Immerhin habe sich Elm einst trotz Angebote aus Leverkusen, Liverpool und Spanien für den AZ Alkmaar entschieden, wo er noch heute spielt.

Was mir der schwedische Kollege erzählte, klang sehr gut. Und obwohl mir mein Bauchgefühl sagt, dass ein Schwede – wenn er nicht Ibrahimovic heißt – eher nicht die große Lösung sein kann, was ich von Elm zu hören bekam, klang sehr überzeugend. So soll der schwedische Nationalspieler ein sehr integrer, ehrlicher und ambitionierter Spieler sein, der sich alle Angebote anhört und anschließend persönlich vor Ort begutachtet. Elm überließe nichts dem Zufall, so mein Kollege.

Das klingt gut. der Schweden-Stra hat den Elm-Test bestanden…

Dass der 24-Jährige noch in dieser Woche vorgestellt wird, wie uns gestern erzählt wurde, ist allerdings ausgeschlossen. Zumal die heutige Vorstandssitzung wegen mangelnder Beteiligter (Jarchow und Scheel sind weg, Arnesen hatte Termine) ausfiel, auf der es angeblich um die mögliche Beteiligung Klaus Michael Kühnes gehen sollte. Wobei ich aus ziemlich sicherer Quelle weiß, dass sich der Speditionsmilliardär bereits mit dem Gesamtpaket Elm auseinandergesetzt hat.

Apropos Gesamtpaket: Elm hat noch zwei Brüder, die zufällig auch Fußballprofis sind. Nicht ganz so erfolgreich wie er, aber eben gut. David und Viktor heißen die beiden. Und Letztgenannter spielt beim SC Heerenveen. Auf einer Position, die Arnesen noch immer sucht: im defensiven Mittelfeld….

Aber okay, es werden noch einige Tage der Spekulationen vergehen. „Zwischen Anfang und Ende August rechne ich mit der meisten Bewegung auf dem Transfermarkt“, sagt Arnesen, „da werden wir noch Geduld haben müssen. Bis dahin werden wir uns noch mit etlichen Spielern unterhalten.“

Auch mit Rafael van der Vaart? Passiert nichts – wie in dieser Sommerpause bislang fast durchgehend – dann taucht der Name van der Vaart wieder auf. Logisch! Weil er einer wäre, der dem HSV ganz sicher helfen könnte. Weil seine Frau berufsbedingt in Deutschland lebt. Und weil er der erklärte Liebling von Herrn und Frau Kühne (auch sie verfügt über ausreichend Liebe zum HSV…) ist. Heute äußerte sich van er Vaart via „Bild“, dass ihn das Interesse freue – aber er sagte auch, dass es aktuell keinen Kontakt gibt.

Und so gern ich VdV hier beim HSV sehen würde – es deutet nicht wirklich viel darauf hin. Leider.

Ein „leider“ muss ich auch der Personaldiskussion beim DFB anheften. Da geht es plötzlich darum, ob Müller oder Reus spielen soll. Warum? Warum sollten nicht beide spielen. Müller auf der rechten Seite wie beim FC Bayern und Reus auf links – wie bei Mönchengladbach des Öfteren. Für mich wäre eine Aufstellung mit beiden gegen Italien das Optimum. Ob davor Klose oder Gomez aufläuft ist mir ehrlich gesagt ziemlich egal. Für mich ist das ein Luxusproblem sondergleichen. Gomez ist ne Torfabrik und Klose spielerisch einer der besten Stürmer Europas. Da kann Löw eigentlich nichts verkehrt machen.

Nicht so, wie es Heynckes gemacht hat, der meiner Meinung nach bei Müller im Laufe der Saison alles falsch gemacht hat. Robben und Ribery auf außen vorzuziehen, okay. Aber Müller dafür zentral spielen zu lassen, ist falsch. Und ich glaube, diese positionelle Inkonstanz ist der Hauptgrund, weshalb mein absoluter Lieblingsspieler in der deutschen Nationalelf (Hummels holt allerdings mächtig auf) bislang nicht die Form hat, die man von dem Weltklasse-Außen gewohnt ist. Und das, obwohl Müller ganz sicher nicht schlecht gespielt hat.

Aber okay – auch wenn ich das eigentlich nie so mache, irgendwie habe ich inzwischen ein Ur-Vertrauen in Löws Entscheidungen. Weil ich glaube, dass er so viele Entscheidungen richtig getroffen hat, dass ihm alle Spieler folgen. Löw besitzt inzwischen sozusagen das Recht au Bauchentscheidungen. Das Kuriose daran: Weil ihm alle folgen, nehmen sie die überraschenden Personalentscheidungen besser an. Was auch immer er macht, alle setzen eine gewisse Sinnhaftigkeit bei Löw voraus und nehmen seine Entscheidungen an. Auch ich. Hätte allerdings ein anderer Trainer die gleichen Entscheidungen verkündet – nehmen wir mal Michael Oenning, der in Hamburg ein ähnliches Problem hatte, als Beispiel – es hätte wahrscheinlich nicht so gut funktioniert. Erarbeitete Autorität nenne ich das. Auch wenn es eigentlich irgendwann nicht mehr logisch ist, es funktioniert. Und da es diesmal bei uns funktioniert, freue ich mich darüber.

Ebenso freue ich mich darüber, dass Mladen Petric offensichtlich einen neuen Verein gefunden hat. Auch wenn ich ihn noch nicht erreichen konnte, verdichten sich die Gerüchte, dass Petric dem spanischen Erstligisten FC Malaga anschließt. Obwohl die mit einem anderen HSV-Stürmer (Ruud van Nistelrooy) nicht die besten Erfahrungen gemacht haben, sollen sich die Südspanier mit unserer ehemaligen Nummer zehn auf einen Dreijahresvertrag geeinigt haben.

Apropos zehn: Tolgay Arslan hatte mir erzählt, dass ihm gesagt worden sei, die Nummer zehn sei bereits vergeben für die neue Saison. Dem ist jedoch nicht so. Die Nummer wird frei gehalten für den fall, dass ein echter Zehner gefunden wird, der diese Nummer haben will. Sollte der Neue gefunden werden, aber nicht die Zehn wollen, soll Rudnevs sie bekommen.

Ansonsten ist es heute mal wieder ruhig beim HSV. Noch. Wobei David Abraham sich mit dem FC Getafe, bei dem er einen Vorvertrag unterschrieben hat, doch noch einigen können soll. Zumindest sieht es sein Berater Renato Cedrola so, der mit Neuigkeiten in den nächsten 14 Tagen rechnet.

Egal, auch das ist noch Spekulation. Ab Montag geht es los beim HSV. Und für alle, die es noch nicht gesehen haben, habe ich ans Ende noch mal den HSV-Spielplan 2012/2013 angehängt. Bis dahin aber gilt: Daumen drücken! Für Arnesens Kaderplanung – aber zunächst für unsere Nationalelf. Wir senden am Donnerstag wieder im Anschluss an das Spiel aus dem Champs. Wer die Gäste sein werden, geben wir Euch vorher bekannt. Ich freue mich jetzt schon auf den Donnerstag! Denn ganz ehrlich: Was hätte ich bitte für einen monstermäßigen Bock darauf, dass wir mal wieder einen richtig großen Titel einfahren. Zumal dann, wenn wir einen so begeisternden Fußball spielen wie im Moment…

In diesem Sinne, bis morgen!
Scholle

Der Spielplan des HSV:

1. 25./26.08.2012 HSV – 1. FC Nürnberg
2. 31.08.-02.09.2012 SV Werder Bremen – HSV
3. 14.-16.09.2012 Eintracht Frankfurt – HSV
4. 21.-23.09.2012 HSV – Borussia Dortmund
5. 25./26.09.2012 Borussia Mönchengladbach – HSV
6. 28.-30.09.2012 HSV – Hannover 96
7. 05.-07.10.2012 SpVgg Greuther Fürth – HSV
8. 19.-21.10.2012 HSV – VfB Stuttgart
9. 26.-28.10.2012 FC Augsburg – HSV
10. 02.-04.11.2012 HSV – FC Bayern München
11. 09.-11.11.2012 SC Freiburg – HSV
12. 17./18.11.2012 HSV – 1. FSV Mainz 05
13. 23.-25.11.2012 Fortuna Düsseldorf – HSV
14. 27./28.11.2012 HSV – FC Schalke 04
15. 30.11.-02.12.2012 VfL Wolfsburg – HSV
16. 07.-09.12.2012 HSV – 1899 Hoffenheim
17. 14.-16.12.2012 Bayer 04 Leverkusen – HSV
18. 18.-20.01.2013 1. FC Nürnberg – HSV
19. 25.-27.01.2013 HSV – SV Werder Bremen
20. 01.-03.02.2013 HSV – Eintracht Frankfurt
21. 09./10.02.2013 Borussia Dortmund – HSV
22. 15.-17.02.2013 HSV – Borussia Mönchengladbach
23. 22.-24.02.2013 Hannover 96 – HSV
24. 01.-03.03.2013 HSV – SpVgg Greuther Fürth
25. 08.-10.03.2013 VfB Stuttgart – HSV
26. 15.-17.03.2013 HSV – FC Augsburg
27. 30./31.03.2013 FC Bayern München – HSV
28. 05.-07.04.2013 HSV – SC Freiburg
29. 12.-14.04.2013 1. FSV Mainz 05 – HSV
30. 19.-21.04.2013 HSV – Fortuna Düsseldorf
31. 26.-28.04.2013 FC Schalke 04 – HSV
32. 03.-05.05.2013 HSV – VfL Wolfsburg
33. Sa. 11.05.2013 1899 Hoffenheim – HSV
34. Sa. 18.05.2013 HSV – Bayer 04 Leverkusen

Italien kommt – Elm noch nicht

25. Juni 2012

Über Geschmack lässt sich bekanntlich trefflich streiten. Über Fußball auch. Das ist mal sicher. Und wenn ich hier meine Meinung verbreite, dann weiß ich, dass es viele, viele Fußball-Fans gibt, die das total anders sehen als ich. Ist doch klar. Und dass es dafür dann auch die eine oder andere Kritik gibt, ist ebenso eindeutig – und das ist auch gut so. Solange es alles sachlich bleibt. Und das bleibt es ja auch größtenteils. Aber ich gebe hier nur das zum Besten, was ich über den Fußball weiß, was und wie ich über ein Spiel denke. Und wenn ich in diesen Tagen etwas härter mit Schweinsteiger, Podolski, Klose und Co ins Gericht gehe, dann ist es deshalb, weil ich so denke. Das kann ich nicht ändern. Das ist meine Meinung. Sonst würde ich es ganz sicher anders schreiben. Ich weiß nur, dass ich es ja meistens gleich dann schreibe, wenn ich etwas sehe. Nicht erst lange rückversichern, wie andere (Experten) darüber denken. Das ist auch im Falle der EM so. Ich weiß aber von vielen Freunden und Bekannten, dass sie oft ähnlich denken wie ich. Vor allem die Hamburger Amateurtrainer, mit denen ich Kontakt habe, denken meistens ähnlich. Und glaubt mir, es sind keine Leute dabei, die ahnungslos sind. Die verstehen alle viel vom Fach (Fußball), haben oft nur das Pech, dass sie niemals Profis waren – und deswegen nicht bei einem Profi-Klub landen, somit auch nicht „groß“ herauskommen können. Das soll aber nicht heißen, dass sie nicht auch Fußball-Experten sind. Und für diese Leute ist es, genau das ist der Kernpunkt, ebenfalls unverständlich, wie zum Beispiel ein Weltkasse-Fußballer wie Bastian Schweinsteiger ein solches Spiel wie gegen Griechenland abliefern kann. Und damit Ende (von meiner Seite aus) mit diesem Thema. Nur eines noch: Immerhin hat der „Schweini“ ja selbst eingeräumt, über seine Fehlpässe entsetzt gewesen zu sein.

Wo ich gerade bei „Experten“ war. Die, die ich gemeint habe (aus dem Amateurbereich), die sind ähnlich frustriert über die Spielerei der Spanier wie ich. Ballbesitz. Das ist ja heutzutage (auch im Amateurfußball) das Zauberwort. Motto: „Wenn wir den Ball haben, dann kann der Gegner keine Tore schießen.“ Schön und gut, es langweilt halt nur. Vor, zurück, quer, zurück, quer – Schlafwagen-Fußball. Spanien kann diese Art von Fußball perfekt, aber er ist eben nicht gerade dynamisch – und damit nicht immer schön anzusehen.
Dazu schrieb der Sport-Informations-Dienst (SID) heute einen mir aus der Seele sprechenden Bericht. In dem auch die „wahren“ Experten ihren Unmut über diese Spielerei kundtun.

„Tiki-Taka“ als Valiumtablette: „Die Spanier wollen einschläfern“

Mitte der zweiten Halbzeit hatte das Publikum die Nase gestrichen voll. Mit Pfiffen und Buhrufen machte ein Großteil der Zuschauer in der Donbass-Arena in Donezk seinem Unmut Luft. „Die Spanier wollten mit ihrer Spielweise die Franzosen und die Zuschauer einschläfern, das ist ihnen leider gelungen. Das war ein Unspiel mit viel Ballbesitz“, nörgelte hinterher Arsene Wenger, Teammanager des FC Arsenal, ein Fußball-Ästhet und ein Lehrmeister des „One-Touch-Football“.

Spanien gewann gegen Frankreich (2:0), aber die Zuschauer fühlten sich wie Verlierer. Sie hatten sich auf ein unterhaltsames Duell zweier Weltklasseteams gefreut. Stattdessen erlebten sie ein nahezu leidenschaftsloses und ermüdendes Ballgeschiebe des Titelverteidigers gegen seelenlose Franzosen. Der Erfolg gibt den Spaniern Recht, sie stehen im Halbfinale der EM gegen Portugal (Mittwoch, 20.45 Uhr/ZDF). Der Nächste, der die Schlaftablette „Tiki-Taka“ verabreicht bekommen soll, ist das personifizierte Aufputschmittel Cristiano Ronaldo.

„Tiki-Taka“ ist die spanische Bezeichnung für Klick-Klack-Kugeln. Und der Begriff beschreibt den spanischen Stil, der vor nicht allzu langer Zeit noch als revolutionär und Nonplusultra des modernen Fußballs gefeiert wurde. Bei der EM hat „Tiki-Taka“ eine einschläfernde Wirkung. Ein „Hallo-Wach“ war dagegen der torlose Schlagabtausch im Viertelfinale am Sonntagabend zwischen Italien und England mit einer Verlängerung und einem Elfmeterschießen (4:2) als Zugabe.

Es gibt nach wie vor Menschen, die sind von den Spaniern beeindruckt. „Wenn man die Raumaufteilung sieht, dann ist das beeindruckend. Genauso, wie sie gegen den Ball arbeiten. Frankreich hat so gut wie keine Möglichkeit gehabt“, sagte der deutsche Mannschaftskapitän Philipp Lahm anerkennend. Erfolgreich und effektiv, aber keineswegs attraktiv sind die Auftritte des Welt- und Europameisters aus Spanien, dessen Fußball-Philosophie auf schneller Balleroberung und viel Ballbesitz basiert, die Gegner zur Verzweiflung treibt und die Zuschauer zunehmend nervt.

„Ballbesitz und Spielkontrolle“, betont Spaniens Vicente del Bosque, seien das Wichtigste. Pass nach hinten, Pass nach vorn, danach zweimal seitwärts und wieder nach hinten – aber nur selten steil in die Tiefe. Anders ausgedrückt: zu viele Ballkontakte, zu wenig Risiko, zu wenig Tempo, zu wenig Torszenen. Kurzum: zu wenig Attraktivität, zu wenig Flair und Fußball-Zauber. Lahm: „Also, das ist schon beeindruckend, wie sie arbeiten, gegen den Ball, wie sie den Gegner vom Tor weghalten, vom eigenen.“

Dabei ergötzen sich die Fans am Spiel des FC Barcelona, der diesen Stil zur Perfektion entwickelt hat. Doch im Gegensatz zum Nationalteam dient dort das schnelle Passspiel um den Strafraum des Gegners, das oft an einen Angriff im Handball erinnert, primär dazu, den Offensivkünstlern wie Lionel Messi oder Cesc Fabregas die beste Position zum erfolgreichen Abschluss zu eröffnen. Del Bosque hingegen ließ die Furia Roja gegen Frankreich sogar ohne Stürmer mit sechs Mittelfeldspielern auflaufen. Die „Blauen“ waren völlig überfordert.

„Spanien wird die Rivalen spielerisch ermüden“, kündigte der ehemalige Nationaltrainer Luis Aragones 2008 schon vor dem Finale gegen Deutschland an – und gewann. Ein probates Gegenmittel gegen das spanische Narkotikum scheint noch immer nicht gefunden.

Nun gut, Spanien bekommen wir erst im Finale. Erst einmal ist Italien angesagt. Und das wird schwer genug. Fußball ist ja kein Wunschkonzert, aber ich hätte lieber gegen die schlaffen Engländer gespielt. Mein Gott, wie sind die in der zweiten Halbzeit über ihren Hintern abgebrochen! Da hat sie eigentlich nur der überragende Abräumer John Terry gerettet. Ich bin mal gespannt, wie die Italiener die Verlängerung verkraften, denn sie stellen die älteste Mannschaft des Turniers. Obwohl Mehmet Scholl, der ARD-Experte, ja gesagt hat, dass die Erholungsphase drei Tage dauert, mit Verlängerung vier. Und abends wird dann am vierten Tag gespielt. Sollte also kein Problem sein für diese italienische Mannschaft, die ja schon recht feinen Fußball spielt . . .

Die machen mir aber schon ein wenig Angst. Auch deshalb, weil Deutschland in einem Turnier-Spiel noch nie gegen Italien gewonnen hat. Obwohl: Am 23. März 1994 hat die deutsche Mannschaft bei einem Dreiländerturnier in der Schweiz mit 2:0 gegen Italien gewonnen. In Zürich. Aber das zählt wohl nicht so ganz . . .

Hier sind mal alle Länderspiele zwischen diesen beiden Nationen aufgeführt. Wobei ich sagen muss, dass ich zwei frühe Begegnungen live miterlebt habe. Das erste Spiel fand am 13. März 1965 im Volksparkstadion statt, als Deutschland ohne einen Hamburger 1:1 spielte. Ich war damals 16 Jahre alt und ich weiß noch genau: Mein Platz war in der Westkurve, und ich entdeckte in diesem Spiel den Außenristpass. Der Italiener Rivera, damals eine große Nummer im europäischen Fußball, schlug auf der halblinken Position (genau auf meiner Höhe) einen Ball über 30, 40 Meter genau in den Lauf eines italienischen Stürmers. Der Ball hatte so viel Effet, dass ich dachte, er würde ins Seitenaus segeln, aber er drehte dann doch genau in den Lauf des Mitspielers, so wie dieser Pass auch angedacht war. Herrlich. Ich staunte minutenlang. Und noch tagelang. Und habe danach immer und immer wieder versucht, auch solche „langen Dinger“ zu schlagen – mit dem Außenrist.
Für alle Experten, die noch mehr über dieses damalige Spiel wissen möchten: Mönchengladbachs Abwehrmann Klaus-Dieter Sieloff erzielte in der 39. Minute das deutsche 1:0 per Elfmeter, der große Sandro Mazzola glich in der 76. Minute aus, als Italien in Unterzahl spielte (Platzverweis für Burgnich). Bei Deutschland spielten neben anderen Tilkowski, Piontek, Höttges, Weber, Küppers, Brunnenmeier, Konietzka und Hornig.

Mein zweites Italien-Länderspiel war dann ein ganz besonderes, denn es war mein erstes als Reporter für das Hamburger Abendblatt. 18. April 1987, ein 0:0 in Köln. Hinter mir saß Harald „Toni“ Schumacher, es war das erste Länderspiel ohne ihn – weil er damals sein Enthüllungsbuch „Anpfiff“ über den deutschen Fußball und über die Nationalmannschaft auf den Markt „geschmissen“ hatte. Das war für den Kölner Keeper der „Abpfiff“ – Rot!

Hier nun die Länderspiele zwischen Deutschland und Italien:

26.11.1939 Berlin Deutschland – Italien 5:2
05.05.1940 Mailand Italien – Deutschland 3:2
30.03.1955 Stuttgart Deutschland – Italien 1:2
18.12.1955 Rom Italien – Deutschland 2:1
31.05.1962 Santiago Deutschland – Italien 0:0 WM-Gruppenspiel
13.03.1965 Hamburg Deutschland – Italien 1:1
17.06.1970 Mexiko-Stadt Italien – Deutschland 4:3 n. V. WM-Halbfinale
26.02.1974 Rom Italien – Deutschland 0:0
08.10.1977 Berlin Deutschland – Italien 2:1
14.06.1978 Buenos Aires Deutschland – Italien 0:0 WM-2. Finalrunde
11.07.1982 Madrid Italien – Deutschland 3:1 WM-Endspiel
22.05.1984 Zürich Deutschland – Italien 1:0
05.02.1986 Avellino Italien – Deutschland 1:2
18.04.1987 Köln Deutschland – Italien 0:0
10.06.1988 Düsseldorf Deutschland – Italien 1:1 EM-Gruppenspiel
25.03.1992 Turin Italien – Deutschland 1:0
23.03.1994 Stuttgart Deutschland – Italien 2:1
21.06.1995 Zürich Deutschland – Italien 2:0
19.06.1996 Manchester Italien – Deutschland 0:0 EM-Gruppenspiel
20.08.2003 Stuttgart Deutschland – Italien 0:1
01.03.2006 Florenz Italien – Deutschland 4:1
04.07.2006 Dortmund Deutschland – Italien 0:2 WM-Halbfinale
09.02.2011 Dortmund Deutschland – Italien 1:1

Daraus lässt sich wahrscheinlich erahnen, wie schwer dieser Kick am Donnerstag wird. Obwohl der Assistent von „Jogi“ Löw, der Hansi Flick, gestern nicht zu Unrecht bemerkte: „Statistik ist ja schön und gut, diesmal treffen aber zwei Mannschaften aufeinander, die nichts mit dieser Statistik zutun haben.“ Fast nichts, jedenfalls.

Zum HSV. Da hielt sich heute bei „Matz ab“ ja das Gerücht, dass der Schwede Rasmus Elm zum HSV kommen wird, kommen könnte. Der EM-Teilnehmer wäre der Kreativspieler, der ja noch dringend gesucht und benötigt wird. Der Mann spielt in den Niederlanden für AZ Alkmaar, er steht wohl auch auf der Liste des HSV, aber ich glaube, dass er erst dann ein Thema werden wird (werden könnte), wenn sich alle anderen Versuche zerschlagen würden, einen anderen „Klassemann“ zu finden und unter Vertrag zu nehmen.

Dann gab es noch die folgende Zuschrift:

„Moin, Moin,

ich würde gerne mal ein Thema anregen, das in den Blogartikeln leider noch gar keine Erwähnung gefunden hat: das meiner Meinung nach problematische Verhalten einiger deutscher Fans.

Besonders negativ aufgefallen ist es mir zuletzt beim Spiel gegen Griechenland. In der zweiten Halbzeit wurde lauthals “Hurra, Hurra, die Deutschen sind da” gesungen, kurz vor Spielende dann auch noch “Sieg! Sieg!”. Auch wenn das sicherlich Standard-Fußballgesänge sind (beim HSV stört mich das “Sieg! Sieg!” auch), halte ich es schon für ziemlich unangebracht, solche Gesänge in Danzig anzustimmen. Jeder Mensch mit angemessener Bildung und Sensibilität sollte da entsprechende Assoziationen sehen. Umso mehr hat es mich gestört, dass mit keinem Wort in der Berichterstattung, die ich verfolgt habe, darauf eingegangen wurde. Und es scheint ja gerade bei Länderspielen der deutschen Mannschaft im Ausland so zu sein, dass dort “Fans” mit zweifelhaften Ansichten Dinge ausleben können, die in Deutschland verboten bzw. geächtet sind (wie Nazi-Gesänge, Hitlergrüße, eindeutige Kleidung o.ä.) ohne dass etwas unternommen wird.

Ich finde, dass es in der Verantwortung des DFB, des Fanclubs der DFB-Elf und vor allem jedem Einzelnen liegt, hier klare Zeichen zu setzen und zu handeln.

Europa- und Weltmeisterschaften sind tolle Turniere und es macht Spaß, mit den Mannschaften mitzufiebern, aber ich denke, dass man sich auch immer über das bewusst sein sollte, was man so von sich gibt. Ich bin auch gespannt, ob jetzt zum Halbfinale wieder der chronische Italien-Hass von 2006 bei so vielen durchkommt, den ich damals schon sehr bedenklich fand. Wenn ich in der S-Bahn eine Horde aggressiv “Deutschland, Deutschland”-gröhlender, mit zahlreichen Flaggen und schwarz-rot-goldenen Utensilien ausgerüsteten Fans sehe, fühle ich persönlich mich da nicht wirklich zugehörig. Das Gefühl, dass das, was 2006 als etwas fröhliches begann, seitdem immer ernster geworden ist, ist glaube ich nicht ganz unbegründet.

Ich würde es gut finden, wenn ihr das Thema im Blog (oder auch im HA) mal ansprecht!

Viele Grüße.“

Ich gebe zu, dass ich um diese Thema gerne einen ganz, ganz großen Bogen machen würde. Einen riesigen Bogen. Denn man kann (ich kann) nur verlieren dabei. Egal, was man auch immer dazu sagt. Generell möchte ich mal schreiben, wie ich diese EM nun wahrgenommen habe. Vorher war ja viel davon zu hören, zu sehen und zu lesen, dass die Hooligans im Osten Europas viel Angst und Schrecken verbreiten würden. Dass es im Osten noch viel, viel härter zugeht, als bei uns. Davon habe ich nichts mitbekommen. Ich habe es vorher wohl auch befürchtet, weil ich auch einige Mal im Osten unterwegs war (und einiges miterlebt habe), aber erfahren und gelesen habe ich in diesen EM-Tagen nichts. Was aber nichts bedeuten muss, denn ich weiß von diversen Großveranstaltungen, dass da der Ball in Sachen Berichterstattung über Schlägereien und sonstige Auseinandersetzungen total flach gehalten wurde. Einiges davon wurde bewusst verschwiegen, um den Hooligans erstens kein Forum zu bieten, zweitens um den anderen Zuschauern nicht noch zusätzlich Angst zu machen.

Man wird aber, so sehr ich jeden „normalen Fan“ verstehe, niemals eine Atmosphäre schaffen können, in der es zu 100 Prozent friedlich zugeht. Das schafft man nie. Denn sonst hätte man es längst geschafft. Selbst wenn es nur noch Sitzplätze in den Stadien geben würde – das würde nichts ändern. Ich habe nun wirklich viele, viele Länderspiele erleben dürfen, und ich habe dabei unglaublich viele handgreifliche und höchst brutale Auseinandersetzungen erlebt. Immer wieder wurde im Vorfeld versucht, all das zu unterbinden. Mit Einreiseverboten, mit einem riesigen Polizeiaufgebot, mit „Fan“-Betreuern und, und, und. Und was hat es bis heute gebracht? Kaum etwas. Ich will bewusst nicht von „nichts“ schreiben, aber der entscheidende Punkt ist doch, dass sich das niemals hundertprozentig unterbinden lässt.

Leider sind da auch immer viele Trittbrettfahrer mit von der Partie, die oftmals gar nicht wissen, was sie machen, was sie da schreien. Sie machen einfach nur mit, weil es in der Gruppe natürlich viel mehr Spaß macht, zu provozieren. Und was machen denn auch schon die Vereine gegen solche „Randalierer“? Stadionverbote! Lächerlich. Das hat doch kürzlich erst Frankfurts Boss Heribert Bruchhagen im Fernsehen erklärt: „In Frankfurt brüsten sich die jungen Fans damit, erst dann ein richtiger Eintracht-Fan zu sein, wenn man mindestens einmal ein Stadionverbot hatte . . .“

Wobei ich einst anmerken muss: „Deutschland, Deutschland“ zu grölen, das finde ich okay. Das sehe ich so wie „HSV, HSV“. Schlimm wird es erst, wenn da gewisse Lieder gesungen werden – aber die werden auch (fast) bei jedem Bundesliga-Spiel gegrölt. Und wird das unterbunden? Nein. Ich durfte mal in einem Zug (nach einem HSV-Spiel) Richtung Hannover fahren, was da gesungen wurde – unfassbar. Aber niemand schritt dagegen ein. Wer auch? Die Polizei? Die kann nicht überall sein. Und die Bahn-Mitarbeiter werden sich hüten, denn die würden so etwas von auf die Glocke bekommen, wenn sie etwas dagegen machen würden.

Und noch eines: Schwarz-rot-goldene Fahnen, Spiegelschoner, Schals, deutsche Trikots und, und, und – was ist daran schlecht? Das hat doch nichts mit „nationalem Denken“ zutun. Da sind so viele Frauen mit ihren schwarz-rot-goldenen Autos unterwegs – alles national denkende Frauen? Da machen wir uns doch lächerlich. In Berlin sollen ja Spiegel abgetreten worden sein, Fahnen an Autos umgeknickt, weil sie angeblich „nationales Denken“ schüren. Das ist doch nur arm und engstirnig, wer so denkt. Ich habe in Hamburg auch viele ausländische Bürger (mit eventuell einem deutschen Pass) gesehen, die deutsche Flaggen an ihren Autos haben. National Denkende? Bestimmt nicht. Da sollte man die Kirche schon mal im Dorf lassen, das ist die Freude pur über eine erfolgreiche Nationalmannschaft. Mehr nicht.

Aber nun bin ich doch ein wenig abgedriftet – was ich gar nicht wollte. Denn diese Thema ist eigentlich viel zu heiß (und zu schwer), um es hier in einigen Zeilen abzuhandeln.

18.41 Uhr

Adler-Interview: “Vom Konzept überzeugt”

25. Juni 2012

Matz Ab: Herr Adler, wie fit sind Sie?
Rene Adler: Ich fühle mich sehr gut. Ich habe mir zwar zehn Tage Pause gegönnt, mehr allerdings nicht. Ich wollte nach meiner langen Pause bis März topfit bleiben und habe mein Trainingsprogramm seither komplett durchgezogen. Die Verletzungspause war lang und schwierig und ich bin sehr froh, wieder ins Mannschaftstraining einsteigen zu können. Deshalb stand bei mir das Athletiktraining im Vordergrund. Ich bin voll im Plan.

MA:Haben Sie Ihre Acht-Monate-Zwangspause schon verarbeitet?
Ja. Auch wenn es eine schwierige Zeit in meinem Leben war. Ich war des Öfteren unausgeglichen, ungeduldig und unzufrieden. Viele von denen, die mir in der Zeit am meisten geholfen haben, haben ab und zu meinen Frust zu spüren bekommen. Vor allem auch die, die täglich mit mir zu tun haben. Es gab immer wieder Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob der ganze Aufwand noch Sinn macht. Gerade angesichts der Tragweite meiner Verletzung habe ich manchmal gezweifelt, habe mich dann bei meiner Familie und meiner Freundin zurückgezogen. Aber sie waren es, die mich durch die kleinen Täler getragen haben. Sie haben mir die nötige Kraft gegeben, sie haben mich durchgehend unterstützt. Und ich habe gelernt, dass meine Zeit als Fußballer begrenzt ist.

MA: Welchen Schluss ziehen Sie daraus? Bereiten Sie Ihre Zeit nach der Karriere schon vor?
Adler: Nein, darum geht es nicht. Ich habe aber gemerkt, dass ich vielleicht teilweise zu ehrgeizig bin, dass mir etwas mehr Gelassenheit gut tun würde. Ich habe eine neue Gewichtung in meinem Leben. Das ist auf verschiedenen Säulen aufgebaut. Eine davon ist meine Fußballkarriere, der ich jetzt 100 Prozent meiner Aufmerksamkeit widme. Allerdings weiß ich, dass ich meinen Job besser mache, wenn ich einen Ausgleich zum täglichen Stress habe. Das ist wichtig für meine Leistung, mal loszulassen, meinen Horizont zu erweitern. Ich habe das oft bei frisch gebackenen Vätern miterlebt, dass sie plötzlich vernünftiger, konzentrierter und ausgeglichener waren. Playstation, Cafés und stumpfes Fernsehen nach dem Training ist nicht mein Ding, deshalb werde ich ein Studium beginnen, dafür abends in meiner Freizeit auch Vorlesungen an der Fachhochschule besuchen. Ich will lernen. Und ich brauche das normale Leben außerhalb des Show-Business, vor allem normale Leute, die mich stinknormal behandeln. So, wie es meine Freunde machen. Hamburg ist für mich sportlich und privat ein Neuanfang.

MA: Apropos Freunde, von einem müssen Sie sich jetzt trennen.
Adler: Das stimmt. Mein bester Freund Sascha aus alten Leipziger Tagen wohnt in Leverkusen. Aber unsere Freundschaft ist nicht von Kilometern abhängig. Ich behalte dort ein Besucherzimmer bei ihm und er hat bei mir in Hamburg immer eins geblockt. Das Lustige ist, dass sich die meisten meiner Freunde freuen, dass ich jetzt nach Hamburg gehe. Die kennen die Stadt besser als ich und sehen sie allein schon als Grund, mich zu besuchen.

MA: Sie haben Sascha auf brutale Weise kennengelernt.
Adler: Naja, nachdem er in der Jugend gegen mich getroffen hatte und wieder auf mich zulief, habe ich alles riskiert, gerettet und ihn dabei umgetreten. Er musste verletzt raus und ich hatte ein schlechtes Gewissen. Zwei Tage später war Einschulung und wir waren in derselben Klasse. Seitdem sind wir beste Freunde, was unseren Charakter ganz gut beschreibt. Ich bin offen, ehrlich und freundlich.

MA: Hat sich auch Ihr Freundeskreis in Ihrer Verletztenzeit verändert?
Adler: Nein, eigentlich nicht. Ich habe zwar viele Kumpels, aber nicht viele Freunde, denen ich alles erzähle. Die Freundschaften werden sich bis ins hohe Alter halten, da bin ich sicher. Der Kreis der Kumpels verändert sich durchgehend. So schwierige Zeiten wie die acht Monate Verletzungspause haben meinen Freundeskreis nur bestätigt. Und sie haben mir die Wichtigkeit meiner Familie einmal mehr verdeutlicht.

MA: Sie sind in der DDR geboren worden.
Adler: Ja. Aber ich habe von der DDR nicht viel mitbekommen, außer, dass uns eine Großtante aus Saarbrücken immer Westpakete mit Süßigkeiten zugeschickt hat.

MA: Und Ihre Eltern haben hat Sie zum Fußball gebracht?
Adler: Indirekt. Sie haben mir als Dreijährigen das erste Paar Schuhe geschenkt. Die waren aber auch in der kleinsten Größe noch viel zu groß. Richtig gekickt habe ich aber eh erst mit Sechs. Dass es mal soweit reicht hätte ich anfangs nicht gedacht. Umso glücklicher bin ich heute.

MA: Obwohl Sie zweifellos noch Ziele haben. Wie wichtig ist Ihnen die Rückkehr in die Nationalelf?
Adler: Auf lange Sicht ist das natürlich ein Ziel. Wenn man einmal da war, will man immer da sein. Gerade, wenn man sieht, welch begeisternden Fußball wir heutzutage spielen. Es ist die größte Ehre, für mein eigenes Land zu spielen, aber ich bin auch Realist. Ich war ein Jahr weg. Jetzt muss und will ich erst einmal beim HSV ein Teil des Ganzen sein, hier mit der Mannschaft Erfolge feiern und mit der ganzen Stadt sportlich wieder einen positiven Trend einleiten. Das ist mein größtes Ziel. Und zwar alles ernsthaft – aber mit dem nötigen Spaß.

MA: Sie haben gleich für fünf Jahre unterschrieben. Warum so lang?
Adler: Ich war 12 Jahre bei Leverkusen, ich wechsele nicht alle zwei Jahre den Klub. Das bin ich nicht. Ich werde nie nie sagen, aber ich bin tendenziell der Typ, der weiß, was er hat und das schätzt. Ich bin vereinstreu. Und die fünf Jahre sind auch vom HSV ein großer Vertrauensbeweis. Es bestätigt das Gefühl, das mir Frank Arnesen vom ersten Gespräch an gegeben hat. Seine Art und Weise hat mir imponiert. Er hat mich heiß gemacht. Ich sehe mich als Teil eines Neuaufbaus. Darauf bin ich heiß, das finde ich spannend. Deshalb habe ich mich relativ schnell für den HSV entschieden. Es gab verschiedene Optionen, aber ich habe mich auf mein Bauchgefühl verlassen und die gesamte Zeit mitgefiebert und mitgezittert, dass es klappt.

MA: Wären Sie auch im Falle eines Abstiegs gekommen?
Adler: Ganz ehrlich, ich war immer überzeugt, dass die Mannschaft es packt. Aber selbst wenn, ich hätte definitiv darüber nachgedacht.

MA: Sie träumen von der Premier League.
Adler: Ich bin ein Fan der Premier League. Aber ich beschäftige mich nicht damit. Keine Sekunde. Das wäre das Falscheste, was ich jetzt machen könnte. Ich habe gelernt, alle Eventualitäten beiseite zu schieben. Ich bin topglücklich, beim HSV die Chance zu bekommen, bei einem so großen Klub wieder zu spielen.

MA: Noch haben Sie mit Jaroslav Drobny eine Nummer eins als Konkurrenten. Wie sehen Sie die Situation.
Adler: Die Konkurrenz belebt mich. Ich mache mir da keine Gedanken. Ich achte zwar erst einmal auf mich, bin aber sehr kollegial. Ich spiele kein falsches Spiel und äußere mich nicht öffentlich über meine Kollegen. Ich schätze die Kollegen – auch als Konkurrenten.

MA: In Leverkusen haben Sie einst Jörg Butt die Nummer eins abgenommen.
Adler: Und ich weiß heute, wie er sich gefühlt haben muss. Er hatte moniert, dass es vorbereitet wirkte. Und es kann sein, dass dieser Umbruch gewollt war. Er war ja nicht lange verletzt, sondern hatte nur eine Rote Karte. Aber ich habe das damals nicht so hinterfragt. Ich war jung und wollte einfach nur spielen. Als das gut lief, war ich glücklich. An Jörg habe ich dabei nicht gedacht. Aber ich werde das Gespräch bei Gelegenheit mit ihm suchen.

MA: Sind Fußballer zu egoistisch?
Adler: Das kann man so pauschal nicht sagen. Es ist ja auch nicht leicht für einen Fußballer. Er muss sich durchsetzen, demnach zuerst an sich denken. Zudem sind wir für die Klubs doch auch nur Nummern, die ausgetauscht werden, wenn sie nicht mehr funktionieren. Gerade Torhüter haben es nicht leicht. Wir haben nur eine Position, die wir spielen können – und die Konkurrenz wächst. Immer mehr junge und gute Keeper kommen nach. Sie werden immer besser und sind günstiger. Das ist harte Konkurrenz. Da müssen wir unsere Position immer wieder neu beweisen. Ich habe es als junger Keeper erlebt – und ich werde es irgendwann als alter Keeper erleben. Das ist die große Klammer einer Torwartlaufbahn.

MA: Was erwarten Sie beim HSV?
Adler: Der Verein, die Stadt, das Umfeld und vor allem die Fans bieten alles, was man braucht, um Erfolg zu haben. Dass wir Geduld brauchen – keine Frage. Aber die Klubphilosophie ist gut. Wir wollen etwas aufbauen. Der verein hat einen Plan, mit dem ich mich identifizieren kann. Ich bin davon überzeugt Und eines ist klar, ich komme nach Hamburg, um mit dem HSV Erfolg zu haben.

MA: Wer wird Europameister?
Adler: Ich bin wirklich davon überzeugt, dass wir es diesmal schaffen.

0.09 Uhr

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