Monatsarchiv für Mai 2012

Weniger Worte – mehr Taten, bitte!

22. Mai 2012

Er wird immer wieder erkenntlich. Der Grund, weshalb Sport und Politik strikt getrennt gehören, offenbart sich beim HSV schon in den kleinsten vereinspolitischen Entscheidungen. Dieser HSV hat es geschafft, dass vereinsintern „Fraktionen“ (Supporters, Wirtschaftsweisen, Realos, Initiative Pro HSV etc.) gebildet werden. Ein deutschlandweit in diesem Ausmaße einzigartiges Szenario. Zwar kommt es immer wieder mal vor, dass bei anderen Bundesligisten politische Scharmützel ausgetragen werden. Allerdings legen sich diese nach Paukenschlägen von verdienten Vereinsgrößen wie beispielsweise Uli Hoeneß (gegen die FCB-Ultras) schnell bei. Und wenn diese Persönlichkeiten fehlen oder wie beim HSV (Netzer, Magath) nicht wollen – führen sie wie beim 1. FC Köln irgendwann in den sportlichen Misserfolg.

Nun kann man sagen – und das zurecht – dass der HSV diesen Level spätestens in dieser Saison beschritten hat und mit etwas Geschick aber noch mehr Dusel den Erstligaverbleib sichern konnte. Allerdings, wer jetzt verteufelt, was sich beim HSV aktuell abspielt, der hat jahrelang nicht aufgepasst. Dieses politische Treiben innerhalb des Aufsichtsrates gab es vorher schon. Und auch vereinsintern wurden in den letzten Jahren Fraktionen gebildet. Vornehmlich ging es dabei um die, die Bernd Hoffmann folgten und die Supporters. Letztgenannte hatten immer wieder Probleme mit dem rigorosen Führungsstil Hoffmanns. Zwar schwiegen sie auf den Jahreshauptversammlungen zumeist, weil der sportliche Erfolg da war und der HSV in der Uefa-Rangliste beständig kletterte. Allerdings waren unter den Supporters ebenso wie in dem eingenommenen Aufsichtsrat ausreichend Gegner Hoffmanns, die nur auf den Tag des Misserfolges warteten. Und als dieser Tag kam – traten sie übel zu – und Hoffmann musste gehen.

Besser geworden ist seitdem allerdings nichts. Im Gegenteil: seitdem der HSV sich von dem damals intern unter anderem als machtorientiert geltenden Ex-Vorstandsvorsitzenden getrennt hat, brodelt es mehr denn je, weil plötzlich alle zuvor kleinlauten Fraktionen das Gefühl haben, sich einen Teil der von Hoffmann zurückgelassenen Beute sichern zu können. Alle werden gierig. Und unter dem Deckmantel der treuen Vereinssorge mobilisieren die Fraktionen möglichst viele Anhänger und versuchen, ihre Ideen in Satzungsänderungen auf lange Sicht zu etablieren. Der Kampf um die Macht ist mehr denn je entfacht.

Dass dabei nicht nur egoistische Ziele verfolgt werden will ich an dieser Stelle gar nicht bezweifeln. Aber in der Masse der vereinspolitischen Querelen gehen diese nur zu leicht unter und führen das objektive Mitglied in einen unüberwindbaren Irrgarten der politischen Interessen. Oder wisst Ihr, wer mit wem was erreichen will?

Nein, das wissen nur die wenigsten. Eigentlich wissen das sogar nur die Urheber und Steuermänner der Fraktionen. Und selbst die verlieren oft die Orientierung. So, wie es Bernd Hoffmann nach dem Aus von Dietmar Beiersdorfer erging. Plötzlich hatte er das komplette Feld für sich – und dies wurde ihm zu groß. Der verdiente Vorstandsvorsitzende mit der Qualität, den HSV finanziell zu führen, wurde Opfer seiner eigenen Politik. Plötzlich musste er alle Felder – Wirtschaft, Vereinspolitik in- und extern und fatalerweise auch den sportlichen Bereich führen – und ging daran kaputt.

Dennoch, für alle, die hier noch immer große Anti-Hoffmann-Blogs vermuten: dem ist nicht so. Mir geht es nicht um die Schuld einzelner. Vielmehr steht es für mich außer Frage, dass der HSV mit Hoffmann noch immer gut fahren würde, wenn sich dieser auf sein ursprüngliches Verantwortungsgebiet beschränkt hätte. Zusammen mit Beiersdorfer war es die beste Konstellation des HSV seit den Achtzigern.

Dass dem nicht mehr so ist, hat viele Gründe. Allein gelernt hat daraus offenbar niemand. Zumindest nicht genug. Und das gilt beim HSV heute für alle. Die Vergangenheit sollte als Warnung dienen. Es ist klar, dass es nicht nur einen Weg gibt, der zum Erfolg führen kann. Ich behaupte einfach mal, dass alle Fraktionen grundsätzlich tatsächlich von ihrem Weg überzeugt sind und will niemanden eine funktionierende Idee absprechen. Aber es kann und darf am Ende nur einen gemeinsamen Weg geben, den man gemeinsam gehen muss, wenn man wirklich Erfolg haben will. Dafür wiederum hat der Verein das demokratische Werkzeug der Mitgliederversammlung, deren Votum zu respektieren ist. Daher ist im Nachzug dieser Wahlen häufiger Zurückhaltung angesagt. Der Klügere gibt nach, heißt es schon bei den kleinen Kindern, wenn sie im Sandkasten Recht und Unrecht versuchen zu trennen. Und das sollte auch für die hochtrabend politisch Orientierten beim HSV gelten. Jetzt mehr denn je.

Deshalb – und zwar ausschließlich nur aus dieser Befürchtung – glaube ich, dass die Fernwahl für diesen HSV noch ungeeignet ist, dass sie zu früh kommt. Ich bin der festen Überzeugung, dass Demokratie unabdingbar ist. Aber ich bin mir sicher, dass die verschiedenen Fraktionen das Instrument der Fernwahl noch zu leicht missbrauchen könnten. Weil der breiten Masse der 70000 Mitglieder einfach der Überblick fehlt. Fehlen muss, würde ich sagen. Denn gerade die, die nicht in Hamburg ansässig sind, haben zu wenige Informationsquellen, um sich ein objektives Bild der Lage beim HSV machen zu können. Und selbst die hiesigen Mitglieder können bei der inzwischen vorhandenen Vielzahl von Fraktionen, Vorwürfen und Gerüchten nur noch mit größter Mühe einen Überblick bewahren. Wenn Ihr wüsstet, wie oft man als HSV-Journalist vor einer Mitgliederversammlungen angeschrieben und angerufen wird, um von der jeweiligen Idee überzeugt zu werden…. Ich hoffe vielmehr, dass andere Vereine den Schritt zur Fernwahl noch vor dem HSV gehen, und der HSV aus deren Erfahrungen lernen kann. So ist das Risiko des Missbrauchs der Fernwahl minimiert – ohne sie aus den Augen zu verlieren.

Deshalb bleibt momentan nur die leise Hoffnung, dass dieses vereinspolitische und vereinsschädigende Wirrwarr möglichst schnell vom sportlichen Erfolg eingeholt wird, ehe es noch tiefere Wunden hinterlassen kann. Wie schon in für die Mannschaft, gilt diesmal für die Mitglieder und noch mehr für die Amtsinhaber des HSV: Taten statt Worte.

Getan wird derzeit was für die HSV-Anlage Ochsenzoll. Während die dort ansässigen HSV-Bundesligafrauen aus Kostengründen abgemeldet wurden (das sorgte heute für ne Menge Gesprächsstoff), wird in Steine investiert. Zuletzt wurden zwei Millionen Euro für das heute eingeweihte neue Vereinshaus gesteckt. Bei der Eröffnung traf ich den Vorstand (außer Arnesen) sowie den neuen Aufsichtsratsvorsitzenden Alexander Otto. Mit dem ECE-Chef, der im Kontrollgremium als Moderator zwischen den Parteien gilt, sprachen wir über die neue Konstellation im Aufsichtsrat.

Herr Otto, dürfen wir Ihnen zu Ihrer neuen Rolle gratulieren?
Alexander Otto: Müssen Sie nicht. Aber Danke. Wobei ich diese Rolle ja nicht das erste Mal interimsweise übernehme und das Glück habe, dass jetzt die etwas ruhigere Phase der Sommerpause bevorsteht.
Im Januar 2011 wollten Ihre Ratskollegen, dass Sie den Vorsitz übernehmen, damals sagten Sie aus familiären Gründen ab. Würden Sie diese Rolle diesmal auch über längere Zeit übernehmen?
Otto: Meine Situation hat sich wenig verändert. Beruflich bin ich sehr eingespannt und ehrenamtlich ist es eher mehr geworden. Ich habe einen Job, der mir nicht sehr viel Zeit lässt – und dennoch steht meine Familie bei mir weiter an allererster Stelle. Der Vorsitzende ist ein Job, der sehr viel zeit braucht, die ich nicht habe. Ich würde den Anforderungen dieses Amtes nicht gerecht werden können. Deshalb möchte ich gerade an diesem Punkt noch mal erwähnen, was für tolle Arbeit Otto Rieckhoff hier geleistet hat in den letzten eineinhalb Jahren. Er war fast rund um die Uhr als Vorsitzender unterwegs.
Wer wäre in Ihren Augen denn ein geeigneter Kandidat für den Vorsitz?
Otto: Ich bin optimistisch, dass sich da jemand finden lässt. Das ist eigentlich immer so. Aber wir haben jetzt erst einmal eine ganze Menge zu besprechen nach der Mitgliederversammlung. Wir waren auf dem Weg einer sehr, sehr guten Zusammenarbeit. Die Nachfolge wollen wir Anfang Juni nach ausreichend Gesprächen benennen. Ich glaube, dass das in einer harmonischen Form durchführen. Mein Ziel ist es, dass wir wieder da anknüpfen, wo wir vor der Mitgliederversammlung aufgehört haben. Ich glaube auch, dass wir zunehmend zusammengerückt sind.
Das verwundert. Gerade am Sonntag wirkte das anders…

Otto (lacht): Stimmt. Vielleicht war das den warmen Temperaturen und der sehr, sehr langen Sitzung noch geschuldet. Es gab glaube ich auch ein paar Missverständnisse, die auch teilweise aufgeklärt wurden zwischenzeitlich. Aber ich denke schon, dass wir wieder eine gute Basis finden werden. Ich glaube auch, dass wir es dem HSV auch geschuldet sind, weil jetzt stehen ganz andere Themen im Vordergrund. Die sportliche Situation, die wirtschaftliche Situation des HSV. Gerade in der Vergangenheit gab es ganz unterschiedliche Meinungen zu Satzungsänderungen – deshalb sollten wir uns damit beschäftigen, dem HSV einen gesunden wirtschaftlichen Rahmen zu verpassen und sportlich unsere Ergebnisse zu verbessern.
Waren Sie überrascht von Herrn Rieckhoffs Schritt?

Otto: Ich glaube, er hat einfach nur ein paar Möglichkeiten aufgezeigt. Er hat ja auch klargestellt, dass er nur Varianten aufzeigen wollte. Er hat die Möglichkeit aufgezeigt, die es gibt, wenn dieser Satzungsänderungswunsch durchgeht. Wobei es auch noch eine andere Möglichkeit gibt, dass man bei einem verkleinerten Aufsichtsrat nur einen neuen Aufsichtsrat nachwählt. (Anmerkung: Im Januar stehen Horst Beckers, Ian Karans, Alexander Ottos und Jörg Debatins Posten zur Neuwahl an, während die beiden Delegierten Ronny Wulff und Ernst-Otto Rieckhoff neu bestimmt werden. Demnach hätte Ottos Vorschlag bedeutet, dass zu den vier weiter im Amt befindlichen Kontrolleuren zwei Delegierte und nur ein neu Gewählter hinzukommt. Ergo: sieben statt zwölf Aufsichtsräte) Ich fand es überraschend, dass das Thema so groß behandelt und diskutiert wurde. Aber das zeigt, dass es nicht gut war, dass in einem so großen Kreis zu besprechen.

Recht hat er. Rieckhoff hätte es in einer der 23 (!!) AR-Sitzungen der letzten Saison ankündigen und intern behandeln können. Das hätte viel Diskussionsstoff vorweggenommen und auf der Mitgliederversammlung nicht für unnötige Verwirrung und zeitliche Verzögerungen gesorgt.

In diesem Sinne, sportlich gab es auch etwas: Während Reagy Ofosu aus der U23 nach Ingolstadt wechselt, hat Sven Neuhaus seinen Vertrag um ein Jahr verlängert. Und das soll es mit Ersatzkeepern des HSV für heute noch lange nicht gewesen sein, denn Raphael Wolf kehrt vom österreichischen Bundesligisten SV Kapfenberg in die Bundesliga, zu Werder Bremen zurück. Der ehemalige U23-Keeper des HSV unterschrieb einen Vertrag bis 2015. Auch Wolfgang Hesl ist wieder Erstligist. Der 26-Jährige wechselt ablösefrei von Dynamo Dresden zum Bundesligaaufsteiger Greuther Fürth.

Willkommen zurück!

In diesem Sinne, auf dass wir die nächsten Wochen wieder mehr über Fußball sprechen, diskutieren und schreiben können. Zum Beispiel darüber, warum ein Kevin Großkreutz nicht mal im vorläufigen EM-Kader steht… Aber vor allem über den HSV und die hoffentlich bald gefundenen Verstärkungen für die neue Saison. Oder wie sagte Uns Uwe Seeler heute in die Kamera, just in dem Moment, in dem HSV-Vorstandsboss Carl Jarchow ihn begrüßte: „Klar ist, dass wir zur neuen Saison noch ne ganze Menge machen müssen. Wir brauchen da noch einige Verstärkungen…“ Recht hat er. Hoffen wir darauf, dass das alle wissen und auf dem Weg dahin bedingungslos zusammenarbeiten.

Scholle

Rieckhoffs Rücktritt und Krohns Abgang

21. Mai 2012

Es musste ja so kommen. Ernst-Otto Rieckhoff ist von seinem Posten als Aufsichtsrats-Vorsitzender des HSV zurückgetreten. Erwartungsgemäß. Allerdings hat er nur den Posten abgegeben, seinen Stuhl im Rat wird er weiterhin haben – bis zum Januar 2013. Bei der Jahres-Hauptversammlung des HSV wird sich Rieckhoff dann nicht mehr zur Wiederwahl stellen. Die Vorkommnisse bei der Mitglieder-Versammlung am Sonntag ließen ihm wohl auch keine anderen Ausweg, als genau diesen. Ich hatte sogar mit einem sofortigen Rückzug aus dem Aufsichtsrat gerechnet, aber das hätte wahrscheinlich auch wie ein Fluch ausgesehen, sodass die nun getroffene Entscheidung wohl die richtig ist.

Rieckhoff wollte mit der am Sonntag ausgesprochenen Rückzugs-Forderung (des gesamten Aufsichtsrates) wachrütteln und ein Zeichen setzen, es ist ihm wohl nur zur Hälfte gelungen. Zwar hielt er eine umjubelte Rede, die mehrfach von Bravo-Rufen und Beifallssalven unterbrochen wurde, aber weil dieser HSV gegenwärtig in sich zu sehr zerstritten ist, konnte es nicht nur bei diesem Applaus bleiben. Es gibt im Moment mindestens drei Lager innerhalb des HSV: Die Supporters-Gefolgschaft um Ralf Bednarek und Manfred Ertel, die „Realos“ (die seit Wochen mächtig Dampf machen!) – und die ganz „normalen“ Mitglieder, die nur zusehen wollen, wie dieser Machtkampf eines Tages enden wird.

Bitter, dass es so weit in diesem Traditions-Klub kommen konnte, aber diese Entwicklung wird nicht mehr zu unterbinden sein. Was sicherlich auch zum Großteil dem alten Aufsichtsrat zu verdanken ist, der sich in der Ära vor Carl-Edgar Jarchow zu sehr vom Vorstand „einlullen“ ließ, der dem bunten Treiben im Klub nur zugesehen hat, durchgewinkt und abgenickt hat. Ein Kontrollorgan jedenfalls waren diese Herren zu keiner Zeit, ihnen wurde nach allen Regeln der Kunst auf den Köpfen herumgetanzt – und nun erntet der HSV die Früchte dieser wenig ruhmreichen Vergangenheit.

Am Sonntag hieß es oft: „Nicht die Großen schnappen die Kleinen, sondern die Schnellen schnappen die Langsamen.“ Für den HSV müsste aber ein Zusatz her: „Die schnellen Cleveren schnappen die langsamen und dummen Träumer.“ Wer immer noch von einem HSV von 1960 träumt, der sollte demnächst einmal „umsatteln“ und der Realität in die Augen blicken. Nichts ist mehr, so wie es mal war, und dass bald alles total anders sein wird, daran wird schon kräftig gearbeitet. Von allen Seiten, denn jeder fühlt sich dazu berufen, diesen HSV zu „übernehmen“. Weil alles das, was vorher gelaufen ist, viel zu schlecht und amateurhaft gewesen ist. Wobei das im Kern ja nicht einmal von der hand zu weisen ist. Blickt man aus Hamburg aber immer mal wieder nach München (wo sie jetzt dreimal Zweiter geworden sind), dann wird dieser Vorzeige-Klub immer noch ein wenig anders regiert und geführt, als es die Hamburger Herren nun mit dem HSV vorhaben.

Wer wird Rieckhoff nun als AR-Boss ersetzen? Ich tippe mal auf das Duo der bisherigen Stellvertreter, also Manfred Ertel/Alexander Otto. Oder die „Altmeister“ Ronny Wulff oder Jürgen Hunke? Letzterer hat allerdings am Sonntag erklärt, dass er keinen Posten mehr haben will, auch keinen Posten mehr übernehmen will. Und immer wieder muss ich daran denken, was Hunke auch noch gesagt hat: „Es geht hier nur noch um Macht.“ In dem Fall war der Satzungs-Änderungsantrag, die Reduzierung des zwölfköpfigen Aufsichtsrates gemeint. Aber es könnte alles damit gemeint und verbunden sein, denn keine „Seite“ dieses Machtkampfes im HSV ist besser als die andere. Keine. Sie alle wollen nur an die Macht und ihren Verein führen, lenken und befehligen.

Mir tat der HSV an diesem Sonntag besonders Leid, und auch der Abgang von Dr. Peter Krohn war absolut daneben und besorgniserregend. Eine solche Figur, die sich jahrelang so um die Raute bemüht hat, hat einen Sonntag wie diesen einfach nicht verdient. Es war das erste Mal in der Krohn-Geschichte, dass der „General“ von der Bühne gebuht wurde. Er sagt dazu: „Mit tat es Leid, dass ich nicht zu Ende reden konnte, ich habe das zutiefst bedauert. Und es tat auch weh, denn in meinem Alter, mit meiner Gesundheit – ich komme immer noch zu diesen Versammlungen, andere schon lange nicht mehr . . .“ Dann sagte Krohn auch: „Ich musste in dieser Situation einfach ein Zeichen setzen, deswegen bin ich gegangen.“

Für immer? Hat er nun mit dem HSV, seinem HSV abgeschlossen? Peter Krohn: „Nein, nein, um Himmels Willen, nein, ich werde weiter ein engagierter HSVer bleiben. Ich kann zwar keine Tore schießen oder verhindern, aber ich kann auf das Wesentliche n diesem Klub achten – und das werde ich auch.“ Der ehemalige Präsident hatte natürlich zahlreiche Anrufer an diesem Tag, die ihm alle Trost zusprachen, aber ich hatte das Gefühl, dass Krohn so etwas gar nicht will und braucht. Am Tag danach zeigte er sich kämpferisch wie eh und je. Er sagt: „Ich wollte mit meiner Rede darauf hinweisen, dass es in dieser Phase, in der sich der HSV jetzt befindet, Wichtigeres als Satzungsänderungen gibt. Natürlich sind Satzungsänderungen wichtig, ganz klarer Fall, aber der HSV landete auf Platz 15. Das ist doch mehr als eine Warnung für uns. Da muss man doch mindestens mal eine Stunde drüber reden – und dann erst zu den Satzungsänderungen kommen Zumal, diese ja ohnehin erneut nicht alle zur Sprache gekommen sind. Ich wollte mit meiner Rede die Botschaft geben, dass es so nicht weitergehen kann.“

Und Peter Krohn wollte wissen, wie es nun weitergehen wird, mit dem HSV. Er hat, das ist ihm deutlich anzumerken, große Angst um die Raute. Er sagt nämlich auch. „Mir ist es zu wenig, wenn wir Jubelarien anstimmen, weil wir nicht abgestiegen sind. Ich bitte Sie, wo sind wir denn?“ Dann fügt er leise an: „Man kann jetzt nur noch beten. Und darauf hoffen, dass die neue Saison etwas besser wird, dass die Verantwortlichen mal wieder ein glückliches Händchen haben werden . . .“

Dem kann man sich nur anschließen. Obwohl – mir fehlt ein wenig der Glaube. Wenn ich bei meinen Kollegen von der „Bild“ lese, dass Sportchef Frank Arnesen den Vertrag von Marcell Jansen um drei Jahre verlängern will, weil er (der Ex-Nationalspieler) sich „top entwickelt“ hätte, dann frage ich mich, was wir daraus lernen sollen? Wer hat sich top entwickelt? Ich sage mal so: Wenn Marcell Jansen sich in dieser abgelaufenen Saison top entwickelt hat, dann bin ich nun auf dem besten Wege zum Nobel-Preis. Und ich werde der Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck. Ganz sicher. Denn auch ich habe mich „top entwickelt“. Übrigens: Ich bin nicht mehr gefragt bei dieser nun beginnenden Europameisterschaft, Marcell Jansen auch nicht mehr. Noch Fragen?

So, jetzt noch schnell kleine andere Dinge:

Trainer Thorsten Fink wollt ja seinen Ex-Schützling Xhaka vom FC Basel, hat ihn aber nicht bekommen. Warum nicht? Wenn ihr folgende Meldung gelesen habt, werdet ihr euch ein Bild davon machen können:

„Granit Xhaka kommt mit den besten Empfehlungen. Das mit geschätzten 8,5 Millionen Euro
teuerste Juwel in der Geschichte des fünfmaligen deutschen Meisters Borussia Mönchengladbach ist für den Schweizer Nationaltrainer Ottmar Hitzfeld ein echter Hochkaräter. „Ich sehe große Ähnlichkeiten mit Bastian Schweinsteiger, den ich bei den Bayern mit 18 Jahren zu den Profis geholt habe“, sagte der Meistertrainer der Bild.
Seine Ziele mit Mönchengladbach hat Xhaka bereits klar formuliert: „Ich bin nicht hier, um gegen den Abstieg zu spielen. Ich will in die Champions League, dafür werde ich in den beiden Quali-Spielen im August richtig Gas geben. Danach will ich eine gute Saison spielen. Das ist für mich ein Platz unter den ersten fünf.“

Dann gab es heute noch das:

Das unter skandalösen Umständen zu Ende gegangene Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt. Das teilte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes am Montag in Frankfurt mit. Der Einspruch wurde als unbegründet abgewiesen, sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. Die Berliner haben nun eine weitere Möglichkeit, vor dem DFB-Bundesgericht Einspruch einzulegen.

Das DFB-Sportgericht hatte sich am Freitag nach mehr als sechsstündiger Beweisaufnahme vertagt. Hertha hatte nach der 2:2 ausgegangenen Partie in Düsseldorf Protest eingelegt.
Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrochen. Als die Fans den Rasen wieder verlassen hatten, pfiff der Referee die Partie noch einmal für 93 Sekunden an. Einen Tag später legte die Hertha Einspruch ein. „Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich“, begründete Manager Michael Preetz.

Gegen die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Diese Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt. (dpa)

Und auch das nur zur Beachtung (und weil man ersehen kann, wie gut Platz 15 doch eigentlich ist:

Eintracht Frankfurt ist der einjährige unfreiwillige Ausflug ins Fußball-Unterhaus teuer zu stehen gekommen. „Die Zweite Bundesliga hat uns elf Millionen gekostet“, sagte Finanzvorstand Thomas Pröckl bei einer Bilanzpressekonferenz des Bundesliga-Aufsteigers am Montag. Das Eigenkapital sei von 15,95 Millionen Euro zum Abschluss der Saison 2010/2011 auf 4,99 Millionen Euro gesunken.

Und zum guten Schluss auch noch dies:

Am 22. Mai 2012 eröffnet der Hamburger Sport-Verein sein neues Vereinshaus auf der Sportanlage in Norderstedt. Um 15 Uhr wird in der neuen Gastronomie mit dem Namen „Anno 1887″ offiziell das erste Bier gezapft. Hierzu haben sich der HSV-Vorstand, Uwe Seeler und Aufsichtsratmitglied Alexander Otto angekündigt. Zur Eröffnung erwartet der neue Chef Sens mehrere hundert Gäste, darunter auch einige bekannte Gesichter des HSV. Bei Live-Musik wird das Anno 1887 zur Feier des Tages bis spät in den Abend geöffnet haben, so dass auch nach Feierabend jeder herzlich willkommen ist.

18.39 Uhr

Eilmeldung: Rieckhoff tritt zurück

21. Mai 2012

Jetzt ist es amtlich. Wie gestern schon vermutet, dass diese Mitgliederversammlung Konsequenzen haben wird: Ernst-Otto Rieckhoff tritt als Vorsitzender des HSV-Aufsichtsrates zurück. Der ehemalige HSV-Schatzmeister bleibt aber im Aufsichtsrat – auf jeden Fall bis zur Wahl im Januar 2013. Und, darauf wurde ich eben aufmerksam gemacht (danke dafür!), Rieckhoff wird dann nicht wieder zur Wahl antreten.
Mehr dazu hier in den nächsten Stunden an dieser Stelle.

14.53 Uhr
Und noch eine Eilmeldung:

Frankfurt/Main (dpa) – Das unter skandalösen Umständen zu Ende gegangene Bundesliga-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt. Das teilte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes am Montag in Frankfurt mit. Der Einspruch wurde als unbegründet abgewiesen, sagte der Vorsitzende Richter Hans E. Lorenz. Die Berliner haben nun eine weitere Möglichkeit, vor dem DFB-Bundesgericht Einspruch einzulegen.
Das DFB-Sportgericht hatte sich am Freitag nach mehr als sechsstündiger Beweisaufnahme vertagt. Hertha hatte nach der 2:2 ausgegangenen Partie in Düsseldorf Protest eingelegt.
Weil Fortuna-Anhänger schon vor dem Abpfiff den Rasen stürmten, hatte Schiedsrichter Wolfgang Stark das Spiel für 21 Minuten unterbrochen. Als die Fans den Rasen wieder verlassen hatten, pfiff der Referee die Partie noch einmal für 93 Sekunden an. Einen Tag später legte die Hertha Einspruch ein. „Ein regulärer Spielbetrieb war für uns nicht mehr möglich“, begründete Manager Michael Preetz.
Gegen die Berliner Profis Lewan Kobiaschwili, Christian Lell, Thomas Kraft und Andre Mijatovic hat der DFB-Kontrollausschuss Ermittlungen eingeleitet. Diese Fälle werden zu einem späteren Zeitpunkt behandelt.

Der 20. Mai 2012 – ein legendärer Tag!

20. Mai 2012

Ohnsorg-Theater. Das war Ohnsorg-Theater – aber volle Delle. Kennt ihr „Tratsch im Treppenhaus“? Ich glaube es war bei „Tratsch im Treppenhaus“, als Henry „Opa“ Vahl angetrunken nach Hause kommt und immer wieder sagt: „Nigge-nigge-nigge-ding.“ Und dabei fasst er immer in einen Schuhkarton, in dem ein Kaninchen sitzt. „Opa“ kommt vom „Karnickel-Züchter-Verein“. Daran habe ich heute den ganzen Tag denken müssen. Der „Karnickel-Züchter-Verein“ muss HSV heißen. Ganz klar. Man, war das wieder eine Horror-Veranstaltung. Zum Davonlaufen. Was war das denn bloß? Das hat doch mit Profi-Fußball und Erster Liga nichts mehr zu tun. Es ist einfach nur noch traurig. Selbstdarsteller ohne Ende, Wichtigtuer, Aufschneider – und viele, viele selbstverliebte Leute. Unfassbar. Ich habe schon viele verzweifelte Leute bei HSV-Mitgliederversammlungen gesehen, aber so viele wie heute? Noch nie. Kopfschüttelnd sind viele schon früh davon gelaufen, auf und davon. Der frühere Schatzmeister Gerhard Flomm sprach vielen aus dem Herzen: „Wahnsinn, der pure Wahnsinn, ein große Katastrophe.“

Dem ist nichts mehr hinzu zu fügen. Wirklich nichts. Dieser Tag, dieser 20. Mai 2012, der wird dem HSV schwer geschadet haben. Ganz schwer. Der ohnehin schon zerstrittene Aufsichtsrat ist nun noch mehr auseinander gebracht worden, als ohnehin schon. Ich rechne in den nächsten Stunden ganz schwer mit dem Rücktritt des AR-Bosses Ernst-Otto Rieckhoff, aber dazu komme ich noch. Es ist unheimlich viel Porzellan zerschlagen worden, ich habe mich die ganze Zeit gefragt, ob sich Sportchef Frank Arnesen gefragt hat, in was er hier hineingeraten ist. Okay, okay, er verdient ‚ne Mark Fünfzig beim HSV, das ist auch Schmerzensgeld dafür, mal einen solchen schlimmen Tag zu überstehen, aber es muss für den Dänen trotzdem die Härte, nein, die Oberhärte gewesen sein. Jeder normale Mittel-Europäer muss sich nach diesem Tag fragen: „Womit habe ich das verdient?“

Und: Wenn das so weitergeht, dann lieber HSV, ja, dann gute Nacht, dann steht dem Klub aber eine absolut „ruhmreiche Zukunft“ bevor – aber hallo! Dann könnte der Klub tatsächlich irgendwann mal wieder auf Grand Punktspiele austragen . . . Es war an diesem legendären Tag bei so vielen Redner von der „großen HSV-Familie“ die Rede – wie infam. Wenn das eine Familie sein soll, dann bitte, dann möchte ich bitte nichts mit Vater, Mutter, Oma, Opa und meinen Geschwistern mehr zu tun haben. Das ist doch alles nur noch scheinheilig – erbärmlich.

Eigentlich würde ich jetzt mit diesem Beitrag aufhören, weil ich zu aufgebracht bin nach dieser Un-Veranstaltung, aber ich war dienstlich vor Ort, ich muss darüber berichten, also komme ich meiner Chronisten-Pflicht nach. Schweren Herzens, das gebe ich zu.

Es begann gleich – gegen 11.20 Uhr – mit einem großen Eklat. Einer der ersten Redner, wie könnte es anders sein, war vor 586 HSV-Mitgliedern der frühere HSV-General Dr. Peter Krohn. Er wollte gleich loslegen wie zu seinen besten Zeiten, wurde aber von Aufsichtsrats-Boss Ernst-Otto Rieckhoff aus allen Träumen gerissen: „Lieber Peter, du hältst hier eine Grundsatzrede, dabei sind wir aber noch nicht, ich bitte dich, zum Schluss zu kommen.“ Krohn erwiderte: „Du kannst ja deine Ordner die Anweisung geben, dass sie mich hier vom Pult wegschleppen sollen . . .“ Es klang sehr lustig, aber es war bitterer Ernst! Ja, es ging gleich in die Vollen. Weil Krohn dann aber seine Rede fortsetzen wollte, wurde er von einigen HSV-Mitgliedern ausgebuht. „Wollen Sie, dass ich aufhöre?“, fragte der Doktor, und diejenigen, die gebuht hatten, sagten laut: „Ja.“ Krohn ging. Und verließ die Mitgliederversammlung. Natürlich „allerbester Laune“. Es könnte, so vermute ich mal, sein letzter Auftritt beim HSV und damit auch für den Klub gewesen sein.

Ja, soweit ist es jetzt schon gekommen, dass ein Dr. Peter Krohn vertrieben wird. Aber das blieb nicht der einzige Höhepunkt, wenn auch (vielleicht) der unrühmlichste.

Interessant war auch Punkt sechs der Tagesordnung: Antrag auf Änderung der Satzung durch Ingo Thiel. Die Mitgliederversammlung möge beschließen, die Satzung um den Buchstaben „j“ zu ergänzen, der da lautet: „Beschlussfassung über Verträge, die darauf abzielen, Investorenmodelle umzusetzen.“

Hinter den Kulissen gab es vorab schon einige Gespräche zwischen Vorstand und Thiel, man hatte sich schon geeinigt – Thiel zog seinen Antrag zurück, hielt aber zuvor trotz allem eine – sehr gute – Rede. Ich horchte besonders an jenem Punkt auf, als er von schweren Beschimpfungen gegen sich im Internet sprach – natürlich anonym. Ja, lieber Herr Thiel, so geht es da jeden Tag zu, nicht nur wegen einer Satzungsänderung. Wobei Thiel nicht auf die Einzelheiten, die es zu diesem Punkt unterhalb der Gürtellinie gab, einging. Er sagte lediglich – und das ist noch milde: „Alle haben sie keine Ahnung, aber ich als wahrer HSV-Fan, ich habe Ahnung.“ Und: „Ein HSV-Anhänger weiß grundsätzlich alles besser.“

Natürlich. Immerhin sagte Thiel auch, und das hatte er bei seinen Gesprächen mit dem Vorstand erfahren: „Sportchef Frank Arnesen war noch vom alten Vorstand eingestellt worden, und dieser Vorstand hatte ihm damals 15 bis 20 Millionen Euro mehr für neue Einkäufe versprochen . . .“ Diese 15 bis 20 Millionen waren aber weit und breit nicht mehr zu sehen. Aber man sich kann sich ja auch mal versprechen, keine Frage. Ingo Thiel beendete seinen Vortrag mit: „Ich mache keinen Hehl daraus, dass ich diesem Vorstand und dem weitaus überwiegenden Teil des Aufsichtsrat mehr traue, als dem alten Vorstand.“ Dafür gab es viel Beifall.

Vorstands-Boss Carl-Edgar Jarchow zu dem Vortrag Thiels: „Ich habe schon bei der letzten Mitgliederversammlung am 15. Januar gesagt, dass ich das Kühne-Modell damals nicht unterstützt habe, und ich werde es auch künftig nicht unterstützen. Nur eines ist dieses Modell ganz und gar nicht, es ist kein Investoren-Modell. Es ist ein Modell, mit dem Herr Kühne der größte private Sponsor des HSV geworden ist. Er hat als Sicherheit Anteile von Spielern erhalten, die bereits beim HSV unter Vertrag standen, so etwas lehnt dieser Vorstand ab, so etwas wird es in Zukunft nicht geben.“

Hoch interessant wurde es auch beim Punkt der Fernwahl (Briefwahl). Auch da ging es, wie nicht anders zu erwarten, hoch her. Der ehemalige Präsident Jürgen Hunke war dagegen und sagte: „Wir haben keine müde Mark mehr in der Kasse, wollen aber 100 000 Euro für diesen Versuch ausgeben. Als wenn wir keine anderen Sorgen haben.“ Und: „Ein Bundesliga-Verein besteht aus sportlicher Qualität und aus finanzieller Qualität, aber an beiden Punkten stimmt es bei uns nicht, und daran sollten wir vor allen Dingen arbeiten.“

Alexander Otto, der stellvertretende Aufsichtsrats-Vorsitzende, ist für die Briefwahl und befand: „Ich habe hier nur gehört, dass so etwas nicht geht, aber ich glaube, dass wir im HSV auch mal überlegen sollte, dass etwas geht. Und was geht. Wir müssen auch bereit sein, Mut zu haben. Mut zur Entscheidung, Mut etwas zu verändern.“

Aber geht es wirklich noch um die Briefwahl? Oder um die anderen Tagespunkte? Jürgen Hunke brachte es auf den Punkt: „Es geht um Macht.“ Genau. Ganz genau! Die eine Partei im HSV will mehr Macht als die andere. Nur darum geht es noch, nur darum. Der Verein an sich ist in sich total zerstritten. Und ich frage mich, wie lange sich einige hohe Hamburger Persönlichkeiten diesen Klub noch antun wollen – und werden?

Um Macht ging es wohl auch – und vor allem – beim Punkt: Verkleinerung des Aufsichtsrates. Ein Antrag von AR-Mitglied Horst Becker (der nach für Rede viel Beifall und Bravo-Rufe erntete). Genau zu diesem Punkt platzte eine Bombe – die Rede von Ernst-Otto Rieckhoff. Der u.a. sagte: „Der ganze Aufsichtsrat muss komplett aus der Öffentlichkeit heraus. In anderen Vereinen wissen die Fans gar nicht, wer das was im Aufsichtsrat macht, bei unserem Aufsichtsrat wissen sie alles. Leider nicht immer nur das Positive, und das möchte ich gerne ändern, aber in der derzeitigen Konstellation halte ich das nicht für machbar. Und wenn ich das so sehe, dann geschieht das in höchster Glaubwürdigkeit, denn ich stehe ja nicht in dem Verdacht, persönliche Interessen zu verfolgen, denn ich säge ja gerade an meinem eigenen Stuhl. Auch bei einer neuen Entscheidung in Sachen Aufsichtsrat zählt für mich nur das Wohl des HSV.“

Rieckhoff weiter: „Der HSV steht derzeit auf dem Prüfstand und wird Veränderungen erleben. Der HSV muss seine nähere Vergangenheit dringend korrigieren, gerade nach dem Verlauf der letzten Saison und der für mich unrühmlichen Vereinspolitik der letzten drei Jahre. Und in diesem Zuge müssen wir den Aufsichtsrat verkleinern, und ihn klein machen für einen neuen HSV. Und hierbei sollten dann auch die Mitglieder entscheiden, welche Mitglieder in den Aufsichtsrat sollen. Dafür müssten eleganterweise alle Aufsichtsrats-Mitglieder im Januar zurücktreten und sich möglicherweise neu zur Wahl stellen.“ Rieckhoffs Rede wurde mehrfach von Beifall und Bravo-Rufen unterbrochen. Aber er sprach weiter: „Ein neuer Start für den Aufsichtsrat wäre somit gesichert. Ja, folgen Sie mir, und nehmen Sie die Chance für einen effektiveren HSV wahr, indem Sie dem Antrag von Horst Becker zustimmen.“

Darauf erwiderte Manfred Ertel, der stellvertretende Aufsichtsrats-Chef: „Wenn ich Otto Riekchoff nun widerspreche, dann weil es immer einzelne Punkte gibt, in denen man unterschiedlicher Meinung sein kann. Aber ich muss jetzt schon zugeben, dass ich von dem Beitrag meines Kollegen, den ich sonst sehr schätze, mit dem ich sehr gut zusammenarbeite, einigermaßen perplex bin. Denn die Wirklichkeit, von der Otto Rieckhoff hier geredet hat, hat nichts mit der Wirklichkeit zu tun, die man diesem aktuellen Aufsichtsrat anhängen kann. Und schon gar nicht den Personen, die erst seit einem Jahr in diesem Aufsichtsrat sind.“ Und: „Über unsere Tätigkeit, lieber Otto, hast du bislang hier an dieser Stelle ganz andere Beiträge gehalten.“ Dazu sagte Manfred Ertel auch: „Den Vorschlag, den du, Otto, hier gemacht hast, wir sollten alle zurücktreten, den, so hätte ich mir gewünscht, den hättest du wenigstens ein einziges Mal im Aufsichtsrat vortragen sollen, bevor er hier über 500 Vereinsmitglieder damit konfrontiert werden.“

Professor Dr. Jörg F. Debatin stellte sich (für mich überraschend) auf die Seite von Rieckhoff („Einen besseren Aufsichtsrats-Vorsitzenden als Otto Rieckhoff hätten wir in der Phase nie bekommen, er hat hier segensreich gewirkt“), der Supporters-Chef Ralf Bednarek aber sagte frei heraus: „Lieber Otto, ich bin, ehrlich gesagt, entsetzt über deine Rede.“ Und weiter: „Faktisch willst du ignorieren, was die Mitgliederversammlung bei den letzten Wahlen entschieden hat. Das ist so ein bisschen das Thema der heutigen Versammlung. Ich habe das Gefühl, es soll etwas geändert werden an der Satzung, weil einigen Leuten die Zusammenstellung in diesem Aufsichtsrat nicht passt.“

Und dann wurde es DEUTLICH. Bednarek sagte das, was schon viele Leute seit Monaten wissen: „Machen wir uns doch nichts vor. Wir haben doch nicht das Problem dass wir zwölf oder elf Aufsichtsräte haben, wir haben das Problem im Verein, dass keiner dem anderen glaubt. Hier haben doch alle Seiten immer nur geguckt, welche Fehler machen die andere Seite.“

Endlich hat es mal einer ausgesprochen. Hinter der vorgehaltenen Hand war schon lange die Rede davon, dass der Aufsichtsrat heillos zerstritten ist, nur wurden alle Mitglieder immer nur für dumm verkauft: „Alles in Ordnung, wir verstehen uns bestens, wir arbeiten auch besser zusammen als vorher.“ Toll. Danke, Ralf Bednarek für diese Aufklärung.

Aufsichtsrats-Mitglied Björn Floberg sagte: „Otto Rieckhoff wurde hier für seine Ehrlichkeit gelobt, aber er hatte nicht den Schneid, uns von seinem Vorschlag des Rücktritts etwas im Aufsichtsrat zu sagen . . .“

Ja, dieser Abend war schon legendär. Übrigens, die Abstimmungsergebnisse sahen wie folgt aus:
Für die Fernwahl waren 256, dagegen 324, es gab fünf Enthaltungen. Und für die Verkleinerung des Aufsichtsrates waren 262, dagegen 244 (bei vier Enthaltungen). Damit war auch dieser Antrag abgelehnt, denn er hätte eine Dreiviertel-Mehrheit bekommen müssen.

So, nun muss ich enden, denn sonst bin ich am Ende. Und ihr hättet diesen Beitrag erst gegen Mitternacht. Um 19.15 Uhr ging dieser Tag heute im Volkspark zu Ende – zum Glück. Mögen die Klugen in diesem Verein dafür sorgen, dass es künftig nur noch viel, viel bessere Mitgliederversammlungen gibt. Sonst könnten diejenigen, die heute dabei waren, ihren Enkeln in Jahren berichten, dass sie dabei waren, als dieser Klub den ersten richtigen Schub nach unten bekommen hat.
Mich stimmt diese Vorstellung total traurig, denn ich habe einen in sich zerstrittenen Verein namens HSV erlebt, erleben müssen.
Leute, wacht auf! Tut etwas dagegen. Gemeinsam. Es geht nur gemeinsam, sonst geht es immer so weiter. Ein Lager, zwei Lager, drei Lager? Mensch, wir sind ein HSV. Und so zerstritten richtet ihr ihn, weil ihr nur euch und eure Interessen seht (egal welches Lager!), zu Grunde. Und das darf doch nicht geschehen. Kehrt um auf diesem falschen Weg, kehrt endlich um, bevor es zu spät ist.

21.08 Uhr

Wegen Adler – Stein lobt den HSV!

19. Mai 2012

20 Punkte auf einmal. Nach dieser mageren Saison. Ein Traum! Doch dieser Traum erfüllt sich nur an diesem Sonntag, wenn der HSV zur Fortsetzung bitte. Zur Außerordentlichen Mitgliederversammlung, die am 15. Januar aus Zeitgründen abgebrochen werden musste, und die nun am Sonntag um 11 Uhr in der Imtech-Arena weitergeführt wird. Mit 20 Punkten auf der Tagesordnung. Die Pforten des Stadions werden bereits eine Stunde vor dem „Anpfiff“ von Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff geöffnet. Es sind viele Anträge auf Änderung der Satzung eingegangen, die dürften wahrscheinlich auch lebhaft diskutiert werden. Brisanz ist gegeben, denn es geht auch um die Köpfe im Aufsichtsrat. Endlich wird das heiße Thema, das vielen HSV-Mitgliedern (und sicher auch vielen Fans) schon seit Jahren ein Dorn im Auge ist, einmal angepackt – nämlich die Zahl zwölf. Was mich optimistisch stimmt ist die Tatsache, dass einige Räte ja selbst dafür sind, die Zahl zu reduzieren. So wie es heute noch aussieht, gibt es diesmal etwas auf die „Zwölf“. Und das ist auch gut so.

Ich bin gespannt, wie viele Mitglieder an diesem Sonnen-Tag tatsächlich erscheinen, und wie hoch die Wellen schlagen werden. Zudem könnte es ja auch noch die einen oder anderen Abstecher zur schwächsten HSV-Saison aller Zeiten geben – und in diesem Fall auch um die Frage, wer diese verkorkste 49. Bundesliga-Spielzeit hauptsächlich zu verantworten hat. Wie gesagt, es könnte viel Feuer in dieser Veranstaltung sein.

Ich sprach über den HSV 2011/12 und über den HSV der Zukunft mit einem der Helden von 1983. Uli Stein hat 228 Erstliga-Spiele für den HSV bestritten, und er hat, obwohl er seit Jahren im Westen wohnt, immer noch die Raute im Herzen. Er beschäftigt sich oft mit „seinem HSV“, und er spricht viel und oft mit ehemaligen Kollegen, die immer noch in Hamburg beheimatet sind. Ich hatte ja kürzlich hier schon meiner Hoffnung Ausdruck verliehen, dass die Verpflichtung von Ex-Nationaltorwart Rene Adler ein Hoffnung auf bessere Zeiten für den HSV sein könnte. Wie sieht das ein so erfahrener Keeper wie Uli Stein, der ja in der Vergangenheit oftmals den Geschehnissen innerhalb des Klubs sehr skeptisch und auch sehr kritisch gegenüber stand?

„Auch ich habe diese Hoffnung. Wenn Rene Adler tatsächlich fit ist, und davon gehe ich mal schwer aus, denn der HSV wird Adler ja ordentlich durchgecheckt haben, dann gehört er zur Creme de la Creme des deutschen Fußballs, und dann kann man davon ausgehen, dass er dem HSV auch richtig gut helfen wird. Adler steht von der Leistung her auf einer Stufe mit Manuel Neuer, und diese Verpflichtung wird dem HSV bestimmt sehr gut tun.“ Stein sagt aber auch: „Ich hoffe sehr für ihn und den Verein, dass Adler nun mal von Verletzungen verschont bleibt, dass er dem HSV dann auch wirklich eine ganze Saison ohne Unterbrechungen zur Verfügung stehen kann.“

Dass Rene Adler verpflichtet wurde, das begrüßt Uli Stein ausdrücklich: „Ich hätte ihn trotz der Tatsache, dass auch Jaroslav Drobny noch da ist, auf jeden Fall auch geholt. Und ich habe ja von meinen Bekannten in Hamburg auch gehört, dass der HSV noch einen guten Nachwuchstorwart hat, Florian Stritzel, Jugend-Nationalkeeper, von dem halten in Hamburg ja auch einige sehr, sehr viel. Eventuell gibt der Verein ja auch la einem ganz jungen Mann die Chance, Gladbach, Leverkusen und Hannover haben das ja in der Liga schon vorgemacht. Und ich könnte mir durchaus vorstellen, dass Drobny den HSV doch noch verlassen wird. Das muss er ganz allein wissen, ob er sich ein weiteres Jahr auf der Bank antun will.“

Um noch einmal auf Adler zu kommen. Uli Stein sagt weiter: „Dafür, dass er ein so guter Torwart war und hoffentlich auch wieder wird, kostet er ja relativ wenig Geld. Dafür musste man ihn holen. Und hinten fängt man an mit dem Erfolg, steht die Null, dann kann man darauf aufbauen. Nein, in diesem Fall muss ich sagen, dass der HSV sportlich die richtige Entscheidung getroffen hat, diesmal gibt es nichts zu kritisieren.“ Wobei Uli Stein durchaus Kritik anzubringen hat: „Ich kann zum Beispiel nicht verstehen, warum der HSV Drobny nicht zum FC Bayern ziehen ließ, als es das Angebot aus München gab. Da wollte der HSV offenbar zu viel Geld und hat zu hoch gepokert, und das war wirtschaftlich nicht der klügste Schachzug. Wenn man die Chance hat und es dann nicht macht, dann ist das für mich nicht nachvollziehbar. So gut wie sie das mit Adler gemacht haben – mit Drobny haben sie da gleich einen neuen Flop hinterher gelegt. Das macht keinen Sinn für mich.“

Und macht es denn Sinn für ihn, dass nun noch vor der Mitgliederversammlung der Vertrag von den Vorstands-Herren Carl-Edgar Jarchow und Joachim Hilke um zwei Jahre verlängert wurden? Uli Stein: „Das kann man so oder auch so sehen. Natürlich hat der HSV seine schlechteste Saison aller Zeiten gespielt, aber vielleicht sollte man den Leuten, die ja erst knapp über ein Jahr im Amt sind, noch eine zweite Chance geben. Viel schlechter als zuletzt kann man es ja nicht mehr machen, aber dieser Vorstand musste ja ein schweres Erbe antreten. Es war wie beim Trainer, alle mussten sie das übernehmen, was ihnen überlassen wurde. Jetzt, mit der neuen Saison, da hat Thorsten Fink endlich die Chance, seine Ideen umzusetzen, seine Mannschaft aufzubauen. Und so sollte es auch für den Vorstand sein, und deswegen halte ich es auch für in Ordnung, dass diese Verträge verlängert wurden.“

Uli Stein, heute 57 Jahre alt, wollte kürzlich ja auch die Funktionärsebene betreten, und zwar die bei seinem Stamm-Klub Arminia Bielefeld. Das hat sich allerdings zerschlagen. „Ich habe alles das, was die Arminia betrifft, erst einmal auf Eis gelegt. Generell aber habe ich schon Interesse, so etwas mal zu machen, es muss ja nicht Bielefeld sein“, sagt Stein. Also wäre der HSV ein Thema? Stein: „Warum nicht?“

Viele seiner früheren Teamkollegen sollten schon beim HSV einsteigen, oftmals wurde die Rolle als Aufsichtsrats-Mitglied gehandelt – doch die meisten winkten ab. Stein: „Das war auch richtig so, das hätte ich auch gemacht. Als Aufsichtsrat kannst du doch nichts bewegen, da hast du keine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen. Deshalb kann ich mir nur vorstellen, entweder als Sportchef zu arbeiten, oder als Vorstandsmitglied. Aber der Sportchef-Posten ist beim HSV ja besetzt, und die Vorstands-Posten sind auch fest vergeben . . . Aber in den Aufsichtsrat – niemals, das ist unvorstellbar für mich.“ Er sagt auch noch: „Das hat man ja auch in der Hoffmann-Ära gesehen, da waren ja viele Aufsichtsrats-Mitglieder einseitig – und zwar für die Belange des Vorstandes – beeinflussbar. Und genau so etwas ist nichts für mich.“

Und was traut der frühere Nationaltorwart dem HSV in Zukunft sportlich zu? Stein: „Du musst eines machen, aber das wird der Thorsten Fink viel besser wissen, und ich halte viel von Fink, der hat für mich beim HSV super Arbeit geleistet, und das mit einem ganz kleinen Etat, du musst jetzt eine Mannschaft zusammenstellen, die auch als Einheit aufritt. In der nun abgelaufenen Saison waren da elf Einzelspieler, oder auch 18 oder 19 – aber es war kein Team. Du hast weder auf dem Rasen noch außerhalb etwas von einem Teamgeist gespürt oder erlebt, da hat jeder nur sein eigenes Ding gemacht – und da muss jetzt reagiert werden. Da muss wieder eine Mannschaft auf den Platz, die zusammenhält, und die für die Raute und auch für die Fans marschiert und läuft. Das war das ganz große Manko des HSV in den letzten Jahren, speziell in der letzten Saison.“

Uli Stein sagt aber auch: „Vielleicht sollte man in diesem Jahr nicht nur in der Nachwuchs-
Abteilung des FC Chelsea nach neuen HSV-Spielern suchen, Talente gibt es auch in anderen Vereinen – selbst in deutschen Klubs. Das ist auch ein Manko gewesen, das lief mir zu einseitig ab. Es gibt so viele Klubs, die sehr gute Nachwuchsarbeit verrichten, dann sollte man eben auch dort mal gucken. Der HSV hat doch ein Scouting-System – was macht denn die? Dann muss man da auch mal ansetzen, wenn da nichts kommt, dann muss man eben auch dort mal neue Gesichter präsentieren.“

Stein weiter: „Bei anderen Klubs hat man es doch gesehen, dass man junge Leute nach oben bringt, und dass man die dann auch für viele, viele Millionen verkaufen kann. Das wäre doch auch eine Chance für den HSV. Zum Beispiel der Gladbacher Reus, der ein Götze, ein Schürrle. Solche Jungs muss man mal rausbringen, dann kann man auch mal richtig Geld schnappen – aber beim HSV sieht es da ja im Moment düster aus. Auch finanziell. Da gibt es ja wohl nichts mehr. Aber das ist auch irgendwie klar, denn man muss sich mal überlegen, wie viel Geld da in der Vergangenheit verpulvert wurde. Für nichts. Das war schon abenteuerlich. Wer hat da auch nur irgendetwas kontrolliert? Da wurden Millionen zum Fenster hinausgeschüttet, aber für was? Für null Erfolg. Das passt doch nicht zum HSV.“

Genau.

Aber bevor Uli Stein beim HSV in irgendeiner Form mitwirken wird, da erledigt er selbstverständlich noch seinen Job als Torwart-Trainer von Aserbaidschan – unter der Regie von Chef-Coach Berti Vogts. Beide Herren haben noch einen Vertrag bis Mitte 2013 – und fliegen am Sonntag erst einmal nach Tokio, zum Länderspiel gegen Japan. „Dieser Job macht mir Spaß, man kommt viel in der Welt herum“, sagt Uli Stein. Und genau das hat der HSV im Moment ja auch nicht zu bieten . . .

Ganz kurz möchte ich noch auf Düsseldorf gegen Hertha eingehen. Am Montag erst die Entscheidung, wie es nun weitergehen soll – ein Wiederholungsspiel? Ich glaube eigentlich nicht mehr daran, nach all den Dingen, die Schiedsrichter Wolfgang Stark so von den Berliner Spielern geschildert hat. Aber gespannt bin ich, wie die Strafen für die Fußballer ausfallen werden. Wenn ich so an Paolo Guerrero denke, da wurde das Strafmaß ja schon sehr, sehr weit nach oben gesetzt, demnach müsste sich der gute Kobiaschwili eigentlich einen Verein im Ausland suchen, in Deutschland wird er in den nächsten Jahren wohl kaum zum Zuge kommen können . . .

So, nun wünsche ich euch viel, viel Spaß beim Grillen und beim Champions-League-Finale. Meinen Tipp bin ich ja schon im Film mit „Scholle“ losgeworden – stellt euch auf einen langen Abend ein.

Trotz allem drücke ich dem deutschen Fußball die Daumen, es wird mal wieder Zeit . . .

18.51 Uhr

Warum tut sich ein Boss diesen Job an?

18. Mai 2012

Acht Trainer in acht Jahren weg – nur der Vorstand blieb. Und als der Vorstand nicht mehr blieb, da entließen auch die Nachfolger mit Michael Oenning den nächsten Trainer. Diese Bilanz muss nun offenbar ausgeglichen werden. Acht Jahre, acht raus, aber alle anderen blieben – nun ein Jahr, ein Trainer weg; und deshalb müsste natürlich auch der Vorstand weg. Logisch. Wird sicherlich auch eine Formel für eine solche Rechnung geben, zum Schluss mit Wurzel aus . . . Es ist schon fatal, wie einige oder viele HSV-Fans denken. Bei Misserfolg? Alle raus! Wenn wir uns darauf einigen, dann sollte jedes Jahr gewechselt werden. Spätestens. Aber ich frage mich – und euch: Welche Chance hatten denn Carl-Edgar Jarchow, Frank Arnesen, Joachim Hilke und Oliver Scheel, damals, als sie am 15. März 2011 antraten? War das wirklich eine faire Chance?

Bevor Jarchow damals gesucht und gefunden wurde, sprach ich wochen- und monatelang mit „großen“, verdienten HSVern, die einst in führender Position waren. Die hatten alle eine einhellige Meinung: null Bock auf den Vorstands-Vorsitzenden. Einer sagte mir immer wieder: „Das, was da unter dem Thema Vereins-Finanzen läuft, ist nicht mehr durchschaubar. Das ist ein wirres Konstrukt, das nicht mehr aufzubröseln ist, und deswegen lässt man da besser die Finger von weg.“ nur ein neues Beispiel, das “Scholle” ausgegraben hat (und morgen im Hamburger Abendblatt behandelt wird): 2005 wurde bekanntlich Rafael van der Vaart verpflichtet. Noch immer hat der HSV deswegen an Ajax Amsterdam 1,5 Millionen Euro zu blechen. Noch immer. Diese 1,5 Millionen wurden dem schon damals klammen HSV gestundet, weil der zu Ajax Amsterdam wechselnde HSV-Trainer Martin Jol ja eigentlich noch einen Vertrag in Hamburg hatte. Quasi als Ablösesumme wurde vereinbart, dass diese noch offenen 1,5 Millionen Euro erst später, nämlich jetzt, bezahlt werden. So verworren sind heutzutage Transfers im Profi-Fußball . . .

Jarchow aber trat aber trotz dieser wirren Verschachtelungen an. Warum auch immer. Eines aber war er vorher ganz sicher: HSV-Fan. Und Mitglied. Und ganz sicher wollte er den Klub auch nicht vor die Hunde gehen lassen. Was er aber von Beginn an tat – er sprach die Wahrheit. Und diese Wahrheit hören eben in dieser Stadt (und nicht nur hier) nicht alle so gerne. Jarchow sprach von leeren Kassen. Nicht deshalb, um seinen Vorgängern die Schuld in die Schuhe schieben zu können, sondern um zu erklären, warum der HSV nun kaum noch richtige Stars verpflichten kann, sondern in erster Linie nur noch Talente wie Töre, Rajkovic, Mancienne, Bruma und Sala. Durfte der Herr Jarchow so etwas nicht sagen? Ist die Wahrheit in Hamburg und vor allem beim HSV nicht mehr erwünscht?

Und wenn Jarchow bei einigen (von euch) doch die Wahrheit sagen durfte (nebenbei, der Herr Arnesen sprach immer munter mit von den leeren Kassen!), dann wird ihm noch angekreidet, dass der HSV unter seiner Regie die schlechteste Saison aller Zeiten gespielt hat, und dass der Herr Jarchow immer noch keinen großen Fisch an Land gezogen hat, um damit dem HSV wieder Geld in die Kasse zu spülen. Große Fische aber, das hat doch wohl inzwischen jeder von uns am eigenen Leibe gemerkt, gibt es in den Zeiten der weltweiten Finanzkrise kaum noch zu ködern. Und wenn, dann muss dafür auch eine gewisse Leistung erbracht werden. Die aber erbringt der HSV doch schon lange nicht mehr – oder sehe ich das etwa falsch? Müssten diesem HSV nicht alle Sponsoren und Multi-Millionäre die Tür einlaufen, damit sie hier ihre Gelder platzieren können?

Carl-Edgar Jarchow und zwei seiner drei Mitstreiter sind etwas mehr als ein Jahr in Amt und Würden. Sollte er in genau diesen schwierigen Zeiten, in denen ein Trainer nach dem anderen vom Hof gejagt wurde, Wunder vollbringen? Was erwarten diese Fans, die ihn schon wieder zum Teufel wünschen, eigentlich von einem Vorstands-Vorsitzenden des HSV? Ich kann nur noch einmal an Erich Ribbeck und seine Zeit beim HSV erinnern. Er wurde vom damalige HSV-Boss Ernst Naumann während eines Trainingslagers auf Teneriffa geködert. Und viel später dann, als der „schöne Erich“ längst in Hamburg seinen Dienst als Sportchef (bei Trainer Willi Reimann) angetreten hatte, sagte er mir mal: „Ich bin in die Geschäftsstelle am Rothenbaum gefahren, und als ich da durch die Eingangstür ging, da sah ich voller Schrecken, dass dahinter gar nichts mehr war. Außer ein paar morsche Balken, die diesen ganzen Klub noch zusammenhielten. Aber selbst diese morschen Balken waren schon notdürftig geflickt und verbunden . . .“

Was Ribbeck damit sagen wollte: der HSV lag damals schon am Boden. Okay, nun werden genau jene HSV-Anhänger frohlocken, die dann noch erlebten, dass dieser marode HSV doch noch in die Champions League und mehrfach in die Europa League kam. Wie ging das denn? Mit Trick 17. Und lange Zeit auch mit einer vernünftigen Finanz-Politik. Geld wurde eingenommen, es wurden neue Sponsoren gefunden, und es wurde immer nur das Geld ausgegeben, was auch vorhanden war. Das war löblich! Nur in den letzten Jahren, da wurde Risiko gespielt. Da wurde weit über die Verhältnisse erlebt – um Hamburg und dem Klub endlich einmal einen Titel präsentieren zu können. Doch genau diese Unterfangen ging schief. Deswegen kam Carl-Edgar Jarchow in dieses Amt, er musste damit leben, was ihm hinterlassen worden war. Und das war genau jene leere Kasse, von der er immer sprach.

Glaubt hier auch nur einer, dass das dem Herren Jarchow Spaß gebracht hat? Natürlich dürfte es toll sein, einmal HSV-Boss zu sein – aber unter solchen Umständen?

Und nun soll er vom Hof gejagt werden. Okay. Und wer soll es dann machen? Sollen die Jarchow-Vorgänger wieder zurück? Oder hat jemand einen Franz Beckenbauer an der Angel? Oder einen Millionär, der diesem HSV endlich wieder ein wenig Geld gibt? Halt, das ist ja schon wieder eine Sache, die erst an diesem Sonntag beantwortet werden wird. Ob es Leute geben darf, die Geld geben dürfen. Und wenn ja, wofür und wie viel? Ich habe in den letzten Jahren oft mit Alt-Internationalen gesprochen, die einst die Raute auf der Brust trugen. Keiner wollte Verantwortung übernehmen.

Aber ich habe nie mit Frank Rost über einen Job beim HSV gesprochen. Der zeigte hin und wieder ja Lust, „etwas“ im HSV zu bekleiden – was auch immer. Vielleicht hat er ja Lust auf HSV-Boss. Wer weiß? Eventuell kann ja einer derjenigen Fans, die nun den Abschuss von Jarchow wollen, mit Rost sprechen – und ihn überreden. Wenn er dann eines Tages den HSV-Boss geben würde – ich würde es begrüßen. Wenn.

Obwohl: Auch ein Stefan Kuntz war in Kaiserslautern (ebenfalls ein Verein mit leerer Kasse) kein Garant dafür, dass der Klub die Klasse hält. Und wenn ich so nach Bremen blicke – da wird es nächste Saison auch sehr schwer. Das bringt vielleicht auch die Zeit mit sich . . .

Ich denke in diesen Tagen immer wieder an den HSV-Fan „Reinhard 1954“, der im Blog u. a. folgende Zeilen schrieb:

Wirtschaftlich gab es beim HSV seit Klein und Netzer keinen besseren als Hoffmann, seine sportlichen Entscheidungen, verursacht durch den alten AR, der es nicht schaffte, rechtzeitig einen Nachfolger für Beiersdorfer zu finden, waren hingegen eine Katastrophe. (u. a. die Verpflichtung von Labbadia, Veh, das Nichtdurchsetzen von Klopp ggü. Beiersdorfer, Nistelrooy im Dez. 2010 nicht verkauft, Berg für 10 Mio. geholt, Guerrero ein Gehalt von 4,6 Mio. zugebilligt.).

Reicht das nicht?

Das spricht doch für sich!

Ich habe übrigens seit Jahren (fast) nur Mist für das Hamburger Abendblatt geschrieben, aber das wurde nun ignoriert. Wie schön! Ich habe eine satte Gehaltserhöhung bekommen – im siebenstelligen Bereich. Das freut mich natürlich, denn ich sehe meine Minusleistungen endlich einmal voll anerkannt. Und das bisschen Mist, was ich in all den Jahren beim Hamburger Abendblatt verzapft habe? Na und? Das war doch alles noch im Rahmen, das war doch eigentlich völlig normal – welcher Mensch macht nicht auch mal einen Fehler?

(PS: das war ein Scherz)

Nein, nein, meine Damen und Herren, wir sollten alle mal wieder – und zwar ganz fix – auf den Boden der Realität zurückkehren.

Die Ehrenamtler sterben in dieser Zeit immer mehr aus, und auch Leute, die Verantwortung übernehmen (wie Carl-Edgar Jarchow) werden immer mehr zu Raritäten. Deswegen haben solche Leute meinen Respekt. Weil man es, das zeigt nun diese Vertragsverlängerung eindeutig, niemandem recht machen kann. Im Gegenteil, man wird ständig kritisiert (denn die, das gut finden, was einer macht, die sagen und schreiben nichts!). angepöbelt und vernichtet. “Schnarchow” ist höchst unfein, aber wahrscheinlich noch geschmeichelt. In was für einer Welt leben wir eigentlich? Das alles auf Dauer auszuhalten, das erfordert eine dicke Haut und viel, viel menschliches Geschick.

Mir, das gebe ich zu, ist dieses Geschick während der fast drei Jahre „Matz ab“ schon mehrfach abhanden gekommen.

Und: Jarchow ist zwar FDP-Politiker, aber er ist deswegen noch lange kein Zauberer. Und sicher könnte auch er das eine oder andere Ding (beim HSV) anders gemacht haben – aber er hat es ja überhaupt gemacht. Andere sind weggelaufen.

Aber wenn hier jemand einen guten Vorschlag hat – dann immer raus damit.

Allerdings: Immer nur „weg mit ihm“ schreien, das ist zu leicht und entschieden zu wenig.

Und noch kurz in eigener Sache:

„Bruno Taut“ hat es ja schon klargestellt, aber ich möchte es trotz allem noch einmal sagen: Schreibt Scholle den „Matz-ab-Blog“, dann unterschreibt er auch mit Scholle. Deswegen ist der klar im Vorteil, wer lesen kann.

Scholle ist Scholle, er ist ein erwachsener Mann, er wäre fast einmal Rechtsanwalt geworden, er lebt eigenständig und denkt auch eigenständig, er braucht mich nicht als Vordenker. Und wenn Scholle sagt, dass er kein Wiederholungsspiel bei Düsseldorf – Hertha will, dann ist das seine ureigene persönliche Meinung. Das ist auch gut so. Die will und kann ich gar nicht beeinflussen. Ich lebe und denke auch, wer hätte das gedacht, eigenständig, Scholle denkt und kaut mir nichts vor – wenn ich dann anderer Meinung bin, dann schreibe ich das. Und Scholle lässt das sogar zu.

Und ihr, ihr könnt euch dann denjenigen (Scholle oder Matz) heraussuchen, den ihr favorisiert – weil er genau so oder ähnlich denkt wie ihr. So soll das hier funktionieren. Sollte das funktionieren. Aber genau hinsehen zeichnet sich dabei schon gelegentlich aus, bevor man gleich lospöbelt.

Dann gab es noch ein Schreiben an das Abendblatt, Herr Thomas Achim Becker schrieb:

Sehr geehrte(r) Herr Dieter Matz,

sehr geehrte(r) Herr Peter Wenig,

ich hoffe, dass Sie diese Pressemitteilung interessiert:

Fußball-Bundesliga tritt die Vormachtstellung in Europa an

Düsseldorf, 18.05.2012 – Die Rekordeinnahmen durch den neuen Vertrag mit dem Fernsehsender Sky belegen die Stärke der Bundesliga. Nun werden die Aussagen aus der Fußball-Nachhaltigkeitsstudie von A.T. Kearney vor zwei Jahren Realität: Deutsche Klubs profitieren von den Finanzproblemen der Vereine in England, Spanien, Italien und Frankreich – und stehen vor einer neuen Ära europäischer Dominanz.

An Merchandising und Ticketverkäufen verdienen deutsche Fußballklubs schon lange gut. Nun haben sie mit dem neuen Sky-Vertrag auch die letzte Schwachstelle im europäischen Vergleich geschlossen: die Medienrechte. Die Einnahmen aus der Vermarktung der Inlandsrechte steigen um mehr als die Hälfte auf rund 628 Millionen Euro pro Saison. „Der Vertrag hat die finanzielle Dominanz der Bundesliga bestätigt“, sagt Emmanuel Hembert, Prinzipal bei A.T. Kearney und Experte für das Geschäftsfeld Fußball. „Die Dominanz auf dem Spielfeld ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit.“

Wer sich im europäischen Fußball umschaut, muss lange nach einem nachhaltigen Geschäftskonzept suchen. Die spanische Primera División schlägt sich mit Schulden von mehr als einer Milliarde Euro gegenüber Steuerbehörden und Sozialversicherungen herum – und die ausstehenden Gehälter sind noch nicht berücksichtigt. Wenig besser geht es den italienischen Vereinen: Ihre Verluste erreichen Rekordniveau – allein vergangene Saison waren es 285 Millionen Euro. Trübe Aussichten auch auf der Insel: Bei acht englischen Spitzenklubs finden derzeit Steuerprüfungen statt. Die französischen Erstligisten wiederum plagt der schwache Transfermarkt: Sie können nicht die erhofften Gewinne aus dem Verkauf von Spielern in andere Ligen realisieren.

Während andernorts traditionsreiche Klubs in die Insolvenz rutschen, steigern deutsche Vereine ihre Wirtschaftskraft – und bauen teilweise sogar Schulden ab. Was ist das Erfolgsrezept? „Die Bundesliga ist neben der französischen die einzige Liga, die ihre Kosten über zwei zentrale Mechanismen steuern kann“, sagt Hembert. „Erstens hält die finanzielle Kontrolle durch das Lizenzierungsverfahren der Deutschen Fußball Liga die Vereine davon ab, über ihre Verhältnisse zu leben. Zweitens zahlt sich nun die systematische Jugendarbeit in Fußballakademien aus. Durch sie kommen die Klubs günstiger an Leistungsträger als auf dem Transfermarkt.“

Auch bei den Einnahmen sind die Bedingungen gut. Vor der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 flossen rund 1,4 Milliarden Euro in den Stadionbau. Die Vereine verfügen dadurch heute über moderne Arenen mit großer Zuschauerkapazität, die lukrative Hospitality-Möglichkeiten bieten und durch ihren Komfort Besucher anlocken. Keine andere Liga hat in den vergangenen Jahren einen derartigen Boom bei den Zuschauerzahlen erlebt. Zum Vergleich: Bei der WM 1998 in Frankreich entfielen drei Viertel der Investitionen auf das Pariser „Stade de France“. Die französische Liga profitiert davon aber nicht, weil kein Klub dort seine Spiele austrägt.

Über A.T. Kearney:

A.T. Kearney zählt zu den weltweit führenden Unternehmensberatungen für das Top-Management und berät sowohl global tätige Konzerne als auch führende mittelständische Unternehmen und öffentliche Institutionen. Mit strategischer Weitsicht und operativer Umsetzungsstärke unterstützt das Beratungsunternehmen seine Klienten bei der Transformation ihres Geschäftes und ihrer Organisation. Im Mittelpunkt stehen dabei die Themen Wachstum und Innovation, Technologie und Nachhaltigkeit sowie die Optimierung der Unternehmensperformance durch das Management von Komplexität in globalen Produktions- und Lieferketten. A.T. Kearney wurde 1926 in Chicago gegründet. 1964 eröffnete in Düsseldorf das erste Büro außerhalb der USA. Heute beschäftigt A.T. Kearney rund 3.000Mitarbeiter in 39 Ländern der Welt. Seit 2010 berät das Unternehmen Klienten klimaneutral.

Weitere Informationen finden Sie unter www.atkearney.de und auf Facebook: www.facebook.com/atkearney.de.

Diese Meldung könnte deswegen einmal interessant werden, weil im Ausland tatsächlich noch mehr Vereine finanziell schwächeln. Und wenn dann die Bundesliga dafür steht, dass sie immer noch gut und vor allen Dingen pünktlich bezahlt, dann könnte auch eines Tages der HSV davon profitieren – dann sogar ob mit oder ohne internationalen Startplatz.

“Schenefelder” hat diesen Post von René Adler auf Facebook gefunden:

Ach ja…
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Wenn wir einmal am posten sind. Dann gibt es ja noch Neuigkeiten. Zurück aus Mallorca, musste ich direkt wieder los zum Flughafen. Donnerstag ging es nach Hamburg. Und ich freu mich jetzt zu 100% verkünden zu können, ab nächster Saison die Raute auf der Brust zu tragen. Die Tinte ist trocken. :)
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Jetzt müssen wir nur noch eine Wohnung finden. Wir haben uns mal ein paar Viertel angesehen und müssen ja sagen, dass Winterhude einen ganz schön guten Eindruck hinterlassen hat. Aber ihr habt hier und jetzt die Chance mich von euerm Kiez zu überzeugen :) Wo ist es denn cool zu wohnen in HH? Falls sich unter den 18.784 Fans (danke dafür) auch Kontakte zu Immobilienmaklern herstellen lassen…die Pinnwand ist ganz die eure. Das nenn ich mal Wohnungssuche 2.0 :)
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Also Leute, freu mich auf eure Antworten. Werde die allerdings aus dem Auto heraus verfolgen, da ich jetzt nach München fahre. Finale gucken.
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René

Das war es heute, leider etwas zu lang – sorry.

Jetzt geht es zu Lotto King Karl in den Stadtpark.

17.48 Uhr

Adler und die Hoffnung auf bessere Zeiten

17. Mai 2012

Unser aller „Jaro“ hat heute Geburtstag. 33 Jahre jung ist er geworden. Aber einen neuen Verein konnte er zu seinem Geburtstag noch nicht präsentieren. Das dauert wohl noch 14 Tage – oder so. Wobei ich mir eigentlich sicher bin, dass es mit David Jarolim ein Wiedersehen in der Bundesliga geben wird. Auf jeden Fall, bevor ich es vergessen: „Herzlichen Glückwunsch, Jaro, und alles Gute für die Zukunft!“

Und euch – „allen Matz-abbern“ – alles Gute zum Vatertag.

An genau jenem 7. Mai teilte der HSV die Verpflichtung von Torwart Rene Adler mit:

Jetzt ist es amtlich. Der Hamburger SV hat René Adler verpflichtet. Der zehnmalige deutsche Nationaltorhüter unterschrieb am Donnerstag (17.05.12) einen Vertrag bei den Rothosen bis zum 30.06.2017. Den Medizincheck hatte Adler bereits Anfang März erfolgreich absolviert. „Ich hoffe, dass ich als Teil der Mannschaft dazu beitragen kann, dass wir hier in Hamburg erfolgreich Fußball spielen“, sagte der 27-Jährige.

Sportchef Frank Arnesen freute sich, den Wechsel nun perfekt gemacht zu haben: „Wenn man einen deutschen Nationaltorwart mit 27 Jahren ablösefrei holen kann, dann ist das eine spezielle Chance. Diese haben wir genutzt. Ich hoffe, dass er über gute Leistungen beim HSV in die Nationalelf zurückkommen kann. Er ist sehr optimistisch und ehrgeizig, wieder an seine alte Form anknüpfen zu können“.

Im vergangenen Jahr kämpfte sich Adler nach einer Patellasehnenoperation durch die Reha und feierte im April sein Comeback in der Regionalligamannschaft von Bayer Leverkusen. „Ich denke, dass ich absolut gestärkt aus dem vergangenen Jahr hervorgehen werde. Es war eine harte Zeit. In der Reha musste ich auch durch viele Täler gehen. Aber am Ende hat sich alles ausgezahlt. Ich fühle mich jetzt topfit und bin bereit“, so der Torhüter.

Ich habe in den letzten Wochen viel über den Adler-Transfer nachgedacht. Heute muss ich sagen, dass ich große Hoffnungen in den ehemaligen Nationaltorwart setze. Er war, bevor er sich verletzte, meine Nummer eins in Deutschland, und ich glaube, er war es auch beim Bundestrainer (trotz Manuel Neuer – der, zugegeben, jetzt ein ganz Großer ist). Wenn Adler beim HSV so hält, wie er einst gehalten hat, dann wird sich die Mannschaft auch besser fangen, besser spielen und besser abschneiden. Davon bin ich überzeugt. Sollte Adler aber ähnliche Startprobleme haben, wie vor einem Jahr Jaroslav Drobny (als er ein Jahr hinter Frank Rost nur auf der Bank gesessen hatte), dann denke ich an nichts Gutes. Und nichts Gutes bedeutet in diesem Falle, dass ich an die Saison 2011/12 denke.

Aber: Es tut sich jetzt, wo die Sommerpause schon angebrochen ist, immerhin doch einiges beim HSV, denn am Vortag hatten bereits Klub-Chef Carl-Edgar Jarchow (57) und Vorstandmitglied Joachim Hilke (43) ihre Verträge um zwei Jahre verlängert (laufen jetzt bis zum 15. Mai 2015). Es gibt hier bei „Matz ab“ ja pro und kontra, und falls ich gefragt werden sollte, so antworte ich ganz klar: Ich freue mich über diese Verlängerungen, denn erstens braucht der HSV irgendwann einmal so etwas wie Kontinuität, und zweitens haben beide Herren, Jarchow wie Hilke, in meinen Augen gute Arbeit geleistet. Jarchow hat in erster Linie wieder Ruhe in den HSV gebracht (im Zusammenspiel mit Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff), und es sollte jedem klar sein (ich hoffe es auf jeden Fall), dass er nach diesem mäßigen Start, den er von heute auf morgen und ohne eine Kröte in der Kasse antreten musste, nicht noch die Tore hat selbst schießen können. Und Joachim Hilke hat längst sehr gute und hervorragende Arbeit auf dem Sektor Marketing geleistet, er wird von Insidern jedenfalls nur und ständig hoch gelobt. Und ich schließe mich da vorbehaltlos an.

Nicht vergessen: Tore schießen können beide Herren nicht, sollen sie aber ja auch nicht – Gegentreffer verhindern ebenfalls nicht. Das soll denn doch sie sportliche Seite des Klubs richten. Und wenn ich hier so einige Zuschriften lese, warum Jarchow und auch Hilke bislang in ihrem Schaffen für den HSV versagt haben sollen, dann muss ich ganz ehrlich gestehen: Jeder, der das geschrieben hat, sollte sich seine eigenen Zeilen besser noch einmal durchlesen – die Antworten, welche Chancen diese neue HSV-Führung bei Amtsantritt hatte, die sind zumeist schon in diesen Beiträge gegeben worden. Wenn ich nur mal an den Namen Marcus Berg erinnern darf. Das – und vieles mehr – darf einfach nicht ausgeklammert, verdrängt oder vergessen werden.

Eines aber muss ich auch noch sagen (dürfen): Dass die Verträge mit Jarchow und Hilke jetzt, einige Tage vor der Fortsetzung der Miedergliederversammlung, verlängert wurden, das finde ich – gelinde gesagt – dann doch etwas (mehr als) merkwürdig. Dazu bestand eigentlich keine große Eile, aber die Herren müssen es ja wissen . . .

Noch einmal möchte ich auch auf die letzte Partie der Saison, das 6:1 in Lüneburg (am vergangenen Dienstag), zurückkommen. Von der 57. Minute an spielte ja eine kleine Rasselbande für den HSV. Und mit „klein“ meine ich auch „klein“. Der große Franz Beckenbauer warnt seine Bayern ja vor dem Finale der Champions League (am Sonnabend, 20.45 Uhr) gegen den FC Chelsea besonders vor den Standards der Engländer: „Denn da spielen sehr große und sehr kräftige Spieler mit – und die haben wir nicht.“ Auf die Größe kommt es an. Das wusste auch Thorsten Fink schon in der abgelaufenen Saison, denn er baute auch deswegen zunächst und lange auf Robert Tesche, weil der Coach uns stets sagte: „Ich muss auch daran denken, dass wir uns bei Standards des Gegners in den Kopfballduellen zur Wehr setzen können. Und Robert Tesche kann das.“

Ich schreibe das deswegen, weil der HSV ganz sicher eine Reihe von guten und hoffnungsvollen Talenten hat, aber die meisten Spieler davon sind klein im Wuchs. Viele Kleine aber in einer Mannschaft bedeutet automatisch, dass man immer mal wieder Probleme bei den gegnerischen Standards hat. Natürlich weiß ich, dass nicht alle dieser kleinen Spieler auch bei den (HSV-)Profis auflaufen werden, aber ich denke insgesamt, dass die Scouting-Abteilung auch darauf achten sollte (und das soll nicht besserwisserisch klingen!). Aber noch einmal: Lange Zeit war ich enttäuscht, was da alles so beim HSV unter dem Namen „Talent“ herumlief. Die Jungs (Dennis Bergmann, Janek Sternberg, Angelo Langer, Christian Norgaard, Matti Steinmann und Manuel Pulido) aber, die in Lüneburg mit waren, die haben für mich ihr Talent auch unter Beweis gestellt. Der eine mehr, der andere etwas weniger. Stark fand ich den „Uwe-Seeler-Verschnitt“ Pulido, gut waren Steinmann und Norgaard (er ist sogar ein etwas größerer junger Mann) – mit Ehrgeiz bei der Sache waren sie alle.

Dann habe ich mir mal Gedanken um den vom HSV gesuchten „Kreativen“ gemacht. Der „Zehner“. Den es ja eigentlich gar nicht mehr gibt. Aber es wird ja jetzt in der Tat ein Mann gesucht, der die Fäden in der Hand haben soll, der Ideen haben und der das Spiel lenken soll. Solche Leute sind heute kaum noch zu finden, und wenn einer gefunden wird, dann ist er teuer. Das wird auch der Herr Kühne noch merken . . .

Wer aber war der „Zehner“ früher beim HSV? “Mein” erster HSV-Spieler mit der Rückennummer 10 war Klaus Stürmer. Eigentlich kein „richtiger“ Zehner, denn Stürmer sah oft wie ein richtiger Stürmer aus – neben seinem „Zwilling“ Uwe Seeler. Klaus Stürmer ging eher auf Torejagd, als dass er den Regisseur geben wollte. Ein Halbstürmer eben. In der Bundesliga war dann Ernst Kreuz der erste „Zehner“ des HSV. Der „Lange aus Aschaffenburg“, der einst dem kleinen Knaben Felix Magath das Kicken beibrachte (als Straßenfußballer auf dem Bolzplatz – Tatsache!), konnte den tödlichen Pass spielen, er konnte dribbeln, er produzierte Ideen auch unter Bedrängnis. Der Mann war einfach nur gut – aber ein wenig zu weich für den harten Profi-Fußball. Bekam er „auf die Socken“, dann ging bei Kreuz gar nichts mehr. Das hatten schnell alle Gegner heraus.

Nach oder neben Kreuz spielten auch Peter Wulf und der von Altona 93 geholte Heiko Kurth auf halblinks. Ohne größere Erfolge zu haben. Danach versuchte es der HSV mit Manfred Pohlschmidt, Werner Krämer, Franz-Josef „Bubi“ Hönig und den von Werder Bremen geholten Hans Schulz. Es lief aber nie so wie von den Verantwortlichen erhofft. Lange Zeit fehlte dem HSV ein echter „Zehner“. Der kam erst wieder mit Hans „Buffy“ Ettmayer, der 1975 kam. Ein richtig guter Spielmacher, der aber seine beste Zeit schon (beim VfB Stuttgart) hinter sich hatte. Allerdings zeigte er den Hamburgern auch in der Bundesliga, wie Mann einen Ball mit dem Po stoppen kann. Ein riesiges Erlebnis. Mit größtem Gelächter. Ein Jahr später verpflichtete HSV-General Peter Krohn seine „Fernsehliebe“ (weil er ihn immer in der Sportschau beim 1. FC Saarbrücken spielen sah) Felix Magath. Der brachte es auf Anhieb auf 30 Spiele, „Buffy“ schaffte nur noch zwei – und ging im folgenden Sommer.

1986 hörte Magath als Vizeweltmeister auf, er wurde HSV-Manager. Es kam ein anderer „Zehner“, nämlich Miroslav Okonski. Von Lech Posen – wie jetzt der Lette Artjoms Rudnevs. Ein Jahr später holte der HSV dann noch einen zweiten „Zehner“, das war Uwe Bein – und sowohl „Oko“ als auch Bein spielten in einem Team. Heute wohl undenkbar. 1989 gingen beide, und es kam Armin Eck vom FC Bayern. Fortan ging es sogar dann, wenn Eck und Thomas Doll im Team standen. 1992 holte sich der HSV den Bulgaren Yordan Letschkow, der es gemeinsam mit Thomas von Heesen richten sollte – und es meiner Meinung nach auch lange Zeit recht gut tat. 1994 ging von Heesen, 1996 ging Letschkow – und es kam Rodolfo Cardoso (bis 97). Er wurde abgelöst von Jacek Dembinski, doch der Pole kam nie über eine Rolle des Mitläufers hinaus. Ein ähnlicher Typ wie Ernst Kreuz.

Deshalb versuchte sich der HSV 1998 mit Aleksander Kurtijan (von Zimbru Chisinau). Der hatte in einem Länderspiel gegen Deutschland die gesamte DFB-Abwehr schwindelig gespielt und lächerlich gemacht – aber in Hamburg bekam der kleine Mann aus Moldawien (schnell, dazu ein brillanter Techniker) nichts, aber auch gar nichts auf die Reihe. Er ging nach einer Saison zurück – nach nur acht Bundesliga-Spielen. Sein Nachfolger wurde Cardoso, zu dem sich 2000 Sergej Barbarez gesellte. Wobei Barbarez eher ein „Zehner-Typ“ wie Klaus Stürmer war. Sowohl Cardoso als auch Barbarez spielten dann auch in einer HSV-Mannschaft. 2003 kam Stefan Beinlich, der ebenfalls mit Barbarez zusammen in einem Team spielte, bis sie 2006 gemeinsam gingen. Weil 2005 Rafael van der Vaart gekommen war – der „Zehner“ mit der 23 auf dem Rücken. Alle drei Spieler, also Barbarez, Beinlich und van der Vaart, standen mehrere Male gemeinsam für den HSV auf dem Platz.

All diese Namen und „Zehner“ zeigen mir, dass der HSV eigentlich immer bemüht war, einen Spielmacher in seinen Reihen zu haben. Mal klappte es, mal klappte es nicht. Meine Rangliste dabei – die ersten fünf Regisseure: Felix Magath, Rafael van der Vaart, Thomas von Heesen, Sergej Barbarez und Rodolfo Cardoso. Bleibt mir nur zu hoffen, dass der HSV eines Tages einmal wieder einen Spieler dieser Qualität präsentieren wird. Wenn es wohl auch noch nicht in diesem Jahr klappen kann – bis auf die Geschichte, dass van der Vaart zurückkehren wird (könnte).

Kurz noch einmal zum „Spiel“ Düsseldorf gegen Hertha – oder auch nur in die Nähe: Es gibt ja solche Highlights nicht nur in Deutschland, wie der Sport-Informations-Dienst (SID) zu berichten weiß:

Während des Final-Hinspiels um die Fußball-Regionalmeisterschaft von Sergipe (Brasilien) ist es zwischen den beiden Trainern zu einer handfesten Auseinandersetzung gekommen. Nachdem der Schiedsrichter Celso Teixeira (AO Itabaiana) und Gilberto Pereira (AD Confianca) wegen wiederholten Verlassens der Coachingzone des Feldes verwiesen hatte, prügelten die beiden Streithähne auf dem Weg in die Kabine aufeinander ein. Erst Polizeibeamte und Ersatzspieler konnten die beiden Trainer voneinander trennen.

Auch nach dem Spiel, das Itabaiana 3:1 gewinnen konnte, ging der Streit weiter. Pereira behauptete, von Teixeira „mit mehreren unangenehmen Wörtern beleidigt“ worden zu sein. Daraufhin meinte Teixeira: „Das ist absurd, ich weiß nicht worüber er sich beklagt. Das ist nicht der Platz für einen Kampf, aber wenn er mit mir außerhalb des Platzes kämpfen will, können wir einen Tag und eine Zeit abmachen.“
Am Sonntag findet das Rückspiel statt.

Erstmal geht es nur um Fußball. Aber mal abwarten. Ich finde das ja okay, denn endlich spricht es mal ein Trainer aus: Ein Treffen, kurz (oder von mir aus auch lang) auf die Glocke – fertig. Dann geht es entweder ins Krankenhaus oder zum Bestatter.
Stimmt überhaupt: Warum muss nur in den Fußballstadien geprügelt und verhauen werden?
Und Boxen ist doch ein so schöner Sport, der rauf und runter im Fernsehen übertragen wird. Diese beiden brasilianischen Trainer würden sicher auch hier noch den einen oder anderen Sender finden. Obwohl sich ganz bestimmt auch zwei bis 68 deutsche Trainer auftreiben ließen . . .

Das wäre doch auch etwas für Fans. 100 Mann gegen 100 Mann, und dann los. Statt einer Cherleader-Flotte stünden dazu ganz „normale“ Fans mit Bengalos in den Händen Spalier. Und solche urgewaltigen Kämpfe müssten dann natürlich auch mit Heim- und Auswärts-„Spielen“ ausgetragen werden, selbstverständlich müsste auch eine Tabelle geführt werden – mit Auf- und Abstieg. Und nur „die Harten komm’ inn Garten“: Geklammert, genäht und gegipst werden dürfte nur in der Halbzeitpause. Denkbar und toll wäre dazu ein Finale der „letzten Überlebenden“ in der Stierkampfarena von Mallorca. Moderieren könnte das dann zum Beispiel Thomas Gottschalk, der hätte dort ein Heimspiel und sucht ja auch noch (immer oder schon wieder) eine neue Sonnabend-Show zur besten Sendezeit . . .

Und in den Stadien würde es dann vielleicht doch mal wieder vorrangig um Fußball gehen.

So, um etwaigen Missverständnissen vorzubeugen: Ich mag keine Gewalt, ich verurteile Gewalt, Schlägereien haben beim Fußball nichts, aber auch absolut nichts zu suchen. Dennoch sind wir hier im Moment wieder auf dem Weg, unseren (geliebten) Sport wieder einmal total nach unten zu ziehen. Siehe Karlsruhe, siehe Düsseldorf. Es tut mir nur noch weh . . . Und wenn ich die Hilflosigkeit aller (Verband, Vereine, Polizei) miterlebe, dann frage ich mich, wer hier noch irgendetwas im Griff hat? Es sind zu viele Ahnungslose am Werk, und auch zu viele Leute, die alles nur verharmlosen (wollen). Das, was sich zuletzt hier im Lande abgespielt hat, ist eine Schande!

Und wenn ich gefragt werde, wie der DFB am Freitag entscheiden soll, dann sage ich ganz klar, dass ich für ein Wiederholungsspiel wäre. Und zwar vor leeren Rängen. Damit beide Fan-Parteien (Fortuna und Hertha) merken, dass es so ganz einfach nicht mehr weitergehen kann. Und auch nicht darf. Wobei anzumerken ist, dass sich ja auch etliche Spieler gründlich daneben benommen haben – was erst jetzt so allmählich ans Tageslicht kommt.
Es ist einfach nur beschämend.

So, und wenn ich oben mit „unser aller Jaro“ begonnen habe, dann ende ich heute mal mit dem „kleinen Dribbelkünstler“. Für alle, die sich dabei nicht so sehr hochfahren, wenn sie etwas über Piotr Trochowski lesen:

(S)Ein Jahr FC Sevilla liest sich so:

Zwei Einsätze in der Europa League, 35 (von 38) Spiele in der Ersten Liga Spaniens, drei Pokalspiele – ein Tor! Insgesamt ein Tor. Was natürlich zu wenig ist. In acht Punktspielen wurde „Troche“ eingewechselt, in 16 wurde er ausgewechselt. Insgesamt spielte er 2634 Minuten (in allen Wettbewerben). Das ist ganz sicher keine schlechte Bilanz für das erste Jahr – in einer der besten Ligen der Welt (in der Fünf-Jahres-Wertung Platz zwei vor Deutschland!). Der FC Sevilla wurde Tabellenneunter (14 Niederlagen, 13 Siege, elf Remis – hatte sich sicherlich mehr versprochen.

PS: Morgen (Freitag) kein Training im Volkspark (nein, nur ein Scherz zum Vatertag). Lasst es gut ausklingen.

17.09 Uhr

Mitglieder sollten sich an Wahlen halten – und Düsseldorf aufsteigen ***Jarchow und Hilke bis 2015***

16. Mai 2012

Oha, da gerät ja selbst der rastlose, große HSV in den Hintergrund. 27,5 Minuten Nachspielzeit inklusiven einer 20-Minuten-Unterbrechung, weil Düsseldorfer Fans eine Minute vor dem offiziellen Ende den Rasen gestürmt haben. Und jetzt berät und votiert die Fachwelt, ob die Partie so gewertet werden kann oder wie, wo und wann es eine Neuauflage geben soll. Bei „Spiegel online“ heißt es jetzt: „So etwas hat auch der renommierte Sportanwalt ‚noch nicht gesehen’. Mit offenem Mund habe er vor dem Fernseher gesessen, als die Düsseldorfer Fans über die Balustraden kletterten und das Spielfeld stürmten, sagt Michael Lehner. Der Heidelberger Anwalt fordert eine detaillierte juristische Aufarbeitung des Skandal-Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC – und räumt einem möglichen Protest gute Chancen ein. „Wenn Hertha Protest gegen das Spiel einlegt, hat der Verein Aussicht auf Erfolg“, sagt Lehner, der sich im Sport bisher besonders einen Namen in Doping-Verfahren machte. Aus seiner Sicht ist eine Wiederholung des Spiels die einzig gangbare Lösung: Die Berliner seien durch die Spielunterbrechung einer großen Chance beraubt worden, die gesamte Mannschaft sei in ihrem Spielfluss gestört worden. Der Veranstalter – in dem Fall Fortuna Düsseldorf als gastgebender Verein – sei seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen. Dadurch hätten die Gäste keine Chancengleichheit mehr gehabt, das rechtfertige einen Einspruch von Hertha.“

Selbst die für mich völlig absurde Lösung (weil so beide Mannschaften für Fehlverhalten ihrer Fans noch belohnt würden), in der kommenden Saison mit 19 Mannschaften in der Bundesliga zu spielen, wird erwogen.

Geht’s noch??

Die 60 fehlenden Sekunden wurden mit 30 Sekunden Aufschlag nachgespielt. Nicht optimal, klar. Auch der Gedanke, dass der Spielfluss gestört wurde, kam mir sofort in den Sinn. Aber letztlich gab es auch nur deshalb diese Ewig-Nachspielzeit von sieben Minuten, weil während der Partie Hertha-Fans Dutzende Bengalos auf den Platz geworfen hatten und damit den Spielfluss der Düsseldorfer ebenso wie später die Düsseldorfer Fans den der Berliner störten. Nein, dieses Spiel darf nicht wiederholt werden. Aber es wird mit Sicherheit mächtig hohe Strafen nach sich ziehen. Ich verzichte hier an dieser Stelle, mich über die unfassbar dummen Fans auszulassen – das habt ihr hier ja schon ausreichend und richtig dargestellt. Nein, ich lass das Thema jetzt ruhen, da wird nichts Großes mehr kommen. Wetten, dass…?!? Immerhin ist der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach DER Fortuna-Fan schlechthin…

Aber egal, zurück zum HSV. Der darf sich jetzt auf ein junges Talent freuen, das mit zusätzlichem Selbstvertrauen eines Erstligaaufsteigers kommt. Und das völlig zu Recht. Was Maximilian Beister gestern ablieferte, war wieder das, was ihn im Laufe der Hinrunde zu einem der begehrtesten Spieler der Zweiten Liga gemacht hatte. Nicht allein sein Tor begeisterte. Auch insgesamt wirkte Beister so, wie ich es zuletzt von einem Ivica Olic gesehen habe. Er war immer in Bewegung, lief manchmal auch unfassbar unökonomische Wege – aber eben nie auch nur einen Meter zu wenig. Dazu hat Maxi eine sehr ausgeprägte Technik, hohes Tempo und Zug nach vorn. Er wird der Fortuna fehlen – und dem HSV helfen. Zumal wir auf der rechten Seite schneller eine Vakanz haben könnten, als uns lieb ist. Denn inzwischen steht Gökhan Töre beim HSV im Visier der Verantwortlichen.

Zunächst hatten sich Sportchef Frank Arnesen und Trainer Thorsten Fink darauf verständigt, ruhig zu bleiben und Töre so lange eine Chance zu geben, bis entweder ein potenter Käufer für den extravaganten Außenspieler auftaucht oder noch etwas vorfällt. Noch etwas, weil Töre intern mit seinem divenhaften Verhalten einige Kritiker auf den Plan gerufen hat. Zwar hieß es am Sonntag, Töre sei wegen einer Grippe nicht im Kader – das soll allerdings nur ein Vorwand gewesen sein. Dem Vernehmen nach soll der Deutsch-Türke am Sonnabend durchaus gesund gewesen sein. Sogar bis spät in die Nacht. Woraufhin Fink auf die Nominierung des Linksfußes für die Partie gegen Stuttgart verzichtet haben soll – und nun erwägt, auch länger auf die Dienste des „Spielers der Hinrunde“ zu verzichten. Fortsetzung folgt…

Verzichten müssen wir auch auf weitere Auftritte des HSV 2011/2012. Hierbei verzichte ich auf den Zusatz „leider“. Zumindest sportlich ist dem nicht so, denn die letzten Tests waren dann doch eher durchwachsen. Zum Glück ist endlich wirklich Pause. Dafür steht am Sonntag die Mitgliederversammlung an, auf der wichtige vereinspolitische Themen besprochen werden sollen. Die Fernwahl wird einer dieser Punkte sein. Ein anderer die Mitbestimmung der Mitglieder bei eventuellen Engagements von Investoren. Zwei Themen, die eine ganze Menge Pro und Contra haben. Ich, bzw. dann Dieter, werden auf dieses Thema auch noch eingehen – allerdings nicht heute, sondern kurz vor, während und nach der MV.

Nein, heute geht es noch mal um Fußball. Nachdem gestern der sportliche Abschluss mit einem 6:1 beim Lüneburger SK gefunden wurde, werden jetzt die neuen Spieler gesucht. Wolfsburgs Koo ist seit langem und auch weiterhin auf der Liste – ebenso Karlsruhes Toptalent Hakan Calhanoglu. Allerdings sind beides Namen von talentierten Spielern, die nicht die Forderung von Fink befriedigen würden. Der hat sich intern darauf festgelegt, einen zentralen, kreativen und vor allem aber auch gestandenen Mittelfeldspieler holen zu wollen. Das kostet Geld – wofür auch schon vor Monaten der HSV-Fan und Investor Klaus-Michael Kühne kontaktiert wurde. Zwar ist ein Herr van der Vaart trotz aller hier geäußerten Wünsche in weiter Ferne. Allerdings ist eine Fremdinvestition durchaus denkbar, was den Handlungsspielraum für Sportchef Frank Arnesen erheblich verbessern würde. Vorausgesetzt, am Sonntag passiert nichts, was das verhindern könnte.

Womit ich doch wieder kurz bei der bevorstehenden MV gelandet bin. Ich kann nur hoffen, dass der Gedanke, Mitglieder dürften beim Einstieg von Investoren beim HSV mitbestimmen oder müssten gefragt werden, schnell zu den Akten gelegt wird. Weshalb sollte das beim HSV so sein? Warum sollten hier alle Strukturen aufgehoben werden? Immerhin waren und sind es weiterhin die Mitglieder – also auch die Antragsteller – die die Aufsichtsräte gewählt haben. Diese Gewählten wiederum bestimmen den Vorstand im Sinne des Vereinswohls (so soll es zumindest sein. Und der Vorstand hat seinerseits wieder darüber zu entscheiden, wie sich der Verein aufstellen muss, um künftig erfolgreicher bestehen zu können. Ergo: die Fans wählen indirekt diejenigen, die bestimmen. Sich dann über deren Entscheidungen zu ärgern und dies auch öffentlich zu machen – völlig okay. Ebenso ist es okay, bei der nächsten Wahl anders zu entscheiden – oder gar selbst zu kandidieren. Aber aus seiner Sorge das Recht abzuleiten, in die Hoheitsgebiete des Vorstandes eindringen zu dürfen und Entscheidungen mittreffen, verhindern oder genehmigen zu dürfen, das ist m. E. verkehrt. Dann würde, das hatte ich vor kurzem schon mal geschrieben, aus einer gesunden Opposition eine blockierende Dauer-Opposition, die dazu führt, dass der Verein handlungsunfähig wird. Und das kann sicher keiner wollen.

In diesem Sinne, ich melde mich in der kommenden Woche wieder und freue mich, Euch einige wichtige Termine ankündigen zu können. Denn Dieter, einige honorige Gäste und ich werden in den nächsten Wochen die Deutsche Nationalmannschaft in der Form begleiten, dass wir nach jedem Länderspiel ein „Matz-Ab-Live“ machen. Das beginnt am 26. Mai mit dem Testspiel der Deutschen gegen die Schweiz und endet (hoffentlich) erst nach dem EM-Finale mit der DFB-Elf als Europameister.

Bis morgen – dann wieder mit Dieter!

Scholle

Nachtrag:
Aufsichtsräte verlängern mit Jarchow und Hilke vorzeitig bis 2015. Otto Rieckhoff lobt: “Sie haben die Aufgaben auch in den schwierigen Zeiten des Abstiegskampfes leidenschaftlich und in einem sehr gut funktionierenden Team gelöst. Für ihre richtungsweisenden Entscheidungen und ihre Verlässlichkeit gebührt ihnen größte Anerkennung und unser Vertrauen, den eingeschlagenen Weg weiter fortzuführen. Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung möchten wir unser Bestreben nach Kontinuität unterstreichen“.

Carl Jarchow und Joachim Hilke hatten am 15. März 2011 die Aufgaben im Vorstand übernommen. Die bisherigen Verträge liefen bis zum 15. März 2013. „Wir freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen und werden mit aller Kraft daran arbeiten, die gemeinsam gesteckten Ziele für den Verein zu erreichen“, so Jarchow. Joachim Hilke blickt ebenfalls positiv in die Zukunft: „Die vorzeitige Verlängerung zeigt, dass unser Weg der Neuausrichtung Unterstützung findet. Diesen werden wir konsequent und leidenschaftlich für den Verein fortführen.”
(Quelle: www.hsv.de)

Ich saß gerade im Auto und bin von einem Stau in den nächsten getrudelt, als ich davon erfahren habe – deshalb der vergleichsweise späte Nachtrag, den ich heute unkommentiert lasse, um mit den Beteiligten zu sprechen, bevor ich meine Meinung dazu hier äußere. Nur so viel: So unmittelbar vor einer Mitgliederversammlung wirkt das immer sehr, sehr gezielt. Die Frage in diesem Fall ist nur: Was genau ist diesmal das Ziel? Ich glaube, dass diese Nachricht nicht mehr Ruhe bringt als vorher da war. Aber okay, mehr dazu morgen…

Von limitierten Spielern und dem HSV-Virus

15. Mai 2012

Heute einmal die etwas andere Eröffnung:

Unser Matz-ab-Blogger „Das Ungeheuer” schreibt:

„Sorry, ich muss jetzt etwas machen, was ich eigentlich an vielen Beiträgen hier nicht mag: Dieter Matz kritisieren. Und zwar, weil ich inzwischen den Eindruck habe, dass der Blogvater einen systematischen Fehler macht in seiner Beurteilung von Spielern. Er geht immer rein nach dem, was er einen “guten Charakter” hält. Und das führt leider dazu, dass zu nahezu 100 Prozent seine Positivurteile Spielern gelten, die im Fußballerischen limitiert sind und das durch Einsatz, Rhetorik, Kampeswillen wettmachen. Namen? Nun neben dem offensichtlichen David Jarolim Westermann, Rincon, Aogo, Drobny. Ja, ich gebe zu, diese Spieler haben sich “reingehängt”. Und dennoch sind es genau solche Spieler, die den Unteres-Mittelmaß-HSV dieser Zeit von dem von vor fünf Jahren unterscheiden. Westermann, Jaro und eben auch Aogo sind fußballerisch EXTREM LIMITIERT. Mit Spielern dieser Art werden wir auch in 10 Jahren nicht um internationale Plätze mitspielen. Dafür braucht es nun mal Spieler, die – böser Charakter hin oder her – mehr können als andere. Und das sind bei uns nun einmal Spieler wie Töre, Ilicevic, Guerrero. So schwer zu führen die auch immer sind. Es ist am Trainer, sie zu führen und zu disziplinieren.“

Das ist ja ungeheuerlich, Du Ungeheuer. Nein, nein, vielleicht hätten es einige gerne, wenn ich so reagieren würde, aber ich finde diese Kritik ja super, sensationell – und bedanke mich dafür. So soll es doch sein. Nichts von Ar . . .loch, Wi…er, H….sohn, sondern sachlich und fachlich – das ist ja schon immer mein Traum.

Und ich gehe gerne mal darauf ein. Auf welch hohem Niveau bewegen wir uns eigentlich alle, wenn man bei David Jarolim, Heiko Westermann, Tomas Rincon, Jaroslav Drobny und Dennis Aogo von „fußballerisch extrem limitierten Spielern“ spricht? Ich wollte früher, als kleiner Knabe, mal Nationalspieler werden, habe es aber nicht ganz geschafft. Ich weiß nicht, ob Du, liebes „Ungeheuer“, es geschafft hast, aber ich vermute mal – das nein. Aber diese fünf von Dir genannten Spieler waren und sind alle Nationalspieler. Weil sie fußballerisch limitiert sind? Was sind denn erst die anderen HSV-Spieler (auch die, die in der Vergangenheit hier spielten – als Nicht-Nationalspieler?), die es nicht bis ganz nach oben geschafft haben? Alles Krampen – außer Uwe?

Nein, nein, da machst Du es Dir ein wenig zu einfach. In Hamburg spielt eben noch kein Messi, kein Ronaldo, kein Rooney. Letzterer aber, so denke ich, wäre wahrscheinlich auch schon leicht „fußballerisch limitiert“ . . . Wenn aber schon Jarolim, Westermann, Drobny, Aogo und Rincon „fußballerisch limitiert“ sind, wer ist es dann nicht (von dieser HSV-Mannschaft)? Jeffrey Bruma, Jacopo Sala, Michael Mancienne, Slobodan Rajkovic, Ivo Ilicevic? Nur um mal einige Namen zu nennen. Von einigen wird hinter vorgehaltener Hand behauptet, dass sie nicht unbedingt die Raute in der Brust vor sich her tragen . . . Mag sein, dass sie „fußballerisch nicht so limitiert“ sind, aber zählt da nur das, was sie am Ball können? Ganz sicher nicht. Und genau die von Dir genannten fünf Spieler haben in dieser Saison (so lange sie es durften) immer alles gegeben – für den HSV.

Und, eine Gegenfrage sei mir noch gestattet: Wenn es diese fünf Spieler sind, die „den Unteres-Mittelmaß-HSV dieser Zeit von dem von vor fünf Jahren unterscheiden“, was haben dann die anderen Spieler der Saison 2011/12 an guten oder herausragenden Leistungen vollbracht? Oder sind die eventuell nur von diesen „Weicheiern“ ausgebremst und behindert worden?

Nein, nein, die Mischung macht es.
Und ich habe nicht das Gefühl, dass zum Beispiel David Jarolim ein „Weichei“ war und ist. Der ging immer dorthin, wo es (ihm) wehtat.

Ich möchte auch nicht wieder davon anfangen, dass ich selbst ja einst Trainer (B-Lizenz) war, aber neben sieben Jugendmannschaften (in drei Vereinen), die alle Meister wurden, habe ich auch fünf Herren-Teams (in drei Klubs) trainiert – drei davon wurden Meister (mit einem Verein wäre ich allerdings am letzten Landesliga-Spieltag fast abgestiegen, ein Elfmeter in der 92. Minute rettete uns – sollte nicht verschwiegen werden). Da habe ich auch ältere Spieler trainiert, die älter waren als ich, und nicht alle waren „Weicheier“ oder als pflegeleicht zu bezeichnen. Dennoch glaube ich, dass es stets eine gewisse Harmonie in jedem Team gab, und ein einheitliches Denken, wenn es um Erfolge ging.

Ich gebe aber durchaus zu, dass ich Spielertypen wie Stefan Effenberg oder Mario Basler, oder auch Oliver Kahn, nicht unbedingt so gerne in einer meiner Mannschaft gehabt hätte (fußballerisch natürlich, das ist schon klar, aber nicht von einer gewissen Aufsässigkeit her), weil sie doch irgendwie Querköpfe waren und sind. Aber hatte der HSV einen solchen in der abgelaufenen Saison in der Mannschaft? Oder wie lange ist es her, dass der HSV einen solchen ganz besonderen Spielertypen in seinem Team hatte? Wen würdet ihr als einen „Querdenker“ bezeichnen? Mir fällt da eigentlich nur Frank Rost ein, aber der dachte „quer“, weil er unbedingt mehr Erfolg haben wollte. Und, das sei nicht verschwiegen, er schoss dabei ganz sicher auch das eine oder andere Mal etwas (oder etwas mehr) über das Ziel hinaus.

Kurz noch zu dem Begriff „Rhetorik“. Den im Zusammenhang mit Jaroslav Drobny zu bringen, ist etwas das Thema verfehlt. Ich habe mit Drobny zuletzt im Trainingslager Längenfeld (bei Armin Veh) (korrigiert, danke Manfred) gesprochen, und fast allen anderen Kollegen dürfte es ähnlich gehen, denn der Tscheche redet nicht mit der Presse. Dennoch aber muss doch seine gute Leistung, auch sein Durchhaltevermögen, Anerkennung finden. Und nur das wurde auch gemacht – von allen Zeitungen. Völlig berechtigt, wie ich finde, Drobny ist mein HSV-Spieler der Saison. Wie er zur Raute hielt, obwohl ihm hier schon der Stuhl vor die Tür gesetzt wurde – das macht nicht jeder. Zumal Jaroslav Drobny oft mit dem „Kopf unterm Arm“ zwischen den Pfosten stand.

Es ist sicher auch die Kunst eines Trainers, „etwas schwierigere“ Typen mit „charakterlich einwandfreien Menschen“ zu verbinden, um daraus ein echtes Team zu formen. Und da wird Thorsten Fink jetzt in seiner zweiten Saison, die ja eigentlich erst seine „erste richtige“ Saison sein wird, gefragt sein. Dennoch glaube ich, dass es besser wäre, wenn man eine Mannschaft (einen Kader) hätte, der sich gut oder auch sehr gut versteht – auch privat. Als Nationalspieler Dennis Aogo vor Monaten von der Nati zurückkehrte, machte er mich total neidisch. Weil er von den Dortmundern erzählte, die sich wie Freunde gaben und benehmen, die alles miteinander gemeinsam machen – die viel lachen, Blödsinn machen sich einfach nur gut verstehen. Das ist der Ideal-Fall.

Als Oliver Kahn am Sonnabend (nach dem 2:5-Debakel der Münchner!) gefragt wurde, ob Jürgen Klopp nicht irgendwann auch beim FC Bayern vorstellbar wäre, da antwortete der ehemalige Keeper wie folgt: „Das ist nicht miteinander zu vergleichen. Bei Bayern müsste er ja Erwachsene trainieren, und ich weiß nicht, wie gut er im Umgang mit Stars ist – die er in München ja hätte. In Dortmund sind das meistens jugendliche Spieler, der sicherlich ganz anders zu führen sind.“ Da habe ich dem Oliver Kahn, den ich bei der Nationalmannschaft über Jahre genossen habe (und der gewiss nie mein Freund sein wird), innerlich Beifall gespendet. Deswegen sage ich ja auch, dass Klopp alles richtig gemacht hat, als er damals nicht zum HSV kam – und nach Dortmund ging. An Hamburg und dem HSV sind doch schon ganz andere Trainer, gestandene Männer, so richtig gut und nach allen Regeln der Kunst verzweifelt. Deswegen kann man der verpassten Chance, dass Klopp zum HSV gekommen wäre, eigentlich niemals so hundertprozentig nachtrauern. Irgendetwas wäre ihm hier (in Hamburg) ganz sicher auch in die Quere gekommen, was den Erfolg verhindert hätte. Ich nenne da ja schon seit Jahrzehnten den
HSV-Virus.

In München soll es ja auch ab und an den „FC Hollywood“ geben, aber dann ist da kurz mal Ärger unterm Dach, und dann geht es wieder. In Hamburg (und beim HSV) spielen sich aber immer regelrechte Dramen ab, und die sorgen mit ihrer Nachhaltigkeit stets für monatelange, oftmals auch jahrelang dicke Luft. Oder glaubt ihr, dass ein Boxkampf in der Kabine zwischen Mladen Petric und Dennis Aogo so schnell abgehakt gewesen wäre, wie der zwischen Ribery und Robben? Niemals. In München aber war das schon nach zwei, drei Tagen kein Thema mehr . . . Und Robben hat inzwischen schon seinen Vertrag verlängert.

Es kommt auch immer auf die Teamkollegen an, und auch auf die Führung. Beim HSV gab es auch schon mal die eine oder andere Handgreiflichkeit. Entweder wurde die vertuscht, oder damals vertuschte der Erfolg alles. Felix Magath gab einst dem ehemaligen Bremer Werner Dreßel eine Ohrfeige und einige nette Worte mit auf den Weg vom Training in die Kabine (Verpi.. dich, du Blindfisch!), aber weil der HSV erfolgreich war, und weil der HSV damals ein Team hatte, das sich prächtig verstand, war das kein Thema, was an die große Glocke gehängt wurde. Der Erfolg heilt eben viele Dinge – wenn auch nicht alles. Die damalige HSV-Mannschaft blieb übrigens größtenteils zwischen Vor- und Nachmittags-Training beisammen (meistens scherte nur „Jimmy“ Hartwig aus), aß oft im Tennis-Club am Falkenberg zu Mittag. Ohne Trainer, ohne Betreuer. Und ohne dass es jemand angeordnet hatte. Man verstand sich ganz einfach – und eilte – ganz nebenbei – von Sieg zu Sieg.
Und das alles gibt es ja schon seit Jahren nicht mehr.

So, gleich geht es nach Lüneburg, zum letzten Freundschaftsspiel dieser Saison. Über diesen Kick werde ich nach Spielschluss etwas Ergänzendes anfügen – am Ende des Berichtes.

Da im Blog schon über einen Spieler namens Hakan Calhanoglu geschrieben wurde: „Scholle“ hat diesen Namen bereits vor einigen Wochen in Zusammenhang mit dem HSV gespielt. Und es ist wohl auch etwas dran, dass der HSV Interesse an dem 18-jährigen Deutsch-Türken (geboren in Mannheim) des Zweitliga-Absteigers Karlsruher SC hat. Es soll allerdings nicht kurz vor der Vollendung sein, denn der offensive Mittelfeldspieler hat einen Vertrag mit dem KSC, der noch bis 2016 läuft. Also: Interesse ja, ein Schnellschuss aber kaum. So war aus dem HSV zu vernehmen – kann aber auch schon morgen alles wieder hinfällig (was mich dann aber auch sehr, sehr wundern würde).

Ganz zum Schluss noch ein längeres Teil der Agentur „dapd“ über einen Neu-HSVer namens Artjoms Rudnevs. Für alle, die noch nicht so sehr im Bilde sind, was die sportliche Seite des Letten betrifft. Ich gehöre zu jenen, die noch nicht so viel wissen.

(dapd). Der Mann musste Ahnung haben. Schließlich hatte er ja auch zum Kreis derer gehört, die wissen, wo das Tor steht. „Ich glaube, dass Artjoms Rudnevs ohne Probleme Robert Lewandowski ersetzen kann“, sagte also Andrzej Juskowiak. Auf 56 Treffer hatte der es als Spieler in der Bundesliga gebracht. Nun, im September 2010, adelte er in seiner Funktion als Assistenztrainer des polnischen Erstligisten Lech Posen den lettischen Stürmer seines Klubs.

Eine Prognose mit Weitsicht. Als der ehemalige Wolfsburger Rekordtorschütze die lobenden Worte sprach, hatte Rudnevs gerade vier Tore erzielt für Lech. 29 Ligatore und knapp zwei Jahre später wechselt Rudnevs – wie sein Vorgänger Lewandowski – nach Deutschland, zum Hamburger SV. Juskowiaks Einschätzung hat der 24 Jahre alte Lette längst bestätigt.

Die Fans von Lech Posen erleben ein Deja-vu. „Bleib bei uns, bleib bei uns“, hatten sie im Mai 2010 verzweifelt gesungen. Damals feierte der Eisenbahnerklub aus Westpolen die erste Meisterschaft seit 1993. Doch vor dem nächsten großen Ziel, der Qualifikation für die Champions League, ging der beste Torjäger von Bord. Robert Lewandowski ging für 4,5 Millionen Euro zu Borussia Dortmund. Ohne ihn war die Champions League eine Nummer zu groß, Artur Wichniarek, der Lewandowski ersetzen sollte, zeigte bei seiner Rückkehr in die Heimat die gleichen schwachen Leistungen wie in den Monaten zuvor bei Hertha BSC.

Hinterher meldeten sich polnische Fußball-Experten und behaupteten, der Traum von Europas Elite hätte wahr werden können, hätten sich die Verantwortlichen von Lech zunächst nicht so knauserig gezeigt. 600 000 Euro, einen Bruchteil des Lewandowski-Erlöses, hatte der ungarische Erstligist Zalaegerzsegi für seinen lettischen Stürmer verlangt. Doch statt zu Beginn der Vorbereitung entschied sich Posen erst kurz vor Beginn der Ligasaison zum Kauf von Artjoms Rudnevs.

Dessen erster ganz großer Auftritt kam zwei Tage nach dem Lob von Juskowiak, in der Europa League gegen Juventus Turin. Beim 3:3 gegen das italienische Starteam erzielte der Lette alle Treffer für die Polen. Nach einer halben Stunde führte Lech dank zweier Rudnevs-Treffer mit 2:0. Nachdem Juve in der zweiten Halbzeit das Spiel gedreht hatte, gelang dem Neueinkauf in der Nachspielzeit mit einem großartigen Distanzschuss der verdiente Ausgleich.

Ab dem Tag an hatte Polens Fußball einen neuen Star. Robert Lewandowski blieb zwar weiterhin der Liebling der Fans, doch in der heimischen Liga wurde Rudnevs zum alles überstrahlenden Stern. Während die Sportpresse den Letten fast jede Woche mit Teams aus den europäischen Topligen wie dem FC Porto in Verbindung brachte und dabei über Ablösesummen von bis zu sieben Millionen Euro spekulierte, stritten Fußballexperten darüber, wer von den beiden der bessere Stürmer sei: Lewandowski oder Rudnevs.

Wenn es um die Tore in den europäischen Wettbewerben geht, dann spricht die Statistik jedenfalls für den Letten. Allein im Spiel gegen Juventus erzielte Rudnevs so viele Treffer, wie Lewandowski im Trikot von Lech Posen und des BVB zusammen. Insgesamt hat der Lette zwei Tore mehr auf seinem Konto. Auch die Torquote in der polnischen Ekstraklasa spricht knapp für den Neu-Hamburger. In 53 Spielen erzielte Rudnevs 33 Treffer, Lewandowski brauchte dafür fünf Spiele mehr. Im Abschied waren beide vereint: Sie verließen Polen nach zwei Jahren – und als Torschützenkönig.

Und so geht in Polen die Diskussion derzeit in eine etwas ungewöhnliche Richtung. Nicht ob der Lette sich in Hamburg durchsetzt, wird diskutiert. Sondern ob er sich mit dem Wechsel eigentlich einen Gefallen tut. „Ich rate von diesem Transfer ganz entschieden ab“, erklärte vor einigen Wochen kein Geringerer als Miroslaw Okonski, der 1986 in den goldenen HSV-Zeiten von Posen nach Hamburg ging. „Der Hamburger SV ist nicht mehr die Klassemannschaft wie zu meiner Zeit“, sagte der ehemalige Mittelfeldspieler. „Ich ging zu einem Spitzenklub in Deutschland, und Artjoms Rudnevs sollte das auch tun.“

Das war es nun erst einmal, nach dem Spiel in Lüneburg melde ich mich dann noch einmal in Kürze – es sei denn, es fallen 13 oder mehr Tore, dann natürlich nicht ganz so kurz.

16.22 Uhr

6:1 in Lüneburg:

Letztes Spiel vor Grenze. Der Betriebsausflug nach Lüneburg endete mit einem 6:1-Erfolg für den HSV. Ein HSV, der mit Tino Dehmelt; Dennis Bergmann, Muhamed Besic, Janek Sternberg, Angelo Langer; Christian Norgaard, Robert Tesche, Jacopo Sala, Matti Steinmann, Heung-Min Son und Manuel Pulido spielte. In dieser Formation trat der HSV von der 57. Minute an. Der unbekannte, der junge HSV. Zuvor spielten Neuhaus, Besic, Bruma, Mancienne, Aogo; Sala, Steinmann, Tesche; Son, Berg, Jansen.
Vor 2500 Zuschauern ging der Oberliga-Achte (Niedersachsen) mit 1:0 in Führung, Sebastian Klepatz traf nach einem schnell ausgeführten Freistoß (11.). Es dauerte bis zur 26. Minute, ehe es 1:1 hieß: Son auf Aogo, sehr gute Linksflanke, Kopfball Marcus Berg. Halbzeit. Der HSV hatte bis dahin sehr, sehr gute Möglichkeiten, scheiterte aber immer wieder am Teufelskerl im LSK-Tor, dem überragenden Alexander Walter.

Berg traf nach Wiederbeginn zum 2:1 (52.), dann begann das Torfestival (weil der LSK mehrfach gewechselt hatte!). Dennis Aogo erzielte das 3:1, weil der auf der Torlinie stehende Lüneburger Krasnikov über den Ball trat (54.). Drei Minuten köpfte Michael Mancienne das 4:1 – der einzige Fehler von Walter. Dann schlug die Stunde der jungen Knaben. Angelo Langer profitierte bei seinem 5:1 von der prächtigen Vorarbeit Sons (69.), und der agile Manuel Pulido nutzte die gekonnte Vorarbeit von Robert Tesche zum 6:1-Endstand.

Wenn ich kurz das Positive hervorheben darf: Heung-Min Son war für mich der beste Hamburger, auch wenn er kein Tor schoss. Der Südkoreaner hatte aber ganz offensichtlich Spaß an diesem Kick, er lief viel und kämpfte großartig. Klasse! Weil eine lobenswerte Einstellung. Gefallen hat mir auch Robert Tesche – und der junge Pulido, der schnell, äußerst beherzt, einsatzfreudig aufspielte. Das ist offenbar ein großes Talent – auch wenn er die kleine Statur wie einst ein Uwe Seeler hat. Nur noch nicht so kräftig. Aber das kann ja noch kommen.

„Die Jungen spielen ja besser als die Alten –weil die Jungen viel mehr laufen und kämpfen“, meinte ein HSV-Fan während der zweiten Halbzeit, Ganz so war es nicht, aber die Talente haben bewiesen, dass sie wollen. Und das ist auch gut so. Sehr gut so.

Ergänzt um 21.36 Uhr

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