Tagesarchiv für den 27. Mai 2012

Hermann – gut drauf und bester Hoffnung

27. Mai 2012

Pfingsten, herrliches Wetter, die Länderspiele geraten schnell in Vergessenheit – und der HSV ist ganz weit weg. Ist ja auch Sommerpause. Trotz allem muss ich den HSV kurz noch einmal loben, denn wie die Damen und Herren das Spiel Brasilien gegen Dänemark „hinbekommen“ haben, das war klasse. Glückwunsch dazu, es geht doch. Obwohl ich sagen muss, ich habe zum Beispiel die Presse-Abteilung noch nie so flitzen und schuften gesehen, wie diesmal. Es hat sich aber ganz offenbar gelohnt, denn ich habe weder von brasilianischer Seite noch von dänischer Seite Beschwerden gesehen, gehört oder erlebt. Klappte fast alles reibungslos. Und wenn nicht, dann wurde es in aller Ruhe und ohne auszurasten geklärt. Der einzige Mann, der irgendwie etwas zu bemängeln hatte („Ist doch alles vom A. . . „) – das war ein Deutscher.

Lars Wegener von der HSV-Presse-Abteilung war denn auch sehr zufrieden. Lob gab es von den Südamerikanern und von den Dänen. Von denen wir übrigens alle lernen können, denn sie blieben in jeder Lage gelassen und entspannt. „Beide Teilnehmer dieses Spiels hatten nicht zu beklagen, weder Offizielle noch Journalisten – das hat ganz einfach nur Spaß gebracht“, sagt Wegener in seinem Resümee. Die Brasilianer lobten die gesamte Crew: „Wir haben selten ein so gut organisiertes Spiel miterlebt. Wir sind begeistert von der Stadt und von diesem Stadion.“ Das befanden auch die Dänen: „Es hat super gut geklappt, und dass 51 000 Zuschauer dabei waren, das ist sensationell. Und es war Werbung für diese tolle Arena und für Hamburg.“ In der kommenden Woche spielt Dänemark in Kopenhagen gegen Australien. Für diese Partie sind erst 15 000 Karten verkauft worden. Hamburg zieht. Lars Wegener sagt: „Es war ein voller Erfolg für den HSV, dieses Spiel durchgeführt zu haben – und Lob hört man ja immer gerne.“ Die Hamburger, die ich nach dem Spiel bislang traf, die waren ebenfalls sehr angetan von diesem 3:1-Erfolg der Brasilianer.

Einer, der nicht dabei war, das ist Hermann Rieger. „Hermann the german“ hatte seit Wochen einen Termin bei einem HSV-Fan-Klub in Schaumburg – und freute sich darauf. Auch wenn er die Brasilianer schon gerne mal aus der Nähe gesehen hätte. Aber wenn Hermann auf Achse ist, egal wohin, dann ist das ja ein gutes Zeichen, denn das zeigt ja, dass er voll auf der Höhe ist. „Es geht mir sehr gut, ich kann nicht klagen. Ich war gerade in der Klinik, und da wurde mir gesagt, dass ich nun weniger Tabletten nehmen muss. Sechs Stück weniger, das ist doch schon toll. Und Chemo brauche ich auch nicht mehr, meine Blutwerte sind absolut okay, ich gehe ohne Einschränkung durch den Tag“, sagt der Kultmasseur.

Erst kürzlich zeigte sich Hermann Rieger in Hamburg von seiner besten Seite – bei Lotto King Karl im Stadtpark. Da tanzte Hermann mit einer meisterschale auf der Bühne herum. Später sagte er: „Diese Auftritte sind der Wahnsinn, das ist Gänsehaut pur, dafür danke ich Lotto sehr.“ Am 23. Juni spielt Lotto bei der Kieler Woche auf, Hermann wird auch dann wieder mit von der Partie sein.

Die schlechte, die schlimme Saison des HSV hat Hermann Rieger fast schon verdrängt: „Es ist alles höchst unglücklich für uns gelaufen. Der Umbruch musste kommen, aber es gingen viele erfahrene Leute, es kamen junge Spieler die zu unerfahren waren. Dazu der harte Start mit Dortmund und den Bayern, als das nicht lief, geriet man schnell unten rein – und dann ist das auch eine Sache der Nerven.“

Hermann wird darauf oft angesprochen. Auch bei seinen Besuchen in den Fan-Klubs. „Ich sage da schon, wie ich das gesehen habe, da rede ich nicht um den heißen Brei herum. Ich denke aber auch, dass jetzt alles nur besser werden kann, auch besser werden muss“, sagt er und fügt hoffnungsvoll hinzu: „Das, was sich bis jetzt getan hat, das hört sich doch schon wieder gut an. Es wird bergauf gehen, davon bin ich fest überzeugt.“ Dann sagt er aber auch: „Noch eine solche Saison wie die nun abgelaufene machen die Fans auch nicht mehr mit. Wie sie im vergangenen Jahr zu ihrem HSV standen, wie sie immer da waren, wie sie alles für die Raute gegeben haben, das war sensationell. Eine solche Treue gibt es bei anderen Abstiegskandidaten nicht, so etwas ist einmalig. Dafür danke ich diesen Super-Fans.“

Mit etwas Besorgnis blickt er dagegen auf die Mitgliederversammlung zurück, die zuletzt in der Arena durchgeführt wurde. Hermann: „So turbulent hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Das Klima war nicht gut, das hat mich absolut überrascht, da waren viele verdienstvolle Mitglieder doch schon erschüttert – auch ich.“ Obwohl der Rieger Hermann auch Gutes fand: „Die Saison war schlecht, dem Verein geht es nicht gut, deswegen waren die ehrlichen und klaren Worte, die dort gesprochen wurden, zum Beispiel von Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff, auch durchaus angebracht. Nur wenn man Klartext spricht, kann man auch die Missstände beseitigen.“ Dann auch zu diesem Punkt noch eine kleine Ergänzung: „Ich hoffe sehr, dass sich bald alle in diesem Verein wieder zusammenraufen werden, es kann doch nicht angehen, dass da gegeneinander geschossen wird. Nur wenn wir uns alle einig sind, kann es auch wieder Erfolge für den HSV geben. Bitte denkt nicht an euch, sondern den HSV.“

Das wäre schon enorm hilfreich. Der HSV befindet sich in einer ganz entscheidenden Phase. Hermann Rieger: „Erst wenn die Verantwortlichen wieder alles im Griff haben, und ich denke, dass sie auf einem sehr guten Weg sind, und wenn sich dann wieder sportliche Erfolge für den HSV einstellen, dann wird es Ruhe geben, und dann wird der HSV auch wieder daran denken können, wieder zur alten Stärke zurückfinden zu können. Es geht, das ist eine alte Weisheit, alles viel, viel leichter, wenn man Erfolg hat. Aber dafür muss man auch was tun.“

Die Chefs arbeiten im Moment daran. Und Hermann sagt: „Ich bin nicht nur guter Hoffnung, ich vertraue auch Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen, dass sie das Richtige tun werden. Auch wenn ich natürlich weiß, dass der HSV finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Ist doch klar, früher waren wir fast jedes Jahr in Europa unterwegs, jetzt nicht mehr – das Geld fehlt. Aber dann muss man eben nicht mit Geld einkaufen, sondern mit Auge. Das machen andere Vereine, die auch nur wenig Geld haben, ja auch. Und dann muss man sich eben Mühe geben, dass es keine Fehleinkäufe mehr gibt, die kann man sich jetzt nicht mehr erlauben. Spieler, die jetzt geholt werden, die sollten schon hundertprozentig passen.“

Wäre nicht schlecht.

Übrigens: Hermann Rieger wohnt und lebt weiterhin in Alfstedt. Er hat jetzt eine Haushälterin an seiner Seite. Eine riesige Erleichterung für ihn. Kochen zum Beispiel ist nicht sein Ding: „Da bin ich ganz sicher kein Favorit drin . . .“ Aber so geht es eben Schritt für Schritt wieder bergauf mit unserem Hermann – er macht es dem HSV vor. Und eines Tages, diese Hoffnung hat er auch nicht aufgegeben, will er wieder zurück. Hamburg ist seine Stadt: „Hamburg wird immer mein Ziel sein, ich liebe Hamburg.“ Und? Was sagt er immer dann, wenn er von der Menge gefeiert wird (so wie zuletzt bei Lotto): „Ich liebe euch, ich liebeeeeeee euch!“

So wird es immer sein. Beidseitig.

Kurz noch in eigener Sache:

Bei „Matz ab live“ hatte ich ja – im Trikot der Nationalmannschaft – versprochen, dass derjenige, der am schnellsten errät, welcher Spieler dieses Trikot einst in einem Länderspiel getragen hat, ein HSV-Trikot von mir bekommen wird. Und nun gab es ein „Totes Rennen“. Damit konnte ja keiner rechnen. Das Moderatoren-Team schrieb mir dazu:

Also es war echt knapp.

„von matterhorn” und „wortspieler” haben BEIDE um 20:24 Uhr die richtige Lösung geschrieben. In derselben Minute.
Wortspieler war nur einige Sekunden schneller – aber: Matterhorn schrieb richtig „Thomas Hitzlsperger”, Wortspieler schrieb „Thomas Hitzelsberger”
(also mit „e” und „b”).

Wortspieler:
eingereicht am 26.05.2012 um 20:24
thomas hitzelsberger

Lorenzo von Matterhorn:
eingereicht am 26.05.2012 um 20:24
Letzter Versuch:
Thomas Hitzlsperger Confed Cup 2005

Nun musst du (Dieter) entscheiden.
Ist nur der eine richtig oder ist auch die falsche Schreibweise okay?

Ja, da werde ich mir etwas einfallen lassen müssen. Ich werde noch einmal in meinen Schrank in der Redaktion gucken müssen, um die Lage mit den Trikots zu sondieren. Ich werde mitteilen, wie ich mich entschieden hab.

Und dann gab es noch das. Eine private Zuschrift einer lieben „Matz-abberin“. Sie schrieb u. a. dies:

Im Blog stand neulich, dass Du eine Anregungen für die Sommerzeit für den Blog bekommen hast. Falls Du noch eine brauchst, wäre eine Idee ein “Wunschkonzert”, d.h. frag doch mal Deine Leser, worüber sie gerne mehr Infos hätten, damit Du sie ins Boot holst und Du diese vielleicht etwas maue Zeit gut füllen kannst, denn ich stelle mir das nicht leicht vor, in einer Zeit was zu schreiben, wo nicht viel passiert.

Richtig erkannt, gut erkannt, es gibt ja nicht immer etwas vom HSV. Wer also eine Idee hat, wer etwas wissen möchte, wer etwas anregen will – immer raus damit.
Mit Nähkästchen tue ich mich im Moment schwer, weil ich gerade für das Hamburger „Hinz und Kunzt“ einige Nähkästchen in der in dieser Woche erscheinenden EM-Beilage geschrieben habe. Es wäre ganz toll, wenn ihr euch dieses Heft (mit extra erhöhter Auflage) kaufen könntet, das Hamburger Straßenmagazin wird von obdach- und wohnungslosen Menschen auf der Straße verkauft. Ihr tut also ein gutes Werk.

18.25 Uhr