Tagesarchiv für den 24. Mai 2012

Der neue HSV nimmt Formen an

24. Mai 2012

Am 22. Januar 2012 verlor der HSV 1:5 gegen Borussia Dortmund. Eine schöne Klatsche. Aber wenn sich der HSV danach auf etwas verlassen konnte, dann war es die Defensive – die nicht ganz so schlecht war (wie die anderen Mannschaftsteile). So sahen es auch Trainer und Sportchef, wenn sie nach dem Saisonschluss ihre Fazits zogen. Nun aber scheint es offenbar nicht nur Bedarf zu geben, an Mittelfeld und Angriff zu arbeiten, denn es wird auch an der Viererkette gefeilt. David Abraham soll als Innenverteidiger (vom FC Basel) kommen. Wobei der HSV mit Jeffrey Bruma, der noch ein weiteres Jahr beim HSV bleiben wird (nicht schon jetzt zum FC Chelsea zurück muss), Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne und Heiko Westermann ja schon bereits vier Innenverteidiger in seinen Reihen hat. Also wird sich da – natürlich – etwas wird tun müssen. Ich tippe mal darauf, dass Rajkovic, der hier nie so richtig Fuß fassen konnte, noch aus Hamburg „weggelobt“ wird, und dass Bruma die Konkurrenz zu Dennis Diekmeier auf der rechten Verteidiger-Position wird, denn dort hat der 20-jährige Niederländer seine besten Spiele für den HSV gemacht. Und der Kapitän wird eine Position nach vorne geschoben – auf die Sechs. Was ich für gut halte, sogar für sehr gut. Denn auch dort wird sich Westermann hundertprozentig für sein Team einsetzen und zerreißen – so wie er es immer tut, so wie es dort auch immer David Jarolim tat.

Wenn der HSV zuletzt seine Abwehr aus dem ersten Halbjahr 2012 lobte (natürlich mit Nationalspieler Dennis Aogo links), dann könnte ich mit diesem nun neu angedachten Defensivverbund noch mehr leben. Fast alles „Kanten“, die auch im Kopfballspiel nicht so leicht zur Seite zu schieben sind, und die auch ansonsten gut „zulangen“ können. Ja, der HSV 2012 nimmt Formen an. Und Diekmeier, der bislang quasi konkurrenzlos auf rechts war, der wird um einiges zulegen müssen, wenn er weiterhin Stammspieler bleiben will. Konkurrenz belebt das Geschäft, in diesem Fall stimmt es ganz sicher – das wird ein interessantes Duell, Bruma gegen Diekmeier.

Fehlt noch der „Kreative“ im Mittelfeld. Da werden ja immer wieder interessante Namen gehandelt, und das wird sicher auch noch einige Wochen so bleiben. Aus dem „Matz-ab“-Kreis kam schon die Frage, ob der HSV nicht auch Interessen an Christian Eriksen zeigt. „Scholle“, der heute mit Frank Arnesen sprach, hatte den Namen des Landsmannes mal angefragt, aber der Sportchef befand: „Zu teuer, da haben wir keine Chance, da sind Vereine wie Barcelona dran, deswegen kann der HSV da kein Wörtchen mitreden.“ Nach Informationen des holländischen Fußballmagazins „Voetbal International“ ist der HSV auch an Demy de Zeeuw (Spartak Moskau) und Jonathan de Guzman (FC Villarreal) interessiert, aber da behaupte ich einmal: Ball flach halten, und zwar ganz, ganz flach halten. Da ist eher nichts dran.

Wenn rechts offensiv dann Maximilian Beister antritt, links offensiv entweder Marcell Jansen oder Gökhan Töre (falls der nicht noch in die Türkei verkauft wird!), dann fehlt neben Paolo Guerrero noch die zweite Offensivkraft. Dirk Kuyt? Wäre eine Lösung. Und dann hätte der HSV tatsächlich nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch eines, mit dem es nicht wieder gegen den Abstieg gehen würde – behaupte ich einmal ganz frech. Apropos Guerrero, der zeigte sich in seiner Heimat mal wieder von seiner guten Seite, denn er schoss Peru zum 1:0-Sieg über Nigeria.

Grundsätzlich aber denke ich zu den Sommer-Aktivitäten des HSV, dass wir noch einige Ein- und Verkäufe in diesem Sommer erleben werden. Auch wenn Thorsten Fink noch kurz vor Saisonende gesagt hatte: „Wir werden nicht tausend neue Leute holen, sondern gezielt einkaufen.“ Es werden vielleicht keine 1000, aber eventuell 100? Weil doch noch der eine oder andere den Weg aus Hamburg finden wird . . .
Warum denke ich da gerade an Mladen Petric? Von dem habe ich heute gelesen, dass er „enttäuscht und verärgert“ über seinen Nationaltrainer Slaven Bilic sei. Wg. Nichtberücksichtigung im EM-Kader. Und dazu passt, dass unsere Sekretärin gerade jetzt eine DVD von Borussia Dortmund (Sport-Bild) von dieser Meistersaison durch den Raum (hin zu einer Kollegin!) trägt. Wenn es eine solche DVD auch vom HSV gäbe, dann könnte Mladen Petric vielleicht ja mal einen Blick riskieren, warum Bilic ihn nicht nominieren konnte. Konnte!

Ein Thema, was mir doch immer noch sehr am Herzen liegt, ist das Thema Arjen Robben. Die Pfiffe am Dienstag, die es beim Testspiel FC Bayern gegen die Niederlande (3:2) für ihn gab, haben ja noch heute eine gewisse Nachhaltigkeit. Völlig berechtigt, wie ich finde, denn ich war auch entsetzt, wie die Bayern mit einem Bayern-Profi umgesprungen sind. Menschenverachtend. Aber sind die Leute von heute nicht so? Ich war schon einigermaßen erstaunt darüber, welche Worte NDR-Sportchef Gerd Gottlob als Kommentator dieses Spiel zu den Pfiffen gegen Robben fand. Gottlob sagte: „Das ist ja erbärmlich.“

Aber es dürfte für einen Hamburger nicht neu gewesen sein, denn, ich hoffe wir erinnern uns alle, auch in Hamburg ist das schon passiert. Zu Beginn dieser Saison wurde der HSV-Kapitän Heiko Westermann im eigenen Stadion von den eigenen HSV-Fans bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Gnadenlos. Und auch erbärmlich. Nur ging das damals nicht durch die gesamte Republik. Und ich hatte damals auch den Verdacht, dass es für die meisten total „normal“ gewesen ist. Spielt ein Mann schlecht, so hat er Pfiffe verdient – ganz egal, ob es einer von uns ist, oder ob er vom Kiez oder von der Weser kommt. So ist sie eben heute, die etwas andere Fan-Kultur. Aber um das mit Gerd Gottlobs Worten zu sagen: „Ich finde das erbärmlich.“

Pfeifen diese Bayern-Fans übrigens auch dann, wenn Robben in der nächsten Saison einen Elfmeter zum 3:2-Siegtor gegen Borussia Dortmund verwandelt hat? Oder jubeln sie tatsächlich? Was ich für abgefahren und total pervers halten würde. Aber auch das würde wohl dazu gehören. Und fast ist es ja auch schon so, wenn wir uns an Manuel Neuer erinnern. Den wollte jeder zweite Bayern-Fan damals nicht. Und heute. Heute jubeln alle! Alles(s) Pharisäer.

Zu dieser ganz speziellen Fan-Thematik gab es heute noch zwei Agentur-Meldungen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Berlin (dpa) – Die Deutsche Bahn will ausufernde Randale in Zügen und auf Bahnhöfen bekämpfen und hat einen Fußball-Fan-Gipfel initiiert. Das Treffen mit Vertretern der Vereine, des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Fangruppen soll nach den Vorstellungen des Vorstandes der Deutschen Bahn im September stattfinden. Die Brisanz der Ausschreitungen habe enorm zugenommen, sagte Bahn-Vorstand Gerd Becht, der in Zukunft mehr Charterzüge zu den Spielen einsetzen und die Vereine für Schäden in Mithaftung nehmen will. An diesem Freitag will er sich mit Liga-Präsident Reinhard Rauball treffen.

„Rund 100 000 Fans sind jedes Wochenende mit der Bahn unterwegs. Nur zwei Prozent von ihnen machen Randale – die Kosten für die entstandenen Beschädigungen dadurch liegen im einstelligen Millionenbetrag“, erklärte Becht am Donnerstag in Berlin. Der Bahn-Vorstand bekräftigte aber trotz zuletzt gehäufter Probleme mit gewaltbereiten Fußball-Anhängern und vor dem Hintergrund des Relegations-Skandalspiels in Düsseldorf: „Wir befördern gerne Fans – sie sind unsere Kunden.“

Becht, dessen Unternehmen der Hauptsponsor des Bundesliga-Absteigers Hertha BSC ist, möchte zu Spielen nach niederländischem Vorbild mehr Charterzüge unter Vereinskontrolle einsetzen. Entstandener Schaden könnte so den Klubs in Rechnung gestellt werden. Das liefe dann nach Bechts Vorstellungen so ähnlich wie in der Mietwagen-Branche. „Die Vereine versperren sich aber im Moment noch“, meinte er.

Der Bahn-Vorstand klassifizierte anhand der Bundespolizei-Statistik die Fans von Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock, des FC St. Pauli, Dynamo Dresden und des 1. FC Köln als besonders problematisch. Als positive Beispiele nannte er Hertha BSC und Union aus Berlin, Kaiserslautern, Stuttgart, Wolfsburg und Braunschweig.

Und dann auch noch das:

Leipzig (dapd) – Fußballspieler Benedikt Seipel von Regionalliga-Aufsteiger 1. FC Lok Leipzig wehrt sich gegen die eigenen Fans. Der Mittelfeldspieler erstattete nach der Partie seinen Clubs am vergangenen Wochenende bei Fortuna Chemnitz Anzeige gegen Unbekannt. Nach dem Spiel flogen aus dem Fanblock der Leipziger Bengalos in Richtung Spielfeld, eines traf den 25-Jährigen dabei am Kopf.

Der Spieler, der mit seinem Team in Chemnitz den Aufstieg perfekt gemacht hatte und danach eigentlich mit den eigenen Fans feiern wollte, entschied sich zur Anzeige. „Es ist ein Zeichen dafür, dass solche Vorfälle im Fußball nichts zu suchen haben“, erklärte Seipel. Der Verein hat nun um Mithilfe bei der Suche nach dem Täter gebeten, Hinweise können auch anonym gegeben werden.

Zudem schrieb uns noch unser „Matz-abber“ „Alnipe”:

Mir liegt die Jugendarbeit beim HSV sehr am Herzen, u. deshalb hab ich mir mal die Mühe gemacht u. die dt. Jugendmannschaften, die in dieser Woche im Einsatz waren, nach Buli-Zugehörigkeit zusammengezählt.
Quelle, der KICKER von heute.

Im Einsatz waren die U 18, U 16 u. U 15.

VfB – 7 Spieler
Leverks. – 4
Brämen -3
S 04- -3
Köln -3
Bayern -2
Hertha – 2
Mainz -2
Freibg -2
WOB -2
Lautern -2
Club -2
MG -1
96 -1
Eintr. -1
Hoffe -1
Augsbg. -1

HSV – —–
BVB ——-

Jena – 2

Was allerdings mit dem BVB da los ist, weiß ich nicht, aber bei der U 19 wären sicherlich einige dabei. aber egal wir geben hier wieder ein schreckliches Bild ab.

DIETER / SCHOLLE, bitte unbedingt mal den Faden aufnehmen u. die Jugendarbeit bei uns durchleuchten,
und ob uns da jetzt aktuell ein MS weiterhelfen kann, wage ich zu bezweifeln.
Ich nehme eher an, FA kann KEINE Jugendarbeit. Bei Chealski brauchte er die NICHT lernen – oder ist ENGLAND mit Jugendmannschaften in EUROPA führend? Und Nachwuchsspieler bei CHEALSKI – auch Fehlanzeige!!

Lieber „Alnipe“, wir werden uns des Themas einmal annehmen. Nicht heute, nicht morgen, aber in den nächsten Tagen. Versprochen. Weil es ja wirklich auch ganz spannend ist. In diesem Zusammenhang muss ich einmal sagen, dass ich enorm viele Zuschriften bekommen habe, in denen steht, dass wir dieses oder jenes Thema einmal aufgreifen sollten. Auch da war sicherlich einiges dabei, was tatsächlich ein Thema für uns sein könnte – werden könnte. Danke.

Dann ganz kurz noch zum „Scholle“-Beitrag vom Dienstag, er hatte ja Billy Bremner hervorgehoben, weil der so nett die damalige Dortmunder Situation durchleuchtet hatte. Das war aber, das sage ich noch einmal, nicht B. Bremner, sondern Dylan. Danke dafür. Und sorry, Bob, für die Verwechslung. Damit sei auch klargestellt, dass Dylan und B. Bremner nicht eine (dieselbe) Person ist.

17.47 Uhr