Tagesarchiv für den 23. Mai 2012

Keine Vereinspolitik – es geht wieder um Fußball

23. Mai 2012

****Korrigiert: Zitierter Post kam von Dylan, nicht von Billy Bremner***

Fußball! Ja wirklich, heute geht es nach vielen Nebensächlichkeiten der letzten Tage hier mal wieder um die schönste Nebensache der Welt. Denn beim HSV tut sich etwas. Der Name David Abraham geisterte heute durch die Gazetten – und er ist bestätigt. Nicht nur, dass ein Bild-Leser den Verteidiger des FC Basel zusammen mit Frank Arnesen und Marinus Bester fotografierte. Nein, auch vom HSV erhielt ich die Bestätigung, dass der Abwehrrecke kommen soll. Kostenfrei sogar, denn der Vertrag läuft aus. „Der HSV hat den Vorteil, dass David den Trainer kennt und der Trainer den David“, sagt Abrahams Berater Renato Cedrola. Und geht es nach Sportchef Frank Arnesen, soll der 25-jährige Argentinier noch diese Woche unterschreiben – immerhin hat der HSV prominente Konkurrenz. Neben Borussia Mönchengladbach, die dem HSV schon Granit Xhaka vor der Nase wegschnappte, sollen auch Vereine aus der Premier League an dem 1,88-Meter-Hünen interessiert sein. Zudem scheint Abraham auf einen großen Vertrag zu hoffen. „Das Finanzielle ist wichtig. Es muss wirklich alles passen“, gibt Cedrola unumwunden zu. Wobei die Frage ist, welche Steigerung sich Abraham, der in Basel rund 600000 Euro verdient haben soll, erhofft.

Dennoch, Abraham scheint sein Geld (der aktuelle Marktwert liegt bei 3,5 Millionen Euro) wird ausreichend gelobt. Ich habe heute mit einem Kollegen in der Schweiz telefoniert. Der sagte nur: „Wenn ihr den kriegen könnt, müsst ihr den nehmen. Der kann was.“ Okay, dachte ich, das sagt nicht viel aus, also weiter zu Youtube. Wobei dort meist nur die besten Szenen zu sehen sind, weil sich naturgemäß nur echte Fans des Spielers die Mühe machen, da etwas zusammenzuschneiden. Also weiter zu dem, der ihn vielleicht mit am besten beurteilen kann: HSV-Trainer Thorsten Fink. Der sagt: „David hat das komplette Paket“, so der HSV-Coach über seinen ehemaligen Abwehrchef, für den er ausschließlich lobende Worte findet: „David ist schnell, zweikampfstark und hat ein gutes Aufbauspiel. Aber vor allem hat er die absolute Siegermentalität und ist ein Teamplayer. Kurzum: er kann uns ganz sicher helfen.“

Und eine Verpflichtung des Argentiniers mit italienischem Pass macht Sinn. Zum einen, weil der HSV Slobodan Rajkovic sehr gern abgeben würde. Und zum anderen, weil Fink durchaus in Erwägung zieht, Heiko Westermann oder Jeffrey Bruma – dessen Verbleib beim HSV in den nächsten Tagen erst entschieden werden soll – ins defensive Mittelfeld vorzuziehen. „Ich spreche nicht über Personalpolitik“, sagt Fink, deutet aber auch an, dass er verschiedene Positionen für Westermann und Bruma im Kopf hat. „Es ist vieles denkbar.“

Auch weiterhin die Verpflichtung von Dirk Kuyt. Der niederländische offensive Mittelfeldspieler spielte gestern beim 3:2-Sieg des FC Bayern für die niederländische Nationalelf mit. Anschließend stellte er sich zum Interview mit meinen Kollegen von der Morgenpost und der Bild, die sich die Mühe gemacht hatten, nach München zu fliegen. Und für alle, die weiter davon träumen, den Liverpool-Star in Hamburg zu sehen, lieferte Kuyt Worte, die hoffen lassen. „Es freut mich sehr, dass ein so großer Klub wie der HSV interessiert ist“, so Kuyt, der sich allerdings nicht frühzeitig entscheiden will. Vielmehr will sich der 31-Jährige voll auf die EM konzentrieren und lässt alles weitere seinen Berater Rob Jansen machen. Und der wiederum hat bereits Kontakt mit Frank Arnesen aufgenommen. „Der HSV könnte eine Option sein“ diktierte Kuyt meinen Kollegen in die Blöcke. Was gut klingt ist in diesem Fall aber wohl noch nicht mehr als ein reines Offenhalten aller Optionen. Immerhin will Kuyt abwarten, wen Liverpool demnächst verpflichtet, nachdem FC-Trainer Kenny Dalglish gerade entlassen wurde. Zudem scheinen ihm mehrere interessante Angebote vorzuliegen, die sich mit einer guten EM auch finanziell noch mal steigern ließen.

Nein, in diesem Fall dürfen wir uns bislang nicht mehr als Außenseiterchancen ausrechnen. Was nichts heißen muss. Denn wirklich klar ist nur, dass wir keine frühe Entscheidung erwarten dürfen, was die ohnehin sehr schwierige Personalplanung beim HSV zusätzlich verkompliziert.

Als ich eben den Namen Rob Jansen schrieb, kam mir eine Erinnerung. Da war doch mal was….! Ach ja, genau – der Transfer von Ibrahim Affellay. Den hatte der HSV zu Hoffmann/Beiersdorfer-Zeiten im Frühjahr und Sommer 2010 auf dem Zettel und am Ende schon als Zugang eingeplant. Alles schien klar – und scheiterte dann doch. Weil Affellay es sich in letzter Sekunde doch noch anders überlegte. Die einen sagen, dass Affellay auch wegen des Aus’ von Beiersdorfer, der bis dahin den Kontakt zum Spieler hatte, kalte Füße bekam. Andere sagten damals, dass der Berater vom FC Barcelona gebeten wurde, zu warten. Was Sinn machen würde – immerhin wechselte Affellay im Januar 2011 zu Barca, wo er bis heute nicht glücklich wurde. Acht Liga-Einsätze sowie einmal in der Champions League eingewechselt – mehr konnte der 26-Jährige in dieser Saison nicht verbuchen. Ein Kreuzbandriss im September 2011 warf den jungen Linksaußen zurück. Seither versuchte er sich gleich zweimal im Comeback, scheiterte dabei im Mai und kam erst die letzten drei Spieltage zu Teileinsätzen. Vielleicht sollte Arnesen dort mal vorfühlen und sich nach einem Leihgeschäft erkundigen. In Hamburg könnte Affellay, der im offensiven Mittelfeld auch hinter den Spitzen den zentralen Mann geben kann, zumindest ausreichend Spielpraxis sammeln.

Vor allem, falls sich auf der rechten Bahn Vakanzen ergeben. Immerhin rechnen beim HSV noch immer einige mit einem Angebot in den nächsten Tagen und Wochen aus der Türkei für Gökhan Töre. Auch bei Paolo Guerrero könnte sich demnächst etwas tun. Angeblich saßen beim HSV-Spiel gegen Stuttgart Scouts vom SSC Neapel auf der Tribüne. Der italienische Cupsieger und Europa-League-Teilnehmer soll den Peruaner schon länger auf dem Zettel haben. Sein Abgang würde nicht nur ein großes Gehalt frei machen, sondern auch eine neue Notwendigkeit in der Offensive bedeuten. Vielleicht lässt der FC Barcelona, sofern er denn wirklich zum Jubiläums-Testspiel des HSV nach Hamburg kommt, den jungen Niederländer ja gleich in Hamburg…

Aber gut, ich fange an zu träumen. Wobei es diesmal wenigstens um Fußball geht. Nicht mehr die Vereinsmeierei. Obwohl, zugegeben: Mir gefiel heute ein Link von Dylan. Dabei handelte es sich um die Dortmunder Krise im September 2009. Damals stellte sich der intern noch umstrittene Klubboss Watzke öffentlich und demonstrativ vor seinen Trainer. Er bescheinigte Jürgen Klopp sogar eine Jobgarantie. „Ich habe totales Vertrauen zu Klopp und zu unserer Mannschaft. Ich weiß, dass wir zurückkommen in die Erfolgsspur. Klopp wird seinen Vertrag bis 2012 bei uns erfüllen. Ich gebe ihm eine 100-prozentige Job-Garantie. Da können Sie mich beim Wort nehmen!“ Und Watzke hielt Wort, wurde zusammen mit Klopp zweimal Deutscher Meister, Pokalsieger und inzwischen zur unumstritten besten Mannschaft Deutschlands. Watzke ist zum zweiteinflussreichsten Klubboss Deutschlands hinter Uli Hoeneß aufgestiegen. Watzke ist vereinsintern zwar nicht überall beliebt – aber auf allen Ebenen voll akzeptiert und respektiert. Er ist die Größe des BVB, die dem HSV fehlt. Und er ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich Konstanz und Geduld auszahlen können – wenn man die richtigen Leute gewähren lässt.

Oha, ich nähere mich schon wieder der Vereinspolitik, die ich nach den letzten Tagen und meinem gestrigen Blog heute unbedingt vermeiden will. In diesem Sinne, ich zieh’s durch – ich schweige diesbezüglich heute mal.

Bis morgen! Dann wieder mit Blogvater Dieter!

Scholle

P.S.: Folgende Meldung hat der HSV gerade herausgegeben: “Paul Meier, sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums, wird seinen im Oktober endenden Vertrag bei den Rothosen nicht verlängern und bereits zum 1. Juni seinen Posten im Nachwuchsbereich des HSV zur Verfügung stellen. Die Trennung erfolgt in beiderseitigem Einvernehmen, erklärte Frank Arnesen. „Paul Meier hat seit zwei Jahren viele neue Gedanken und Projekte in unsere Nachwuchsarbeit gebracht. Wir wünschen ihm auf seinem weiteren Weg alles Gute“, so der Sportchef. „Es war eine tolle und aufregende Zeit, die ich beim HSV erleben durfte. Ich wünsche dem Verein, insbesondere natürlich den Mitarbeitern und Spielern im Nachwuchsbereich alles Gute für die Zukunft“, sagte Meier. Sein Nachfolger wird der bisherige Chefscout Michael Schröder.