Tagesarchiv für den 16. Mai 2012

Mitglieder sollten sich an Wahlen halten – und Düsseldorf aufsteigen ***Jarchow und Hilke bis 2015***

16. Mai 2012

Oha, da gerät ja selbst der rastlose, große HSV in den Hintergrund. 27,5 Minuten Nachspielzeit inklusiven einer 20-Minuten-Unterbrechung, weil Düsseldorfer Fans eine Minute vor dem offiziellen Ende den Rasen gestürmt haben. Und jetzt berät und votiert die Fachwelt, ob die Partie so gewertet werden kann oder wie, wo und wann es eine Neuauflage geben soll. Bei „Spiegel online“ heißt es jetzt: „So etwas hat auch der renommierte Sportanwalt ‚noch nicht gesehen’. Mit offenem Mund habe er vor dem Fernseher gesessen, als die Düsseldorfer Fans über die Balustraden kletterten und das Spielfeld stürmten, sagt Michael Lehner. Der Heidelberger Anwalt fordert eine detaillierte juristische Aufarbeitung des Skandal-Relegationsspiels zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC – und räumt einem möglichen Protest gute Chancen ein. „Wenn Hertha Protest gegen das Spiel einlegt, hat der Verein Aussicht auf Erfolg“, sagt Lehner, der sich im Sport bisher besonders einen Namen in Doping-Verfahren machte. Aus seiner Sicht ist eine Wiederholung des Spiels die einzig gangbare Lösung: Die Berliner seien durch die Spielunterbrechung einer großen Chance beraubt worden, die gesamte Mannschaft sei in ihrem Spielfluss gestört worden. Der Veranstalter – in dem Fall Fortuna Düsseldorf als gastgebender Verein – sei seiner Sorgfaltspflicht nicht nachgekommen. Dadurch hätten die Gäste keine Chancengleichheit mehr gehabt, das rechtfertige einen Einspruch von Hertha.“

Selbst die für mich völlig absurde Lösung (weil so beide Mannschaften für Fehlverhalten ihrer Fans noch belohnt würden), in der kommenden Saison mit 19 Mannschaften in der Bundesliga zu spielen, wird erwogen.

Geht’s noch??

Die 60 fehlenden Sekunden wurden mit 30 Sekunden Aufschlag nachgespielt. Nicht optimal, klar. Auch der Gedanke, dass der Spielfluss gestört wurde, kam mir sofort in den Sinn. Aber letztlich gab es auch nur deshalb diese Ewig-Nachspielzeit von sieben Minuten, weil während der Partie Hertha-Fans Dutzende Bengalos auf den Platz geworfen hatten und damit den Spielfluss der Düsseldorfer ebenso wie später die Düsseldorfer Fans den der Berliner störten. Nein, dieses Spiel darf nicht wiederholt werden. Aber es wird mit Sicherheit mächtig hohe Strafen nach sich ziehen. Ich verzichte hier an dieser Stelle, mich über die unfassbar dummen Fans auszulassen – das habt ihr hier ja schon ausreichend und richtig dargestellt. Nein, ich lass das Thema jetzt ruhen, da wird nichts Großes mehr kommen. Wetten, dass…?!? Immerhin ist der neue DFB-Präsident Wolfgang Niersbach DER Fortuna-Fan schlechthin…

Aber egal, zurück zum HSV. Der darf sich jetzt auf ein junges Talent freuen, das mit zusätzlichem Selbstvertrauen eines Erstligaaufsteigers kommt. Und das völlig zu Recht. Was Maximilian Beister gestern ablieferte, war wieder das, was ihn im Laufe der Hinrunde zu einem der begehrtesten Spieler der Zweiten Liga gemacht hatte. Nicht allein sein Tor begeisterte. Auch insgesamt wirkte Beister so, wie ich es zuletzt von einem Ivica Olic gesehen habe. Er war immer in Bewegung, lief manchmal auch unfassbar unökonomische Wege – aber eben nie auch nur einen Meter zu wenig. Dazu hat Maxi eine sehr ausgeprägte Technik, hohes Tempo und Zug nach vorn. Er wird der Fortuna fehlen – und dem HSV helfen. Zumal wir auf der rechten Seite schneller eine Vakanz haben könnten, als uns lieb ist. Denn inzwischen steht Gökhan Töre beim HSV im Visier der Verantwortlichen.

Zunächst hatten sich Sportchef Frank Arnesen und Trainer Thorsten Fink darauf verständigt, ruhig zu bleiben und Töre so lange eine Chance zu geben, bis entweder ein potenter Käufer für den extravaganten Außenspieler auftaucht oder noch etwas vorfällt. Noch etwas, weil Töre intern mit seinem divenhaften Verhalten einige Kritiker auf den Plan gerufen hat. Zwar hieß es am Sonntag, Töre sei wegen einer Grippe nicht im Kader – das soll allerdings nur ein Vorwand gewesen sein. Dem Vernehmen nach soll der Deutsch-Türke am Sonnabend durchaus gesund gewesen sein. Sogar bis spät in die Nacht. Woraufhin Fink auf die Nominierung des Linksfußes für die Partie gegen Stuttgart verzichtet haben soll – und nun erwägt, auch länger auf die Dienste des „Spielers der Hinrunde“ zu verzichten. Fortsetzung folgt…

Verzichten müssen wir auch auf weitere Auftritte des HSV 2011/2012. Hierbei verzichte ich auf den Zusatz „leider“. Zumindest sportlich ist dem nicht so, denn die letzten Tests waren dann doch eher durchwachsen. Zum Glück ist endlich wirklich Pause. Dafür steht am Sonntag die Mitgliederversammlung an, auf der wichtige vereinspolitische Themen besprochen werden sollen. Die Fernwahl wird einer dieser Punkte sein. Ein anderer die Mitbestimmung der Mitglieder bei eventuellen Engagements von Investoren. Zwei Themen, die eine ganze Menge Pro und Contra haben. Ich, bzw. dann Dieter, werden auf dieses Thema auch noch eingehen – allerdings nicht heute, sondern kurz vor, während und nach der MV.

Nein, heute geht es noch mal um Fußball. Nachdem gestern der sportliche Abschluss mit einem 6:1 beim Lüneburger SK gefunden wurde, werden jetzt die neuen Spieler gesucht. Wolfsburgs Koo ist seit langem und auch weiterhin auf der Liste – ebenso Karlsruhes Toptalent Hakan Calhanoglu. Allerdings sind beides Namen von talentierten Spielern, die nicht die Forderung von Fink befriedigen würden. Der hat sich intern darauf festgelegt, einen zentralen, kreativen und vor allem aber auch gestandenen Mittelfeldspieler holen zu wollen. Das kostet Geld – wofür auch schon vor Monaten der HSV-Fan und Investor Klaus-Michael Kühne kontaktiert wurde. Zwar ist ein Herr van der Vaart trotz aller hier geäußerten Wünsche in weiter Ferne. Allerdings ist eine Fremdinvestition durchaus denkbar, was den Handlungsspielraum für Sportchef Frank Arnesen erheblich verbessern würde. Vorausgesetzt, am Sonntag passiert nichts, was das verhindern könnte.

Womit ich doch wieder kurz bei der bevorstehenden MV gelandet bin. Ich kann nur hoffen, dass der Gedanke, Mitglieder dürften beim Einstieg von Investoren beim HSV mitbestimmen oder müssten gefragt werden, schnell zu den Akten gelegt wird. Weshalb sollte das beim HSV so sein? Warum sollten hier alle Strukturen aufgehoben werden? Immerhin waren und sind es weiterhin die Mitglieder – also auch die Antragsteller – die die Aufsichtsräte gewählt haben. Diese Gewählten wiederum bestimmen den Vorstand im Sinne des Vereinswohls (so soll es zumindest sein. Und der Vorstand hat seinerseits wieder darüber zu entscheiden, wie sich der Verein aufstellen muss, um künftig erfolgreicher bestehen zu können. Ergo: die Fans wählen indirekt diejenigen, die bestimmen. Sich dann über deren Entscheidungen zu ärgern und dies auch öffentlich zu machen – völlig okay. Ebenso ist es okay, bei der nächsten Wahl anders zu entscheiden – oder gar selbst zu kandidieren. Aber aus seiner Sorge das Recht abzuleiten, in die Hoheitsgebiete des Vorstandes eindringen zu dürfen und Entscheidungen mittreffen, verhindern oder genehmigen zu dürfen, das ist m. E. verkehrt. Dann würde, das hatte ich vor kurzem schon mal geschrieben, aus einer gesunden Opposition eine blockierende Dauer-Opposition, die dazu führt, dass der Verein handlungsunfähig wird. Und das kann sicher keiner wollen.

In diesem Sinne, ich melde mich in der kommenden Woche wieder und freue mich, Euch einige wichtige Termine ankündigen zu können. Denn Dieter, einige honorige Gäste und ich werden in den nächsten Wochen die Deutsche Nationalmannschaft in der Form begleiten, dass wir nach jedem Länderspiel ein „Matz-Ab-Live“ machen. Das beginnt am 26. Mai mit dem Testspiel der Deutschen gegen die Schweiz und endet (hoffentlich) erst nach dem EM-Finale mit der DFB-Elf als Europameister.

Bis morgen – dann wieder mit Dieter!

Scholle

Nachtrag:
Aufsichtsräte verlängern mit Jarchow und Hilke vorzeitig bis 2015. Otto Rieckhoff lobt: “Sie haben die Aufgaben auch in den schwierigen Zeiten des Abstiegskampfes leidenschaftlich und in einem sehr gut funktionierenden Team gelöst. Für ihre richtungsweisenden Entscheidungen und ihre Verlässlichkeit gebührt ihnen größte Anerkennung und unser Vertrauen, den eingeschlagenen Weg weiter fortzuführen. Mit der vorzeitigen Vertragsverlängerung möchten wir unser Bestreben nach Kontinuität unterstreichen“.

Carl Jarchow und Joachim Hilke hatten am 15. März 2011 die Aufgaben im Vorstand übernommen. Die bisherigen Verträge liefen bis zum 15. März 2013. „Wir freuen uns über das entgegengebrachte Vertrauen und werden mit aller Kraft daran arbeiten, die gemeinsam gesteckten Ziele für den Verein zu erreichen“, so Jarchow. Joachim Hilke blickt ebenfalls positiv in die Zukunft: „Die vorzeitige Verlängerung zeigt, dass unser Weg der Neuausrichtung Unterstützung findet. Diesen werden wir konsequent und leidenschaftlich für den Verein fortführen.”
(Quelle: www.hsv.de)

Ich saß gerade im Auto und bin von einem Stau in den nächsten getrudelt, als ich davon erfahren habe – deshalb der vergleichsweise späte Nachtrag, den ich heute unkommentiert lasse, um mit den Beteiligten zu sprechen, bevor ich meine Meinung dazu hier äußere. Nur so viel: So unmittelbar vor einer Mitgliederversammlung wirkt das immer sehr, sehr gezielt. Die Frage in diesem Fall ist nur: Was genau ist diesmal das Ziel? Ich glaube, dass diese Nachricht nicht mehr Ruhe bringt als vorher da war. Aber okay, mehr dazu morgen…