Tagesarchiv für den 14. Mai 2012

Die heiße Phase beginnt – jeden Tag ein neues Gerücht?

14. Mai 2012

Sie beginnt wieder. Die wahrscheinlich spannendste Phase vor der Saison. Wieder werden täglich Namen gehandelt. Namen von Spielern, die gehen sollen. Und eben von Spielern, die kommen sollen. Dabei werden natürlich vorrangig Namen genannt, bei denen es am Ende nicht so eintritt wie vermutet. Das wiederum ist weniger dem Einfallsreichtum findiger Journalisten zu verdanken als vielmehr ellenlangen Listen der Sportchefs. Denn die waren das ganze Jahr über unterwegs, um potenzielle Verstärkungen zu finden. Jetzt werden die Listen abgearbeitet, intern Namen genannt – und die immer wieder auch nach außen getragen.

So auch beim HSV. Heute wurde Herthas Spielmacher Raffael genannt. Der Brasilianer solle im Falle eines Abstiegs nach Hamburg kommen. Und das ist eine Info, die meine Kollegen nicht einfach so aufschreiben, weil es für SIE logisch klingt. Nein, das ist eine Personalie, die sein von einem ihrer Informanten haben. Insofern, um hier jeglichen Missverständnissen vorzubeugen: Ich nehme den Namen sehr ernst. Und was im Printbereich manchmal zum Politikum avanciert, mache ich mir leicht: wenn es tatsächlich Anzeichen für einen derartigen Wechsel geben sollte, würde ich ihn hier auch so nennen. Egal, ob der Name zuerst bei der Konkurrenz aufgetaucht ist oder nicht. Und deshalb bin ich heute gleich mal dem – mir nie genannten – Kandidaten Raffael nachgegangen. Mit einer klaren Aussage: da ist nichts dran. Auch mehrfaches Nachfragen bei verschiedenen Leuten, die es wissen müssten und bei welchen, die es wissen könnten, ergab keine andere Antwort.

Also eher nicht der Berliner, was mich sehr, sehr froh macht. Denn aus irgendeinem Grund habe ich bei Spielern, die zum HSV von einem absteigenden verein kommen kein gutes Gefühl. Ich hatte oft das Gefühl, dass da der Misserfolg mit in die neue Saison zum HSV genommen wird. Siehe Kacar oder auch Tesche. Selbst bei Drobny schien das im ersten Jahr so zu sein, als sich der damals nicht gerade vor Selbstvertrauen strotzende Tscheche meines Erachtens nach sehr früh seinem Konkurrenten Frank Rost geschlagen gab. Gleiches galt oft auch bei den Spielern, die zum Karriereende noch mal für den HSV aufschlugen. Bestes Beispiel dafür war Ruud van Nistelrooy, der am Sonntag bekanntgegeben hat, seine Karriere zu beenden, weil er physisch an seinen Grenzen angekommen sei. Und auch wenn ich mich anfangs riesig über den Transfer gefreut hatte, entpuppte sich selbiger am Ende eher als Flop denn als Top.

Das wiederum wäre – konsequent zuende gedacht – ein Argument, mich gegen eine Verpflichtung Dirk Kuyts auszusprechen. Der 31-jährige Niederländer wird bei Liverpool aussortiert, steht aber ebenfalls auf der HSV-Wunschliste und hat gerade erklärt, nicht nach Holland wechseln zu wollen. Weil er in einer der großen Ligen, zu der er auch völlig zurecht die Bundesliga zählt, wechseln will. Allerdings nur teilweise aus sportlichen, und ebenso aus monetären Gründen. Denn Kuyt gibt ehrlich zu, nicht auf 80 Prozent seines Gehaltes verzichten zu wollen, wie es bei Feyenoord Rotterdam der Fall gewesen wäre. Das wiederum spricht auch gegen den HSV, bei dem Kuyt auch nur einen Bruchteil der kolportierten fünf Millionen Euro netto verdienen könnte.

Zumindest gilt das so lange, wie Paolo Guerrero (rund 3,5 Millionen Euro Jahresgage) beim HSV spielt. Und bei dem Peruaner habe ich es andersrum erlebt als bei Raffael. Hier hatte ich schon vor einigen Wochen einen hartnäckigen Berater am Telefon, der im Namen verschiedener Klubs und Spieler unterwegs ist. So weit zum sicheren Teil der Geschichte. Denn was mir dieser Berater erzählte, klang zunächst etwas abenteuerlich. So soll Guerrero eine festgeschriebene Ablösesumme von acht Millionen Euro im Vertrag haben und der SSC Neapel Interesse haben. Im Falle der Qualifikation für die Europa League wolle der Ex-Maradona-Klub aufrüsten – unter anderen mit Guerrero. „Falsch“, wurde mir heute versichert, „es ist definitiv falsch, dass Guerrero eine festgeschriebene Ablösesumme hat.“ Zudem soll sich (mal wieder) kein Verein wegen des Angreifers beim HSV gemeldet haben.

Allerdings, und das hatte auch Arnesen schon angedeutet, allzu hoch ist die Hemmschwelle für einen verkauf Guerreros nicht. Zumindest nicht acht Millionen, was sich mir erst im zweiten Moment erschloss. Denn sportlich halte ich Guerrero für einen Angreifer der besseren Sorte. Für einen, der international gerade angesichts seines noch bis 2014 laufenden Vertrages durchaus acht Millionen Euro kosten könnte. Allerdings wird Guerrero selbst nirgendwo hin wollen, wo er weniger als hier verdient. Und die 3,5 Millionen, die er beim HSV per annum kassiert, bekommt er nicht bei vielen Klubs geboten. Ergo: auch die Gerüchte um Guerrero sind nicht mehr als einfache Gerüchte. Bis irgendwer das nötige Geld auf den Tisch legt. Das hat Espanyol Barcelona dem Vernehmen nach seit Jahren nicht mehr. Und obwohl der spanische Tabellen-14. Zuletzt als Interessent ins Gespräch gebracht wurde, scheint auch hier nichts dran zu sein. Und es soll in en nächsten Tagen auch ruhig bleiben, was Neue betrifft.

Deshalb auch ein Versprechen meinerseits: ich werde Namen hier im Blog nur dann kommentieren, wenn sich dieser intern bestätigen lässt. Zudem werde ich keine Namen nennen, nur um hier etwas zu vermelden. Genauso wenig wie es meine Kollegen tun. Dass ich den einen oder anderen Namen nenne, der am Ende nicht erscheint, klar. Aber ich hatte Euch ja schon eingangs erwähnt, wie so etwas zustande kommt. Aber ich verspreche, ich werde lieber mal einen etwas kürzeren Blog als sonst schreiben, als ihn künstlich aufzupumpen. Manchmal ist weniger eben mehr.

Das soll auch für Matti Steinmann gelten, der beim HSV gerade zum Toptalent in der Jugend aufgestiegen ist und nächste Saison immer wieder mal bei den Profis mittrainieren soll. Zumindest, wenn es nach dem von Steinmann begeisterten HSV-Trainer geht. Steinmanns Vater ist da – zurecht – noch anderer Meinung und legt großen Wert auf die schulische Bildung seines Sohnes, der in zwei Jahren Abitur machen soll. Ende offen.

Aber egal wie, im Test morgen beim Lüneburger SK (19 Uhr, Wilschenbruch) soll der Mittelfeldspieler dabei sein. Und ich freue mich darauf.

In diesem Sinne, bis morgen!

Scholle