Tagesarchiv für den 13. Mai 2012

Der HSV sollte nur noch den BVB ansehen

13. Mai 2012

Sommerpause. Welch ein hässliches Wort. Es wäre sicherlich um einiges erträglicher, wenn wir nun alle Sommerpause hätten – aber nur die Bundesliga? Fürchterlich! Das geht gar nicht. Und dann noch so lange. Nun gut, ein wenig EM haben wir ja zwischendurch auch noch, aber ohne Hamburger. Das geht schon wieder nicht. Aus Frust über diese Sommerpause bin ich heute am Vormittag mal nach Ochsenzoll gefahren. HSV pur. Da spielen die Großen und die ganz Kleinen. Letztere heute sogar gegen St. Pauli. Ich bin aber zur “Übermannschaft” des HSV gegangen, zu den Senioren. Ja, so etwas gibt es tatsächlich noch. Diese Mannschaft hatte bislang alle ihre Punktspiele gewonnen (ja, auch das ist noch möglich im HSV!), nicht einmal ein Unentschieden erlaubten sich diese älteren Herrschaften – und deshalb waren sie schon lange vor der Sommerpause Meister ihrer Klasse. Diese Senioren spielten heute ihr Derby gegen TuRa Harksheide – und es gab ein ganz, ganz böses Erwachen. Für den Meister HSV – 0:5 auf “eigenem Eis”. Aber, so wurde mir erklärt, es spielten heute vor allem diejenigen, die während der Saison nicht so sehr zum Zuge gekommen waren – also mehr oder weniger die zweite Garnitur. Es hätte deshalb auch leicht ein 0:8 geben können, und nun wissen diese alten HSV-Jungs, warum sie meistens Ersatzleute waren . . .

Wen ich in Ochsenzoll traf? Axel F. Den ehemaligen Aufsichtsrat Formeseyn. Der Mann ist ja unglaublich aktiv. Ein Vollblut-HSVer, wenn ihr mich fragt. Nicht zu verwechseln mit hyperaktiv. Axel F. ging heute (mit einem Fotografen) an die Basis, um im Rahmen des 125. HSV-Geburtstages auch über die Kleinen und Alten zu berichten. Lobenswert, höchst lobenswert. Und trotz allem fanden wir fünf Minuten, um über die Profi-Abteilung des Klubs mit der Raute zu reden. Axel F. freut sich schon auf Rafael van der Vaart – wie er mir sagte. Und als das auch die Umstehenden hörten, stimmten sie alle mit ein. Der „kleine Engel“ ist also in Hamburg höchst willkommen. Axel F. trauerte aber auch einem Spieler vom Zweitliga-Nachbarn nach: Max Kruse. Der ja bekanntlich zum SC Freiburg wechselt. Axel F. hatte mir schon zu Beginn des Jahres in den Ohren gelegen, weil er hätte Kruse so gerne beim HSV gehabt hätte – aber ich war eigentlich ganz froh, dass nicht. Weil Kruse in der Rückrunde kaum noch etwas traf. Mal abwarten, wie das in Freiburg für ihn laufen wird. Ich würde dennoch immer van der Vaart vorziehen . . .
Ein Scherz. Natürlich würde ich das kleine „Raffaello“ gerne wieder in Hamburg und beim HSV sehen. Ich würde ihn sogar persönlich aus London abholen. Und in diesem Falle würde ich mich auch über eigene Prinzipien hinwegsetzen, denn eigentlich halte ich nichts von Heim- oder Rückkehrern (siehe „Ali“ Albertz!), aber im Falle van der Vaart wäre das ganz etwas anderes. Der steht ja bei Tottenham noch voll im Saft. Aber im Gegensatz zu seinem jetzigen Arbeitgeber würde der HSV ganz sicher nicht „vergessen“, van der Vaart für den Europapokal zu melden . . . Wenn es denn mal so weit sein sollte. Irgendwann nach dieser blöden Sommerpause. Oder so.

Nun gut, Schluss mit dem Wort zum Sonntag.

Zum Fußball. Zum richtig großen und guten Fußball. Es gab da ja noch an diesem Sonnabend das DFB-Pokalfinale. Ein Pflichttermin, obwohl der HSV nicht dabei war – und auch vom HSV natürlich keiner. Immerhin aber waren ja zwei Hamburger Schiedsrichter mit von der Partie: Matthias Anklam (USC Paloma) und Sascha Thielert (Buchholz 08) standen Peter Gagelmann (Bremen) zur Seite. Aber über die Unparteiischen wollte ich eigentlich nicht schreiben. Vielmehr über den Fußball. Den Dortmund spielt. Ganz kurz nur lasst mich schwärmen. Das ist ja unfassbar, was die Schwarz-Gelben da spielen, wie sie laufen, wie sie wieseln, wie sie kämpfen, wie sie alles geben – und dabei zu jeder Phase des Spiels ein Team sind. Unfassbar!

Ich habe während der zweiten Halbzeit so still vor mich hin gedacht, dass Thorsten Fink am besten nie wieder auch nur ein HSV-Spiel per Video analysieren lässt. Das sind ja eigentlich auch nur Horror-Aufnahmen, die lediglich in Begleitung Erwachsener oder der eigenen Erziehungsberechtigten angesehen werden dürften und sollten. Würde Fink aber so fünf oder acht Mal die Borussia aus Dortmund zeigen, einfach wahllos eine Partie herausgegriffen, dann so könnte sich jeder HSV-Spieler immer und immer wieder seine Position dabei herauspicken. Ich sage zum Beispiel mal Dennis Diekmeier sieht sich an, wie der gute Herr Piszczek seinen Part in der rechten Verteidigung interpretiert. Nur eines von zehn Beispielen. Aber im Ernst, ich stelle mir das unheimlich lehrreich vor. Besser auf jeden Fall, als wenn man Woche für Woche immer nur (seine eigenen) Fehler anschauen soll und muss.

Obwohl der HSV ja durchaus lernfähig ist. Aus der letzten Niederlage gegen den VfB Stuttgart wurden ganz offenbar die richtigen Schlüsse gezogen, denn am Sonntag in Büdelsdorf siegten die „jungen Finken“ mit 3:2 gegen die Mannschaft aus dem Ländle. Der HSV, der in der ersten Halbzeit drückten überlegen auftrat und noch viele gute Tormöglichkeiten vergab, spielte mit Neuhaus; Diekmeier, Bruma, Mancienne, Aogo; Westermann; Sala, Jansen; Tesche; Son, Berg. Auf der Bank saßen die Feldspieler Muhamed Besic, Matti Steinmann und Christian Norgaard (Nörgaard gesprochen), der tags zuvor noch das 1:1 für die Regionalliga-Truppe von Rodolfo Cardoso in und gegen Cottbus II erzielt hatte – der HSV-Nachwuchs verlor aber schließlich mit 1:4. Norgaard und Steinmann sind zwei Talente, die wir in der kommenden Saison wohl häufiger mal bei den Profis sehen werden – erst einmal im Training.

Da machten es die Profis im vorletzten Spiel dieser Saison (Dienstag geht es noch einmal nach Lüneburg) ja deutlich besser – und das gegen einen Klassengefährten. Marcus Berg (zwei) und Robert Tesche, der gegen die Schwaben wohl zu gerne trifft, erzielten die Siegtreffer, der HSV führte zur Pause bereist mit 3:1. Der VfB, der in der Schanze das Pokalfinale gesehen hatte (und dabei auch ein wenig – oder ein wenig mehr – mitfeierte), war gegen den flott, frisch und frei nach vorne spielenden HSV in Führung gegangen, nach einem Foul von Heiko Westermann an Ibisevic zeigte der Schiedsrichter auf den Elfmeterpunkt – der Gefoulte verwandelte selbst. Und auch das zweite VfB-Tor resultierte aus einem verwandelten Foulelfmeter (Gebhardt).

Die besten Spieler beim HSV waren Berg, der zeitweise wie entfesselt aufspielte, dazu auch Marcell Jansen, der vor Spielfreude nur so sprühte (leider etwas zu spät). Eine interessante Rolle spielte Westermann, nämlich als „Staubsauger“ vor der Abwehr. Eine Rolle, die der Kapitän in der nächsten Saison vielleicht auch spielen wird? Mal abwarten. Es wird sich in meinen Augen aber ohnehin etwas ändern müssen (im System), denn wenn dann der kreative Mittelfeldspieler kommen soll, dann geht es wohl nur so – mit einem „Sechser“. Aber mal abwarten, was Thorsten Fink da so plant und vorhat.

Ja, und indem ich das schreibe, da erhält Vincent Kompany als Kapitän von Manchester City den Pokal für die englische Meisterschaft. Na bitte, hat wenigstens einer, der mal beim HSV war, noch eine Erfolg zu feiern. Aber wer dieses Herzschlagfinale gesehen hat, der wird sich noch mehr ärgern, dass nun Sommerpause ist. Bis zur 92. Minute lag City gegen Queens Park Rangers mit 1:2 zurück – der Abstiegskandidat nur noch mit zehn Spielern. Parallel hatte Manchester United schon bei Sunderland gewonnen – war also Meister. Bei City aber wurde fünf Minuten nachgespielt (wieso, weshalb, warum? Ich weiß es nicht), und dann köpfte der eingewechselte Dzeko (einst VfL Wolfsburg) in der 92. Minute das 2:2, und in der 94. Minute fiel doch noch der Siegtreffer, den Agüero erzielte. Dieses Tor musste her, denn auch bei einem 2:2 wäre ManU Meister gewesen. Ein Wahnsinns-Finale! „Ich möchte sagen, dass das der beste Tag meines Lebens ist, aber sich sage, dass ich so etwas bitte, bitte nie wieder miterleben will. Das war verrückt, das war unglaublich“, sagte Kompany.

Ja, solche Geschichten schreibt nur der Fußball. Aber nun ist ja auch in England Sommerpause. Leider, leider in den meisten Ländern, wo es guten Fußball zu sehen gibt. Obwohl – in Hamburg wird uns mit Sicherheit ja auch noch einige Spannung geboten. Nämlich dann, wenn (weiterhin) der neue HSV auf die Beine gestellt wird.

19.01 Uhr