Tagesarchiv für den 2. Mai 2012

Fink plant die “Dank-Aufstellung” – und der HSV neue Investorenmodelle

2. Mai 2012

Ich schicke es gleich vorweg: mir ist in diesem speziellen Fall wirklich egal, was gestern war. Jeder kann sich mal irren. Schlimm ist nur, wer seinen Fehler wider besseres Wissen nicht einsieht. Deshalb halte ich auch nichts davon, mich hier und heute über die große Bedenkenlage der Supporters zu unterhalten, auch wenn es gerade sie sind, die beim Einstieg von Speditions-Milliardär Klaus Michael Kühne auf die Barrikaden gingen und dadurch einen Verkauf des Klubs befürchteten. Wichtiger ist, dass sich auch die größte Abteilung des Klubs darauf verständigt hat, über alternative Geldquellen nachzudenken. Mehr noch: es sollen Gelder aus der eigenen Mitte akquiriert werden.

So zumindest ist der Plan von Supporters-Boss Ralf Bednarek. Kurz vor dem 125. Vereinsjubiläum – welch außerordentlich passender Zeitpunkt übrigens! – werden Fan-Anleihen ins Spiel gebracht. Nicht, dass die Idee revolutionär wäre, vielmehr werden ähnliche Projekte schon seit mehreren Jahren im HSV-Vorstand (das begann schon in der Ära Hoffmann/Beiersdorfer) diskutiert. Nein, es passt einfach alles zusammen. Denn wenn das abgelaufene Spieljahr etwas Positives hatte, dann den Zusammenhalt zwischen Fans und Mannschaft. Und dieser Zusammenhalt könnte sich noch mal verfestigen, wenn letztlich Spieler kommen, die unter anderem mit Geldern der Leute auf den Rängen finanziert wurden. Das allein dürfte eine noch engere Identifikation schaffen.

Aber hauptsächlich freut es mich, weil ich die Hoffnung habe, dass der HSV dadurch mit der Zeit geht und seine zweifellos hohe Attraktivität für Werbepartner auch auf Investoren ausbauen kann. Kühne ist ein gutes Beispiel dafür, dass Leute Geld geben, die mit der nötigen Portion Idealismus und Fantum an den HSV herantreten. Er weiß, dass er aus den 12,5 Millionen, die er dem HSV zur Verfügung gestellt hat, höchstwahrscheinlich kaum ein bis keine Rendite erwarten kann. Dennoch ist er weiterhin daran interessiert, seinem Lieblingsklub Geld zur Verfügung zu stellen. Immerhin steht der HSV weiterhin in ganz engem, Kontakt zum Fan von Rafael van der Vaart. Und Kühne hat bereits signalisiert, dass er dem HSV bei der Suche nach dem bestmöglichen Kreativspieler im Mittelfeld helfen würde. Einziges Hindernis wäre ein erneuter Protest der Fans gegen seine Form der Unterstützung, der ihn schon bei den 12,5 Millionen Euro massiv geärgert hatte. Denn Mitspracherecht hatte Kühne nie gefordert.

Aber okay, bislang ist es nur der nächste Schritt bei der Umsetzung einer guten Idee – wie ich finde. Aber es könnte ein wichtiger sein, denn Bednarek steht der größten Abteilung des Klubs vor, sein Wort hat dort Gewicht. Und dass der HSV sich deutlich verstärken muss, um auch nur ansatzweise wieder dort hinzukommen, wo wir vor wenigen Jahren mal dachten, angekommen zu sein, ist klar. Auch wenn Arnesen seine jungen Talente lobte und Fink heute nachlegte. Der HSV-Trainer lobte heute großzügig die Spieler, die vor der Saison neu dazugekommen sind. „Jacopo Sala und Tolgay Arslan haben ich sehr gut entwickelt. Auch Michael Mancienne hat nach anfänglichen Schwierigkeiten einen ganz wichtigen Schritt gemacht.“ Der Engländer habe bei ihm lange keine Rolle gespielt, gab Fink zu. „Ich habe ihm auch persönlich gesagt, dass ich ihm auf dem Platz noch nicht wirklichen vertrauen würde. Daraufhin hat er im Training noch mehr Gas gegeben und auch in den Testspielen überzeugt. Er kam daraufhin zu mir und sagte, er sei jetzt soweit. Und er hat diese Chance genutzt.“

Davon weiter entfernt ist Zhi Gin Lam, bei dem es zunächst hieß, er solle ausgeliehen werden. Dem widersprach Fink heute. „Zhi Gin muss nicht verliehen werden. Er hatte ein Tief, aus dem er langsam raus ist. Hier müssen wir die nächsten Wochen noch mal abwarten.“ Gleiches gilt auch für Jeffrey Bruma, dessen Verbleib in Hamburg von der hiesigen Klubführung erwünscht aber eben noch nicht gesichert ist. „Mein Infos sind die, dass es gut für uns aussieht, dass er bleiben wird.“ Und das würde er persönlich befürworten, nachdem der Niederländer im Laufe dieser Saison „sehr viel gelernt“ habe. Dass sich der Mannschaftsrat vor einigen Wochen gegen Bruma (damals angeblich gegen ihn und Gökhan Töre) ausgesprochen haben soll, dem widersprach Fink heute. „Ich habe damals um das Gespräch mit dem Mannschaftsrat gebeten, weil ich die Mannschaft in die Pflicht genommen habe. Ich habe sie auf Missstände aufmerksam gemacht und von den älteren Führungsspielern erwartet, dass sie Verantwortung übernehmen. Hätte mir einer von denen gesagt, ich solle Töre oder Jeff rausnehmen, hätte ich die beiden definitiv spielen lassen.“

Dass Töre nicht gespielt habe, sei eher der sportlichen und taktischen Notwendigkeit geschuldet, defensivorientierter spielen zu müssen. „Wir waren im Abstiegskampf. Es macht Spaß, Gökhan zuzusehen, wie er den Ball streichelt. Er hat in der Hinrunde voll überzeugt. Aber er hat eben auch Schwächen in der Defensive. Und das konnten wir uns nicht erlauben. Gökhan hätte aber ganz sicher gespielt, wenn wir gesichert gewesen wären.“

So wie jetzt am Sonnabend beim letzten Spiel in Augsburg. Beim Spiel gegen den Tabellennachbarn (Fink: „Wir wollen die Saison zwingend vor Augsburg beenden“) will der HSV-Trainer eine „Dank-Aufstellung“ vornehmen. Dabei sollen insbesondere die Spieler zum Einsatz kommen, die zuletzt oft auf der Bank saßen und sich dennoch mannschaftsdienlich eingebracht haben. „Vorne spielen Marcus Berg und Paolo Guerrero“, so Fink, der im Mittelfeld Robert Tesche „noch eine Chance“ geben will. Zumindest formulierte es Fink so. Tesche soll ebenso zum Einsatz kommen wie Per Skjelbred. Der Norweger zählte zu den wenigen Spielern, die Fink nicht ausdrücklich lobte. Stattdessen attestierte Fink Skjelbred tadellose Trainingsleistungen.

Dennoch deutet vieles darauf hin, dass sich Fink und Sportchef Frank Arnesen intern darauf verständigt haben, zu Petric, Jarolim und voraussichtlich Drobny weitere Spieler abzugeben. Dazu zählen weiter Leihgeschäfte (Besic, Lam) aber eben auch Verkäufe wie bei Tesche und Skjelbred, sofern sich passende Abnehmer finden lassen.

Zudem wird Dennis Diekmeier wieder auf der Rechtsverteidigerposition beginnen, während sein letztwöchiger Vertreter Jeffrey Bruma wieder auf seine angestammte Position in der Innenverteidigung rückt. Unklar ist dabei, ob Bruma neben Abwehrchef Heiko Westermann oder Michael Mancienne („Er hat sein Sache in den letzten Wochen sehr gut gemacht“) aufläuft, während Dennis Aogo links wieder versuchen darf, sich für eine EM-Nominierung zu empfehlen. Wobei: Geht es nach den Klebebildherstellern (Duplo, Panini), ist Aogo dabei. Und die hatten in der Regel immer ein gute Näschen, oder besser: sehr gute Informanten.

Aber zurück zum „Danke-Spie“ in Augsburg. Dort wird Ivo Ilicevic ausnahmsweise mal verletzt passen müssen. Den Offensivmann plagen weiter muskuläre Probleme. Zudem wird Drobny (Muskelbündelriss) weiter ausfallen und von Sven Neuhaus, der entgegen aller Trainingseindrücke zuvor in den letzten beiden Spielen in meinen Augen tadellos agiert hat. Und auch Mladen Petric sowie David Jarolim werden zunächst nur von der Bank aus zusehen. Dennoch glaubt Fink nicht daran, dass die Partie beim ebenfalls geretteten FC Augsburg zum Freundschaftsspiel verkommt. „Nein, dafür haben beide Mannschaften noch Ziele. Wir zum Beispiel wollen unbedingt vor dem FCA stehen.“

Ziele hat der HSV auch für die kommende Saison. Nicht mehr gegen den Abstieg, dafür aber am besten Richtung Europa soll es gehen. Und dafür wiederum werden Fink und Arnesen in diesem Sommer ihre Urlaube verkürzen müssen. „Ein paar Tage mit der Familie müssen sein“, sagt Fink, „aber natürlich haben Frank und ich eine Menge Arbeit vor uns.“ Zu viel sei liegen geblieben in den vergangenen Wochen, in denen der HSV noch zwischen den Ligen schwankte.

Klar ist indes, dass Adler kommen soll. Und auch die Tatsache, dass sich zwei Kontrolleure gegen den Transfer ausgesprochen haben, widerspricht dem nicht. Im Gegenteil, da die anderen zehn dafür votierten hat Arnesen grünes Licht. Und der Däne ließ zuletzt keine Zweifel daran, dass der ehemalige Nationalkeeper zur neuen Saison in Hamburg aufschlägt. Dafür erscheint es immer unklarer, dass Drobny zum FC Bayern wechselt. Zumindest sind aus München weitere Namen zu hören. Aber was soll’s – wenn der HSV es sich finanziell leisten kann, mit Adler und Drobny – ich hätte nichts dagegen. Mickel als Nummer drei, dann hätten wir einen ganz jungen, einen jungen erfahrenen und einen älteren erfahrenen Torhüter im Kader. Klingt rund, oder?

In diesem Sinne, morgen wird weiter trainiert. Um 15.30 Uhr bittet Fink die Spieler zum lockeren – mehr war das heutige Training wirklich nicht – Aufgallopp an der Imtech-Arena.

Scholle