Monatsarchiv für Mai 2012

***Aktualisiert: HSV schlägt Pauli 3:2 n.V.****Nichts los – bis auf van der Vaart…und Raschi…

31. Mai 2012

****Aktualisiert: Der HSV gewinnt das letzte Stadtderby im U19-Pokalhalbfinale gegen den FC St. Pauli mit 3:2 nach Verlängerung und zieht ins Pokalfinale ein. HSV-Torschützen: 1:1 Langer, 2:1 Klaes, 3:1 Akdogan******

Ich weiß nicht, wer von Euch gestern genau wie ich das Spiel der Niederlande gesehen hat. Aber die, die es taten, werden mir zustimmen wenn ich sage: Bitter, dass sich Sneijder verletzt hat. Bitter zum einen, weil ich es nicht mal einem Niederländischen Fußballer gönne. Aber eben auch bitter, weil Bondscoach Bert van Marwijk so zur einzig richtigen Entscheidung gezwungen wurde, Rafael van der Vaart aufzustellen. Denn der vielleicht wertvollste HSV-Profi des letzten Jahrzehnts ist in absoluter Topform. Die zeigte er nicht nur in der Saison bei Tottenham, das nur durch den unglaublichen Champions-League-Gewinn Chelseas, die als Titelverteidiger automatisch qualifiziert sind, aus der Champions League flog. „Ich habe ein gutes Jahr hinter mir, fühle mich topfit“, sagt van der Vaart, der gegen die Slowakei nach seiner Einwechslung nicht nur den zweiten Treffer für die Oranje erzielte, sondern anschließend in den niederländischen Medien zum Gewinner des Spiels erklärt wurde. „Wir wussten auch vorher, was wir an ihm haben“, so van Marwijk.

Und jetzt soll van der Vaart nach Schalke wechseln? Unfassbar! Ehrlich gesagt auch irgendwie unvorstellbar für mich, den verlorenen Sohn bei den Königsblauen zu sehen. Und dennoch muss ich sagen: Es ist definitiv was dran an dem Gerücht. Denn van der Vaart selbst will wieder zurück in die Bundesliga. Schalke war zudem vor zwei Jahren schon an dem heute 29-Jährigen dran und entschied sich aus noch immer ungeklärten Gründen am Ende gegen van der Vaart – und für Jurado, der anschließend nie so richtig Fuß fassen konnte. Jetzt scheinen die Schalker ihren Fehler eingesehen zu haben. Jurado geht zurück zu Atletico Madrid – und van der Vaart soll kommen. Das bestätigte auch sein Berater Robert Geelings gegenüber dem „Kicker“: „Ich kann bestätigen, dass Schalke interessiert ist.“ Und auch van der Vaart scheint von dem Interesse gehört zu haben. Mit einem verschmitzten Lächeln gab es dem niederländischen TV-Mann gestern auf die Frage nach einem anstehenden Wechsel die Antwort: „Ich habe davon gelesen. Aber konkret ist nichts, bei mir hat sich offiziell noch niemand gemeldet.“ Dafür inoffiziell? „Im Prinzip bleibe ich bei Tottenham, auch wenn man im Fußball nie genau weiß, was passiert…“

Oh Mann, das klingt nach ernsthaften Wechselgedanken. Zumal ihm sein Landsmann Klaas-Jan Huntelaar sicher von den Vorzügen des S04 berichten wird. Zumindest von den sportlichen – denn städtetechnisch kann Gelsenkirchen Hamburg nicht das Wasser reichen, zumal Sylvie van der Vaart Hamburg als zweite Heimat sieht und nur zu gern wieder in die Hansestadt ziehen würde.

Ebenso gern würde ihr Klaus Michael Kühne diesen Traum erfüllen – sofern sie Rafael im Gepäck hat. Unter Labbadia scheiterte Kühne an dem Veto des heutigen Stuttgart-Trainers, weil van der Vaart nicht in dessen Konzept passen würde. Einer der wenigen, dafür aber umso fataleren Fehlern von Labbadia. Wobei ich ihm zugutehalten möchte, dass er ohne echten Sportchef unterwegs war, der ihm in solchen schwierigen Phasen geholfen hat. Aber egal, heute ist Thorsten Fink Trainer und hat mit Frank Arnesen einen erfahrenen Sportchef, der von van der Vaart nur in den höchsten Tönen spricht. Dass das allein nicht reicht, ist klar. Aber bei den „turnusmäßigen Informationsgesprächen mit Kühne“, wie Jarchow die Termine mit dem Milliardär nennt, dürfte die ehemalige Nummer 23 definitiv ein Thema sein. „Bei einer Fifty-Fifty-Entscheidung würde er wohl eher zu Schalke und somit in die Champions League wechseln“, hat mir ein sehr guter Freund van der Vaarts heute erzählt – und mich damit nicht glücklicher gemacht. Im Gegenteil, ich bin einmal mehr gewillt, hier meine Bitte an den HSV und vor allem Herrn Kühne zu richten: Versuchen Sie alles. Und sollte dieser Transfer auch nur ansatzweise realisierbar sein – bitte machen. Denn obwohl der HSV mit derartigen Rückkehrern nicht nur gute Erfahrungen gemacht hat (ich denke da insbesondere an den damals teuersten Transfer der Vereinsgeschichte, Jörg „Ali“ Albertz), van der Vaart ist eine andere Hausnummer…

Und wenn wir den nicht kaufen können, dann doch bitte selbst ausbilden. Eigentlich wollte ich heute Abend das U19-Pokalhalbfinale des HSV gegen den FC St. Pauli sehen. Allerdings war der Weg raus nach Norderstedt mal wieder komplett dicht. Hat ja auch geregnet, da muss man schon mal 20 Kmh weniger fahren als erlaubt. Ist ja rutschig…

Egal wie, ich wollte mir einen erneuten Überblick über den direkten Profinachwuchs machen, hatte mich besonders auf den Seeler-Enkel Levin Öztunali und Matti Steinmann gefreut. Zudem wollte ich mich vor Ort mit Verantwortlichen treffen, um hier einen kleinen Überblick über die Nachwuchsarbeit zu geben. Das hole ich morgen nach – versprochen. Und für alle, die darauf gar nicht mehr warten können, weil ich nicht vorgreifen darf und will: morgen einfach Abendblatt kaufen…

Ansonsten war heute ein sehr stressiger und anstrengender, weil unglaublich ereignisloser Tag. Abraham? „Nichts Neues.“ Spielerverkäufe? „Keine aktuellen Gespräche.“ Ein zentraler Mittelfeldmann? „Kommt. Aber aktuell gibt’s da auch nichts Neues.“ Anhand der von verschiedenen Funktionsträgern getroffenen Aussagen könnt Ihr erahnen, was ich mit „ereignislos“ meine. Selbst die Meldungen, dass Paolo Guerrero sich selbst als Spanien-Liebhaber geoutet haben soll und nur zu gern für Espanyol auflaufen würd, wurden von dem Angreifer höchstpersönlich dementiert. Allerdings bleibt es gerade bei ihm dabei: Kommt ein passender Abnehmer, ist Guerrero weg.

Apropos weg – das bin ich dann jetzt auch mal. Getreu dem Motto: Wenn es nichts zu sagen gibt – einfach mal die Fr… halten. In diesem Sinne, bis nachher! Da werde ich Euch das Ergebnis vom letzten Stadtderby der Saison nachreichen. Und denkt dran: Alle, die „Raschis“ Epos schon gelesen haben können hier stoppen. Allen anderen empfehle ich – obwohl ich nicht in allen Punkten zustimme sind es, wich finde, durchaus nachvollziehbare Ansichten – eine weiterzulesen. Deshalb, Ehre, wem Ehre gebührt: Von mir ein großes Kompliment, Raschi! Ein sehr ausgewogener, gelungener und interessanter Beitrag!

Scholle

Raschi (am 31. Mai um 16.23 Uhr): „Was genau sollen die alten Stars, die hier vor dreißig Jahren mal gespielt haben, den Jungspunden, deren Eltern sich damals noch nicht einmal kannten, denn sagen? Soll Kargus ihnen ein Bild malen, soll Hrubesch ihnen etwas vom Pferd erzählen oder sein Dorschangel-Buch schenken? Die können ja gerne mal einen gemeinsamen Hüttenabend im Zillertal machen, am besten noch mit Herrmann dabei, aber sobald die alten Recken anfangen über die alte Zeit zu palavern, gehen Töre, Sala und Co. doch lieber schon mal aufs Zimmer und daddeln auf ihrer Playsi Barcelona gegen ManCity oder so.
Dieser Ansatz, die großen Spieler aus der großen, erfolgreichen Zeit einzubinden, kommt ungefähr dreißig Jahre zu spät. Heute kennt von denen den HSV doch überhaupt keiner mehr, heute haben die alle andere Jobs oder Interessen. Klar ist es verlockend, die erfolgreichen Vorbilder abzukupfern, und wenn es bei Bayern mit Hoeneß, dem Kaiser und Rummenigge so gut klappt(e), dann müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn das bei uns mit Uwe, Hrubesch und Kaltz nicht ebenfalls gelänge.
Der Unterschied ist nur, dass in München die letzten dreißig Jahre gearbeitet wurde, das dort über dreißig Jahre lang etwas aufgebaut wurde und dort auch ein Hoeneß seinen Job erst gelernt hat und darin gewachsen ist. Der Ruf nach den Alten ist für mich deshalb auch nichts weiter als ein erster Lösungsreflex, einer, in dem sich die große Sehnsucht nach Titeln widerspiegelt, die jeder HSV-Fan nun einmal tief in sich hat. Dieser Ruf darf aber nicht zum Allheilmittel werden, er darf nicht die letzte Hoffnung des Vereins sein.
Der Weg zurück ist lang, vielleicht keine dreißig Jahre, aber er ist und wird lang. Aber je eher wir ihn gehen, je eher wir aufhören an die Wunderheiler mit den großen Namen zu glauben, desto eher kommen wir auch ans Ziel.
Ich will jetzt nicht wieder irgendwelche Vorbilder hervorkramen oder aufbauen – wir sind der HSV, wir brauchen keine Vorbilder, müssen endlich unseren eigenen Weg finden – aber der Blick auf Dortmund, wo Watzke und Klopp gerade den zweiten großen Club Deutschlands etablieren, zeigt doch, dass es auch ohne die großen und altgedienten Vereinsrecken vergangener Tage geht. Wir müssen nur endlich damit anfangen vorauszugucken anstatt immer wieder zurück (vdV ist dafür übrigens auch nur ein Beispiel aus etwas jüngerer Vergangenheit.)
Das heißt allerdings nicht, dass wir unsere eigenen Ansprüche aufgeben. Wir brauchen schon Ziele. Und diese Ziele müssen von oben vorgegeben werden und bis unten, bis hin zum Zeugwart und Bednarek ausgeführt und mit Leben gefüllt werden – alle müssen ihre persönlichen Ziele diesem Vereinsziel, diesem Streben nach zukünftigem Erfolg unterordnen. Wir müssen endlich mit der Arbeit beginnen.
Aber wie genau sieht die Arbeit aus? Wer macht die Arbeit?
Wenn unser Ziel, auf das sich vielleicht sogar noch alle einigen können (aber wirklich nur vielleicht – bei Bednarek, Ertel, Erhardt, Hunke und Co. vermute ich eigentlich ganz andere Ziele) möglichst schneller, aber vor allem nachhaltiger und anhaltender Erfolg ist, dann wären wir ja schon einen großen Schritt weiter, denn dann müssten wir nur noch gucken, was dafür erforderlich ist und was wir in der Form (noch) nicht haben.
Fangen wir doch mal oben an: Was ist die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden?
Zum einen sollte er die Ziele vorgeben. Von Hoffmann (Blick zurück, ich weiß…) hörte man, er wolle innerhalb von fünf Jahren mit dem HSV unter die Top 20 Europas und er hat es geschafft. Jarchow hingegen verweist darauf, dass der HSV in seiner Geschichte eigentlich überwiegend erfolglos war, er aber „natürlich dem Zuschauer etwas bieten“ wolle. Das ist mit dem Abstiegskampf schon mal ganz hervorragend gelungen… Ziele, oder auch Visionen, wie es hier immer wieder genannt wird, sind in dieser Aussage aber nicht zu erkennen.
Es wäre aber ungerecht von mir, Jarchows momentanes Hauptanliegen, die finanzielle Gesundung des Vereins, nicht als Zielvorgabe zu erkennen. Aber auch wenn ich sein Ziel erkenne, so zweifel ich doch an seinem Weg. Immerhin hat der HSV im ersten Jahr Jarchows ein Minus von sechs Millionen gemacht, ein so großes Minus hat Hoffmann in seiner gesamten Amtszeit, und zwar auch in den Jahren, in denen die Mannschaft den Uefa-Cup bzw. die Euroleague verpasste, obwohl der Gehaltsetat aufgrund der bestehenden Verträge noch weitaus höher als der heutige war, nie gemacht (und ich glaube schon, dass der HSV auch unter Hoffmann Ablösesummen oder –raten für Spieler gezahlt hat.) Mir geht es jetzt aber gar nicht darum, Hoffmann zu huldigen, ich frag mich nur, läuft da gerade bei der Erreichung der Ziele etwas schief? Und ich frag mich das umso mehr, wenn ich höre, dass unser einziges Faustpfand, unser einziger Wettbewerbsvorteil der nächsten Jahre, nämlich der Vorsprung gegenüber anderen Bundesligisten bei der Stadiontilgung, jetzt verspielt und verscherbelt werden soll.
Aber zurück zur Arbeit des Vorstandsvorsitzenden, zurück zu einer Art Anforderungsprofil. Ich glaube, dass der Chef des Ganzen auch den Überblick über alles haben sollte, dazu gehört auch, dass er Strömungen innerhalb des Vereins erkennt und diese, sofern sie der Sache, dem Erfolg, abträglich sind, beseitigt oder ihnen zumindest entgegenwirkt. Und selbstverständlich ist der HSV ein zerrissener Verein, selbstverständlich gibt es hier Lager- und Grabenkämpfe; das hat nach der MV, die schonungslos gezeigt hat, dass diese Gräben sich aber mindestens bis in den Aufsichtsrat erstrecken, selbst Dieter erkannt. Jarchow aber stellt sich hin und sagt allen Ernstes „Ich kann da keine wirklichen Lager erkennen.“ Entweder kann er es wirklich nicht, was nicht gerade für seinen Ein- und Überblick in den Verein, den er führen soll, spricht, oder er will es nicht, womit er seiner Verantwortung als Vorsitzender, der auch die Aufgabe hat, alle möglichst zu einen und auf ein gemeinsames Ziel einzuschwören, nicht gerecht wird. Im Gegenteil, er macht sich, indem er die Augen vor der Realität verschließt, mitschuldig, mitschuldig daran, dass der HSV von Tag zu Tag mehr auseinanderdriftet und irgendwann vielleicht auch nicht mehr gekittet werden kann. Jarchow spielt mit dem Vereinsfrieden. Als VV hätte er jedoch die Aufgabe, für eben diesen zu sorgen oder ihn wiederherzustellen. Er muss da Lösungswege finden, ob das dann gleich die von Hoffmann geforderte Ausgliederung ist, steht dann ja noch auf einem ganz anderen Blatt. Aber den runden Tisch, den Friedensgipfel, den könnte er als Vorsitzender durchaus einberufen, genauso wie die Strategiegespräche – Jarchow hätte als Chef die Macht, endlich wieder alle dazu zu bewegen, miteinander zu reden, alle wieder ins Boot zu holen anstatt eine Seite durch das Abwenden seines Blickes auf die vereinsinternen Streitereien immer mehr auszugrenzen.
Aber weiter, als Vorstandsvorsitzender sollte man idealerweise auch ehrlich sein und Integrität besitzen. Die und das aber sprechen Jarchow nach seinem „Zurück-auf-den-Dauerkartenplatz“-Statement, auf das postwendend die Beförderung vom Interims- zum Dauerchef folgte, nicht wenige ab. Die nochmalige unnötige vorzeitige Verlängerung seines Vertrages, hat die Zweifel an seiner Aufrichtigkeit ein weiteres Mal genährt. Ein Makel, für den er mitverantwortlich ist und den er wohl auch nicht mehr los wird.
Ich will mich hier aber gar nicht darin verlieren, Jarchow als schlechten Chef zu enttarnen, vielmehr will ich versuchen aufzuzeigen, was ein guter Chef idealerweise so haben könnte. Neben den Zielvorgaben und der Fähigkeit, eine verschworene Einheit zumindest außerhalb des Platzes zu befördern, sollte ein Chef auch Ideen haben. Er sollte die Wirtschaft mit ins Boot holen, sollte eine Art Aufbruchstimmung erzeugen, Missstände erkennen und beseitigen, den Finger in die Wunde legen und Verbesserungsvorschläge unterbreiten und manchmal vielleicht auch die Spieler bei der Ehre packen.
Ein VV des HSV könnte eine noch nie da gewesene Nachwuchsoffensive starten, indem er ein paar Firmen oder Privatleute als Investoren gewinnt, die in einen Fond für die Jugendarbeit einzahlen und selbstverständlich an den Einnahmen aus späteren Erlösen für diese Nachwuchskicker partizipieren. Genauso könnte ein VV nach einer Saison wie der letzten auf die Spieler zugehen, sie sanft bei der Ehre packen, und ihnen vorschlagen, nach jedem schlechten Spiel auf ihre Prämien zu verzichten oder einen Teil ihres Gehaltes zu spenden und sich damit ebenfalls (freiwillig) an der Finanzierung der Nachwuchsoffensive zu beteiligen. Warum sollte das nicht klappen, es müssen ja keine Unsummen sein und die Spieler könnten zeigen, dass sie doch eine größere Verbundenheit mit dem Verein, für den sie gerade kicken, haben, als so manch einer denkt.
Ich will meine unausgegorenen Ideen jetzt gar nicht als der Weisheit letzter Schluss hinstellen, aber diese Denkrichtung kann ein VV schon mal einschlagen und, wenn er damit erstmal anfängt, daraus auch sicher tragfähige Modelle erstellen, die am Ende vielleicht sogar umsetzbar sind.
Aber auch ein Chef handelt nicht alleine, er braucht fähige Leute an seiner Seite. Über den Vorstand für Mitgliederbelange, Oliver Scheel, möchte ich gar nicht groß reden, der ist für mich als Hardcore-SCler, der scheinbar nur seine eigenen Leute kennt, genauso eine krasse Fehlbesetzung wie Sven Brux als Sicherheitschef bei unserem Nachbarn St. Pauli. Gerade Scheel hat die Aufgabe, die Strömungen in der Mitgliedschaft zu erkennen und sich ein Gesamtbild zu verschaffen, betreibt aber nichts anderes als Klientelpolitik, und zwar für die Abteilung, die er selbst mit ins Leben gerufen hat. Zielorientiertes Handeln auf diesem Posten sieht für mich anders aus.
Im Verbund mit dem Sportchef müsste der Vorsitzende aber auch dafür sorgen, dass die Strukturen in der Nachwuchsförderung endlich stimmen. Es reicht nicht, auf das Stichwort der „Geldvernichtungsmaschine“ Nachwuchsförderung anzuspringen und seinem Vorgänger das Wort im Munde umzudrehen, obwohl man eigentlich derselben Ansicht bezüglich der fehlenden Effizienz in diesem Bereich ist. Was sollen diese nie enden wollenden Sticheleien, was soll dieser Nachtretreflex? Lenkt da jemand von seiner eigenen Leistung ab, hat da jemand vielleicht nur diese eine Leiher, oder zielt da jemand auf den Applaus seiner Unterstützer ab?
Viel wichtiger wäre es doch, den gesamten Bereich einmal ohne Rücksicht auf Verluste zu durchleuchten. Was läuft da schief? Wieso ist dieser Bereich denn seit Jahren nicht mehr als eine „Geldvernichtungsmaschine,“ wieso können die Streitereien zwischen Nachwuchstrainern und Nachwuchskoordinator über Wochen und Monate schwelen, ohne dass da konsequent gehandelt wird? Hier gäbe es ja mit Hrubesch tatsächlich mal einen alten Recken, der uns weiterbringen könnte; aber den hat anscheinend noch niemand über ein Engagement in diesem Bereich gefragt. Aber Hrubesch hin oder her, auf diese Posten gehört Kompetenz, unabhängig vom Namen oder längst verflogenem Stallgeruch. Und wo findet man die? Da, wo es genau in diesem Bereich schon mal geklappt hat. In Barcelona, in Amsterdam, in Freiburg, Mainz oder Stuttgart, und mit Hrubesch eben auch beim DFB.
Wenn es so sein sollte – ich weiß es nicht – dass hier seit Jahren die falschen Leute rumwurschteln, dann braucht man mal einen harten Schnitt und dann echte Kompetenz, Know-How eben, das man dann auch mal von außen holen kann, aus Barcelona, Amsterdam, Freiburg, Dortmund, Stuttgart, dem DFB oder sonst woher. Aber hier wird mit Basti Reinhardt jemand zum Nachwuchschef befördert, weil er sich damals als komplett überforderter Sportchef so loyal enteiern lassen hat, und jetzt wird ihm mit Michael Schröder jemand zur Seite gestellt, der in der Scouting-Abteilung nicht mehr gebraucht wird. Und demnächst sollen Jarolim und Benjamin zurück, nicht weil sie ihre Kompetenz irgendwo bewiesen hätten, sondern weil sie so (verdiente) alte Spieler, liebe Kerle und loyale Kämpfer im Zeichen der Raute sind oder waren. Klar, warum nicht, kann ja klappen, aber es herrscht dabei mal wieder das Prinzip Hoffnung. Sie sollen gerne kommen, ganz speziell Collo, aber eben nicht gleich in verantwortlicher Position.
Wir müssen endlich weg davon, Freunden und alten Fanlieblingen wichtige, wenn nicht entscheidende Posten zuzuschanzen, das gilt für Vorstand, Aufsichtsrat und Nachwuchsbereich gleichermaßen. Wir müssen uns endlich wieder professioneller aufstellen und unsere Arbeitsplätze mit Fachleuten besetzen anstatt aus Dankbar- oder Gefälligkeit. Vielleicht haben wir schon viel zu viele alte Spieler mit eingebunden, ich weiß es nicht, aber wir haben auf jeden Fall noch nicht ausreichend zielorientiert arbeitende Kompetenz…

Das große Jarchow-Interview, Teil Zwei

30. Mai 2012

Matz ab:
Jetzt hat Marcell Jansen die Idee geäußert, die Bundesliga-Profis könnten den fehlenden Betrag über Spenden decken. Er selbst sei bereit, 5000 Euro zu bezahlen…
Jarchow: Das ehrt ihn natürlich. Aber hier geht es um, den grundsätzlichen Entschluss. Nachdem wir in den letzten Jahren einen siebenstelligen Betrag für die Bundesliga-Frauen aufgebracht haben und auch jetzt noch keine Tendenz zu erkennen war, dass sich der Frauenfußball in der Bundesliga selbst trägt, mussten wir uns so entscheiden. Wir haben alles versucht, jetzt ist aber auch theoretisch nichts mehr möglich, da alle Meldefristen abgelaufen sind. Dieser Zug ist abgefahren.

Matz ab:
Bei Ihrem Amtsantritt sprachen Sie davon, den einen oder anderen Altmeister des HSV enger an den HSV binden zu wollen. Es gab auch Gespräche mit Manfred Kaltz. Was ist daraus geworden?
Jarchow: Ja, es gab die Gespräche mit Manni Kaltz, er war hier. Auch mit anderen Spielern. Wir reden auch jetzt noch mit Leuten, die wir gern einbinden wollen. Ich habe auch mit David Jarolim gesprochen, der jetzt vielleicht noch zwei Jahre woanders Fußball spielt, ehe er zu uns zurückkommt. Bislang galt die Vereinbarung, dass er bei uns im Jugendbereich eingebunden wird für den Fall, dass er sofort aufhört. Ich halte ihn aber für derart geeignet, dass ich ihm gesagt habe, die Vereinbarung gilt auch nach den nächsten zwei Jahren noch. Ich habe auch damals mit Collin Benjamin gesprochen, den wir hier sehr gern gesehen hätten. Aber auch er wollte noch spielen. Jetzt lese ich, dass er es sich überlegt nach dem Jahr bei 1860. Er ist einer der Kandidaten.

Matz ab:
Haben Sie als Präsident mit der Mannschaft im Laufe der Saison auch mal ein ernstes Wort gesprochen, dass die Situation so ernst wie nie ist? Darüber wurde nie etwas bekannt.
Jarchow: Das stimmt. Und das liegt daran, dass manchmal eben doch nicht alles an die Öffentlichkeit kommt, was bei uns hinter geschlossenen Türen geschieht. Aber ich habe permanent einen Draht zur Mannschaft gehabt. Es gab Gespräche. Dieses Recht habe ich mir auch ein, zwei Mal herausgenommen. Aber im täglichen Geschäft ist das das Aufgabengebiet des Trainers und des Sportchefs.

Matz ab:
Waren Sie entsetzt vom Verlauf der Mitgliederversammlung?
Jarchow: Nein. Ich persönlich bin kein Satzungsfetischist und kann nur mit viel Mühe Begeisterung für Veranstaltungen entwickeln, bei denen es ausschließlich um Satzungsänderungen geht. Man kann sich darüber unterhalten, ob es zu langatmig war. Aber ich fand es in Ordnung, auch wenn das Thema der Verkleinerung des Aufsichtsrates dann noch mal für schwierige Diskussionen sorgte.

Matz ab:
Es gab drei Fraktionen. Die Realos, die Supporters und die anderen Mitglieder. Sorgt Sie diese Spaltung?
Jarchow: Nein, weil ich gar nicht sagen kann, ob man das so zuordnen kann. Es ging ja um das Thema Fernwahl, das sehr starke Befürworter aber eben auch sehr starke Kritiker hat. Über die anderen Fragen wurde ja gar nicht so lange diskutiert.

Matz ab:
Im Januar gibt es entscheidende Aufsichtsratsneuwahlen. Läuft der HSV Gefahr, seine Führungspositionen an Leute zu verlieren, die den Klub umbauen wollen?
Jarchow: Das ist schwer vorzustellen, was im Januar ist, wer dort kandidiert. Aber ich bin mir sicher, dass dort weiter Leute kandidieren können, die aus allen Bereichen kommen. Es muss und sollte immer die richtige Mischung haben aus Leuten, die direkt aus dem HSV und eben denen, die von außen kommen, bestehen.

Matz ab:

Die Supporters könnten sich mobilisiert schnell durchsetzen…
Jarchow: Es ist schwer zu sagen, wer aus welcher Richtung kommt. Die kommen natürlich alle aus dieser großen Abteilung der Förderer und Supporters, zu der ich auch gehöre, wenn meine Mitgliedschaft nach meiner Amtszeit wieder auflebt. Diese Abteilung beinhaltet auch ganz unterschiedliche Charaktere und Typen. Viele von den Gewählten kenne ich. Herrn Klüver beispielsweise kenne ich noch aus meiner Zeit in der Abteilungsleitung der Supporters, Jürgen Hunke und andere auch. Ich kann da keine wirklichen Lager erkennen. Ich glaube, dass sich die wählenden Mitglieder mit den Themen befassen und letztlich aus ihrer persönlichen Überzeugung heraus ihre Entscheidungen treffen.

Matz ab:

Die Auflösung Ochsenzoll ist nicht so gut gelaufen, wie Sie sich das vorgestellt hatten…
Jarchow: Nein, da hatten wir uns vorgestellt, dass die dort handelnden Personen das etwas intensiver mit uns vertreten und nicht, dass sie uns Steine in den Weg legen. Die Auflösung ist satzungsmäßig vorgeschrieben. Am 18. Juni gibt es die erste Auflösung, wo alle 53000 Leute kommen müssten. Dort wird es also nichts werden, das ist eher prophylaktisch. Und dann machen wir ein zweite, wo die Zahl der Anwesenden genügt. Und diese Veranstaltung wird im September sein. Bis dahin zieht sich das Thema leider. Die Auflösung wird kommen – auch wenn es dort einige gab, die Ideen entwickelt haben, dort über neue Abteilungen wieder gemeinnützig zu werden. Aber diesen Weg werden wir nicht mitgehen, das habe ich auch klar gesagt. Auch wenn ich mir damit sicher nicht nur Freunde gemacht habe.

Matz ab:
Wie gehen Sie generell damit um, dass Sie in Ihrer Funktion nicht nur Freunde haben?
Jarchow: Offensiv, Denn das geht auch nicht. Ich bin ganz zufrieden mit den Freunden, die ich habe und deren Unterstützung. Aber ich muss eben auch unangenehme Sachen entscheiden. So ist das leben. Im Unternehmen, in der Politik – und sogar im Elternrat der Schule. Zehn Prozent oder mehr hauen einem die Entscheidungen immer um die Ohren. Aber wenn Sie das nicht abkönnen, sind sie verehrt im Amt. Ich fühle mich ganz wohl.

Matz ab:
Ihr Vorgänger nannte die geleistete Jugendarbeit mal „Geldvernichtungsmaschine“. Wie stehen Sie zum Nachwuchsarbeit Ochsenzoll? Was muss dort passieren?
Jarchow: Als Geldvernichtungsmaschine kann man das nicht bezeichnen, das können wir uns gar nicht leisten. Im Gegenteil, wir müssen zusehen, dass wir aus diesem Bereich jedes Jahr mindestens einen nach oben hervorbringen. Das muss das Ziel sein. Das machen uns andere Vereine vor. Oft, wie ich befürchte, wohl auch mit weniger Mitteln als wir sie einsetzen. Wir sind uns der Problematik dort bewusst. Dort fehlt es an Kontinuität. Wir haben auch gerade wieder dafür gesorgt, dass es nicht kontinuierlich weitergeht, indem wir uns von Paul Meier trennen.

Matz ab:

Er sich vom HSV oder Sie sich von ihm?
Jarchow: Natürlich einvernehmlich. Wie das eben so ist. Das ist in erster Linie der Arbeitsbereich von Frank Arnesen, auch wenn es mich natürlich immer wieder selbst berührt. Ich glaube, dass wir in den verschiedenen Bereichen dort Leute in den letzten Jahren vorgebracht haben. Wir haben es aber nicht geschafft, dort wirklich eine eigene Philosophie zu implementieren, die sowohl für die Spieler, die Spielsystem als auch die Trainer gilt. Und das muss von hier aus kontrolliert werden, worum sich Lee Congerton zukünftig kümmern wird. Ich glaube, dass die Barcelona-Philosophie, dass man sich nach Guardiolas Abgang nicht Mourinho holt sondern auf seinen Assistenten setzt, der den Verein jahrelang durchlaufen hat, richtig ist. Es wird nicht immer klappen. Aber von der Grundsatzidee her ist das der richtige Weg. Freiburg macht das ja schon…

Matz ab:
..aber aus der Not heraus…
Jarchow: …manchmal ist das eben so. Dortmund hat auch aus einem Notfall heraus diese Mannschaft gegründet. Die Not hilft manchmal, Dinge durchzusetzen, die sie sonst nicht durchsetzen können. In der Not liegt auch immer eine Chance.

In diesem Sinne, das war der zweite und letzte Teil des Jarchow-Interviews. Ein sehr offenes, ehrliches Gespräch mit vielen interessanten Aussagen. Im Abspann noch ein paar kurze Meldungen.
Bis morgen, dann übrigens ohne Live-Video nach dem Deutschland-Spiel, da Dieter in Leipzig weilt. Wir werden die lediglich verschobene (!!) Sendung aber in der kommenden Woche nachholen und mit interessanten Gästen am kommenden Donnerstag einen letzten EM-Check machen, ehe es dann am Freitag in der Ukraine und Polen endlich losgeht.

Bis morgen,
Scholle

Ansage: Nachdem jetzt bekannt geworden ist, dass Innenverteidiger David Abraham beim spanischen Erstligisten FC Getafe bereits einen Vorvertrag unterschrieben hat, haben sich Sportchef Frank Arnesen und Jarchow darauf verständigt, dass Abraham selbst samt Berater die Angelegenheit in Spanien zu klären haben. „Wir haben mit dem Spieler und dem Berater gesprochen und ihnen klar gemacht, dass wir unsere Verhandlungen auf der Basis geführt haben, dass David ablösefrei ist. Jetzt müssen die beiden sich mit Getafe auseinandersetzen und die Sache klären“, so Jarchow. Ansonsten könnte der Wechsel des Wunschspielers von Trainer Thorsten Fink in letzter Sekunde doch noch platzen

Ansage II: In der kommenden Woche, wenn Arnesen wieder in Hamburg ist, sollen Marcell Jansen und Tolgay Arslan ihre neuen Verträge beim HSV unterschreiben. „Wir sind da sehr zuversichtlich, dass es schon bald zur Einigung kommt“, so Jarchow.
Anfrage: Der HSV ist weiterhin an Wolfsburgs Mittelfeldspieler Koo interessiert. In den nächsten Tagen will sich Wolfsburgs Trainer Felix Magath entscheiden, ob er den Südkoreaner für die kommende Saison einplant.

Absage: Kein Thema mehr ist Diego, der von Atletico Madrid zum VfL Wolfsburg zurückkehrt. Das Gehalt des Mittelfeldspielers liegt noch deutlicher als bei Hamit Altintop über dem Machbaren des HSV, der zudem eine Gehaltsstruktur hat, die nicht riskiert werden soll, wie Jarchow sagt.

Traum: Rafael van der Vaart wird wieder auf dem Transfermarkt gehandelt – ergo: der HSV, der in Kühne einen milliardenschweren und wahrscheinlich den größten Fan des Mittelfeldspielers in seinen Reihen weiß, sollte hellhörig werden. Dem Vernehmen nach ist der FC Schalke 04 um die Verpflichtung von van der Vaart bemüht. Wie „Bild“ und „Sport Bild“ berichteten, sollen die Königsblauen Kontakt mit dem Berater des niederländischen Nationalspielers von Tottenham Hotspur aufgenommen haben. Für die Verpflichtung des 29 Jahre alten ehemaligen HSV-Profis müsste der Revierclub aber wohl eine zweistellige Millionensumme aufbringen. Van der Vaart steht bei Tottenham bis 2014 unter Vertrag. Schalke wollte die Spekulationen weder bestätigen noch dementieren. Deshalb, meine Bitte an Klubboss Carl Jarchow: Beim nächsten Treffen mit Herrn Kühne, das meinen Informationen zufolge ja schon in wenigen Tagen ansteht, bitte auch das Thema van der Vaart kurz diskutieren. Denn so unwahrscheinlich es auch ist – man weiß ja nie. Manchmal erfüllen sich Träume ja…

Das große Jarchow-Interview, Teil eins

29. Mai 2012

Na, bitte, es geht doch! Mit Ivo Ilicevic vom HSV nimmt Kroatiens Nationalmannschaft die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine in Angriff. Der 25 Jahre alte Flügelflitzer wurde am Dienstag von Nationaltrainer Slaven Bilic in den endgültigen EM-Kader berufen. Der Coach, der im Vorfeld den bisherigen HSV-Akteur Mladen Petric und den Ex-St. Paulianer Ivan Klasnic ausgemustert hatte, traf die Entscheidung pro Ilicevic in Bad Tatzmannsdorf in Österreich. Dort bereitet sich das kroatische Team derzeit auf die EM vor. Neben Feldspieler Ilicevic ist in Torhüter Jaroslav Drobny (Tschechien) ein weiterer HSV-Profi bei der am 8. Juni beginnenden kontinentalen Endrunde dabei. Er ist die Nummer 2 hinter Petr Cech von Champions-League-Sieger FC Chelsea.
Glückwunsch den beiden HSV-Spielern.

So, am Anfang stehen heute diese und drei weitere Meldungen – und danach wird es lang. Ich durfte und konnte heute ein Interview mit Carl-Edgar Jarchow, dem Vorstands-Vorsitzenden des HSV, das folgt nach diesen drei Spots.

Der geplante Transfer von David Abraham (FC Basel) zum HSV droht für den Fußball-Bundesligisten zur Hängepartie zu werden. Nach SID-Informationen hat der 25 Jahre alte Innenverteidiger bereits vor fünf Monaten beim spanischen Erstligisten FC Getafe einen Vorvertrag unterschrieben. Nach intensiven Gesprächen mit Trainer Thorsten Fink will der Argentinier jetzt aber unbedingt zum HSV wechseln.

„David hat sich klar zum HSV bekannt. Nun versuchen wir, den Vorvertrag irgendwie wieder aufzulösen. Getafe hat da allerdings Vorstellungen, die denen des HSV noch nicht entsprechen“, sagte Abrahams Berater Renato Cedrola. Der HSV müsste für Finks Wunschspieler an Getafe also eine Ablösesumme zahlen, obwohl der Vertrag von Abraham in Basel eigentlich ausläuft. „Ich bin optimistisch, dass wir das hinkriegen“, sagte Cedrola, „es kann sich aber etwas hinziehen.“ Allerdings scheint der FC Getafe auf den Vorvertrag zu bestehen. Der Klub vermeldete den Transfer Abrahams bis 2016 auf seiner Internetseite als perfekt.
Abraham hatte in der abgelaufenen Saison in 32 Einsätzen drei Tore für den Ex-Klub von HSV-Trainer Fink erzielt. (SID)

Erfolgstrainer Bernd Schröder hat den Deutschen Fußball-Bund (DFB) wegen des Rückzugs des HSV aus der Frauen-Bundesliga scharf kritisiert. „Da sieht man, welchen Stellenwert Frauenfußball im DFB hat“, sagte Schröder am Pfingstmontag nach dem erneuten Gewinn der deutschen Meisterschaft seines 1. FFC Turbine Potsdam. Schröder bezeichnete die Abmeldung des HSV-Teams für die kommende Saison als „Schande für den deutschen Frauenfußball“. Der DFB dürfe nicht zulassen, „dass man einfach eine Mannschaft abmeldet“, sagte er. Schröder, der für seine kritischen Worte bekannt ist, legte noch nach: „Wo ist die Führung des DFB? Theo (Zwanziger) hat das Schiff verlassen, und nun sind alle weg hier“.

Der HSV hatte jüngst bekannt gegeben, aus wirtschaftlichen Gründen seine Mannschaft weder für die erste noch für die zweite Liga zu melden. Sportlich hätten die HSV-Frauen den Verbleib als Tabellenneunter klar geschafft. So steigt sportlich nur Schlusslicht Lok Leipzig ab. Schröder warf dem Verband vor, sich einseitig auf die Frauen-Weltmeisterschaft in Deutschland im vergangenen Jahr konzentriert und darüber die Bundesliga vernachlässigt zu haben. „Die Nationalmannschaft ist die eine Seite. Sie ist das Ei – und die Clubs sind die Henne. Doch wenn die Liga nicht funktioniert, können die Hennen auch keine Eier legen“, sagte Schröder. (dpa)

Am 24. Juli, 18 Uhr, in der Imtech-Arena gibt es das Jubiläumsspiel:

HSV gegen den FC Barcelona

Der Ticketverkauf für Mitglieder läuft seit dem heutigen Dienstag. Bis zu sechs Tickets erhalten HSV-Mitglieder hier:
– im Internet unter www.hsv.de/tickets
– im HSV Service Center in der Imtech Arena
– im HSV City Sore in der Innenstadt
– im HSV Fanshop im Herold-Center
Eine Preisübersicht erhalten Sie hier: Preisliste
Für weitere Fragen rund um den HSV und Ihre Ticketbuchung stehen wir Ihnen unter der Hotline 01805 / 478 478* zur Verfügung. Bitte beachten Sie, dass der telefonische Ticketkauf erst im freien Ticketverkauf (ab dem 5. Juni 2012) möglich ist.

Und nun zu dem Gespräch mit Carl-Edgar Jarchow:

Matz ab:
Herr Jarchow, das ist das erste Interview mit Matz ab in diesem Jahr. Es ist seit März 2011 viel passiert, ist das Amt des Vorstands-Vorsitzenden schwerer als Sie es ursprünglich erwartet hatten?

Carl Jarchow: „Nein, ich hatte ja schon feste Vorstellungen davon, ich hatte ja sowohl in meiner Zeit als Abteilungsleiter als auch im Aufsichtsrat mit dem Vorstand zu tun gehabt, wusste also, was auf mich zukommen wird. Da hatte ich schon genügend Einblicke, das alles hat mich nicht so wahnsinnig überrascht – nein.

Matz ab:
Wie begegnet man Ihnen im Alltag, in der Öffentlichkeit?

Jarchow: Ich kann mich da überhaupt nicht beschweren. Das ist alles durchweg positiv. Allerdings muss ich zugeben, dass ich niemals in Internet-Foren lese oder solche Geschichten, das würde mich nur von meiner Arbeit ablenken. Ich lese natürlich Matz ab, aber nicht die Kommentare, die es zu den jeweiligen Beiträgen gibt. Habe ich noch nie gemacht. Und das mit der Öffentlichkeit – da kann ich mich nicht beschweren, obwohl es ja ein stetes Auf und Ab gab, so gab es aber auch immer viel Zuspruch für mich und den HSV.

Matz ab:
Sie hatten doch sicherlich Vorstellungen von dem, was Sie in Ihrem neuen Amt . . .

Jarchow (unterbricht): Nein. Dazu hatte ich gar keine Zeit. Ich hatte ja nur einen Tag Zeit, mir das zu überlegen, es war ja ganz überraschend für mich, dass mir dieses Amt angetragen wurde. Ich hatte mich darauf nicht vorbereitet, so nach dem Motto: Dieses Amt bekommst du nun irgendwann, was willst du dann machen? Diese Zeit hatte ich ja nie.

Matz ab:
Wann glauben Sie ist es wieder einmal so weit, dass der HSV eine größere Rolle im deutschen, vielleicht auch europäischen Fußball spielen kann?

Jarchow: Wenn Sie sagen, wieder eine Rolle spielt, woran denken Sie da? An die Zeit von 1977 bis 1987? Ich bin ja schon so lange dabei, genau seit 1964, und in der Rückbetrachtung höre ich immer wieder, dass der HSV immer eine große Rolle in der Bundesliga gespielt hat. Große Erfolge, große Tradition. Aber ich habe das bewusst erlebt, dass die großen Erfolge der kleinere Teil der HSV-Bundesliga-Geschichte ist. Nach 1987 sah es ja doch teilweise ganz düster aus, insofern finde ich nicht, dass der HSV nur große Zeiten in der Bundesliga erlebt hat. Natürlich wollen wir den Zuschauern etwas bieten. natürlich haben wir Zielen, wollen wir den Zuschauern bieten, wollen so schnell wie möglich einen klaren Leistungsanstieg den Leuten bieten – und manchmal geht es im Fußball schnell, manchmal auch weniger – ich bin aber überzeugt davon, dass wir es schon in der kommenden Saison schaffen werden, einen Schritt nach vorne machen werden. Dieser Schritt muss aber auch kommen. Wann wir aber den nächsten Titel erringen werden, da möchte ich mich nicht festlegen. Solche Prognosen gehen einfach ins Blaue, das ist nicht mein Ding.

Matz ab:
Lag es in dieser abgelaufenen Saison nur am fehlenden Geld, dass der HSV so schlecht war?

Jarchow: Nur am Geld liegt es sicherlich nicht. Zu diesen Schwierigkeiten finanzieller Art, die uns gezwungen haben, einen riesigen Schnitt zu machen, kamen sicherlich auch andere Probleme hinzu. Zum Beispiel dass die Mannschaft auch schon ohne diesen Schnitt in ihrer Zusammensetzung schwierig war. Im März, April 2011 hat der neue Vorstand ja schon bemerkt, dass etwas mit dieser Mannschaft nicht stimmt. Trotz aller großen Namen und aller Großverdiener, man hat gemerkt, dass es keinen Zusammenhalt gibt, keine Hierarchie. Die gesamte Mentalität der Truppe stimmte ganz einfach nicht, es gab viele schwierige Charaktere, man merkte einfach, dass auch die älteren und erfahrenen Spieler nicht die Wortführer waren, wie man sich das im positiven Sinne gewünscht hätte. Und es gab zum Beispiel jemanden, der neu in diese Mannschaft gekommen war, der mir unter vier Augen gesagt hat, dass er eine solche Mannschaft, die so wenig zusammenhält, noch nie erlebt habe. Wenn zum Beispiel ein Spieler zu einem Grillabend einlud, und von 19 Spielern kommen nur vier, dann spricht das eine deutliche Sprache. Das war symptomatisch für diese Mannschaft.

Matz ab:
Aber in der abgelaufenen Saison ist es auch nicht gelungen, einen verschworenen Haufen aus der Truppe zu formen . . .

Jarchow: Der Not geschuldet haben wir uns von einigen Spielern trennen müssen, natürlich auch durchaus wollen, keine Frage, auf der anderen Seite nur begrenz Möglichkeiten gehabt, neue Spieler zu verpflichten.

Matz ab:
Was an der schlechten Finanzsituation lag?

Jarchow: Das lag eindeutig an der finanziellen Situation. Klar. Nun wollen wir ja gar nicht jedes Jahr daran gehen, die Mannschaft total auf den Kopf zu stellen, das kann es nicht sein, aber 2011 musste das aufgrund der vielen Abgänge geschehen, und dann bestand schon die Notwendigkeit, den einen oder anderen Spieler mehr dazu zuholen. Und daran lag es wohl auch ein wenig.

Matz ab:
Sie haben eben gesagt, dass Sie optimistisch in die Zukunft blicken, womit begründen Sie das?

Jarchow: Damit, dass ich zum einen glaube, dass wir in Sachen Trainer sehr gut aufgestellt sind. Thorsten Fink hat jetzt mit seinem Team die Chance, die komplette Vorbereitung durchzuführen. Mit einer dann neuen Mannschaft, denn drei Spieler sind schon gegangen, drei sind schon da – die Mannschaft wird also durchaus ein verändertes Gesicht bekommen. Und die Transferperiode hat ja erst begonnnen, es gibt sicher noch die eine oder andere Veränderung mehr. Dann glaube ich zweitens, dass Frank Arnesen die Bundesliga noch besser kennt als in seinem ersten Jahr. Er wurde ja im letzten Jahr, als er im Februar verpflichtet worden ist, unter ganz anderen, völlig anderen Voraussetzungen verpflichtet. Man hatte ihm gesagt, dass er genügend finanzielle Mittel hätte, die Mannschaft entscheidend zu verändern. Die hatte er aber nicht, und ich musste ihm das sagen. Aus der Not heraus haben wir dann die fünf Chelsea-Spieler verpflichtet, wobei wir immer gesagt hatten, dass diese Spieler erst einmal für die U 23 sein wollten. Das darf man alles nicht vergessen. Ich glaube, dass dieses Jahr die Voraussetzungen ganz andere sein werden.

Matz ab:
Fiel es Ihnen schwer, damals und eventuelle auch noch heute, nicht offen über die gesamte finanzielle Schieflage des HSV Auskunft geben zu dürfen, zu können?

Jarchow: Nein, das fiel mir nicht schwer. Ich habe mich immer auf die Position zurückgezogen, dass ich hier Mitte März 2011 eingestiegen bin, mir sofort einen Überblick über den Status quo verschafft, ich habe gesehen, was uns in der neuen Saison droht. Das heißt, wie viele wir noch an feststehenden Verbindlichkeiten haben, wie die Laufzeiten der Spielerverträge aussehen, wie die Kaderzusammenstellung ist – daraus hat sich dann alles ergeben. Ich bin also sehenden Auges in dieses Amt gegangen. Und das alles habe ich auch Frank Arnesen mitgeteilt, und der hat das sehr professionell aufgenommen.

Matz ab:
Nun gibt es auch Menschen, Experten, an erster Stelle wohl Schalkes Boss Clemens Tönnies, der im Doppelpass einst geäußert hatte, dass sich der HSV „kaputt spart“, dass der HSV nicht bereit ist, „Risiko zu gehen“. Wie stehen Sie dazu?

Jarchow: Das teile ich nun gar nicht. Ich finde schon, dass der HSV Risiken eingegangen ist. Unsere Situation ist vielleicht eine andere als die von Schalke, weil wir auch eine andere Vorstellung haben von solider Finanzpolitik. Schalke handhabt das ein wenig anders, Schalke arbeitet auch viel mit staatlicher Unterstützung. Das heißt, wenn es finanziell eng wird, dann springt irgendeine Gelsenkirchener Institution ein. Schalke arbeitet mit einer Bürgschaft des Landes Nordrhein-Westfalen was das Stadion angeht, diese Situation haben wir nicht. Wir sind ein großes Risiko eingegangen, als wir dieses Stadion gebaut haben, wie ich finde völlig zu recht. Und das darf man nicht vergessen, dass uns dieses Stadion immer noch jedes Jahr einen zweistelligen Millionen-Betrag kostet an Abzahlung, und all dem, was damit zusammenhängt. 2015 ist der größte Batzen davon abbezahlt, dann geht es uns besser. Aber bis dahin geht es uns nicht gerade gut. Die anderen Klubs stecken von ihrem Gesamtumsatz 40 bis 45 Prozent in ihre Bundesliga-Mannschaft, und wir stecken 30 Prozent in die Mannschaft. Und das ist natürlich der Tatsache geschuldet, dass wir diesen zweistelligen Millionen-Betrag erst einmal erwirtschaften müssen, um dann das Stadion bezahlen zu können.

Matz ab:
Es gab ja mal die Bestrebungen, diese Zahlungen etwas zu strecken und nach hinten zu verschieben. Wie sieht es damit aus?

Jarchow: Die gibt es immer noch. Wir sind mittendrin, das wird sich in Kürze entscheiden, ich bin ganz optimistisch, dass uns das ein bisschen Luft verschaffen wird. Aber da reden wir dann auch nicht von den ganz großen Beträgen, wie es der Herr Tönnies vielleicht machen wird, wir müssen ja auch immer sehen, dass wir auch jedes Jahr die Lizenz ohne Auflagen zu bekommen, und ich denke, Schalke hatte da in der Vergangenheit durchaus schon die eine oder andere Schwierigkeit, aber wir haben den Ehrgeiz, es weiterhin so schaffen zu wollen.

Matz ab:
Herr Jarchow, es gibt durchaus Fans und Mitglieder, die Ihnen ein Teil Schuld daran geben, dass es so schlecht in der vergangenen Saison lief. Wie stehen Sie dazu, tut das weh?

Jarchow: Nein, das tut mir ganz und gar nicht weh. Ich sehe das ganz realistisch. Wenn man Vorstands-Vorsitzender des HSV ist, und man hat ein Jahr hinter sich, dann trägt man in gewissen Bereichen auch die Verantwortung. Natürlich. Und deswegen übernehme ich nicht die Verantwortung für den Status quo, den ich hier einst vorgefunden habe, aber ich kann mich ja nicht vor der Verantwortung drücken vor den verschiedensten Entscheidungen, die wir hier in diesem Jahr getroffen haben. Diese Entscheidungen waren gewiss nicht alle richtig, aber warum sollen ausgerechnet wir alle Entscheidungen immer richtig getroffen haben? Ich bin zwar der Meinung, dass wir vieles richtig gemacht haben, dass wir auch generell auf dem richtigen Weg sind, aber auch ich habe mich natürlich mal geirrt.

Matz ab:
Wobei zum Beispiel?

Jarchow: Ich habe mich zum Beispiel bei Michael Oenning geirrt. Ich habe mich dafür eingesetzt, dass er hier Chef-Trainer wird, aber ich habe mich, wie viele meiner Vorgänger in Sachen Trainer, auch geirrt und musste ein Konsequenz ziehen, die mir nicht leichtgefallen ist. Verantwortung aber für das, was wir hier tun, übernehme ich aber schon.

Matz ab:
Oenning war ja aber auch vielleicht der Situation geschuldet, dass der HSV kein Geld hat, dass der Trainer deshalb die billigste Lösung war – oder?

Jarchow: Nein, daran lag es nicht, das ist so nicht ganz richtig. Oenning war einen Tag bevor wir antraten schon installiert worden, den haben wir hier vorgefunden, und wir haben dann gedacht, dass er für diese junge und neue Mannschaft der richtige Mann ist. Das hatte keine finanzielle Aspekte.

Matz ab:
Im Matz-ab-Blog werden Sie gelegentlich mit Frau Merkel verglichen, das heißt, Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie gewisse Sachen einfach nur aussitzen – wie die Bundeskanzlerin. Was entgegnen Sie Ihren Kritikern?

Jarchow: Diejenigen würde ich fragen, welche Probleme sie denn meinen, welche Probleme ich denn hier aussitze? Wir haben ganz viele Probleme schon versucht zu lösen, und das auch sehr schnell, deswegen weiß ich nicht, welche Probleme das denn seien sollen? Das würde mich schon mal interessieren. Aussitzen? Das sehe ich völlig anders. Ich glaube, dass wir in personellen Bereichen, in strategischen Bereichen schon jede Menge entschieden haben – und auch noch weiter entscheiden werden. Wir haben schon einiges verändert, sogar den Frauen-Fußball habe ich nicht ausgesessen. Das Problem mit solchen Meinungen ist ja, dass es oft auch anonyme Stimmen sind, die so etwas behaupten. Wenn es mal wieder ein Matz-ab-Treffen gäbe und Sie mich einladen würden, dann käme ich dahin und würde mich den Leuten, die mir Fragen stellen, selbstverständlich auch stellen. Ich würde diesen Leuten ins Gesicht gucken und mich mit ihnen sachlich auseinandersetzen. Verstehe ich ihren Ansatz – oder verstehe ich ihn nicht. Aber von den anonymen Stimmen halte ich absolut nichts, da lassen Leute Aggressionen raus, und so etwas kann ich nicht ernst nehmen. Ernst nehme ich Leute, die sich mit Namen und Ihrer wahren Identität bei mir melden, die bekommen auch immer eine Antwort.

Matz ab:
Eine Frage, die mir aufgetragen wurde – aus dem Matz-ab-Forum: Sie werden hin und wieder – ich finde das böse und auch despektierlich – mit der „Herr Schnarchow“ tituliert, wie reagieren Sie darauf, wie gehen Sie damit um?

Jarchow (laut lachend): So wurde mein Sohn früher beim Hockey genannt. Nein, ich gehe damit gar nicht um, es interessiert mich nicht – so einfach ist das.

Matz ab:
Fehlt Ihnen nicht auch der eine oder andere Fußball-Experte in der Führung des HSV?

Jarchow: Das kann ich nicht erkennen. Die Fußball-Fachleute sind insbesondere wichtig in ihrer Abteilung. Da haben wir Frank Arnesen, da haben wir Lee Congerton, dann haben wir diverse andere Leute, dann haben wir ein Trainerteam mit Thorsten Fink, Patrick Rahmen, Frank Heinemann und anderen – das ist doch genug. Oder meinen Sie den Aufsichtsrat? Da ist es ja die Frage, ob man da noch einen Sportfachmann haben muss, aber da bin ich sehr zurückhaltend in meinen Äußerungen, denn der Aufsichtsrat ist das Kontrollgremium, da maße ich mir nicht an, mal eben so über den Aufsichtsrat zu urteilen.

Matz ab:
Auf die Mannschaft war zuletzt nur hin und wieder Verlass, auf die Fans immer – was sagen Sie zu dieser Unterstützung?

Jarchow: Davon war in begeistert, bin es immer noch, die Fans haben uns in Hamburg und auswärts immer zu 100 Prozent unterstützt, sind nie ausfallend geworden – eine ganz große Leistung, das muss ich sagen, ein dickes Kompliment an unsere Anhänger. Se waren ein ganz entscheidender Faktor dafür, dass wir letztlich doch nicht ganz unten hineingeraten sind.

Matz ab:
Haben Sie nicht dennoch die Sorge, dass der HSV für die kommende Saison weniger Dauerkarten verkaufen wird, weniger Logen und Businesssitze?

Jarchow: Die Tendenz sieht nicht so aus. Bei den Logen sind wir gegenüber dem Vorjahr ein wenig hinterher, aber wir hatten dabei nicht mehr Kündigungen, sondern es verkauft sich eben ein wenig schleppender als noch 2011. Bei den Dauerkarten gibt es aber kaum Unterschiede gegenüber den Vorjahren.

Matz ab:
Mich haben die Durchhalteparolen im Abstiegskampf immer ein wenig auf die Palme gebracht. Vor den Spielen hieß es stets: Wir müssen gewinnen, und wir werden gewinnen. Oder: Ich bin fest davon überzeugt, dass wir besser sind, deshalb werden wir gewinnen. Oder: Unsere Mannschaft hat das Potenzial und die Qualität, um dieses Spiel zu gewinnen. Nervt Sie das nicht auch?

Jarchow: Ja, das hat mich auch genervt. Nicht die positiven Äußerungen, nein, man muss schon in ein Spiel gehen, um es zu gewinnen, sonst kann man es ja gleich lassen. Aber das mit dem Potenzial hat mich auch genervt, das gebe ich zu. Ebenso die Sache mit dem Dino.

Matz ab:
Wieso Dino?

Matz ab:
Dass man uns nur damit in Verbindung bringt, dass wir am längsten in der Bundesliga sind. Das reicht mir auf Dauer nicht. Ich möchte schon mal wieder mit anderen Bezeichnungen in Verbindung gebracht werden. Aber zum Potenzial zurück, es geht ja nur darum, ob man bei allem Potenzial auch Abstiegskampf kann, nur darum ging es am Ende.

Matz ab:
Gab es einen Sturm der Entrüstung, als Sie die Frauen-Bundesliga-Mannschaft abgemeldet haben?

Jarchow: Sturm der Entrüstung ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber es gab auf jeden Fall ein überraschend großes Presse-Echo. Das hat mich schon verwundert. Wenn dieses Interesse schon vorher vorhanden gewesen wäre, dann hätten wir vielleicht die Chance gehabt, die Frauen in der Bundesliga zu halten.

Matz ab:
Weil Sie die Frauen besser hätten vermarkten können?

Jarchow: Die Situation ist doch ganz einfach. Wir haben es uns doch nicht einfach gemacht. Im letzten Jahr haben wir den Zuschuss etwas gekürzt, haben dann, weil es eine Notsituation gegeben hat, noch ein wenig nachgebessert. In diesem Jahr haben wir frühzeitig gesagt, dass wir in allen Bereichen des Vereins sparen müssen, und dabei können wir die Frauen nicht ausnehmen. Der Betrag, der da nachbliebt, ist immer noch der höchste Zuschussbetrag, den wir leisten – und die Damen haben gesehen, ob sic die Lücke dazu, nämlich zu ihrem Etat, selbst schließen können. Da hat sich aber leider Gottes sehr schnell gezeigt, dass es da keinerlei Vermarktungsmöglichkeiten gab – das war in den letzten Jahren schon so. Der HSV hat in den letzten fünf, sechs Jahren in die Frauen-Bundesliga einen mehr als siebenstelligen Betrag hineingesteckt, und wir müssen einfach sehen, dass das nicht dazu geführt hat, dass die Frauen-Bundesliga in Hamburg richtig angenommen wurde. Die Frauen spielen im Schnitt vor 300 Zuschauern, von denen noch 100 Ehrenkarten haben. Es gibt keinerlei Möglichkeiten, Trikot- oder Banden-Werbung zu bekommen, immer wenn es die gab, dann waren es Beiprodukte von der Männer-Fußball-Bundesliga. Das heißt, diese Abteilung trägt sich nicht, und im Gegensatz zu allen Breitensport-Abteilungen muss sich eine Abteilung, die sich professionell beteiligt, ganz überwiegend selbst tragen. Und diese Tendenz gibt es seit zehn Jahren, dass die Bundesliga-Frauen das nicht schaffen. Es

Matz ab:
Wie geht es mit dieser Abteilung weiter?

Jarchow:
Wir werden weiter Frauen-Fußball in Hamburg haben. Wir haben gerade die B-Mädchen zur gerade eingeführten Bundesliga angemeldet, wir haben eine Regionalliga-Mannschaft – aber wir müssen sagen, dass sich eine Erstliga-Bundesliga-Mannschaft auf Dauer in dieser Stadt nicht trägt. Wir sind ein Verein, der ein Universellsportverein bleiben will, aber der muss auch erkennen, dass dies nur möglich ist mit den Erträgen aus der Bundesliga.

So, da ich jetzt gerade bemerke, dass ich zurzeit die „HSV-Bibel“ verfasse, unterbreche ich für heute. Dieses Interview wird fortgesetzt – schön ist ja, dass wir bei Matz ab den Platz dafür haben, während alle Zeitungen ja doch genau abwägen müssen, was sie weglassen können, dürfen oder müssen. Ich sprach mit Carl-Edgar Jarchow auch noch über die letzte Mitgliederversammlung und einige andere Themen – lasst euch überraschen.

Guten Abend!

18.34 Uhr

Selbstkritik ist nichts für mich . . .

28. Mai 2012

Es muss 1966 oder 1967 gewesen sein. Der 18-jährige Matz durfte in der Regionalliga-Mannschaft von BU ein Freundschaftsspiel bestreiten, auf Grand bei Vorwärts in Billstedt, wo ein Vereinsjubiläum gefeiert wurde. BU war damals Zweitliga-Klub – weil es noch keine Zweite Liga gab. Das Spiel endete 3:3, ich wurde Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselt – und spielte schlecht, unheimlich schlecht. Ich spielte so, wie ein Fan spielt, der plötzlich mit seinen Fußball-Lieblingen „daddeln“ darf. Ich erstarrte vor Ehrfurcht. Vorwärts trat damals noch mit Hans-Jürgen „Dittschi“ Ripp an, der später HSV-Profi wurde. Über dieses Spiel berichteten später einige Zeitungen, so auch das Hamburger Abendblatt, das den (inzwischen schon lange verstorbenen) Kollegen Manfred Heun geschickt hatte. Und Heun zerriss mich in seinem Artikel, er putzte mich total runter. Eigentlich völlig berechtigt, weil ich tatsächlich grottig gespielt hatte, aber ich schwor mir damals: „Wenn ich jemals wieder etwas mit diesem Heun zu tun haben werde, dann werde ich kein Wort mit ihm reden. Und sollte er sogar irgendwann (davon habe ich – wie wohl jeder Junge – geträumt) und irgendwo Profi sein, und dieser Heun will ein Interview von mir haben, dann werde ich ihn eiskalt abblitzen lassen. Jawoll, das wollte ich. Weil ich nur noch sauer auf ihn war . . .

Später wurden wir dann, wie das Leben so spielt, Kollegen beim Abendblatt. Wir gingen gemeinsam zum HSV, um über die Spiele und Turniere zu berichten, wir gingen auch zum Nachbarn ans Millerntor. Noch Jahre. Und natürlich habe ich mit ihm gesprochen. Und irgendwann, nach langer, langer Zeit, habe ich ihm auch von dem damaligen Vorwärts-Spiel und von meinem Vorhaben berichtet. Wir haben beide gelacht . . .

Warum ich das schreibe? Mein Abendblatt-Kollege Florian Heil wollte heute mit einem HSV-Profi (ich nenne bewusst den Namen nicht!) ein Interview führen. Heil erhielt aber – per Handy (telefonisch) – eine kurze und knappe Absage: „Lies dir mal die letzten zehn Berichte von Matz ab über mich durch, dann weißt du, warum ich nicht mit dem Abendblatt rede . . .“

Alles menschlich, alles verständlich – alles okay. Es bleibt jedem – so würde „Dittsche“ formulieren – unbenommen, hier und dort ein Interview zu geben, und hier und dort eines zu verweigern. Das, was Heil erlebte, ist mir als Redakteur natürlich auch schon passiert. Ich erinnere an den HSV-Spieler Carsten Kober, der heute ein „Matz-abber“ („Master of Grätsche“) ist, und mit dem über eineinhalb Jahre lang einst Funkstille herrschte. Beide haben wir kein Wort miteinander gesprochen – bis es sich dann auf der Rückreise von einem UI-Cup-Spiel in Budweis so ergab, dass wir im Flieger nebeneinander saßen. Da fand dann die Versöhnung statt – heute sind wir noch immer freundschaftlich miteinander verbunden – nicht wahr, mein Carsten?

Auch mit Stefan Schnoor gab es einmal eine solche (kürzere) Schweigephase, vor der wir uns kurz aber heftig angeschrien hatten. Es ging um „ungerechte“ Kritiken. Was sonst. Und ich erinnere mich an einen HSV-Spieler namens Florian Weichert (erinnert ihr euch noch?), der ein heftiges Wortgefecht mit mir wie folgt beendete: „Ich rede nicht mehr mit Ihnen, Sie hören von meinem Anwalt.“ Wir waren eigentlich „per Du“ – ich habe aber auch nie von seinem Anwalt gehört. Heute ist er Fernseh-Kollege beim MDR, und als wir uns beide einmal bei der Arbeit trafen, da begrüßten wir uns wie Freunde. So geht es dann auch. Bei allem Ärger.

Nun zu heute. Ich muss sagen, dass ich über diese Interview-Verweigerung ein wenig erstaunt bin – um nicht zu sagen entsetzt. Aber es spricht natürlich auch eine deutliche Sprache. Selbstkritik ist heutzutage ein Fremdwort. Für die meisten Profis jedenfalls. Auch irgendwie verständlich, denn jeder möchte in diesem (Millionen-)Spiel bleiben, möchte seinen Lebensstandard eher verbessern, das heißt, er muss „oben“ bleiben. Wenn es geht, dann Nationalspieler sein, aber auf jeden Fall immer Erste Liga. Das ist ganz sicher ein harter Kampf, da geht es auch – wir haben das zuletzt in Hamburg eindrucksvoll gemerkt – um Existenzen. Die Familien müssen ernährt werden, und das geht in Liga eins eben besser als in Liga zwei.

Der HSV stand über Wochen auf der Kippe. Das geht an die Nerven. Auch an die Substanz. Und es verklärt dem einen oder anderen Spieler auch ganz sicher den Blick für die Realität. Und wenn nicht das, dann muss wenigstens verbal für die eigene Stellung tüchtig gekämpft werden. Wenn diese Phase erst einmal angebrochen ist, dann ist es natürlich wenig hilfreich, wenn man (Mann) dann in den Zeitungen die schreckliche, die entlarvende sportliche Wahrheit über sich lesen muss. Auch das sehe ich ein. Aber was sollen wir, was soll ich denn machen? Der HSV hat sich in diesem Jahr so kräftig in die eigene Tasche gelogen, das kann und darf doch niemand so hinnehmen. Da wurden uns – hart formuliert – „Gurkenspiele“ als gut hingestellt. Und Grotten-Kicks als fast hervorragend. Wir erinnern uns doch alle, wie oft uns gesagt wurde: „Diese Mannschaft hat Qualität, sie ist viel besser als ihr Tabellenstand.“ Wie oft wurde es uns gepredigt? Zu oft!

Wo ist der HSV letztlich mit seiner Qualität gelandet? Genau.

Hätte in den Zeitungen tatsächlich stehen müssen: „Der HSV hatte bei der 3:4-Heimniederlage gegen den 1. FC Köln wieder einmal viel, viel Pech gehabt, er hat 90 Minuten das Spiel bestimmt und nur auf ein Tor gespielt – aber der Gegner schoss leider und völlig unverdient die Tore. Kopf hoch, Jungs! Solche Spiele gibt es mal. Der HSV hat davon in dieser Saison leider etwas mehr, aber das gleicht sich immer wieder aus – so ist der Fußball. Weil der HSV im Grunde genommen auch nur Klasse-Spieler hat. Jeder für sich ist ein großer Individualist, jeder ist Nationalspieler und gehört zu den Besten seines Landes, und ganz sicher könnte auch jeder von diesen HSV-Spielern den Tempo-Fußball bei Borussia Dortmund mitspielen, oder beim FC Bayern die eine oder andere Partie Rasenschach. Sie alle, diese HSV-Spieler, haben unglaubliche Qualitäten, sie rennen, spielen, rasen, kämpfen und graben den Rasen um, so wie es vor ihnen nur die Mannschaft von 1983 getan hat. Besser kann ein HSV kaum noch sein. Dass dieser HSV auf Platz 15 steht, ist reiner Zufall, hat nichts, aber auch absolut zu sagen, ein jeder Spieler kann doch deutlich mehr, kann auch im Training viel, viel besser – und wird das schon bald, im nächsten Spiel, zeigen.“

Wer eine solche Berichterstattung wünscht und will (auch als Profi), der sollte sich besser Grimms Märchenbuch zulegen . . .

Und – nur mal zur Erinnerung, weil man ja schnell geneigt ist, vor allem das Schlechte zu vergessen:

Die Kollegen der „Mopo“ veröffentlichten nach der geglückten und grandiosen Rettung (ich bin noch immer sehr, sehr froh und erleichtert) die Statistik über die durchschnittlich pro Spiel gelaufenen Kilometer aller Bundesliga-Mannschaften. Platz eins: Nürnberg 119, 9 km. Platz zwei: Freiburg 119,8 km. Platz drei: Werder 119.3. Platz letzter (!): Hamburger SV 111,1 km. Zufall? Und wenn es darauf ankam, den Gegner zu jagen, dann wies der HSV mit 53,3 Kilometern den zweitschlechtesten Wert der Liga auf – alle (!) Abstiegskonkurrenten kamen mindestens auf 60 Kilometer. Zufall? Konnten sie nicht, oder wollten sie nicht?

Die Kollegen der „Bild“ hatten dazu auch noch folgende Statistik auf Lager:
In dieser Saison hatte der HSV mit nur 36 Zählern die wenigsten Punkte in seiner 49-jährigen Bundesliga-Geschichte, noch nie stand der HSV so schlecht wie diesmal – Platz 15. Nur Hertha BSC und Kaiserslautern hatten weniger Siege als diese acht, auf die es der HSV 2011/12 brachte – bei einem Torverhältnis von 35:57. Dazu gab es sieben Heimniederlagen und nur drei Heimsiege – bei 17 Spielen! Die Flanken waren schlecht wie nie: Dennis Diekmeier brachte es auf 228 Flanken, aus denen zwei Tore resultierten. Dennis Aogo bereitete sein letztes Flanken-Tor in der Liga im August 2009 vor, Marcell Jansen im Dezember desselben Jahres – 2009. Marcell Jansen hatte zudem die höchste Fehlpassquote aller Bundesliga-Spieler, 32 Prozent seiner Bälle landeten beim Gegner. Mladen Petric wurde mit sieben Treffern (davon drei Elfmeter) der schlechteste Top-Torjäger des HSV in der Bundesliga-Geschichte. Und: Beim 0:4 gegen Stuttgart sprintete Petric in Halbzeit eins ganze 24 Meter.

Diese leicht negative Statistik ließe sich sicher noch ausweiten, aber ich möchte sie in Ausschnitten nur noch einmal jenem HSV-Profi komprimiert vor Augen führen, der sich schlecht (von mir, von Matz ab und dem Hamburger Abendblatt) behandelt fühlt. Wer bei einer solchen niederschmetternden Saison-Bilanz noch erwartet, dass er majestätisch hofiert und gepudert wird, der sollte seine Einstellung zum Beruf überdenken. Mich macht das auf jeden Fall enorm nachdenklich. Aber vielleicht ist da auch eine Entwicklung an mir vorbeigegangen, ich bin ja schon ein alter Sack. Wenn ich früher schlecht gespielt habe, dann war ich geknickt, sauer auf mich und auch fix und foxi. Dann brauchte ich nicht selten mal eine oder zwei Schlaftabletten, um überhaupt ein Auge (in der Nacht nach dem Spiel) zuzubekommen.

Um das auch noch schnell zu sagen: Ich wollte heute kein Interview mit jenem HSV-Profi, ich bin also nicht getroffen von der Absage – ich bin nur betroffen.

Nein, nein, wer mir – als HSV-Profi – jetzt noch verkaufen will, er war gut und nur die anderen waren schlecht, der liegt für mich nur ganz grausam daneben. Und dann denke ich schon gleich mit Schrecken an die nächste Saison. Da geht das „In-die-eigene-Tasche-lügen“, dieser sportliche Selbstbetrug, dann doch munter und genau so weiter. Warum sollte man diese Einstellung auch ändern? Hat ja Erfolg gehabt! Aber wie soll der HSV dann tatsächlich noch einmal auf einen grünen Zweig kommen? Wie? So geht es doch nicht!

Selbstkritik? Ist wahrscheinlich doch nur etwas für den Nebenmann.

Nein, nein, träum schön weiter, lieber HSV-Profi – und wenn Du, was ich ja ganz stark annehme, jetzt nicht mehr mit mir sprechen möchtest, so werde ich auch dieses Drama noch überstehen. Aber vielleicht denkst Du ja auch in einer stillen Minute kurz, nur ganz kurz darüber nach, ob ich tatsächlich so gravierend danebenliege, wie Du jetzt glaubst. Und ob es nur gekränkte Eitelkeit ist, die Dich zu diesem Abschalten veranlasst hat? Ich hätte es gut gefunden, wenn einer (oder mehrere) von den HSV-Spielern nach dieser desolaten Saison gesagt hätte – öffentlich (!): „Das war alles so schlecht, so grausam und erschütternd, wir sollten uns schämen. Und ich verspreche hier und heute, dass ich mich in der Spielzeit 2012/13 so reinhänge für den HSV, wie noch nie. Wie noch nie! Ich habe, das weiß ich sehr wohl, auch etwas gutzumachen, deswegen gebe ich alles für den HSV. Und im Grunde genommen stimmt es schon, ich habe zuletzt viel zu wenig getan – ich will wieder der Alte werden.“

Alles Gute wünsche ich Dir für die nächste Saison, ich werde, so habe ich es stets mit allen Spielern gehalten (die nicht mehr mit mir reden wollten), Dich weiterhin so beurteilen, wie ich es sehe. Und nicht so, wie es mir eingeredet werden soll.
Das hast Du übrigens, um noch mal aus dem Nähkästchen zu plaudern, mit dem großen Manfred Kaltz gemeinsam. Der nahm mich mal nach dem Training in Ochsenzoll beiseite, weil ihm meine Benotung zu schlecht war: „Alter, wenn du mir nicht bald wieder bessere Noten gibt’s, dann muss ich mal mit deinem Chef reden – dann warst du die längste Zeit bei . . .“ Ich habe ihm geantwortet: „Alter, wenn mein Chef das meint, dann soll er – ich gebe Dir aber weiter die Noten, die Du aufgrund deines Spiel in meinen Augen verdient hast.“ Kaltz ging nie zu meinem Chef. Und wir reden auch heute noch freundschaftlich verbunden miteinander.

PS: Ich weiß genau, dass Trainer und Sportchef ob dieser sportlichen „Top-Leistungen“ des HSV 2011/12 auch ähnlich desillusioniert waren, wie ich. Und wie viele andere Fans natürlich auch. Nur hatten sie während dieser verkorksten Saison doch gar keine andere Chance als die, die Spieler (Bild nennt sie in der Statistik die „Versager“) zu „loben“. Hätten sie sie niedergemacht, wäre so manch selbstkritischer HSV-Profi eventuell auf die Barrikaden gegangen, hätte sich schmollend zurückgelehnt und auf Dienst nach Vorschrift geschaltet. Nein, nur so, mit Lob (als Notlüge), konnten sie sie fast alle bei der Stange und bei Laune halten, nur so bestand die Hoffnung auf den Klassenerhalt – denn sonst hätte ja die Zweite von Rodolfo Cardoso Bundesliga spielen müssen. Und ob die es denn ebenso gut gerichtet hätte, wie die „Erste“? Da mag so mancher doch Zweifel haben, berechtigte Zweifel.

Und noch ein PS: Heute gibt es keine Ver- und keine Einkäufe beim HSV. Is ja Finxten, wie mir ein “Matz-abber” schrieb.
Ich wünsche euch ein schönes Rest-Finxten noch.

15.15 Uhr

Hermann – gut drauf und bester Hoffnung

27. Mai 2012

Pfingsten, herrliches Wetter, die Länderspiele geraten schnell in Vergessenheit – und der HSV ist ganz weit weg. Ist ja auch Sommerpause. Trotz allem muss ich den HSV kurz noch einmal loben, denn wie die Damen und Herren das Spiel Brasilien gegen Dänemark „hinbekommen“ haben, das war klasse. Glückwunsch dazu, es geht doch. Obwohl ich sagen muss, ich habe zum Beispiel die Presse-Abteilung noch nie so flitzen und schuften gesehen, wie diesmal. Es hat sich aber ganz offenbar gelohnt, denn ich habe weder von brasilianischer Seite noch von dänischer Seite Beschwerden gesehen, gehört oder erlebt. Klappte fast alles reibungslos. Und wenn nicht, dann wurde es in aller Ruhe und ohne auszurasten geklärt. Der einzige Mann, der irgendwie etwas zu bemängeln hatte („Ist doch alles vom A. . . „) – das war ein Deutscher.

Lars Wegener von der HSV-Presse-Abteilung war denn auch sehr zufrieden. Lob gab es von den Südamerikanern und von den Dänen. Von denen wir übrigens alle lernen können, denn sie blieben in jeder Lage gelassen und entspannt. „Beide Teilnehmer dieses Spiels hatten nicht zu beklagen, weder Offizielle noch Journalisten – das hat ganz einfach nur Spaß gebracht“, sagt Wegener in seinem Resümee. Die Brasilianer lobten die gesamte Crew: „Wir haben selten ein so gut organisiertes Spiel miterlebt. Wir sind begeistert von der Stadt und von diesem Stadion.“ Das befanden auch die Dänen: „Es hat super gut geklappt, und dass 51 000 Zuschauer dabei waren, das ist sensationell. Und es war Werbung für diese tolle Arena und für Hamburg.“ In der kommenden Woche spielt Dänemark in Kopenhagen gegen Australien. Für diese Partie sind erst 15 000 Karten verkauft worden. Hamburg zieht. Lars Wegener sagt: „Es war ein voller Erfolg für den HSV, dieses Spiel durchgeführt zu haben – und Lob hört man ja immer gerne.“ Die Hamburger, die ich nach dem Spiel bislang traf, die waren ebenfalls sehr angetan von diesem 3:1-Erfolg der Brasilianer.

Einer, der nicht dabei war, das ist Hermann Rieger. „Hermann the german“ hatte seit Wochen einen Termin bei einem HSV-Fan-Klub in Schaumburg – und freute sich darauf. Auch wenn er die Brasilianer schon gerne mal aus der Nähe gesehen hätte. Aber wenn Hermann auf Achse ist, egal wohin, dann ist das ja ein gutes Zeichen, denn das zeigt ja, dass er voll auf der Höhe ist. „Es geht mir sehr gut, ich kann nicht klagen. Ich war gerade in der Klinik, und da wurde mir gesagt, dass ich nun weniger Tabletten nehmen muss. Sechs Stück weniger, das ist doch schon toll. Und Chemo brauche ich auch nicht mehr, meine Blutwerte sind absolut okay, ich gehe ohne Einschränkung durch den Tag“, sagt der Kultmasseur.

Erst kürzlich zeigte sich Hermann Rieger in Hamburg von seiner besten Seite – bei Lotto King Karl im Stadtpark. Da tanzte Hermann mit einer meisterschale auf der Bühne herum. Später sagte er: „Diese Auftritte sind der Wahnsinn, das ist Gänsehaut pur, dafür danke ich Lotto sehr.“ Am 23. Juni spielt Lotto bei der Kieler Woche auf, Hermann wird auch dann wieder mit von der Partie sein.

Die schlechte, die schlimme Saison des HSV hat Hermann Rieger fast schon verdrängt: „Es ist alles höchst unglücklich für uns gelaufen. Der Umbruch musste kommen, aber es gingen viele erfahrene Leute, es kamen junge Spieler die zu unerfahren waren. Dazu der harte Start mit Dortmund und den Bayern, als das nicht lief, geriet man schnell unten rein – und dann ist das auch eine Sache der Nerven.“

Hermann wird darauf oft angesprochen. Auch bei seinen Besuchen in den Fan-Klubs. „Ich sage da schon, wie ich das gesehen habe, da rede ich nicht um den heißen Brei herum. Ich denke aber auch, dass jetzt alles nur besser werden kann, auch besser werden muss“, sagt er und fügt hoffnungsvoll hinzu: „Das, was sich bis jetzt getan hat, das hört sich doch schon wieder gut an. Es wird bergauf gehen, davon bin ich fest überzeugt.“ Dann sagt er aber auch: „Noch eine solche Saison wie die nun abgelaufene machen die Fans auch nicht mehr mit. Wie sie im vergangenen Jahr zu ihrem HSV standen, wie sie immer da waren, wie sie alles für die Raute gegeben haben, das war sensationell. Eine solche Treue gibt es bei anderen Abstiegskandidaten nicht, so etwas ist einmalig. Dafür danke ich diesen Super-Fans.“

Mit etwas Besorgnis blickt er dagegen auf die Mitgliederversammlung zurück, die zuletzt in der Arena durchgeführt wurde. Hermann: „So turbulent hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Das Klima war nicht gut, das hat mich absolut überrascht, da waren viele verdienstvolle Mitglieder doch schon erschüttert – auch ich.“ Obwohl der Rieger Hermann auch Gutes fand: „Die Saison war schlecht, dem Verein geht es nicht gut, deswegen waren die ehrlichen und klaren Worte, die dort gesprochen wurden, zum Beispiel von Aufsichtsrats-Chef Ernst-Otto Rieckhoff, auch durchaus angebracht. Nur wenn man Klartext spricht, kann man auch die Missstände beseitigen.“ Dann auch zu diesem Punkt noch eine kleine Ergänzung: „Ich hoffe sehr, dass sich bald alle in diesem Verein wieder zusammenraufen werden, es kann doch nicht angehen, dass da gegeneinander geschossen wird. Nur wenn wir uns alle einig sind, kann es auch wieder Erfolge für den HSV geben. Bitte denkt nicht an euch, sondern den HSV.“

Das wäre schon enorm hilfreich. Der HSV befindet sich in einer ganz entscheidenden Phase. Hermann Rieger: „Erst wenn die Verantwortlichen wieder alles im Griff haben, und ich denke, dass sie auf einem sehr guten Weg sind, und wenn sich dann wieder sportliche Erfolge für den HSV einstellen, dann wird es Ruhe geben, und dann wird der HSV auch wieder daran denken können, wieder zur alten Stärke zurückfinden zu können. Es geht, das ist eine alte Weisheit, alles viel, viel leichter, wenn man Erfolg hat. Aber dafür muss man auch was tun.“

Die Chefs arbeiten im Moment daran. Und Hermann sagt: „Ich bin nicht nur guter Hoffnung, ich vertraue auch Trainer Thorsten Fink und Sportchef Frank Arnesen, dass sie das Richtige tun werden. Auch wenn ich natürlich weiß, dass der HSV finanziell nicht auf Rosen gebettet ist. Ist doch klar, früher waren wir fast jedes Jahr in Europa unterwegs, jetzt nicht mehr – das Geld fehlt. Aber dann muss man eben nicht mit Geld einkaufen, sondern mit Auge. Das machen andere Vereine, die auch nur wenig Geld haben, ja auch. Und dann muss man sich eben Mühe geben, dass es keine Fehleinkäufe mehr gibt, die kann man sich jetzt nicht mehr erlauben. Spieler, die jetzt geholt werden, die sollten schon hundertprozentig passen.“

Wäre nicht schlecht.

Übrigens: Hermann Rieger wohnt und lebt weiterhin in Alfstedt. Er hat jetzt eine Haushälterin an seiner Seite. Eine riesige Erleichterung für ihn. Kochen zum Beispiel ist nicht sein Ding: „Da bin ich ganz sicher kein Favorit drin . . .“ Aber so geht es eben Schritt für Schritt wieder bergauf mit unserem Hermann – er macht es dem HSV vor. Und eines Tages, diese Hoffnung hat er auch nicht aufgegeben, will er wieder zurück. Hamburg ist seine Stadt: „Hamburg wird immer mein Ziel sein, ich liebe Hamburg.“ Und? Was sagt er immer dann, wenn er von der Menge gefeiert wird (so wie zuletzt bei Lotto): „Ich liebe euch, ich liebeeeeeee euch!“

So wird es immer sein. Beidseitig.

Kurz noch in eigener Sache:

Bei „Matz ab live“ hatte ich ja – im Trikot der Nationalmannschaft – versprochen, dass derjenige, der am schnellsten errät, welcher Spieler dieses Trikot einst in einem Länderspiel getragen hat, ein HSV-Trikot von mir bekommen wird. Und nun gab es ein „Totes Rennen“. Damit konnte ja keiner rechnen. Das Moderatoren-Team schrieb mir dazu:

Also es war echt knapp.

„von matterhorn” und „wortspieler” haben BEIDE um 20:24 Uhr die richtige Lösung geschrieben. In derselben Minute.
Wortspieler war nur einige Sekunden schneller – aber: Matterhorn schrieb richtig „Thomas Hitzlsperger”, Wortspieler schrieb „Thomas Hitzelsberger”
(also mit „e” und „b”).

Wortspieler:
eingereicht am 26.05.2012 um 20:24
thomas hitzelsberger

Lorenzo von Matterhorn:
eingereicht am 26.05.2012 um 20:24
Letzter Versuch:
Thomas Hitzlsperger Confed Cup 2005

Nun musst du (Dieter) entscheiden.
Ist nur der eine richtig oder ist auch die falsche Schreibweise okay?

Ja, da werde ich mir etwas einfallen lassen müssen. Ich werde noch einmal in meinen Schrank in der Redaktion gucken müssen, um die Lage mit den Trikots zu sondieren. Ich werde mitteilen, wie ich mich entschieden hab.

Und dann gab es noch das. Eine private Zuschrift einer lieben „Matz-abberin“. Sie schrieb u. a. dies:

Im Blog stand neulich, dass Du eine Anregungen für die Sommerzeit für den Blog bekommen hast. Falls Du noch eine brauchst, wäre eine Idee ein “Wunschkonzert”, d.h. frag doch mal Deine Leser, worüber sie gerne mehr Infos hätten, damit Du sie ins Boot holst und Du diese vielleicht etwas maue Zeit gut füllen kannst, denn ich stelle mir das nicht leicht vor, in einer Zeit was zu schreiben, wo nicht viel passiert.

Richtig erkannt, gut erkannt, es gibt ja nicht immer etwas vom HSV. Wer also eine Idee hat, wer etwas wissen möchte, wer etwas anregen will – immer raus damit.
Mit Nähkästchen tue ich mich im Moment schwer, weil ich gerade für das Hamburger „Hinz und Kunzt“ einige Nähkästchen in der in dieser Woche erscheinenden EM-Beilage geschrieben habe. Es wäre ganz toll, wenn ihr euch dieses Heft (mit extra erhöhter Auflage) kaufen könntet, das Hamburger Straßenmagazin wird von obdach- und wohnungslosen Menschen auf der Straße verkauft. Ihr tut also ein gutes Werk.

18.25 Uhr

Deutsch-dänische Blamagen

26. Mai 2012

„Herrlich! Mal ehrlich, das hat doch etwas von einer Weltmeisterschaft, oder?“ HSV-Vorstandsmitglied Joachim Hilke war ganz begeistert von der Atmosphäre im Volkspark. International war es, die Farbe Rot war beherrschen, mit ein wenig Gelb abgesetzt: Dänemark gegen Brasilien. So Rot war das Stadion noch nie. Wahrscheinlich. Aber: Endlich wieder einmal großer und richtiger Fußball in Hamburg, es war einfach nur herrlich. Besonders die weiblichen Fans waren eine Augenweide, speziell natürlich die Damen aus Südamerika. Und dazu dann der Fußball – das hatte schon was. Obwohl mein Freund „Dicki“ mir mit auf den Weg in die Arena gab: „Pass bloß auf, dass die Brasilianer nicht zu gut spielen, denn sonst wissen ja die HSV-Fans, wie richtig guter Fußball aussieht.“

Egal, die Werbung für Hamburg war auf jeden Fall schon mal weltmeisterlich. Von den 40 000 Dänen, die über die A 7 angerollt kamen, könnten sich ja eventuell ein Drittel in die wunderschöne Arena an der Elbe verliebt haben – und kommen dann zur Bundesliga wieder. Vielleicht. Und so ganz nebenbei bekommt der HSV für diese Partie ja auch ein wenig Kleingeld in die leere Kasse: 500 000 Euro. Könnte ja eine kleine Anzahlung für – sagen wir mal – einen Rafael van der Vaart sein. Könnte. Zum Beispiel

Der Rasen top, die Fans friedlich und bestens gelaunt (wenn auch der eine oder andere Däne das Spiel vor dem Stadion auf dem Rasen verschlief – „leicht“, nur ganz „leicht“ alkoholisiert), la Ola (die Welle), das Wetter wie zu herrlichsten WM-Zeiten 2006 – Fußballherz, was willst du mehr?

Nun ja, vielleicht hätte eine etwas bessere dänische Mannschaft zu diesem Sonnabend und vor allem zu diesem Spiel auch ganz gut gepasst. Das war ja erschreckend, jedenfalls eine Halbzeit lang. Sommer-Fußball, was der nördliche Nachbar spielte. Ohne Abwehr, ohne Mittelfeld, ohne Sturm. Und noch einmal ohne Abwehr. Und völlig ohne Tempo. So sollte Dänemark mal bei dieser EM gegen Deutschland auftreten. Werden sie wohl nicht, aber dieser Auftritt wird so manchem Dänen doch zu denken geben. 3:0 stand es zur Halbzeit, 3:0. So deutlich einseitig verlief auch diese Partie. Die Brasilianer waren alle perfekt am Ball (außer Torwart Jefferson, der kam mir wie ein Schmetterlings-Fänger vor!), sie hatten Lust, sie waren alle schnell und hatten Ideen – das war traumhaft. Dafür, dass Brasilien erst für die WM 2014 im eigenen Lande eine neue Mannschaft aufbauen will, war das schon sehenswert – und enorm unterhaltsam. Hulk vom FC Porto schoss im ersten Durchgang zwei Tore, hinzu kam ein Eigentor des Dänen Zimling. Ziemlich bitter gelaufen, wobei sich der frühere Bundesliga-Spieler Poulsen beim 2:0 den Ball abluchsen ließ, und beim 3:0 Agger. Und beim 1:0 ließ Torwart Sörensen den Schuss von Hulk durch die Hosenträger ins Netz fliegen. Das sah schon alles sehr amateurhaft aus – hoffentlich lassen sich die Deutschen davon einlullen. Nimmt man dieses Spiel als Grundlage für eine EM-Partie, könnten man als Löw-Schützling leicht überheblich werden . . .

„3:0 zur Pause für die Heimmannschaft, das hatten wir auch lange nicht mehr“, sagte Lotto King Karl, der gemeinsam mit Dirk Dröge durch das Programm dieses Nachmittags führte. Immerhin aber hatten die Dänen etwas auf Lager, was auch dem HSV gut zu Gesicht stehen würde: Als der Dänen-Torwart Sörensen in der Anfangsphase verletzt war, kam ein „Mediziner“ zu ihm ans und hinter das Tor, hörte sich die Sorgen des Keepers an – und sofort signalisierte der Mediziner per Funk (!) zur Bank, wie schwer diese Verletzung ist. Der Torwart musste wenig später ausgewechselt werden. Aber das war schon neu. So etwas habe ich in der Bundesliga noch nie gesehen, aber ist schnell, effektiver und einfach nur profihaft. Denn sofort nach dem Signal machte sich der zweite Keeper warm . . . Wieder was gelernt.

Was zudem festgehalten werden muss: Das Beste an Dänemark waren an diesem Bilderbuch-Nachmittag die Fans. Die machten erst Stimmung, dann waren sie nach dem 0:2 kaum noch zu hören und zu sehen, doch als sie den Schock verdaut hatten, waren sie voll wieder da: „Danmark, Danmark, Danmark!“ Konnte sich sehen und hören lassen. Trotz der Tatsache, dass sie nach dem Halbzeitpfiff des guten Münchner Schiedsrichter Dr. Felix Brych (unser Mann für die Olympischen Spiele in London) ein riesiges Pfeifkonzert veranstalteten. Aber watt mutt, datt mutt.

Und von den Brasilianer habe ich gelernt, dass es am Zuckerhut tatsächlich doch noch bessere Fußballer gibt, als Thiago Neves und Alex Silva gibt. Die hatte sich der HSV ja einst zu eigen gemacht, aber besser wäre es wohl gewesen, die richtig guten Brasilianer nach Hamburg zu holen – und nicht die dritte Wahl.

Apropos: Bei den Dänen spielte Christian Eriksen mit, der Ajax-Spieler wird ja als großes Talent und als kommender Mann im europäischen Fußball gepriesen, aber so richtig viel war davon in Hamburg nicht zu sehen. Vielleicht lag es ja daran, dass die dänische Truppe allgemein zu schwach war.

Dass das Spiel in der zweiten Halbzeit verflachte, das lag wohl daran, dass die Brasilianer nicht mehr wollten, und die Dänen noch immer nicht richtig konnten. Daran konnte auch das Ehrentor nichts ändern, denn das war irregulär. Bendtner stand bei seinem Abstaubertor im Abseits (71.), aber die Brasilianer reklamierten nicht einmal. Die zweite Halbzeit war dennoch eine Klasse schlechter als die erste.

Egal, denn dann gab es Schweiz gegen Deutschland. Bayern-frei. Und obwohl die deutsche Mannschaft schwungvoll startete, so war das doch eine Enttäuschung, diese Vorstellung der Löw-Bubis. Ein leichtes Training unter Wettkampfbedingungen. Ähnlich wie Dänemark. Deutschland verlor 3:5. Wie einst, 1954, als es ein 3:8 in der Schweiz gegen Ungarn gab.

Alles halb so wild, und wahrscheinlich werden beide Trainer, sowohl Morton Olsen als auch Jogi Löw, unisono sagen: „Wenn wir heute schon in EM-Form wären, dann hätten wir ganz sicher etwas falsch gemacht – nein, nein, wir bemühen uns selbstverständlich um eine Punktlandung zur EM.“ Natürlich, klar Trainer, sowieso. Wobei ja wohl allen klar wie Kloßbrühe sein dürfte, dass diese deutsche Mannschaft ohnehin kein zweites Mal in dieser Formation antreten wird.

Dennoch tat es schon weh, wie diese Gegentore fielen. Beim 1:0 der Schweiz schlief die rechte Abwehrseite, Höwedes lief hinterher, in der Mitte standen Hummels und Schmelzer schlecht – der (Ex-)Leverkusener Derdiyok traf nach Belieben (21.). Und in der 23. Minute traf Derdiyok nochmals. Weite Flanke aus der linke Halbposition, Mertesacker steht schlecht, Dortmunds Schmelzer (der „Ersatzmann“ für unseren Dennis Aogo!) kommt zu spät, und Torwart-Debütant Marc-Andre ter Stegen (Mönchengladbach) blieb auf „halber Höhe Vanilla“ etwas verkümmert stehen – Kopfball, Tor, 2:0 für die Eidgenossen. Immerhin: Hummels verkürzte Sekunden vor der Pause per Kopf auf 1:2 – Pause.

Und nach dem Seitenwechsel gleich 3:1. Derdiyok? Oder der Fast-Hamburger Xhaka mit dem Arm? Wie auch immer, die deutsche Abwehr nahm dänische Züge an – nicht vorhanden. Dabei wäre Mertesacker, der Funkturm, eigentlich prädestiniert, per Kopf dahinten aufzuräumen – aber der Arsenal-Profi machte es nicht. Dafür hatte er wieder einen und seinen obligatorischen „Roller“ im Repertoire. Und der geht so: Wenn Mertesacker viel Zeit und viel Platz hat, dann guckt er wie ein Spielmacher und streichelt den Ball mit der Sohle still vor sich hin – bevor er ihn nach vorne spielt. Das hat einst Franz Beckenbauer so gemacht, aber dem hat man das auch immer abgenommen, nur Mertesacker? Schuster, bleib bei deinen Leisten. Köpfen wäre besser. Und noch besser wäre köpfen, wenn gegnerische Standards in den deutschen Strafraum segeln. Aber gut, Jogi Löw wird es registriert haben.

Wie natürlich auch das Tor zum 2:3. Ein Weitschuss von Schürlle, Benaglio spring (absichtlich? Nein, ein Scherz!)) zur Seite, Tor (63.). Aber ter Stegen wollte das nicht auf sich sitzen lassen, auch er kann Torwartfehler – 2:4 per Kopf von Lichtseiner. Eindeutig ging dieser Treffer auf das Konto des deutschen Torhüters. Und auch Schmelzer sah wieder alles andere als gut dabei aus – aber Aogo ist jetzt im Urlaub.

Um noch einmal auf das Wort Torwartfehler zurückzukommen. Wolfsburgs Benaglio legte dem (Ex-)Mönchengladbacher Reus das 3:4 vor (73.). In der 76. Minute dann endlich mal wieder ein schöner Freistoßtrick. Allerdings der Schweizer. Ist mir rätselhaft, warum das erstens Deutschland nie schafft, und zweitens auch keine (oder kaum eine) deutsche Profi-Vereinsmannschaft. Die haben alle keine Zeit, so etwas ein zu studieren . . . Erst traf der frühere HSV-Spieler Reto Ziegler (der hier nie zum Zuge kam!) den Pfosten, und dann staubte Mehmedi zum 5:3 ab. Es handelte sich bei diesem Treffen in Basel aber nicht um ein Handballspiel. Und die Deutschen kamen ja immerhin direkt aus einem knallharten Trainingslager aus Südfrankreich. Erst die Anforderungen im täglichen Training, dann die Reisestrapazen – da muss man schon Mitleid haben. Aber, wie geschrieben, es geht hier ja um die Löwsche Punktlandung.

So, das war der Fußball-Tag heute, gleich geht es mit „Matz ab live“ weiter, „Scholle“ und ich haben zwei Kollegen zu Gast: Lars Pegelow vom NDR 90.3 und unseren „verlorenen Sohn“, Christian Pletz, der einst von „Matz ab“ (und natürlich dem Hamburger Abendblatt) zu Red Bull Salzburg gewechselt ist. Also bis gleich.

PS: Ich werde zu Beginn eine kleine Frage stellen – ich habe noch ein HSV-Trikot im Schrank, das derjenige erhält, der die richtige Antwort zuerst in den „Matz-ab-Blog“ schreibt.

19.48 Uhr

Großer Fußball in HH: Brasilien – Dänemark

25. Mai 2012

Und schon wieder ein neuer Name. Hamit Altintop, der Mittelfeld-Biene von Real Madrid (einst Wattenscheid 09 – welch ein Unterschied!), soll beim HSV im Gespräch sein. Der Wahrheitsfaktor aber, so würde ich das alles einstufen, liegt für mich nur bei 0,02 Prozent. Obwohl ich den Deutsch-Türken allein deswegen schon gerne beim HSV sehen würde, weil Trainer Thorsten Fink ja einen Mann sucht, der auf der „Sechs“ spielen kann – und gleichzeitig auch das Spiel nach vorne ankurbelt, der Ideen hat, und der dazu auch mit einem mächtigen Schuss Tore aus der zweiten Reihe erzielen könnte. Letzteres fehlt dem HSV ja schon lange und auch total. Nicht umsonst ist Altintop zu Real Madrid gekommen, der kann schon was. Aber erstens werden da ganz andere Klubs, nämlich jene, die viel Geld in der Kasse haben, am Start sein und mit bieten, und zweitens will Altintop mit Sicherheit auch weiterhin international spielen , und das nicht nur in einem Freundschaftsspiel gegen den FC Barcelona. Also würde ich bei dem Thema HSV/Altintop den Ball erneut ganz, ganz flach halten. Schön wäre es ja, allein mir fehlt der Glaube.

Die einzige Personalie, die sich heute beim HSV getan hat ist die, dass wieder ein junger Mann von Bord gegangen ist. Hanno Behrens aus der Zweiten, ein Mann von Rodolfo Cardoso also, wechselt zur neuen Saison in die Dritte Liga, er geht für ein Jahr zum SV Darmstadt 98. Viel Glück! Beim HSV hat der 22-jährige Mittelfeldspieler zuletzt bei der Tingeltour über die Dörfer mitgespielt, war teilweise auch nicht schlecht, aber für „ganz oben“ hat es offenbar noch nicht gereicht. Vielleicht entwickelt er sich ja nun im Hessenland – obwohl der HSV nichts davon hätte, denn Behrens ist nicht ausgeliehen worden.

Mehr tat sich heute nicht beim HSV (jedenfalls weiß ich im Moment nicht mehr!). Ich bin verschiedentlich auf meinen letzten Bericht angesprochen worden, warum ich den Namen Artjoms Rudnevs nicht im Zusammenhang mit Paolo Guerrero gespielt habe – als zweiten HSV-Stürmer? Ich hatte ja eher mit Dirk Kuyt geliebäugelt . . . Und dann gibt es neben Guerrero ja auch noch Heung-Min Son und Marcus Berg. Mal abwarten, wer das Rennen machen wird. Zu Rudnevs: Ich wünsche dem Letten ja viel, viel Glück in der Bundesliga, aber er muss sich in der für ihn neuen Spielkasse ja auch erst einmal durchsetzen und behaupten. Der international erfahrene Norweger Per Ciljan Skjelbred lässt schön grüßen . . . Deshalb warte ich mit Artjoms Rudnevs lieber erst einmal ab, denn nicht alle meine Bekannten, die aus Polen kommen oder sich mit dem polnischen Fußball etwas besser auskennen, sind davon überzeugt, dass uns (dem HSV) Rudnevs auf Anhieb helfen wird. Schön wäre es ja auch in diesem Fall, aber einige „Experten“ sind da schon etwas vorsichtiger.

Aus Polen kamen ja schon einige Spieler zum HSV, als Stürmer waren es Jan Furtok (1988 – 93), Marek Saganowski (1997) und Richard Cyron (1991-92) – alle waren sie Nationalspieler, nur Furtok konnte sich letztlich durchsetzen. Dazu behaupteten sich in der Bundesliga auch die Mittelfeldspieler Waldemar Matysik (1990 – 93) und Miroslaw Okonski (1986 – 88), die zu Stammspielern wurden. Wobei mir Saganowski bis heute ein Rätsel blieb. Er hatte beste Anlagen, wurde später noch Kapitän der polnischen Nationalmannschaft, spielte u. a. für Feyenoord Rotterdam, Legia Warschau, Vitoria Guimaraes, AC Troyes, Southampton und Athen – da hätte ganz einfach mehr kommen müssen. Mehr als Mitläufer waren auch Pawel Wojtala (1997- 98) und Jacek Dembinski (1997 – 01) nicht, in diese Kategorie gehört auch der Stürmer Marek Trejgis (1997 – 99), der es über die Amateure bis in die Bundesliga schaffte, es aber nur auf elf Einsätze brachte.

So, das war kurz ein Abstecher in den internationalen Fußball, an diesem Sonnabend wird es im Volkspark ja noch ein bisschen internationaler – dann treffen um 15.30 Uhr Dänemark und Brasilien aufeinander (live im ZDF). Endlich wieder einmal „richtiger“ Fußball in Hamburg! So sagen es viele Freunde und Bekannte von mir. Wie ungestillt der Hunger nach „Fußball“ in dieser Stadt ist, das zeigt doch die Tatsache, dass das Spiel fast ausverkauft ist. Es kamen heute noch 400 Tickets aus Dänemark zurück, die sind bis zum Abend noch online zu bestellen, ansonsten ist die Tageskasse Nord-Ost von elf Uhr an geöffnet. Rechtzeitiges Kommen sichert noch die letzten Plätze . . . Schiedsrichter dieser Partie ist übrigens der Münchner Dr. Felix Brych – schon lange nicht mehr in Hamburg gesehen, aber bei Abstiegskandidaten werden eben auch keine Spitzenleute eingesetzt.

Zum Thema Dänemark fällt mir im Zusammenhang ein ganz besonderer Tag ein: der 15. November 2000. Da gab der Hamburger Innenverteidiger Ingo Hertzsch sein Debüt für die deutsche Nationalmannschaft, die an diesem Abend in Kopenhagen das Länderspiel gegen Dänemark mit 1:2 verlor. DFB-Teamchef war damals Rudi Völler. Hertzsch machte fast zwei Jahre später auch noch ein zweites Länderspiel (auch unter Völler), und zwar am 21. August 2002 beim 2:2 in Sofia gegen Bulgarien. Dann war Ende mit der ganz großen internationalen Karriere – für den Chemnitzer im HSV-Trikot. Und ich höre heute noch immer so viele „Experten“ sagen, dass Hertzsch ja eher kein Nationalspieler war – und er war es eben und trotz allem dennoch. Die zwei Einsätze (über 90 Minuten) kann ihm niemand nehmen. Und, ganz nebenbei, im HSV-Anhang gibt es ja nicht wenige kritische und überkritische „Fans“, die auch dem einen oder anderen Hamburger mehr grundsätzlich absprechen, ein „richtiger“ oder „verdienter“ Nationalspieler zu sein. Auf Namen verzichte ich lieber. Ich kann aber nur sagen, dass ich mich (als HSV-Fan) über jeden HSV-Profi gefreut habe und freuen werde, der es in die Nationalmannschaft geschafft hat – oder es noch schaffen wird. Über jeden! Denn Nationalspieler wird man ja nicht (nur) deshalb, weil man groß und stark und besonders gut aussieht, sondern weil „Mann“ ja irgendwie und irgendwann auch mal gute oder besonders gute Leistungen gezeigt hat. Oder?

Wo ich gerade bei „Mann“ bin. Es gibt ja immer noch HSV-Anhänger, die sich über die abgemeldete Frauen-Bundesliga-Mannschaft beschweren. Völlig berechtigt, in meinen Augen, ich bedaure das auch sehr. Aber, um das noch einmal aufzuwerfen: Glaubt hier eigentlich noch irgendjemand, dass der HSV immer noch genügend Geld in der Kasse hat? Von wegen der Bilanzen und so! Wenn es noch eines letzten Beweises bedurft hat, dass es in diesem Klub so gut wie „null Kohle“ gibt, dann ist es doch diese Tatsache, dass das Frauen-Kapitel kurz, schmerzlos und ein wenig brutal zugeklappt wurde. Das ist doch ein Debakel und ein Desaster für einen Klub wie den HSV. Ein Offenbarungseid. Oder gibt es auch dazu Einwände?

Zum Thema Vereinspolitik (und was dazu gehört) haben mich auch privat wieder und noch immer viele, viele Mails erreicht – was mich freut. Zeigt es mir doch, dass sich viele HSV-Mitglieder doch ein wenig mehr (und auch sorgenvoller) mit ihrem Verein beschäftigen, als ich noch während der Fortsetzung der Mitgliederversammlung angenommen hatte. Stellvertretend möchte ich dazu einen Brief veröffentlichen, weil ich glaube, dass einige von euch diesem Absender ganz sicher helfen können – indem ihr ihm ein paar Tipps gebt. Los geht es (ungekürzt und von mir unbearbeitet):

„Moin, moin lieber Dieter,

bevor ich Dich mit einer weiteren Frage „belästige”, hoffe ich, dass Ihr, Du und Deine Frau, gesundheitlich wieder voll oben auf seid. Da ich (mal wieder) nicht weiß, wer mir außer Dir auf meine Frage antworten könnte, stelle ich Dir eben diese:

Die Supporters, bei denen ich seit Jahren Mitglied bin, obwohl ich mich seit geraumer Zeit keinesfalls richtig vertreten fühle, stellen sich meiner Meinung nach total quer und blockieren eine positive Entwicklung des Vereins. Ganz kurz, leider gibt es zu den Supporters keine Alternative, sonst wäre diese Alternative meine Wahl. Schließlich möchte ich auf der einen Seite zum Ausdruck bringen, ich bin ein Fan vom HSV. Auf der anderen Seite möchte ich mein Meinungsbild trotzdem irgendwie auch wiederfinden.

Es gibt, so war zu lesen, zwischenzeitlich 71.000 Mitglieder, von denen ca. 53.000 Mitglieder stimmenberechtigt sind. Wäre es nicht eine Verpflichtung der Supporters, eine Umfrage zu starten und deren Mitglieder um deren Meinung zu dem Thema “Fern-/Briefwahl” zu befragen? Offensichtlich gibt es ausreichend Stimmen, die sich dafür aussprechen, die aber die Reise zu einer Mitgliederversammlung nicht antreten können, um ihrer Stimme entsprechend Gewicht zu verleihen.

Die Supporter-Führung um Herrn Bednarek – besteht wirklich ernsthaftes Interesse – die ja die Meinung aller Mitglieder vertritt, müsste sich doch um ein Meinungsbild bemühen.
Es kann doch nicht genügen, zu behaupten, dass man 70.000 Mitglieder vertritt, obwohl es genügend Gegenstimmen gibt. Nicht umsonst wurden doch die „Initiative Pro HSV” gegründet oder eben die „Realos” erfunden. Sollte das wider meinem Empfinden tatsächlich ausreichend sein, dass die Führung der Supporters weiterhin in dieser Hinsicht tatenlos bleibt, welche Möglichkeiten hätte man, um an die einzelnen Adressen zu kommen, um zumindest einen Kettenbrief per e-mail ins Leben zu rufen?

Ein weiterer Gedanke wäre, wenn schon keine Fernwahl zugelassen wird, zumindest einen Bevollmächtigten bestimmen zu können. Und überhaupt, da bemüht man sich, Märkte im Ausland zu erschließen … Und was ist, wenn tatsächlich in China oder Korea Fanclubs gegründet werden? Welche Rechte hätten diese Mitglieder? Stimmentechnisch wohl keine. Verlangt man wirklich, dass diese Mitglieder Tausende von € investieren, um nach Hamburg zu reisen? Es gibt doch jetzt schon Fans des HSV, die im Ausland leben.
Ich wiederhole mich, das kann es nicht sein.

Ich habe das Gefühl, da gibt es eine Führungsebene, die Gleichgesinnte um sich eint. Und diese wenden sich an gewisse Fanclubs, meiner Meinung nach nur, um für ihr Handeln Mitläufer zu finden. Das erinnert mich … na ja. Ich zweifle ganz gewiss nicht an der Intelligenz der SC-Führung, darauf haben sie lange hingewirkt. Steter Tropfen höhlt den Stein, Aber die Leute, die sich vor den Karren spannen lassen, den muss doch eigentlich klar sein, dass sie helfen, dem Verein in seiner Weiterentwicklung zu schaden. Oder denken die überhaupt nicht nach und folgen bloß dem Herdentrieb?

Das betrifft auch das Thema „Aufsichtsrat”. Das die Anzahl der Räte unbedingt reduziert werden muss, sollte eigentlich jedem klar sein. Nimmt man die Verpflichtung von Adler als Beispiel, wie lange hat das gedauert, bis unterschrieben werden durfte?
Die Entscheidungswege sind zu lang.

Wäre es nicht normal, dem Vorstand ein Budget zur Verfügung zu stellen und hierüber frei verfügen zu lassen? Und nur, wenn dieser Betrag aufgebraucht wurde und evtl. ein wenig Geld fehlt, um beispielsweise noch einen guten Spieler zusätzlich verpflichten zu können, dann müssten die hohen Herren angesprochen werden. Man kann doch nicht ernsthaft erwarten, dass fähige Fachleute erst einmal 12 Laien fragen müssen, ob sie das Geld entsprechend anlegen dürfen. Das ist alles so unbefriedigend.

Im Sinne des HSV muss da etwas passieren. Allerdings bin ich da alles andere als hoffnungsvoll.

Nun gut, genug gejammert, ich breche hier ab.

Schöne Grüße, F.

Um zum Abschluss noch einmal auf „meinen“ Fußball zurückzukommen: Ich habe vom „Kicker“ die Unterlagen zur Wahl der „Fußballer des Jahres“ erhalten – und auch schon beantwortet in die Post gegeben. Ich will euch gerne verraten, dass ich in diesem Jahr einen totalen Außenseiter zum „Trainer des Jahres“ gewählt habe – und zwar Jos Luhukay. Grund: Was der Niederländer mit dem FC Augsburg geleistet hat, ist einfach nur grandios zu nennen. Mal ganz ehrlich, wer von euch hat vor Saisonbeginn nicht auch auf den Aufsteiger FC Augsburg als klaren Absteiger getippt? Und sogar Wetten drauf gelegt? Für fast alle war Augsburg doch schon vorher der klarste Verlierer der Saison 2011/12 – wie damals Tasmania Berlin, so hieß es immer wieder und überall. Und dann geht dieser Luhukay so zur Sache, dass er ein kleines (großes) Fußball-Wunder vollbringt. Hut ab! Das soll ihm mal einer nachmachen.

Neben Luhukay standen bei mir noch zwei seiner Kollegen zur Wahl, letztlich aber entschied ich mich gegen Lucien Favre (toll, was er aus dem Abstiegskandidaten Borussia Mönchengladbach gemacht hat!), und ich entschied mich auch gegen Christian Streich, der den SC Freiburg nach dem Abgang von Torjäger Papiss Demba Cisse und in schier auswegloser Lage doch noch gerettet hat. Als Cisse in der Winterpause zu Newcastle United wechselte, da hörte ich überall: „Jetzt ist Freiburg weg!“ Kompliment, Herr Streich, das war im Abstiegskampf einen wahre Meisterleistung. Und das zeigt mir, dass ein Trainer nicht (!) unbedingt den ganz großen Namen haben muss, um zu solch sensationellen Taten fähig zu sein.

Apropos großer Name. Jetzt, wo ich das schreibe, läuft bei Sky (nebenbei) ein Bundesliga-Spiel mit Schalke. Und mit Raul. Schade, dass dieser große Sportsmann die Bundesliga wieder verlassen hat, er war für mich der Größte. Weil er trotz seiner riesigen Erfolge immer hübsch auf dem Boden und ein Mensch geblieben ist. Vorbildlich und zur Nachahmung empfohlen. Und Dank an Felix Magath. Lieber Felix, dass Du ihn einst nach Gelsenkirchen geholt hast, dass Du Dich überhaupt an einen solchen großen Namen herangetraut hast – einsame klasse! Raul von Real Madrid zum FC Schalke, wer hat, als er das damals erstmalig vernommen hatte, nicht an eine Ente geglaubt? Aber manchmal werden (Fußball-)Träume eben auch wahr. Und wenn ich so an Rafael van der Vaart denke . . . Bitte Herr Kühne, bitte helfen Sie. Oder eventuell auch „nur“ mit Hamit Altintop. Der könnte dem HSV sicher auch ein wenig helfen.

PS: In eigener Sache möchte ich schnell noch loswerden, dass „Scholle“ und ich morgen wieder nach dem Länderspiel Schweiz gegen Deutschland mit „Matz ab live“ auf Sendung sind. Es wird, so unser Vorhaben (und falls es keine Absage mehr gibt) ein Journalisten-Stammtisch. Nach dem Schlusspfiff in Basel.

17.41 Uhr

Der neue HSV nimmt Formen an

24. Mai 2012

Am 22. Januar 2012 verlor der HSV 1:5 gegen Borussia Dortmund. Eine schöne Klatsche. Aber wenn sich der HSV danach auf etwas verlassen konnte, dann war es die Defensive – die nicht ganz so schlecht war (wie die anderen Mannschaftsteile). So sahen es auch Trainer und Sportchef, wenn sie nach dem Saisonschluss ihre Fazits zogen. Nun aber scheint es offenbar nicht nur Bedarf zu geben, an Mittelfeld und Angriff zu arbeiten, denn es wird auch an der Viererkette gefeilt. David Abraham soll als Innenverteidiger (vom FC Basel) kommen. Wobei der HSV mit Jeffrey Bruma, der noch ein weiteres Jahr beim HSV bleiben wird (nicht schon jetzt zum FC Chelsea zurück muss), Slobodan Rajkovic, Michael Mancienne und Heiko Westermann ja schon bereits vier Innenverteidiger in seinen Reihen hat. Also wird sich da – natürlich – etwas wird tun müssen. Ich tippe mal darauf, dass Rajkovic, der hier nie so richtig Fuß fassen konnte, noch aus Hamburg „weggelobt“ wird, und dass Bruma die Konkurrenz zu Dennis Diekmeier auf der rechten Verteidiger-Position wird, denn dort hat der 20-jährige Niederländer seine besten Spiele für den HSV gemacht. Und der Kapitän wird eine Position nach vorne geschoben – auf die Sechs. Was ich für gut halte, sogar für sehr gut. Denn auch dort wird sich Westermann hundertprozentig für sein Team einsetzen und zerreißen – so wie er es immer tut, so wie es dort auch immer David Jarolim tat.

Wenn der HSV zuletzt seine Abwehr aus dem ersten Halbjahr 2012 lobte (natürlich mit Nationalspieler Dennis Aogo links), dann könnte ich mit diesem nun neu angedachten Defensivverbund noch mehr leben. Fast alles „Kanten“, die auch im Kopfballspiel nicht so leicht zur Seite zu schieben sind, und die auch ansonsten gut „zulangen“ können. Ja, der HSV 2012 nimmt Formen an. Und Diekmeier, der bislang quasi konkurrenzlos auf rechts war, der wird um einiges zulegen müssen, wenn er weiterhin Stammspieler bleiben will. Konkurrenz belebt das Geschäft, in diesem Fall stimmt es ganz sicher – das wird ein interessantes Duell, Bruma gegen Diekmeier.

Fehlt noch der „Kreative“ im Mittelfeld. Da werden ja immer wieder interessante Namen gehandelt, und das wird sicher auch noch einige Wochen so bleiben. Aus dem „Matz-ab“-Kreis kam schon die Frage, ob der HSV nicht auch Interessen an Christian Eriksen zeigt. „Scholle“, der heute mit Frank Arnesen sprach, hatte den Namen des Landsmannes mal angefragt, aber der Sportchef befand: „Zu teuer, da haben wir keine Chance, da sind Vereine wie Barcelona dran, deswegen kann der HSV da kein Wörtchen mitreden.“ Nach Informationen des holländischen Fußballmagazins „Voetbal International“ ist der HSV auch an Demy de Zeeuw (Spartak Moskau) und Jonathan de Guzman (FC Villarreal) interessiert, aber da behaupte ich einmal: Ball flach halten, und zwar ganz, ganz flach halten. Da ist eher nichts dran.

Wenn rechts offensiv dann Maximilian Beister antritt, links offensiv entweder Marcell Jansen oder Gökhan Töre (falls der nicht noch in die Türkei verkauft wird!), dann fehlt neben Paolo Guerrero noch die zweite Offensivkraft. Dirk Kuyt? Wäre eine Lösung. Und dann hätte der HSV tatsächlich nicht nur ein neues Gesicht, sondern auch eines, mit dem es nicht wieder gegen den Abstieg gehen würde – behaupte ich einmal ganz frech. Apropos Guerrero, der zeigte sich in seiner Heimat mal wieder von seiner guten Seite, denn er schoss Peru zum 1:0-Sieg über Nigeria.

Grundsätzlich aber denke ich zu den Sommer-Aktivitäten des HSV, dass wir noch einige Ein- und Verkäufe in diesem Sommer erleben werden. Auch wenn Thorsten Fink noch kurz vor Saisonende gesagt hatte: „Wir werden nicht tausend neue Leute holen, sondern gezielt einkaufen.“ Es werden vielleicht keine 1000, aber eventuell 100? Weil doch noch der eine oder andere den Weg aus Hamburg finden wird . . .
Warum denke ich da gerade an Mladen Petric? Von dem habe ich heute gelesen, dass er „enttäuscht und verärgert“ über seinen Nationaltrainer Slaven Bilic sei. Wg. Nichtberücksichtigung im EM-Kader. Und dazu passt, dass unsere Sekretärin gerade jetzt eine DVD von Borussia Dortmund (Sport-Bild) von dieser Meistersaison durch den Raum (hin zu einer Kollegin!) trägt. Wenn es eine solche DVD auch vom HSV gäbe, dann könnte Mladen Petric vielleicht ja mal einen Blick riskieren, warum Bilic ihn nicht nominieren konnte. Konnte!

Ein Thema, was mir doch immer noch sehr am Herzen liegt, ist das Thema Arjen Robben. Die Pfiffe am Dienstag, die es beim Testspiel FC Bayern gegen die Niederlande (3:2) für ihn gab, haben ja noch heute eine gewisse Nachhaltigkeit. Völlig berechtigt, wie ich finde, denn ich war auch entsetzt, wie die Bayern mit einem Bayern-Profi umgesprungen sind. Menschenverachtend. Aber sind die Leute von heute nicht so? Ich war schon einigermaßen erstaunt darüber, welche Worte NDR-Sportchef Gerd Gottlob als Kommentator dieses Spiel zu den Pfiffen gegen Robben fand. Gottlob sagte: „Das ist ja erbärmlich.“

Aber es dürfte für einen Hamburger nicht neu gewesen sein, denn, ich hoffe wir erinnern uns alle, auch in Hamburg ist das schon passiert. Zu Beginn dieser Saison wurde der HSV-Kapitän Heiko Westermann im eigenen Stadion von den eigenen HSV-Fans bei jeder Ballberührung ausgepfiffen. Gnadenlos. Und auch erbärmlich. Nur ging das damals nicht durch die gesamte Republik. Und ich hatte damals auch den Verdacht, dass es für die meisten total „normal“ gewesen ist. Spielt ein Mann schlecht, so hat er Pfiffe verdient – ganz egal, ob es einer von uns ist, oder ob er vom Kiez oder von der Weser kommt. So ist sie eben heute, die etwas andere Fan-Kultur. Aber um das mit Gerd Gottlobs Worten zu sagen: „Ich finde das erbärmlich.“

Pfeifen diese Bayern-Fans übrigens auch dann, wenn Robben in der nächsten Saison einen Elfmeter zum 3:2-Siegtor gegen Borussia Dortmund verwandelt hat? Oder jubeln sie tatsächlich? Was ich für abgefahren und total pervers halten würde. Aber auch das würde wohl dazu gehören. Und fast ist es ja auch schon so, wenn wir uns an Manuel Neuer erinnern. Den wollte jeder zweite Bayern-Fan damals nicht. Und heute. Heute jubeln alle! Alles(s) Pharisäer.

Zu dieser ganz speziellen Fan-Thematik gab es heute noch zwei Agentur-Meldungen, die ich euch nicht vorenthalten möchte:

Berlin (dpa) – Die Deutsche Bahn will ausufernde Randale in Zügen und auf Bahnhöfen bekämpfen und hat einen Fußball-Fan-Gipfel initiiert. Das Treffen mit Vertretern der Vereine, des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der Deutschen Fußball Liga (DFL) und Fangruppen soll nach den Vorstellungen des Vorstandes der Deutschen Bahn im September stattfinden. Die Brisanz der Ausschreitungen habe enorm zugenommen, sagte Bahn-Vorstand Gerd Becht, der in Zukunft mehr Charterzüge zu den Spielen einsetzen und die Vereine für Schäden in Mithaftung nehmen will. An diesem Freitag will er sich mit Liga-Präsident Reinhard Rauball treffen.

„Rund 100 000 Fans sind jedes Wochenende mit der Bahn unterwegs. Nur zwei Prozent von ihnen machen Randale – die Kosten für die entstandenen Beschädigungen dadurch liegen im einstelligen Millionenbetrag“, erklärte Becht am Donnerstag in Berlin. Der Bahn-Vorstand bekräftigte aber trotz zuletzt gehäufter Probleme mit gewaltbereiten Fußball-Anhängern und vor dem Hintergrund des Relegations-Skandalspiels in Düsseldorf: „Wir befördern gerne Fans – sie sind unsere Kunden.“

Becht, dessen Unternehmen der Hauptsponsor des Bundesliga-Absteigers Hertha BSC ist, möchte zu Spielen nach niederländischem Vorbild mehr Charterzüge unter Vereinskontrolle einsetzen. Entstandener Schaden könnte so den Klubs in Rechnung gestellt werden. Das liefe dann nach Bechts Vorstellungen so ähnlich wie in der Mietwagen-Branche. „Die Vereine versperren sich aber im Moment noch“, meinte er.

Der Bahn-Vorstand klassifizierte anhand der Bundespolizei-Statistik die Fans von Eintracht Frankfurt, Hansa Rostock, des FC St. Pauli, Dynamo Dresden und des 1. FC Köln als besonders problematisch. Als positive Beispiele nannte er Hertha BSC und Union aus Berlin, Kaiserslautern, Stuttgart, Wolfsburg und Braunschweig.

Und dann auch noch das:

Leipzig (dapd) – Fußballspieler Benedikt Seipel von Regionalliga-Aufsteiger 1. FC Lok Leipzig wehrt sich gegen die eigenen Fans. Der Mittelfeldspieler erstattete nach der Partie seinen Clubs am vergangenen Wochenende bei Fortuna Chemnitz Anzeige gegen Unbekannt. Nach dem Spiel flogen aus dem Fanblock der Leipziger Bengalos in Richtung Spielfeld, eines traf den 25-Jährigen dabei am Kopf.

Der Spieler, der mit seinem Team in Chemnitz den Aufstieg perfekt gemacht hatte und danach eigentlich mit den eigenen Fans feiern wollte, entschied sich zur Anzeige. „Es ist ein Zeichen dafür, dass solche Vorfälle im Fußball nichts zu suchen haben“, erklärte Seipel. Der Verein hat nun um Mithilfe bei der Suche nach dem Täter gebeten, Hinweise können auch anonym gegeben werden.

Zudem schrieb uns noch unser „Matz-abber“ „Alnipe”:

Mir liegt die Jugendarbeit beim HSV sehr am Herzen, u. deshalb hab ich mir mal die Mühe gemacht u. die dt. Jugendmannschaften, die in dieser Woche im Einsatz waren, nach Buli-Zugehörigkeit zusammengezählt.
Quelle, der KICKER von heute.

Im Einsatz waren die U 18, U 16 u. U 15.

VfB – 7 Spieler
Leverks. – 4
Brämen -3
S 04- -3
Köln -3
Bayern -2
Hertha – 2
Mainz -2
Freibg -2
WOB -2
Lautern -2
Club -2
MG -1
96 -1
Eintr. -1
Hoffe -1
Augsbg. -1

HSV – —–
BVB ——-

Jena – 2

Was allerdings mit dem BVB da los ist, weiß ich nicht, aber bei der U 19 wären sicherlich einige dabei. aber egal wir geben hier wieder ein schreckliches Bild ab.

DIETER / SCHOLLE, bitte unbedingt mal den Faden aufnehmen u. die Jugendarbeit bei uns durchleuchten,
und ob uns da jetzt aktuell ein MS weiterhelfen kann, wage ich zu bezweifeln.
Ich nehme eher an, FA kann KEINE Jugendarbeit. Bei Chealski brauchte er die NICHT lernen – oder ist ENGLAND mit Jugendmannschaften in EUROPA führend? Und Nachwuchsspieler bei CHEALSKI – auch Fehlanzeige!!

Lieber „Alnipe“, wir werden uns des Themas einmal annehmen. Nicht heute, nicht morgen, aber in den nächsten Tagen. Versprochen. Weil es ja wirklich auch ganz spannend ist. In diesem Zusammenhang muss ich einmal sagen, dass ich enorm viele Zuschriften bekommen habe, in denen steht, dass wir dieses oder jenes Thema einmal aufgreifen sollten. Auch da war sicherlich einiges dabei, was tatsächlich ein Thema für uns sein könnte – werden könnte. Danke.

Dann ganz kurz noch zum „Scholle“-Beitrag vom Dienstag, er hatte ja Billy Bremner hervorgehoben, weil der so nett die damalige Dortmunder Situation durchleuchtet hatte. Das war aber, das sage ich noch einmal, nicht B. Bremner, sondern Dylan. Danke dafür. Und sorry, Bob, für die Verwechslung. Damit sei auch klargestellt, dass Dylan und B. Bremner nicht eine (dieselbe) Person ist.

17.47 Uhr

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