Monatsarchiv für April 2012

1:1 – aber Drobny und Kacar verletzt (Update 19:00 Uhr: Innenband- und Syndesmosebandriss bei Kacar)

21. April 2012

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Der HSV kann in dieser Saison auf jeden Fall nicht mehr direkt absteigen, das 1:1 beim 1. FC Nürnberg macht es möglich. Es war ein hart erkämpfter Punkt, der mit zwei schwerer verletzten Spielern bitter bezahlt wurde. Jaroslav Drobny schied früh verletzt aus, in der Schlussphase wurde Gojko Kacar mit Verdacht auf Beinbruch vom Platz getragen. Trotz allem scheint der HSV auf dem richtigen Weg, wichtig war, dass im Frankenland nicht verloren wurde. Fünf Punkte und neun Tore hat der HSV nun Vorsprung auf den 1. FC Köln – das müsste doch schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht reichen sollte. Zumal in der nächsten Partie, zu Hause gegen Mainz 05, auch Paolo Guerrero wieder dabei ist – und er hat ja noch viel gut zu machen . . .

Schön war es nicht, aber was soll es? So ist eben das etwas andere Gesicht des Abstiegskampfes, es kann eben nicht immer ein so qualitativ gutes Spiel geben, wie zuletzt gegen Hannover 96. Es ging zu Beginn dieser Partie hin und her, rauf und runter, oft auch hoch hinaus – meistens aber sehr unkontrolliert. Als würden im Frankenland die Weltmeisterschaften im Flippern ausgetragen werden. Manchmal flog die Kugel wie von Sinnen von Mannschaft zu Mannschaft. Merke: auch so vergehen die Minuten. Und wenn der Ball im Mittelfeld hin und her rollt, dann kann er eben nicht (so oft) ins HSV-Tor fliegen.

Auf der Gegenseite hätte der HSV nach zwölf Minuten und 21 Sekunden führen müssen. Jawoll! Führen müssen. Heung Min Son vergab eine Möglichkeit, die kann man eigentlich nicht vergeben. Aber der Südkoreaner, der wieder den Vorzug gegenüber Mladen Petric erhalten hatte, versagte völlig. Freistehend aus fünf Metern schoss, nein, marmelte er FCN-Torwart Schäfer an. Es ist müßig zu fragen, was Petric mit einem solchen Ball wohl gemacht hätte? Der Kroate saß eben draußen . . .

Dann die Szene, die für das große Hamburger Zittern sorgte. Der Nürnberger Pekhart prallte mit Jaroslav Drobny zusammen, der HSV-Keeper sackte mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden (19.). Er versuchte es noch einmal, aber musste aber vier Minuten später vom Platz. Ausgerechnet Drobny, die Bank für den HSV-Klassenerhalt. Für ihn kam Sven Neuhaus, der mit zarten 34 Jahren sein Erstliga-Debüt geben musste.

Von den Nürnbergern, die gut und druckvoll begonnen hatten, war zu diesem Zeitpunkt nicht viel zu sehen. Die wenigen Chancen, die es in diesem Spiel bis zum Pausenpfiff noch gab, die hatte der HSV. Keine Hochkaräter, aber immerhin. Tomas Rincon drosch die Kugel aus 18 Metern auf das Tor der Clubberer, aber leider genau auf Schäfer. Und als Ivo Ilicevic gekonnt Marcus Berg bediente, schlief der Schwede leider ein. Er hätte aus spitzem Winkel treffen können, wurde aber noch eingeholt und entscheiden gestört – nur Eckstoß für den HSV (37.). Die letzte Chance hatte dann noch einmal Rincon. Der Venezolaner hätte direkt aus 18 Metern schießen können, aber er zog es vor, den Ball noch einmal zu stoppen. Die falsche Entscheidung. Rincon „verstoppte“ sich. Und mir fiel dabei ein alter Spruch des ehemaligen Cottbus-Präsidenten Dieter Krein ein: „Unsere Spieler stoppen den Ball weiter, als der Gegner schießen kann . . .“
Halbzeitpause.

In den zweiten Durchgang startete der HSV mit mehr Unternehmungsgeist, auch wenn zunächst Wollscheid mit einem Fernschuss an Neuhaus scheiterte (54.). Drei Minuten später führte der HSV. Marcell Jansen ging links energisch und dynamisch los, lenkte den Ball am Fünfmeterraum noch im Fallen zu Son, der die Kugel aus der Drehung ins Tor beförderte. Welch ein Jubel! Der Klassenerhalt?

Leider noch nicht. Didavi, immer wieder dieser Didavi, schoss den Ausgleich (64.), nachdem zuvor Jeffrey Bruma unter einer langen Flanke durchgetaucht war. Ein bitterer (Stellungs-)Fehler – und so unnötig. Der Ball war so lange in der Luft, da hätte sich der Niederländer schon besser orientieren müssen. Schade, schade.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny hatte nur eine Situation zu entschärfen – und musste dann leider verletzt raus. Gute Besserung!

Sven Neuhaus hatte einen guten Einstand, war am 1:1 schuldlos, ansonsten hellwach und immer im Bilde – gute Partie.

Jeffrey Bruma startete fahrig in dieses Spiel, hatte sich aber schnell (nach zehn, 15 Minuten) gefangen und ließ wenig zu. Überragend im Kopfballspiel – bis auf die eine Szene, die zum 1:1 führte. Ein ganz bitterer Moment für ihn – und für den HSV.

Michael Mancienne auch er wirkte anfänglich nervös, fand dann aber zu jener Form zurück, die ihn zuletzt hat Stammspieler werden lassen.

Heiko Westermann ohne große Fehler, stand meistens goldrichtig – aber nicht so dominant wie in den letzten Spielen. Immerhin, auf ihn ist Verlass.

Dennis Aogo begann ganz stark, emsig, unternehmungslustig, engagiert – und mitreißend. Sein Einsatz, sein Kampf – das ist alles vorbildlich. Nach vorne allerdings mit einigen Leichtsinnsfehlern. Und mit einer Seltenheit, nämlich einem abgepfiffenen falschen Einwurf. Gibt es heute doch eigentlich gar nicht mehr . . .

Tomas Rincon ackerte und rackerte wie zu seinen besten Zeiten, wurde einige Male zurückgepfiffen, wo ich nichts gesehen hatte – aber er ertrug es mit Fassung. Diesmal auch offensiver als sonst, wenn alles gut gelaufen wäre, dann hätte er nicht nur ein Tor schießen können, sondern auch zwei (29. und 45.) – wann hat es das mal gegeben?

David Jarolim sah früh seine neunte Gelbe Karte (insgesamt schon seine 86.!) und musste dann in der 57. Minute vom Platz, für ihn kam Gojko Kacar. Vorher hatte ich auch schon das Gefühl, dass „Jaro“ diesmal nicht alles gelang.

Ivo Ilicevic benötigte 25 bis 30 Minuten, um zu beweisen, dass er mit von der Partie war, dann machte er mit einigen Dribblings auf sich aufmerksam. Insgesamt aber wieder einmal viel zu wenig. Kommt er überhaupt noch einmal? Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir viel Freude an Illicevic haben werden. Und auch Thorsten Fink hat das immer prophezeit. Bislang ist von dieser Hoffnung noch nichts in Erfüllung gegangen (Korrektur 19:00 Uhr).

Marcell Jansen das war ganz okay. Auch wenn ihm im Spiel nach vorne seine frühere Schnelligkeit fehlte. Immerhin war er diesmal auch in der Defensive aufmerksam – und rettete einmal in höchster Not (28.), sonst hätte es wohl 1:0 für den Club gestanden.

Heung Min Son wirkte schon nach 45 Minuten am Ende seiner Kräfte – er pustete mit den Händen in den Hüften kräftig durch. Bis dahin war ihm aber nichts, absolut nichts gelungen – als Höhepunkt die hundertprozentige Torchance in der 13. Minute. Davon wird er noch lange träumen – und ich auch. In der 57. Minute rehabilitierte er sich, indem er das Führungstor für den HSV erzielte. Musste dann in der 84. Minute verletzt vom Platz (umgeknickt), für ihn kam Mladen Petric.

Marcus Berg hatte viele gute Ideen, legte einige Male sehr gut ab, aber oftmals fehlte ihm dann doch die nötige Präzision beim Passen. Im zweiten Durchgang war er aber kaum noch zu sehen – und er spielt oftmals noch zu unfair, so dass auch dadurch schon mancher HSV-Angriff im Keim erstickt wird.

Gojko Kacar ist im Moment unheimlich aggressiv (im Training), fügte sich in diese Partie still und ohne groß aufzufallen ein (für Jarolim). Dann, in der 87. Minute, wurde er zum großen Pechvogel des Spiels. Didavi fiel ihm auf das linke Bein – und Kacar signalisierte sofort: „Da ist etwas gebrochen.“ Die Saison ist für ihn beendet.

17.27 Uhr

Update um 19:00

Pressesprecher Jörn Wolf hat mir folgende SMS zukommen lassen: Knöchelbruch bei Kacar. Links. Dazu Innenbandriss und Syndesmosebandriss. Heute noch oder morgen früh OP in Nürnberg.

Ankündigung: Matz ab live nach dem Nürnberg-Spiel

21. April 2012

Rincon: “Den Sieg über Hannover vergessen”

20. April 2012

Wer stürmt neben oder hinter Marcus Berg? Das war die Frage, die vor dem Auswärtsspiel des HSV beim 1. FC Nürnberg noch offen war. Und wohl bis zum Sonnabend auch noch ein wenig offen bleiben wird. Vielleicht erst dann entscheidet sich Trainer Thorsten Fink mit seinem „Bauchgefühl“ für den einen oder den anderen Kandidaten, denn: Sah es am Donnerstag noch ganz so aus, als würde das Hamburger Sturm-Duo im Frankenland aus Berg und Mladen Petric bestehen, so hatte es heute beim nicht-öffentlichen Abschlusstraining im Volkspark den Anschein, als würde Heung Min Son neben oder hinter Berg angreifen. Der Coach hat die Qual der Wahl. Petric stünde mit seiner Erfahrung parat, Son mit seiner jugendlichen Unbekümmertheit und Frische. Und mit einer Eigenschaft, die Fink zuletzt, nach dem Sieg gegen Hannover 96, besonders herausstellte: „Er ist schnell, kann steil geschickt werden, er geht mutig ab.“ Und von solchen Spieler-Typen hat der HSV bekanntlich nicht mehr ganz so viele . . .
Sollte ich mich entscheiden müssen, so würde meine Wahl an diesem Sonnabend auf Son fallen. Auswärts ist er für mich zurzeit die beste Lösung – zumal ihm sein Sieg-Tor ja auch das nötige Selbstvertrauen (zurück-)gegeben haben könnte. Oder müsste.

Die personelle Lage des HSV insgesamt ist nicht so schlecht, allerdings gibt es in der Defensive doch einige Ausfälle. Mittelfeldspieler Robert Tesche fällt mit einer Muskelverhärtung aus. Zudem werden Verteidiger Dennis Diekmeier (Aufbautraining) und Slobodan Rajkovic (Innenbandzerrung) fehlen. Letztmalig pausieren muss Stürmer Paolo Guerrero, der nach dem Betriebsausflug in den Süden seine (immer noch happige) Sieben-Wochen-Sperre abgesessen hat.

Mit von der Partie in Nürnberg ist aber wieder Tomas Rincon. Er saß heute in kurzer Hose in unserem Kreise – und zeigte so sein lädiertes Schienbein. Der Venezolaner hat ein „dickes Ei“ auf dem Knochen, das sieht nicht gerade gut aus – aber „Popeye“ ist ja ein „Beißer“. Rincon nimmt jeden Tag Tabletten gegen die Schmerzen, und wenn er trainiert oder ins Spiel geht, dann verbindet er die Delle mit einem dicken Verband, und dazu trägt er – natürlich – Schienbeinschützer. Die natürlich nicht davor schützen, dass ihm mal einer gehörig vor das Schienbein tritt. So wie zuletzt 96- Angreifer Didier Ya Konan. Da lag Tomas Rincon dann mit schmerzverzerrtem Gesicht am Boden und hörte die Engelein singen. Er sagt: „Diese Stelle verursacht bei mir Rückenschmerzen, Achillessehnenbeschwerden – da hängt viel dran.“

Rincon spielt seit über einem Jahr „durch“ – wegen der Copa America. Auch deswegen könnte er ein wenig verletzungsanfälliger sein. Aber er tut es quasi mit links ab: „Ich bin ja noch jung . . .“ Nur: Wenn die Bundesliga am 5. Mai beendet wird, dann hat der HSV-Profi noch lange keine (große) Pause. Er muss mit Venezuela noch gegen Uruguay und Chile spielen – am 2. Juni und am 9. Juni. Erst dann darf er an „richtigen“ Urlaub denken.

Doch das alles ist für ihn noch weit weg. Erst einmal zählt nur der Klassenerhalt mit dem HSV. Und da zuerst das Nürnberg-Spiel. „Wir können noch nicht zufrieden sein, nur weil wir gegen Hannover gut gespielt und gewonnen haben. Wir dürfen jetzt nicht nachlassen, wir müssen mit der gleichen Leidenschaft und mit der gleichen Leidenschaft in das Spiel gehen, und mit der Überzeugung, dass wir auch dieses Spiel gewinnen können. Gegen Hannover haben wir das sicher gut gemacht, aber wir können trotz allem mit der Situation nicht zufrieden sein. Das ist vielleicht unser Fehler. Wenn wir einmal gut gespielt haben, dann sind wir vielleicht schon zufrieden – und das geht nicht.“

Das haben längst alle in Hamburg, nein, in ganz Deutschland bemerkt. Sonst würde der HSV ja nicht in den Abstiegskampf verwickelt sein. „Wir haben viele junge Spieler, ich bin auch noch jung, und wir müssen einfach lernen, dass wir aus dieser Saison alle unsere Lehren ziehen. Ir müssen die Gewinner-Mentalität ganz einfach länger behalten, nicht nur für ein Spiel, nicht nur für Spiele wie gegen Mönchengladbach oder auch Bayern“, sagt Rincon und mahnt noch einmal kurz: „Wir sind noch nicht gerettet, wir sollten den Sieg gegen Hannover vergessen und dann alle Kraft bündeln, auch die Konzentration, um in Nürnberg drei Punkte zu holen. Mit einem Sieg wären wir ja vielleicht schon gerettet. Und ich bin der Meinung, dass wenn wir dort zu Null spielen würden, dass wir dann große Chancen hätten, dort zu gewinnen. Oftmals haben wir zu viele und viel zu dumme Gegentore kassiert. Und wenn wir erst ein Gegentor bekommen haben, dann wird es für uns immer schwer, noch einmal zurück zu kommen.“

60 Bundesliga-Spiele hat Tomas Rincon nun schon für den HSV absolviert – ohne ein Tor erzielt zu haben. „Das ärgert mich, aber es ist auch nicht meine Hauptaufgabe“, sagt er und fügt hinzu: „Thorsten Finks Philosophie ist, dass wir Konter des Gegners verhindern sollen, dass wir auf der Sechs gut stehen sollen – und so stehen beide Sechser ja immer ziemlich weit weg vom gegnerischen Tor. Und für das Tore schießen haben wir ja auch andere Spieler, die das können – und machen sollen.“ Deutsch spricht Tomas Rincon, das muss an dieser Stelle einmal erwähnt werden, schon wie ein ganz „Großer“. Ein dickes Kompliment an ihn, das ist einfach nur vorbildlich, großartig, super – und sensationell. Rincon sagt zum Thema Tore auch noch: „Die Philosophie des Trainers gefällt mir, das Problem ist nur, dass wir seit Saisonbeginn schon in einer ganz schlechten Situation sind. Da ist das Selbstvertrauen dann auch nicht besonders groß, dann kannst du nicht einfach mal so locker von hinten heraus nach vorne spielen. Wenn die Situation einmal besser ist, dann werden wir allgemein auch besser spielen können, denn wenn wir unser System wirklich gut spielen, dann ist es bestimmt nicht so einfach für den Gegner, gegen den HSV zu gewinnen.“

Davon aber kann noch keine Rede sein. Erst einmal ist Konsolidierung angesagt – mit dem Schluss, dass am Ende der Klassenerhalt geschafft worden ist. Und dabei sind sowohl Tomas Rincon als auch sein Partner auf der Sechs, David Jarolim, stark gefragt. Geht es nach dem Plan von Sportchef Arnesen, dann wird dieses Sechser-Duo nur noch dreimal für den HSV die „Drecksarbeit“ gemeinsam verrichten – weil „Jaro“ ja vor die Tür gesetzt werden soll. Kurios dabei: Gegen Ende des Jahres hatte es ja immer geheißen, dass Jarolim und Rincon nicht gemeinsam in das HSV-Spiel passen. Entweder der eine oder der andere, aber nicht gemeinsam. Und nun funktioniert das schon in so vielen Spielen so gut. Wir Rincon „Jaro“ vermissen?

„Wenn ich neben ihm spiele, dann habe ich einen Mann mit viel Erfahrung neben mir. Er ist unglaublich clever, er kann den Ball sehr gut halten, gewinnt sehr viele zweite Bälle – wir haben in dieser Saison schon viele gute Spiele gemacht. Wenn Jaro weg ist, dann haben wir einen absoluten Profi verloren, er ist ein Vorbild für die jungen Spieler.“

Noch aber dürfen sie ihre „Jaro-Abschiedstournee“ fortsetzen – morgen zum Beispiel in Nürnberg. „Da müssen wir die Mentalität mitbringen, die wir gegen Hannover hatten: Von der ersten Minute angreifen, den Willen zeigen, dass wir das Spiel gewinnen wollen, nicht zu locker in das Spiel gehen, viel laufen, hart gegen sich selbst zu sein – so gefällt mir unser Spiel“, sagt Tomas Rincon. Er sagt über sich, dass er mit der Konzentration auf diese90 Minuten schon am Abend beginnt, nämlich dann, wenn er ins Bett geht. Und er motiviert sich auch selbst. Schin immer. Weil Thorsten Fink in dieser Woche ja angekündigt hat, dass sich die Spieler mal selbst „heiß machen“ sollten. Was auch voll das Einverständnis von Rincon trifft: „Wir sind ja keine kleinen Kinder, das können wir. Der Trainer kann uns zwar gut motivieren, aber wir könnten und sollten das auch selbst machen. Da sollten die erfahrenen Spieler mal vorangehen. Und wir sollten nicht darauf warten, dass uns immer nur der Trainer pusht.“

Auch Tomas Rincon hält das Spiel seiner Mannschaft in diesem einen Punkt für verbesserungsfähig: es ist zu ruhig auf dem Platz: „Wenn wir zu ruhig sein, dann tut es uns nicht gut. Aber wir machen das ja nicht extra . . . Es würde schon helfen, wenn wir uns während des Spiel gegenseitig anfeuern würden.“ Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Wenn die Ruhe im HSV erst einmal von allen Spielen erkannt worden ist, dann könnte ja gemeinsam dagegen angekämpft werden. Gemeinsam sind wir stark.

So würde es sicher auch ein „alter Trainer-Hase“ sehen: Hans Meyer. Der „Altmeister“ wohnt in der Nähe von Nürnberg, ist morgen aber nicht beim Spiel. Er sagte mir heute: „Wenn es für den Club noch um den Klassenerhalt gehen würde, dann würde ich natürlich dem FCN die Daumen drücken. So aber drücke ich sei dem HSV, denn der HSV gehört ganz einfach in die Erste Bundesliga. Deswegen wünsche ich diesem Traditions-Klub auch dringend, dass er drin bleibt.“ Das ber ist, so Hans Meyer, noch nicht unter dach und Fach: „Der HSV tut sehr gut daran, dass Spiel in Nürnberg sehr, sehr ernst zu nehmen. Ich habe die Mannschaft von Dieter Hecking in dieser Saison oft gesehen und genau verfolgt, er hat aus diesem Team eine sehr gute Einheit geformt – was nicht leicht war nach all den Abgängen zu Saisonbeginn. Hecking hat das aber sehr gut gemacht, und der Klassenerhalt ist geschafft. Das genau aber macht es so schwer für den HSV, denn der Club kann befreit aufspielen – und er kann sehr gut spielen. Das hat zuletzt der 4:1-Sieg über die ambitionierten Schalker gezeigt.“

Hans Meyer sagt abschließend: „Es soll ja keiner sagen, dass Nürnberg nur noch um die Prämie spielt. Das ist absoluter Quatsch. Gerade weil es um die Prämie geht, wird die Aufgabe für den HSV sehr schwer. Kein Fußballer schenkt ein Spiel ab, alle wollen gewinnen – und wenn man ohne Druck spielen kann, dann wird das für den Gegner äußerst unangenehm. Und dass der Club sehr gut spielen kann, das hat er in dieser Saison schon oft gezeigt – nein, nein, der HSV muss schon 100 Prozent bringen, wenn er hier etwas erreichen will.“

Gut, dass das noch einmal ein „neutraler Beobachter“ gesagt hat – falls es Thorsten Fink nicht mehr machen sollte – von wegen „heiß machen“.

So, wir werden morgen – unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Nürnberg – wieder mit „Matz ab live“ auf Sendung sein. „Scholle“ und ich werden dann in der Talkrunde zwei HSV-Spieler begrüßen – einen aktuellen, einen ehemaligen. Letzterer ist „einer von uns“, nämlich der „Master of Grätsche“, Carsten Kober. Und der andere? Lasst euch überraschen – hätte ich fast gesagt. Nein, ich verrate es jetzt schon mal, es wird Dennis Diekmeier dabei sein – wir freuen uns sehr.

17.45 Uhr

Einfach mal nicht nachdenken….

19. April 2012

Neunmal lagen sie schon zurück. Wirklich gut klargekommen sind sie damit nicht. Nur einmal gelang anschließend noch ein Punktgewinn – beim 1:1 in Mönchengladbach sogar einer, der hochverdient war. Die Mannschaft des HSV scheint noch immer fragil zu sein. Nur selten bis (in der Rückrunde) nie konnte ein Spiel über die Runden gebracht werden, ohne dass gezittert werden musste. „Uns liegt es offensichtlich nicht, wenn wir zurückliegen“, sagt Fink, „damit haben wir noch Probleme.“ Umso wichtiger sei es, hinten die Null zu sichern. Das gelang in 2012 drei Mal – davon allerdings zweimal in den letzten vier Spielen. „Wir werden in Nürnberg ganz sicher nicht auf Teufel komm raus stürmen“, sagt Fink und sein Kapitän ergänzt: „Ich weiß auch nicht, warum das so bei uns so schwierig ist, so stark wirkt“, so Heiko Westermann, der deswegen insbesondere defensiv Handlungsbedarf sieht: „Zumal uns ja nach ’ner Führung auch immer wieder das zweite Tor fehlt wird es ganz wichtig sein, hinten wieder so konsequent zu spielen wie gegen Hannover.“

Das gute Gesicht soll es dann also im Spiel bei den gesicherten Franken also sein. Fink: „Nürnberg hat zuletzt gut gespielt, gute Ergebnisse geliefert. Die können befreit aufspielen. Das ist bei uns anders. Selbst wenn wir gewinnen, sind wir noch nicht gesichert. Wir sind noch nicht weiter, wir müssen bis zum Schluss fighten.“ So, wie zuletzt im Training? Fink relativiert: „Ich habe das Training nicht abgebrochen, weil es zu hart wurde. Das war gut. Ich war nur der Meinung, dass wir in der jetzigen Phase nichts riskieren mussten. Da darf man auch mal fünf Minuten früher Ende machen. Ansonsten habe ich eine gute Aggressivität gesehen, die wir mit ins Spiel nehmen müssen.“

Immerhin, heute ließ es Fink ruhiger angehen. Auf beiden Trainingsplätzen wurde trainiert. Vorn (von der Arena aus gesehen) absolvierten die vermeintlichen Reservisten Schussübungen, während auf dem hinteren Platz die vermeintliche A-Elf das Umschalten von Abwehr auf Angriff inklusive Abschluss ohne Gegner übte. Und, interessant dabei war eigentlich nur die Frage, wer im Sturm beginnt. „Ich weiß schon, wie ich spielen will“, hatte Fink noch vor dem Training gesagt, „aber ich will es nicht sagen. Wozu soll ich jetzt schon einen enttäuschen?“ Soll er nicht – hat er aber zunächst. Denn da agierte neben dem offenbar weiterhin gesetzten Marcus Berg Mladen Petric im Angriff, während der zuletzt gute Heung Min Son mit den vermeintlichen Reservisten Schussübungen absolvierte und immer wieder hinüberschaute, was da auf dem Nebenplatz passiert.

Ich muss zugeben, mich würde es sehr überraschen, wenn Son gerade jetzt wieder rausgenommen wird. Immerhin hat er nicht nur eine vernünftige Partie gegen Hannover abgeliefert sondern eignet sich ob seiner Laufstärke auch deutlich besser für ein Auswärtsspiel wie das bei den defensiv sehr disziplinierten aber eben nicht pfeilschnellen Nürnbergern. „Sonni ist der richtige Mann, um zwischen gegnerischer Abwehr und Mittelfeld zu spielen. Er schafft Unruhe, läuft viel und ist für Konter gut“, hatte Frank Arnesen im Wintertrainingslager zusammengefasst. Und er hat Recht. Hinzu kommt, dass Petric im Sommer den Verein verlassen wird – wozu also Petric hofieren und denjenigen vergraulen, auf den man in Zukunft setzen will?

Allerdings bin ich mir sicher, dass auch Fink diese Gedanken hat. Immerhin rief er nach einer Weile Son herüber und schickte Petric zu den Reservisten. Heute in der Konferenz wirkte er ein wenig angefasst. Er versuchte ein wenig zu sehr den rationalen Trainer zu geben. Immer wieder blockte er Fragen oder beantwortete sie möglichst knapp. Angesprochen auf eine fehlende Gallionsfigur im Kader – über den Umweg Raul, der Schalke verlässt, kam diese Frage auf – wirkte er richtig angefasst. „Eine Gallionsfigur? Es sind immer wieder die selben Fragen. Und ich glaube, ich muss wirklich nicht alles beantworten.“ Aber er tat es letztlich doch. „Was meinen Sie genau? Wir könnten einen Frank Rost holen“, so Fink schnippisch. Hintergrund waren die Äußerungen des ehemaligen HSV-Torwarts, der am vergangenen Sonntag im Sport1-Doppelpass beim HSV ein fehlendes Konzept und schlechte Strukturen erkannt haben wollte. „Ein Frank Rost wäre wahrscheinlich so eine Gallionsfigur, oder? Aber glauben sie mir, wir machen uns auch unsere Gedanken. Und wir werden das Richtige machen.“

Hoffentlich. Denn klar ist, dass dieser HSV so nicht noch eine Saison spielen kann. Und wenn man bedenkt, dass mit Drobny, Jarolim und Petric schon mal die drei wahrscheinlich erfahrensten Spieler gehen, ist die Frage nach Erfahrung durchaus berechtigt. Auch wenn sie nach dem 100. Mal vielleicht nervt…

Aber gut, Sportchef Frank Arnesen ist ja schon seit Wochen unterwegs und sucht, spricht, verhandelt. Das sagt er auf jeden Fall. „Für jede Position, die wir neu besetzen müssen, haben wir einen A-, einen B- und einen C-Plan“, so der Däne, der die (noch) unsichere Tabellenlage als einen der Hauptgründe nennt, weshalb bislang erst wenig Vollzug vermeldet werden konnte. Zudem wird Arnesen trotz des neuen TV-Vertrages, der dem HSV rund zehn Millionen Euro mehr als zuletzt in die Kassen spülen wird, auch in diesem Sommer nicht viel ausgeben dürfen.

Aber auch das ist noch nicht vorrangig, darüber können wir uns Gedanken machen, wenn wir den Abstiegskampf hinter uns haben, wonach es auch bei einem Sieg in Nürnberg noch nicht aussieht. Zumindest kann ich mir nicht vorstellen, dass Lautern bei Hertha was reißen kann. „Wir wollen in Nürnberg was mitnehmen“, sagt Westermann, „und wenn es ein Punkt ist, dann den. Und gegen Mainz am kommenden Wochenende wollen wir dann alles klar machen.“

Und dafür wird Fink tatsächlich nichts (außer vielleicht im Angriff eine Position) ändern müssen, nachdem heute auch Jeffrey Bruma seine Knieprobleme überstanden hat und normal schmerzfrei mittrainierte. Selbst Drobny mischte wieder fleißig mit, nachdem er sich alle Finger mit Tape-Verband hatte verbinden lassen. Ich habe kurz seine linke Hand gesehen, ehe sich der Tscheche in den Torwandhandschuh quälte. Da war mehr Verband als Haut zu sehen. Aber er quält sich. „Bei uns ist wirklich Feuer drin“, sagt Westermann, „man sieht jetzt, dass eine große Anspannung da ist und sich keiner ausruht. Ich versuche da vornewegzumarschieren. Ich habe mit lauten Ansprachen dagegengehalten – und wie man in den letzten Wochen gesehen hat, funktioniert es wohl. Alle ziehen mit – und nur so kommt man da unten raus.“ Wie der seit Wochen mit einem Sehnenriss in der linken Hand angeschlagene Drobny.

Aber auch das soll mir egal sein, solange Drobny weiter so gut hält wie zuletzt. Denn, und das muss man ihm hoch anrechnen, bei allem Theater um den Transfer von René Adler zum HSV hat sich Drobny nie hängen lassen. Im Gegenteil, für mich ist er bislang vor David Jarolim der Spieler der Rückrunde. Hoffentlich unterstreicht Drobny das in Nürnberg, indem er die Null hält.

In diesem Sinne, heute möchte ich den Blog mit DEM Zitat der Pressekonferenz von heute beenden. Es kommt von Heiko Westermann. Angesprochen auf die mentale Drucksituation antwortete er: „Mein Ergebnis der letzten Wochen ist es, nicht mehr so viel nachzudenken.“ Und (Achtung, nicht ganz ernst gemeint) ich glaube, das können nicht nur er sondern die meisten sehr gut…

Bis morgen,
Scholle

P.S.: Morgen wird wieder einmal nicht öffentlich trainiert. Anschließend geht es um 15.05 Uhr per Flieger nach Nürnberg, wo die Mannschaft im „Le Meridien“ gastiert.

P.P.S.: Der HSV hat die Lizenz für die kommende Saison ohne Auflagen erhalten.

Berg kommt ins Rollen: “Es passt endlich alles”

18. April 2012

Da war mächtig Dampf drin. Zu viel am Ende sogar, wie Trainer Thorsten Fink befand, als er das Training nach etwas mehr als einer Stunde vorzeitig abbrach. Zuvor musste Jeffrey Bruma mit einem dicken Knie im Golf-Kart abtransportiert werden und ein lautstarker Zoff zwischen Gojko Kacar und Gökhan Töre von Dritten geschlichtet werden. Das Pikante an letzterem: die beiden Streithähne waren in derselben Mannschaft…

Aber gut. Der erste Verdacht auf Bänderriss bestätigte sich bei Bruma glücklicherweise nicht, stattdessen wurde nur eine schmerzhafte Prellung festgestellt. Der Niederländer soll schon am Donnerstag wieder trainieren können und auch zwischen Töre und Kacar soll nach einer kurzen Aussprache alles wieder geklärt sein.

Und wisst ihr was: DAS ist, was ich schon seit Wochen erwartet hatte. Ich hatte gedacht, dass es viel früher und häufiger intern knallt. Ich hatte es sogar gehofft. Zum Verständnis: Nicht, dass ich mutwillig herbeigeführte Verletzungen gutheiße, nein! Ich hatte vielmehr auf eine positive Aggressivität gehofft, auf klare Ansagen an alle die, die mal für eine Sekunde ein Prozentpünktchen weniger geben. So genannte „Reinigende Gewitter“ eben. Dass es erst jetzt so weit ist – es macht mich zumindest für die (hoffentlich vorentscheidende) Partie in Nürnberg optimistisch. Und das reicht mir für den Moment. Dass Fink dabei auf die Mannschaft aus dem Hannover-Spiel setzen kann – umso besser.

Dazu zählte auch Marcus Berg. Ich habe mich heute zusammen mit meinem Kollegen Florian Heil mit Berg getroffen. Und ich war sehr positiv überrascht. Berg ist längst nicht mehr der schüchterne, introvertierte Typ von vor einem Jahr. Damals brauchte ich 30 Minuten, ehe Berg mir die erste Frage nicht mehr nur mit „ja“ oder „nein“ beantwortet hatte. Ich spürte damals, wie skeptisch Berg war, wie verfolgt er sich fühlte, nachdem er schon als teuerster Fehleinkauf der Vereinsgeschichte abgeurteilt worden war. Heute ist das anders, das Gegenteil ist der Fall: Der Schwede ist selbstbewusst, locker und gesprächig. Und das in nahezu perfektem Deutsch. „Skandinavier lernen das schneller, weil unsere Sprachen recht ähnlich sind“, so Berg, dessen letzten Einsätze zu gefallen wussten. Wobei Berg selbst noch nicht zufrieden ist. „Ich muss noch mehr zum Abschluss kommen, deutlich mehr Tore erzielen.“ Allerdings sei die Situation zu ernst, um sich länger mit sich selbst zu beschäftigen. „Erstmal die Klasse sichern – dann können wir uns um Einzelschicksale kümmern…“

Dabei ist Berg noch vor ein paar Wochen nicht davon ausgegangen, dass sich die Saison für ihn doch noch mal zum Guten wenden würde. „Der Trainer schien nicht wirklich mit mir zu planen“, so Berg, dem Fink lange Zeit nachsagte, er sei nach seiner Schulterverletzung noch zu zaghaft und zu ängstlich in den Zweikämpfen. „Dabei hatte ich das Gefühl, ich sei gut drauf.“ Umso überraschter war er, als Fink ihn vor dem Heimspiel gegen Freiburg zum Gespräch bat. „Ich habe anschließend sehr gut trainiert und war froh, wieder dabei zu sein.“ Zwar wurde das Spiel 1:3 verloren, aber Berg zeigte in seinen 45 Minuten, dass er helfen kann.

Seither hat Berg fünfmal in Folge von Beginn an gespielt, dabei ein (extrem schönes) Tor geschossen. Und der Schwede überzeugte nicht nur Fink. Was sich für ihn verändert hat? „Vieles“, lacht Berg, „ich bin deutlich selbstbewusster als zu dem Zeitpunkt, wo ich nach Hamburg gekommen bin.“ Damals, im Juli 2009, hatte Berg nach eigener Aussage massive Probleme, sich in Hamburg einzuleben. „Ich kam allein und war allein“, so der Schwede ehrlich, „der Trainer war gut, aber er sprach kaum mit mir. Wie auch? Er konnte kaum Englisch, ich kaum Deutsch. Aber das war ein Problem, denn sportlich lief es nicht wirklich rund für mich und ich brauchte Feedback, das ich nicht bekommen habe. Genau das ist heute alles anders.“

Heute hat Berg mit seiner Freundin, die bei ihm in Winterhude lebt, eine gesunde, zehn Monate alte Tochter Jolie. Er hat sich ein soziales Netzwerk aufgebaut, das auf persönlichen Treffen und Unternehmungen basiert und nicht mehr allein von telefonischem Trost lebt. Den hatte sich Berg lange Zeit bei seinem Bruder geholt, der selbst als Fußballprofi in der zweiten schwedischen Liga spielt und als einziger Halt fungierte. „Wir telefonieren heute noch immer sehr regelmäßig“, sagt Berg. Allerdings heute mit erfreulichen Inhalten. „Sein Kind ist drei Monate älter als meine Tochter und wir reden viel über die Familie“, sagt Berg und man merkt, wie glücklich der 25-Jährige derzeit ist. Sportlich – weil privat alles stimmt. „Ich bin ein sensibler Mensch“, sagt Berg, „aber ich habe zu Hause Halt. Wenn ich im Stadion auf dem Platz oder beim Training bin, bin ich der Fußballprofi, der an nichts anderes als Fußball denkt. Aber sobald ich mich ins Auto setze und nach Hause fahre, bin ich nur noch der Papa Berg. Ich lebe zwei ganz unterschiedliche Leben in einem.“ Und genau diese Abwechslung ist es, die Berg desensibilisiert hat. „Ich gebe heute nichts mehr auf das, was andere über mich schreiben oder sagen. Ich mache mir keinen Kopf mehr. Ich arbeite hart und weiß, dass es sich lohnt, dass ich irgendwann dafür belohnt werde.“ Was für eine Belohnung er sich erhofft? Berg lächelt, zögert und sagt: „Eigentlich darf man das in unserer Situation nicht sagen, aber ich setze darauf, mit Hamburg einen Titel zu holen. Dieser Verein ist so groß, hat so viel Potenzial – schon bei meiner Unterschrift 2009 war ich mir sicher, dass wir hier etwas holen können.“ Zwar sei das im Moment nur der Klassenerhalt, aber schon in der kommenden Saison hofft Berg auf einen Schritt nach vorn. „Wir haben viele 18-, 19-jährige Spieler, die sich gerade entwickeln. Im nächsten Jahr sind wir ein Jahr weiter. Und wenn sich nicht allzu viel verändert, werden wir eingespielter sein, dadurch besser werden. Wir haben schon dieses Jahr eine gute Mannschaft, eine bessere als viele andere in der Liga. Allerdings war es ein großer Umbruch und wir haben nicht das umsetzen können, was wir von uns selbst erwartet haben. Aber ich bin mir sicher, dass wir nicht noch so eine Saison spielen werden.“

Berg macht Spaß. Dass er ein sehr sympathischer Typ ist, war immer klar. Ebenso, dass er vor dem Tor extrem kaltschnäuzig ist. Aber dass der Schwede beim HSV nach den bislang verpatzten zweieinhalb Jahren noch mal selbstbewusst auftritt, war lange Zeit fraglich. Heute tut er es. Und er fasst es folgendermaßen zusammen: „Ich bin 2009 als junger Spieler in eine Mannschaft mit vielen älteren Spielern mit großen Namen gekommen. Ich hatte Probleme, mich sportlich und privat einzufinden. Aber ich habe immer gewusst, dass ich Bundesliga spielen kann. Heute bin ich einer der älteren Spieler und habe eine neue, gute Rolle. Ich spiele endlich. Und auch wenn ich noch zu wenig treffe, ich kann endlich sagen, dass Hamburg meine Heimat ist. Es passt endlich alles zusammen.“ Wo das hinführen kann? „Wenn ich immer spiele, meine feste Rolle im Team habe, glaube ich an zehn Tore pro Saison.“ Zumindest sei das sein Minimalziel.

Klingt gut. Sehr gut sogar, wie ich finde. Zumal Berg – und legt ihm das bitte nicht negativ aus, weil wir ihn mehrfach bitten mussten, bis er überhaupt darauf reagierte – noch immer einen großen Traum hat: „Ich habe bei meiner Unterschrift beim HSV gesagt, dass ich mit diesem verein einen Titel holen werde. Und daran glaube ich noch immer.“

In diesem Sinne, wissend, dass es ein verdammt weiter Weg ist, hoffe ich einfach mal, dass Berg Recht behält. Morgen wird um 15.30 Uhr an der Imtech-Arena trainiert.

Scholle

P.S.: Angesprochen darauf, wie viele Tore er machen würde, wenn er für Real Madrid (Ronaldo hat 41 ! Ligatreffer) oder Barcelona (hier hat Messi 41-mal getroffen) machen würde lachte Berg laut. „Was Messi und Ronaldo machen, ist eine andere Sportart. Die ist nicht von dieser Welt. Die beherrschen nur die beiden“, so der Schwede, der bei allem neuen Selbstvertrauen eine gesunde Portion Selbstkritik besitzt: „Nein, ich bin beim HSV selbst dafür verantwortlich, mich zu steigern. Ich muss mich noch mehr in die Situationen bringen und zum Abschluss kommen.“ Dafür sei eine Umgewöhnung nötig. „Beim PSV Eindhoven sollte ich die Bälle mit dem Gegner im Rücken festmachen, ich sollte anderen Lücken reißen. Das lag mir nicht so. Jetzt, unter Fink, ist das anders. Er gibt mir neue Ideen. Bei ihm soll ich die Lücken selbst suchen und möglichst oft zum Abschluss kommen. Und daran arbeite ich“, so Berg, der lachend hinterherschob: „Und das mache ich so lange, bis ich auch mal 41 Saisontore habe…“

Fink: “Ich lobe hier ganz sicher keinen”

17. April 2012

Und plötzlich lagen zwei. Zuerst traf es Tolgay Arslan am linken Knöchel, dann Gökhan Töre, den Dennis Aogo bei einem länger anhaltenden, kernigen Zweikampf mehrere Male von hinten traf, ehe er ihn zu Fall brachte und ihm dann auch noch – ganz sicher unbeabsichtigt – unglücklich auf die Ferse trat. Die beiden Techniker mussten jeweils behandelt werden – sie werden aber zum Glück nicht ausfallen, auch wenn Töre am Nachmittag geschont wurde. „Wie es aussieht, werden alle Mann an Bord sein“, freute sich Trainer Thorsten Fink heute, nachdem auch Dennis Diekmeier vor dem Mannschaftstraining mit Reha-Coach Markus Günter den letzten Belastungstest bestand. „Dennis wird schon morgen ins Mannschaftstraining einsteigen“, so Fink. Ob der Rechtsverteidiger auch schon am Sonnabend gegen seinen Ex-Klub Nürnberg wieder dabei sein kann? Diekmeier selbst („Das wäre ein Traum, da ich schon letzte Serie das Spiel in Nürnberg verpasst hatte“) hofft Diekmeier, und auch Fink schließt eine Nominierung des Rechtsverteidigers zumindest für den 18-Mann-Kader nicht aus. Allerdings sagt der Coach auch: „Ich habe nicht viel Grund, die Aufstellung zu verändern, da die Mannschaft gut gespielt hat.“

Genau genommen geht es sogar nur um eine Position im Angriff, nachdem Mladen Petric heute wieder voll mittrainieren konnte. „Ich habe ja noch ein paar Tage Zeit bis zum Spiel am Sonnabend. Und warum sollte ich jetzt schon jemanden unnötig enttäuschen? Ich schaue genau hin und entscheide dann.“

Klingt logisch. Zumal die Ausrichtung in Nürnberg verschiedene Varianten zulässt. Wobei ich Heung Min Son nicht wieder rausnehmen würde. Und das meine ich nicht nur, weil er getroffen hat, sondern weil er das mit Abstand größte Laufpensum sowie das höchste Tempo der vier (Arslan hinzugerechnet) möglichen Angreifer mitbringt. Son ist der für Konter geeignetste Angreifer – was sicherlich auch relativ zu betrachten ist. Aber in Anbetracht seiner Form aus dem Spiel gegen Hannover traue ich ihm auch bei den sehr diszipliniert defensiv arbeitenden Franken einiges zu. „Sonni hat das gemacht, was er machen muss: ein Tor“, lobt Fink vorsichtig, um nachzulegen: „Aber er hat gesehen, dass sich seine Geduld auszahlt. Das hat gut geklappt.“ Zumal im Verbund mit Marcus Berg, der immer besser in Tritt kommt und heute von Trainer Fink ausdrücklich gelobt wurde: „Marcus zeigt hervorragende Leistungen. Ich bin sehr froh, dass er da ist.“

Wir auch. Oder zumindest ich bin es. Denn so sehr ich auf den Schweden geschimpft habe, nachdem der sich seit der Wintervorbereitung wochenlang hängengelassen hatte, so positiv überrascht bin ich jetzt. Berg scheint der plötzliche Sinneswandel Finks gut bekommen zu sein. Sehr gut sogar – und auch das muss erwähnt werden. Denn Berg bringt sich ins Spiel an, er macht Bälle fest, er verteilt sie – und er kommt zum Abschluss. Gegen Hannover hatte er zwar nicht so viele Szenen – aber allein der Linksschuss aus schwierigem, spitzen Winkel in der zweiten Halbzeit zeigt seine Qualität: den Abschluss. Denn Fakt ist, dass Berg immer – auch in den schlechten, emotionslosen Trainingseinheiten – der Stürmer beim HSV war, der im Abschluss am coolsten blieb und die meisten Dinger einnetzte. Und für seine Kritiker: Berg wird sicher nie ein Messi oder eine Tormaschine wie Gomez. Er wird seine völlig maßlose Ablösesumme vielleicht auch nie rechtfertigen können – aber das muss er auch nicht. Den Preis hat nicht er sondern die beiden Vorstände gemacht. Mir reicht schon, dass Berg die große Lücke, die Guerreros Rote Karte gerissen hatte, einigermaßen schließen kann.

Wobei ich tatsächlich sehr gespannt bin, was Fink macht, wenn Guerrero gegen Mainz wieder dabei ist. In Nürnberg ist der Peruaner noch gesperrt, anschließend spielt der HSV am Dienstag beim MSV Pampow, einem Verbandsligisten aus Mecklenburg Vorpommern im Schweriner Stadion am Lembrechtsgrund. Vor allem natürlich, um den Spielern, die zuletzt nicht so oft zum Einsatz kamen, Spielpraxis zu geben. Allen voran Guerrero. „Er braucht das Spiel“, so Fink, „und wir brauchen ihn anschließend.“

Ein nettes Kompliment – das Jeffrey Bruma mit verändertem Wortlaut heute auch einstreichen durfte. Und das, obwohl Fink betont hatte, die Mannschaft in dieser Woche bewusst nicht für das Hannover-Spiel loben zu wollen, sogar in der Mannschaftssitzung nur noch auf den nächsten Gegner eingehen zu wollen. „Ich werde hier ganz sicher niemanden explizit loben, weil ich diese massiven Schwankungen nicht mehr sehen will. Spiele wie in Hoffenheim nerven mich. Ich werde die Woche halten, wie vor dem Hannover-Spiel. Da habe ich der Mannschaft gesagt, worauf es ankommt und dass nicht ich dafür verantwortlich bin, jeden einzelnen heiß zu machen. Ich habe Selbstverantwortung gefordert, die Mannschaft war und ist am Zug. Ich lasse mich überraschen.“ Er selbst werde nur noch auf den nächsten Gegner einstimmen. „Ich gebe die Richtung vor – und die Mannschaft die Haltung auf dem Platz.“

Dennoch ließ sich Fink im Falle Jeffrey Bruma zu einem gesonderten Lob hinreißen. Für den Niederländer, der zuletzt für negative Schlagzeilen gesorgt, nachdem sich der Mannschaftsrat wegen mangelnder Einstellung des Niederländers gegen ihn und für Michael Mancienne in der Innenverteidigung ausgesprochen hatte. „Jeff macht seine Sache als Rechtsverteidiger überraschend gut“, sagte Fink, ehe er erklärte: „Dass er die Position so gut spielt, hätte ich tatsächlich nicht gedacht. Überraschend ist es für mich deshalb, weil er die Position sehr komplex ausfüllt. Gerade im Verbund mit Michael Mancienne harmoniert das. Er versucht sich einzubringen, ist zudem kopfballstark und gibt uns damit zusätzlich Sicherheit bei Standards und hohen Bällen.“ Zum Thema Einstellung des niederländischen Nationalspielers wollte Fink entsprechend auch nicht mehr viel sagen. Stattdessen nahm er Bruma in Schutz: „Da müssen wir den Ball auch mal flach halten. Jeff ist 19 Jahre alt. Und in dem Alter macht man noch Fehler, da twittert man mal was Unüberlegtes oder sagt das Falsche zur falschen Zeit. Aber bei Spielern in dem Alter sind wir in der Pflicht, ihm zu helfen. Und wenn das dann angenommen wird, ist auch alles gut. Dann muss ich nicht wochenlang darauf rumkauen.“ Klingt, als hätte Bruma den Hieb verstanden und seither erfolgreich Wiedergutmachung betrieben.

Und einmal dabei, wollte Fink auch den zweiten Stabilisator der letzten Wochen nicht vergessen: Michael Mancienne. Der Engländer, der mit den Wolverhampton Wanderers in der Premier League Erfahrung im Abstiegskampf sammelte, zählt momentan sicherlich zu den konstanteren Spielern. „Er spielt sehr solide“, so Fink, „man kann von ihm keine Überdinge erwarten, aber er macht eben auch kaum bis keine Fehler. Er entwickelt sich gerade sehr, sehr gut. Er ist einer der Konstantesten bei uns. Und genau diese Konstanz will ich in den nächsten Wochen und Monaten sehen. Schaffen wir das, werden wir in Zukunft eine sehr gute Abwehr haben.“

Zum Thema Zukunft wollte sich Fink ansonsten nicht weiter äußern. Mein Kollege Lars Pegelow setzte noch mal – und in meinen Augen mehr als gerechtfertigt – mit dem Thema David Jarolim an, handelte sich aber eine ausweichende Antwort Finks ein: „Bevor wir nicht gesichert sind, werde ich über dieses Thema nicht reden. Ich kann nur immer wieder sagen, dass ich mit ihm zufrieden bin. Jaro war auch gegen Hannover wieder heiß. Fast schon zu heiß. Er will definitiv nicht der Erste sein, der mit dem HSV absteigt.“ Auf die Nachfrage, ob der HSV mit Drobny, Petric und auch Jarolim am Ende vielleicht zu viel Erfahrung weggibt, wich Fink erneut aus: „Ein Messi ist auch noch keine 32 und trotzdem schon sehr erfahren.“

Trotzdem, das gab Fink zu und spielte damit auch auf Jarolim an, sei klar, dass Erfahrung sehr wichtig und hilfreich ist. Am besten zu erkennen am Beispiel Gökhan Töre. Der dribbelstarke und von den Fans zum Spieler der Hinrunde gekürte Linksfuß ist inzwischen nur noch Ersatz. Weil er nicht verstanden hat, worauf es jetzt ankommt. „Im Abstiegskampf ist wenig Platz für Experimente“, spielt Funk auf die riskante Spielweise Töres an, „da musst du viel arbeiten, viel kämpfen.“ Und das sei bei Töre nicht zwingend ein Erkennungsmerkmal. „Aber mir ist auch klar, dass Spieler wie er andere Schwankungen haben als erfahrene Spieler. Gerade bei den Jungen ist es oft so, dass sie von einem überragenden in ein ganz schwaches Spiel fallen, während die etwas erfahrenen – nicht zwingen alten – Spieler das besser kompensieren und eben gut und nicht ganz so gut spielen. Mit der gewissen Erfahrung weißt du deine Leistung einigermaßen zu konservieren.“

Wie viele hier hoffe auch ich, dass der HSV zunächst seine Hannover-Leistung konserviert – oder bestenfalls noch ausbaut und in Nürnberg den Klassenerhalt besiegelt. Schon allein, um dem Sportchef und den angefragten Spielern eine bessere Entscheidungsgrundlage zu geben. Denn die braucht der HSV, um sich bei der Kaderplanung nicht noch einmal so zu verschätzen. Aber das ist ein anderes, sehr interessantes und abendfüllendes Thema, das wir nach dem Klassenerhalt besprechen sollten…

In diesem Sinne, bis morgen. Da wird im Übrigen entgegen der ersten Ansagen nur einmal um 10 Uhr morgens trainiert, weil um 17 Uhr schon das kleine Stadtderby in der Imtech-Arena steigt.

Scholle

P.S.: Jaroslav Drobny wurde heute geschont, Robert Tesche fiel wegen eines Magen-Darm-Infektes aus und Gökhan Töre pausierte am Nachmittag, ließ sich behandeln. Alle drei sollen aber am Wochenende wieder einsetzbar sein.

Dänen lügen nicht . . .

16. April 2012

Thorsten Fink ist ja in dieser Beziehung eisern. Er sagt nichts zu neuen Spielern und zur neuen Saison. Und das ist auch gut so. Erst einmal muss diese Spielzeit noch anständig beendet werden, bevor man sich über die Zukunft des HSV auslassen kann. Wie gesagt, Fink ist und bleibt beharrlich: „Ich sage nichts über Spieler, die noch nicht beim HSV sind.“ Etwas anders sieht das allerdings der Rauten-Sportchef. Dessen Motto: Dänen lügen nicht. Frei nach Michael Holm – oder so. Frank Arnesen haut immer raus. Ihm wird eine Frage gestellt – und der Sportchef antwortet – meistens jedenfalls – wahrheitsgemäß. So auch am Sonntag, als er Gast des „Sportclubs live“ beim NDR in Lokstedt war. Moderator Gerhard Delling fragte nach neuen Spielern für die neue Saison: „Wo sind die Leitwölfe, wo sind die Führungsspieler für die nächste Spielzeit in der ersten Bundesliga?“ Fink hätte geantwortet: „Abwarten, darüber rede ich noch nicht. Noch stehen wir im Abstiegskampf.“ Arnesen antwortete entwaffnend ehrlich: „Ich glaube sowieso, dass wir nicht so viele neue Spieler brauchen. Wir müssen neue Spieler kaufen, das wissen wir, aber so viele, wie zuletzt, 14 Spiele weg, sieben, acht hinzu, das wird es nicht wieder geben.“ Delling: „Aber ein bisschen was muss und wird sich ja ändern, oder?“ Arnesen: „Was wir in diesem Moment wissen, ist das: Wenn alles gut geht, dann kommt Rene Adler.“ Delling: „Was muss denn noch alles gut gehen?“ Arnesen: „Wir sind noch nicht klar. Es sind noch drei Spiele zu spielen. Es sieht gut aus, aber wir haben drei Finals noch zu spielen. Es sieht im Moment gut aus, aber im Fußball ganz so viel und so schnell etwas passieren. Wir müssen noch Punkte holen.“

Frank Arnesen ging dann beim NDR ans Eingemachte: „Wir haben auch einen neuen Stürmer, den wir verpflichten wollen, das ist der Lette Rudnevs. Dazu kommt Beister noch aus Düsseldorf zurück – und wir suchen, ganz geheim, einen kreativen Mittelfeldspieler.“ Und mehr Spieler wird es in diesem Jahr beim HSV nicht geben. Denn auch Gerhard Delling sagte: „Dazu wünschen wir dem HSV ein dickes Portemonnaie . . .“ Arnesen setzte noch eine Antwort an: „Genau, das haben . . .“ Aber er bekam den Satz nicht mehr zu Ende, denn Delling verabschiedete seinen Gast an dieser Stelle. Bestimmt hätte der Däne auch noch gesagt: „Genau, das haben wir nämlich nicht.“ Aber er durfte und konnte es nicht mehr sagen – leider. Gerhard Delling sagte nur noch: „. . . . das wird schon klappen.“

Aber im Prinzip hatte Frank Arnesen ja auch schon genug gesagt. Im Fernsehen gab der Däne auch zu: „Ich habe sehr, sehr viel in den letzten Monaten geredet.“ Stimmt. Weil auch die Spieler nichts sagen wollten – und teilweise auch nichts sagen durften. Auf die Frage von Delling, warum es eine solche Saison für den HSV geworden ist, wie sie es jetzt ist, da sagte Arnesen: „Wir haben 14 Spieler abgegeben, acht neue Spieler geholt, teilweise ganz junge Spieler. Dazu stimmte die Hierarchie in der Mannschaft nicht, weil mit van Nistelrooy, Ze Roberto, Rost und zum Beispiel Mathijsen Führungsspieler weg waren.“ Delling: „Aber warum haben sie zum Beispiel Mathijsen abgegeben?“ Arnesen: „Er wollte unbedingt weg. Er war hier sehr lange, er hat mir gesagt, dass er weg will. Und ein Spieler muss sehr gerne für den Verein spielen, er muss mir sagen, dass er auch für den HSV spielen will. Mathijsen wollte nicht mehr. Er wollte einen neuen Verein, eine neue Herausforderung. Und wenn man den Torwart und die Innenverteidigung abgibt, dann ist das ein Risiko.“

Frank Arnesen sagte noch weiter: „Und dann kamen viele junge Spieler, die die Bundesliga noch nicht kannten.“ Delling: „War das ein Fehler?“ Arnesen: „Fehler? Ich glaube, man muss immer gucken, was man gemacht hat. Ich will auch immer meine Arbeit analysieren. Und ich finde es zu leicht zu sagen, dass die Spieler, die gekommen sind, nicht gut genug sind. Das ist mir viel zu leicht. Wir hätten Frank Rost behalten können, aber dann hätten wir zwei teure Torhüter gehabt – einer sitzt davon auf der Bank. Aber wir mussten den Etat um 20 Prozent zurückfahren, und wir hatten kein Geld um zu kaufen – im Gegenteil, wir mussten mehr verkaufen als einkaufen. Und das ist nicht leicht. Da kann man nicht sagen, dass man alle Spieler behalten will, denn dann ist der HSV pleite . . . Und da ist dann bestimmt noch schlimmer.“
Als es jetzt ohnehin schon schlimm ist.

Ja, ja, das liebe Geld. Ist zum Glück ja nicht mein Thema . . . Alles nur eine Frage der Bilanzen.

Dann fragte Gerhard Delling noch nach Jaroslav Drobny – ob es klug war, dass sich der HSV schon sehr früh und öffentlich mit Adler beschäftigte? Arnesen, der Wahrheitsfanatiker: „Es war nicht frustrierend für ihn, das haben wir doch gesehen. Er hat doch unglaublich gut gehalten. Und geht man mal drei Monate zurück, da habe ich mit ihm gesprochen, eine Stunde lang, und ich habe ihm genau erklärt, warum ich das mit Adler machen will – und Drobny hat mir geantwortet: ‚Frank, wenn ich an deiner Stelle wäre, hätte ich es genau so getan.’ Und ein solcher Mann ist er auch. Eine sehr gute Person, absolut professionell – und er hat nicht unter dem Gerücht gelitten, dass Adler zum HSV kommen soll.“

Gerhard Delling weiter: „Drobny soll gut halten und dem HSV die Bundesliga retten, aber dann kommt zur neuen Spielzeit ein anderer Torwart. Ähnlich ist es mit Petric, ähnlich ist es mit Jarolim. Der war schon weg. Und nun ist er derjenige, der den HSV in der Ersten Liga halten soll. Glauben Sie, dass das nicht mindestens gefährlich gewesen ist?“ Frank Arnesen: „Nein, gar nicht. Wir reden über drei Spieler. Drobny und Jarolim. Haben sie gut gespielt in den letzten Wochen?“ Dann ging der Däne auf den Fall Jarolim ein: „Er hat mir gesagt, dass er kein Ersatzspieler sein will und kann, dann geht er weg. Das war im Oktober. Okay, habe ich gesagt, du hast so viel für diesen Klub geleistet, du darfst ohne Ablöse gehen. Das, obwohl er noch sechs Monate Vertrag hatte. Aber er hat keinen neuen Verein gefunden. Und das war für uns besser, denn Thorsten Fink und ich wollten, dass er bleibt. Er ist geblieben, und er hat hervorragend gespielt. Ähnlich bei Drobny, der auch sehr gute Spiele gezeigt hat.“ Arnesen: „Nur mit Petric ist das etwas anderes. Er hat eine unglückliche Saison gehabt, hatte viele kleinere Verletzungen. Er hat nie zwei Monate hintereinander spielen können, und das ist für Fußballer sehr schwer.“

Nicht nur für Fußballer ist das schwer, auch für Funktionäre, speziell für Sportchefs. Und ganz speziell für jene Sportchefs, die immer wahrheitsgemäß antworten.

Mir tut am meisten Jaroslav Drobny Leid. Vor Monaten kam das Gerücht auf, dass Adler zum HSV kommen soll. In Hamburg wurde nicht dementiert. Warum die Geschichte überhaupt auf den Markt gekommen war, das wusste kaum einer. Ich habe jedenfalls keinen getroffen, der mir das erklären konnte. Irgendwie und irgendwann hieß es nur, dieses Gerücht sei aus Leverkusen gestreut worden. Machte auch Sinn. Für mich jedenfalls, denn so kam Rene Adler mal wieder in die Schlagzeilen. Und aus Hamburg konnte und durfte dieses Gerücht ganz einfach nicht stammen, denn damit würde man ja in erster Linie nur eines erreichen: Man würde den eigenen und einzigen Klasse-Torhüter noch zusätzlich zum Abstiegskampf unter Druck setzen. Und ihn auch ein wenig verunsichern – wobei ein wenig noch geprahlt ist.

Zum Glück hat Drobny super reagiert. Sowohl auf dem Rasen als auch im Leben als Profi-Sportler. Nicht auszudenken wäre es gewesen, wenn er schlecht gehalten hätte, wenn er sich so schwer verletzt hätte, dass an Spiele nicht denken gewesen wäre. Was dann in Hamburg los gewesen wäre, das möchte ich mir nicht ausmalen. Aber Drobny gab immer 100 Prozent. Bis heute. Und so wird es wohl auch bleiben. Obwohl ich mir schon gewünscht hätte, dass das Thema Adler/HSV bis zur endgültigen Rettung des HSV keines mehr gewesen wäre. Auch nicht im „Sportclub live“ beim NDR. So weckt man nämlich schlafende Hunde. Was ist denn zum Beispiel, wenn Drobny nach seinen letzten guten Spielen doch noch gehofft hätte, beim HSV bleiben zu können (und zu dürfen)? Dann hat er jetzt den wohl endgültigen und finalen Schlag erhalten. Obwohl Arnesen auch zugab, dass Adler nur dann zum HSV kommen wird, wenn der HSV auch nächste Saison erstklassig spielt.

Um die Geschichte einmal abzurunden: In Bremen verlässt Torwart Tim Wiese die Werderaner. Das wissen inzwischen alle. Aber wohin geht Wiese? Das wissen sie alle nicht. Obwohl Wiese bei seinem neuen Klub schon unterschrieben hat. Nur wo?
Das ist doch eine verdammte Sauerei ist das doch, dass das noch keiner weiß!
Oder plappern die nur in Hamburg so offen und ehrlich – und irgendwie auch ein wenig amateurhaft?

Ich wünsche Jaroslav Drobny auf jeden Fall, dass er auch einen guten – neuen – Arbeitgeber findet. Und ich wünsche ihm zudem, dass er hier am Ende der Saison zum Spieler des Jahres gewählt wird – und dass sie ihm die Hände am „Uwe-Seeler-Fuß“ veröffentlichen. Eine Art Denkmal – er hätte es verdient!

So, kurz noch zum heutigen Ruhetag beim HSV. Dennis Diekmeier hat trainiert, und er wird wohl auch morgen (Dienstag) wieder ins Mannschaftstraining einsteigen (können). Der Verteidiger träumt sogar davon, dass er bereits am Sonnabend, beim schweren Auswärtsspiel in Nürnberg, wieder spielen kann (wird). Es wäre sein Auftritt bei seinem ehemaligen Klub. Ich aber glaube, dass Thorsten Fink nicht von seinem eingeschlagenen Weg abweichen wird, soll heißen, dass Jeffrey Bruma weiterhin rechts verteidigen wird – der Niederländer hat seine Sache dort doch gut und teilweise sogar sehr gut gemacht.

Morgen, wo wir gerade dabei sind, wird im Volkspark zweimal trainiert – 10 und 15.30 Uhr.

Dann möchte ich euch eine private Mail nicht vorenthalten, weil dort einige gute Ansätze zu lesen sind.

„Lieber Dieter!

Ohnmächtige Wut befällt mich vor allem bei der Selbstwahrnehmung und Einstellung im Kader und den angedachten sportlichen Entscheidungen des SD/Trainers und führt weiter zur verkrusteten Struktur des Vereins in allen Bereichen:

Provinzprominenz im AR und dessen Größe, der Vorstand kann mit Arnesen nur einen Sachkundigen aufweisen, die antidemokratische Einstellung einer vereinsbeherrschenden Fangruppierung betreffs Fernwahl.
Letztere hindert möglicherweise den Verein daran, sich zu reformieren, spiegelt aber eines deutlich wieder:
Mit abenteuerlichen Tricks wird schon seit Jahren Versucht, die Fernwahl zu verhindern und nimmt so zahlenden Mitgliedern das Recht, am Vereinsgeschehen mitzuwirken. Das erinnert mich eher an einen Taubenzüchter- oder Schützenverein.

Aber ich will mich aufs Sportliche konzentrieren. Seit Jahren wird unseren Spielern die Selbstzufriedenheit in Form von Qualität und wenns mal schlecht läuft, Potenzial eingetrichtert. Dazu kommen Sprüche wie “Der HSV ist ein großer Verein mit großartiger Tradition.”

Der HSV ist seit 30 Jahren kein großer Verein mehr und Tradition bedeutet für mich die positive, sportliche Bilanz einer auch jüngeren Vergangenheit; nicht nur irgendein Gründungsdatum und Titel aus grauer Vergangenheit.

Praktisch jeder kleinerer Verein hat in dieser Zeit irgendeinen Titel geholt.
Ich habe den Eindruck, die Masse der Spieler lebt in dieser Scheinwelt, die ihnen eingetrichtert wird. Das geht schon in der 2ten los (Stichwort Besic). Als Spieler eines so großen, traditionsreichen Vereins habe ich natürlich eine unheimliche Qualität. Da muss ich dann nicht richtig hingehen oder auf die Weisungen des Trainers achten. Das wird schon spielerisch gelöst! Fast jeder neuer deutschsprachiger Spieler, sei es Talent oder Neuverpflichtung, verfällt nach gutem Einstand in dieses Schema. Wenns darauf ankommt und auch noch die Konkurrenz hilft, versagen unsere Spieler regelmäßig und versinken in Selbstzufriedenheit – bis zur nächsten Klatsche.

Hingegen sollte man beachten, wie sich unsere “Abgänge” bei anderen Vereinen entwickeln. Bei Vereinen, die im Hier und Jetzt leben und bei denen Leistung gefordert wird. Starke war nicht mal als Nr.2 im Tor gut genug, Choupo schießt beim FCN mehr Töre als der grippekranke und nicht austrainierte Stehgeiger.
Auf den Trainer, auch wenn er mal Fehler macht, lasse ich dieses mal nichts kommen.

Wenn alle Spieler mit dem Trainer mitziehen (siehe Stuttgart), gewinnt man auch mal verdient gegen Angstgegner wie 96. Übrigens habe ich das Spiel gegen Hoffenheim nicht gesehen, weil ich wußte was kommt.
Es graut mich schon vor dem FCN-Spiel.

Was ich damit eigentlich sagen will: die Spieler müssen runter von ihrem Sockel und ernsthaft, wie Profis, arbeiten.
So wie man es bei z.B. Augsburg macht. Mit begrenzten spielerischen Mitteln wird dort das Maximum herausgeholt, eben weil die Spieler dem Trainer folgen und Ehrgeizig sind. Da ziehe ich meinen Hut und muß ehrlich zugeben, wir hätten den Abstieg mehr verdient als die.

Zum Neuaufbau:
Für mich gibt es in der aktuellen Mannschaft nur 3 Profis, der Rest will es werden oder meint er ist es schon:
Drobny, Jarolim, Rincon.

Jetzt will man Adler für 4 Mio. holen und dafür Drobny entlassen?
Wir haben noch nicht mal eine Nr.2 im Kasten, erhebliche Mängel in der Spieleröffnung, kein Backup für Aogo auf LV,
mit Mühe und Not einen Backup für Diekmeier, und da will man einen neuen Keeper holen, bei rostigen Knöpfen?
Ich hadere ja auch mit Drobnys Spieleröffnung, aber haben wir keine anderen Probleme? Der Mann ist Profi!

JEDER Trainer hat Jaro aussortiert und reumütig zurück geholt. Warum verfiel Fink in die selbe Illusion?
Ich bin beileibe kein Fan von Jaro. Aber sein Defensivspiel und vor allem seine Einstellung sind absolut professionell. Und nebenbei hat er auch seine offensive Spielweise erheblich verbessert. Bei Kontervorstössen ist er oft einer der einzigen vorne. Und Rincon gibt sowieso immer alles.

Wenn Drobny und Jaro vom Hof gejagt werden, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir brauchen Backups für LV,RV und einen echten Zehner. Wir brauchen auch den Mut von Fink, Spieler wie Töre evtl. taktisch frei, in oder hinter den Spitzen ein zu setzen.

Müssen wir ständig neu versagen? Da werde ich halt wütend.“

Von „wütend“ schreibt der „Matz-abber“ deswegen, weil ich ihn zuvor per Mail gefragt hatte, was ihn denn so wütend mache? Daraufhin erhielt ich dann diese sehr ausführliche Antwort.

18.26 Uhr

Das war Gänsehautfeeling pur

15. April 2012

„Der HSV war die agilere und bissigere Mannschaft, und wenn man kein Tor schießt, keine klare Möglichkeit herausspielt, dann kann man auch nicht gewinnen. Deswegen ist der HSV auch der verdiente Sieger.“ Sagte Hannovers Trainer Mirko Slomka fair nach der 0:1-Niederlage seiner Mannschaft im Volkspark. Eine gute Analyse. Mir hätte aber noch mehr gefallen, wenn der Coach auch das gute Spiel des HSV herausgestellt hätte, denn diesmal kämpften die „jungen Finken“ nicht nur, sie bissen auch nicht nur, so spielten phasenweise sogar recht guten Fußball. Eine solche Leistung hatte man im Volkspark schon lange, lange nicht mehr gesehen.

Und schon während des Spiel habe ich zu mir gesagt: „Von wegen. Im Abstiegskampf kann man sehr wohl guten Fußball zeigen, da muss nicht nur verkrampft gekämpft werden. Da spielen auch die Nerven nicht unbedingt eine Hauptrolle. Wenn man als Einheit auftritt, wenn alle gemeinsam wollen, dann kann man nicht nur miteinander zur Tat schreiben, dann kann man auch guten Fußball bieten.“ Und das tat der HSV diesmal. Niemand war an diesem Sonnabend nach dem HSV-Auftritt am Meckern, alle lobte unisono das gute Spiel. Des HSV. Und niemand musste hinterher auch nur einem Zuschauer erklären, dass das, was zuvor in den 90 Minuten angelaufen war, tatsächlich ein gutes Spiel gewesen ist. Alle hatten es diesmal gesehen, nicht einer war unzufrieden. Das war zuletzt, beim 1:1 daheim gegen Leverkusen, noch ganz anders. Da sagten die HSV-Verantwortlichen damals, wie toll doch dieses Spiel gewesen sei – aber das hatten lange nicht alle so gesehen . . .

Und grundsätzlich mag ich es ohnehin nicht, wenn man mir sagt, welches Spiel ich gesehen haben muss.

Aber gut, diesmal war ja alles zur besten Zufriedenheit. Und als ich nach Hause kam, da empfing mich Frau M. mit den Worten: „Warum geht das nicht immer so?“ Mein Freund Peter aus Mühlheim hat, so glaubt er, des Rätsels Lösung erkannt: „Der HSV war so gut, weil sie diesmal mit elf Mann gespielt haben. Alle waren in Bewegung, von hinten nach vorne, da stimmte das Engagement, das waren 90 Minuten voller Leidenschaft – das war zuletzt doch ganz anders. Und ich hoffe, dass das der Herr Fink auch so gesehen hat, und dass er deshalb sein Team in den letzten drei Spielen nicht mehr verändern wird.“
Abwarten.

„Diesmal war ich zufrieden. Aber wir müssen ja immer auch schauen, was die Mannschaft in der nächsten Woche für ein Gesicht zeigt. Diesmal waren wir von Anfang an da, dass war genau die Ausstrahlung, die ich von meiner Mannschaft im Abstiegskampf erwarte. Die Mannschaft hat gebrannt und genau die richtige Reaktion gezeigt, die ich nach dem 0:4 gegen Hoffenheim erwartet hatte.“ Thorsten Fink fuhr fort: „Wir standen kompakt und haben konzentriert und diszipliniert gespielt.“, sagte Thorsten Fink. Und der Trainer fand auch noch ein dickes Lob für „den zwölften Mann“: „Für meine Mannschaft war es ganz wichtig zu sehen, wie sehr sie von den Fans unterstützt wurde. So tolle Fans, und das nach einem 0:4 in Hoffenheim, das ist sensationell, deswegen macht es so viel Spaß, in Hamburg zu arbeiten – und nicht woanders.“
Lob, Lob, Lob. Und das völlig berechtigt. Aber Fink hob dennoch nicht ab, im Gegenteil, er hielt den Ball ganz flach: „Heute hat meine Mannschaft gezeigt, dass sie Abstiegskampf kann. Wenn die Mannschaft beim Spiel in Nürnberg diese Gesicht zeigt, dann werden wir auch dort punkten – aber ich bin mal gespannt.“

Weil er dem Frieden wohl auch noch (immer) nicht so recht traut.

Ein Extra-Lob des Trainers hatte sich der unermüdlich laufende, kämpfende, dribbelnden, oft sprintende und das Siegtor schießende Heung Min Son verdient, der nach sechs Monaten und 16 Partien wieder einmal das Tor getroffen hatte. „Er hat gebrannt und seine Sache toll gemacht, auch viel nach hinten gearbeitet. Mit seiner Schnelligkeit ist er für das Konterspiel prädestiniert“, sagte Fink. Für den HSV war es der erste Heimsieg seit dem 4. Dezember 2011 und erst der vierte Sieg in der Rückrunde überhaupt. „Heute haben wir richtig gut attackiert. Und die Fans haben richtig gut Stimmung gemacht, das hat viel Spaß gebracht“ sagte ein strahlender Son.

Er war ja nur deshalb zum Einsatz gekommen, weil Mladen Petric wegen eines grippalen Infekts ausgefallen war. Aber der 19-jährige Südkoreaner wurde zum Glücksfall für den HSV. Irgendwie erinnerte mich dieses Siegtor an damals, an den 9. Mai 1992, als der eingewechselte Liuz Emerson Firminho das goldene Tor (im Abstiegskampf) gegen Hansa Rostock erzielte. Diesen Emerson hatte vorher in Hamburg kein einziger Experte auf „dem Zettel“ gehabt, aber er kam, traf und trat sofort wieder ab von der Bühne. Wollen wir nicht hoffen, dass das mit Son ebenfalls so geht – aber das ist ja auch nicht zu befürchten. Son sagte noch: „Dieser Sieg war für die Mannschaft wichtig. Dass ich das entscheidende Tor gemacht habe, ist ein Traum, denn ich hatte ja lange nicht mehr von Anfang an gespielt.“

Die Erleichterung beim HSV nach diesem Dreier war riesig. Thorsten Fink umarmte beim Schlusspfiff alle Spieler, Betreuer und alle, die er auf dem Weg in die Kabine traf. Ich gebe gerne zu, dass auch mir ein „ganzes Mittelgebirge“ vom Herzen gefallen ist. Dieser Sieg war überlebensnotwendig. Und genau das jedem HSV-Spieler nach dem Schlusspfiff anzumerken. „Wir hatten sehr viel Druck, aber wir haben diese Aufgabe so angenommen, wie das gemacht werden muss. Das war Gänsehautfeeling pur, es fällt jedem von uns eine große Last ab“, sagte Dennis Aogo, der gleichzeitig aber auch warnt: „Wir stecken da unten aber immer noch mittendrin, da darf jetzt keiner von uns locker lassen.“ Das sah auch der Kapitän so. „Wir brauchen gar nicht groß zu feiern, wenn man unten steht, muss man sich Stück für Stück herausarbeiten und durchbeißen“, sagte Heiko Westermann.

In dasselbe Horn stieß auch Thorsten Fink: „Heute war ich zufrieden, aber ich betone immer wieder, heute. Weil ich ja weiß, dass wir immer wieder Formschwankungen haben – auch wenn wir nun aus vier Spielen im Abstiegskampf sieben Punkte geholt haben. Das ist zwar nicht so schlecht, aber man muss immer sehen, dass die Mannschaft auch Ziele hat. Und das Ziel ist, dass wir noch lange nicht da unten weg sind. Wir haben noch drei sehr schwierige Spiele. Und die Konkurrenz schläft nicht, die holt sich auch Punkte.“ Dann erhob Fink kurz die Stimme und forderte: „Wir müssen weiter unsere Spiele gewinnen, wir müssen weiter heiß bleiben, weiter Gas geben. Natürlich kann man sich zwei, drei Tage zurücklehnen, aber dann sollte man schleunigst wieder zeigen, dass man das gleiche Gesicht zeigt, das wir heute gesehen haben.“ Dann sagte Thorsten Fink auch noch: „Einmal verlieren – und die anderen gewinnen, dann sind wir vor dem Mainz-Spiel wieder genau dort, wo wir vor dem Hannover-Spiel waren . . .“
So ist es, ganz genau so ist es.

So, zum Schluss noch drei kleine und kleinere Personalien.

Auf dem Weg aus der Arena heraus traf ich Gerda und Horst Schnoor, den Meistertorwart von 1960. Er sprach zunächst mit Per Ciljan Skjelbred und sagte dem Norweger: „Ich hoffe, dass du demnächst mal eine richtige Chance erhältst, ich drücke dir die Daumen.“ Und zu mir sagte Schnoor: „Ich hoffe doch sehr, dass die Verantwortlichen spätestens jetzt erkannt haben, dass man den David Jarolim unbedingt halten muss. Der ist so wichtig für diese Mannschaft, das wäre jetzt der erste Punkt für mich, den es abzuarbeiten gilt: Vertragsverlängerung mit Jarolim.“
Horst, da bin ich ganz bei Dir.
Aber das ist ja auch keine große Überraschung mehr.

Dann traf ich vor dem Spiel noch einen Alten bekannten. Dietmar „Didi“ Beiersdorfer. Der ehemalige Sportchef stand ganz allein in einer langen Schlange an, die auf die Tribüne wollte. Typisch „Didi“. Andere hätten ihre Popularität genutzt und wären an allen vorbeigegangen, aber nicht so der „Didi“. Der stellt sich hintenan und wartet. Ganz brav. Und das finde ich toll! Kompliment, „Didi“. Mann kommt auch ohne große Welle ans Ziel.

Und dann war da noch Frank Rost im „Doppelpass“ auf „Sport 1“ :

Der ehemalige HSV-Torwart sagte . . .

… über die Lage beim HSV:

„Es gibt Leute, die sich wichtiger nehmen als den Verein. Mit der Demission von Dietmar Beiersdorfer ging es eigentlich immer weiter bergab. Trainer wie Huub Stevens oder Martin Jol, die sind von sich aus gegangen. Das hat sich bis jetzt fortgesetzt und man kommt wieder schrittweise auf den Abgrund zu. Wo steht der HSV in 10 Jahren? Die klare Linie fehlt mir.“

. . . über den Klub: „Man hat Lehrgeld gezahlt. Alle hoffen, dass man die richtigen Lehren daraus zieht. […] Der Nimbus des Dinos steht über allem und ist mehr belastend als befreiend. Grundsätzlich glaube ich, dass man über Jahre keine Galionsfiguren in Hamburg installiert hat, die für Fußball stehen. […] Das hat man versäumt. Man hat eigentlich nur schwache Leute geholt. Schwache Leute holen schwache Leute! Keine starken Leute, die dann auch mal auf einem Niveau hinter verschlossenen Türen diskutieren, wie das beim BVB der Fall ist. Dinge wurden über den Aufsichtsrat in der Öffentlichkeit diskutiert. Das hat dem Verein wehgetan und dafür muss man jetzt die Zeche zahlen. Man braucht Kontinuität. Man muss es erst gegen die Wand gefahren haben, bevor man dann mal umdenkt. Der HSV verfügt nicht über die Jungendabteilung wie in Dortmund. Das wird schwierig. […]

. . . über sein Ziel, im HSV zu arbeiten: „Wenn irgendwann der HSV sagt, dass er gerne mit mir reden will, dann bin ich der Letzte, der da nicht mitredet. Aber so wie die Konstellation jetzt ist, bringt das auch nicht viel. Sie müssen jetzt erst mal ihre Probleme lösen. […]
Alle haben Mitleid. Das finde ich total schräg. Es kann nicht der Anspruch des HSV sein, dass alle Mitleid haben.“

So, das war es. Abgeschlossen mit dem so wichtigen 3:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln. Danke, MG!

Und dann noch schnell das Restprogramm der Abstiegskandidaten:

SC Freiburg (13. Platz, 41:56 Tore, 35 Punkte)

31. Spieltag, 1899 Hoffenheim (H)
32. Spieltag, Hannover 96 (A)
33. Spieltag, 1. FC Köln (H)
34. Spieltag, Borussia Dortmund (A)

HSV (14. Platz, 34:55 Tore, 34 Punkte)

32. Spieltag, 1. FC Nürnberg (A)
33. Spieltag, FSV Mainz 05 (H)
34. Spieltag, FC Augsburg (A)

FC Augsburg (15. Platz, 34:48 Tore, 33 Punkte)

32. Spieltag, Schalke 04 (H)
33. Spieltag, Borussia Mönchengladbach (A)
34. Spieltag, Hamburger SV (H)

1. FC Köln (16. Platz, 36:66 Tore, 29 Punkte)

32. Spieltag, VfB Stuttgart (H)
33. Spieltag, SC Freiburg (A)
34. Spieltag, Bayern München (H)

Hertha BSC (17. Platz, 34:57 Tore, 28 Punkte)

32. Spieltag, 1. FC Kaiserslautern (H)
33. Spieltag, Schalke 04 (A)
34. Spieltag, 1899 Hoffenheim (H)

1. FC Kaiserslautern (18. Platz, 19:46 Tore, 20 Punkte)

32. Spieltag, Hertha BSC (A)
33. Spieltag, Borussia Dortmund (H)
34. Spieltag, Hannover 96 (A)

17.43 Uhr

1:0 – niemals Zweite Liga, niemals!

14. April 2012

Sie haben es ja doch kapiert!

Niemals Zweite Liga, niemals!

Der HSV ist auferstanden, der HSV gewinnt gegen Hannover 96 1:0 und springt dem Abstieg wieder ein kleines Stückchen von der Schippe. Mit der besten Saison-Leistung zieht der HSV erst einmal den Kopf aus der Schlinge und sorgt für einen wunderschönen Tag im Volkspark. Das war eine konzentrierte, disziplinierte und starke Leistung, der HSV ist endlich wieder aufgewacht und hat bewiesen, dass es nun auch der letzte Mann weiß, wie Abstiegskampf geht. Überragend – und Kompliment an alle Verantwortlichem, sie haben diesmal alles richtig gemacht. Diese drei Punkte waren lebensnotwendig, sieht man mal nach Leverkusen und Wolfsburg. . .

Ihr seid jetzt endlich auf dem richtigen Weg! Glückwunsch zu diesem Zwischenfazit.
Und wir sind das Urgestein! Dank an alle Fans, für die wunderbare Stimmung! Wir für euch, ihr für uns. Nur der HSV!

Der Beginn war wie beim 0:4 gegen Hoffenheim. Stürmisch, druckvoll – und nach Sekunden schon eine gute Tormöglichkeit. Heung Min Son wurde am 96-Strafraum gefoult – Freistoß aus 16,5 Metern. Son schreitet zur Vollstreckung. So, wie einige Meter unter Hamburg, nämlich in Madrid, der Kollege Cristiano Ronaldo. Der, der aus der Hüfte schießt. Son schießt auch so. Das heißt, er versucht es. 16,5 Meter, die niedersächsische Mauer bröckelt schon beim Anlauf des HSV-Stürmers auseinander – und dann kommt doch nur ein harmloser Rohrkrepierer aus dem rechten Schuh des Südkoreaners.

Typisch –möchte man sagen. Möchte ich sagen. Aber nur ein wenig später werde ich eines Besseren belehrt. Son kann es ja doch noch! Jawollo!!! Er dribbelt sich gegen Cherundolo von links in den 96-Strafraum hinein, er schüttelt Cherundolo ab und schießt. Die Kugel fliegt durch die Beine der 96-Defensive. Haggui sieht alt aus, Pogatetz geht vergeblich in die Knie, Cherundolo läuft nur noch aus – Ron-Robert Zieler streckt sich vergeblich. Der Ball zischt in die lange Ecke. Ein tolles Tor! Eines, das ich Son schon nicht mehr zugetraut hatte. Er kann es ja doch noch – super. Dieser Treffer war zu diesem Zeitpunkt goldrichtig, und er gab dem Schützen mit einem Male wieder Selbstvertrauen (12.).

Tor, Tor, Tor – für den HSV!

Hannover wirkt schon zu diesem Zeitpunkt irgendwie ausgelaugt. Kein Wunder, es steht hier das 47. Saisonspiel (!) für 96 auf dem Plan, und genau das sieht man – so mancher Hannoveraner läuft wie auf dem Zahnfleisch. Schlaudraff zum Beispiel, der eine große Saison gespielt hat (wie die gesamte 96-Truppe, das muss man einfach anerkennen), läuft so, als würde er jeden Moment zusammenbrechen – das ist saft- und kraftlos.

Was aber die Leistung des HSV nicht schmälern soll, keineswegs. Der HSV ging „geladen“ in diese Partie. Nur ein Beispiel. In der dritten Minute wurde Dennis Aogo links steil geschickt. Er lief Schulter an, der Ball rollte ins Tor-Aus – und Aogo „knöpfte“ sich noch kurz Cherundolo vor und erzählte ihm ein paar Takte. Griffig, griffig, dieser HSV! Auch so etwas gehört zum Abstiegskampf, das ist „psychologische Kriegsführung“.

Noch einmal zurück zum 1:0. Wie toll war denn wohl dieser HSV-Jubel! Die ganze Bank, vor allem die Betreuer, war aufgesprungen – alle stürmten auf das Spielfeld. Und Son lief an allen vorbei, lief auf den letzten Hamburger, der da noch stand, zu – und sprang ihm in die Arme: Gökhan Töre. Leidensgenossen unter sich. Bei beiden Spielern ist es in den letzten Monaten nicht sonderlich gut gelaufen. Ich gebe es zu, ich habe über Son oft genug als „Stolper-König“ nachgedacht. Zu viele misslungene Szenen hatte er dann gehabt, wenn er noch mal gebracht worden ist. Diesmal, diesmal aber kam er für den erkrankten Mladen Petric von Beginn an, macht sein Tor – und spielt großartig. So steht man wieder auf, wenn man am Boden lag – dickes Kompliment. Ich nehme alles mit dem größten Bedauern zurück – na ja, fast alles. Einiges war ja auch berechtigt. Kompliment aber auch an Trainer Fink – er hat ungeachtet aller Kritik stets an Son festgehalten. So mancher Experte hat den Kopf geschüttelt (auch ich), aber Fink blieb eisern – und dem Jungen treu. Es hat sich bezahlt gemacht.

Bitter aber eine andere „Geschichte“. Marcell Jansen hätte Sekunden nach dem 1:0 das 2:0 machen müssen. Ja, müssen! Er kreuzte allein vor Torwart Zieler auf, schoss aus zwölf Meter – genau den Keeper an. Ein 2:0 schon zu diesem Zeitpunkt, und alles wäre wohl schon geritzt gewesen.

Ja, und auch das gehört zum Abstiegskampf. Die Anzeigetafeln verheimlichen die 1:0-Führung des FC Augsburg in Wolfsburg. Erst das 1:1 des VfL wird veröffentlicht.
Der HSV macht Druck, ist besser, hat Chancen. Die beste: 35. Minute, Aogo-Ecke, Kopfball Heiko Westermann, Zieler hält mit viel mit Mühe. Und erst in der 37. Minute gibt es den ersten 96-Schuss auf das HSV-Tor, Schlaudraff aus 22 Metern – Jaroslav Drobny hält mühelos. Auf der Gegenseite „verzaubert“ der HSV den Volkspark: Welch ein Traum-Angriff in der 41. Minute, der Ball rollt direkt über Berg, Son, Aogo – fast das 2:0, aber es gibt nur Eckstoß. Trotz allem gibt es donnernden Applaus für eine solche Einlage, so etwas hat es in Hamburg oder vom HSV schon seit Jahr und Tag nicht mehr gegeben. Das war ja direkt aus dem Lehrbuch auf den Rasen der Arena – wo hat der HSV nur so etwas her?

Halbzeitpause.

In der sagt Stadionsprecher Dirk Dröge: „Der HSV kommt nach dem Seitenwechsel ja immer ein wenig verschlafen auf den Rasen, aber diesmal wecken wir ihn auf.“ Na ja, dieser Weckruf gelang so gut wie nicht, aber der HSV blieb in den ersten Minuten ohne Gegentor. Obwohl unübersehbar ist, dass Hannover will. 96 kommt entschlossen aus der Kabine, drückt, aber die Hamburger Null steht weiter. Obwohl es teilweise schon wie im Leverkusen-Spiel aussieht – irgendwie bettelt der HSV schon wieder (ein bisschen) um ein Gegentor . . .

Und der Schiedsrichter, der 45 Minuten fast fehlerlos gepfiffen hatte, scheint auch allmählich die Nerven zu verlieren. Was Günter Perl alles sieht und übersieht – unfassbar. In der 58. Minute zum Beispiel: Perl sieht als einziger im Stadion, dass Drobny noch an einem Pander-Freistoß dran ist. 57 000 Zuschauer haben es nicht gesehen – es ist zum Verzweifeln mit diesem Schiedsrichter! Und immer wieder ermahnt er David Jarolim (der, das gebe ich zu, auch immer wieder reklamiert – aber ja auch nicht ohne Grund!), das ist fast schon „Psycho-Terrror“! Der soll pfeifen, und keine Spieler einschüchtern.

Sensationell, wie Perl in der 87. Minute „übersah“, dass Pogatetz gegen Bruma brutal durchzog. Da kam sie wieder, die lässige Handbewegung des Mannes aus München, des arroganten Pfeifenmannes. Er bedeutete mit einer lässigen Handbewegung, dass Bruma ganz einfach aufzustehen hätte. Dabei hätte Perl diese Szene abpfeifen müssen! Aber er kann es ganz einfach nicht.
Und dann vier Minuten Nachspielzeit! Vier Minuten! Wo hatte er die denn hergeholt? Dieser Mann ist der reine Wahnsinn.

Aber es blieb beim 1:0. Es blieb beim 1:0-Sieg. Danke, Herr Perl! Und auf Wiedersehen in der nächsten Saison. In Liga eins. Wenn Sie denn drinbleiben.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny hatte nicht viel zu tun, das, was auf seinen Kasten kam, hielt er souverän.

Jeffrey Bruma zuverlässig, stabil, stand jederzeit sicher. Diese Leistung war erneut okay.

Michael Mancienne starke Partie, er beißt sich in dieses Team, wird immer besser.

Heiko Westermann war der überragende Mann. Konzentriert, immer hundertprozentig bei der Sache – ein Fels in der Brandung. Note eins!

Dennis Aogo großartig. Er marschiert mit seinen 25 Jahren wie ein Alter vorweg, das ist klasse, das ist top, das ist vorbildlich. Dickes Kompliment, Herr Nationalspieler!

Tomas Rincon war wieder ganz der Alte. Eine Halbzeit ohne Aussetzer, dann solide weiter, eine absolute Kampfmaschine.

David Jarolim ganz starke Partie vom „Altmeister“, der lange Zeit wieder vor Gelb-Rot stand. „Jaro“ erkämpfte wieder an die 100 Bälle (gefühlt), er hielt dagegen, ordnete im Mittelfeld – einfach nur gut, dieser Dauerläufer.

Ivo Ilicevic endlich einmal wieder ein Lebenszeichen von ihm, die beste Leistung in diesem Jahr von ihm.

Marcell Jansen begann stark, immer wieder rollte der HSV über links nach vorne, später ließ er etwas nach.

Heung Min Son das beste Spiel seit Jahren von ihm, einfach nur großartig. Als er in der 90. Minute ging, standen alle Fans (aus Hamburg) auf und applaudierten.

Marcus Berg gab viel, gab alles, spielte gut, aber er könnte noch mehr. Weil er es ja schon gezeigt hat. Wie Thorsten Fink sagen würde.

Jacopo Sala kam und fügte sich nicht gut ein. Ganz klar, er machte in der kurzen Zeit einige Dinge falsch. Jugendlicher Übereifer?

17.29 Uhr

« Vorherige Einträge - Nächste Einträge »

In eigener Sache
Pfeil
0  00 : 00 : 00
Tage  Std.  Min.  Sek.