Tagesarchiv für den 21. April 2012

1:1 – aber Drobny und Kacar verletzt (Update 19:00 Uhr: Innenband- und Syndesmosebandriss bei Kacar)

21. April 2012

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Der HSV kann in dieser Saison auf jeden Fall nicht mehr direkt absteigen, das 1:1 beim 1. FC Nürnberg macht es möglich. Es war ein hart erkämpfter Punkt, der mit zwei schwerer verletzten Spielern bitter bezahlt wurde. Jaroslav Drobny schied früh verletzt aus, in der Schlussphase wurde Gojko Kacar mit Verdacht auf Beinbruch vom Platz getragen. Trotz allem scheint der HSV auf dem richtigen Weg, wichtig war, dass im Frankenland nicht verloren wurde. Fünf Punkte und neun Tore hat der HSV nun Vorsprung auf den 1. FC Köln – das müsste doch schon mit dem Teufel zugehen, wenn das nicht reichen sollte. Zumal in der nächsten Partie, zu Hause gegen Mainz 05, auch Paolo Guerrero wieder dabei ist – und er hat ja noch viel gut zu machen . . .

Schön war es nicht, aber was soll es? So ist eben das etwas andere Gesicht des Abstiegskampfes, es kann eben nicht immer ein so qualitativ gutes Spiel geben, wie zuletzt gegen Hannover 96. Es ging zu Beginn dieser Partie hin und her, rauf und runter, oft auch hoch hinaus – meistens aber sehr unkontrolliert. Als würden im Frankenland die Weltmeisterschaften im Flippern ausgetragen werden. Manchmal flog die Kugel wie von Sinnen von Mannschaft zu Mannschaft. Merke: auch so vergehen die Minuten. Und wenn der Ball im Mittelfeld hin und her rollt, dann kann er eben nicht (so oft) ins HSV-Tor fliegen.

Auf der Gegenseite hätte der HSV nach zwölf Minuten und 21 Sekunden führen müssen. Jawoll! Führen müssen. Heung Min Son vergab eine Möglichkeit, die kann man eigentlich nicht vergeben. Aber der Südkoreaner, der wieder den Vorzug gegenüber Mladen Petric erhalten hatte, versagte völlig. Freistehend aus fünf Metern schoss, nein, marmelte er FCN-Torwart Schäfer an. Es ist müßig zu fragen, was Petric mit einem solchen Ball wohl gemacht hätte? Der Kroate saß eben draußen . . .

Dann die Szene, die für das große Hamburger Zittern sorgte. Der Nürnberger Pekhart prallte mit Jaroslav Drobny zusammen, der HSV-Keeper sackte mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden (19.). Er versuchte es noch einmal, aber musste aber vier Minuten später vom Platz. Ausgerechnet Drobny, die Bank für den HSV-Klassenerhalt. Für ihn kam Sven Neuhaus, der mit zarten 34 Jahren sein Erstliga-Debüt geben musste.

Von den Nürnbergern, die gut und druckvoll begonnen hatten, war zu diesem Zeitpunkt nicht viel zu sehen. Die wenigen Chancen, die es in diesem Spiel bis zum Pausenpfiff noch gab, die hatte der HSV. Keine Hochkaräter, aber immerhin. Tomas Rincon drosch die Kugel aus 18 Metern auf das Tor der Clubberer, aber leider genau auf Schäfer. Und als Ivo Ilicevic gekonnt Marcus Berg bediente, schlief der Schwede leider ein. Er hätte aus spitzem Winkel treffen können, wurde aber noch eingeholt und entscheiden gestört – nur Eckstoß für den HSV (37.). Die letzte Chance hatte dann noch einmal Rincon. Der Venezolaner hätte direkt aus 18 Metern schießen können, aber er zog es vor, den Ball noch einmal zu stoppen. Die falsche Entscheidung. Rincon „verstoppte“ sich. Und mir fiel dabei ein alter Spruch des ehemaligen Cottbus-Präsidenten Dieter Krein ein: „Unsere Spieler stoppen den Ball weiter, als der Gegner schießen kann . . .“
Halbzeitpause.

In den zweiten Durchgang startete der HSV mit mehr Unternehmungsgeist, auch wenn zunächst Wollscheid mit einem Fernschuss an Neuhaus scheiterte (54.). Drei Minuten später führte der HSV. Marcell Jansen ging links energisch und dynamisch los, lenkte den Ball am Fünfmeterraum noch im Fallen zu Son, der die Kugel aus der Drehung ins Tor beförderte. Welch ein Jubel! Der Klassenerhalt?

Leider noch nicht. Didavi, immer wieder dieser Didavi, schoss den Ausgleich (64.), nachdem zuvor Jeffrey Bruma unter einer langen Flanke durchgetaucht war. Ein bitterer (Stellungs-)Fehler – und so unnötig. Der Ball war so lange in der Luft, da hätte sich der Niederländer schon besser orientieren müssen. Schade, schade.

Die Einzel:

Jaroslav Drobny hatte nur eine Situation zu entschärfen – und musste dann leider verletzt raus. Gute Besserung!

Sven Neuhaus hatte einen guten Einstand, war am 1:1 schuldlos, ansonsten hellwach und immer im Bilde – gute Partie.

Jeffrey Bruma startete fahrig in dieses Spiel, hatte sich aber schnell (nach zehn, 15 Minuten) gefangen und ließ wenig zu. Überragend im Kopfballspiel – bis auf die eine Szene, die zum 1:1 führte. Ein ganz bitterer Moment für ihn – und für den HSV.

Michael Mancienne auch er wirkte anfänglich nervös, fand dann aber zu jener Form zurück, die ihn zuletzt hat Stammspieler werden lassen.

Heiko Westermann ohne große Fehler, stand meistens goldrichtig – aber nicht so dominant wie in den letzten Spielen. Immerhin, auf ihn ist Verlass.

Dennis Aogo begann ganz stark, emsig, unternehmungslustig, engagiert – und mitreißend. Sein Einsatz, sein Kampf – das ist alles vorbildlich. Nach vorne allerdings mit einigen Leichtsinnsfehlern. Und mit einer Seltenheit, nämlich einem abgepfiffenen falschen Einwurf. Gibt es heute doch eigentlich gar nicht mehr . . .

Tomas Rincon ackerte und rackerte wie zu seinen besten Zeiten, wurde einige Male zurückgepfiffen, wo ich nichts gesehen hatte – aber er ertrug es mit Fassung. Diesmal auch offensiver als sonst, wenn alles gut gelaufen wäre, dann hätte er nicht nur ein Tor schießen können, sondern auch zwei (29. und 45.) – wann hat es das mal gegeben?

David Jarolim sah früh seine neunte Gelbe Karte (insgesamt schon seine 86.!) und musste dann in der 57. Minute vom Platz, für ihn kam Gojko Kacar. Vorher hatte ich auch schon das Gefühl, dass „Jaro“ diesmal nicht alles gelang.

Ivo Ilicevic benötigte 25 bis 30 Minuten, um zu beweisen, dass er mit von der Partie war, dann machte er mit einigen Dribblings auf sich aufmerksam. Insgesamt aber wieder einmal viel zu wenig. Kommt er überhaupt noch einmal? Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir viel Freude an Illicevic haben werden. Und auch Thorsten Fink hat das immer prophezeit. Bislang ist von dieser Hoffnung noch nichts in Erfüllung gegangen (Korrektur 19:00 Uhr).

Marcell Jansen das war ganz okay. Auch wenn ihm im Spiel nach vorne seine frühere Schnelligkeit fehlte. Immerhin war er diesmal auch in der Defensive aufmerksam – und rettete einmal in höchster Not (28.), sonst hätte es wohl 1:0 für den Club gestanden.

Heung Min Son wirkte schon nach 45 Minuten am Ende seiner Kräfte – er pustete mit den Händen in den Hüften kräftig durch. Bis dahin war ihm aber nichts, absolut nichts gelungen – als Höhepunkt die hundertprozentige Torchance in der 13. Minute. Davon wird er noch lange träumen – und ich auch. In der 57. Minute rehabilitierte er sich, indem er das Führungstor für den HSV erzielte. Musste dann in der 84. Minute verletzt vom Platz (umgeknickt), für ihn kam Mladen Petric.

Marcus Berg hatte viele gute Ideen, legte einige Male sehr gut ab, aber oftmals fehlte ihm dann doch die nötige Präzision beim Passen. Im zweiten Durchgang war er aber kaum noch zu sehen – und er spielt oftmals noch zu unfair, so dass auch dadurch schon mancher HSV-Angriff im Keim erstickt wird.

Gojko Kacar ist im Moment unheimlich aggressiv (im Training), fügte sich in diese Partie still und ohne groß aufzufallen ein (für Jarolim). Dann, in der 87. Minute, wurde er zum großen Pechvogel des Spiels. Didavi fiel ihm auf das linke Bein – und Kacar signalisierte sofort: „Da ist etwas gebrochen.“ Die Saison ist für ihn beendet.

17.27 Uhr

Update um 19:00

Pressesprecher Jörn Wolf hat mir folgende SMS zukommen lassen: Knöchelbruch bei Kacar. Links. Dazu Innenbandriss und Syndesmosebandriss. Heute noch oder morgen früh OP in Nürnberg.

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