Tagesarchiv für den 16. April 2012

Dänen lügen nicht . . .

16. April 2012

Thorsten Fink ist ja in dieser Beziehung eisern. Er sagt nichts zu neuen Spielern und zur neuen Saison. Und das ist auch gut so. Erst einmal muss diese Spielzeit noch anständig beendet werden, bevor man sich über die Zukunft des HSV auslassen kann. Wie gesagt, Fink ist und bleibt beharrlich: „Ich sage nichts über Spieler, die noch nicht beim HSV sind.“ Etwas anders sieht das allerdings der Rauten-Sportchef. Dessen Motto: Dänen lügen nicht. Frei nach Michael Holm – oder so. Frank Arnesen haut immer raus. Ihm wird eine Frage gestellt – und der Sportchef antwortet – meistens jedenfalls – wahrheitsgemäß. So auch am Sonntag, als er Gast des „Sportclubs live“ beim NDR in Lokstedt war. Moderator Gerhard Delling fragte nach neuen Spielern für die neue Saison: „Wo sind die Leitwölfe, wo sind die Führungsspieler für die nächste Spielzeit in der ersten Bundesliga?“ Fink hätte geantwortet: „Abwarten, darüber rede ich noch nicht. Noch stehen wir im Abstiegskampf.“ Arnesen antwortete entwaffnend ehrlich: „Ich glaube sowieso, dass wir nicht so viele neue Spieler brauchen. Wir müssen neue Spieler kaufen, das wissen wir, aber so viele, wie zuletzt, 14 Spiele weg, sieben, acht hinzu, das wird es nicht wieder geben.“ Delling: „Aber ein bisschen was muss und wird sich ja ändern, oder?“ Arnesen: „Was wir in diesem Moment wissen, ist das: Wenn alles gut geht, dann kommt Rene Adler.“ Delling: „Was muss denn noch alles gut gehen?“ Arnesen: „Wir sind noch nicht klar. Es sind noch drei Spiele zu spielen. Es sieht gut aus, aber wir haben drei Finals noch zu spielen. Es sieht im Moment gut aus, aber im Fußball ganz so viel und so schnell etwas passieren. Wir müssen noch Punkte holen.“

Frank Arnesen ging dann beim NDR ans Eingemachte: „Wir haben auch einen neuen Stürmer, den wir verpflichten wollen, das ist der Lette Rudnevs. Dazu kommt Beister noch aus Düsseldorf zurück – und wir suchen, ganz geheim, einen kreativen Mittelfeldspieler.“ Und mehr Spieler wird es in diesem Jahr beim HSV nicht geben. Denn auch Gerhard Delling sagte: „Dazu wünschen wir dem HSV ein dickes Portemonnaie . . .“ Arnesen setzte noch eine Antwort an: „Genau, das haben . . .“ Aber er bekam den Satz nicht mehr zu Ende, denn Delling verabschiedete seinen Gast an dieser Stelle. Bestimmt hätte der Däne auch noch gesagt: „Genau, das haben wir nämlich nicht.“ Aber er durfte und konnte es nicht mehr sagen – leider. Gerhard Delling sagte nur noch: „. . . . das wird schon klappen.“

Aber im Prinzip hatte Frank Arnesen ja auch schon genug gesagt. Im Fernsehen gab der Däne auch zu: „Ich habe sehr, sehr viel in den letzten Monaten geredet.“ Stimmt. Weil auch die Spieler nichts sagen wollten – und teilweise auch nichts sagen durften. Auf die Frage von Delling, warum es eine solche Saison für den HSV geworden ist, wie sie es jetzt ist, da sagte Arnesen: „Wir haben 14 Spieler abgegeben, acht neue Spieler geholt, teilweise ganz junge Spieler. Dazu stimmte die Hierarchie in der Mannschaft nicht, weil mit van Nistelrooy, Ze Roberto, Rost und zum Beispiel Mathijsen Führungsspieler weg waren.“ Delling: „Aber warum haben sie zum Beispiel Mathijsen abgegeben?“ Arnesen: „Er wollte unbedingt weg. Er war hier sehr lange, er hat mir gesagt, dass er weg will. Und ein Spieler muss sehr gerne für den Verein spielen, er muss mir sagen, dass er auch für den HSV spielen will. Mathijsen wollte nicht mehr. Er wollte einen neuen Verein, eine neue Herausforderung. Und wenn man den Torwart und die Innenverteidigung abgibt, dann ist das ein Risiko.“

Frank Arnesen sagte noch weiter: „Und dann kamen viele junge Spieler, die die Bundesliga noch nicht kannten.“ Delling: „War das ein Fehler?“ Arnesen: „Fehler? Ich glaube, man muss immer gucken, was man gemacht hat. Ich will auch immer meine Arbeit analysieren. Und ich finde es zu leicht zu sagen, dass die Spieler, die gekommen sind, nicht gut genug sind. Das ist mir viel zu leicht. Wir hätten Frank Rost behalten können, aber dann hätten wir zwei teure Torhüter gehabt – einer sitzt davon auf der Bank. Aber wir mussten den Etat um 20 Prozent zurückfahren, und wir hatten kein Geld um zu kaufen – im Gegenteil, wir mussten mehr verkaufen als einkaufen. Und das ist nicht leicht. Da kann man nicht sagen, dass man alle Spieler behalten will, denn dann ist der HSV pleite . . . Und da ist dann bestimmt noch schlimmer.“
Als es jetzt ohnehin schon schlimm ist.

Ja, ja, das liebe Geld. Ist zum Glück ja nicht mein Thema . . . Alles nur eine Frage der Bilanzen.

Dann fragte Gerhard Delling noch nach Jaroslav Drobny – ob es klug war, dass sich der HSV schon sehr früh und öffentlich mit Adler beschäftigte? Arnesen, der Wahrheitsfanatiker: „Es war nicht frustrierend für ihn, das haben wir doch gesehen. Er hat doch unglaublich gut gehalten. Und geht man mal drei Monate zurück, da habe ich mit ihm gesprochen, eine Stunde lang, und ich habe ihm genau erklärt, warum ich das mit Adler machen will – und Drobny hat mir geantwortet: ‚Frank, wenn ich an deiner Stelle wäre, hätte ich es genau so getan.’ Und ein solcher Mann ist er auch. Eine sehr gute Person, absolut professionell – und er hat nicht unter dem Gerücht gelitten, dass Adler zum HSV kommen soll.“

Gerhard Delling weiter: „Drobny soll gut halten und dem HSV die Bundesliga retten, aber dann kommt zur neuen Spielzeit ein anderer Torwart. Ähnlich ist es mit Petric, ähnlich ist es mit Jarolim. Der war schon weg. Und nun ist er derjenige, der den HSV in der Ersten Liga halten soll. Glauben Sie, dass das nicht mindestens gefährlich gewesen ist?“ Frank Arnesen: „Nein, gar nicht. Wir reden über drei Spieler. Drobny und Jarolim. Haben sie gut gespielt in den letzten Wochen?“ Dann ging der Däne auf den Fall Jarolim ein: „Er hat mir gesagt, dass er kein Ersatzspieler sein will und kann, dann geht er weg. Das war im Oktober. Okay, habe ich gesagt, du hast so viel für diesen Klub geleistet, du darfst ohne Ablöse gehen. Das, obwohl er noch sechs Monate Vertrag hatte. Aber er hat keinen neuen Verein gefunden. Und das war für uns besser, denn Thorsten Fink und ich wollten, dass er bleibt. Er ist geblieben, und er hat hervorragend gespielt. Ähnlich bei Drobny, der auch sehr gute Spiele gezeigt hat.“ Arnesen: „Nur mit Petric ist das etwas anderes. Er hat eine unglückliche Saison gehabt, hatte viele kleinere Verletzungen. Er hat nie zwei Monate hintereinander spielen können, und das ist für Fußballer sehr schwer.“

Nicht nur für Fußballer ist das schwer, auch für Funktionäre, speziell für Sportchefs. Und ganz speziell für jene Sportchefs, die immer wahrheitsgemäß antworten.

Mir tut am meisten Jaroslav Drobny Leid. Vor Monaten kam das Gerücht auf, dass Adler zum HSV kommen soll. In Hamburg wurde nicht dementiert. Warum die Geschichte überhaupt auf den Markt gekommen war, das wusste kaum einer. Ich habe jedenfalls keinen getroffen, der mir das erklären konnte. Irgendwie und irgendwann hieß es nur, dieses Gerücht sei aus Leverkusen gestreut worden. Machte auch Sinn. Für mich jedenfalls, denn so kam Rene Adler mal wieder in die Schlagzeilen. Und aus Hamburg konnte und durfte dieses Gerücht ganz einfach nicht stammen, denn damit würde man ja in erster Linie nur eines erreichen: Man würde den eigenen und einzigen Klasse-Torhüter noch zusätzlich zum Abstiegskampf unter Druck setzen. Und ihn auch ein wenig verunsichern – wobei ein wenig noch geprahlt ist.

Zum Glück hat Drobny super reagiert. Sowohl auf dem Rasen als auch im Leben als Profi-Sportler. Nicht auszudenken wäre es gewesen, wenn er schlecht gehalten hätte, wenn er sich so schwer verletzt hätte, dass an Spiele nicht denken gewesen wäre. Was dann in Hamburg los gewesen wäre, das möchte ich mir nicht ausmalen. Aber Drobny gab immer 100 Prozent. Bis heute. Und so wird es wohl auch bleiben. Obwohl ich mir schon gewünscht hätte, dass das Thema Adler/HSV bis zur endgültigen Rettung des HSV keines mehr gewesen wäre. Auch nicht im „Sportclub live“ beim NDR. So weckt man nämlich schlafende Hunde. Was ist denn zum Beispiel, wenn Drobny nach seinen letzten guten Spielen doch noch gehofft hätte, beim HSV bleiben zu können (und zu dürfen)? Dann hat er jetzt den wohl endgültigen und finalen Schlag erhalten. Obwohl Arnesen auch zugab, dass Adler nur dann zum HSV kommen wird, wenn der HSV auch nächste Saison erstklassig spielt.

Um die Geschichte einmal abzurunden: In Bremen verlässt Torwart Tim Wiese die Werderaner. Das wissen inzwischen alle. Aber wohin geht Wiese? Das wissen sie alle nicht. Obwohl Wiese bei seinem neuen Klub schon unterschrieben hat. Nur wo?
Das ist doch eine verdammte Sauerei ist das doch, dass das noch keiner weiß!
Oder plappern die nur in Hamburg so offen und ehrlich – und irgendwie auch ein wenig amateurhaft?

Ich wünsche Jaroslav Drobny auf jeden Fall, dass er auch einen guten – neuen – Arbeitgeber findet. Und ich wünsche ihm zudem, dass er hier am Ende der Saison zum Spieler des Jahres gewählt wird – und dass sie ihm die Hände am „Uwe-Seeler-Fuß“ veröffentlichen. Eine Art Denkmal – er hätte es verdient!

So, kurz noch zum heutigen Ruhetag beim HSV. Dennis Diekmeier hat trainiert, und er wird wohl auch morgen (Dienstag) wieder ins Mannschaftstraining einsteigen (können). Der Verteidiger träumt sogar davon, dass er bereits am Sonnabend, beim schweren Auswärtsspiel in Nürnberg, wieder spielen kann (wird). Es wäre sein Auftritt bei seinem ehemaligen Klub. Ich aber glaube, dass Thorsten Fink nicht von seinem eingeschlagenen Weg abweichen wird, soll heißen, dass Jeffrey Bruma weiterhin rechts verteidigen wird – der Niederländer hat seine Sache dort doch gut und teilweise sogar sehr gut gemacht.

Morgen, wo wir gerade dabei sind, wird im Volkspark zweimal trainiert – 10 und 15.30 Uhr.

Dann möchte ich euch eine private Mail nicht vorenthalten, weil dort einige gute Ansätze zu lesen sind.

„Lieber Dieter!

Ohnmächtige Wut befällt mich vor allem bei der Selbstwahrnehmung und Einstellung im Kader und den angedachten sportlichen Entscheidungen des SD/Trainers und führt weiter zur verkrusteten Struktur des Vereins in allen Bereichen:

Provinzprominenz im AR und dessen Größe, der Vorstand kann mit Arnesen nur einen Sachkundigen aufweisen, die antidemokratische Einstellung einer vereinsbeherrschenden Fangruppierung betreffs Fernwahl.
Letztere hindert möglicherweise den Verein daran, sich zu reformieren, spiegelt aber eines deutlich wieder:
Mit abenteuerlichen Tricks wird schon seit Jahren Versucht, die Fernwahl zu verhindern und nimmt so zahlenden Mitgliedern das Recht, am Vereinsgeschehen mitzuwirken. Das erinnert mich eher an einen Taubenzüchter- oder Schützenverein.

Aber ich will mich aufs Sportliche konzentrieren. Seit Jahren wird unseren Spielern die Selbstzufriedenheit in Form von Qualität und wenns mal schlecht läuft, Potenzial eingetrichtert. Dazu kommen Sprüche wie “Der HSV ist ein großer Verein mit großartiger Tradition.”

Der HSV ist seit 30 Jahren kein großer Verein mehr und Tradition bedeutet für mich die positive, sportliche Bilanz einer auch jüngeren Vergangenheit; nicht nur irgendein Gründungsdatum und Titel aus grauer Vergangenheit.

Praktisch jeder kleinerer Verein hat in dieser Zeit irgendeinen Titel geholt.
Ich habe den Eindruck, die Masse der Spieler lebt in dieser Scheinwelt, die ihnen eingetrichtert wird. Das geht schon in der 2ten los (Stichwort Besic). Als Spieler eines so großen, traditionsreichen Vereins habe ich natürlich eine unheimliche Qualität. Da muss ich dann nicht richtig hingehen oder auf die Weisungen des Trainers achten. Das wird schon spielerisch gelöst! Fast jeder neuer deutschsprachiger Spieler, sei es Talent oder Neuverpflichtung, verfällt nach gutem Einstand in dieses Schema. Wenns darauf ankommt und auch noch die Konkurrenz hilft, versagen unsere Spieler regelmäßig und versinken in Selbstzufriedenheit – bis zur nächsten Klatsche.

Hingegen sollte man beachten, wie sich unsere “Abgänge” bei anderen Vereinen entwickeln. Bei Vereinen, die im Hier und Jetzt leben und bei denen Leistung gefordert wird. Starke war nicht mal als Nr.2 im Tor gut genug, Choupo schießt beim FCN mehr Töre als der grippekranke und nicht austrainierte Stehgeiger.
Auf den Trainer, auch wenn er mal Fehler macht, lasse ich dieses mal nichts kommen.

Wenn alle Spieler mit dem Trainer mitziehen (siehe Stuttgart), gewinnt man auch mal verdient gegen Angstgegner wie 96. Übrigens habe ich das Spiel gegen Hoffenheim nicht gesehen, weil ich wußte was kommt.
Es graut mich schon vor dem FCN-Spiel.

Was ich damit eigentlich sagen will: die Spieler müssen runter von ihrem Sockel und ernsthaft, wie Profis, arbeiten.
So wie man es bei z.B. Augsburg macht. Mit begrenzten spielerischen Mitteln wird dort das Maximum herausgeholt, eben weil die Spieler dem Trainer folgen und Ehrgeizig sind. Da ziehe ich meinen Hut und muß ehrlich zugeben, wir hätten den Abstieg mehr verdient als die.

Zum Neuaufbau:
Für mich gibt es in der aktuellen Mannschaft nur 3 Profis, der Rest will es werden oder meint er ist es schon:
Drobny, Jarolim, Rincon.

Jetzt will man Adler für 4 Mio. holen und dafür Drobny entlassen?
Wir haben noch nicht mal eine Nr.2 im Kasten, erhebliche Mängel in der Spieleröffnung, kein Backup für Aogo auf LV,
mit Mühe und Not einen Backup für Diekmeier, und da will man einen neuen Keeper holen, bei rostigen Knöpfen?
Ich hadere ja auch mit Drobnys Spieleröffnung, aber haben wir keine anderen Probleme? Der Mann ist Profi!

JEDER Trainer hat Jaro aussortiert und reumütig zurück geholt. Warum verfiel Fink in die selbe Illusion?
Ich bin beileibe kein Fan von Jaro. Aber sein Defensivspiel und vor allem seine Einstellung sind absolut professionell. Und nebenbei hat er auch seine offensive Spielweise erheblich verbessert. Bei Kontervorstössen ist er oft einer der einzigen vorne. Und Rincon gibt sowieso immer alles.

Wenn Drobny und Jaro vom Hof gejagt werden, verstehe ich die Welt nicht mehr. Wir brauchen Backups für LV,RV und einen echten Zehner. Wir brauchen auch den Mut von Fink, Spieler wie Töre evtl. taktisch frei, in oder hinter den Spitzen ein zu setzen.

Müssen wir ständig neu versagen? Da werde ich halt wütend.“

Von „wütend“ schreibt der „Matz-abber“ deswegen, weil ich ihn zuvor per Mail gefragt hatte, was ihn denn so wütend mache? Daraufhin erhielt ich dann diese sehr ausführliche Antwort.

18.26 Uhr